Samael Aun Weor Die Revolutionare Psychologie .pdf

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Die Revolutionäre Psychologie
Samael Aun Weor

Inhaltsverzeichnis
Das Niveau des Seins...............................................................................................2
Die wunderbare Leiter..............................................................................................5
Psychologische Rebellion........................................................................................7
Die Essenz................................................................................................................9
Sich selbst anklagen...............................................................................................11
Das Leben...............................................................................................................13
Der innere Zustand.................................................................................................14
Irrtümliche Zustände..............................................................................................16
Persönliche Ereignisse...........................................................................................18
Die verschiedenen Ichs..........................................................................................20
Das geliebte Ego....................................................................................................22
Die radikale Änderung...........................................................................................24
Beobachter und Beobachteter................................................................................26
Negative Gedanken................................................................................................28
Die Individualität...................................................................................................31
Das Buch des Lebens.............................................................................................33
Mechanische Geschöpfe.........................................................................................36
Das geistige Brot....................................................................................................38
Der gute Hausherr..................................................................................................40
Die zwei Welten.....................................................................................................42
Beobachtung seiner selbst......................................................................................44
Das Geschwätz.......................................................................................................46
Die Welt der Beziehungen.....................................................................................48
Das psychologische Lied........................................................................................50
Wiederkehr und Rekurrenz....................................................................................54
Das Selbstbewußtsein des Kindes..........................................................................56
Der Zöllner und der Pharisäer................................................................................58
Der Wille................................................................................................................61
Die Enthauptung.....................................................................................................64
Der permanente Schwerpunkt................................................................................69
Die gnostische esoterische Arbeit..........................................................................74
Das Gebet in der Arbeit..........................................................................................76

1

Das Niveau des Seins

Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wofür leben wir? Warum leben
wir...?
Ohne Zweifel, das arme intellektuelle Tier, irrtümlicherweise Mensch genannt, weiß nicht
nur nichts, sondern es weiß nicht einmal, daß es nichts weiß...
Das Schlimmste von allem ist die so schwierige und so seltsame Lage, in der wir uns
befinden: wir kennen das Geheimnis all unserer Tragödien nicht, und doch sind wir überzeugt
davon, alles zu wissen...
Man bringe ein rationales Säugetier, einen von den Menschen, die sich im Leben für
einflußreich halten, mitten in die Wüste Sahara, lasse es dort fern von allen Oasen und beobachte
von einem Flugzeug aus alles, was geschieht...
Die Tatsachen werden für sich sprechen: der intellektuelle Humanoide, auch wenn er
vorgibt, stark zu sein und sich für sehr männlich hält, erweist sich im Grunde als erschreckend
schwach...
Das rationale Tier ist hundertprozentig dumm; es denkt von sich selbst das Beste; es glaubt,
sich wunderbar entfalten zu können durch Kindergarten, Handbücher des guten Benehmens,
Grundschule, Hauptschule, Gymnasium, Universität, Vaters guten Ruf usw., usw...
Trotz aller Studien, des guten Benehmens, der Titel und des Geldes, betrübt uns
unglücklicherweise der kleinste Bauchschmerz, wie wir sehr wohl wissen, und im Grunde sind wir
weiterhin unglücklich und elend...
Man braucht nur in der Weltgeschichte zu lesen, um zu verstehen, daß wir die gleichen
Barbaren von einst sind und statt uns zu bessern, schlechter geworden sind.
Dieses 20. Jahrhundert, mit all seinen Sensationen, Kriegen, Prostitution, weltweiter
Sodomie, sexueller Entartung, Drogen, Alkohol, ungeheuerlicher Grausamkeit, extremer Perversität
usw. usw. usw. ist der Spiegel, in dem wir uns betrachten müssen; es gibt also keinen Grund, uns zu
rühmen, eine höhere Entwicklungsstufe erreicht zu haben...
Zu denken, daß Zeit Fortschritt bedeutet, ist absurd; unglücklicherweise bleiben die
unwissenden Gebildeten weiterhin im Dogma der Evolution verfangen. Auf allen schwarzen Seiten
der schwarzen Geschichte finden wir immer die gleichen schrecklichen Grausamkeiten, Machtgier,
Kriege usw....
Jedoch sind unsere zeitgenössischen Super-Zivilisierten immer noch davon überzeugt, daß
das Problem des Krieges etwas Nebensächliches ist, ein vorübergehendes Unglück, das nichts mit
ihrer vielgepriesenen modernen Zivilisation zu tun hat.
Das Entscheidende ist sicherlich die Art, zu sein eines jeden Menschen; einige sind Trinker,
andere Abstinenzler; die einen sind ehrenhaft, die anderen schamlos; das alles gibt es im Leben...
Die Masse ist die Summe der Individuen; wie das Individuum ist, so ist die Masse, die
Regierung usw....
2

Die Masse ist also die Ausdehnung des Individuums; die Umwandlung der Massen, der
Völker, ist nicht möglich, wenn sich nicht das Individuum, wenn sich nicht jede Person ändert...
Niemand kann leugnen, daß es verschiedene soziale Niveaus gibt; es gibt Kirchgänger und
Bordellbesucher, Geschäftsleute und Landwirte usw...
So gibt es auch verschiedene Niveaus des Seins. Das, was wir innerlich sind, großzügig oder
geizig, edelmütig oder kleinlich, jähzornig oder friedfertig, keusch oder unzüchtig, zieht die
verschiedenen Lebensumstände an...
Ein Unzüchtiger wird immer Szenen, Dramen und sogar Tragödien von Wollust anziehen, in
die er verwickelt wird...
Ein Trinker wird andere Trinker anziehen, und stets wird er sich in Bars und in Kneipen
wiederfinden. Das ist einleuchtend...
Was wird der Wucherer anziehen, was der Egoist? Wie viele Probleme, Gefängnisstrafen
oder Unglücksfälle?
Die Verbitterten jedoch, des Leidens müde, spüren das Bedürfnis, sich zu ändern und die
Seite ihrer Geschichte umzublättern...
Arme Leute! Sie wollen sich ändern und wissen nicht wie; sie kennen die Methode nicht, sie
stecken in einer Sackgasse...
Was ihnen gestern geschah, geschieht ihnen heute und wird ihnen morgen geschehen;
ständig wiederholen sie die gleichen Fehler und lernen unter keinen Umständen die Lektionen, die
ihnen das Leben erteilt. Alles wiederholt sich in ihrem Leben; sie sagen immer das gleiche, tun das
gleiche, beklagen sich über das gleiche...
Diese langweilige Wiederholung von Dramen, Komödien und Tragödien wird andauern,
solange wir die unerwünschten Elemente des Zorns, der Habsucht, der Lüsternheit, des Neides, des
Stolzes, der Faulheit, der Gefräßigkeit usw. in unserem Inneren tragen.
Welches moralische Niveau haben wir? Oder besser gesagt: Welches Niveau des Seins
haben wir?
Solange sich das Niveau des Seins nicht radikal ändert, wird sich immer alles wiederholen:
unser ganzes Elend, die verschiedenen Szenen im Leben, Unglück und Mißgeschick werden sich
fortsetzen...
All das, was außerhalb von uns auf der Bühne dieser Welt geschieht, ist ausschließlich das
Spiegelbild dessen, was wir im Innern tragen.
Mit gutem Recht können wir ausdrücklich betonen, daß das Äußere das Spiegelbild des
Inneren ist.
Wenn man sich innerlich ändert, und dieser Wandel radikal ist, dann ändert sich auch das
Äußere, ändern sich die Umstände, ändert sich das Leben.
In letzter Zeit (Jahr 1974) habe ich eine Gruppe Menschen beobachtet, die in ein fremdes
Grundstück eindrangen. Hier in Mexiko werden solche Leute mit dem seltsamen Namen
Paracaidistas (Fallschirmspringer) bezeichnet.
3

Es sind Nachbarn der Bauernsiedlung Churubusco; da sie sich in nächster Nähe meines
Hauses befinden, konnte ich sie gut beobachten...
Armut kann niemals ein Verbrechen sein, darin liegt nicht das Übel sondern in ihrem Niveau
des Seins...
Täglich streiten sie untereinander, betrinken sich, beleidigen sich, werden zu Mördern ihrer
eigenen Leidensgenossen, zweifelsohne leben sie in schmutzigen Hütten, in denen statt Liebe Haß
herrscht...
Oft habe ich gedacht, wenn irgendeine dieser Personen den Haß, den Zorn, die Lüsternheit,
die Trunkenheit, die üble Nachrede, den Neid, die Eigenliebe, den Stolz usw. aus ihrem Inneren
ausmerzen würde, könnte sie anderen Menschen gefallen; sie würde einfach durch das Gesetz
psychologischer Verwandtschaft mit Menschen, die feiner und geistvoller sind, in Verbindung
treten; diese neuen Beziehungen wären entscheidend für eine ökonomische und soziale Änderung...
Dies wäre der Weg, der einer solchen Person erlauben würde, den Stall, die schmutzige
Kloake zu verlassen...
Wenn wir also wirklich eine radikale Änderung wollen, so müssen wir zuerst verstehen, daß
jeder von uns, ob schwarz oder weiß, gelb oder braun, unwissend oder gebildet usw., sich auf
diesem oder jenem Niveau des Seins befindet.
Welches ist unser Niveau des Seins? Habt ihr jemals darüber nachgedacht? Es wäre nicht
möglich, ein anderes Niveau zu erreichen, wenn wir den Zustand nicht kennen, in dem wir uns
befinden.

4

Die wunderbare Leiter
Wir müssen eine wirkliche Änderung ersehnen, herauskommen aus dieser langweiligen
Routine, aus diesem rein mechanischen, ermüdenden Leben...
Das, was wir als erstes mit aller Klarheit verstehen müssen, ist, daß jeder von uns, sei er
Bürger oder Arbeiter, wohlhabend oder dem Mittelstand angehörend, reich oder arm, sich wirklich
auf diesem oder jenem Niveau des Seins befindet...
Das Niveau des Seins des Trinkers ist anders als das des Abstinenzlers, das der Prostituierten
ist ganz anders als das einer Dame. Was wir behaupten, ist unwiderlegbar, unanfechtbar...
An diesem Punkt unseres Kapitels ist es sinnvoll, uns eine Leiter vorzustellen, die sich
senkrecht von unten nach oben erstreckt und unzählige Stufen hat...
Fraglos befinden wir uns auf irgendeiner dieser Stufen; auf Stufen unter uns werden sich
schlechtere Menschen, auf Stufen über uns werden sich bessere Menschen als wir befinden...
Es ist klar, daß wir auf dieser außerordentlichen Senkrechten, auf dieser wunderbaren Leiter
alle Niveaus des Seins finden können... Jede Person ist anders, und das kann niemand bestreiten...
Zweifelsohne sprechen wir hier nicht von häßlichen oder schönen Gesichtern; auch ist es
keine Frage des Alters. Es gibt junge und alte Leute, Greise, die schon dem Tode nahe sind, und
Neugeborene...
Die Frage der Zeit und der Jahre, geboren werden, heranwachsen, sich entwickeln, heiraten,
sich fortpflanzen, alt werden und sterben, gehört ausschließlich der Waagerechten an...
Auf der wunderbaren Leiter, auf der Senkrechten, gibt es für den Begriff Zeit keinen Platz.
Auf den Stufen dieser Leiter können wir nur Niveaus des Seins finden...
Die mechanische Hoffnung der Leute nützt nichts; sie glauben, daß mit der Zeit alles besser
wird; so dachten schon unsere Großeltern und Urgroßeltern - die Tatsachen haben genau das
Gegenteil bewiesen...
Das Niveau des Seins ist das Einzige, was zählt, und das ist die Senkrechte; wir befinden uns
auf einer bestimmten Stufe, können aber auf die nächst höhere steigen...
Die wunderbare Leiter, von der wir sprechen und die sich auf die verschiedenen Niveaus des
Seins bezieht, hat sicherlich nichts mit der linearen Zeit zu tun...
Ein höheres Niveau des Seins befindet sich unmittelbar über uns, Augenblick für
Augenblick...
Es befindet sich in keiner entfernten waagerechten Zukunft, sondern hier und jetzt, in uns
selbst, auf der Senkrechten...
Es ist offensichtlich, und jeder kann es verstehen, daß die beiden Linien - Waagerechte und
Senkrechte - sich Augenblick für Augenblick in unserem psychologischen Innern befinden und ein
Kreuz bilden...

5

Die Persönlichkeit entwickelt und entfaltet sich auf der waagerechten Linie des Lebens. Sie
wird geboren und stirbt innerhalb ihrer linearen Zeit; sie ist vergänglich. Es gibt kein morgen für die
Persönlichkeit des Toten; sie ist nicht das Sein...
Das Niveau des Seins, das Sein selbst, gehört nicht der Zeit an, hat nichts mit der
waagerechten Linie zu tun; es befindet sich in uns selbst, jetzt, auf der Senkrechten...
Es wäre völlig absurd, unser eigenes Sein außerhalb von uns selbst zu suchen...
Wichtig ist es, noch folgendes hinzuzufügen: Titel, akademische Grade, Beförderungen
usw., die der äußeren physischen Welt angehören, werden auf keinen Fall zu einer wahren
Erhöhung, zu einer Aufwertung des Seins, zu einem Schritt zu einer höheren Stufe des Niveaus des
Seins führen.

