PDF Archive

Easily share your PDF documents with your contacts, on the Web and Social Networks.

Share a file Manage my documents Convert Recover PDF Search Help Contact



Alyssa & Seymor Band I Alles hat einen Anfang .pdf



Original filename: Alyssa & Seymor - Band I - Alles hat einen Anfang.pdf

This PDF 1.4 document has been generated by Writer / OpenOffice.org 3.4.1, and has been sent on pdf-archive.com on 28/04/2013 at 23:14, from IP address 88.134.x.x. The current document download page has been viewed 1041 times.
File size: 1.8 MB (299 pages).
Privacy: public file




Download original PDF file









Document preview


Alyssa & Seymor
Band I

- Alles hat einen Anfang Bei diesem Text handelt es sich nicht um einen Roman. Es Handelt sich um die Geschichte von
Alyssa und Seymor, die aus der Sicht beider Charakteren geschildert wird.
Alle Rechte an den Texten und Textinhalten liegen allein bei den jeweiligen Autoren, ebenso
bleiben die Rechte an den Nebencharakteren den Autoren vorbehalten (darunter auch einigen
Mitgliedern von Teufelskreise). Die vorliegenden Textfragmente sind nicht zur kommerziellen
Veröffentlichung gedacht. Das Ideengut darf nicht anderweitige Zwecke als das vorliegenden
Manuskripts verwendet werden. Es darf nicht gestohlen, nicht kopiert, verbreitet oder verändert
werden.

© Kevin & Palina
Fassung erster Hand 2008/2010

1

Prolog
DAS KENNENLERNEN – SEYMOR
DAS KENNENLERNEN – ALYSSA
DAS KENNENLERNEN – JAMES
Die Vergangenheit einer besonderen Frau

Seite
Seite
Seite
Seite

3
9
13
17

Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite

47
50
57
61
65
76
84
96
105
111
119
123

Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
Seite

137
150
173
198
209
218
224

Seite
Seite
Seite
Seite

232
250
266
278

Seite

299

TEIL I – Iscariot
James – Ein sinnloser Kampf
Alyssa – Die Organisation Iscariot
Alyssa – Alte Bekanntschaften und neue Anfeindungen?
James – Der Werwolf und der Mensch
Alyssa – Eine neue Bekanntschaft mit dem Namen Jordi
Alyssa – Aeneas, der ungebetene Gast
Alyssa – Weihnachten
Alyssa – Ein nächtlicher Ausflug mit Folgen
Alyssa – Das Ende eines Weihnachtstages
James – Kaffeeplausch über Jack, The Ripper
James – Dann holen euch die Wölfe
James – Sheila, Eine willkommene Abwechslung

TEIL II – Wie alles begann
Die erste Begegnung
Der erste Kuss
Verlorene Unschuld
Einen Blick voraus
Unwillkommener Besuch
Seymor – Getrennte Wege
Alyssa – Ein kleines Verhängnis

TEIL III – Intermezzo
Wenn es keine Träume sind...
Einmal Raubkatze und wieder zurück
Intermezzo
Feuer und Wasser

Anhang
Erklärungen

2

Prolog
DAS KENNENLERNEN – SEYMOR
Seymor stellt sich vor
„Was ich bisher in meinem Leben gemacht habe und wie meine Kindheit gewesen sei, fragte mich
einst jener, der oftmals schon meinem Geigenspiel gelauscht hatte.
Ich weiß nicht besonders viel über den Ort meiner Geburt, über meine Eltern oder darüber was ich
gemacht habe, bevor ich mich selbst ernähren konnte.
„Es ist schon länger her, dass ich überhaupt darüber nachgedacht habe.", musste ich ihm gestehen.
„Wo fange ich am besten an. Also von meiner Kindheit und als Erinnerung an meine Eltern ist mir
eigentlich nur eine Namensplakette geblieben. Das ist auch der Grund warum ich Seymor heiße
oder warum ich mir diesen Namen zumindest gegeben habe. Ich vermute, dass meine Eltern mich
nicht ernähren konnten, oder ich mich vielleicht sogar schon als Säugling in eine Katze, oder sonst
etwas verwandelt hatte und meine Eltern vielleicht Angst hatten mich zu behalten, oder vielleicht
war es auch einfach eine arme Familie und sie konnten mich nicht ernähren und gaben mich aus
diesem Grund weg. Wer kann das schon genau sagen aus welchem Grund Dinge geschehen? Nun
ich schätze, ich habe irgendwo da draußen Eltern, sonst wäre ich wohl kaum hier und vielleicht
habe ich auch Geschwister, aber um ehrlich zu sein, es hat mich nie sonderlich interessiert, ob es
so ist. Sie haben mich schließlich weggegeben also aus welchem Grund sollte ich freiwillig zu ihnen
zurückkehren? Dann wären da verwaschene Bilder von einer alten Frau.
Vermutlich hatte sie mich irgendwo gefunden und sich um mich gekümmert. Es kann natürlich auch
sein, dass sie meine Großmutter war, oder das sie mir die Plakette gegeben hatte, aber das weiß ich
nicht mehr so genau. Vielleicht war sie auch einfach nur jemand der mich ein paar Tage bei sich
behalten hatte, bis sie mich weitergeben wollte. Aber woran ich mich noch sehr gut erinnern kann,
war, dass sie sehr viele Katzen hatte, also vermute ich das ich zumindest einige Jahre bei ihr
gewesen bin, denn die Katzen sind mir auch heute noch sehr bildhaft in Erinnerung. Vielleicht auch
ein unterbewusster Grund warum ich irgendwann die Katzenform erwählte. Doch um so besser ich
auch die Bilder der Katzen dort bereits in Erinnerung habe, um so weniger kann ich mich daran
erinnern zu der Zeit die alte Frau gesehen zu haben. Vielleicht war sie damals aus irgendeinem
Grund geflohen vielleicht gestorben, ich weiß es wirklich nicht.
Jedenfalls habe ich zu der Zeit - und dessen bin ich mir absolut sicher - zum ersten mal bewusst die
Gestalt verändert und dass ich von einer Katzen gesäugt wurde, die mich als ihr Junges
angenommen hatte, als sie selbst zu eben jener Zeit Jungen bekommen hatte. Ich weiß noch, dass
ich in jenem Haus lange Zeit verbracht habe und dort auch lernte mich als Katze zu bewegen und
als ich älter wurde, wurde auch meine Neugierde größer und ich streunte anfangs als Katze herum
und hatte eigentlich schon vergessen, dass ich auch noch eine andere Gestalt annehmen konnte.
Vermutlich durch Zufall kam ich irgendwann zu einem Spielplatz und sah dort Kinder, lachend,
spielend. Es faszinierte mich und irgendetwas in mir sagte mir, dass ich genauso sein könnte und
ich nahm wieder meine - ich denke – Geburtsgestalt, an wobei ich mir da nicht einmal so sicher
bin, aber ich vermute es ,da ich eher wie ein Mensch denke und weniger instinktiv wie eine Katze und glaub mir - ich kenne viele Katzen.
Wie es dazu kam, dass ich das erste mal Gewand anzog, ist mir jedoch ein Rätsel. Vielleicht hatte
eine der Mütter am Spielplatz mir etwas angezogen oder ich hatte es selbst getan, weil ich es von
der alten Frau gezeigt bekommen hatte. Ein Hauch eines Lächelns überzog mein Gesicht, während
ich an meine ersten Versuche zurückdachte, wie die anderen spielenden Kinder aufrecht zu gehen
und wie seltsam es mir vorkam meine Stimme zu hören, ohne dabei ein Miauen oder Fauchen zu
vernehmen. Aber nach und nach klappte es immer besser, die Laute nachzuahmen, die Größeren,
3

die den kleineren vorsagten, und auch das Gehen klappte mit der Zeit und ich wagte mich sogar
hinaus zu ihnen.
Die ersten Tage, die ich als Kind dort auf dem Spielplatz mit den anderen Kinder verbrachte,
waren sehr schön. Die Kinder bezogen mich in ihr Spielen mit ein und die Erwachsenen schien es
auch nicht zu stören. Erst als nach ein paar Wochen fragten sie sich wer meine Eltern waren, da
ich immer alleine da war und sie meinte wie gefährlich es doch wäre ein Kind alleine hier her
gehen zu lassen, damals ging Einiges schief. Sie fragten mich wo ich wohnte, doch ich wusste keine
Straßennamen oder Ortsnamen. Ich wusste auch nicht wer meine Eltern waren und die Katze die
sich um mich gekümmert hatte, würde wohl kaum mit den Menschen reden können, dessen war ich
mir damals schon sicher, auch wenn ich sie nicht einmal als meine Mutter sah, kam es dem was ich
von jenen sah die die Kinder Mama nannten doch am nächsten. Dann nahm mich eine bei der Hand
und wollte das ich sie nach Hause führte. Aber ich wollte noch nicht. Ich wollte noch mit den
anderen Kindern spielen, aber sie zog mich einfach davon und plapperte ständig, ich solle ihr den
Weg zeigen. Ich war verängstigt, auch wenn sie freundlich sprach. Sie war stärker als ich, größer
und tat etwas das ich nicht wollte und kurz darauf blieb eine vor Schrecken kreideweiß gewordene
Frau zurück und eine braune junge Katze lief in das nächste Gebüsch und dann weiter. Danach
konnte ich nicht mehr zurück zum Spielplatz, denn bei dem Versuch erneut hinzugehen liefen die
Eltern sofort auf ihre Kinder zu, brachten sie in Sicherheit und warfen mit allem was sie fanden
nach mir.
Dann verbrachte ich wieder einige Zeit als Katze und nahm nur ab und zu meine menschliche
Gestalt an, weil es mir einfach Spaß machte aufrecht zu gehen und größer zu sein als all die
anderen Katzen. Ich entdeckte auch einen Spiegel in dem Haus; mir scheint es ist etwas, das mir
angeboren ist, denn ich begann damals sofort meine Haare zu richten. Die damals um einiges
länger waren als sie es jetzt sind. So zogen weitere Jahre einher und es muss so vor in etwas 6-7
Jahren gewesen sein, als ich beschloss das Haus auch wieder als Mensch zu verlassen. Das Haus
befand sich sehr abgelegen, was vermutlich auch der Grund war, weshalb nie jemand nachsehen
gekommen war. Ich musste jedenfalls ein gutes Stück weit laufen, bis ich auf Menschen traf und den
weiten Weg legte ich auch noch in Klamotten zurück, die mir viel zu groß waren, da mir natürlich
mein Kindergewand nicht gepasst hatte, hatte ich damals irgendetwas angezogen, das ich in den
Kästen gefunden hatte. So hatte ich mich auf den Weg gemacht quer Feld ein. Wo es hin ging,
wusste ich ja, ich hatte den Weg ja schon oft genug als Katze zurückgelegt. Ich war noch nicht in
Sichtweite des Hauses, als mich bereits die Klänge umfingen, die mich auch als Katze immer
wieder an jenen Ort gelockt hatten, wo ich stets auch Milch bekommen hatte.
Die Klänge einer Violine, gespielt von einem wahren Meister, klangen zu mir herüber und zogen
mich wie magisch an. Ich saß lange Zeit vor dem Haus und lauschte der Musik, ehe man mich
bemerkte. Eine der Angestellten des Menschen, dem das Haus gehörte, entdeckte mich und wollte
mich verjagen, als mich der Geigenspieler entdeckte. Irgendetwas an mir schien ihn zu faszinieren,
denn er starrte mich unentwegt und ungeniert an. Er schickte seine Bedienstete fort und begann
erneut der Violine diese wunderbaren Töne zu entlocken. Wie gebannt war ich von der Musik und
immer wieder sah er mir in die Augen und schien nach etwas zu suchen. Versuchte zu begreifen
was er sah. Zumindest weiß ich heute das es so war, damals interessierte mich eigentlich nur die
Musik. Nach dem er mich lange beobachtet hatte winkte er mich zu sich. Ich zögerte und wollte
bereits abdrehen um zu fliehen. Ich hatte in der ganzen Zeit kein Vertrauen zu Menschen gefasst
und war auch damals eigentlich nicht bereit dazu. Aber der Violinespieler war clever genug mich
zu ködern. Er hielt mir die Violine entgegen und ich konnte der Neugier auf das Ding, das solch
wundervolle Klänge erschaffen konnte, nicht zurückhalten. Langsam taumelte ich in meinen viel zu
großen Sachen auf ihn zu. Nun die Jahre, die ich bei ihm verbrachte, einzeln zu erzählen würde zu
lange dauern. Kurz gesagt, er schaffte es mein Vertrauen zu gewinnen. Er war es der mich
sozusagen auch sozialisiert hat. Er brachte mir bei mit Besteck zu essen, zu lesen, ließ mir die
Haare schneiden, zeigte mir über kurz oder lang wie man als Mensch lebt und überlebt. Und er war
es, der mir beibrachte Violine zu spielen, nein viel mehr ihre Klänge zu erfühlen. Ich kann bis heute
keine Noten lesen. Das muss ich auch nicht. Hatte er immer gesagt, schließlich würde ich doch
4

ohne Noten besser spielen, als die meisten es jemals erlernen würden. Vielleicht ist dem auch so,
ich wage zu sagen, dass ich nicht schlecht Spiele, aber ob ich gut spiele ist jedem selbst überlassen.
In den Jahren dort war es auch, dass ich in Büchern über die verschiedenen Arten von Tieren zu
lesen begann und ich mir irgendwann die Frage stellte, ob ich nicht auch andere Gestalten noch
annehmen könnte. So kamen zuerst einige unglückliche Versuche, wie zum Beispiel ein
Schmetterling oder ein Hund. Aber irgendwie passten diese Gestalten nicht zu mir, ich fühlte mich
nicht wohl, bis ich eines Tages über dem Haus einen Bussard fliegen sah und mich fragte wie es
wohl wäre so hoch dort oben zu fliegen. Von dieser Idee gepackt, versuchte ich es auch und obwohl
ich an dem Abend gescholten wurde, weil ich mit blauen Flecken nach Hause kam, grinste ich doch
über das ganze Gesicht, denn letzten Endes hatte ich es geschafft zu lernen wie man fliegt. Nun ja
zumindest wie man abhebt und auch wieder landet, ohne sich dabei umzubringen. Meine
eigentlichen Flugkünste habe ich mir dann erst im Laufe der Zeit angeeignet. Marlond wie der Alte
hieß, war damals der Einzige, der darum wusste, dass ich meine Gestalt verändern konnte und er
hatte mir damals auch beigebracht, dass ich es um jeden Preis geheim halten müsste, darum war er
auch jedes mal erzürnt darüber wenn ich mich wieder verwandelte, doch ich hatte bald heraus
gefunden, dass ich ihn mit einem Spiel auf der Violine wieder beruhigen konnte. So ging es weiter
bis vor in etwa 3 Jahren.
Trotz des Vertrauen, das ich in den damals schon alten Mann gelegt hatte, hatte ich nie einem
anderen Menschen vertraut und auch nur sehr selten mit einem anderen gesprochen. Vermutlich
war das auch der Grund, warum diese Idylle überhaupt so lange gehalten hatte. Damals jedoch
geschah es, dass ich mich wieder einmal in einen Bussard verwandelte um die Freiheit zu genießen
durch die Lüfte zu fliegen. Doch leider durch meine Unvorsicht bemerkte mich ein sehr wichtiger
Mann der Ortschaft. Ich glaube sogar, er war dort Bürgermeister oder so etwas in der Art.
Jedenfalls ordnete er unverzüglich einen Durchsuchungsbefehl des Hauses des alten Mannes an.
Der Alte war schon immer sehr stur gewesen und wehrte sich sehr verbittert dagegen und wurde
von einem Polizisten schließlich sogar bewusstlos geschlagen mit einem Knüppel - vermute ich wenn ich heute daran zurückdenke.
Jedenfalls bemerkte ich erst was vorgefallen war; als ich am Abend heim kam. Marlond lag im Bett
und hatte eine leichte Platzwunde am Kopf; die man nach der Durchsuchung verbunden hatte. Der
alte Mann, der ohnehin nicht mehr in aller bester Verfassung gewesen war, hatte nach dem
Vorgefallenen nun doch erheblichen Schaden zurückbehalten, mehr als die Polizei eigentlich wollte
und trotzdem wurde die Sache wie ich noch erfahren sollte, dann später einfach unter den Tisch
gekehrt. Jedenfalls als ich heim kam, sah ich ihn im Bett liegen und als er mir erzählte was
geschehen war, packte mich die Wut. Wut auf mich und noch mehr Wut auf jene Männer, die dem
einzigen Menschen, den ich mochte das angetan hatten - nur meinetwegen. Doch mein Meister hielt
mich mit seiner schwachen Hand fest. "Tu ihnen nichts, es wird nur ihre Dummheit mehren. Du
musst mich heute noch verlassen. Du bist hier nicht mehr sicher, aber du weißt alles, was nötig ist
damit du dort draußen in der Welt alleine zurecht kommst. Halte deine Wut im Zaum, denn sonst
bist du nicht mehr Derjenige, den ich großgezogen habe und der mir der Sohn geworden ist, den
ich nie hatte."
Ich wollte damals mit ihm streiten, wollte ihm an den Kopf werfen, dass ich es schon regeln würde.
Dass ich mich in einen Löwen, einen Elefanten oder was weiß ich was mir damals alles für Ideen
gekommen waren, verwandeln wollte und jeden, der uns das hier nehmen wollte, einfach töten
würde. Aber er ließ mich nicht einmal mit meinem Aufputschen anfangen.
"Bitte bring mir meine Violine." sagte er noch ehe ich mit irgendetwas beginnen konnte. Ich tat wie
er mir geheißen hatte. "Ich möchte das du noch einmal für mich spielst und dann möchte ich, dass
du gehst und nie wieder an diesen Ort hier zurückkehrst. Fahre nach New York, du kannst dir Geld
mit der Musik verdienen, die du spielst, so wie ich es einmal getan habe in meiner Jugend und halte
geheim, was du bist. Deine Augen wird man als Kontaktlinsen durchgehen lassen können und
solange du dich normal benimmst, wirst du nicht weiter auffallen als Jugendlicher."
Ich hatte damals Tränen in den Augen, als ich den Bogen auf die Saiten der Violine legte und zum
5

letzten mal im Beisein meines Lehrers und des einzigen Menschen, dem ich je vertraut hatte,
spielen würde. Die Violine schenkte er mir und mit ihr war im Koffer der Großteil seines ersparten
Geldes. Ich lief zu Fuß bis in die nächste Ortschaft und von dort aus fuhr ich dann mit dem Bus
viele Kilometer und danach mit anderen Bussen, bis ich in New York eintraf. Ich wusste nicht
wohin, was ich machen sollte und ich kannte mich in dem Gewirr der Massen nicht aus. Ich war
verängstigt von den vielen Menschen und den vielen Autos, die alle gleichzeitig gestresst an mir
vorbei eilten oder fuhren. Damals war ich für einen New Yorker Jugendlichen viel zu adrett
gekleidet. Ja ich hatte Hemd und Sako an und eine passende Hose. Von allen Seiten wurde ich
beäugt und gemustert und mir wurde es sehr schnell zu viel des guten und ich flüchtete in eine
Seitenstraße wo ich eine Feuerleiter fand. Sie hing herunter und somit war es nicht wirklich ein
Problem bis auf das Dach des 10stöckigen Hauses zu kommen.
Ja , und ob du es glaubt oder nicht, du bist auch gerade auf diesem Dach. Damals habe ich mir
meine Heimat auf diesem Dach erkoren und bis heute "wohne" ich noch hier. Es ist Großteils
unbewohnt und die wenigen, die es bewohnen, sind relativ arm aber freundlich und ihnen gefällt
meine Musik, weswegen ich hier bleiben durfte und sogar ein Zimmer bekommen habe im 10. Stock.
Dafür können sie nächtens meiner Musik lauschen und ich höre sogar auf wenn sie darum bitten.
Ich vertraue ihnen nicht, denn wenn sie herausfinden würden, was ich tatsächlich bin, würden sie
mich vermutlich eben so davon jagen, wie damals der Bürgermeister es wollte. Aber sie sind
freundlich und lassen mir meine Ruhe. Ja und den Rest kennst du eigentlich. Irgendwann bin ich dir
begegnet, ich weiß gar nicht mehr, wann es war, ich vermute ohnehin das es mehr von dir ausging,
dass wir ins Gespräch kamen. Ach ja und meinen Kleidungsstil und meinen Haarschnitt habe ich
natürlich auch verändert mit der Zeit in New York. Ich habe schnell gemerkt das ich mit den alten
Klamotten zu sehr auffiel und wirklich gefallen, hatten sie mir auch nicht und mit dem Geld, das ich
bekommen hatte, habe ich mir dann das Gewand gekauft mit dem ich jetzt herumlaufe. Für das
Zimmer muss ich ohnehin noch immer keine Miete zahlen und Essen, nun ja ich bin kein Freund
von Arbeit, entweder ich verdiene mir ab und zu ein wenig Geld damit auf öffentlichen Plätzen zu
spielen, wobei das auch öfter schon schief gegangen ist, oder ich fange mir etwas als Bussard oder
Katze. Ja und das war es dann eigentlich auch schon. Hat ja eh ganz schön lange gedauert, viel
mehr weiß ich selbst nicht über mich." damit schloss ich damals ab. Was ich auch ihm nicht
verraten hatte, war dass ich ab und zu durchaus mal wo zugriff ohne es dann zu bezahlen.
Als ich schon einige Zeit in New York gelebt hatte, lernte schließlich auch eine vierte Gestalt in mir
kennen, es war die eines Pumas. Eine Raubkatze mit Krallen und Zähnen, mit der man sich auch
seiner Feinde erwehren konnte. Doch der eigentliche Grund für diese Gestalt bestand nicht darin
den Kampf zu suchen oder sich selbst im Kampf zu schützen, diese Gestalt ist viel mehr zum Schutz
anderer gedacht, oder zumindest einer Anderen, wie ich bisher festgestellt habe . Für mich selbst
würde ich immer die Flucht ergreifen, aber wenn ich jemanden beschützen möchte, würde ich wohl
als Kater oder Bussard nicht sehr weit kommen.“
Aussehen
Seymors Kleidungsstil ist eigentlich stets der selbe und wenn ihn Leute beobachten würden,
müssten sie sich wohl fragen, ob er noch nie sein Gewand gewechselt oder die selben
Kleidungsstücke einfach unzählige Male hat. Nun es ist wohl eher zweites, wobei es sich einfach
darauf bezieht, dass er nahezu jeden Tag ein eng anliegendes, schwarzes T-Shirt trägt und darüber
eine schwarze Lederjacke. Eine Blue Jeans, oftmals auch mit aufgerissenen Stellen, und schwarze
Turnschuhe bilden das komplette Bild. In seltensten Fällen sieht man vielleicht noch ein silbernes
Kettchen, das über dem Shirt hängt oder einen Armreif, aber das sind wohl eher schon Ausnahmen.
Die Haare des 18 -Jährigen sind rötlich-braun und auf die rechte Seite frisiert, auch ohne Gel halten
sie da sie seit Jahren, seit sie so frisiert werden und auch wenn sie ab und an vom Wind durchwühlt
oder in brenzligen Situationen ihren Halt verlieren, ja oftmals sogar störend wirken, wenn sie ihm
wieder einmal in die Augen hängen. Seymor hat in seiner rechten Brusttasche der Lederjacke stets
einen schwarzen Kamm bei sich um sie wieder zu bändigen. Seine Haut ist relativ blass und wirkt
auf Fremde vielleicht sogar ungesund, aber Seymor stört sich ohnehin nicht daran, was andere von
6

