Platon Der Staatsmann (Philosophie).pdf


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DER FREMDE: Wo findet man nun aber den Pfad der
Staatskunst ? Denn ihn müssen wir entdecken und von
den anderen absondern, um ihm so den Stempel einer
besonderen Erscheinung aufzudrücken. Und allen übrigen
Wegen müssen wir dann einen anderen Begriff als Kennzeichen geben und unsere Seele dazu bringen, daß sie bei
allen Wissensgebieten zwei Artbegriffe unterscheidet.
DER JÜNGERE SOKRATES: Ich glaube, das wird nun deine Aufgabe sein, fremder Mann, und nicht die meine.
DER FREMDE: Es muß gewiß auch die deine sein, Sokrates, wenn uns die Sache einmal klar geworden ist.
DER JÜNGERE SOKRATES: Gut gesagt.
DER FREMDE: Also denn: Sind nicht die Arithmetik und
einige mit ihr verwandte Künste ohne Beziehung zum
praktischen Leben und dienen einzig der Erkenntnis ?
DER JÜNGERE SOKRATES: So ist es.
DER FREMDE: Die Künste dagegen, die sich um die des
Zimmermanns und um alle Arten von Handwerk gruppieren, beschlagen ein Wissen, das gleichsam mit dem praktischen Leben zusammengewachsen ist, und sie gehen
darauf aus, daß durch sie leibhafte Dinge entstehen, die
vorher nicht da waren.
DER JÜNGERE SOKRATES: Einverstanden.
DER FREMDE: Auf diese Art mußt du nun sämtliche
Wissensgebiete einteilen, indem du das eine als praktisches Wissen bezeichnest, das andere als rein erkenntnismäßiges (theoretisches).
DER JÜNGERE SOKRATES: Gut denn, es soll also von der
einheitlichen Gesamtheit des Wissens diese beiden Artbegriffe geben.
DER FREMDE: Wollen wir nun den Staatsmann als König, als Sklavenmeister oder auch als Hausverwalter
setzen und ihm für alles das einen Namen geben, oder
sagen wir, es handle sich um ebenso viele Künste, wie
wir Namen genannt haben ? Doch folge mir lieber hierher...
DER JÜNGERE SOKRATES: Wohin?
DER FREMDE: Dahin: wenn irgendein Laie imstande ist,
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