6

Psychologische Rebellion
Es ist wichtig, unsere Leser daran zu erinnern, daß sich in uns ein mathematischer Punkt
befindet...
Fraglos befindet sich dieser Punkt niemals in der Vergangenheit und ebensowenig in der
Zukunft...
Wer diesen geheimnisvollen Punkt entdecken möchte, muß ihn hier und jetzt suchen, in
seinem Innern, genau in diesem Augenblick, keine Sekunde früher, keine Sekunde später...
Die beiden Balken, die Senkrechte und die Waagerechte des heiligen Kreuzes, treffen sich
an diesem Punkt...
Wir stehen also in jedem Augenblick vor zwei Wegen: dem waagerechten und dem
senkrechten...
Es ist offensichtlich, daß der waagerechte Weg sehr gewöhnlich ist. Auf ihm wandelt der
größte Teil der Menschheit.
Zweifellos ist der senkrechte Weg anders; es ist der Weg der intelligenten Rebellen, der
Revolutionäre...
Wer sich seiner selbst erinnert, wer an sich selbst arbeitet, wer sich nicht mit allen
Problemen und allem Leid im Leben identifiziert, geht tatsächlich auf dem senkrechten Pfad...
Sicherlich ist es niemals eine leichte Aufgabe, die negativen Gefühle auszumerzen, jede
Identifizierung mit unserer eigenen Lebensweise zu verlieren, mit Problemen aller Art: Geschäften,
Schulden, Wechselzahlungen, Hypotheken, Telefon-, Wasser- und Stromkosten usw. usw. usw....
Die Arbeitslosen, diejenigen, die aus diesem oder jenem Grund ihren Arbeitsplatz verloren
haben, leiden natürlich an Geldmangel; es wird für sie äußerst schwierig, ihre Situation zu
vergessen, sich nicht zu sorgen und nicht mit ihren Problemen zu identifizieren.
Diejenigen, die leiden und weinen, diejenigen, die im Leben Opfer eines Verrates, einer
Treulosigkeit geworden sind, einer Undankbarkeit, einer Verleumdung oder eines Betrugs,
vergessen wirklich sich selbst, ihr innerstes Wahres Sein, sie identifizieren sich vollkommen mit
ihrer moralischen Tragödie...
Die Arbeit an sich selbst ist das grundlegende Kennzeichen des senkrechten Weges.
Niemand könnte den Pfad der Großen Rebellion beschreiten, wenn er niemals an sich selbst
arbeiten würde.
Die Arbeit, auf die wir uns beziehen, ist psychologischer Art; sie beschäftigt sich mit einer
gewissen Umwandlung des gegenwärtigen Moments, in dem wir uns befinden. Wir müssen lernen,
von Augenblick zu Augenblick zu leben...
Eine Person zum Beispiel, die wegen eines sentimentalen, ökonomischen oder politischen
Problems verzweifelt ist, hat offensichtlich sich selbst vergessen...
Wenn diese Person einen Moment lang innehält, wenn sie die Situation beobachtet und
versucht, sich ihrer selbst zu erinnern und sich dann bemüht, den Sinn ihres Verhaltens zu
verstehen.
7

Wenn sie ein wenig überlegt, wenn sie daran denkt, daß alles vorübergeht, daß das Leben
illusorisch und flüchtig ist, und daß der Tod alle Eitelkeiten der Welt in Asche verwandelt...
Wenn sie versteht, daß ihr Problem im Grunde nichts als ein Strohfeuer ist, ein Irrlicht, das
bald erlischt, dann wird sie bald überrascht sehen, daß alles anders geworden ist...
Es ist möglich, mechanische Reaktionen mit Hilfe der logischen Gegenüberstellung und der
innersten Selbstüberlegung des Seins umzuwandeln...
Es ist offensichtlich, daß die Leute mechanisch auf die verschiedenen Lebensumstände
reagieren...
Arme Menschen! Immer werden sie zu Opfern. Wenn ihnen jemand schmeichelt, lächeln sie;
wenn sie gedemütig werden, leiden sie. Sie beleidigen, wenn man sie beleidigt, verletzen, wenn
man sie verletzt; niemals sind sie frei. Ihre Mitmenschen haben die Macht, sie von der Freude zur
Traurigkeit, von der Hoffnung zur Verzweiflung zu bringen.
Jede dieser Personen, die auf dem waagerechten Weg geht, gleicht einem Musikinstrument,
auf dem jeder seiner Mitmenschen spielt, was ihm gefällt.
Wer lernt, die mechanischen Beziehungen umzuwandeln, begibt sich in der Tat auf den
senkrechten Weg.
Dies stellt eine grundsätzliche Änderung des Niveaus des Seins dar, ein außerordentliches
Ergebnis der psychologischen Rebellion.

8

Die Essenz
Das, was jedes neugeborene Kind schön und anbetungswürdig macht, ist seine Essenz; diese
bildet in sich selbst seine wahre Wirklichkeit...
Das normale Wachstum der Essenz ist in jedem Geschöpf gewiß sehr gering, verbleibt in
seinen Anfängen...
Der menschliche Körper wächst und entwickelt sich entsprechend den biologischen
Gesetzen seiner Art ; für die Essenz jedoch sind solche Möglichkeiten nur sehr beschränkt...
Zweifellos kann die Essenz von sich aus und ohne Hilfe nur in sehr geringem Maße
wachsen...
Um es offen und geradeheraus zu sagen: das spontane und natürliche Wachstum der Essenz
ist nur in den ersten drei, vier oder fünf Lebensjahren möglich, d.h. im ersten Lebensabschnitt...
Die Leute denken, daß sich das Wachstum und die Entwicklung der Essenz immer stetig
vollzieht, gemäß der Mechanik der Evolution; der Universale Gnostizismus lehrt jedoch eindeutig,
daß dies nicht so geschieht...
Um zu ermöglichen, daß die Essenz weiterwächst, muß etwas sehr Besonderes geschehen,
etwas Neues muß vollbracht werden...
Ich möchte mit Nachdruck auf die Arbeit an sich selbst verweisen. Die Entwicklung der
Essenz ist ausschließlich auf Grund von bewußter Arbeit und freiwilligem Leiden möglich...
Es ist notwendig, zu verstehen, daß sich diese Arbeit nicht auf die Ausübung eines Berufes
bezieht wie z.B. in der Bank, Schreinerei, im Maurerhandwerk, bei der Ausbesserung von
Bahnlinien oder Büroarbeiten...
Diese Arbeit gilt für alle, die die Persönlichkeit entwickelt haben; es handelt sich um etwas
Psychologisches...
Wir alle wissen, daß wir in uns das haben, was sich Ego, mich selbst, sich selbst nennt...
Unglücklicherweise ist die Essenz im Ego gefangen, eingeschlossen, und das ist
beklagenswert...
Es ist dringend nötig, es darf nicht hinausgezögert werden, das psychologische Ich
aufzulösen und seine unerwünschten Elemente zu zerstören... das ist der Sinn der Arbeit an sich
selbst.
Niemals könnten wir die Essenz befreien, ohne zuvor das psychologische Ich zu zerstören...
In der Essenz befinden sich die Religion, der Buddha, die Weisheit, die Partikel des
Schmerzes unseres Vaters, der im Himmel ist und alle Informationen, die wir für die innerste
Selbstverwirklichung des Seins benötigen.
Niemand könnte das psychologische Ich vernichten, ohne zuvor die unmenschlichen
Elemente, die wir in uns tragen, zu beseitigen...

9

Es ist nötig, die ungeheuerliche Grausamkeit dieser Zeiten in Asche zu verwandeln; den
Neid, der unglücklicherweise zur geheimen Triebfeder der Handlungen geworden ist; die
unerträgliche Habsucht, die das Leben so bitter gemacht hat; die abstoßende üble Nachrede, die
Verleumdung, die so viele Tragödien verursacht; den Alkoholismus; die schandhafte übelriechende
Lüsternheit usw....
In dem Maße, in dem diese Greuel in kosmischen Staub zersetzt werden, wird sich die
Essenz nicht nur befreien, sondern auch wachsen und sich harmonisch entwickeln...
Wenn das psychologische Ich gestorben ist, erstrahlt zweifellos die Essenz in uns...
Die befreite Essenz verleiht uns innere Schönheit, und solcher Schönheit entspringen die
vollkommene Glückseligkeit und die wahre Liebe...
Die Essenz besitzt vielerlei Sinne der Vollkommenheit und außerordentliche natürliche
Kräfte...
Wenn wir in uns selbst sterben, wenn wir das psychologische Ich auflösen, erfreuen wir uns
der wunderbaren Sinne und Kräfte der Essenz...

10

Sich selbst anklagen
Die Essenz, die jeder von uns in seinem Innern trägt, kommt von oben, vom Himmel, von
den Sternen...
Zweifellos kommt die wunderbare Essenz von der musikalischen Note A (die Milchstraße,
die Galaxie, in der wir leben).
Die kostbare Essenz geht durch die Note G (die Sonne) und dann durch die Note F (die
Planetenzone), tritt ein in diese Welt und dringt in unser Inneres ein.
Unsere Eltern erschufen den geeigneten Körper für den Empfang dieser Essenz, die von den
Sternen kommt...
Wenn wir intensiv an uns selbst arbeiten und uns für unsere Mitmenschen aufopfern, werden
wir siegreich in den tiefen Schoß Uranias zurückkehren...
Wir leben aus irgendeinem Grund auf dieser Welt, für irgendetwas, aus einem besonderen
Anlaß...
Natürlich gibt es vieles in uns zu sehen, zu studieren und zu verstehen, wenn wir uns
wirklich danach sehnen, etwas über uns selbst und über unser Leben zu erfahren...
Tragisch ist die Existenz desjenigen, der stirbt, ohne den Grund seines Lebens erkannt zu
haben...
Jeder von uns muß von sich aus den Sinn seines Lebens entdecken und das, was ihn im
Kerker des Leidens gefangen hält...
Offensichtlich gibt es in jedem von uns etwas, was unser Leben bitter macht und was wir
entschieden bekämpfen müssen...
Es ist nicht unabänderlich, daß wir weiterhin im Elend sind; es ist unaufschiebbar, das, was
uns schwach und unglücklich macht, in kosmischen Staub zu verwandeln.
Es nützt nichts, uns auf Titel, Auszeichnungen, Urkunden, Geld, sinnlosen subjektiven
Rationalismus, allgemein bekannte Tugenden usw. etwas einzubilden.
Niemals sollten wir vergessen, daß Heuchelei und die dummen Eitelkeiten der falschen
Persönlichkeit uns zu schwerfälligen, "ranzigen", rückständigen und reaktionären Leuten macht,
unfähig, das Neue zu sehen...
Der Tod hat viele Bedeutungen, sowohl positive als auch negative. Betrachten wir doch jene
wunderbare Bemerkung des großen Kabir Jesus, des Christus: Lasset die Toten die Toten begraben.
Viele Menschen sind für jegliche Arbeit an sich selbst und somit für jegliche innere Umwandlung
tatsächlich tot, auch wenn sie physisch noch leben.
Das sind Menschen, die von ihren Dogmen und Glaubenssätzen eingenommen und in der
Erinnerung an gestern versteinert sind; Individuen voller uralter Vorurteile, Sklaven dessen, was die
andern sagen werden, der öffentlichen Meinung, schauderhaft lau, gleichgültig, manchmal alles
besser wissend, überzeugt davon, die Wahrheit zu vertreten, da man es ihnen so gesagt hatte usw....

11

Diese Leute wollen nicht verstehen, daß diese Welt eine psychologische Turnhalle ist, in der
es möglich wäre, die geheime Häßlichkeit, die wir alle in uns tragen, zu vernichten...
Wenn diese armen Leute den so bedauerlichen Zustand verstehen würden, in dem sie sich
befinden, würden sie vor Entsetzen erzittern...
Aber diese Menschen denken von sich selbst immer das Beste, geben an mit ihren Tugenden,
fühlen sich vollkommen, herzensgut, hilfreich, edel, barmherzig, intelligent, gewissenhaft in der
Ausübung ihrer Pflichten usw..
Das praktische Leben ist als Schule wunderbar, aber sicherlich wäre es absurd, es als ein Ziel
schlechthin zu betrachten.
Diejenigen, die das Leben so nehmen, wie es sich tagtäglich ergibt, haben nicht die
Notwendigkeit verstanden, an sich zu arbeiten, um eine radikale Umwandlung zu erreichen.
Unglücklicherweise leben die Leute mechanisch, sie haben noch nie etwas von einer inneren
Arbeit gehört...
Es ist notwendig, sich zu ändern, aber die Leute wissen nicht, wie sie sich ändern können;
sie leiden viel und wissen nicht einmal, warum sie leiden...
Der Besitz von Geld ist nicht alles. Das Leben vieler reicher Leute ist oft wirklich tragisch...

12

Das Leben
Auf dem Gebiet des praktischen Lebens entdecken wir immer erstaunliche Gegensätze.
Reiche Leute mit prächtigem Wohnsitz und vielen Freundschaften leiden manchmal fürchterlich...
Bescheidene Proletarier, die ein einfaches Leben führen oder Personen des Mittelstandes
sind manchmal vollkommen glücklich im Leben. Viele Multimillionäre leiden an sexueller
Impotenz, und reiche Matronen weinen bitterlich über das Unglück ihres Ehemannes...
Die Reichen der Erde gleichen Geiern in Goldkäfigen; in diesen Zeiten können sie nicht
ohne Leibwächter leben...
Die Staatsmänner schleppen Ketten, niemals sind sie frei; überall sind sie umgeben von
Menschen, die bis zu den Zähnen bewaffnet sind...
Studieren wir diese Situation etwas eingehender. Wir müssen wissen, wie das Leben ist.
Jeder ist frei, sich seine eigene Meinung zu bilden...
Was man auch immer sagen mag, sicher weiß niemand etwas. Das Leben erweist sich als ein
Problem, das niemand versteht...
Wenn die Leute uns unaufgefordert ihre Lebensgeschichte erzählen wollen, zitieren sie
Begebenheiten, Vor- und Nachnamen, Daten usw. und fühlen Genugtuung bei ihren
Schilderungen...
Diese armen Menschen wissen nicht, daß ihre Erzählungen unvollständig sind, denn die
Vorgänge, die Namen und Daten sind nur der äußere Aspekt des Films, während der innere fehlt...
Es ist dringend notwendig, Bewußtseinszustände zu kennen; jedem Ereignis entspricht dieser
oder jener seelische Zustand. Die Zustände sind innerlicher und die Ereignisse äußerlicher Art; die
äußerlichen Begebenheiten sind nicht alles...
Unter innerlichen Zuständen verstehen wir gute und schlechte Stimmungen, Sorgen,
Depressionen, Aberglaube, Angst, Argwohn, Barmherzigkeit, Selbstbeachtung, Momente des
Glücksgefühls, der Freude usw.usw.usw.
Zweifelsohne können die inneren Zustände genau den äußeren Begebenheiten entsprechen
oder von ihnen verursacht sein, sie können aber auch in keinerlei Beziehung zu ihnen stehen...
In jedem Fall unterscheiden sich Zustände von Ereignissen. Nicht immer entsprechen die
Ereignisse genau den ihnen verwandten Zuständen.
Der innere Zustand eines angenehmen Ereignisses könnte diesem nicht entsprechen.
Der innere Zustand eines unangenehmen Ereignisses könnte diesem nicht entsprechen.
Als lang erwartete Ereignisse endlich eintrafen, fühlten wir, daß etwas fehlte...
Sicher fehlte der entsprechende innere Zustand, der sich mit dem äußeren Ereignis
kombinieren sollte...
Sehr oft brachte uns das Ereignis, das wir nicht erwartet hatten, die besten Momente...
13