ihm halten. Er mag seinen Stil. Und wenn sein Style schon Probleme machen würde, dann hätten
die Leute wenigstens keinen Grund mehr ihn wegen seiner Augen merkwürdig anzusehen. Seine
Körpermaße befinden sich im Durchschnitt. Er ist in etwa 1,85 m groß und hat so um die 75kg. Er
hat sich nie gemessen somit kann man das wohl nicht genau beantworten. Er ist weder sehr
muskulös, noch abgemagert, noch dick. Eben halt ein durchschnittlicher Typ, dem man ansieht das
er nicht nur faul herumsitzt, aber der keinesfalls als Spitzensportler durchgehen würde. Ja seine
Augen sind golden und in egal welche Gestalt er sich auch verwandelt, für jemanden, der seine
Augen kennt, werden sie wohl immer ein Erkennungsmerkmal sein, denn sie verändern sich kein
Stück. Auch wenn ihm seine Augenfarbe keineswegs missfällt, so stört es ihn doch, dass er dieses
Erkennungsmerkmal nicht verliert und das, wie sehr er sich auch bemüht nicht aufzufallen. Man
starrt seine Augen stets an. Im Zeitalter der Kontaktlinsen sollte das ja eigentlich nichts Sonderbares
mehr sein, aber die Leute scheinen trotzdem einfach gerne zu starren. Wären die goldenen Augen
nicht genug, hat er auch noch etwas das auf den ersten Blick nicht ganz zu seinem Style passen
mag. In Menschengestalt an einem Gurt befestigt hängt ein schwarzer Violinenkoffer schräg über
seinen Rücken, oder er trägt ihn in der Hand. Man sollte es kaum für möglich halten, aber er hatte
nicht erst eine polizeiliche Kontrolle deswegen. Viele Leute fragen sich vermutlich, was in dem
Koffer drinnen sein könnte. Eine Waffe, eine Bombe? So in etwa sind wohl ihre Gedanken und aus
Sorge um ihre Mitmenschen wird dann die Polizei alarmiert. Meist ist Seymor dann fort, bevor die
Polizei eintrifft, über alle Berge und doch war es ab und mal dazu gekommen, dass man den Koffer
gefunden hatte und davor sitzend eine Katze oder einen Mäusebussard, der über dem Ort des
Geschehens kreiste. Der Koffer wurde mit höchster Vorsicht geöffnet und was man darin fand
erstaunte sowohl die Polizei als auch die Schaulustigen. Ja man sollte es kaum glauben, in jenem
Violinenkoffer befand sich eine wunderschön verzierte und scheinbar sehr alte, aber noch in sehr
gutem Zustand erhaltene Violine. Ja wer würde auch davon ausgehen in einem Violinenkoffer einen
Violine zu finden?
Vermutlich liegt es auch an seinen Augen, dass jene Gestalten, die er am häufigsten verwendet, so
veranlagt sind mit goldenen Augen nicht aufzufallen. Da wäre als erstes der rotbraune Kater mit
den, ja ihr wusstet es sicherlich schon, goldenen Augen, die im Mondlicht wunderbar wirken. Aber
wer sieht schon einer Katze bei Mondlicht in die Augen? Vor allem einer Katze die die Menschen
scheut. Das Fell des Katers wie schon erwähnt ist von einem orange bis hin zu einem etwas
dunkleren Rotbraun durchzogen. Der Körper des Katers ist wie auch seine menschliche Gestalt im
Durchschnitt einer Hauskatze. Er ist kein frei herumlaufender Tiger und auch kein
Katzenchihuhaha. Auch mit dem Mäusebussard verhält es sich ähnlich. Er ist um die 55 cm lang
und hat eine Flügelspannweite um die 120 cm. Auch die Augen des Bussards sind golden und
mustern die kleinste Bewegung, wenn er über die Stadt fliegt und zumindest einmal nicht wegen
seiner Augen von den Menschen unter sich bestaunt wird. Nun ja allzu oft sieht man eben keinen
Bussard in einer Großstadt herumfliegen. Diese drei Gestalten sind seine häufigsten
Erscheinungsformen.
Als drittes ist der Puma zu nennen, als Gedenken an seinen Vater, von dem er nichts weiß als das,
was er in einem Traum gesehen hat und um Alyssa besser beschützen zu können, er repräsentiert
vermutlich den Beschützerinstinkt, der auch Seymor nicht völlig fremd ist. Der Puma hat rotbraunes
Fell ein wenig heller als die Farbe seiner Haare und auch der Körperbau ist besser durchtrainiert als
sein menschliches Gegenstück.
Seymor kann zwar theoretisch die Form jedes nicht magischen Tieres annehmen, aber als seinen
Körper sieht er vorerst nur jene drei Gestalten. Selbst wenn man jederzeit zu einem Delfin werden
könnte, müsste man ja doch erst lernen wie einer zu schwimmen und auch wenn eine Eule auf den
ersten unfachmännischen Blick auch nur ein Vogel sein mag, so müsste man doch erst lernen mit
ihren Augen zu sehen und mit ihrem Körper zu fliegen. Somit ist Seymor in dem Körper des Katers,
des Bussards und des Menschen in seinem eigenen Körper. Es fühlt sich in jeder Form wie seine
eigentliche Gestalt an und eigentlich kann Seymor nicht einmal mehr selbst sagen welche der drei
Gestalten nun seine Tatsächliche ist.
Größe: 1,85 m | Gewicht: 75 kg
Haar- und Augenfarbe: Braun | Golden
7

Besondere Eigenschaften
Vermutlich ist es für andere etwas besonderes, dass er seine Gestalt verändern kann und natürlich
seine verräterischen Augen.
Charakterbeschreibung
Hier könnte man natürlich annehmen, das jemand, der in vier Körpern heimisch ist schizophren
veranlagt sein könnte. Nun ja es ist nicht ganz so. Natürlich benimmt man sich als Katze anders. als
wenn man in Gestalt eines Bussards durch die Lüfte segelt. Aber man bleibt im Großen und
Ganzen, doch immer der selbe, nur in einem veränderten Körper. Vielleicht mag es sein, dass man
ein wenig hochtrabende Gedanken hat, wenn man sich wiedereinmal todesmutig rein aus
Herzenslust mit angelegten Flügeln in die Tiefe stürzt um sich dann nur wenige Meter über dem
Erdboden aufzufangen. Oder, dass man ein wenig sensibel wird, wenn man im Körper einer Katze
das eigene Schnurren vernimmt und sich das samtweiche Fell wäscht und fast schon ein wenig stolz
und eitel ist über den Glanz des eben erwähnten. Aber das sind nur sehr geringe Veränderungen und
hat nicht auch jeder Mensch an sich Momente, in denen er sich todesmutig in ein Abenteuer stürzt
oder eitel und stolz auf etwas ist? Aber das ist jetzt Nebensache. Wenden wir uns lieber dem
eigentlich Interessanten zu, nämlich dem, wonach hier ja gefragt ist. Seymor ist ein sehr
eigenbrödlerischer Typ. Menschliche Gesellschaft liegt ihm nicht besonders und er ist generell mal abgesehen von gelegentlichen Besuchen eines alten Bekannten und den nächtlichen Streifzügen
mit anderen Katzen - eher ein Einzelgänger. Vertrauen setzt er im Prinzip in niemanden, denn wer
Vertraut gibt den anderen Grund das Vertrauen zu hintergehen. Also warum sollte man jemandem
das antun wollen? Seymor ist ein sehr interessierter junger Mann und für sein Alter erstaunlich
darin bewandert über die unglaublichsten Themen zu philosophieren. Auch wenn er dies sogar
meist allein tut, ist gerade dies wohl einer der Gründe, warum jener alter Bekannter es vielleicht
geschafft haben mochte so etwas ähnliches wie ein Freund zu werden. Freunde konnten sie keine
sein, schließlich müsste man sich unter Freunden ja vertrauen können, aber das ist einfach nicht
Seymors Stil seine Gedanken mit jemandem teilen, über die Dummheit der Menschen oder über die
Sterne und welche Themen es da sonst noch gibt. Ihn an seiner Musik lauschen lassen warum nicht,
aber nichts, das jemandem Anlass dazu geben könnte ihn zu Hintergehen. Apropos Musik, Seymor
wäre ohne Musik nicht Seymor. Mit seinen 18 Jahren spielt er Violine wie ein Meister, der sein
Lebenswerk dem Erlernen dieser Kunst gewidmet hat. Auch die Stimme, man mag es ihm vielleicht
nicht ansehen, kann herzzerreißend klingen, wenn er auf den Dächern die traurigen Melodien seiner
Violine erklingen lässt und oft in fremden Sprachen oft in seiner Muttersprache traurige Texte dazu
singt. Er spielt nur für sich und jene, die das Glück oder das Pech ,denn es gibt wohl sicher auch
Kritiker an ihm, haben ihm zu lauschen. Er ist ein sehr friedliebender Geselle, der jedem Kampf so
gut es geht ausweicht. Man könnte ihn deshalb vermutlich für feige halten. Er selbst sieht es eher
als klug genug an unnötigen Gefahren auszuweichen. Aber das ist wohl auch wieder Ansichtssache.
Dann gibt es da noch ein Thema, es nennt sich Liebe und ist sogar eines seiner
lieblingsphilosophischen Themen. Denn dass es sie gibt bezweifelt er. Aber man muss das Ganze
mal aus seiner Sicht sehen. Könnt ihr euch Liebe ohne Vertrauen vorstellen? Also er kann es nicht,
somit wäre wohl auch geklärt, wie es mit dem anderen Geschlecht bei ihm aussieht. Im Großen und
Ganzen könnten man wohl sagen, dass Seymor ein angenehmer Geselle ist, wenn man
Violinenmusik mag und ihm Ruhe lässt.
Besondere Fähigkeiten
Nun da wäre wohl das Gestaltenwandeln, hatte ich das nicht bereits einmal erwähnt, dass er dies
kann? Auch egal. Abgesehen davon, wäre sonst wohl nur noch seine Stimme und sein Können mit
der Violine zu sprechen. Doch ob es Fähigkeiten sind, ob er nun ein Genie oder ein auserwähltes
Kind, wie Mozart auf diesem Gebiet ist, oder einfach wie jeder Mensch einfach irgendetwas
besonders gut kann, ist wohl den anderen überlassen.
Schwächen | Anfälligkeiten
Nun gibt es da nicht mehr als genug aufzuzählen. Man kann ihn mit einem Stich ins Herz töten.
Man kann ihn verbluten lassen. Man kann ihm die Luft abschnüren und erwürgen und man könnte
8

ihm auch einfach die Kehle durchschneiden. Kurz und einfach das selbe wie bei jedem Menschen,
Katze, Schlange und Vogel.
Familiensache
Knapper könnte es wohl kaum sein. Er hat keine.
_____________________________________________________________________________

DAS KENNENLERNEN – ALYSSA
Aus der Sicht eines Freundes: James über Alyssa
Name: Alyssa Raven
Alter: 2503, geboren 495 v. Chr.
Rasse: Phönix – Vampir
Aussehen
"Sie wollen wissen wie diese Frau aussieht?", lachte der dunkelhaarige Mann mit heiserer Stimme.
"Nun, sie ist nicht grade das, was man als unauffällig bezeichnen würde. Ich kenne keinen Mann mich eingeschlossen - dessen Augen ihrer schlanken Gestalt nicht folgen würden, sie ist eine
klassische Schönheit!
Ihre kühle, fast schon durchscheinende Haut hat die Farbe von hellem Marmor, auch wenn sie
wesentlich weicher ist als der Stein. Ihr engelsgleiches, blasses Gesicht mit den großen
Katzenaugen, der kleinen geraden Nase und den vollen, roten, sanft geschwungenen Lippen erinnert
an das antike Schönheitsideal. Sie hat das, was man vornehmen Blässe und Reinheit nennt. Die
hohen, kantigen Wangenknochen stehen im Kontrast dazu und erinnern an die Frau der Moderne.
Auf den ersten Blick sieht Alyssa Raven wie eine junge, hübsche Frau aus, doch diese schimmernde
Fassade täuscht - auch wenn sie noch so anziehend ist, dahinter lauert ein Jahrtausende altes Biest.
Aber das Auffälligste an ihr ist das lange, rubinrot Haar, das stets so wundervoll nach Jasmin duftet
und seidige in glatten Strähnen über ihre zierlichen Schulter fällt. Es ist nicht das unnatürliche,
matte Rot, das man von gefärbten Haaren kennt. Nein. Ihr Haar funkelt golden im Sonnenlicht und
erstrahlt in den unterschiedlichsten Fassetten von goldgelb bis hin zu violett-rot. Ich habe es geliebt
meine Hände und mein Gesicht darin zu vergraben oder auch nur das Lichtspiel darauf zu
betrachten, wenn sie es so anmutig zurück warf. Genau Anmutig! Überhaupt ist es das Wort, das
einen Vampir am besten beschreibt. Ihre schlanke und wohl bemessene Gestalt - ausgestattet mit
allem weiblichen Vorzügen - bewegt sich mit fließendem Anmut und völlig unbewusster Grazie.
Was dieses Auftreten noch unterstreicht ist ihre Gewohnheit ihren makellosen Körper nur ungern
mit Stoff zu verhüllen. So ist es nicht selten, dass sie eng anliegende Korsetts und Lederhosen
bevorzugt, die sie ihn ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränken und mehr von ihrem Körper
enthüllen als verhüllen. Um so dominanter erscheint da der Kontrast ihrer nackten, schneeweiße
Haut, zu dem leuchtenden Rot ihres Haares und dem tiefen Schwarz ihrer Kleidung.
Auch wenn es mir scheint, ihr gesamtes Auftreten drückte eine begehrenswerte Sinnlichkeit aus, so
liebe ich ebenso die Kindlichkeit und Verunsicherung in ihren Augen aufflackern zu sehen. Alyssas
Ausstrahlung ist wie die der meisten Vampire: anziehend und mystisch. Ein Geheimnis an sich, das
man an manchen Tagen am liebsten besitzen und an anderen beschützen möchte, weil es eine
unglaubliche Zerbrechlichkeit ausstrahlt. Eine Frau voller Widersprüche...

9

Größe
Für eine Frau ist Alyssa genau richtig, würde ich sagen, auch wenn sie etwas größer ist als die
Durchschnittsfrau. Aber ich wollte sie gar nicht mit dem Durchschnitt vergleichen. Und wie viel sie
wiegt weiß ich nicht genau. Für mich hat sich ihr Körper nie schwer angefühlt, also schätze ich mal
so etwa gegen 55kg , vielleicht etwas mehr.
Haarfarbe
Ein wundervolles Rubinrot, das gar nicht rot ist, wie ich bereits erwähnte ",lächelte der Mann sanft.
Augenfarbe
„Nun,ich würde ihnen raten sie kennen zu lernen und diese Dämonin genau zu beobachten, aber
wahrscheinlich würde das einem normal Sterblichen nicht gut bekommen und ich hätte womöglich
noch ein schlechtes Gewissen, wenn Ihnen etwas zustieße! Nun ihre Augen sind erstaunlich! Wenn
Alyssa gelassen ist, so haben ihre Augen die Farbe der durchscheinenden See oder die Farbe von
schweren Gewitterwolken, kalt und ruhig. Ich habe sie aber auch bereits in anderen Momenten
gesehen, aufgebracht oder erregt, dann beginnen diese Seelenspiegel so wundervoll golden bis
feuerrot zu funkeln. Sie sprühen Funken und die Wut ist mehr als deutlich darin zu lesen. Ein
schöner Anblick, aber auch ein sehr gefährlicher."
Charakterbeschreibung
Was Alyssas Charakter am besten beschreibt, sind die Begriffe: hitzig und feurig, denn diese Frau
hat ein wahrlich feuriges und zündendes Temperament." Eine leide Warnung schwang in seiner
angenehm tiefen Stimme mit und ein anzügliches Grinsen zierte seine aristokratischen Züge.
"Dies ist wörtlich zu nehmen! Denn Sie ist eine leidenschaftliche Pyromanin. Mein persönlicher Rat
wäre es, sie nicht zu reizen und alles Entflammbare zur Seite zu räumen. Manchmal - gut
zugegeben:oft - handelt Alyssa übereilt, unbedacht und sprunghaft. Oh ja, sprunghaft! Und wie!
Launisch und unkontrollierbar wie das Meer! Ich kenne sie mittlerweile lange genug um zu wissen,
wie sie sich gerne selbst sehen würde und zwar: als manipulativ und berechnend. Das gelingt ihr
aber selten, denn die Gefühle sind stärker als der Verstand - was die kleine Lady aber bis heute
nicht akzeptieren kann und vehement abstreitet.
Dennoch gelangte sie oft zu ihrem Ziel, ganz egal welche Mittel sie dabei zur Hilfe nehmen musste.
Alyssa scheut kaum etwas, sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Keine Rücksicht auf Verluste!
Und Langeweile ist noch so ein Thema! Etwas, das sie nicht ertragen kann und was sie sehr schnell
reizt,das ist die Langeweile, was wiederum zur Folge hat, dass sie sich nicht unter Kontrolle hat und
kurze Zeit später alles in Flammen steht. Wie gesagt...feurig!",lachte er. "Vielleicht erinnern Sie
sich noch an einen gewissen Kaiser namens Nero und ein kleines Lagerfeuer, das das gesamte Rom
verschlungen hat. Sagen wir mal so, das Feuer ist nicht allein auf seinen Mist gewachsen, eine
gewisse Person hatte da ihre Finger im Spiel.
Aber nachdem, was ich nun alles über sie erzählt habe...", räusperte sich der dunkelhaarige Mann
peinlich berührt; "… sollen Sie nicht glauben, dass ich zu sehr von meiner Zuneigung verblenden
bin. Ich gebe zu, dass ich immer eine Schwäche für diese Frau hatte, aber ich weiß ebenso um ihre
schlechten Seiten.
Zurückhaltung und Selbstbeherrschung sind nicht grade ihre Stärken, egal in welchen Lebenslagen,
aber sie hat eine Intuition dafür, wann es besser ist sich zurück zu nehmen. Außerdem sind ihr
Pathos und Patriotismus fremd, da Alyssa eine gnadenlose Opportunistin ist, pragmatisch und
exzentrisch obendrein! So würde sie auch kaum etwas tut, was nicht zu ihren eigenen Vorteil
gereicht, es sei denn sie tut es aus Zuneigung. Aber wie oft kommt das denn auch vor? Sie lässt
kaum jemanden an sich heran.
Als jahrelange Einzelgängerin und Soziopathin, ist sie dieses Leben gewohnt und wer kann es
einem da verübeln, wenn man nach den Verlusten der letzten 2000 Jahre niemanden mehr ins Herz
schließt. Aus Selbstschutz, um nicht noch mehr verletzt zu werden, um nicht noch mehr zu
verlieren, um nicht schwach zu sein. Sie hasst Schwäche und ist dennoch nicht so stark, wie sie
gerne wäre.Ebenso hasst Alyssa Verpflichtungen,Vorschriften und Regeln - die vielleicht auch mit
einer Beziehung einher gingen. Sie ist der zwiespältigste Menschen - das zwiespältigste Wesen 10