Der innere Zustand
Innere Zustände mit äußeren Ereignissen richtig zu kombinieren heißt, intelligent leben zu
können...
Jegliche intelligent erlebte Begebenheit erfordert den ihr entsprechenden spezifischen
inneren Zustand...
Doch unglücklicherweise denken die Menschen, wenn sie auf ihr Leben zurückblicken, daß
dieses ausschließlich aus äußeren Begebenheiten besteht...
Arme Menschen! Sie denken, daß ihr Leben besser gewesen wäre, wenn sich dieses oder
jenes Ereignis nicht zugetragen hätte...
Sie meinen, das Glück hätte sie verlassen, sie hätten die Gelegenheit, glücklich zu sein,
verpaßt...
Sie bedauern das Verlorene, sie weinen über das, was sie verschmäht haben, sie stöhnen bei
der Erinnerung an frühere Fehltritte und Notlagen...
Die Leute wollen nicht gewahr werden, daß Vegetieren nicht Leben bedeutet, und daß die
Fähigkeit, bewußt zu existieren, ausschließlich von der Qualität der inneren seelischen Zustände
abhängt...
Wie schön die äußeren Vorfälle des Lebens auch sein mögen, ist mit Sicherheit
unbedeutend, wenn wir uns während dieser Momente nicht im geeigneten inneren Zustand
befinden. Die schönsten Begebenheiten können uns eintönig, ermüdend oder einfach langweilig
erscheinen...
Jemand wartet sehnsüchtig auf das Hochzeitsfest, es ist ein großes Ereignis; doch es könnte
geschehen, daß man gerade in diesem Moment so besorgt ist, daß man wirklich keinerlei Freude am
Fest empfindet, und alles so trocken und kalt wie ein Protokoll wird...
Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß nicht alle, die an einem Festmahl oder einem Tanz
teilnehmen, es wirklich genießen...
Auch auf dem schönsten Fest fehlt niemals jemand, der sich langweilt, und die herrlichsten
Aufführungen erheitern die einen und bringen andere zum Weinen.
Sehr selten sind die Personen, die den äußeren Vorfall bewußt mit dem geeigneten inneren
Zustand kombinieren können...
Es ist bedauerlich, daß die Menschen es nicht verstehen, bewußt zu leben: sie weinen, wenn
sie lachen sollen und lachen, wenn sie weinen sollen...
Kontrolle ist etwas anderes: der Weise kann fröhlich sein, aber niemals voller verrückter
Zügellosigkeit; er kann traurig sein, aber niemals verzweifelt und niedergeschlagen; ruhig inmitten
der Gewalttätigkeit; enthaltsam in der Orgie; keusch inmitten der Lüsternheit usw....
Die melancholischen und pessimistischen Personen denken das Schlimmste über das Leben,
und eigentlich wollen sie nicht leben...

14

Jeden Tag sehen wir Menschen, die nicht nur unglücklich sind sondern zudem - was
schlimmer ist - auch den anderen das Leben verbittern...
Solche Leute würden sich nicht ändern, selbst wenn sie täglich von einem Fest zum anderen
gingen; sie tragen die psychologische Krankheit in ihrem Innern... solche Personen haben
ausgesprochen perverse innere Zustände...
Jedoch halten sich diese Subjekte für gerecht, heilig, tugendhaft, edel und hilfsbereit, fühlen
sich als Märtyrer usw....
Es sind Menschen, die sich selbst zu sehr berücksichtigen, die sich selbst sehr lieben...
Individuen, die sich selbst sehr bemitleiden und immer eine Ausflucht suchen, um sich ihrer
Verantwortung zu entziehen...
Personen dieser Art sind an niedere Gefühle gewöhnt, und es ist offensichtlich, daß sie aus
diesem Grunde täglich infrahumane psychische Elemente erschaffen.
Die unglücklichen Ereignisse, die Schicksalsschläge, das Elend, die Schulden, die
Schwierigkeiten usw. betreffen ausschließlich diejenigen, die nicht zu leben vermögen...
Jeder kann sich eine umfassende intellektuelle Bildung aneignen, aber es gibt nur wenige,
die gelernt haben, richtig zu leben...
Wenn man die äußeren Ereignisse von den inneren Bewußtseinszuständen trennen will,
beweist man gerade damit seine Unfähigkeit, würdig zu leben.
Diejenigen, die lernen, äußere Ereignisse und innere Zustände bewußt zu kombinieren,
begehen den Weg des Erfolges.

15

Irrtümliche Zustände
Zweifellos ist es unerläßlich, in der rigorosen Beobachtung seiner selbst eine deutliche und
logische Unterscheidung zwischen den äußeren Umständen des täglichen Lebens und den inneren
Bewußtseinszuständen zu machen.
Es ist dringend notwendig, zu wissen, wo wir uns in einem bestimmten Augenblick
befinden, sowohl in Bezug auf den inneren Bewußtseinszustand als auch auf die spezifische Art des
äußeren Ereignisses, das wir erleben.
Das Leben selbst ist eine Reihe von Ereignissen, die sich in Raum und Zeit entwickeln.
Jemand sagte: Das Leben ist eine Kette von Martyrien, die der Mensch verwickelt in seiner
Seele trägt.
Jeder ist frei zu denken, was er will; ich glaube, daß auf vergängliche Vergnügungen eines
flüchtigen Augenblicks immer Enttäuschung und Bitterkeit folgen...
Jedes Ereignis besitzt seinen eigenen charakteristischen Geschmack; die inneren Zustände
sind ebenfalls unterschiedlicher Art. Dies ist unbestreitbar und unwiderlegbar...
Gewiß bezieht sich die innere Arbeit an sich selbst ausdrücklich auf die verschiedenen
psychologischen Bewußtseinszustände...
Niemand könnte leugnen, daß wir in unserem Inneren mit vielen Fehlern beladen sind und
daß irrtümliche Zustände existieren...
Wenn wir uns wirklich ändern wollen, so müssen wir mit äußerster Dringlichkeit und
unverzüglich jene irrtümlichen Zustände des Bewußtseins radikal ändern...
Die absolute Umwandlung der irrtümlichen Zustände verursacht eine vollständige
Veränderung im Bereich des praktischen Lebens...
Wenn jemand ernsthaft an den irrtümlichen Zuständen arbeitet, können ihn die
unangenehmen Ereignisse des Lebens offensichtlich nicht mehr so leicht verletzen...
Hiermit meinen wir etwas, was nur verstanden werden kann, indem man es erlebt, indem
man es wirklich fühlt im Bereich der Tatsachen selbst...
Wer nicht an sich selbst arbeitet, ist immer ein Opfer der Umstände, wie ein elendes Holz in
den stürmischen Fluten des Ozeans...
Die Ereignisse ändern sich ständig in ihrer vielfältigen Zusammenstellung; eines folgt auf
das andere wie Wellen; es sind Einflüsse...
Gewiß gibt es gute und schlechte Ereignisse; einige davon werden besser, andere schlechter
sein...
Es ist möglich, bestimmte Ereignisse zu ändern; Ergebnisse, Situationen usw. zu
beeinflussen, liegt gewiß im Bereich des Möglichen.

16

Hingegen gibt es tatsächlich Situationen, die wirklich nicht geändert werden können; in
diesem Fall muß man sie bewußt annehmen, auch wenn sich manche als sehr gefährlich und sogar
als schmerzvoll erweisen...
Zweifellos schwindet der Schmerz, wenn wir uns nicht mit dem Problem, das entstanden ist,
identifizieren.
Wir müssen das Leben als eine Reihenfolge innerer Zustände betrachten; eine echte
Geschichte unseres eigenen Lebens besteht aus all diesen Zuständen...
Bei einem kritischen Rückblick auf unsere ganze Existenz können wir selbst unmittelbar
feststellen, daß viele unangenehme Situationen nur durch irrtümliche innere Zustände möglich
waren...
Auch wenn er von Natur aus immer maßvoll war, gab sich Alexander der Große aus Stolz
den Ausschweifungen hin, die seinen Tod verursachten...
Franz I. starb wegen eines schmutzigen und abscheulichen Ehebruchs, an den die Geschichte
sich noch sehr gut erinnert...
Als Marat von einer perversen Nonne umgebracht wurde, starb er an Hochmut und Neid; er
hielt sich für völlig gerecht...
Zweifellos erschöpften die Damen des Hirschparks vollkommen die Lebenskraft des
schrecklichen Lüstlings namens Ludwig XV...
Viele Menschen sterben an Ehrgeiz, Zorn oder Eifersucht; dies wissen die Psychologen sehr
wohl...
Sobald sich unser Wille unwiderruflich in einer absurden Neigung bestärkt, werden wir
Kandidaten für das Pantheon oder für den Friedhof...
Othello wurde aus Eifersucht zum Mörder, und die Gefängnisse sind voll von sich aufrichtig
Irrenden...

17

Persönliche Ereignisse
Wenn es darum geht, irrtümliche psychologische Zustände zu entdecken, kann die völlige
innerste Selbstbeobachtung des eigenen Ichs nicht aufgeschoben werden.
Ohne Zweifel können die irrtümlichen inneren Zustände durch geeignete Methoden
korrigiert werden.
Da das Innenleben der Magnet ist, der die äußeren Vorfälle anzieht, ist es von höchster
Dringlichkeit, unverzüglich die irrtümlichen psychologischen Zustände aus unserer Psyche zu
entfernen.
Wenn man die Art gewisser, unerwünschter Ereignisse von Grund auf ändern will, ist es
unerläßlich, irrtümliche psychologische Zustände zu korrigieren.
Es ist möglich, unsere Beziehung zu gewissen Ereignissen zu ändern, wenn wir aus unserem
Innern bestimmte absurde, psychologische Zustände entfernen.
Destruktive äußere Situationen könnten sich durch die intelligente Korrektur der verkehrten
psychologischen Zustände in harmlose und sogar konstruktive Situationen verwandeln.
Man kann die Art der unangenehmen Vorfälle, die uns widerfahren, ändern, wenn man sich
innerlich reinigt.
Wer niemals die absurden psychologischen Zustände korrigiert und sich für sehr stark hält,
wird zu einem Opfer der Umstände.
Wenn man wünscht, den Verlauf einer unglücklichen Existenz zu ändern, ist es unerläßlich,
Ordnung in unserem unordentlichen inneren Haus zu schaffen.
Die Menschen beklagen sich über alles; sie leiden, weinen, protestieren, würden gerne ihr
Leben ändern, herauskommen aus dem Unglück, in dem sie sich befinden; aber leider arbeiten sie
nicht an sich selbst.
Die Menschen wollen nicht wahrhaben, daß das Innenleben die äußeren Umstände anzieht
und daß es auf die absurden inneren Zustände zurückzuführen ist, wenn diese schmerzlich sind.
Das Äußere ist nur ein Widerschein des Inneren. Wer sich innerlich ändert, bewirkt eine
neue Ordnung der Dinge.
Niemals sind die äußerlichen Ereignisse so wichtig wie die Art und Weise, mit der man auf
sie reagiert.
Bliebst du ruhig, als du beleidigt wurdest? Habt ihr die unangenehmen Äußerungen eurer
Mitmenschen mit Wohlgefallen aufgenommen?
Wie habt ihr auf die Untreue des geliebten Gefährten reagiert? Ließest Du Dich hinreißen
vom Gift der Eifersucht? Hast Du getötet? Seid ihr im Gefängnis?
Die Krankenhäuser, Friedhöfe und Gefängnisse sind voll von sich aufrichtig Irrenden, die
auf absurde Art und Weise auf die äußeren Geschehnisse reagierten.

18

Die beste Waffe, die ein Mensch im Leben benutzen kann, ist ein korrekter psychologischer
Zustand.
Durch geeignete innere Zustände kann man Raubtiere besänftigen und Verräter entlarven.
Die irrtümlichen inneren Zustände machen uns zu wehrlosen Opfern der menschlichen
Perversität.
Lernt, den unangenehmsten Vorfällen im praktischen Leben mit einer geeigneten inneren
Einstellung zu begegnen...
Identifiziert euch mit keinem Ereignis; erinnert euch daran, daß alles vorübergeht; lernt, das
Leben wie einen Film anzusehen, und ihr werdet Nutzen daraus ziehen...
Vergeßt nicht, daß Vorfälle ohne jeglichen Wert euch ins Unglück stürzen können, wenn ihr
die irrtümlichen inneren Zustände in eurer Psyche nicht beseitigt.
Jedes äußere Ereignis benötigt zweifellos den geeigneten Fahrschein, das heißt den genau
entsprechenden psychologischen Zustand.

19

Die verschiedenen Ichs
Das rationale Säugetier, irrtümlicherweise Mensch genannt, besitzt in Wirklichkeit keine
definierte Individualität.
Zweifellos ist das Fehlen einer psychologischen Einheit im Humanoiden die Ursache vieler
Schwierigkeiten und Verbitterung.
Der physische Körper ist eine vollständige Einheit und arbeitet wie ein organisches Ganzes,
insofern er nicht krank ist.
Das Innenleben des Humanoiden hingegen ist keinesfalls eine psychologische Einheit.
Das Schlimmste daran ist ? was auch immer die verschiedenen Schulen pseudo-esoterischer
oder pseudo-okkultistischer Art sagen mögen ? der Mangel an psychologischer Organisation in der
Tiefe eines jeden Einzelnen.
Gewiß gibt es unter solchen Umständen im Innenleben des Menschen keine harmonische
Arbeit, die als Einheit wirkt.
Die Humanoiden sind bezüglich ihres inneren Zustandes eine psychologische Vielheit, eine
Summe von Ichs.
Die unwissenden Gebildeten dieser finsteren Zeit treiben mit dem Ich einen Kult, sie
vergöttern es, stellen es auf die Altäre, nennen es alter Ego, höheres Ich, göttliches Ich usw....
Die Besserwisser dieser schwarzen Zeit, in der wir leben, wollen nicht wahrhaben, daß das
höhere Ich oder niedere Ich zwei Teile des gleichen, vielfältigen Egos sind...
Der Humanoide besitzt sicherlich kein beständiges Ich, sondern eine Menge verschiedener
infrahumaner und absurder Ichs.
Das arme intellektuelle Tier, irrtümlicherweise Mensch genannt, gleicht einem
unordentlichen Haus, in dem es statt eines Herrn viele Diener gibt, die immer das befehlen und tun
wollen, wozu sie gerade Lust haben...
Der größte Fehler der billigen Pseudo-Esoterik und des Pseudo-Okkultismus besteht darin,
anzunehmen, daß wir ein beständiges und unveränderliches Ich besitzen, ohne einen Anfang und
ohne ein Ende...
Würden diejenigen, die so denken, auch nur für einen Augenblick ihr Bewußtsein erwecken,
könnten sie selbst klar erkennen, daß der rationale Humanoide niemals für lange Zeit der Gleiche
ist...
Vom psychologischen Standpunkt aus gesehen ändert sich das intellektuelle Säugetier
ständig...
Der Gedanke, daß eine Person, die Hans heißt, auch immer Hans ist, wird somit fast zu
einem schlechten Scherz.
Diese Person, die Hans genannt wird, hat in ihrem Innern andere Ichs, andere Egos, die sich
durch seine Persönlichkeit in verschiedenen Momenten äußern. Auch wenn Hans die Habgier zum
20

Beispiel nicht gefällt, einem anderen Ich in ihm - nennen wir es Peter - gefällt sie, und so geht es
ununterbrochen.
Keine Person ist ständig die gleiche; man braucht wirklich nicht sehr weise zu sein, um die
zahllosen Wandlungen und Widersprüche eines jeden völlig wahrzunehmen.
Die Annahme, daß jemand ein beständiges und unveränderliches Ich besitze, kommt einem
Mißbrauch unserer selbst und unserer Mitmenschen gleich.
Im Innern eines jeden Menschen leben viele Personen, viele Ichs; das kann jeder, der wach,
der bewußt ist, unmittelbar selbst feststellen...

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Das geliebte Ego
Da das Höhere und das Niedere zwei Teile einer gleichen Sache sind, können wir folgendes
behaupten: höheres Ich, niederes Ich sind zwei Aspekte des gleichen finsteren und vielfältigen
Egos.
Das sogenannte göttliche Ich oder höhere Ich, alter Ego oder dergleichen ist gewiß eine List
des eigenen Selbst, eine Art von Selbsttäuschung.
Wenn das Ich hier und im Jenseits weiterbestehen will, täuscht es sich selbst mit dem
falschen Begriff eines unsterblichen, göttlichen Ichs...
Niemand von uns besitzt ein Ich, das wahrhaftig, fortdauernd, unveränderlich, ewig, erhaben
usw. ist.
Niemad von uns hat in Wirklichkeit eine wahre und authentische Einheit des Seins;
unglücklicherweise besitzen wir nicht einmal eine legitime Individualität.
Obwohl das Ego bis über das Grab hinaus weiterbesteht, hat es dennoch einen Anfang und
ein Ende.
Das Ego, das Ich, ist niemals etwas Individuelles, Einheitliches, Ganzheitliches. Das Ich
besteht offensichtlich aus Ichs.
Im östlichen Tibet nennt man die Ichs psychische Aggregate oder einfach Werte, seien diese
positiv oder negativ.
Wenn wir uns jedes Ich als eine anders geartete Person vorstellen, können wir ausdrücklich
folgendes behaupten:Im Innern jeder Person, die auf der Welt lebt, existieren viele Personen.
Zweifellos leben in jedem von uns sehr viele verschiedene Personen; einige sind besser,
andere schlechter...
Jedes dieser Ichs, jede dieser Personen kämpft um die Vormachtstellung, will exklusiv sein,
beherrscht das Zentrum des Intellekts, des Gefühles oder der Bewegung sooft wie möglich, bis ein
anderes es verdrängt...
Die Lehre der "vielen Ichs" wurde im östlichen Tibet von den wahren Hellsehern, den
authentischen Erleuchteten gelehrt...
Jeder unserer psychologischen Fehler wird von diesem oder jenem Ich personifiziert. Da wir
Tausende, sogar Millionen von Fehlern haben, leben offensichtlich viele Leute in unserem Innern.
Im Bereich der Psychologie haben wir eindeutig feststellen können, daß die paranoischen,
selbstherrlichen und mythomanischen Personen um alles in der Welt den Kult des geliebten Egos
nicht aufgeben würden.
Zweifellos hassen diese Leute die Lehre der vielen Ichs bis in den Tod.
Wenn sich jemand wirklich kennen will, muß er sich selbst beobachten und versuchen, die
verschiedenen Ichs zu erkennen, die sich in der Persönlichkeit befinden.

22

Wenn einer unserer Leser die Lehre der vielen Ichs noch nicht versteht, so ist das einzig und
allein auf einen Mangel an Übung im Bereich der Selbstbeobachtung zurückzuführen.
In dem Maße, wie man die Innere Selbst-Beobachtung anwendet, entdeckt man allmählich
viele Leute, viele Ichs, die in unserer eigenen Persönlichkeit leben.
Diejenigen, welche die Lehre der vielen Ichs ablehnen, welche ein göttliches Ich anbeten,
haben sich zweifellos nie ernsthaft selbst beobachtet. Im sokratischen Stil gesprochen heißt das, daß
diese Leute nicht nur nichts wissen, sondern auch nicht einmal wissen, daß sie nichts wissen.
Gewiß könnten wir uns ohne die ernsthafte und tiefe Selbst-Beobachtung niemals selbst
erkennen.
Solange ein Mensch sich weiterhin als Eins betrachtet, wird selbstverständlich jegliche
innere Wandlung mehr als unmöglich sein.

23

Die radikale Änderung
Solange ein Mensch weiterhin den Fehler begeht, sich selbst für Eins, einzigartig und
individuell zu halten, ist offensichtlich, daß die radikale Änderung mehr als unmöglich sein wird.
Die Tatsache an sich, daß die esoterische Arbeit mit der rigorosen Beobachtung seiner selbst
beginnt, zeigt uns eine Vielfalt psychologischer Faktoren, Ichs oder unerwünschter Elemente, die
dringend aus unserem Innern zu entfernen und von Grund auf auszumerzen sind.
Zweifellos wäre es keinesfalls möglich, unbekannte Fehler auszumerzen; zuerst müssen wir
unbedingt beobachten, was wir von unserer Psyche trennen wollen.
Diese Art von Arbeit ist nicht äußerlich, sondern innerlich. Und diejenigen, die meinen, daß
irgendein Handbuch des guten Benehmens oder ein äußeres und oberflächliches ethisches System
sie zum Erfolg bringen könne, sind tatsächlich völlig im Irrtum.
Die konkrete und entscheidende Tatsache, daß die innere Arbeit mit der konzentrierten
Aufmerksamkeit auf die vollständige Beobachtung seiner selbst beginnt, zeigt deutlich genug, daß
dies eine ganz besondere persönliche Anstrengung von jedem von uns erfordert.
Offen und klar behaupten wir mit Nachdruck folgendes: Kein menschliches Wesen könnte
diese Arbeit für uns verrichten!
Es ist keinerlei Änderung in unserer Psyche möglich ohne die direkte Beobachtung der
Gesamtheit dieser subjektiven Faktoren, die wir in uns tragen.
Wenn man die Vielfalt der Fehler akzeptiert, aber dabei von der Notwendigkeit ihres
Studiums und ihrer direkten Beobachtung absieht, bedeutet das in der Tat eine Ausrede oder
Ausflucht, eine Flucht vor sich selbst, eine Art von Selbsttäuschung.
Nur durch eine rigorose Anstrengung in der einsichtsvollen Beobachtung seiner selbst, ohne
irgendwelche Ausflüchte, werden wir klar feststellen können, daß wir nicht Einer sondern Viele
sind.
Das Zugeben der Vielheit des Ichs und sie durch eine rigorose Beobachtung aufweisen, sind
zwei verschiedene Aspekte.
Jemand kann die Lehre der vielen Ichs akzeptieren, ohne diese jemals aufgewiesen zu haben;
Letzteres ist nur möglich, indem man sich selbst gründlich beobachtet.
Die Arbeit der innersten Beobachtung abzulehnen und Ausflüchte zu suchen, ist ein
unverkennbares Zeichen von Degeneration.
Solange ein Mensch die Illusion aufrechterhält, immer ein und dieselbe Person zu sein, kann
er sich nicht ändern; aber es ist klar, daß das Ziel dieser Arbeit gerade darin besteht, eine
allmähliche Änderung unseres Innenlebens zu erreichen.
Die radikale Umwandlung ist eine bestimmte Möglichkeit, die man normalerweise verliert,
wenn man nicht an sich selbst arbeitet.
Der Ausgangspunkt der radikalen Änderung bleibt verborgen, solange sich der Mensch
weiterhin für Eins hält.
24

Diejenigen, welche die Lehre der vielen Ichs ablehnen, beweisen eindeutig, daß sie sich nie
ernsthaft selbst-beobachtet haben.
Die strenge Beobachtung seiner selbst, ohne irgendeine Art von Ausflüchten, ermöglicht
uns, die harte Realität zu erfahren, daß wir nicht Eins sondern Viele sind.
In der Welt der subjektiven Meinungen dienen verschiedene pseudo-esoterische und pseudookkultistische Theorien immer als Ausweg, um vor sich selbst zu fliehen...
Die Illusion, stets ein- und dieselbe Person zu sein, dient zweifellos als Hindernis für die
Selbst-Beobachtung...
Jemand könnte sagen: Ich weiß, daß ich nicht Eins sondern Viele bin. Die Gnosis hat es
mich gelehrt. Eine solche Behauptung, auch noch so ehrlich gemeint, wäre rein äußerlich und
oberflächlich, wenn dieser Aspekt der Lehre vorher nicht zutiefst innerlich erlebt worden wäre.
Aufweisen, Erleben und Verstehen ist die Grundlage; nur so ist es möglich, bewußt zu
arbeiten, um eine radikale Änderung zu erreichen.
Behaupten ist eine Sache und Verstehen eine andere. Wenn jemand sagt: Ich verstehe, daß
ich nicht Eins bin sondern Viele; wenn sein Verständnis wahrhaftig ist und es sich nicht nur um
leeres Gerede und unklares Geschwätz handelt, so weist dies deutlich auf eine völlige Bestätigung
der Lehre der vielen Ichs hin.
Kenntnis und Verständnis sind zweierlei. Das erste gehört dem Intellekt, das zweite dem
Herzen an.
Die alleinige Kenntnis der Lehre der vielen Ichs führt zu nichts. Unglücklicherweise ist in
dieser Zeit, in der wir leben, die Kenntnis viel weiter fortgeschritten als das Verständnis, da das
arme intellektuelle Tier, irrtümlicherweise Mensch genannt, ausschließlich die Kenntnis entwickelte
und leider die entsprechende Seite des Seins vergaß.
Die Lehre der vielen Ichs zu kennen und sie zu verstehen, ist grundlegend für jede wahre,
radikale Umwandlung.
Wenn ein Mensch anfängt, sich selbst gründlich aus der Perspektive zu beobachten, nicht
Eins sondern Viele zu sein, hat er offensichtlich mit der ernsthaften Arbeit an seiner inneren Natur
begonnen.

25

Beobachter und Beobachteter
Wenn jemand ernsthaft beginnt, sich selbst zu beobachten von dem Standpunkt aus, daß er
nicht Eins, sondern Viele ist, so läßt sich daran deutlich erkennen, daß er wirklich begonnen hat, an
all dem zu arbeiten, was er in sich trägt.
Folgende psychologische Fehler sind ein schwerwiegendes Hindernis für die Arbeit der
innersten Selbst-Beobachtung: Mythomanie (Größenwahn, sich für einen Gott halten),
Selbstverherrlichung (Glauben an ein ewiges Ich, Anbetung jeglicher Art von Alter-Ego), Paranoia
(Besserwisserei, Selbstgenügsamkeit, Hochmut, sich für unfehlbar halten, mystischer Stolz,
Unfähigkeit, sich in die Lage des Nächsten zu versetzen).
Wenn man weiterhin an der widersinnigen Überzeugung festhält, daß man Eins ist und ein
ewiges Ich besitzt, dann wird die ernsthafte Arbeit an sich selbst mehr als unmöglich.
Wer glaubt, immer Eins zu sein , wird nie imstande sein, sich von seinen eigenen
unerwünschten Elementen zu trennen. Er wird jeden Gedanken, jedes Gefühl, Verlangen, alle
Gemütsbewegungen, jede Leidenschaft, jeden Fehler usw. für verschiedene, unabänderliche
Funktionen seiner eigenen Natur halten und sich sogar vor den anderen rechtfertigen, indem er sagt,
daß diese oder jene persönlichen Fehler erblichen Charakters sind.
Wer die Lehre der vielen Ichs annimmt, versteht auf Grund der Beobachtung, daß jedes
Verlangen, jeder Gedanke, jede Handlung, Leidenschaft usw. dem einen oder dem anderen Ich
angehört, das sich deutlich von den anderen unterscheidet...
Jeder Athlet der innersten Selbst-Beobachtung arbeitet sehr ernsthaft an seinem Innern und
bemüht sich, die unterschiedlichen unerwünschten Elemente, die er in sich trägt, aus seiner Psyche
zu entfernen...
Wenn jemand wirklich und sehr ehrlich anfängt, sich innerlich zu beobachten, wird er sich in
zwei teilen: in Beobachter und Beobachteten.
Wenn sich diese Teilung nicht vollziehen würde, könnten wir uns offensichtlich niemals auf
dem wunderbaren Weg der Selbsterkenntnis einen Schritt nach vorn bewegen.
Wie könnten wir uns selbst beobachten, wenn wir den Fehler begehen würden, uns nicht in
Beobachter und Beobachteten teilen zu wollen?
Wenn sich diese Teilung nicht vollziehen würde, könnten wir offensichtlich niemals einen
Schritt vorwärts gehen auf dem Weg der Selbst-Erkenntnis.
Wenn diese Teilung nicht geschieht, bleiben wir zweifellos weiterhin mit allen Prozessen
des vielfachen Ichs identifiziert...
Wer sich mit den verschiedenen Prozessen des vielfachen Ichs identifiziert, ist immer ein
Opfer der Umstände.
Wie könnte derjenige, der sich nicht selbst kennt, die Umstände ändern? Wie könnte jener
sich selbst kennen, der sich nie innerlich selbst beobachtet hat ? Wie könnte sich jemand selbst
beobachten, wenn er sich nicht zuvor in Beobachter und Beobachteten geteilt hat?