das ich jemals kennen lernen durfte. Ich weiß, dass sie zu sehr starken Gefühlen fähig ist, zu
überwältigender Liebe, bis hin zu alles verzehrendem, zerstörendem Hass. Wie jedes Wesen sehnt
sich nach Liebe und Geborgenheit, nach Zugehörigkeit und dennoch ist sie ruhelos. Abgestumpft.
Kann nicht lange an einem Ort oder mit einem Menschen verweilen...Ich hatte gehofft, dass ich sie
mit meiner Liebe ändern könnte, aber ich habe mich geirrt. Denn wer vermag es dem Feuer
Vorschriften zu machen? Es zu zügeln?", Trauer lag in seinem Blick.
"Ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit ist ihr heilig wie das eigene Leben, vielleicht
liegt es auch daran, dass es dieser Dämonin bis heute nie gelang eine langfristige Bindung
einzugehen. Aber so viel weiß ich..."
Hätte man James genauer gekannt, so hätte man die Trauer, die Verletzlichkeit in seinen grünen
Augen gesehen,als es mit belegter Stimme weitersprach: "... Es gab mal vor lange Zeit,einen Mann,
den sie mehr liebte als alles andere, aber er beschloss lieber zu sterben, als zu dem zu werden,was
sie war. Alyssas Liebe muss so groß gewesen sein, dass sie diesen Verlust nie verwunden hat und
diesen Menschen bis heute noch immer liebt! Der Verlust der einzigen Menschen, die sie geliebt
hatte, machte sie zu dem, was sie nun ist. Zu oft habe ich mir gewünscht einer dieser Menschen zu
sein. Vergeblich...
Nun ja...egal ob Mensch oder Dämon, jeder wird von ihr gleich behandelt. Obgleich Alyssa sich
viele menschliche Verhaltensweisen und Schwächen angeeignet hat,was sie fast menschlich macht:
sensibel und verletzlich. In den Jahren ihre langen Lebens hat die Erfahrung sie gelehrt, dass es
manchmal einfacher ist sich unter Menschen versteckt zu halten, anstatt sich in eine Dämonenmeute
und die damit verbundene Gefahr zu stürzen. Aber Langeweile ist ein unpässlicher Begleiter für ein
Wesen wie sie und Gefahr hat auch ihre Reize. Somit ist es nicht selten, dass sie auf irgendeine
hirnverbrannte, lebensgefährlichen Idee kommt, die das größte Chaos anrichten. Und sie steht
einfach dabei und amüsiert sich. Zudem genießt Alyssa einen ausschweifenden Lebenswandel und
mag Entbehrungen jeder Art so gar nicht! Doch ihre größten Probleme sind wohl der Alkohol, der
ihre Schmerzen leider konserviert anstatt sie zu lösen - und die Männer! Sobald sich ihr die
Gelegenheit ergibt, flirtet sie mit allem und jedem! Nun zumindest eine Möglichkeit, eine
Ablenkung von ihren Problem. Und alle mal besser als ihre sonst so Lebens verachtenden und
Todes sehnsüchtigen Handlungen...
besondere Eigenschaften
Nun als kennzeichnende oder besondere Eigenschaften gibt es bei Alyssa ebenso wenig wie viel zu
sagen. Vielleicht sollte ich es in besondere Fehler umbenennen, dann gäbe es da allerdings noch
mehr zu erzählen.", scherzte der melancholische junge Mann nun endlich etwas fröhlicher mit Spott
in seinen Augen. "Angefangen von Alyssas soziopathischer Seite, ihrer Abneigung des Leben,
denen wiederum eine irrsinnige Lebensfreude und Koketterie entgegenhält. Wenn man es überhaupt
als Eigenschaft ansehen kann, so wird ihr ganzes Wesen von ihrer überwältigenden Sehnsucht nach
Freiheit und Unabhängigkeit beherrscht. Ihrer Neugierde ist nahezu unerträglich ebenso ihr
Opportunismus. Noch dazu ist sie furchtbar launisch und unberechenbar, chaotisch und verrückt!
Und Zwiespältig, wie ich erwähnte. Ich könnte hier aber noch viele Eigenschaften mehr
aufzählen...allerdings würde es zu weit führen...
Allerdings muss ich wohl anmerken, dass es da schon immer etwas gab, was mir Angst eingejagt
hat: ihre Intuition und ihre Menschenkenntnis. Sie rühren wohl von ihrer "Menschlichkeit" her, aber
sie sind erstaunlich und unnatürlich ausgeprägt.
besondere Fähigkeiten
Dank der Linie ihres Vaters ging auch die nützliche Eigenschaft der Unsterblichkeit auf sie über.
Alyssa ist nahe zu unsterblich und altert nicht. Ich habe es zwar noch nicht ausprobiert, aber man
sagt sich über Phönixdämonen, dass sie sich nach ihrem Tod stets in ihrer vorhergehenden Gestalt
rematerialisieren können.
Außerdem beherrscht sie als Phönix das Element Feuer, dazu benötigt sie keine aufwändigen
Sprüche oder Zauber, das Feuer ist einfach da. Es ist ein Teil von ihr.
Und zum guten Schluss noch mit Abstand ihre nervigste Fähigkeit, oder wohl mittlerweile
Gewohnheit, diese Frau pflegt sich in einem explosiven Flammeninferno
zu ( de-)
11

materialisieren.Es ist laut und auffällig. Mit Anschleichen läuft da nicht viel. Aber mit der Zeit
gewöhnt man sich auch daran ! Das Vampirblut fördert ihren ausgeprägten Geruchssinn und Gehör
und einige Gelüste.
Schwächen | Anfälligkeiten
Eben dieses Vampirblut ist es auch, dass einige ihrer Schwächen bestimmt, wenn es sich als
Blutdurst meldet. Zwar ist Alyssa darauf bedacht diesen niederen Instinkt nicht über sich regieren
zu lassen, aber dennoch hat sie sich nicht immer im Griff. Ein Paar Zwischenfälle gab es da schon...
Als Halbvampir ist Alyssa nicht anfällig für Tageslicht und kann sich auch im Sonnenlicht frei
bewegen,ich habe aber festgestellt, dass sie es liebend gerne meidet, wenn es möglich ist. Der
Phönix in ihr bestimmt ihre eindeutige Abneigung gegen Wasser, denn Wasser ist es auch, das ihr
den größten Schaden zufügen und sie sogar töten kann, wenn sie sich materialisiert. Gewöhnlichen
Waffen verletzten sie ebenso wie einen Menschen, allerdings ist sie mit ihren Selbstheilungskräften
- wenn diese auch langsam wirken und oft Blut einfordern - im Vorteil. Aber ihre allergrößte
Schwäche ist immer noch ihr eigener Charakter.
Familiensache
Tja...das ist einmal mehr ein wunderbares Thema!",spöttelte James mit purem Sarkasmus in der
Stimme "Ein Thema über das wir alle gern reden. Das ist eine sehr lange Geschichte ohne Happy
Ending und mit viel Blut...
Alyssa hatte ihre Eltern immer geliebt und würde diese auch jetzt noch innig lieben, wann man ihr
die Möglichkeit dazu nicht bereits vor tausenden von Jahren genommen hätte, so viel weiß ich
genau. Ihre Mutter hatte das Mädchen immer vergöttert, das erkennt man man alleine daran,dass sie
das Andenken an sie - einen babylonischen Anhänger- wie ein Drache seinen Hort hütet, und den
Vater hatte sie in stiller Ehrfurcht bewundert. Ihr Vater war ein wohlhabender Kaufmann und ihre
Mutter eine schöne Adelige, die trotz aller gesellschaftlichen Richtlinien den Lebensbund schlossen
und aus ihrer Liebe entstand dann dieses wundervolle Wesen.Von der Gesellschaft verstoßen,war
die Familie zur Flucht in das liberale Neubabylon gezwungen. Im Zusammenhang mit der
Hellenisierung überrannten an diesem verhängnisvollen Tag die Truppen Alexanders ihre Stadt,
folterten und verbrannten zuerst die Mutter vor den Augen des Vaters und der Tochter und töteten
anschließend den Vater, bis dem Mädchen niemand mehr geblieben war. Ich weiß,dass sie
grausame Rache an den Mördern nahm und erst Ruhe gab, als alle tot waren... ein grausames
Schicksal...
Vater : Aphraim Worron, Phönix (verstorben).
Dazu sollte ich vielleicht erklären,dass Worron so viel wie Rabe bedeutet und Alyssa später die
Bedeutung des Namens einfach in die englische Sprache übersetzte, womit sich ihr eigener Name
ergab: Raven in Gedenken an ihren Vater.
Mutter: Samira Durat , Vampirin (verstorben )
Geschwister: Nein,hatte sie nie gehabt.Ist auch besser so !
Partner: Ich bezweifle sehr stark,dass der Mann sie zu halten bereits geboren ist. Viel eher ist er vor
langer Zeit gestorben. Er war ein Maler namens Ethan.
Und ein kurze Zeit lang durfte,auch ich selbst mich als ihren Partner sehen.Aber auch das ist
mittlerweile eine Zeit lang her.
Kinder: Keine gute Idee. Jetzt stellen Sie sich einmal vor,es gäbe noch mehr Ausgaben von ihr !",
lachte James heiter ; " Was wär denn das für ein Chaos?
Nun...damit hätte ich wohl genug erzählt,als dass man ein grobes Bild von Alyssa bekommen
könnte ...!" , wortlos stand James auf und ging davon, verschwand in der Dunkelheit.

_____________________________________________________________________________

12

DAS KENNENLERNEN – JAMES
Aus der Sicht einer Freundin: Alysss über James
Name: James of Gaunt, geborener Lancaster
Alter : geboren im Dezember 1455: 556 Jahre
Rasse: Gestaltwandler
Aussehen
Eine Kellnerin rauschte an ihr vorbei, das Geklirre von Besteck auf Tellern war zuhören und
Stimmen erfüllten den Raum mit einem leisen Gemurmel. Gedanken verloren starrte die Frau in
schwarz mit dem langen roten Haar an ihrem Tischnachbar vorbei. Ihr schlanken Finger
umschlossen eine große Tasse voll von heißen und wohl duftendem Kaffee und führten sie
bedächtig an ihre Lippen. Ein verträumter Ausdruck vernebelte ihren Blick und auf ihrem Gesicht
breitet sich ein sanftes Lächeln aus:
"Du solltest ihn lieber persönlich kennen lernen, denn es könnte sein, dass meine Beschreibung sehr
subjektiv ausfällt. Aber ich versuche es dennoch. Äußerlich betrachtet, erscheint James nicht sehr
auffällig.Allein seine lebendigen grünen Augen lassen dahinter etwas von seiner Welterfahrenheit
und Klugheit, wie nur wenige sie besitzen,erahnen. Sie strahlen eine angenehme Wärme und Ruhe
aus, Gelassenheit. Das Gesicht ist wohl proportioniert, mit vornehm und geraden, aristokratischen
Zügen, einer hohen Stirn, einer geraden, schmalen Nase und - für einen Mann - ungewöhnlich
weich geformten Lippen, auf denen ständig ein spöttisches, wissendes Lächeln liegt, was ihm
unglaublichen Charme verleiht, der jedes Frauenherz höher schlagen lässt. Selbst das
meine",gestand die Vampirin ohne eine Spur von Bereuen oder Schwäche, bevor sie fortfuhr:
"Auch seine Hautfarbe hat die helle Färbung, die typisch ist für jeden Mitteleuropäer. James'
Konstitution ist eher durchschnittlich, zwar ist er mit einer Größe von über 1,80m etwas größer als
der Durchschnitt der Bevölkerung und auch etwas schlanker, dennoch ist nichts daran auffällig. Das
dunkle, gelockte Haar trägt er mit Vorliebe offen, damit es ihm über seine Schultern fällt und ihm
ein etwas exzentrisches Aussehen verleiht.Wenn ich ihm auf der Straße begegnen würde, würde ich
ihn für einen Künstler halt. Mit Vorliebe trägt er einen knielangen, schwarzen Wollmantel - ich
frage mich ob er den Fetzen überhaupt mal gegen einen neuen Mantel eingetauscht hat? Aber sein
Aussehen hat sich in den letzten 200 Jahren kaum verändert: ein dunkles Hemd und verwaschenen
Hosen - mittlerweile Jeans - die nicht im Geringsten den Einfluss auf seine Umgebung und sein
Charisma schmälern.
Sein selbstbewusstes, gepflegtes und ruhiges Auftreten gleicht weitverbreiteten Klischee, das man
über Engländer hat. Was nur noch fehlen würde wären wohl ein Zylinder und ein Gehstock.",
grinste sie in sich hinein. Mir gegenüber hat er es zwar nicht so oft gezeigt,aber ich einige male
habe ich es dennoch mitbekommen, wenn James also nicht in Menschengestalt unterwegs ist, so
sieht man ihn als einen stockhaariger, wolfsähnlicher Hund von elegantem, wendigen Körperbau
aber fast der doppelten Höhe eines Wolfshundes herum laufen. Ein einschüchternder Anblick wenn
man Hunde von einer Größe von 1,20m nicht gewohnt ist! Als Katze bevorzugte er einen
Stubentiger mit kurzem pechschwarz glänzendem Fell oder angeblich einen Buntfalken. Allerdings
durfte ich nur die Gestalt der Katze miterleben,denn auch die ist nicht ohne. Mit den funkelnden
grünen Augen scheint dir dieser Kater bis in die tiefsten Abgründe deiner Seele blicken zu können.
So weit ich weiß,streunen er auch mal als Buntfalke herum;könnte er auch der schwarze Rabe sein,
der auf dem Baum gegenüber, auf der anderen Straßenseite sitzt, und dich herausfordernd
ankrächzt."
Größe
" Ich habe James weder gewogen noch gemessen,da er und ich besseres zu tun hatten! Also musst
du dich wohl oder übel mit meinen Schätzungen abgeben! Ich nehme an,James ist 1,80m bis 1,85m
und wahrscheinlich wiegt er so um die 80 kg."

13

Haarfarbe/Augenfarbe
"Hatte ich denn nicht erzählt, dass er dunkel braunes, fast schwarz Haar hat und smaragdgrüne
Augen ?"
besondere Eigenschaften
" Ist Besessenheit auch eine Eigenschaft?",lachte sie und nahm einen weiteren Schluck von dem
Kaffee." Eigentlich ist der gut aussehende Wandler ein sehr umgänglicher Zeitgenosse und kommt
durch seine guten Manieren mit jeder Person zurecht. James ist überaus charmant und galant,
besonders zu dem anderen Geschlecht" ,sie grinste verschmitzt aber dennoch wissend,als sie sich an
die Nächte mit ihm erinnerte.
"Seine größte Stärke ist aber seine Loyalität und Selbstbeherrschung. Auch wenn sein Auftreten
meist schlich und dezent ist, so zieht er doch alle Blicke auf sich, durch sein Wesen und sein
Verhalten, dass manchmal veraltet für diese Zeit scheint. James wirkt wie ein übrig gebliebener
Gentleman aus dem 19. Jahrhundert. Zu seinen besonderen körperlichen Eigenschaften,gehört, dass
er nicht anfällig für Werwolf und Vampirbisse ist und sich sein Blut nicht im Geringsten von dem
eines Menschen unterscheidet, jedenfalls nicht im Geschmack!",leicht errötend mied die Vampirin
den Blick ihres Tischnachbarn und blickte stattdessen zur Tischkante.
Charakterbeschreibung
"Charakter?",überlegte sie laut... "Auf den ersten Blick scheint James sehr zurückhaltend und
höflich, was er einer guten Kinderstube, Erziehung und Ausbildung zu verdanken hat. Sein Gemüt
ist meist ruhiger Natur, er verliert nur selten die Geduld und wird noch seltener laut geschweige
denn ausfällig. Allerdings würde ich auch niemandem empfehlen ihn zu reizen, denn dann kann
James mehr als ungemütlich werden. Kühnheit,Gelassenheit und innere Ruhe machen ihn dem
Feind oft überlegen, da er die Situation stets genau beobachtet,abschätzt und gekonnt eingreift und
somit meist in nur wenigen Zügen agiert. Seine Zurückhaltung wird von Außenstehenden als
Feigheit eingeschätzt oder missverstanden,was ihn jedoch nicht im Geringsten stört. Zwar ist James
nach außen hin eitel und bemüht sich um ein gepflegtes,geordnetes Äußeres,doch gibt er erstaunlich
wenig auf die Meinung anderer und ist sich selbst immer treu. Im Gegensatz zu seiner Erscheinung
denkt er aber in Wahrheit nicht viel über sein Äußeres nach, sondern ist einfach er selbst. Eines
seiner weiteren Attribute ist seine Beharrlichkeit und Standfestigkeit, die er nur gegen berechtigte
Gründe und ausführliche Argumentationen aufgibt. Stolz, Hochmut und Überheblichkeit sind
Fremdwörter für diesen klugen Mann, wenn er im Unrecht ist, ist seine Bereitschaft groß sich sein
Fehlen einzugestehen. Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der Emotion und Leidenschaft
so perfekt mit Rationalität kombinieren konnte. Leidenschaft und Lebenswille sind wohl seine
markantesten Charaktereigenschaften. Ich erinnere mich an einen Abend, da er mich zärtlich in
seine Arme schloss und mir einen Ratschlag gab:Es ist nicht einfach, begann er mit einer
engelsgleichen Stimme, aber du musst lernen, dass nichts daran falsch ist, Gefühle zu zeigen, sie
halten uns am Leben. Das funktioniert aber nur, wenn du es auch zulässt. Du solltest so leben, als
wären es deine letzten Stunden, vergiss die Unsterblichkeit, erst dann wirst du die Dinge
erkennen,die du bereuen würdest, sie nicht getan zu haben. Leidenschaft lauert in uns allen. Sie
schläft. Und plötzlich bricht sie aus, unerwartet und ungewollt. Sie öffnet ihr Maul und heulte und
giert. Sie spricht zu uns. Leitet uns und beherrscht uns alle. Leidenschaft lässt sich nur ungern
verdrängen, sie bringt Mauern zum Einstürzen, nimmt einem dem Boden unter den Füßen und kann
dein Leben verändern. Sie hält uns alle am Leben. Leidenschaft beschert uns die stärksten
Empfindungen: die Wonnen der Liebe, das Feuer des Hasses-selbst wenn wir im Spiel verbrennen
ist es Teil des Spaßes, und den tiefen Schmerz der Trauer. Manchmal ist der Schmerz größer, als
wir ihn ertragen können, aber könnten wir ohne Leidenschaft leben? Fänden wir dann vielleicht
etwas Frieden? Doch in unserem Inneren wären wir leer.Dunkel und verfallen.Ohne Leidenschaft
wären wir so gut wie tot !... Ich erinnere mich noch ganz genau an diese Worte...",sie seufzte und
wirkte auf einmal müde,begann dann aber dennoch weiter zu erzählen; "Aber sollte es jedoch
einmal soweit kommen,dass James die Geduld verliert,was jedoch meist nur im Zusammenhang mit
Ungerechtigkeit oder der Gefährdung seiner Besitztümer vorkommt, dann zeigt sich eine
14

temperamentvolle und ungemütliche Seite seines Wesens! Im Kampf ebenso wie auch im Job eine
mit großer Disziplin und Härte beweist,auf die sein Äußeres nicht schließen lässt.Zwar ist James
nicht nachtragend, jedoch ist auch sein Hass nicht zu unterschätzen, der - erstmals entfacht - sehr
zerstörerisch und unaufhaltsam sein kann, jedoch nie zu unrecht, den Gerechtigkeit ist für James
nicht nur ein Wort! Allerdings neigt er gerne dazu übervorsichtig zu sein,manchmal sogar paranoid!
Was seine Gesellschaft betrifft, ist er sehr wählerisch und zurückgezogen, nur mit wenigen
Vertrauten teilt er seine Gefühle und gefestigten Ansichten.Doch hat er jemanden in sein Herz
geschlossen, so lieb er diese Person mit ausgiebiger Leidenschaft und Treue,einer erstaunlichen
Selbstaufgabe und Sanftmut,die man diesem Mann nicht zutrauen würde. Gegen das ein oder
andere Abenteuer oder einen kleinen Flirt mit einer unbekannten Lady,hat er nichts einzuwenden,es
kommt jedoch niemals vor,dass er eine der Damen mit ins Vertrauen zieht oder gar mit sich nach
Hause nimmt. Na ja...außer mir...Im Grunde ist er ausgeglichen und mit sich selbst im Reinen, was
wohl kaum jemand mit einer solchen Wahrheit behaupten kann, wie dieser Mann,wenn auch die
Schatten seiner Vergangenheit an ihm haften.
besondere Fähigkeiten
"Es liegt wohl an seiner Natur, dass James immer langsamer zu altern scheint, in den letzten Jahren
scheint er sich kaum verändert zu haben. Außerdem besitzt er die Fähigkeit Tiergestalten annehmen
zu können, dazu gehören wie ich bereits erwähnte der Wolf, die Katze und der Falke. Einmal hab
ich ihn auch als Rabe gesehen, aber an andere Erscheinungsformen kann ich mich nicht erinnern.
Bis auf seine Ausbildung im Nahkampf, die Stärke der Tiergestalt - oh ja,diese Stärke sollte man
nicht unterschätzen - sein Wissen über Artefakte und die Damit verbundenen Kenntnisse der Naturund Heilungsmagie, schwarzer ebenso wie weißer Magie und der Elementarmagie, besitzt der
Wandler keine außergewöhnlichen Gaben. Ich weiß nicht wie stark seine Gaben sind oder viel zu
tun er vermag,denn ich habe ihn diese Fähigkeiten noch nie einsetzten sehen. Ich habe mich gefragt,
ob er überhaupt in der Lage ist, diese theoretischen magischen Kenntnisse auch praktisch
einzusetzen - ich meine außer dem Schutzzaubern, die er vor langer,langer Zeit um sein Heim
gelegt hat.
Manchmal glaube ich, wer würde lieber sterben, als diese Gaben einzusetzen, vermutlich weil
James die Magie für unnatürlich hält. Das Gestaltwandeln ist Teil seines Wesens und daher ein
natürlicher Bestandteil seiner Selbst. Aber ich habe längst aufgegeben seine Abneigung gegen das
Magische nie verstehen zu wollen...Sein gesamtes Wissen und seine physische und psychische
Stärke hat sich der kluge Wandler im Laufe der Zeit ohne Hilfe und Ausbildung angeeignet, was
auf sein Interesse an der übernatürlichen Welt zurück zu führen ist. Denn so wie es Menschen
gibt,die Dämonen jagen, so jagt er alten, mächtigen Magie-Artefakten hinter her und besitzt eine
nicht zu verachtende Sammlung, die sich wohl versteckt und gesichert in seinem Antiquitätenladen
befindet. Unter Anderem befinden sich dort von einem Unsichtbarkeitsbann geschützt zahlreiche
Athame, Schwerter, mit Flüchen belegte Schusswaffen, einer Vielzahl mächtiger Amulette –
darunter welche aus dem alten Ägypten - mehr oder weniger wertvolle Ouija-Bretter, Ritualkelche,
Siegelringe, das Awestra, das Arbatel de Magia Veterum, les Centuries,eine alte Fassung des
Endichiridion, ein Schlüssel Salomos und anderer Krimskrams, von dem ich noch nicht mal weiß,
was es ist, das er aber seit seiner Jugend hat er es sich zur Aufgabe gemacht alles Magische zu
sammeln und sicher zu verwahren,damit es in den Händen der falschen Leute keinen Schaden
anrichtet.
Schwächen | Anfälligkeiten
Zusagen James hätte keine Schwächen, wäre mehr als anmaßend, denn seine größte Stärke ist auch
eine seiner größten Schwächen. Wenn er auch sehr großes Wissen in sich trägt, sieht er es als einen
Fluch. Genau wissend, was er mit seinen Kenntnissen und der damit verbundenen Macht anrichten
kann, hat sich der junge Mann geschworen diese Macht niemals zu missbrauchen oder unnötig zu
gebrauchen, geschweige denn Unrecht damit geschehen zu lassen. Eben dieses eiserne Prinzip ist
es, das seine Macht minimiert. Doch seine seltenen Anfälle von wütender Raserei überschatten
manchmal seinen Urteilssinn und seine Prinzipien - auch wenn diese nur sehr,sehr selten sind ob
15

seiner Selbstbeherrschung und Ausgeglichenheit. Auch wenn der Wandler nicht altert, so ist er
ebenso verletzlich wie ein gewöhnlicher Mensch und besitzt keinerlei Selbstheilungsfähigkeiten. Im
Grunde ist er nur ein alterloser Mensch,der sich weigert sein Wissen einzusetzen und sich
stattdessen in seiner Selbstjustiz und Gerechtigkeitsliebe, in seinem selbst erklärten, aussichtslosen
Kreuzzug verliert. Er ist besessen. Ein Hund, der bellt - ohne zu beißen.In den meisten Fällen
jedenfalls …"
Familiensache
Die Vampirin atmete tief durch und blinzelte ein Paar mal um sich wieder konzentrieren zu können.
Sie verscheuchte alle düsteren Gedanken, dennoch blieb ihr Gesicht trüb, ebenso ihre Augen. Ihre
Stimme klang etwas traurig! Während ich bei James gewohnt habe, hatte ich genug Zeit und
Neugierde alles über seine Familie zu recherchieren.James Wurzeln sind auf das Königsgeschlecht
von John of Gaunt und dessen Nachfahren Henry IV of Bolingbroke, Henry V of Lancaster und
Henry VI of Lancaster - seinen eigenen Vater zurück zu führen, daher bestimmte auch der Kampf
um die Thronfolge sein Leben. Denn James' eigener Vater ließ ihn kurz nach seiner Geburt in einem
Kloster aussetzen um Thronstreitigkeiten zwischen Eduard - dem älteren der beiden Brüder - und
James zu vermeiden. Seiner Gemahlin tischte der Lord eine Lüge auf, der jüngste Sohn sei nach der
Geburt verstorben und ließ somit die liebende Mutter in Verzweiflung und Unwissenheit zurück.
Bis zu ihrem Tod hatte sie die Wahrheit nicht erfahren, aber hätte James seine Mutter gekannt,so
hätte er sie sicherlich geliebt. Für die Furcht und Verachtung, die ihm seinen Vater
entgegengebracht hatte, begegnete James ihm nur mit Ignoranz. Seine Gabe musste er von seiner
Mutter erhalten haben, so vermutete er.
Angesichts der Abscheu, die ihm sein Vater entgegengebracht hatte, konnte man dieses zerrüttete,
von Hass und Angst geprägt Verhältnis nicht als Familie bezeichnen. Auch sein Bruder Eduard lag
ihm nicht am Herzen, denn dieser Bastard wünschte James in seiner Machtgier nur den Tod. Ob
sein Bruder ein Gestaltwandler gewesen war, blieb für James bis zu diesem Tag schleierhaft.
Nach langen Jahren der Reise und der Ausbildung kehrte James 1477 nach England zurück und
erfuhr, dass sein Vater zu dieser Zeit bereits verstorben war, ebenso sein Bruder. Ermordet in der
Schlacht um Lancaster und Wales von 1471, durch die Hand derer, die noch machtbesessener waren
als sie selbst. Seine Mutter hatte erneut geheiratet und war irgendwann einfach aus England
verschwunden. Und so verbannte er diese Menschen aus seiner Erinnerung. Somit gab es nichts
mehr, was ihn noch in England hielt und er fuhr mit dem ersten Siedlern 1495 nach Amerika. Ein
neuer Anfang, obgleich England doch noch immer sein Zuhause blieben ist."
Vater : Henry VI of Lancaster, Mensch ( ermordet )
Mutter : Margaret of Anjou, Gestaltwandlerin ( verstorben )
Geschwister : Eduard of Wales, Gestaltwandler ( ermordet )
Partnerin : Ich weiß nicht in wie fern James mittlerweile eine Frau gefunden hat,die er als seine
Partnerin ansieht. Ich glaube das ist so gut wie unmöglich,denn er lässt nur selten einen Menschen
in sein Leben. Vor einiger Zeit jedoch,zog er eine Frau ins Vertrauen und nahm sie sogar zu sich, in
sein Bett und sein Leben.Ich war diese Frau..."

_____________________________________________________________________________

16

Die Vergangenheit einer besonderen Frau
525 v. Chr. Ägypten wurde persisch, hierbei trafen Samira Durat- eine außergewöhnlich schöne
persische Adlige - und Aphraim Worron – ein ägyptischer Kaufmann - aufeinander und gingen den
Lebensbund ein, trotz der gesellschaftlichen Richtlinien, die ihnen eine Vereinigung verbieten
wollten.
495 v. Chr. wurde Alyssa Worron als einzige Tochter des Dämonenpaares in der Persis geboren.
486 v. Chr. war die Familie zur Umsiedlung nach Neubabylon gezwungen um nach der erneuten
Reichsvergrößerung den um sie aufkeimenden Spekulationen um ihr wahres Wesen zu entkommen
und somit ihre Identität geheim halten zu können, zudem getrieben von den dynastischen
Unstimmigkeiten der Herrscherhäuser.
415 v. Chr. zur Zeit der beginnenden Hellenisierung, als Sparta und Hellas zum Satrapenbund der
Persis dazustießen und die Unruhen im Reich einsetzten, begann Alyssa die Lehre der alten
Schriften, der Zauber und den Gebrauch ihrer Fähigkeiten.
Tod der Eltern 331 v. Chr.
Alyssa saß auf einer hölzernen Schaukel, die im Garten hinter dem großen Steinhaus ihrer Eltern
stand, und hatte ihre Füße im heißen, weißen Sand vergraben. Es war ein schöner, warmer
Sommertag. Das Mädchen mit dem langen, ungewöhnlich rotem Haar lehnte sich zurück und ließ
sich genüsslich die Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Eigentlich hatte sie das offene
Sonnenlicht bisher oft wegen ihrer empfindlichen Alabasterhaut gemieden, aber heute war es
anders. Ihr Vater hatte gesagt, sie könne sich nicht ihr ganzes Leben lang vor der Sonne verstecken.
Sie müsse lernen ihre Macht für sich zu gewinnen und so war sie hierher gekommen. Und sie
genoss es. Sie konnte die Hitze auf ihrer Haut fühlen: brennend. Genau so wie Feuer. Das Feuer,
dass zu ihren besonderen Fähigkeiten gehörte. Und sich mochte diese Macht. Alyssa mochte diesen
Ort, es herrschte oft gutes Wetter und es regnete nur selten, denn genauso wenig wie das Feuer das
Wasser mochte, so wenig mochte sie den Regen. Außerdem waren die Leute hier aufgeschlossen
und nahmen das Leben wie es war. Sie fragten nie nach...
Neben den Lehrstunden im Zimmer ihres Vaters verbrachte sie die meiste Freizeit drinnen über
alten, dicken und verstaubten Schriftrollen. Sie liebte den Geruch von trockenem Papier und Tinte.
Die Worte erzählten so viele Geschichten, von Monstern,Helden und fremden Ländern, in denen
fremde Pflanzen wuchsen, so wie diese hier im Garten ihrer Mutter.
Neben der Schaukel blühten üppige, rote Rosen und heller Jasmin, die man schon von weitem roch.
Ihre Mutter roch auch immer danach. Hier war ihr zu Hause und alles schien idyllisch, hier war sie
glücklich und wollte nie wieder von hier fort, solange sie nur weiter mit ihren Eltern in Harmonie
leben konnte. Und so schwelgte Alyssa in den Eindrücken, die sie umgaben und die sie auf Grund
ihrer Vampirseite intensiver wahrnehmen konnte als gewöhnliche Menschen. Das surren der Käfer
in Gras,das Zwitschern der Vögel, den blumigen Duft in der Luft, den Wind, der leise um ihren
Körper strich...
Da packten sie zwei Frauenhände sachte von hinten. Erschreckt drehte sich das Mädchen um und
blickte in das starre Gesicht der babylonischen Priesterin aus dem hiesigen Tempel. Sie nahm
Alyssa bei der Hand und zog sie von der Schaukel. Das Mädchen sah sie jedoch nur verblüfft an.
Irritation stand deutlich in ihr schönes Gesicht geschrieben.
„Nahla, was ist denn passiert?“, verlangte sie zu wissen.
„Stell keine Fragen, Kind, und komm mit mir! Es wird alles wieder gut, alles wird wieder gut!“,
murmelte sie eher zu sich selbst als zu dem Mädchen. Noch nie hatte sie Nahla so gesehen: die
Priesterin stand vollkommen neben sich! Etwas stimmte eindeutig nicht, bloß was ?! Alyssa
beschloss jedoch mit ihr zu gehen und abzuwarten. Schließlich wollte sie ebenso wissen, was hier
17

vor sich ging.
Die Priesterin führte Alyssa zu dem massiven Tempel, zog die schwere Metalltür auf und schob sie
hinein. „Bleib hier drin und komm auf keinem Fall raus, bis ich dich kommen hole, hast du mich
verstanden!“ Alyssa nickte nur schlicht. Sie sank auf den Boden, den Rücken gegen die schwere
Tür gelehnt und wartete... Langweilig... sie wartete weiter...
Schon bald konnte sie jedoch den Boden zittern fühlen, selbst durch die Steinwände der massiven
Tempelmauern. In seinem Inneren roch es nach Weihrauch und es war kühl, aber dennoch nicht
abweisend, mit den sandfarbenen Wänden, den Kerzen und den Gesängen der Priester aus dem
Raum nebenan. Einige Male war sie bereits hier gewesen mit Nahla und ihrem Vater, die sie hier in
den alt babylonischen Schriften unterrichtet hatten. Auch ihre Mutter war eine der Priesterinnen.
Doch so sicher wie sich hier auch fühlen mochte, draußen ging etwas Schreckliches vor sich.Die
Erde bebte vom Hufschlag tausender Pferde gepflügt, Geschrei und Klirren von Schwertern
schwollen an. Es hörte sich ganz nach Krieg an. Eine Frau schrie dicht vor dem Tor zum Tempel
auf. Alyssa konnte nicht an sich halten, sie schreckte hoch und öffnete die Tür einen Spalt breit.
Was ihr bot, war ein Bild des Grauen. Tausend Mann saßen gepanzert und gerüstet hoch zu Pferd.
Es waren hohe, schlanke und mächtige Tiere von einer ungewohnten Anmut und Größe. Die Reiter
sahen Furcht einflößend, grausam aber trotzdem auch mächtig aus. Blut zierte ihre Schwerter und
im Sonnenlicht silbern glänzenden Rüstungen, es rann in Strömen daran hinab zu Boden, wo es sich
in Pfützen sammelte. Es verschlug ihr schier den Atem, noch nie hatte sie eine solche Grausamkeit
gesehen. Sie selbst war zwar auf Blut angewiesen und kannte den Geruch nur zu gut, aber nie hatte
sie es sich so genommen.
Ihr Vater hatte ihr beigebracht nicht zu töten, sondern nur so viel zu nehmen, wie sie brauchte und
meist löste ihre Nahrungsaufnahme auch ein gewisses Gefallen bei ihren Ernährern aus. Aber das
hier war anders: nicht sinnlich, nicht anziehend, sondern nur grausam und tödlich. Furcht ergriff sie
und klammerte sich um ihre Gedanken wie eine eiserne Kette.
Alyssa stieß die Tür auf und rannte aus Leibes Kräften. Wollte nur nach Hause, wollte zu ihren
Eltern um sich zu vergewissern, dass sie noch am Leben waren.Sie hatte nicht um sich Angst,
sondern um die, die sie liebte: um ihre Familie. Ein Ruck stieß sie zu Boden, einer der Reiter war
vor sie getreten, den Arm nach vorne haltend, so dass sie unweigerlich gegen ihn stieß und
ungeschickt fiel. Er lachte hämisch und sprach sie in einer fremden Sprache an. Man sah ihm an den
Augen an, dass er nichts Gutes im Sinn hatte. So rappelte sie sich hoch und wollte los sprinten um
dem Mann zu entkommen, dieser hielt ihren Arm fest umklammert, so dass es kein Entkommen
gab. Wut flammte in ihr auf und die vorher grauen Augen verfärbten sich glühend golden, während
sie standhaft in seine Augen sah. Eine unglaubliche Kraft lang in diesem zierlichen Körper. Für
einen kurzen Augenblick schien er überrascht, ließ nichtsdestotrotz nicht von ihr ablenken. Der
Druck seiner Finger nahm nur noch zu . Jetzt platzte ihr endgültig der Kragen und sie warf einen
Feuerball, der in ihrer freien Hand entstand, nach ihm. Das Feuer war einfach da, genau wie ihre
Wut, ein Teil von ihr. Gleich ging der Mann in Flammen auf, begann zu schreien und wie wild um
sich zu fuchteln. Alyssa verfiel wieder in ihren Sprint um schnellst möglich zu ihrem Haus zu
gelangen. Dort angelangt merkte sie, dass die Haustür offen stand. Außer Atem, mit laut
trommelndem Herzen aber auf leisen Sohlen betrat sie das Haus um festzustellen, dass im Inneren
alles verwüstet war: Möbel waren zerschlagen, der Teppich zerrissen, das Geschirr lag in Scherben,
die Vorhänge waren nur noch Fetzen. Es grauenvoll dies ansehen zu müssen, das geliebte Zuhause
zerstört. Chaos. Zerstörung.
Das Bild, das sich ihr in den Wohnraum der Familie bot, war jedoch noch schlimmer. Ihre geliebte,
wunderschöne Mutter war das Erst, was sie sah. Die Vampirin war gefesselt worden, das rote Haar
hing ihr in feuchten,zerzausten Strähnen ins Gesicht und blaue Flecken leuchten auf der
totenblassen Haut. Tränen und mit ihnen Hoffnungslosigkeit stand in ihren großen grauen Augen,
die ebenso wie die der Tochter anmuteten. Zwei Soldaten hielten sie fest und drückten sie zu
Boden. In der anderen Zimmerecke kniete ihr verzweifelter Vater und flehte sie an, sie mögen seine
Frau gehen lassen. Alyssa hielt sich hinter dem Türrahmen verborgen und betrachtete das Szenario
ganz still, in Schock und Panik und dennoch auf einen Moment wartend,in dem sie hätte angreifen
können. Sie verstand nur Wortfetzen und somit nicht wirklich warum die Soldaten wollten, dass
sich ihren Eltern an diesem sinnlosen Krieg beteiligten! Sie hatten doch nichts getan, als in Frieden
18

zu leben, es war ungerecht! Es war ihr fremd ungerecht behandelt zu werden, sie kannte es nicht.
Bis dahin hatten ihre Eltern sie immer vor allem beschützt und sie vor diesem Gefühl bewahrt. In
einer solchen Situation musste sie feststellen, dass sie nur ein naives, verwöhntes Kind war. Dann
riss sie plötzlich einen Aufschrei des Vaters aus ihren kindlichen Gedanken, als man Samira hoch
zerrte und ihr einen Dolch in den Magen stieß, worauf hin sich ihr schönes Gesicht mit Schmerz
verzerrte. Und in dieser Sekunde schrie auch sie selbst grell auf, so dass sie alle auf sich
aufmerksam machte. Es war dumm, das wusste Alyssa, aber sie hatte den Schrei nicht unterdrücken
können. Sie konnte regelrecht den Schmerz mitfühlen, den ihre Mutter erleiden musste. Tränen
quollen aus ihren großen Augen. Regungslos stand sie da zu einer Salzsäule erstarrt.
„Lauf weg!“, schrie ihr Vater ihr zu, dem ebenfalls unkontrolliert Tränen die Wangen hinab liefen.
Aber sie konnte es nicht! Sie war gelähmt und konnte ihren Blick nicht von gequälten Geicht ihrer
Mutter abwenden, in den so viel Sorge um das Kind und Trauer sie zu verlassen, stand. Einer der
Reiter ging auf die Vampirin zu und setzte sie in Flammen. Die Leinen ihres Kleides fingen schnell
Feuer und bald schon stand ihr ganzer schöner Körper in Brand. Die Augen starrten nur
entschuldigend in Aphraims und Alyssas Richtung und ihre Lippen formten die Worte:
„Bring sie weg von hier!“
Tränen verschleierten Alyssa die Sicht, dennoch war der Schmerz im Gesicht der Mutter
unverkennbar. Einer der Soldaten packte das Mädchen, aber sie bekam es noch nicht einmal mit.
Sie versuchte ihn aus Reflex abzuschütteln, konnte ihre Augen aber nicht von der Mutter abwenden.
Die Götter machten es der Vampirin nicht leicht. Es dauerte lange, bis die Schmerzen endlich nach
Minuten unendlicher Qual ihr Gehirn betäubten und sie ohnmächtig wurde. Der Geruch nach
verbranntem Fleisch lag süßlich in der Luft und rief Brechreiz hervor. Ihr Körper zitterte,in ihrem
Kopf drehte sich alles und Alyssa japste nach Luft. Noch lang würde sie das Bild ihrer brennenden
Mutter in Erinnerung behalten, ebenso wie diesen Geruch. Sie hatten sich mit jedem Augenblick,
den ihre Vampirmutter mit den Flammen gekämpft hatte, in die Erinnerung des Mädchens gebrannt.
Und noch länger dauerte es, bis der Vampirkörper zu Asche zerfiel. Eine unbändige Kraft erwachte
in Alyssas Inneren und verzehrte sie fast, ohne dass das Mädchen hätte sagen können, was es war.
In den kurzen Zeit der Ablenkung konnte sich Aphraim losreißen und an den Soldaten in Richtung
des Ausganges stürzen, Alyssa mit sich reißend aus den Armen des Soldaten. Er nahm sie in den
Arm und materialisierte sich zusammen mit ihr im Wald.
Sie kannte ihn gut, kannte alle Verstecke und Tücken.
„Alyssa, Liebling, ich möchte, dass du dich hier versteckst und ganz still bist. Bei Dämmerung
komme ich, um dich zu holen, aber bis dahin bleibst du hier. Versprich es mir!“,seine Stimme klang
ihr fremd, es lag ein irrsinniger Ton darin, der Alyssa vollkommen rätselhaft war, obgleich er sich
bemühte seine Stimme ruhig und beruhigend klingen zu lassen. Sie konnte nur ahnen, dass dieser
grausige Ton Unheil bedeutete.
Sie nickte ; „Ich verspreche es .“
Seine Lippen trafen flüchtig ihre Stirn. “Braves Kind.“ Dann war er such schon verschwunden.
Seltsam, weshalb kannte sie diesen Satz nur. Nahla hatte es ihr auch gesagt und war nicht
zurückgekommen.
Aber sie hatte es versprochen. Wie in Trance wanderte das Mädchen zu einer Höhle ganz in der
Nähe, die ihr Schutz bot. Abwesend kroch sie hinein und kauerte sich hin, die Beine dicht an den
Leib gezogen, die Hände um sich geschlungen. Sie selbst umarmend, da niemand anderer da war,
der sie hatte in den Arm nehmen und trösten können.
Dieser Geruch, dieser Blick ihrer Mutter. Sie fühlte sich so allein und so taub. Alyssa fühlte nichts,
gar nichts bis auf die Kälte in ihrem Inneren. Sie war leer und hohl, wie eine Puppe. Reglos saß sie
nur da, verstört ihren Körper hin und her wiegend, der Schock saß zu tief. Ein Kind, das bisher nur
Glück und Frieden verlebt hatte, verkraftet solche Gräuel kaum. Verkraftete kaum, dass die Welt,
wie sie sie bis zu diesem Tag kannte , in sich zusammenbrach. Sie wartete. Wartete auf die
Rückkehr Aphraims.
Minuten vergingen. Stunden vergingen.
Die Sonne sankt herab und in der Höhle wurde es so finster wie in der Nacht. Alyssa wartete. Sie
konnte die Nachtgeräusche um sich herum hören, blieb dennoch stumm, regungslos. Sie konnte
nicht sagen, wie viele Stunden vergangen waren, wie lange Finsternis und Kälte herrschten, sie
19