26

Nun kann aber niemand beginnen, sich radikal zu ändern, solange er nicht imstande ist, zu
sagen: Dieses Verlangen ist ein tierisches Ich, das ich ausmerzen muß; dieser egoistische Gedanke
ist ein anderes Ich, das mich quält und das ich zerstören muß; diese Empfindung, die mein Herz
verletzt, ist ein eingedrungenes Ich, das ich in kosmischen Staub verwandeln muß usw....
Natürlich ist dies unmöglich für jemanden, der sich nie in Beobachter und Beobachteten
geteilt hat.
Wer all seine psychologischen Vorgänge für die Funktionalismen eines einzigen,
individuellen und ewigen Ichs hält, ist dermaßen mit all seinen Fehlern identifiziert und hat sie so
an sich gebunden, daß er aus diesem Grund die Fähigkeit verloren hat, sie von seiner Psyche zu
trennen.
Offensichtlich können solche Personen sich niemals radikal ändern; diese Menschen sind
zum völligen Scheitern verurteilt.

27

Negative Gedanken
In dieser Zeit der Involution und Dekadenz erscheint es seltsam, tief und mit voller
Aufmerksamkeit nachzudenken.
Aus dem intellektuellen Zentrum tauchen verschiedene Gedanken auf, die nicht von einem
fortdauernden Ich stammen, wie die unwissenden Gebildeten meinen, sondern von den
verschiedenen Ichs in jedem von uns.
Wenn ein Mensch denkt, ist er fest davon überzeugt, daß er selbst und allein von sich aus
denkt.
Das arme intellektuelle Säugetier will nicht wahrhaben, daß die vielfältigen Gedanken, die
durch seinen Verstand ziehen, ihren Ursprung in den verschiedenen Ichs haben, die wir in uns
tragen.
Das bedeutet, daß wir keine wahren, denkenden Individuen sind; in Wirklichkeit besitzen
wir noch keinen individuellen Verstand.
Wohl aber benützt jedes der verschiedenen Ichs, die wir in uns tragen, sooft wie möglich
unser intellektuelles Zentrum zum Denken.
Es wäre absurd, sich mit diesem oder jenem negativen oder schädlichen Gedanken zu
identifizieren und zu glauben, er sei unser persönliches Eigentum.
Es ist offensichtlich, daß dieser oder jener negative Gedanke von irgendeinem Ich stammt,
das in einem bestimmten Augenblick unser intellektuelles Zentrum mißbraucht hat.
Es gibt verschiedene Arten von negativen Gedanken: Argwohn, Mißtrauen, Böswilligkeit,
leidenschaftliche Eifersucht, religiöse Eifersucht, Eifersucht in der Politik, in der Freundschaft oder
in der Familie, Habsucht, Lüsternheit, Rache, Zorn, Stolz, Neid, Haß, Groll, Diebstahl, Ehebruch,
Faulheit, Gefräßigkeit usw....
Wir haben wirklich so viele psychologische Fehler, daß es uns nicht gelingen würde, alle
aufzuzählen, selbst wenn wir einen stählernen Gaumen hätten und tausend Zungen zum Sprechen.
Aus all diesen Gründen erscheint es unsinnig, sich mit den negativen Gedanken zu
identifizieren.
Da eine Wirkung ohne Ursache unmöglich ist, behaupten wir mit höchstem Nachdruck, daß
es keinen Gedanken geben kann, der spontan aus sich selbst entsteht.
Die Beziehung zwischen Denker und Gedanke ist offensichtlich: jeder negative Gedanke hat
seinen Ursprung in einem anderen Denker.
In jedem von uns befinden sich so viele negative Denker wie es Gedanken der gleichen Art
gibt.
Wenn wir diese Frage von dem vielseitigen Standpunkt des Denkers und der Gedanken aus
betrachten, stellen wir fest, daß jedes einzelne unserer Ichs, das auf unserer Psyche lastet, mit
Sicherheit ein anderer Denker ist.

28

Zweifellos gibt es in jedem von uns viel zu viele Denker; aber jeder von ihnen, obwohl er
nur ein Teil ist, hält sich in einem bestimmten Moment für das Ganze...
Die Mythomanen, die Selbstanbeter, die Narzißten, die Paranoiker würden niemals die These
der Vielheit der Denker akzeptieren, weil sie sich selbst zu sehr lieben und sich für Tarzans Papa
oder die Kükenmutter halten...
Wie könnten solche anormalen Leute die Idee akzeptieren, daß sie keinen individuellen,
genialen, wunderbaren Verstand besitzen?...
Dennoch haben solche Besserwisser eine hohe Meinung von sich selbst und kleiden sich
sogar mit der Tunika des Aristippos, um Weisheit und Demut zu beweisen...
Eine alte Legende erzählt, daß Aristippos, der Weisheit und Demut demonstrieren wollte,
sich mit einer alten Tunika voller Flicken und Löcher kleidete, mit seiner Rechten den Stab der
Philosophie ergriff und so durch die Straßen von Athen zog...
So hieß es, daß Sokrates, als er ihn erblickte, mit lauter Stimme rief: Oh Aristippos, man
sieht deine Eitelkeit durch die Löcher deines Gewandes!
Wer nicht ständig wach für Neues ist und sich nicht im Zustand der wachsamen
Wahrnehmung befindet, indem er denkt, daß er denkt, der identifiziert sich leicht mit jeglichem
negativen Gedanken.
Infolgedessen stärkt er leider die unheilvolle Macht des negativen Ichs, des Urhebers des
entsprechenden Gedankens.
Je mehr wir uns mit einem negativen Gedanken identifizieren, desto stärker werden wir zu
Sklaven des Ichs, das ihn charakterisiert.
Was die Gnosis, den Geheimen Weg und die Arbeit an sich selbst betrifft, so befinden sich
unsere ureigenen Versuchungen gerade in den Ichs, die die Gnosis, die esoterische Arbeit hassen;
denn sie wissen genau, daß ihr Dasein in unserer Psyche von der Gnosis und von der Arbeit tödlich
bedroht ist.
Diese negativen und streitsüchtigen Ichs bemächtigen sich leicht gewisser mentaler Rollen,
die in unserem intellektuellen Zentrum gespeichert sind ? und verursachen Serien schädlicher und
gefährdender Gedankenströme.
Wenn wir diese Gedanken, diese negativen Ichs, die in einem bestimmten Moment unser
intellektuelles Zentrum beherrschen, annehmen, dann werden wir unfähig sein, ihren Folgen zu
entgehen.
Niemals dürfen wir vergessen, daß jedes negative Ich sich selbst täuscht und täuscht, folglich
lügt.
Jedesmal, wenn wir fühlen, daß plötzlichen die Kraft fehlt, wenn der Aspirant eine
Enttäuschung erlebt in der Gnosis, in der esoterischen Arbeit, wenn er die Begeisterung verliert und
das Beste verläßt, ist es offensichtlich, daß er von einem Negativen Ich getäuscht wurde.
Das negative Ich des Ehebruchs richtet die Familien zugrunde und macht die Kinder
unglücklich.
Das negative Ich der Eifersucht täuscht die Menschen, die sich lieben und zerstört ihr Glück.
29

Das negative Ich des Mystischen Stolzes täuscht die Anhänger des Weges, und diese fühlen
sich weise und verabscheuen ihren Meister oder verraten ihn...
Das negative Ich appelliert an unsere persönlichen Erfahrungen, unsere Erinnerungen, unsere
größten Sehnsüchte, unsere Aufrichtigkeit, und mit Hilfe einer rigorosen Auswahl aus allem stellt
es etwas in einem falschen Licht dar, etwas, was fasziniert, und so kommt es zum Scheitern...
Wenn man jedoch das Ich auf frischer Tat ertappt, wenn man gelernt hat, im Zustand der
Wachsamkeit zu leben, wird eine solche Täuschung unmöglich...

30

Die Individualität
Es ist wirklich ein sehr schlechter Scherz, sich selbst für Eins zu halten; unglücklicherweise
existiert diese eitle Täuschung in jedem von uns.
Leider denken wir von uns selbst immer das Beste; niemals würden wir vermuten, daß wir
nicht einmal eine wahre Individualität besitzen.
Das Schlimmste daran ist, daß wir uns sogar den Luxus erlauben, zu meinen, jeder von uns
genieße den Besitz eines vollen Bewußtseins und eines eigenen Willens.
Wir Armen! Wie dumm wir sind! Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Unwissenheit das
schlimmste Unglück ist.
In jedem Einzelnen von uns existieren viele Tausende von Individuen, von unterschiedlichen
Subjekten, Ichs oder Leuten, die untereinander streiten, die um die Vorherrschaft kämpfen und
keinerlei Ordnung oder Übereinstimmung haben.
Wie anders wäre das Leben, wenn wir bewußt wären, wenn wir aus so vielen Träumen und
Phantasien erwachen würden...
Aber um das Maß voll zu machen, faszinieren und hypnotisieren uns die negativen
Empfindungen, die Selbst-Berücksichtigung und die Selbstliebe; sie erlauben niemals, uns unserer
selbst zu erinnern und uns so zu sehen, wie wir sind...
Wir glauben, einen einzigen Willen zu haben, wo wir doch in Wirklichkeit viele
unterschiedliche Willen besitzen. (Jedes Ich hat seinen eigenen Willen)
Die Tragikomödie dieser ganzen inneren Vielfalt ist entsetzlich; die verschiedenen inneren
Willen stoßen aneinander, leben in ständigem Konflikt, wirken in verschiedene Richtungen.
Wenn wir eine wahre Individualität, eine Einheit statt einer Vielfalt besitzen würden, so
hätten wir auch Stetigkeit in unseren Vorsätzen, ein waches Bewußtsein und einen eigenen,
individuellen Willen.
Es ist angebracht, sich zu ändern; zuerst müssen wir jedoch anfangen, aufrichtig uns selbst
gegenüber zu sein. Wir benötigen eine psychologische Bestandsaufnahme, um zu erkennen, was
überflüssig ist, und was uns fehlt.
Es ist möglich, eine Individualität zu erlangen; aber wenn wir glauben, sie schon zu besitzen,
schwindet diese Möglichkeit.
Es ist offensichtlich, daß wir niemals für etwas kämpfen würden, was wir schon zu besitzen
glauben.
Die Phantasie läßt uns glauben, im Besitz einer Individualität zu sein; und es gibt sogar
Schulen auf der Welt, die dies lehren.
Es ist dringend nötig, gegen die Phantasie zu kämpfen. Sie läßt uns glauben, dieses oder
jenes zu sein, wo wir doch in Wirklichkeit armselig, unverschämt und pervers sind.
Wir halten uns für Menschen, obwohl wir in Wirklichkeit nur intellektuelle Säugetiere ohne
Individualität sind.
31

Die Mythomanen halten sich für Götter, Mahatmas usw., ohne zu ahnen, daß sie nicht
einmal einen individuellen Verstand und einen bewußten Willen besitzen.
Die Menschen, die sich selbst anbeten, verehren derart ihr geliebtes Ego, daß sie niemals die
Idee von der Vielfalt der Egos in ihrem Innern akzeptieren würden.
Die Paranoiker, mit ihrem typischen Stolz, der sie charakterisiert, werden dieses Buch nicht
einmal lesen...
Wenn wir nicht Opfer künstlicher Gefühle und falscher Erfahrungen sein wollen, die uns
nicht nur in lächerliche Situationen bringen, sondern überdies jede Möglichkeit einer innerer
Entwicklung hemmen, ist es unerläßlich, auf Leben und Tod gegen die Phantasievorstellungen von
uns selbst anzukämpfen.
Das intellektuelle Tier ist derart von seiner Phantasie hypnotisiert, daß es träumt, Löwe oder
Adler zu sein, wo es doch in Wirklichkeit nicht mehr als ein elender Wurm aus dem Schlamm des
Bodens ist.
Ein Mythomane würde die oben angeführten Behauptungen niemals annehmen;
offensichtlich fühlt er sich aller Meinungen der anderen zum Trotz als Erzhierophant, ohne zu
vermuten, daß die Phantasie einfach nichts ist, nichts als Phantasie.
Die Phantasie ist eine reale Kraft, die weltweit auf die Menschheit einwirkt und den
intellektuellen Humanoiden in einem Traumzustand hält, der ihn glauben läßt, daß er schon ein
Mensch sei, und eine wahre Individualität, einen Willen, ein waches Bewußtsein und einen eigenen
Verstand usw. besitze.
Wenn wir denken, Eins zu sein, können wir uns innerlich nicht von der Stelle bewegen, wir
stagnieren und enden schließlich in der Degeneration, in der Involution.
Jeder von uns befindet sich in einer bestimmten psychologischen Etappe, und wir werden
diese nicht überwinden können, wenn wir nicht direkt all diese Personen oder Ichs entdecken, die in
unserer eigenen Person leben.
Zweifelsohne können wir mit Hilfe der inneren Selbstbeobachtung die Personen sehen, die
in unserer Psyche leben, und die wir beseitigen müssen, um eine radikale Änderung zu erreichen.
Diese Wahrnehmung, diese Selbstbeobachtung ändert von Grund auf alle falschen
Vorstellungen, die wir von uns selbst hatten, und als Ergebnis davon werden wir die konkrete
Tatsache erkennen, daß wir keine wahre Individualität besitzen.
Solange wir uns nicht selbst beobachten, werden wir in der Illusion leben, Eins zu sein, und
infolgedessen wird unser Leben irrtümlich sein.
Es ist nicht möglich, korrekte Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu pflegen, solange in
der Tiefe unserer Psyche keine innere Veränderung erfolgt.
Jegliche innere Umwandlung erfordert die vorhergehende Ausmerzung der Ichs, die wir in
uns tragen.
Keineswegs könnten wir diese Ichs ausmerzen, ohne sie in unserem Inneren zu beobachten.