fühlte es nicht. Als es tagte, war Aphraim noch immer nicht zurückgekehrt. Sie konnte nicht ewig
hier bleiben, also verließ sie ihr Versteck. Es konnte nur einen Grund geben, weshalb ihr Vater
nicht zurückgekehrt war. Er musste gefallen sein. Das wusste sie mit unumstößlicher Gewissheit.
Doch sie konnte sich den erbitterten Kampf nicht vorstellen, der in Wahrheit abgelaufen war, wie
sich ihr Vater von blindem Zorn erfüllt auf die Krieger stürzte und einen Leib nach dem anderen
mir bloßen Händen zerfetzt hatte, wie viele hatten brennen müssen, genauso wie seine Samira. Er
hatte ebenso grausame Rache genommen und mindestens Hundert Mann in den Tod gerissen. Wie
er gestorben war, wusste Alyssa bis heute nicht, aber es mussten mächtige Zauber am Werk
gewesen sein um den Phönixdämon zu töten. Am nächsten Morgen, als die gesamte Stadt in
Trümmern lag, die Asche kalt am Boden lag und nur noch vereinzelte Häuser leise vor sich hin
brannten, betrat Alyssa die Trümmer ihrer Heimat. Es stank bestialisch nach verkohltem Fleisch
und verbrannte, verstümmelte Leichen bedeckten den Boden. Es sah aus, als wäre ein Heer von
Racheengeln am Werk gewesen. Von ihrem Haus war nichts mehr geblieben, nur zerfallene Steine
und keine Spur ihrer Eltern. Nur das goldene Amulett ihrer Mutter glitzerte blass unter dem Staub
hervor, ein seltsamer rauchiger Dunst lag über der Stadt. Ohne es zu realisieren nahm das Mädchen
den Gegenstand an sich. In einer wahren Hölle auf Erden stehend, überwältigte sie ein Gefühl, doch
es war nicht Trauer. Es war ein Gefühl, dass ihrem Vater nicht fremd gewesen war. Sie ging
langsam weiter, auf der Suche nach mehr Überresten. Das Kurzschert ihres Vaters ragte noch in
einem der Körper der Reiter. Sie zog es unsacht aus dem toten Körper und Blut lief an der Klinge
hinunter, tropfte zäh auf den Boden.
Sie würde es behalten. Das einzige Gefühle,das sie fühlen konnte und wollte,war Rachedurst und
Zorn. Das einzige Gefühl für das sie lebte, oder gar leben konnte, das sie am Leben erhielt und sie
weitergehen ließ.
Sie würde jagen gehen! Sehr ausgiebig! Sehr blutig! Bis jeder tot war und ihre Eltern gerächt.
334 – 323 v. Chr. Die nun auf sich allein gestellte Dämonin verfolgte die Truppen Alexanders mit
dem Ziel Rache an ihnen zu nehmen. Der Feldherr selbst verstarb aber, bevor sie auch nur in seine
Nähe hätte kommen konnten.
Bis 288 v. Chr. zog Alyssa umher um Rache an den Mördern ihrer Eltern zu nehmen, bis alle, die
sie finden konnte tot sind und mit Alexanders Sohn der Letzte seines Stammes starb. Sie geriet bei
ihrem Umherziehen in den ersten punischen Krieg, wo die bisher unerfahrene Frau ihre ersten
Erfahrungen im Kampf sammelt:
250 v. Chr. Im Verlauf der Diadochenkriege verlor das persisch-makedonische Großreich
Alexanders endgültig an Macht und zerfiel in einzelne Kleinreiche, die sich untereinander in den
Ruin trieben. So fand sie ihren Weg nach Rom, das zur Zeit in die Punischen Kriege verwickelt
war. In einer der Schlachten rettete sie dem Feldherrn Scipio das Leben.
218 – 201 v. Chr. Begleitete sie ihn und Marcus( seine Sohn ) nach Nordafrika während des zweiten
punischen Krieges und half ihm einen großen Sieg zu erringen, wobei Alyssa eine enge
Freundschaft zu der Familie des Feldherrn entwickelte.

210 v. Chr. Scipio und Marcus in Africa
Alyssa trug einen leichten Harnisch, der kaum Schutz bot, aber dafür schränkte er sie auch nicht in
ihrer Bewegungsfreiheit ein. Sie hatte nicht grade große Angst getroffen zu werden. Es tat zwar
weh, aber umbringen würde es sie nicht grade. Aber wenn sie Schmerzen fühlte, fühlte sie
wenigstens etwas...
Hoch auf dem Rücken eines iberischen Andalusiers konnte sie von dem Hügel, auf dem sie stand,
den gesamten Kriegsplatz überschauen aber zugleich war sie auch ein leichtes Angriffsziel. Denn
jeder konnte das Glänzen ihrer Körperbedeckung im Sonnenlicht und die weiße Fahne mit dem
20

purpurnen Adler darauf sehen. Es war die Fahne des Aquila-Führers und sie war der weisende
Aquila. Langsam setzte sich das prächtige Tier in Bewegung und trabte durch das blutige
Leichenmeer auf einen anderen Hügel zu, wo auch Scipio und Marcus sich aufhielten; sie berieten
sich über die Schlachtordnung für den nächsten Tag.
Der Rausch des Kampfes und das viele Blut lösten ein verführerischen Brennen in ihrem Hals aus
und sie konnte fühlen, wie ihre spitzen Fänge pochten, darauf gierend sich in warmes,weiches
Fleisch zu senken. Aber sie riss sich zusammen, es war der falsche Ort und die falsche Zeit.
Viele ihrer Legionäre waren gefallen, aber auch auf der Gegenseite gab es nicht zu verleugnende
Schäden. Mit einem warmen Lächeln empfing der gealterte Scipio sie, denn er verdankte ihr sein
Leben. Im letzten Augenblick war sie zu ihm geeilt, als der Feind ihn umzingelte und einer der
Gegner sein Schwert hatte auf ihn nieder sausen lassen wollen. Man galt als Ehrenbürger, wenn
man einem bedeutenden Feldherren wie ihm das Leben rettete.
„Was macht der Feind?“, brachte sie mit einem spöttischen Grinsen hervor, während sie von
Rücken des Rassepferdes stieg, das Scipio nur für sie hatte bringen lassen. Er sah sie mit seinen
aufrichtigen, braunen Augen an.
„Ach, die Heldin des Tages!“,neckte er sie. Woraufhin sie ihm ihre Zunge zeigte und er in Lachen
ausbrach. „Noch immer ein Kind! Ich dachte du seist erwachsen! Eine mächtige Löwin auf dem
Schlachtfeld“
„Ich bin älter als Ihr!“ Erneut musste der bereits 40jährige Feldherr schallend lachen.
„Der Feind leckt seine Wunden! “, tönte seine Stimme zufrieden.
„War ja auch ein nicht zu verachtender Sieg gewesen! “
Marcus schwieg, er mischte sich nur ungern ein, wenn sein Vater mit ihr sprach. Er mochte die
scheinbar junge Frau und bewunderte ihr schönes Äußeres. Doch seiner Meinung nach, gehörten
Frauen an den Herd und nicht in die Schlacht. Vielleicht war aber ein Teil von ihm auch nur
eifersüchtig, weil sein Vater sie so lieb gewonnen hatte, wie eine Tochter, und sie größere Siege
davon trug als er selbst. Es stimmte, sei hatte wie eine Katze auf dem Schlachtfeld gekämpft und
hatte den Überraschungsmoment auf ihrer Seite, wenn der Gegner verdutzt in das Gesicht einer
Frau blickte. Wäre die Lage nicht so ernst, hätte er immer loslachen können bei den dümmlichen
Minen der Feinde. Aber der Feind war nicht die einzige Gefahr. Diese Frau war es auch. Aber ohne
sie wäre sein Vater bereits tot. Er war ihr zu Dank verpflichtet. Alyssa blickte auf das Tal unter
ihnen, wo heute die Schlacht stattgefunden hatte. Die Erde war durchtränkt vom Blut, das nicht
mehr einzog, sondern in Pfützen stand. Es roch nach Eisen und Blut. Sie hatte aber für den heutigen
Tag ihren Blutdurst noch nicht gestillt, das würde sie heute Nacht tun müssen.
Einer der gegnerischen Soldaten, der auf Scipio mit hoch erhobenen Schwert und blankem Hass im
Gesicht zu gestürmt war, hatte sie diesem ihre Fänge ins Fleisch gesenkt und ihm anschließend mit
einer Handbewegung und einem entsetzlichen Knacken den Hals gebrochen. Sie erinnerte sich noch
an die Angst, die deutlich in seinem Gesicht gestanden hatte, sowohl Angst vor einem verfrühten
Tod, vor dem Erreichen seiner Ziele aber auch die offenbarte Abscheu die sein Gesicht
widergespiegelte.
Abscheu vor Alyssas wahrem Wesen, vor der unstillbaren, grausamen Blutgier, die in dem
zierlichen , weichen Frauenkörper steckte. Und in diesem Moment bekam die Dämonin Angst.
Angst davor Scipio zu verlieren, sei es in der Schlacht oder durch ihre wahre Natur. Sie liebte ihn
wie einen Ziehvater, der er für sie auch gewesen war. Doch es würde irgendwann die Zeit kommen,
da auch er sie verlassen würde. Erneut blickt sie auf das blutige, von Leichen bedeckte Schlachtfeld
hinab, während in der Höhe irgendwo ein schwarzer Rabe auf sie herab lachte. Noch nicht, es war
zu früh. Sie würde ihn schützen so gut und so lange es ging. Mit einem stillen Versprechen blickte
sie Markus an, denn sie hatte seinen Blick auf sich gespürt. Sie wusste, dass er sie hasste, dass er
eifersüchtig war und sie hoffte inständig, wer könnte seine Meinung ändern. Sie würde ihm sogar
gern dabei helfen.
„Ich werde mich zurückziehen!“, merkte sie an, wand sich ab und verschwand hinter dem nächsten
Hügel. Scipios Worte schallten jedoch nach:" Was für eine Frau!"Marcus' Blick bohrte sich in ihren
Rücken.
Es war bereits dunkel, als Alyssa aus ihrem Zelt spähte. Die Männer feierten ihren Sieg und tranken
bei einem gemeinsamen Mahl Bier und Met, jedoch war der eine, den sie suchte, nicht unter ihnen.
21

Er saß allein in seinem Zelt. In seinem Stolz verletzt, in seinem Ansehen geschmälert: von einer
Frau übertroffen worden zu sein. Da niemand von den Männern zu sehen war, verließ die Vampirin
ihr Zelt. Der Abendwind wehte den Geruch nach Blut in die entgegen gesetzte Richtung, weg von
ihr, und strich mit kalten Fingern über ihre smaragdgrüne, seidenen Tunika, deren Stoff so dünn
war, dass er beinahe durchsichtig war. Die weichen Falten schmiegten sich perfekt an ihren Körper,
legten sich zart um die weichen Rundungen ihrer Brüste und umspielten ihre Hüften. Barfuß
überquerte sie die wenigen Meter, die sie vom Nachbarzelt trennten und schob unbemerkt den
Vorgang zur Seite. Ohne Aufforderung betrat Alyssa das große Herrscherzelt, dessen Inneres mit
Teppichen ausgelegt und mit Möbeln bestückt war. An einem der Tische saß ein junger Mann von
kaum Zwanzig Jahren über ein Pergamentstück gebeugt, über das seine Feder kratzte. Er wirkte
konzentriert. Doch sie ließ sich nicht beirren und ließ sich wortlos auf sein Lager aus Decken und
Kissen nieder, aber nicht ohne reizend die langen, schlanken Beine über einander zu schlagen und
die Seide bis über ihre Knie anzuheben, sodass ihre weichen Schenkel mehr Haut zeigten, als es
sich für eine römische Frau gehörte. Auf ihre Arme gestützt lehnte sie sich zurück und das Rot ihres
Haar ergoss sich in Kaskaden über ihren Rücken. Ihren Kopf zur Seite neigend fixierte seinen
Rücken.
„Ich weiß, dass du da bist! Und ich will, dass du wieder gehst!“, erklang die Stimme des jungen
Mannes gedämpft. Er dachte nicht daran sie auch nur anzusehen und der Antagonismus zwischen
ihnen war beinahe fassbar. Jedoch war ER es, der ihn in kalten Wellen verbreitete.
„Nicht bevor du mich angesehen hast!“, bestand sie mit einem Lächeln in der Stimme.
Er schrieb unbeirrt weiter.
„Reicht dir nicht aus, dass du bereits jeden Mann in diesem Lager verhext hast. Genügt dir nicht
wie mein Vater und die anderen Männer dich ansehen. Willst du jetzt auch mich...“, seine Stimme
klang verbittert, was sie jedoch nur noch mehr ermutigte und antrieb.
„Es geht nicht nur darum, was ich will - mit unter auch - aber es geht auch darum, was du willst!“,
wieder schwang das Lachen mit.
„Und jetzt sieh mich an!“, befahl ihm ihre Stimme und alle Öllampen, die das Zelt erleuchtet hatten
- bis auf eine einzige in der Nähe des Lagers, deren Licht nun ihren Körper mit Licht und Schatten
modellierte - erloschen. Es wurde zu dunkel, als das er hätte weiterschreiben können und sie beide
wussten, dass es ihr Werk war. Dass es ihre Art war, ihn zu beherrschen und das tun zu lassen, was
sie wollte. Sie hatte vielleicht kaum Macht über seine Person, aber durchaus über seine Umgebung.
Seine Wut flackerte auf und sein Körper strahlte sie ab. Schleuderte sie Alyssa entgegen. Abrupt
sprang er auf, sodass der Stuhl hinter ihm umfiel und dumpf auf die Teppiche knallte. Er hastete auf
sie zu. Außer sich, dass sie Macht über ihn hatte. Am liebsten hätte er sie geschlagen. Sie hatte sich
seinen Vater zu eigen gemacht, sein Heer, sein Ansehen, seinen Willen, seinen Stolz, einfach alles,
was ihm gehört hatte und sie war doch nur eine Frau. Er wollte sie schlagen, wollte ihr wehtun, sie
bloßstellen, damit sie endlich ging und ihm das ließ, was sein war. Direkt vor ihr blieb er stehen,
ratlos, als er in diese sonderbaren grauen Augen blickte, die golden pulsierten. Nein, er würde nicht
auch noch so weit sinken, dass er eine Frau schlug, so weit hatte sie ihn noch nicht getrieben. Er
würde sie packen und aus seinem Zelt schleifen. Seine Finger streckten sich nach ihr aus und trafen
auf nackte Haut. Mit einer flinken Bewegung hatte sie den Stoff gelöst und er war an ihren
Schultern hinab geglitten. In ihrer Blöße stand sie nun vor ihm und blickte ihm in die Augen. Damit
hatte er nicht gerechnet. darauf war er nicht gefasst gewesen und auch nicht darauf wie schön und
weich ihre bleiche Haut im Kerzenlicht sein würde, wie rund und voll ihre Brüste sein würden, wie
geschmeidig sich ihre Hüften gegen den grünen Stoff abzeichneten. Wie viel Macht sie über ihn
hatte, auch wenn er dagegen ankämpfte...
Alyssa sah das Erstaunen seiner unergründlichen, tief schwarzen Augen, das jedoch bald schwand
und von einem wilden Funkeln abgelöst wurde. Sie kannte diesen Ausdruck: Wut. Zorn. Rasend.
Heftig. Gewalttätig. Und sie wusste, dass er nachgeben würde, ebenso wie sie wusste, dass sie sich
gleich unter seinem Körper wiederfinden würde. Nicht einen Augenblick zu früh fassten sie seine
Hände grob an der Taille und drückten sie in die Kissen. Seine rauen Hände glitten an ihren
Schenkeln hinauf und befreiten ihre Beine von der Seide, indem sie sie über ihre Hüfte schoben.
Sein Körper drängte sich zwischen ihre Schenkel und sein Gewicht lastete warm auf ihr, während
seine Hände weiter fordernd an ihrem Körper entlang glitten, nicht zärtlich. Und sie wollte auch
22

nicht, dass er zärtlich war, wenn er sie nahm. Seine Bewegungen waren kraftvoll und unerbittlich
hart, genauso, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie spürte seinen Hass, seinen Zorn, sein dringliches
Verlangen sie zu erniedrigen, indem er sie sich gefügig machte. Sie fühlte es in jeder seiner
Bewegungen. Und für diese eine Nacht, ließ sie ihn gewähren, ließ ihn seine Macht auskosten.
Selbst als sie ihre Fänge in seinen Hals senkte, ließ sie ihn im Glauben es sei Teil des Liebesspiels
und ihr Bemühen ihm zu gefallen. Es war wie ein still schweigendes Abkommen zwischen ihnen,
dass die Unterschiede ausgleichen und die Wogen des Hasses glätten sollte. Und es hatte auch
gefruchtet, als die Männer sie am folgenden Morgen nackt und erschöpft bei ihm liegen sahen.
Doch eine Woche darauf fiel der Feldherr Scipio durch den Dolch eines Mannes aus eigenen
Reihen, der nicht mehr sehr lange nach seiner Tat unter den Lebenden weilte. Er fiel einem
blutrünstigen Monster in der Gestalt einer schönen, jungen Frau zum Opfer. Marcus übernahm mit
seiner reizenden, wie auch gefährlichen Aquila-Reiterin die Führung, doch nach seinem glorreichen
Sieg, kehrte sie mit ihm nach Rom zurück um Zeugin der Geburt von Scipios Enkel zu werden,
dessen Mutter jedoch nicht sie selbst, sondern Marcus' Gemahlin war, die er in Rom zurückgelassen
hatte. Das Schicksal des Kindes war es, ein ebenso großer Feldherr zu werden, wie seine Vorfahren.
Alyssa bedauert das Kind vom Tag seiner Geburt an. Im Krieg zu sterben galt als ehrenhaft, doch
das war es nicht. Es war alles andere als das, es war blutig, kalt und grauenvoll. Schlimmer hätte die
Hölle auch nicht sein können.Und wer durch das Schwert lebt wird durch das Schwert zu Grunde
gehen.
202 – 148 v. Chr. war sie als freiberufliche Söldnerin tätig, wobei sie niemals Scipios Familie aus
den Augen verlor und über sie wachte, da sie bis dahin die einzigen sind, die sie in ihr Herz
schließen konnte. Am meiSten traf sie daher der Tod Scipios, der sie an ihren eigenen Vater erinnert
hatte und der Tod Marcus', auch wenn er ein langes und glückliches Leben mit seiner Frau und
seinen Kindern geführt hatte.
149 – 146 v. Chr. begleitete Alyssa den Enkel Scipios in den dritten punischen Krieg und stand
auch ihm bei seinem Sieg über Kathago bei. Damit endete auch ihre kriegerische Phase für’s erste.
147 v.Chr – 68 n. Chr. gab sie sich als römische Staatsbürgerin aus und erlebte die aristokratisch
Blütezeit der Res Publica Romana und lernt den ausschweifenden Lebenswandel kennen. Nachdem
Kaiser Nero die wunderschöne Frau mit dem Alabasterkörper bei den dionysischen Theaterspielen
hatte tanzen sehen, fand er großen Gefallen an ihrer Anmut und nahm sie als Bedienstete bei sich
im Palast auf. In der Beziehung ging es oft sehr chaotisch zu bis diese und diese mit einem
lodernden Ausbruch endete.
Kaiser Nero 64 n. Chr.
„Wag es ja nicht mir zu drohen!" schrie Alyssa den stattlichen Mann von einer Größe von ungefähr
1,80m an. Er war der mächtigste Mann Roms, was ihr im Grunde relativ gleichgültig war, denn sie
konnte ihm in jedem Fall in dieser Situation entkommen oder ihn lange genug beschäftigen um sich
im wahrsten Sinne aus dem Staub machen zu können. Sie war ihm überlegen. Alyssa lief durch die
weiten mit rotem Teppich ausgelegten, vom Licht der Sonne erleuchteten Fluren des Palastes zu
ihrem Gemach um ihre Sachen zu packen und schnellst möglich zu verschwinden, denn noch länger
hielt sie ihn, diesem jähzornigen und brutalen Herrscher, nicht aus.
„Bleib stehen, sofort!“, tobte er.
„Ich bin nicht länger eine deiner Dienerin oder eine deiner Frauen,Nero. Du kannst mir nicht
vorschreiben, was ich zu tun habe!“ Sie beschleunigte ihre Schritte.
„Du undankbare Hure!“, wütete er und folgte ihr.
Endlich hatte sie ihr Zimmer erreicht und warf die Tür fest hinter sich zu, obgleich sie wusste, dass
sie Nero nicht lange hätte aufhalten können. In nur kürzester Zeit hätte er sie aus den Angeln
gehoben oder sie gar in kleinste Splitter zertrümmern lassen. Sie kannte sein rachsüchtiges,
egozentrisches Temperament und wusste dass er nicht davor zurückschreckte sogar über Leichen zu
23

gehen, wenn es darum ging, seine Spielsachen zu schützen. Und als das betrachtete er sie: als sein
leibeigenes Spielzeug! Wie erwartet schlug die Tür mit einem gewaltigen Knall auf und Nero
stürmte außer sich auf sie zu. Alyssa ergriff in ihrer ersten allzu menschlichen Reaktion die nächst
beste Vase, die sie nach ihm warf, doch ihr Ziel mit voller Absicht verfehlte, wobei die Vase in
einem schrillen Ton in Tausend Scherben an der Wand zerschellte. Aber diese Aktion machte ihn
nur noch wütender als er ohnehin schon war –falls das überhaupt möglich war. Nero stürmte auf die
junge Frau zu und ergriff sie fest bei den Schultern, seine Finger bohrten sich tief in ihre Haut; wäre
sie ein Mensch gewesen, dann hätte er ihr bereits mehrere Knochen gebrochen in seiner rasenden
Tobsucht, doch der Göttin sei Dank, war sie es in dieser Situation nicht. Ihre Stimme war nur noch
ein bedrohendes Zischen:
„Lass mich sofort los!“
Der tobende Mann dachte nicht daran, sich etwas von einer Frau befehlen zulassen, ebenso wenig
wie Alyssa gedacht sich an seine Anordnungen zu halten. Er hatte sie nie geliebt , sie bezweifelt,
dass er überhaupt wusste was das war : Liebe! Hatte er sie damals nicht mit schmachtenden,
begehrendem Blick betrachtet, in dieser einen Nacht, als sie mit den anderen Tänzerinnen auf der
Tribüne in seinen Hallen bei den Dionysios Theaterspielen als Muse verkleidet - oder besser gesagt
entkleidet - getanzt hatte. Hatte er nicht der kleinsten ihrer Bewegungen mit einer unmenschlichen
Genauigkeit und Bewunderung mitverfolgt? Hatte er ihr trotz seiner Ehe nicht den Hof gemacht und
die Sterne vom Himmel gehoben - ach ja, richtig, gelogen, nicht gehoben! Er hatte gedacht sie wäre
wohl ein reizendes Schmuckstück in seiner Sammlung. In ihrer Dummheit war Alyssa
mitgegangen, verblendet von dem Luxus und der Macht, die er ihr hatte bieten wollen. Nur selten
irrte sie sich so in einem Menschen, wie sie sich in ihm geirrt hatten. Sie war für ihn nicht anderes
als eine schöne Trophäe, die man ab und an aus dem Regal holte um sich mit ihr zu schmücken und
vor Freunden damit anzugeben. Das entsprach jedoch nicht ihrem stolzen Charakter; sehr schnell
hatte sie sich vernachlässigt gefühlt und sich einen neuen Gespielen gesucht, der zu Neros
Schmach ein einfacher Mensch war, sogar sein eigener Diener. Sie hatte genau gewusst, dass ihr
Verhältnis mit dem Menschen ihn derart verletzen und in Rage versetzen würde, wie es der Fall
war. Genau dies hatte sie beabsichtigt. Es lieferte ihr genau den Grund, den sie brauchte um von
hier zu verschwinden, obgleich es ihr um den armen Mann Leid tat, den sie mit sich in den
Untergang gestürzt hatte. Aber nun denn, sie war nicht besser als er und wahrscheinlich waren sie
sich zu ähnlich, als das es hätte auf lange Zeit gut gehen können. Noch einmal wiederholte sie ihre
Forderung mit blankem Hass und purer Verachtung:„Lass mich los!“ Mit Wut verzerrtem Gesicht
begann er sie zu schütteln. Alyssa, der es nun allmählich zu viel wurde, entschloss sich ihre
Fähigkeiten zu gebrauchen, denn weshalb sollte sie sich eine derartige Frechheit bieten lassen.
Ungeachtet ihrer Habseligkeiten, die sich noch im Zimmer befanden, verfärbten sich ihre Augen
feurig golden und das Zimmer stand binnen einiger Sekunden lichterloh in Flammen. Furcht
durchfuhr für einen kurzen Augenblick das Gesicht des Kaisers, bevor er sich wieder fing.
„Das wirst du bereuen, du Schlampe !“
Sie grinste ihn nur noch sehr spöttisch und abfällig an : „Das glaube ich kaum!“
Mit diesen Worten war sie aus seinem Griff verschwunden und ließ ihn in seinem zerschmetterten
Stolz mitten in dem brennenden Inferno zurück. Nein, er würde nicht umkommen, dazu war er zu
langlebig und intrigant, doch sein Palast, das Wahrzeichen seiner Macht, brannte. Ganz Rom würde
brennen. Es würde niederbrennen bis auf die Steinsäulen und das Fundament, kaum etwas
Bewohnbares würde übrig bleiben und das verschaffte ihr die Genugtuung ihrer Rache. Es war
Alyssa gleich, was aus ihm wurde, sie jedenfalls hatte ihre Rache ,derer man noch lange gedenken
würde. Sie materialisierte sich außerhalb des Schlosses und sah wie die Flammen über die Mauern
leckten. Sie sah Neros erzüntes Gesicht, das aus ihrem Raum nach draußen spähte - auf der Suche
nach ihr.
Er kannte sie einfach zu gut, denn sie war sein Ebenbild. Sein bestialischer Wutschrei hallte durch
den ganzen Palast, doch sie kümmerte sich nicht darum und rannte davon, in das Getümmel des
wilden Stadtlebens am Tiber entlang. Wo ihr die unterschiedlichsten Gerüche begegneten, wo die
unterschiedlichsten Farben läuteten und sich Menschen aller Rassen und Länder herumtrieben...
68 n. Chr. zog Alyssa in die Gallica Transalpina nach Aquitanien (spätere Provence), da sich in
Rom innerpolitische Konflikte anbahnten, war in dieser Region der Einfluss der Legionen immer
24

weniger spürbar und bot einen perfekten Unterschlupf um unter den Naturvölkern unerkannt zu
leben und ihren gewohnten ausschweifenden Lebenswandel unerkannt fortführen zu können.
476 – 511 n. Chr. ging das Römische Reich, als einstige Staatsstruktur langsam aber endgültig unter
und die Germanenstämme errichteten eine eigene Regentschaft unter Chlodwig, einem weisen und
gerechten König, von dessen Hof sich Alyssa fern hielt und in dieser Zeit ein eigenes Wirtshaus
betrieb, wo so mancher Reisender sein Leben lassen musste.
668-714 n. Chr. in dieser Zeit begannen erneute Unruhen zischen den Franken, den Langobarden
und den Sachsen,die um die Vormachtstellung, des bedrohten Königsgeschlechts des Pippin, somit
begann der Streitkampf der früheren Germanenstämme um die Territorien und das bestehende,
germanische Großreich zerfiel in viele kleine Einzelreiche, die nun vom machthungrigen Adel
beherrscht wurden. Im Tumult der Feindschaften gelangt es Alyssa sich wieder in das Hofleben
einzugliedern.
714 – 730 n. Chr. begab sich die Dämonin zum Besitz eines französischen Adligen, der sich die
Königsposition ergaunert hatte: König Illonesse. Dieser vergrößerte seine Macht und stellte ein
Herr zusammen um die umgebenden Kleinreiche zu unterwerfen und das eigene Reich weiter aus
zu dehnen. Alyssa gab sich einige Jahre als Hofdame der Königin aus und so gelang es ihr in das
Innere des Schlosses zu gelangen, das sie bald in Brand setzte um den König davon abzubringen
sein Volk in eine unnötigen Krieg zu verwickeln.
729 Frankreich
Tja ja, das Mittelalter war zu dieser Zeit überall gleich und in Frankreich sah es nicht anders aus als
in anderen Teilen Europas. Hier herrschte genau das selbe Chaos wie auch in allen anderen
Königreichen. Die Großreiche hatte den Aufständen und Unruhen nicht Stand halten können und
waren zerfallen. Es schien das Schicksal eines jeden Königreiches zu sein in Trümmer zu zerfallen.
Der Adel gewann mehr und mehr an Macht. Nicht jeder der Adligen konnte sich behaupten , doch
einigen gelang es, so zum Beispiel auch König Illonesse. Bis vor Kurzem hatte Alyssa diesen Mann
gar nicht gekannt; sie hatte nur von seinen Bestrebungen gehört seine eigenes Fürstentum zu
vergrößern. Und eben dieser Mann war es auch, das ganz vorne gestanden hatte, als es darum ging
den König zu stürzen. Kein König war perfekt, nicht einmal annähernd, denn sie alle waren
Menschen. Um nicht zu sagen, dass ein Dämon NICHT fehlen konnte, ganz im Gegenteil. Alyssa
selbst war das beste Beispiel dafür. Es tat ihr Leid um den alten König Pippin, denn er war ein
gerechter Mann gewesen, nicht wie diese Geier, die nun unter sich sein Land zerrissen. Ein Glück
war es, dass diese nur all zu blind waren in ihrem Machthunger…Das machte ihr Spiel um einiges
leichter. Eben so einfältig war auch Illonesse. Nun da er sich selbst durch eigenen Gewalt zum
König eines Reiches erklärt, war er wie besessen von dem Gedanken an die eigene Unbesiegbarkeit.
So hatte es Alyssa auch nicht viel Mühen gekostet seiner Gemahlin über den Weg zu laufen und
sich als Adlige auszugeben. Die Königin, die äußerlich selbst zwei Dekaden älter als Alyssa zu sein
schien, obgleich sie ein Mensch war, schloss das Mädchen nur all zu bereitwillig in ihr Herz. Sie
selbst hatte den König geheiratet, weil es ihr Stand von ihr verlange. Ein Blick in ihre Augen
genügten Alyssa um fest stellen zu können, dass ihren Mann hasste und er sie nicht minder, da sie
ihm bisher keinen Nachkommen schenken konnte. Doch auch der König selbst fand Gefallen an
Alyssa, an ihrem liebreizenden, unschuldigen Aussehen und war nicht abgeneigt, als die Königin
sie als Hofdame aufnahm. Doch von Beginn an war Alyssa mit einem Ziel das schloss gekommen:
um den König zu zerstören und der Blick in das traurige Gesicht der schönen Königin bestätigte sie
nur darin. Obgleich Alyssa nicht grade jemand war dem das Wohl der Menschen erheblich am
Herzen lag, so erfüllten die Taten des Königs sie mit Abscheu. Selten hatte sie einen Menschen von
solcher Brutalität gesehen, der plünderte und sich jede Frau nahm, die er wollte. Dem nichts an
seinen Untertanen lag, der sie alle behandelten als seine sie nur Vieh. Verrat, Betrug, Diebstahl,
Mord…Ihr Anliegen war nicht grade selbstlos, denn Alyssa wusste, wenn dieser Mann mehr an
25

Macht gewann würde er alles in seiner Umgebung unterwerfen und auch das würde ihm nicht
genügen; er würde immer weiter gehen. Ein sicheres Leben würde bald nicht mehr möglich sein.Sie
würde warten, warten bis sie eine Gelegenheit bot ihn aus dem Weg zu räumen, ganz gleich wie…
König Illonesse 736
Nachdem Alyssa die Königin vorzeitig aus der Burg gebracht und sie somit gerettet hatte , arbeitete
sich die pyromanische Vampirin systematisch vor. Angefangen mit den Räumen im Inneren der
Burg, die sie zuerst in Flammen steckte, damit den panischen Menschen ein Fluchtweg blieb und
ihrer brennenden Idee nicht noch mehr Unschuldige zum Opfer fielen, als nötig war. Sie sorgte
dafür, dass alle gewarnt waren und rechtzeitig fliehen konnten bevor alles lichterloh brannte. Jetzt,
da die Meisten geflohen waren und die Flammen hungrig und gierig um sich schlugen und alles in
ein gespenstische Licht tauchten, war es an der Zeit den König zu suchen, denn sie hatte sorgfältig
darauf geachtet, dass er in einem Teil der Burg blieb und seine Auswege versperrt waren. Alyssa
beschleunigte ihre Schritte und rannte aus einem der mit Rauch erfüllten Nebengänge in Richtung
des Hauptflures, wo sich das Gemach des Königs befand.
Nein, sie würde seinen Tod nicht dem Zufall überlassen, sie würde erst gehen, wenn gesichert war,
dass er nicht mehr atmete. Kaum war sie also in den mit Teppichen behangenen Hauptflur gebogen,
als sie wahrnahm, wie jemand hinter ihr her rannte. Alyssa fluchte vor sich hin, denn jemanden, der
sich einmischte, konnte sie absolut nicht gebrauchen. Es wäre schlauer gewesen, wenn er sich auf
und davon gemacht hätte um seine eigene Haut zu retten anstatt hier in diesem Flammenchaos nach
dem eigenen Tod zu suchen. Er rief ihr etwas hinter her, was jedoch im wilden Flammengebrüll
unterging, selbst mit ihren geschärften Sinnen konnte die Vampirin es nicht verstehen. Aber im
Augenblick war es ihr gleich, was der Mensch tat, solange er ihr nicht in die Quere kam. Sollte er
doch so töricht sein Leben aufs Spiel setzten, was für sie im Augenblick zählte war den König tot
zu sehen, so setzte sie ihren Weg fort ohne weiter auf ihn zu achten. Der andere war zweitrangig.
Endlich hatte sie den brennenden Raum erreicht, in dem sich der tobende König befand. Ein Gefühl
der Erleichterung und der Genugtuung beflügelte sie, denn der König war nicht entkommen und
würde sein baldiges Ende durch ihre Hand finden. In dem selben Moment hatte jedoch der Fremde,
den sie seltsamerweise noch nie hier gesehen hatte, sie eingeholt. Er steuerte zielstrebig auf den
König zu ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Alyssa konnte nur erahnen , dass der Mann
das selbe Ziel verfolge: den König tot zu sehen. Ohne Zögern ergriff dieser sein poliertes Schwert,
in dem sich die um sich greifenden Flammen spiegelten, und prescht wie ungehalten auf den König
los. Er wollte ihren Auftritt vermasseln. Im Normalfall hätte sie ihm das nicht durchgehen lassen.
Aber dieses mal tat sie eine Ausnahme, er nahm ihr schließlich die Drecksarbeit ab. Schön!
Alyssa beschloss sich im Hintergrund zu halten und ab zu warten wie sich der Kampf entwickeln
würde.
Sollte der Fremde versagen, was sie kaum glaubte , so würde sie sich des Königs annehmen.
Pragmatisch wie sie war, begab Alyssa sich damit zufrieden neugierig das Geschehen außer
Reichweite der Klingen und des Feuers zu beobachten und platzierte sich im hinteren Teil des
Zimmers, von wo aus sie das Szenario überblicken konnte. Anscheinend kümmerten sich weder der
König noch der Mann um Alyssa – oder gar sahen sie sie nicht. Die Flammen schlugen immer
höher, leckten nach den Teppichen und verzehrten die Wände. Die Hitze bahnte sich sengend durch
den Raum. Sie musste den Menschen zusetzen, denn selbst sie konnte diese Hitze ätzend um sie
herum spüren. Trotzdem betrachtete sie gespannt den attraktiven Fremden - wie gekonnt er sein
Schwert führte, den König im nur wenigen Zügen zurückdränge und in noch weniger Zügen das
funkelnde Metall in seinen Körper bohrte. Blut ergoss sich aus der Wunde als der Mann das
Schwert aus seinem Leib zog und eine bittere Genugtuung überzog seine gleichmäßigen
Gesichtszüge. Alyssa erging es nicht anders. Das Gesicht der Königs wechselte von Ungläubigkeit
hin zur Ausdruckslosigkeit als er zu Boden ging.
Er war tot. Aber es blieb keine Zeit zur Freude; neben dem betäubendem Brüllen der Flammen
schrillte ein Kreischen und ein bedrohliches Krachen. Noch bevor sie überhaupt realisieren konnte,
was es war, ging ein Teil des Gebälks auf sie herunter. Erschreckt, aus Reflex, erhob Alyssa die
26

Arme schützend über sich, als der Rest der brennenden Holzdecke auf sie stürzte. Aus dem Drang
heraus sich zu schützen dematerialisierte sich sie aus dem Raum heraus, bevor die brennenden
Trümmer sie trafen. Aus den Augenwinkeln heraus sah wie eine weitere Gestalt auf den jungen
Mann zu rannte. Der Gesichtsausdruck des Neuankömmlings war konzentriert während seine
Lippen sich bedächtig bewegten in eine Zauberformel versunken. In dieser Sekunde wurde alles vor
ihren Augen gleißend weiß. Alyssa konnte nicht sagen ob dieses Licht vom Fluch des Magiers oder
von der Wucht ihrer eigenen Dematerialisierung ausging. Dann öffnete sie die Augen und stand im
Wald, von hohen dunklen Tannen umringt. In einer mittelalterlichen Landschaft mit hohen
unberührten, leuchtend grünen Bäumen und wild wuchernden Hecken. Um sie herum war die Luft
erfüllt von panischem Geschrei der fliehenden Menschen und von einem schweren, dunklen Dunst,
der nach Feuer roch. In der Ferne sah sie die Burg in Flammen stehen. Es tat ihr Leid um den
Fremden, sicherlich war er entweder dem Magier oder dem Feuer zum Opfer gefallen. Das hatte sie
nicht gewollt. Doch ihr Ziel war erreicht : der König war tot und konnte keine Unheil mehr
anrichten! Dieses Kapitel war beendet. Zeit für ein neues, in dem die Opfer dieses Krieges keinen
Plot mehr hatten. Sie würde das hier einfach vergessen und fort gehen.
Wer weiß vielleicht nach England…
730 n. Chr. floh Alyssa nach Britannien, wo sie den Aufschwung aus einem dunklen Zeitaltern bis
hin zur Kultivierung erlebte und mit ansehen konnte, wie die Künste aufblühen. Hier ging sie einem
unbedeutenden, namenlosen Künstler zur Hand, der sie auf einigen seiner Bilder verewigte.
Abgeschieden gelang es Alyssa ihr früheres Studium der Magie wieder aufzunehmen und ein
geregeltes Leben zu führen. Sie würde sich sehr bald in einen mittellosen, avantgardistischen
Künstler, der leider nur ein Mensch war, verlieben und ihr Herz sollte endgültig an ihm zerbrechen.
738 England
Einmal im Monat fand in der Stadt ein großer Markt statt. Zwar kamen von überall Händler herbei
um ihre Waren anzubieten, jedoch verglichen mit den Märkten im alten Babylon oder Rom war,
war dieser hier verschwindend klein, obgleich sich heute eine Vielzahl von Menschen hier
eingefunden hatte. Alyssa kam nur selten in die Stadt und dies auch nur um die nötigsten Einkäufe
zu tätigen, ansonsten hielt sie sich gerne von der Bevölkerung fern, denn auf diese Weise konnte sie
sicher gehen, dass niemand unter ihnen hinter ihr Geheimnis kam. So zog sie es vor am Rand eines
benachbarten Dörfchens zu wohnen. Doch irgendwie musste eine alleinstehende Frau über die
Runden kommen und somit war Alyssa gezwungen sich heute hier her zu trauen. Die junge Frau
trug ein baiges, schlichtes Baumwollkleid, das lange rote Haar hatte sie mit einer goldenen Spange
im Nacken gefasst, nur einige lose Strähnen hingen ihr ins blasse Gesicht mit den hohen,
aristokratisch anmutenden Wangen. An einem Arm trug sie einen geflochtenen Korb, der bei jedem
ihrer Schritte sacht hin und her wippte und gegen ihre Hüften schlug. Eine große Menschenmenge
war heute unterwegs, überall wurde gehandelt. Lautes Gemurmel, Unterhaltungen und das Geschrei
einer Gauklergruppe drangen zu ihr durch. Irgendwo roch es nach Blut, da ein Schwein geschlachtet
wurde. Nicht mehr ganz so frischer Fisch. warmes Brot. Die unterschiedlichsten Gewürze...
In diesem Gemenge bahnte sie sich sehr geschickt ihren Weg durch die Menschenschar ohne auch
nur an irgendjemanden zu stoßen, dabei war ihr Gang wendig wie der einer Katze auf der Jagd und
ebenso leise. Alyssa wand sich durch den Pulk an den Stand, den sie zuerst beabsichtigt hatte auf zu
suchen. Der Händler war ein feister Mann Anfang dreißig, sehr offen und weltgewandt. Nie hatte
er die schöne Frau warten lassen und war stets zuvorkommend zu ihr, denn Alyssa kaufte ihre
Stoffe für ihre Gewänder immer bei ihm. Kaum dass sie vor ihm stand, begrüßte er sie herzlich,
denn der Händler würde sie nicht ohne etwas verkauft zu haben gehen lassen. Sein Lächeln war
warm, aber wessen Händlers war es das nicht? Alyssa erwiderte seine Begrüßung mit einem hellen
Lächeln um ihren Blick dann wieder auf die Stoffe zu senken. Ihre schlanken Hände machten sich
schnell daran die Stoffe zu durchforsten nach dem schönsten zu suchen. Ihre Augen und Finger
waren beschäftigt, ebenso wie ihre Gedanken, die sich darum wanden, was sie aus den Stoffen am
besten hätte fertigen können. Als sie endlich einen roten Seidenstoff - in der Farbe ihrer Haare - in
27