32

Diejenigen, die sich für Eins halten, die von sich selbst das Beste denken, die nie die Lehre
der vielen Ichs annehmen würden, haben auch kein Verlangen danach, die Ichs zu beobachten, und
somit besteht für sie keinerlei Möglichkeit einer Änderung.
Es ist nicht möglich, sich zu ändern, wenn man nicht etwas ausmerzt; aber wenn derjenige,
der sich im Besitz der Individualität fühlt, akzeptieren würde, daß er etwas beseitigen muß, wüßte er
wirklich nicht, was er zu beseitigen hätte.
Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß jener, der Eins zu sein glaubt, sich selbst täuscht und
zu wissen vermeint, was er zu entfernen hat; aber in Wirklichkeit weiß er nicht einmal, daß er nicht
weiß, er ist ein unwissender Gebildeter.
Wir müssen uns entegoisieren, um uns zu individualisieren; aber wer glaubt, Individualität
zu besitzen, kann sich niemals entegoisieren.
Die Individualität ist hundertprozentig heilig; wenige sind es, die sie besitzen, doch alle
meinen, sie zu haben.
Wie könnten wir Ichs ausmerzen, wenn wir glauben, ein einziges Ich zu haben?
Wir müssen jedoch in dieser Lehre sehr deutlich sein, weil die psychologische Gefahr
besteht, die wahre Individualität mit dem Begriff irgendeiner Art von höherem Ich oder dergleichen
zu verwechseln.
Die heilige Individualität befindet sich jenseits jeglicher Art von Ich; sie ist, was sie ist, was
sie immer war, und was sie immer sein wird.
Die legitime Individualität ist das Sein; und der wahre Grund des Seins zu sein, ist das Sein
selbst.
Man unterscheide zwischen dem Sein und dem Ich. Diejenigen, die das Ich mit dem Sein
verwechseln, haben sich gewiß niemals ernsthaft selbst-beobachtet.
Solange die Essenz, das Bewußtsein, in dieser Vielzahl von Ichs, die wir in uns tragen,
eingeschlossen bleibt, wird die radikale Änderung mehr als unmöglich sein.

Das Buch des Lebens
Ein Mensch ist das, was sein Leben ist. Was über den Tod hinaus weiterbesteht, ist das
Leben. Dies ist die Bedeutung vom Buch des Lebens, das sich mit dem Tode öffnet.
Vom rein psychologischen Standpunkt aus betrachtet, ist ein beliebiger Tag unseres Lebens
wirklich eine kleine Nachbildung unseres gesamten Lebens.
Aus dem bisher Gesagten können wir folgendes schließen: wenn ein Mensch heute nicht an
sich selbst arbeitet, wird er sich niemals ändern.
33

Wenn man behauptet, daß man an sich selbst arbeiten will, es aber nicht heute tut, sondern
auf morgen verschiebt, dann wird solche Behauptung zu einem bloßen Projekt und nichts weiter;
denn im heutigen Tage liegt die Nachbildung unseres ganzen Lebens.
Es gibt da ein Sprichwort aus dem Volksmund, das besagt: Was du heute kannst besorgen,
das verschiebe nicht auf morgen.
Wenn ein Mensch sagt: Ich werde morgen an mir selbst arbeiten, wird er niemals an sich
arbeiten, denn es wird immer ein morgen geben.
Das erinnert an bestimmte Schilder mit einem Hinweis oder einer Warnung, die manche
Geschäftsleute in ihre Läden hängen: Heute kein Kredit, morgen ja.
Wenn ein Notleidender um einen Kredit bitten will, stößt er auf den schrecklichen Hinweis,
und wenn er am nächsten Tag zurückkommt, findet er wieder das unglückselige Schild vor.
Dies nennt man in der Psychologie die Morgenkrankheit. Solange ein Mensch "morgen"
sagt, wird er sich niemals ändern.
Wir haben es mit äußerster, unaufschiebbarer Dringlichkeit nötig, heute an uns selbst zu
arbeiten, statt träge von einer Zukunft oder einer außerordentlichen Gelegenheit zu träumen.
Diejenigen, die sagen: Zuerst werde ich dies oder jenes tun, und dann werde ich arbeiten,
werden niemals an sich selbst arbeiten. Dies sind die Bewohner der Erde, die in der Heiligen Schrift
erwähnt werden.
Ich kannte einen vermögenden Großgrundbesitzer, der sagte:" Ich muß zuerst meinen
Grundbesitz vergrößern, und dann werde ich an mir selbst arbeiten."
Als er tödlich erkrankte, besuchte ich ihn und stellte ihm folgende Frage:" Willst du noch
immer deinen Besitz vergrößern?"
"Ich bedauere wirklich zutiefst, meine Zeit verloren zu haben", erwiderte er. Wenige Tage
später, nachdem er seinen Irrtum erkannt hatte, starb er.
Dieser Mann hatte einen großen Grundbesitz, wollte sich aber der Ländereien der
Nachbarschaft bemächtigen und seinen Besitz erweitern, um sein Gut mit genau vier Wegen
einzugrenzen.
Es genügt eine Sorge an jedem Tag! sagte der große Kabir Jesus. Beobachten wir uns gleich
heute in Bezug auf den immer wiederkehrenden Tag, Miniatur unseres ganzen Lebens.
Wenn ein Mensch gleich heute beginnt, an sich selbst zu arbeiten, wenn er sein Mißbehagen,
sein Leiden beobachtet, befindet er sich auf dem Wege des Erfolges.
Es wäre unmöglich, das auszumerzen, was wir nicht kennen. Zuerst müssen wir unsere
eigenen Fehler beobachten.
Es ist nötig, nicht nur unseren Tag zu kennen sondern auch unsere Beziehung zu ihm. Es gibt
den sogenannten gewöhnlichen Tag, den jeder unmittelbar erlebt, mit Ausnahme der
ungewöhnlichen, unerwarteten Ereignisse.
Es ist interessant, die tägliche Rekurrenz zu beobachten, die Wiederholung von Worten und
Ereignissen jeder Person usw....
34

Diese Wiederholung oder Rekurrenz von Ereignissen und Worten ist es wert, untersucht zu
werden. Sie führt uns zur Selbst-Erkenntnis.

35

Mechanische Geschöpfe
Keineswegs könnten wir das Gesetz der Rekurrenz leugnen, das in jedem Augenblick
unseres Lebens wirkt.
Sicherlich gibt es an jedem Tag unserer Existenz eine Wiederholung von Ereignissen,
Bewußtseinszuständen, Worten, Begierden, Gedanken, Willensäußerungen usw..
Es ist offensichtlich, daß man diese ständige tägliche Wiederholung nicht erkennen kann,
wenn man sich nicht selbst beobachtet.
Wenn jemand keinerlei Interesse verspürt, sich zu beobachten, hat er natürlich auch kein
Verlangen danach, zu arbeiten, um eine wahre, radikale Wandlung zu erzielen.
Es gibt sogar auch Leute, die sich ändern wollen, ohne an sich selbst zu arbeiten.
Wir leugnen nicht die Tatsache, daß jeder das Recht auf eine wirkliche Glückseligkeit des
Geistes besitzt; aber zweifellos ist diese Glückseligkeit mehr als unmöglich, wenn wir nicht an uns
selbst arbeiten.
Jemand kann sich innerlich ändern, wenn es ihm wirklich gelingt, seine Reaktionen auf die
verschiedenen Ereignisse, die ihm täglich widerfahren, zu verändern.
Wir könnten jedoch unsere Art, auf die Ereignisse des praktischen Lebens zu reagieren, nicht
ändern, wenn wir nicht ernsthaft an uns selbst arbeiten würden.
Es ist nötig, unsere Denkweise zu ändern, weniger nachlässig zu sein, ernsthafter zu werden
und das Leben anders, in seinem wirklichen und praktischen Sinn aufzufassen.
Wenn wir jedoch weiterhin so bleiben, wie wir sind, uns jeden Tag auf die gleiche Weise
verhalten und die gleichen Fehler mit der gleichen Nachlässigkeit immer wieder begehen, dann
wird in der Tat jegliche Möglichkeit einer Änderung zunichte gemacht.
Wenn jemand wirklich erreichen will, sich selbst zu erkennen, muß er damit anfangen, sein
Verhalten in den Geschehnissen an irgendeinem Tag seines Lebens zu beobachten.
Wir wollen damit nicht sagen, daß man sich nicht täglich selbst beobachten sollte; wir
wollen nur betonen, daß man an einem Tage mit der Beobachtung beginnen muß.
In allem muß es einen Anfang geben; an irgendeinem Tage mit der Beobachtung unsers
Verhaltens zu beginnen, ist ein guter Anfang.
Von höchster Wichtigkeit ist sicherlich, unsere mechanischen Reaktionen auf alle
Kleinigkeiten, die im Schlafzimmer, im Heim, Eßzimmer, Haus, auf der Straße, am Arbeitsplatz
usw. vorkommen, zu beobachten sowie das, was man sagt, fühlt und denkt.
Wichtig ist es, danach zu sehen, auf welche Art und Weise man diese Reaktionen ändern
kann; wenn wir jedoch glauben, gute Menschen zu sein, uns nie unbewußt zu verhalten oder Fehler
zu begehen, werden wir uns niemals ändern.
Vor allem müssen wir verstehen, daß wir Maschinen-Menschen sind, bloße Marionetten,
manipuliert von geheimen Agenten, von verborgenen Ichs.
36

In uns leben viele Personen, niemals sind wir gleich; manchmal äußert sich in uns eine
niederträchtige Person, ein anderes Mal eine reizbare Person, in irgendeinem anderen Moment eine
wunderbare, gutmütige Person, später eine skandalöse, verleumderische Person, danach ein
Heiliger, nachher ein Betrüger usw..
In jedem Einzelnen von uns befinden sich alle Arten von Personen, Ichs aller Arten. Unsere
Persönlichkeit ist nichts weiter als eine Marionette, eine sprechende Puppe, etwas Mechanisches.
Beginnen wir damit, uns während eines Bruchteils des Tages bewußt zu verhalten; wir
müssen aufhören, nur Maschinen zu sein, sei es auch nur für einige kurze Minuten täglich; dies wird
einen entscheidenden Einfluß auf unser Leben haben.
Wenn wir uns selbst beobachten und nicht das tun, was dieses oder jenes Ich will, ist es klar,
daß wir anfangen, keine Maschine mehr zu sein.
Ein einziger Augenblick, in dem man bewußt genug ist, um aufzuhören, eine Maschine zu
sein - wenn man es freiwillig tut - ändert gewöhnlich viele unangenehme Umstände.
Unglücklicherweise führen wir tagtäglich ein mechanisches, festgefahrenes und absurdes
Leben. Wir wiederholen Situationen, unsere Gewohnheiten sind immer die gleichen, nie wollten
wir sie ändern; sie sind das mechanische Gleis, auf dem der Zug unseres elenden Daseins fährt; und
dennoch denken wir von uns selbst das Beste...
Überall sind die Mythomanen verbreitet, diejenigen, die sich für Götter halten; mechanische,
in der Routine verhaftete Geschöpfe, Personen aus dem Schlamm der Erde, armselige Puppen, von
verschiedenen Ichs bewegt; solche Leute werden niemals an sich selbst arbeiten...

37

Das geistige Brot
Wenn wir einen beliebigen Tag unseres Lebens sorgfältig beobachten, werden wir sicherlich
sehen, daß wir nicht in der Lage sind, bewußt zu leben Unser Leben ähnelt einem fahrenden Zug,
der sich auf den festen Gleisen der mechanischen, starren Angewohnheiten einer eitlen und
oberflächlichen Existenz bewegt.
Das Eigenartige daran ist, daß es uns nie einfällt, unsere Gewohnheiten zu ändern; es
scheint, als würden wir nicht müde, immer das Gleiche zu wiederholen.
Die Gewohnheiten versteinern uns, aber wir meinen, frei zu sein; wir sind furchtbar häßlich
und halten uns dennoch für Apollo...
Wir sind mechanische Menschen ? das ist mehr als Grund genug, um kein wahres Gefühl für
das aufzubringen, was man im Leben gerade tut.
Wir bewegen uns tagtäglich auf dem alten Gleis unserer überholten und absurden
Gewohnheiten, und so haben wir natürlich kein wahres Leben; statt zu leben, vegetieren wir elendig
dahin und erhalten niemals neue Eindrücke.
Wenn eine Person ihren Tag bewußt beginnen würde, so wäre dieser Tag offensichtlich sehr
verschieden von den anderen Tagen.
Wenn man die Gesamtheit seines Lebens in dem Tag sieht, den man gerade lebt, wenn man
nicht auf morgen verschiebt, was heute noch zu tun ist, dann kann man wirklich erfahren, was es
heißt, an sich zu arbeiten.
Niemals mangelt es einem Tag an Bedeutung; wenn wir uns wirklich radikal ändern wollen,
müssen wir uns täglich betrachten, beobachten und verstehen.
Die Leute jedoch wollen sich selbst gar nicht sehen; manche, die den Wunsch haben, an sich
zu arbeiten, rechtfertigen ihre Nachlässigkeit mit Worten wie: Die Büroarbeit erlaubt es nicht, an
sich zu arbeiten. Worte ohne Sinn, hohl, eitel, absurd, die nur dazu dienen, die Gleichgültigkeit, die
Trägheit, das Fehlen an Liebe für das Große Werk zu rechtfertigen.
Leute dieser Art, auch wenn sie eine große geistige Unruhe in sich tragen, werden sich
offensichtlich niemals ändern.
Sich selbst zu beobachten ist dringend notwendig, durch nichts zu ersetzen und
unaufschiebbar. Die innere Selbst-Beobachtung ist grundlegend für eine wirkliche Veränderung.
Welchen psychologischen Zustand haben Sie beim Aufstehen? Welchen Gemütszustand
haben Sie während des Frühstücks? Waren Sie ungeduldig mit dem Kellner? Mit Ihrer Gattin?
Warum waren Sie ungeduldig? Was ist es, was Sie immer verwirrt?...
Weniger rauchen oder essen ist nicht die ganze Änderung, aber es zeigt doch einen gewissen
Fortschritt. Wir wissen sehr gut, daß das Laster und die Gefräßigkeit unmenschlich und tierisch
sind.
Es ist nicht recht, daß jemand, der sich dem Geheimen Weg widmet, einen übermäßig dicken
physischen Körper mit einem aufgeblähten Bauch hat, fern von jedem Ebenmaß der
Vollkommenheit. Dies würde auf Gefräßigkeit, Freßgier und sogar Faulheit hinweisen.
38

Das tägliche Leben, der Beruf, der Arbeitsplatz, auch wenn sie unentbehrlich für die
Existenz sind, bilden den Schlaf unseres Bewußtseins.
Zu wissen, daß Leben Schlafen bedeutet, heißt noch nicht, es verstanden zu haben. Das
Verständnis kommt mit der Selbst-Beobachtung und der intensiven Arbeit an sich selbst.
Um an sich zu arbeiten, ist es unerläßlich, am täglichen Leben zu arbeiten, gleich heute; und
dann wird man verstehen, was jener Satz aus dem Gebet des Herrn bedeutet: Unser tägliches Brot
gib uns heute.
In diesem Satz heißt täglich auf griechisch geistiges Brot oder Brot von oben.
Die Gnosis gibt dieses Brot des Lebens im doppelten Sinne von Ideen und Kräften, die uns
erlauben, unsere psychologischen Fehler aufzulösen.
Jedesmal, wenn wir dieses oder jenes Ich in kosmischen Staub verwandeln, gewinnen wir an
psychologischer Erfahrung, essen das Brot der Weisheit, erhalten eine neue Erkenntnis.
Die Gnosis bietet uns das geistige Brot, das Brot der Weisheit an und zeigt uns präzise das
neue Leben, das in uns selbst beginnt, in unserem Inneren, hier und jetzt.
Aber niemand kann sein Leben umwandeln oder irgendetwas in Bezug auf die mechanischen
Reaktionen im Leben ändern, es sei denn, er rechne mit der Hilfe neuer Ideen oder erhielte
göttlichen Beistand.
Die Gnosis gibt diese neuen Ideen und lehrt den modus operandi, mit dem man Hilfe von
Kräften erhalten kann, die höher sind als der Verstand.
Wir müssen die niederen Zentren unseres Organismus vorbereiten, um die Ideen und Kräfte,
die von den höheren Zentren kommen, zu empfangen.
Bei der Arbeit an sich selbst gibt es nichts, was außer Acht gelassen werden sollte. Jeglicher
Gedanke, wie unbedeutend er auch sein mag, ist es wert, beobachtet zu werden. Jegliches negative
Gefühl, jede Reaktion usw. muß beobachtet werden.

39

Der gute Hausherr
In diesen finsteren Zeiten ist es sicherlich sehr schwierig, sich von den verheerenden
Wirkungen des Lebens zu distanzieren; aber es ist unerläßlich, um nicht vom Leben verschlungen
zu werden.
Jegliche Arbeit an sich selbst, die auf eine seelische und geistige Entwicklung ausgerichtet
ist, hängt immer mit der - richtig verstandenen - Isolierung zusammen; denn unter dem Einfluß des
Lebens, so wie wir es führen, ist es nicht möglich, etwas anderes als die Persönlichkeit zu
entwickeln.
Wir beabsichtigen keinesfalls, uns gegen die Entwicklung der Persönlichkeit zu stellen, sie
ist offensichtlich notwendig im Leben; aber sicherlich ist sie etwas rein Künstliches, sie ist nicht das
Wahre, das Wirkliche in uns.
Wenn das arme intellektuelle Säugetier, irrtümlicherweise Mensch genannt, sich nicht
isoliert, sondern sich mit allen Vorfällen des praktischen Lebens identifiziert und seine Kräfte mit
negativen Gemütsbewegungen vergeudet, mit persönlicher Selbst-Berücksichtigung und hohlem,
eitlen Wortschwall eines zweideutigen, keineswegs erbaulichen Geschwätzes, dann kann sich kein
wirkliches Element, das über die Welt des Mechanischen hinausgeht, in ihm entfalten.
Zweifellos muß derjenige, der die Entfaltung der Essenz wirklich erreichen möchte, sich
hermetisch verschließen können. Dies bezieht sich auf etwas Innerliches, was sehr eng mit der Stille
verbunden ist.
Dieser Ausdruck stammt aus alten Zeiten, in denen man im Geheimen eine Lehre über die
innere Entwicklung des Menschen weitergab, die mit dem Namen von Hermes verbunden war.
Wenn jemand will, daß etwas Wahres in seinem Inneren wachse, muß er offensichtlich
vermeiden, seine psychischen Energien zu verlieren.
Wenn jemand seine Energie verliert und im Innersten nicht isoliert ist, wird er zweifellos
nichts Wahres in seiner Psyche entwickeln können.
Das normale und gewöhnliche Alltagsleben will uns erbarmungslos verschlingen; wir
müssen täglich gegen das Leben kämpfen, wir müssen lernen, gegen den Strom zu schwimmen...
Diese Arbeit richtet sich gegen das Leben; es handelt sich hier um etwas, was sich völlig
vom Alltäglichen unterscheidet, und dennoch müssen wir es von Augenblick zu Augenblick tun;
hierbei beziehe ich mich auf die Revolution des Bewußtseins.
Wenn unsere Haltung dem täglichen Leben gegenüber von Grund auf falsch ist, wenn wir
glauben, daß uns alles einfach irgendwie gelingen muß, dann werden die Enttäuschungen
kommen...
Die Leute wollen, daß alles irgendwie gut geht, weil alles nach ihren Plänen ablaufen soll;
aber die harte Realität ist anders. Solange man sich nicht innerlich ändert, wird man immer ein
Opfer der Umstände sein, ob es einem gefällt oder nicht.
Es wird viel sentimentaler Unsinn über das Leben gesagt und geschrieben, aber diese
Abhandlung der Revolutionären Psychologie ist etwas anderes.
40

Diese Lehre geht bis zum Kern, zu den konkreten, klaren und definitiven Tatsachen; sie
behauptet und betont, daß das Intellektuelle Tier, irrtümlicherweise Mensch genannt, ein
mechanischer, unbewußter, eingeschlafener Zweibeiner ist.
Der gute Hausherr würde niemals die Revolutionäre Psychologie akzeptieren; er erfüllt alle
seine Pflichten als Vater, Gatte usw., und deshalb denkt er von sich selbst das Beste. Jedoch dient er
nur den Zwecken der Natur, und das ist alles.
Im Gegensatz dazu gibt es aber auch den guten Hausherrn, der gegen den Strom schwimmt,
der sich nicht vom Leben verschlingen lassen will; Menschen dieser Art sind jedoch sehr selten und
niemals in großer Zahl zu finden.
Wenn jemand in Übereinstimmung mit den Ideen dieser Abhandlung der Revolutionären
Psychologie denkt, erhält er eine korrekte Vision des Lebens.

41

Die zwei Welten
Beobachten und sich selbst beobachten sind zwei völlig verschiedene Dinge, dennoch
erfordern beide Aufmerksamkeit.
Bei der Beobachtung ist die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, auf die Außenwelt, durch
die Fenster unserer Sinne.
Bei der Selbst-Beobachtung ist die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet, doch dabei können
die Sinne der äußeren Wahrnehmung nicht dienen; das ist mehr als Grund genug, daß für den
Neuling die Beobachtung seiner inneren psychologischen Prozesse so schwierig ist.
Der Ausgangspunkt der offiziellen Wissenschaft in ihrer praktischen Seite ist das
Beobachtbare. Der Ausgangspunkt der Arbeit an sich selbst ist die Selbst-Beobachtung, das SelbstBeobachtbare.
Zweifellos führen uns diese beiden Ausgangspunkte, die oben genannt wurden, in völlig
verschiedene Richtungen.
Man könnte alt werden, eingenommen von den unnachgiebigen Glaubenssätzen der
offiziellen Wissenschaft und äußere Erscheinungsformen untersuchen, Zellen, Atome, Moleküle,
Sonnen, Sterne, Kometen usw. beobachten, ohne jemals eine radikale Änderung in sich selbst zu
erfahren.
Die Art von Erkenntnis, die uns innerlich verwandelt, könnte niemals durch die äußere
Beobachtung erreicht werden.
Die wahre Erkenntnis, die in uns wirklich eine grundlegende innere Änderung bewirken
könnte, hat die direkte Beobachtung seiner selbst als Grundlage.
Es ist dringend nötig, unseren gnostischen Schülern zu sagen, daß sie sich selbst beobachten
sollen, in welchem Sinn sie sich selbst beobachten sollen und aus welchen Gründen.
Die Beobachtung ist ein Mittel, um die mechanischen Umstände der Welt zu ändern. Die
innere Selbst-Beobachtung ist ein Mittel, um sich tief im Innern zu ändern.
Folglich können und müssen wir mit Nachdruck behaupten, daß es zwei Arten von
Erkenntnis gibt: die äußere und die innere, und daß diese Mischung der beiden Ebenen oder
Kathegorien von Ideen in uns Verwirrung erzeugen könnte, es sei denn, wir haben in uns selbst den
magnetischen Schwerpunkt, der die Arten der Erkenntnis unterscheiden kann.
Erhabene pseudo-esoterische Lehren mit betonter Wissenschaftsgläubigkeit als Grundlage
gehören dem Bereich des Beobachtbaren an; viele Aspiranten jedoch akzeptieren sie als innere
Erkenntnis.
Wir befinden uns also vor zwei Welten: der äußeren und der inneren. Die erste wird
wahrgenommen durch die Sinne der äußeren Wahrnehmung; die zweite kann nur durch den Sinn
der inneren Selbst-Beobachtung wahrgenommen werden.
Gedanken, Ideen, Gemütsbewegungen, Sehnsüchte, Hoffnungen, Enttäuschungen usw. sind
innerlich, unsichtbar für die normalen und gewöhnlichen Sinne, und dennoch sind sie für uns realer
als der Tisch im Eßzimmer oder die Sessel im Wohnzimmer.
42

Wir leben sicherlich mehr in unserer Innenwelt als in der Außenwelt - dies ist
unwiderlegbar, unbestreitbar.
In unseren Innenwelten, in unserer geheimen Welt lieben, wünschen, verdächtigen, segnen,
verfluchen, ersehnen, leiden, genießen wir, werden enttäuscht, belohnt usw...
Zweifellos sind beide Welten, die innere und die äußere, durch die Erfahrung nachweisbar.
Die äußere Welt ist das Beobachtbare. Die Innenwelt ist das Selbst-beobachtbare in uns, hier und
jetzt.
Wer die Innenwelten des Planeten Erde, des Sonnensystems oder der Galaxie, in der wir
leben, wirklich kennenlernen will, muß zuerst seine eigene innere Welt kennenlernen, sein
persönliches Innenleben, seine eigenen Innenwelten." Mensch, erkenne dich selbst, und du wirst das
Universum und die Götter erkennen."
Je mehr man diese Innenwelt, sich selbst genannt, erforscht, desto mehr wird man verstehen,
daß man gleichzeitig in zwei Welten lebt, in zwei Realitäten, in zwei Bereichen: dem äußeren und
dem inneren.
So wie es unerläßlich ist, in der Außenwelt gehen zu lernen, um nicht in einen Abgrund zu
stürzen, sich nicht in den Straßen der Stadt zu verirren, seine Freundschaften zu erwählen, nicht mit
Perversen zu verkehren, nichts Giftiges zu trinken usw., so lernen wir auch mit Hilfe der
psychologischen Arbeit an uns selbst, uns in der Innenwelt zu bewegen, welche durch die SelbstBeobachtung erforschbar ist.
In der dekadenten menschlichen Rasse dieser finsteren Zeit, in der wir leben, ist der Sinn der
Selbst-Beobachtung wirklich verkümmert.
In dem Maße, wie wir auf der Beobachtung unserer selbst beharren, wird sich der Sinn der
inneren Selbst-Beobachtung nach und nach entwickeln.

43

Beobachtung seiner selbst
Die innere Selbst-Beobachtung ist ein praktisches Mittel, um eine radikale Umwandlung zu
erreichen.
Kennen und Beobachten ist zweierlei. Viele verwechseln die Beobachtung ihrer selbst mit
dem Kennen. Man weiß, daß man in einem Zimmer auf einem Stuhl sitzt; das bedeutet aber nicht,
daß man den Stuhl beobachtet.
Wir erkennen, daß wir uns in einem bestimmten Augenblick in einem negativen Zustand
befinden, vielleicht wegen irgendeines Problems, oder daß wir besorgt sind wegen dieser oder jener
Angelegenheit oder uns in einem Zustand von Unruhe oder Ungewißheit usw. befinden; aber das
heißt nicht, daß wir dies beobachten.
Empfinden Sie Abneigung jemandem gegenüber? Können Sie eine gewisse Person nicht
ausstehen? Warum? Sie werden sagen, daß Sie diese Person kennen... Aber bitte! Beobachten Sie
sie! Kennen ist niemals beobachten; verwechseln Sie nicht Kennen mit Beobachten...
Die Beobachtung seiner selbst ist hundertprozentig aktiv, sie ist ein Mittel zur Änderung
seiner selbst, während das Kennen, das passiv ist, dies nicht sein kann.
Kennen ist sicherlich kein Akt der Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit, die nach innen
gelenkt ist auf das, was in unserem Innern geschieht, ist sehr wohl etwas Positives, Aktives...
Im Falle einer Person, die uns unsympathisch ist, einfach weil es uns so überkommt und oft
ohne jeglichen Grund, bemerkt man die Menge von Gedanken, die sich im Verstand ansammeln,
die Gruppe von Stimmen in einem selbst, die in einem Durcheinander sprechen und schreien, Dinge
die sie sagen, die unangenehmen Empfindungen, die in unserem Innern aufkommen, den
unangenehmen Geschmack, den all das in unserer Psyche zurückläßt usw...
Offensichtlich bemerken wir in diesem Zustand auch, daß wir die Person, gegenüber der wir
Abneigung empfinden, innerlich sehr schlecht behandeln.
Jedoch, um all dies zu sehen, bedarf es zweifellos einer mit Absicht nach innen gerichteten
Aufmerksamkeit und nicht einer passiven Aufmerksamkeit.
Die dynamische Aufmerksamkeit kommt wirklich von der beobachtenden Seite, während die
Gedanken und Empfindungen der beobachteten Seite angehören.
Dies alles läßt uns verstehen, daß das Kennen etwas völlig Passives und Mechanisches ist,
im offensichtlichen Gegensatz zur Beobachtung seiner selbst, die ein bewußter Akt ist.
Hiermit wollen wir nicht behaupten, daß es die mechanische Beobachtung seiner selbst nicht
gibt; diese Art von Beobachtung jedoch hat nichts mit der psychologischen Selbst-Beobachtung zu
tun, auf die wir uns beziehen.
Denken und Beobachten sind ebenfalls sehr verschieden. Jeder Mensch kann sich den Luxus
erlauben, alles mögliche von sich zu denken, aber das bedeutet nicht, daß er sich wirklich
beobachtet.