Händen hielt , reichte sie diesen an den Händler, während eine große Menschenmenge in lautem,
aufgeregten Getratsche an ihr vorüber zog. Als der Verkäufer die Seide für sie maß, wanderten ihre
aschgrauen Augen nach oben, da sie das Gefühl beobachtet zu werden beschlich, und sie sah sich
bedächtig um, bis sie in ein Paar funkelnder Saphire blickten, die ihr entgegen strahlten. Die sie
regelrecht festhielten,sie bannten. Nein, in ihren Bann schlugen, unausweichlich. Alyssa konnte
ihren Blick nicht abwenden, musste einfach zurück starren. Das Gesicht, in das sie schaut, war
schmal und schön, umrahmt von einer Schar wilder, dunkel brauner, kinnlanger Locken.
"Das macht 3 Denare", meldete sich der Händler und legte ihr freundlich lächelnd die Seide in den
Korb, womit er sie von den Augen des Fremden los riss. Keck blickte sie den Händler an und
entgegnete :
"Meint Ihr nicht, dass Euer Preis überteuert ist! Für einen Denar mehr kann ich eine Kuh kaufen!"
Der Mann warf ihr jedoch ein wissendes, charmantes Grinsen zu.
"Meine Liebe, die Schönheit sollte einer Frau nicht zu teuer sein. Und ein weniger edler Stoffe
würde einem Antlitz wie dem Euren nicht gerecht werden ."
Sie schenkte ihm ein weiteres kokettes Lächeln, wie Alyssa es oft tat, bezahlte und verabschiedete
sich. Zu ihrem Korb hinab gebeugt und den Stoff darin zurecht nestelnd, hatte sie nicht gemerkt,
dass jemand vor sie getreten war. Unachtsam - den Blick noch immer nach unten gerichtet - prallte
sie gegen einen schlanken Körper. Noch bevor sie hoch geblickt hatte, hatte sie bereits gewusst,
dass ein Mann sein musste. Das hatte Alyssa an der Größe und dem festen Griff um ihre Arme der sie vor einem Sturz rettete - gemerkt. Als sie nun ihren Blick hob schaute sie in die vorherigen
Saphire, die sie erneut in ihren Bann rissen. Vollkommen verblüfft von ihnen, rang sie nach Luft
und brachte nur ein gehauchtes : "Entschuldigung", hervor.
Die starken Hände, die sie bisher festgehalten hatten, ließen sie los, obwohl es ihr am liebsten
gewesen wäre, wenn sie sie auf ewig gehalten hätten. Der schöne Fremde trat ein paar Schritte
zurück und senkte seine Augen um den intensiven Blickkontakt zu unterbrechen, während Alyssa
weiterhin wie in Trance sein Gesicht erforschte. Er war ein junger Mann, der so blass war, da er
wohl die meiste Zeit seines Lebens im Inneren verbracht haben musste, wahrscheinlich über
Büchern. Aus seinen Augen sprach Klugheit, Kühnheit und ein unwiderstehlicher Charme.
Außerdem war er zwar schlicht in unscheinbar blasse Farben gekleidet, doch seine Kleidung sprach
nicht grade von Armut, aber auch nicht von Reichtum. Andererseits hätte er Lumpen getragen, so
hätten diese seine Ausstrahlung nicht schmälern können. Scheu huschten seine Augen wieder zu
ihr, das Gesicht gen Boden gewandt. In einer Mischung aus fragend und auffordernd sah Alyssa ihn
an, den sie wollte endlich seine Stimme hören. Ob sie wohl ebenso schön war wie sein Äußeres?
Der Mann, der sich ihres Blickes bewusst war, räusperte sich, dabei konnte sie sehen, wie seine
helle Haut sich an den Wangen rötlich verfärbte, was ihr sogar sehr gefiel.
"Ich habe Euch vorhin bei diesem Stand gesehen und wollte Eure Erlaubnis erbitten, Euch malen zu
dürfen", brachte er endlich eingeschüchtert mit rauer, doch nicht minder wundervoller Stimme,
hervor. Nach anfänglichem Erstaunen und offensichtlichem Hingerissensein musste Alyssa nicht
lange überlegen; sie hatte das Gefühl ihm überall hin folgen zu wollen. Dieses Angebot würde sie
ihm nicht abschlagen. Allein die Vorstellung ihn stundenlange beim Malen zu betrachten, die
Konzentration in seinen ebenmäßigen Zügen zu erkennen, seinen Adlerblick auf ihrem Körper
entlang wandern zu fühlen, zu sehen wie sich seine sehnigen Künstlerhände sich bei der Arbeit
bewegten und sich vorzustellen, was er mit ihnen alles tun konnte, entzückten sie...
749 Ethan, der Maler
Alyssa saß im Licht der Mittagssonne, das durch die großen Fenster in das Innere der Hütte fiel. Sie
saß in einem schweren Holzsessel, der an einen Thron erinnerte. Ihr Kleid aus blauen Leinen war
perfekt um sie herum drapiert. Ihr Erscheinungsbild passte nicht zur spartanischen, schlichten
Einrichtung der sauberen, großen Hütte, die am Rande des Dorfes stand und sich dem Tannenwald
zu kehrte. Diese Umgebung war traumhaft; in einem Märchen hätte sie nicht schöner und
unwirklicher sein können. Düster konnte man aus den nördlichen Fenster einen Weg sehen, der in
dem tief grünen Wald verschwand, ein Nadelteppich zierte den Boden und irgendwo in der Ferne
28

hörte man einen Falken rufen. Das andere Fenster, zu dem Alyssa mit dem Rücken saß, offenbarte
den Weg zum Dorf, das sie so gerne mied. Der Tag war perfekt, eine Ruhe und Harmonie hatte sich
über die Welt gelegt; es war einer dieser Tage, wo man das Gefühl hatte, alles sei vollkommen und
es gäbe keine Probleme. Alyssa fühlte sich wohl und geborgen, so wie sie da saß. Die Situation war
ihr nur allzu vertraut. In einem Abstand von 3 Metern war eine große Staffelei aufgestellt worden,
die einen Künstler verbarg, dessen Können seiner Zeit vorauseilte. Alyssa kannte jede seiner
Bewegungen, kannte jede seiner Reaktionen, sie kannte seine Gesichtszüge auswendig. Wenn sie
ihre Augen schloss, so sah sie sein Gesicht vor sich und dennoch konnte sie nie ihre Augen von ihm
abwenden. Ihr Blick folgte ihm auf Schritt und Tritt, selbst als er sich von dem Hocker hinter der
Leinwand erhob und hinüber zum anderen Zimmerecke ging um neue Farben zu holen. Während er
sich an dem Stand mit Farben zu schaffen machte, beobachtete sie jede bewusste, sorgfältige
Bewegung seiner schlanken Finger, als er die Farben neu mischte und in die Farbpalette füllte.
Unwillkürlich rutschte sie auf dem Stuhl herum um ihm im Blickfeld behalten zu können,als er sich
für einen kurzen Augenblick abwandte. Ein Kribbeln breitete sich in ihren Körper aus und eine nur
zu bekannte Wärme erfasste ihr Inneres. Ihr lodernder Blick galt nur ihm. Erregt leckte sie sich über
die roten Lippen, viel lieber hätte sie seine Finger auf ihrer Haut gespürt, als jede seiner quälend
sorgfältigen Bewegungen zu zuschauen. Und das sein Aussehen, nicht mehr das eines 20-Jährigen
war, änderte nichts an ihrer Begierde.
Ethan war ein Mensch und alterte dem entsprechend auch. Er war nicht mehr der junge Mann, den
sie damals kennen gelernt hatte. Dennoch waren seine Augen genauso jung und strahlend
geblieben, wie sie es damals waren. Seine Gestalt hatte sich kaum verändert, er war ebenso schlank
und adrett. Die Wölbungen der Sehnen konnte man noch immer deutlich unter seiner Haut
erkennen, wenn er sich anstrengte. Sie mochte seine zerzausten, braunen Locken, die er mit einem
Band im Nacken zusammen hielt. Ihn als schön zu bezeichnen wäre nicht zutreffend gewesen, denn
er war im klassischen Sinne schön, edel. Seine Ausstrahlung hätte selbst die selbst eines König
verblassen lassen und dennoch war der Künstler bescheidener, als alle Menschen, die Alyssa jemals
getroffen hatte. Sein ovales Gesicht mit den hohen Wangen, der geraden Nase und den schmale
blassen Lippen zierten nun einige Falten. Für sie aber würde er immer der schüchterne aber
charmante Mann sein, der sie damals auf der Straße angesprochen hatte um sie darum zu bitten für
ihn Portrait zu stehen. Sie erinnerte sich gut, wie er immer zu Boden geblickt hatte und wie sich die
Wangen des jungen Mannes damals leicht rötlich verfärbt hatten. In diesen Augenblick bereits hatte
er ihr Herz gewonnen. Doch nun waren seit diesem Tag gute 20 Jahre vergangen, Alyssa bleib die
selbe Jugend und Schönheit in Person, während er nun ein gereifter Mann war. Die damalige Scheu
war vor langer, langer Zeit verflogen und er war zu einem fähigen Künstler geworden, zu dumm
nur, dass die Gesellschaft seine Werke nicht zu schätzen wusste. Oft sagte man ihm Teufelswerk
nach, aber wäre dies der Fall, so wäre Alyssa die Erste gewesen, der es ins Auge gefallen wäre. Der
Mann war einfach begnadet und in ein falsches Zeitalter hinein geboren. Alyssa wusste, dass einmal
eine Zeit kommen würde, in der das Volk in verehren würde. Aber er blieb stur! Manchmal konnte
der Tod nur der Anfang der Unsterblichkeit sein, doch Ethan weigerte dies zu begreifen. Der
Gedanke an die Zeit, die viel zu schnell verstrich, bereite Alyssa täglich aufs Neue Schmerzen. Sie
wusste , dass einmal der Tag kommen würde, wenn sie allein in einem Bett liegen und sein Körper
6 Fuß unter der Erde – kalt und leblos - ruhen würde. Und dieser Gedankt quälte sie, denn die Zeit
hinterließ mit jedem Tag neue Spuren, neue Falten, neue Gebrechen auf ihm. Ganz gleich wie er
einmal aussehen könnte, so würde sie doch bei ihm bleiben, so lange er nur der Mann blieb, den sie
liebte! Sie würde ihn bis an das Ende der Zeit lieben! Egal was geschah.
Was waren 20 Jahre verglichen mit der Ewigkeit? Nichts! Nicht mehr als ein flüchtiger
Wimpernschlag. Doch sie wünschte sich inständig, hätte alles dafür gegeben, dass er nur bei ihr
bliebe. Ohne ihn war die Welt leblos und leer und erst durch Ethan hatte sie gelernt, was Liebe war.
Es wäre einfacher gewesen ihm nie zu begegnen, als ihn jetzt zu verlieren. Und sie würde ihn
verlieren, dass wusste Alyssa so sicher ,wie sie wusste, dass jeden Morgen die Sonne aufging. ER
war ihre SONNE, wenn er von ihr ginge würde sie für immer in der Nacht gefangen sein. Oft schon
hatte das Paar Streitgespräche, weil Alyssa ihn verwandeln wollte, ihn zu dem machen wollte, was
auch sie selbst zum Teil war. Aber Ethan, hatte es immer abgelehnt. Er fürchtet ums sein Seelenheil
und fürchtete sich davor später ein Anderer zu sein, als der Mann, den sie so sehr liebte. Alyssa
29

hatte geweint, gefleht, gebettelt, dennoch blieb Ethan standhaft; er wollte diese Welt als Mensch
verlassen. Es lag nicht daran, dass er sie nicht liebte, sondern daran, dass er nicht wusste ob aus ihm
ein liebenswertes Wesen erstehen würde, oder ein gefährliche mordende Bestie, die sein Innerstes
auffraß und danach die Frau die er liebte. Er hatte Angst, den Hass und den Ekel in ihren Augen zu
sehen. Sie leiden zu lassen, indem sie ihn ein zweites mal verlor.
So blieb er für alle ihrer Einwände taub. Würde sie ihn ohne sein Zustimmung verwandeln, so
würde er sie hassen und gegen seinen Willen handelte sie niemals, sie konnte es nicht, sie
vergötterte ihn dazu zu sehr. Die Situation blieb ausweglos und Alyssa wusste nicht, was sie tun
sollte! Es blieb nur zu warten und zu hoffen, dass er seine Meinung einmal änderte. Sie seufzte
schwer, als sie ihn so betrachtete und verklärte sich ihr Blick,ihre Gedanken spiegelten sich nur zu
deutlich darin.
„Alyssa, ich kann nicht malen, wenn du die ganze Zeit herum rutschst!“, rügte er sie in einer viel zu
ruhigen und sanften Stimmlage, die blauen Augen funkelten verspielt. Ein schelmischen Lächeln
huschte über ihr Gesicht; das hatte er schon so oft zu ihr gesagt.Also setzte sie sich wieder in Pose
„Ja, Herr Maler!“
Bis weit in die Abendstunde saß sie regungslos da und wurde nicht müde den Künstler bei der
Arbeit zu beobachten - nun im Kerzenschein vieler Hundert Kerzen, die den Raum erleuchteten, als
wäre es Tag. Doch selbst in dem sanften, gelben, warmen Licht war Ethan ungewöhnlich blass,
seine Hände zitterten beängstigend. Er war müde, dass sah sie ihm an. Eine böse Ahnung stieg in
der jungen Frau auf. So erhob sie sich von den Platz und ging zum Fenster, das sie aufstieß um die
frische Nachtluft hineinzulassen. Leise und bedächtig trat sie hinter ihn und legte ihre kalten Hände
in seinen Nacken. Er war schweißnass und glühte förmlich. Alyssa stützte ihr Kinn auf seine
Schulter, da er ein ganzes Stück größer war als sie, und stellte sich auf die Zehenspitzen um einen
Blick auf das Gemälde zu erhaschen, doch was ihr von dort entgegenblickt, war nicht sie selbst, es
war ein gänzlich andere Frau, die eher in ihrer Schönheit einer Göttin glich als Alyssas Äußerem.
Konnte ein Mensch sie etwa so wahrnehmen? Nein, unmöglich, aber ein Künstler lebte oft in seiner
eigenen Welt, mit seinen eigenen Engeln und eigenen Dämonen. Sie wollte grade die Hände um
seine Taille schlingen, als Ethans Knie nachgaben und er fast in Zeitlupe zuerst in die Knie ging
und dann zu Boden stürzte. Alyssa war wie gelähmt, sie konnte nicht eingreifen, konnte nur wehrlos
zusehen wie er fiel. Als sie sich zu ihm kniete und seinen Oberkörper in ihrem Schoß bettete,
wusste Alyssa, dass es bereits zu spät war. Wie so oft einmal konnte sie nicht sagen woher sie es
wusste, es war einfach da, das Wissen! Sein Atem war ungleichmäßig und der Herzschlag fast
stumm ! Tränen stiegen ihr in die Augen.
„Nein, das darf nicht sein!“, konnte sie nur flüstern. Die Dämonin blickte in seine halb geöffneten
Augen, die in die ihren blickten. Sie wartete. Wartete auf die entscheidenden Worte. Hatte gehofft,
dass er seine Meinung ändern würde im Augenblick seines Todes, dass er bei ihr bleiben
würde."Ethan, bleib hier!“, schluchzte sie laut, am ganzen Leib zitternd, und brachte kaum
erkennbar ihre Worte heraus;
„Nur ein Wort! Du brauchst nur ein Wort zu sagen! Bitte,Ethan,sag es! Bleib bei mir!“
Seine Lippen bewegten sich jedoch nicht, als er ihr tief in die Augen blickte, wie er es immer
pflegte. Er hob seine Hand um ihr über die Wange zu streichen, während bittere Tränen Alyssa die
Sicht verschleierten. Ethan lächelte sie ein letztes Mal an; es war ein warmes und herzliches
Lächeln, dass all seine Lieb und Bewunderung zu ihr ausdrückte.
„Ich liebe dich!“, hauchte er mit rauer, atemloser Stimme. Dann konnte sie spüren, wie die Kraft
seiner Hand entwich und sie leblos wurde. Die Welt um sie herum brach zusammen! Unfähig auch
nur irgendetwas zu tun, warf sich Alyssa zu ihn auf den Boden, schmiegte sich an seinen warmen
Körper und ließ ihren Tränen freien Lauf. Sie wusste nicht wie lange sie bei ihm lag und wie lange
sie bitterlich weinte. Es war ihr gleich. Noch nie hatte sie sich so allein und verlassen gefühlt. Die
Einsamkeit schnürte ihr die Kehle zu, zerdrückte ihr Herz. Betäubte sie und versetzte sie
gleichzeitig in wilde Panik. Sie fühlte sich so hilflos. Nichts machte plötzlich länger Sinn. Es
existierte nichts bis auf ihre ungeheure Trauer! Außer der Nacht! Doch dieses Mal gab es nichts,
was sie jagen und töten konnte, bis sie ihre Rache hatte. Sie verfluchte und hasste ihn unter
versiegenden Tränen, dass er sie verlassen hatte um kurze Zeit später aufs Neues unter Tränen
ihren Kopf an seine Brust zu legen und fest zu stellen, dass sein Herz nicht mehr schlug und nie
30

schlagen würde. Die Ewigkeit, die vor ihr lag schien unerträglich und grausam. Sie wusste nicht
einmal ob sie diese Nacht überleben würde...
750 England
Was nun begann konnte niemand länger als Leben bezeichnen. Alyssa war innerlich tot; obgleich
ihr Körper noch immer der einer scheinbar lebenslustigen, jungen und schönen Frau war, aber
innerlich war sie erkaltet. Ethan hatte alles Menschliche, alles Liebenswürdige mit sich in den Tod
genommen und zurück war nicht, als eine leblose Hülle, geblieben. Alyssa spürte nichts mehr. Das
eigene Leben war ihr gleich, nichts kümmerte sie mehr. Hätte ihr Herz aufgehört zu schlagen, sie
hätte es wohl nicht bedauert... sondern willkommen geheißen.
Man hatte sie nicht als hässlich bezeichnen können, aber ihr Äußeres hatte sich verändert: unter den
Augen hatten sich tiefe, dunkle Schatten gebildet, da sie seit langem nicht mehr geschlafen hatte.
Alyssa konnte nicht mehr schlafen, sie hatte es verlernt. Jedes mal, wenn sie die Augen schloss, sah
sie Ethans Gesicht in ihren Gedanken, doch sobald sie sie öffnete, war er verschwunden und das
Bett neben ihr war kalt und leer. Niemand war da, der wärmend die Arme um sie schlang. Sie
vermisste seine Nähe, seine Wärme. Doch noch mehr vermisste sie sein Lachen und seine Scherze.
Ihre Haut war durchscheinend blass, die Wangen eingefallen, die Lippen bleich, wie der Rest ihres
Gesichtes. Ihr Körper war ausgezehrt, die Knochen stachen hart gegen die Alabasterhaut. Zwar
brauchte die Vampirin seltener Blut als andere Vampire, aber sie selbst wusste nicht einmal, wann
sie das letzte Mal auf der Jagd gewesen war. Auch das hatte sie verlernt. Alyssa hatte jeden
Selbsterhaltungstrieb verloren, sie war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Ein Geist. Oder noch
nicht mal das. Für die weiter Welt gab es sie nicht mehr. Nur selten erhob sie sich aus ihren Laken.
Meist bestanden ihre Tage daraus, dass sie irgendwann vor Sonnenaufgang auf ihren Wachträumen
erwachte ohne die Augen zu öffnen, sich auf seine Seite legte und einfach liegen blieb bei
verhangenen Fenstern. Das Bett roch noch nach ihm, wenigstens so konnte Alyssa sich das Gefühl
aufrecht erhalten, dass er noch hier war. Seine Kleider hingen im Schrank und auch seine Bilder
standen unberührt da. Sie hatte sie nicht angefasst, geschweige denn weggeräumt. Alyssa blieb
einfach liegen, ohne sich zu bewegen, bis die Sonne unterging. Dann glitt sie irgendwann im
Verlauf der Nacht und bitterer Tränen wieder in ihre Wachträume. Und irgendwo zwischen ihrem
steinernen Herzen und dem wahnsinnigen, verblassenden Verstand wurde ihr bewusste, dass das
Wesen, das Glückliche war, das einen Verstand hatte und sich erinnern konnte. Das Einzige, was
sie am Leben hielt, waren eben diese Erinnerungen. Sie lebte nur dafür sich an den einzigen Mann,
den sie je geliebt hatte, zu erinnert, mehr gab für sie nicht! Über Tage, Wochen, Monate blieb sie
reglos liegen, so als wäre sie wirklich tot. Wenn sie sich nicht bewegte, so glaubte sie, dass ihre
Schmerzen nicht so groß waren, noch irgendwie erträglich. Es war einfacher liegen zu bleiben,
anstatt aufzustehen und täglich aufs Neue sinnlos gegen das Leben an zu kämpfen, denn es hatte für
immer seinen Sinn verloren.
760 – 1400 n. Chr. nach dem Tod ihres Gefährten zog sich Alyssa in die Einsamkeit zurück und
verblieb für lange Zeiten tatenlos. Die Intrigen der Königshäuser, die sich in einiger Entfernung
abspielten, interessierten Alyssa reichlich wenig und die Kreuzzüge ließen sie gleichgültig, da der
Verlust, den sie empfand zu groß. Stattdessen verarbeitete sie ihre Trauer durch die Fluch in fremde
Welten, also ihr Studium der Sprachen und der Literatur.
Erst die aufkeimende Seefahrerei gegen 1500 ließ Alyssa neue Hoffnung schöpfen, denn sie bot ihr
die Möglichkeit von neuem anzufangen und sich eine Existenz. Sie zog in die Nähe der Hafenstadt
Rosyth um immer den neusten Fortgang zu verfolgen.
1843 ergab sich schließlich die Gelegenheit mit einem der Siedlerschiffe nach Amerika zu gelangen
um ,wie alle anderen, von dem Land der ungeahnten Möglichkeiten zu profitieren. Alyssa wollte
wieder ein normales Leben führen, wie alle anderen Menschen. Sie wollte wieder zu sich selbst
finden, oder zu dem, was Ethan ihr von ihrer Selbst zurück gelassen hatte. Über 1000 Jahre waren
eine lange Zeit für Trauer. Aber wer sagt, die Zeit würde alle Wunden heilen, der lügt. Zeit macht
31