44

Es ist nötig, die verschiedenen Ichs in Aktion zu sehen, sie in unserer Psyche zu entdecken;
wir müssen verstehen, daß in jedem von ihnen ein Prozentsatz unseres Bewußtseins enthalten ist
und es bereuen, sie erschaffen zu haben usw..
Dann werden wir ausrufen: Aber was macht dieses Ich? Was sagt es? Was will es denn?
Warum quält es mich mit seiner Lüsternheit, mit seinem Zorn? usw...
Dann werden wir in unserem Innern diesen ganzen Zug von Gedanken sehen, von Gefühlen,
Gelüsten, Leidenschaften, privaten Komödien, persönlichen Dramen, raffinierten Lügen, Reden,
Ausreden, Anomalien, Szenen der Wollust, obszönen Bildern usw....
Oftmals vor dem Einschlafen, genau beim Übergang vom Wachzustand in den Schlaf,
vernehmen wir in unserem Verstand verschiedene Stimmen, die miteinander reden; es sind die
verschiedenen Ichs, die in diesen Augenblicken jede Verbindung zu den verschiedenen Zentren
unserer organischen Maschine abbrechen müssen, um in die molekulare Welt, in die fünfte
Dimension einzutauchen.

45

Das Geschwätz
Es ist dringend nötig, unaufschiebbar, unser inneres Geschwätz und den genauen Ort, woher
es kommt, zu beobachten...
Zweifellos ist das innere irrtümliche Geschwätz die Causa Causorum vieler unharmonischer
und unangenehmer psychologischer Zustände, sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft.
Offenbar hat dieser unwesentliche, leere Wortschwall zweideutigen Geschwätzes und
überhaupt jede schädliche, absurde Unterhaltung, die in der Außenwelt aufkommt, ihren Ursprung
im inneren irrtümlichen Gespräch.
Man weiß, daß es in der Gnosis die esoterische Übung des inneren Stillschweigens gibt; dies
kennen unsere Schüler der Dritten Kammer.
Es ist nötig, mit äußerster Klarheit zu bemerken, daß das innere Stillschweigen sich
ausdrücklich auf etwas sehr Genaues und Bestimmtes beziehen muß.
Wenn der Denkprozeß während der tiefen inneren Meditation sich absichtlich erschöpft,
erreicht man die innere Stille; das ist es jedoch nicht, was wir in diesem Kapitel erklären wollen.
Ebensowenig versuchen wir, in diesen Zeilen die Gedankenleere oder das Abschalten der
Gedanken zu erklären, um die innere Stille wirklich zu erlangen.
Das innere Stillschweigen auszuüben, auf das wir uns hier beziehen, bedeutet auch nicht, zu
verhindern, daß etwas in den Verstand eindringt.
In Wirklichkeit sprechen wir jetzt von einer völlig anderen Art von innerem Stillschweigen.
Es handelt sich nicht um etwas Unbestimmtes oder Allgemeines...
Wir wollen das innere Stillschweigen in Beziehung zu etwas ausüben, das sich schon im
Verstand befindet: eine Person, ein Ereignis, eine eigene oder fremde Angelegenheit, etwas, was
uns erzählt wurde, was Herr Soundso tat usw., aber ohne es mit der inneren Zunge zu berühren,
ohne inneres Gerede...
Nicht nur mit der äußeren Zunge schweigen zu lernen, sondern darüber hinaus auch mit der
geheimen, inneren Zunge, erweist sich als etwas Außerordentliches, etwas Wunderbares.
Viele schweigen äußerlich, aber mit ihrer inneren Zunge lassen sie kein gutes Haar an ihren
Mitmenschen. Das giftige und böswillige innere Geschwätz schafft innere Verwirrung.
Wenn man das irrtümliche, innere Geschwätz beobachtet, wird man sehen, daß es aus
Halbwahrheiten besteht oder aus Wahrheiten, die sich untereinander mehr oder weniger falsch
verbinden oder bei denen etwas hinzugefügt oder weggelassen wurde.
Unglücklicherweise beruht unser Gefühlsleben ausschließlich auf der Selbst-Sympathie.
Und als Gipfel der Schande sympathisieren wir nur mit uns selbst, mit unserem geliebten
Ego und empfinden Abneigung und sogar Haß jenen gegenüber, die nicht mit uns sympathisieren.
Wir lieben uns selbst zu sehr, wir sind hundertprozentig narzißtisch ? das ist unwiderlegbar,
unbestreitbar.
46

Solange wir weiter in der Selbst-Sympathie gefangen bleiben, ist jegliche Entwicklung des
Seins mehr als unmöglich.
Wir müssen lernen, den Standpunkt des anderen zu sehen. Es ist dringend nötig, sich in die
Lage der anderen versetzen zu können.
Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen. (Matthäus: VII,12).
Was in diesen Studien wirklich zählt, ist die Art und Weise, wie die Menschen innerlich und
verborgen vor den Augen der anderen miteinander umgehen.
Leider, auch wenn wir sehr höflich und sogar ehrlich sind, besteht kein Zweifel, daß wir uns
manchmal auf unsichtbare und innerliche Weise gegenseitig sehr schlecht behandeln.
Scheinbar sehr gutherzige Leute schleppen täglich ihre Mitmenschen in ihre eigene, geheime
Höhle, um mit ihnen alles zu tun, was ihnen beliebt (Belästigungen, Hohn, Spott usw.).

47

Die Welt der Beziehungen
Die Welt der Beziehungen hat drei sehr unterschiedliche Aspekte; es ist notwendig, uns
gründlich Klarheit darüber zu verschaffen.
?Erstens: wir haben eine Beziehung zum planetarischen Körper, d.h. zum physischen
Körper.
?Zweitens: wir leben auf dem Planeten Erde, infolgedessen haben wir eine Beziehung zur
Außenwelt und zu den Angelegenheiten, die uns betreffen wie: Verwandte, Geschäfte, Geld,
Situationen in Bezug auf Arbeit und Beruf, Politik, usw...
?Drittens: die Beziehung des Menschen zu sich selbst. Für den größten Teil der Menschen
hat diese Art von Beziehung nicht die geringste Bedeutung.
Unglücklicherweise interessieren sich die Leute nur für die ersten zwei Arten von
Beziehungen und betrachten die dritte mit völliger Gleichgültigkeit.
Die größte Sorge des intellektuellen Tiers, irrtümlicherweise Mensch genannt, kreist in
Wirklichkeit um Nahrung, Gesundheit, Geld und Geschäfte.
Nun ist aber offensichtlich, daß sowohl der physische Körper als auch alles, was die Welt
betrifft, sich außerhalb von uns befindet.
Manchmal ist der planetarische Körper (physischer Körper) krank, manchmal gesund ? in
ständigem Wechsel.
Wir glauben, einige Kenntnisse über unseren physischen Körper zu besitzen; aber in
Wirklichkeit wissen selbst die besten Wissenschaftler der Welt nicht viel über den Körper aus
Fleisch und Blut.
Es besteht kein Zweifel, daß der physische Körper angesichts seiner beeindruckenden und
komplizierten Gestaltung sicherlich weit über unser Verständnis hinausgeht.
Hinsichtlich der zweiten Art von Beziehungen, sind wir Opfer der Umstände; es ist
bedauerlich, daß wir immer noch nicht gelernt haben, unsere Umstände bewußt zu erschaffen.
Es gibt viele Menschen, die unfähig sind, sich einer Situation oder einer Person anzupassen
oder einen wirklichen Erfolg im Leben zu erzielen.
Wenn wir vom Gesichtspunkt der esoterischen Gnostischen Arbeit ausgehend über uns
selbst nachdenken, so ist es dringend nötig, herauszufinden, in welcher dieser drei Arten von
Beziehungen etwas bei uns fehlt.
Es kann der konkrete Fall eintreten, daß wir eine falsche Beziehung zu unserem physischen
Körper haben und infolgedessen krank werden.
Es kann vorkommen, daß wir eine schlechte Beziehung zur Außenwelt haben und aus
diesem Grunde Konflikte, ökonomische und soziale Probleme entstehen usw...
Es kann sein, daß wir eine schlechte Beziehung zu uns selbst haben und als Folge davon sehr
an Mangel an innerer Erleuchtung leiden.
48

Wenn die Lampe unseres Gemaches nicht an die elektrische Installation angeschlossen ist,
wird unser Heim offensichtlich im Dunkeln bleiben.
Diejenigen, die an Mangel an innerer Erleuchtung leiden, müssen ihren Verstand mit den
höheren Zentren ihres Seins verbinden.
Zweifellos ist es notwendig, eine korrekte Beziehung nicht nur zu unserem planetarischen
Körper (physischer Körper) und zur Außenwelt, sondern auch zu jedem Teil unseres eigenen Seins
herzustellen.
Die pessimistischen Kranken, der vielen Ärzte und Medikamente müde, wollen schon nicht
mehr geheilt werden; die optimistischen Patienten kämpfen, um zu leben.
Viele Millionäre, die beim Spiel ihr Vermögen verloren hatten, begingen Selbstmord im
Casino von Montecarlo. Millionen armer Mütter arbeiten, um ihre Kinder ernähren zu können.
Unzählbar sind die entmutigten Schüler, die aus Mangel an psychischen Kräften und innerer
Erleuchtung die esoterische Arbeit an sich selbst aufgegeben haben. Nur wenige verstehen es, die
Widrigkeiten auszunützen.
In Zeiten starker Versuchung, Niedergeschlagenheit und Trostlosigkeit muß man an die
innerste Erinnerung seiner selbst appellieren.
In der Tiefe jedes einzelnen von uns befindet sich die aztekische Tonantzin, Stella Maris, die
ägyptische Isis, die göttliche Mutter, uns erwartend, um unser schmerzendes Herz zu heilen.
Wenn man sich selbst den Schock der Erinnerung an Sich gibt, vollzieht sich wirklich eine
wundervolle Umwandlung in der ganzen Arbeit des Körpers, so daß die Zellen eine andere Nahrung
erhalten.

49

Das psychologische Lied
Es ist der Moment gekommen, sehr ernsthaft über das nachzudenken, was innere
Berücksichtigung genannt wird.
Es besteht nicht der geringste Zweifel über den katastrophalen Aspekt der innersten
Selbstberücksichtigung; sie hypnotisiert nicht nur das Bewußtsein, sondern bewirkt außerdem, daß
wir sehr viel Energie verlieren.
Wenn man nicht den Fehler begehen würde, sich so sehr mit sich selbst zu identifizieren,
wäre die innere Selbst-Berücksichtigung mehr als unmöglich.
Wenn man sich mit sich selbst identifiziert, dann liebt man sich zu sehr, empfindet
Selbstmitleid, berücksichtigt sich selbst, denkt, daß man mit Herrn Soundso, mit der Ehefrau, mit
den Kindern usw. immer gut umgegangen ist, und daß niemand es zu schätzen gewußt hat. Kurzum,
man ist ein Heiliger und alle anderen sind Bösewichte und Schufte.
Eine der am häufigsten vorkommenden Arten von innerer Selbst-Rücksicht ist die Sorge um
das, was die anderen von einem denken könnten; vielleicht nehmen sie an, wir seien nicht ehrbar,
offenherzig, wahrheitsliebend, mutig usw...
Äußerst merkwürdig dabei ist, daß wir den enormen Energieverlust, den diese Art von
Sorgen mit sich bringt, leider nicht erkennen.
Viele feindselige Verhaltensweisen bestimmten Personen gegenüber, die uns kein Leid
angetan haben, sind gerade auf diese Sorge zurückzuführen, die der inneren Selbst-Rücksicht
entspringt.
Unter diesen Umständen, wenn man sich selbst so sehr liebt, sich selbst derart
berücksichtigt, steht fest, daß sich das Ich oder besser gesagt die Ichs erschreckend stärken, statt
auszusterben.
Wenn man mit sich selbst identifiziert ist, bemitleidet man sich sehr wegen seiner
Lebenslage und verfällt sogar darauf, Rechnungen aufzustellen.
So kommt es, daß wir denken, Herr Soundso, der Freund, die Freundin, der Nachbar, der
Arbeitgeber usw. hätten uns trotz unserer wohlbekannten Güte nicht angemessen bezahlt, und
eingenommen von solchen Gedanken wird man unerträglich und lästig für alle anderen.
Mit einem solchen Subjekt kann man praktisch nicht reden, da jegliches Gespräch sicherlich
auf sein Rechnungsbüchlein und seine berühmten Leiden hinausläuft.
Es steht geschrieben, daß in der gnostischen esoterischen Arbeit das seelische Wachstum nur
möglich ist, wenn wir den anderen verzeihen.
Wenn jemand von Augenblick zu Augenblick, Moment für Moment unter dem leidet, was
die anderen ihm schuldig sind, was sie ihm antaten, unter dem Kummer, den sie ihm zufügten...
immer mit seinem gleichen Lied: dann wird nichts in seinem Inneren wachsen können.
Das Gebet des Herrn lautet: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern.

50


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