es nur einfacher diese Wunden zu tragen.
Ruhe und Frieden waren das, was sie suchte und ein neues Zuhause. Vielleicht sogar ein neues
Leben. Eine Bekanntschaft in New York sollte ihr Leben beeinflussen,mit lang anhaltende
Auswirkungen auf ihre Person.
1843 neue Hoffnung
Alyssa erinnerte sich wie es sich angefühlt hatte, als die nach England gekommen war. Wie gut es
sich angefühlt hatte, so als käme sie nach Hause – zu Ethan! Nie hätte sie daran gedacht, dass es
hätte so schief gehen können, obgleich es fast ein ganzes Jahrtausend her war. Vielleicht wäre ja
alles genauso schlimm gewesen, wenn sie irgendwo anders hingegangen wäre, aber wer wusste das
schon ?!
Vielleicht auch nicht! Denn dann hätte sie ihn niemals getroffen. Alyssa war dankbar für die Zeit,
die sie hatte mit Ethan verbringen können – auch wenn sie nur so kurz gewesen war. Denn dieser
Mann hatte sie gelehrt was Liebe und Aufopferung war, was Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit war. In
einem hatte er Recht behalten, weglaufen war keine Lösung, aber dennoch war es eindeutig Zeit für
einen Tapetenwechsel.
Ganz gleich was geschehen würde, sie würde sein Gesicht nie vergessen, dass auch jetzt noch
einem ganzen Jahrtausend klar vor ihren Augen stand, wenn sie an ihn dachte. Sie erinnerte sich an
jeden seiner Züge, an sein Lachen, an seine Grübelei und an jeden seiner Blicke. An jede Nacht, die
sie hatte mit ihm verbringen dürfen. Aber jetzt kam der Augenblick wo es hieß los zu lassen…
In Rosyth war Alyssa an eines der Schiffe gegangen, die in die neue Welt aufbrachen, das Land der
unbegrenzten Möglichkeiten, so sagten die Leute. Inständig hoffte sie , dass sie Recht behalten
mögen! An Deck des Schiffes befanden sich bei weitem mehr Reisende, als vorgeschrieben war.
Jeder wollte sich ein Stück Land aneignen, bevor es ein andere bekam. Doch Alyssa war es im
Moment ganz gleich, sie würde daran denken, wenn es so weit war. Bisher hatte sie immer einen
Weg gefunden ihr Überleben zu sichern, es kaum eine Herausforderung. So stand sie denn an Deck
in Mitten der Lärmenden Menge, die nun für 2 Wochen hier zusammengepfercht waren, und blickte
gedankenverloren in die schäumenden Wellen. Obgleich sie Wasser nicht mochte, fand sie kein
anderes Versteck als hier draußen, wo es wenigsten nicht so stank und nicht ganz so laut war, wie
unter Deck. Sie war dankbar für den wenigen Abstand, den sie zu den anderen Menschen gewinnen
konnte. Die Luft war schwer und salzig , der Geruch nach Fisch und Algen lag darin. Die
untergehende Sonne stand tief und rot am violetten Himmel. Es war ein schwerer Tag gewesen für
einen Neuanfang .Alyssa seufzte tief, nun denn, ab hier gab es keine Umkehr mehr, das war der
Beginn eines neuen Lebens. Sie ließ das Land, dass so lange ihre Heimat gewesen war hinter sich
und blickte hoffnungsvoll dem Neuen entgegen. In der Hoffnung dort ein weiteres mal ihr Glück zu
finden…
1843 New York
Alyssa war erleichtert, als das Schiff endlich nach Wochen auf hoher See anlegte und sie nun bald
wieder festen Boden unter den Füßen spüren würde. Nachdem der erste Ansturm der Reisenden, die
von Bord drängten, versiegte, packte auch Alyssa ihre Reisetasche und begab sich mit weichen
Knien und schwankendem Gang auf den Steg. Leicht taumelnd achtete sie darauf einen Fuß fest vor
den anderen zu setzten und das möglichst ohne auf die Nase zu fliegen. In diesem Zustand ihrer
benebelten Sinn achtete sie nicht auf den Nagel, der den Steg an der Portmauer hielt und blieb
ungeschickt mit der Tasche daran hängen, die sie selbst durch der Widerstand zum Stolpern brachte,
dann urplötzlich aufriss und ihre gesamte Wäsche, des babylonische Goldamulett ihrer geliebten
Mutter, das Kurzschwert ihres Vater und fünf in Leder gebundene Bücher in hohem Bogen vor ihre
Füße beförderte. Sogleich bückte sie sich hastig danach und versuchte alles genauso verdreckt und
zerknüllt, wie es war, zurück in ihre Tasche zu befördern. Während sie vor sich hin wie ein
Dachdecker fluchte und abmühte, waren ein Paar Beine in schwarzen Hosen und Lackschuhen in
32

ihrem Blickfeld erschienen. Bevor sie überhaupt realisierte, was geschah hatte der fremde Mann,
der vor sie getreten war, nun eine Hand nach ihrer Schulter ausgestreckt und sie somit aufgerichtet,
in der anderen hielt er ihr altbabylonisches Amulett, das sie nach dem Tod ihre Mutter vor 2
Jahrtausenden an sich genommen hatte und Alyssas einzige Erinnerung an sie war.
"Ich glaube, Ihr habt dies hier verloren", sprach er sie mit sanfter Stimme an. Hastig zog Alyssa es
ihm mit einem gehauchten "Danke" aus der Hand und verstaute es in ihrem Kleid, ohne ihn dabei
auch nur anzusehen. Die Vampirin schloss etwas umständlich ihre schwarze Ledertasche, doch als
sie grade nehmen wollte, kam ihr der Mann mit den faszinierenden grünen Augen zuvor; mit einem
Arm ergriff er die Tasche, den anderen legte er er vertraulich um ihren Rücken, denn er kannte
solche Amulette ,wie er es bei ihr gesehen hatte nur zu gut und ahnte, dass ein einfacher Mensch
niemals im Besitz eines solchen wäre. Außerdem erschien ihm die Blässe ihrer Haut sehr auffällig.
Ob seiner vertrauten Geste schaute sie ihn überrascht an, nichts verstehend, doch der Mensch
lächelte sie beruhigend an, mit einem Lächeln, das ihre Knie noch weicher werden ließ, als sie
ohnehin schon waren. Seine Wärme strahlte bis in ihr Innerstes. Es war lange her, dass sie so etwas
- oder überhaupt etwas - empfunden hatte.
"Wie ich sehen befindet Ihr Euch im Besitz eines mächtigen Amulettes, das zudem sehr alt ist.",
seine Stimme klang einschmeichelnd.
"Ich bin auf der Suche nach solchen Dingen und ich könnte Euch einen angemessenen Preis dafür
zahlen, wenn Ihr bereit wärt, es mir zu verkaufen."
In Wut flammten ihre Augen auf und ihr Instinkt warnte sie vor ihm, denn alle mögliche Gerüche
hafteten an ihm,den Mensch darunter überdeckend. Mit einem Schlag war die vorsichtige
Zuneigung verschwunden.
"Ich verkaufe nicht!", stellte sie sachlich mit fester Stimme dar. Wissend nickte ihr der Mann zu.
"Das habe ich mir bereits gedacht, aber einen Versuch war es Wert. Nun denn,ich warte auf eine
Lieferung, würdet Ihr mit die Ehre erweisen und mir Gesellschaft leisten, anschließend könnte ich
Euch zu einem Quartier bringen, denn wie ich sehe seid Ihr neu hier und ich habe eine Kutsche,so
müsst Ihr nicht laufen. "
Mit dem selben Erstaunen sah sie ihm weiter hin in diese vertrauenswürdigen , unnatürlich grünen
Augen.
"Gerne!",Spott und Abweisung klangen in ihrer Stimme mit. "Ich werde es Euch trotz der
Nettigkeiten nicht verkaufen!", stellte sie klar. Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und
lächelte einfach weiter. "Das erwarte ich auch nicht", doch kaum, dass er gesprochen hatte, kam
auch bereits ein Bote angelaufen, er hielt ein verschnürtes Päckchen in Händen.
"Sire, ich soll Euch das hier bringen!", keuchte der Jung völlig außer Atem.
Der Mann nahm das in Stoff gewickelte Ding und packte es schnell und geschickt aus. Als er den
Stoff darum aufklappte, kam ein uraltes Buch mit seltsam gewundenen Zeichen zum Vorschein. In
der Zwischenzeit hatte er sie los gelassen um sich über das Buch zu beugen, doch Alyssa schloss
direkt auf und spähte über seine Schulter, denn in seinen Händen hielt der Mann eine uralte,
vergilbte minoische Schrift, ein Seufzen entwand sich ihr. Sie kannte es noch von den Anfängen
ihrer Ausbildung her. Und es brachte alle Erinnerungen zurück. Mit neugierig funkelnden Augen
wisperte sie :
" Wo habt Ihr das her? Auf der ganzen Welt gibt es nur etwa ein Dutzend davon ?"
"Ihr wisst, was das hier ist? Könnt Ihr es lesen?"
Alyssa nickte kurz "Die minoische Eschatologie" .
Der Mann verstaute das Buch in einer der geräumigen Taschen seines Mantels und holte ein großes
Bündel Scheine hervor, dass er dem Jungen gab und steckte ihm noch einen Schein zur Belohnung .
"Bring das zu deinem Herren und richte ihm meinen Dank aus!"
Nun wand er sich endlich auch Alyssa zu: " Entschuldigt, das war sehr unhöflich vor mir mich Euch
noch nicht einmal vor zu stellen. Gestattet, ich bin James of Gaunt. "
Dieser Name war ihr nicht unbekannt, doch verband sie mit ihm eher einen König, der seit über 500
Jahren tot war, von unsterblichen Nachfolgern hatte sie nichts gehört.
"Alyssa Worron ."
"Ihr beherrscht diese Sprach wirklich?"
Selbstbewusst hielt sie ihm die offene Handfläche hin.
33

"Geb es mir und ich werde es Euch beweisen!", forderte sie ihn auf, wohl wissend, dass er ein
derart wertvolles Buch nicht aus der Hand geben würde.
"Dies hier scheint mir wohl der falsche Ort zu sein. Wenn Ihr genug Vertrauen in mich habt, dann
schlage ich vor, Ihr kommt mit zu mir und wir reden in Ruhe über alles.
"Wie Ihr wünscht", spöttelte sie, in dem Wissen dass sie ihm in jeder Lage überlegen war. Und sie
genoss es. Sie hatte es schließlich nicht verlernt Spiele zu spielen.
Ohne viele Widerworte war sie in seine Kutsche, die nur einige Meter entfernt stand, gestiegen und
mit ihm zu sich nach Hause gefahren.Sie kannte hier niemanden und er bot ihr eine
Unterkunft,Verpflegung und Arbeit an,dieses Angebot konnte sie nicht ausschlagen. Eine Hand
wäscht die andere. Während sie also aus den Fensterchen nach draußen blickte auf ihrem Weg,sog
sie alle neuen Eindrücke in sich auf, ohne James' neugieriges und fasziniertes Lächeln aus den
Augen zu verlieren.
Noch erinnerte New York nicht an die Großstadt, wie die Menschen sie später kennen würden. Viel
mehr war es ein riesiges, dreckiges Dorf, das dem industriellen Aufschwung unterworfen war. Doch
nicht überall sah es so aus. Am Rande der aufblühenden Stadt kam die Kutsche vor einem
schlichten aber eleganten Haus zum Stillstand. Gentlemanlike stieg James aus, öffnete ihr die Tür
und hielt Alyssa seinen Arm hin um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein. In dieser Zeit hatte es
eine gut aussehende Frau nicht grade schwer. Also ließ sie sich von ihm zum Anwesen geleiten. In
den vorderen Räumen erkannte sie ein Antiquariat und dahinter lag ein Wohnkomplex, das von
innen größer war als erwartet mit Arkaden und dunklen klassizistischen Möbeln und Bildern. Der
Mann hatte Geschmack und war wie es schien wirklich Sammler aller Dinge, die schön und
wertvoll waren...
"Würdet Ihr mir die Ehre erweise, heute Abend mit mir zu speisen?", lächelte er sie an und seine
Augen zwangen sie zu einem " Ja ", als sie forsch über ihre Linie glitten. Ein Dienstmädchen hatte
sie zu einem Gemach geleitet und ihr ein reich besticktes, blaues Kleid gebracht.
Noch keine halbe Stunde später saß sie mit dem Adligen erfrischt und in teure Stoffe gehüllt, die
ihre Kurven betonten anstatt sie zu verbergen ,an einem Abendmahl. Und auch jetzt war der Fremde
der Charme in Person. Kein falsches Wort, kein falscher Blick. Zuvorkommend. Elegant.
"Ihr scheint mir anders zu sein, als die meisten Frauen", schmeichelte er - nein, es war viel eher eine
Anspielung auf das, was sie war und darauf, dass sie durchschaut hatte. Dennoch war er Gentleman
genug es nicht offen auszusprechen, sie bloß zu stellen oder gar auszunutzen.
"Lasst diese Anspielungen und sagt es frei heraus. Ich werde ehrlich zu Euch sein, wenn Ihr es auch
zu mir seid!" , forderte sie grade heraus, wahrscheinlich eines der wenigen Male in ihrem ganzen
Leben. Wieder lag eine anzügliche Herausforderung sowohl in ihrer Stimme als auch in ihrem
flammenden Blick."Ihr seid kein Mensch", stellte er gelassen fest, seine Augen auf ihr.
"In der Tat!"; sie lachte amüsiert und kokett auf.
"Ich habe bereits von solchen Wesen wie Euch gelesen.Wie alt seid Ihr 2000? 3000?"
"Ihr verletzt mich, sehe ich denn so alt aus!", verspottete sie ihn weiter hin, doch der Mann bleib
gelassen.
"Ich muss wohl nicht erwähnen, das Euer Äußeres begehrenswert ist, das wisst Ihr genauso gut wie
ich", nun war es an ihm ein verschmitztes,schurkisches Lächeln zu erwidern.
"Aber Ihr seid mehr, als Ihr vorgebt zu sein. Eure Geheimnisse sind mir gleich, allerdings bin ich an
Euren Können interessiert."
"Nur an meinem Wissen und Können?" , empörte sie sich und schürzte die Lippen zu einem
zuckersüßen Schmollmund, während ihre Finger langsam an ihrem Hals herab glitten, zu dem
Amulett, das still zwischen zwei runden Hügeln in ihrem Dekoltee lag. Sanft streichelte sie darüber.
Ihr machte dieses Spiel sehr große Freude und sie hoffte ihn endlich aus ihrer Reserve locken zu
können.
Er jedoch ließ sich nicht darauf ein, stattdessen rügte er die schöne Frau mit ernstem Tonfall,
während sie ihn lieblichen anlächelte und den Kopf leicht zu Seite geneigt.
" Könntet Ihr bitte einmal ernst sein! Ich möchte, dass Ihr dieses Werk hier für mich übersetzt,
wenn Ihr in der Lage seid. Allerdings möchte ich um Eure Verschwiegenheit bitten. Also werdet Ihr
es tun? Natürlich gegen Bezahlung", fügte er an.
Ohne lange zu überlegen sah sie in seine Augen, sah in sein Gesicht, dass sie irgendwie an Ethan
34

erinnerte und stimme zu. Es waren seine Augen gewesen, die sie dazu drängten zu zustimmen.
Obgleich James und Ethan wohl nichts, bis auf die britische Abstammung, gemein hatten.
James of Gaunt
Nackt und nur von einem Bettlaken bedeckt erwachte Alyssa mitten in der Nacht, neben ihr lag ein
Mann, ebenfalls unbekleidet. Hoppla, wie war denn das passiert? Und dann erinnerte sie sich: der
süße Wein war ihr zu Kopf gestiegen, die Kerzen hatten verheißungsvoll in der Dunkelheit
geflackert und waren schließlich erloschen, seine schmeichelnde Stimme ganz dicht an ihrem Ohr,
ein Schnurren in der Dunkelheit, sein Atem warm in ihrem Nacken, seine bannenden Augen, die
selbst in der Dunkelheit der Nacht glitzerten, eine ungewöhnliche Vertrautheit und Offenheit, die
sich im Verlauf des Abends zwischen ihnen entwickelt hatte, ihr leicht zu entledigendes Kleid...
eins kam zum anderen. Na ja, was soll's, diese Nacht würde sie bestimmt nicht bereuen, erinnerte
sie sich mit einem leisen, zufriedenen Lächeln. Die Vampirin lauschte seiner gleichmäßigen
Atmung, seinem Herzschlag, der schneller war, als der eines Menschen und stellte fest, dass er
schlief. Sie streckte sich wie eine Katze und betrachtete ihn kurz. Seine Haut spannte sich über eine
schön definierte Brust bei jedem Atemzug und sein Gesicht wirkte trotz der markanten
Gesichtszüge irgendwie sanft, wenn er schlief. Außerdem liebte sie sein Haar, es erinnerte sie an
Ethan, er hatte es früher genauso getragen. Es hatte sogar die gleiche Farbe. Sie beugte sich vor um
kurz daran zu riechen - nein, er roch sicherlich nicht nur wie ein Mensch und ganz anders als Ethan.
Selbst nach all den Jahren konnte sie sich an jede verdammte Einzelheit erinnern. Ihre Lippen
streiften mit einer unerfüllten Sehnsucht über seine Wange und seine weichen Lippen, doch bevor
er erwachte, entzog sie sich ihm und entwand sich der Bettlaken. Beim Aufstehen streifte sie ihr
seidenes Untergewand über den nackten Körper und schlich sich auf leisen Katzensohlen hinaus.
Kaum dass Alyssa das Zimmer verlassen hatte, erwachte ihre Neugierde und sie entschied das Haus
im Dunkeln auszukundschaften, denn sie konnte dennoch alles klar sehen - dank des Vampires in
ihrem Inneren. Es war ein verwirrender Abend gewesen, sie hatte fast die ununterbrochen
gesprochen, hatte ihm erzählt was sie war, wer sie war, woher sie kam. Im Übrigen hatten sich der
ganzen Abend fast ausschließlich um sie gedreht, weil James meinte, er wolle sie kennen lernen. Es
war kein Wunder, dass sie seinem Charme erlegen war, sein ganzes Wesen war so zurückhaltend
und genau das machte ihn unwiderstehlich.
Während sie so durch die dunklen Flure streifte, erweckte eine unscheinbare Tür ihre
Aufmerksamkeit, sie war klein, versteckt, doch es lag ein Zauber darauf, ein mächtiger, natürlich
steigerte dies ihre Neugierde nur noch weiter und ohne Zögern materialisierte sich hinein. Die
ersten paar Male wurde sie von der Wucht des Zauber zurückgeschleudert wie von einer Wand,
aber nach mehreren Anläufen gelang es ihr mit Hilfe ihrer Phönixkräfte, den Zauber so weit zu
schwächen, dass der Bann brach und es nun ein Leichtes war in den Raum dahinter zu gelangen.
Das Bild, das sich ihr bot , war unfassbar. Aber die Atmosphäre verschlug ihr den Atem, die Luft
war wie aufgeladen mit sirrender Energie, die von den Gegenständen ausging und ließ sie
erschaudern. Genau wie diese knisternde Spannung in der feuchten Luft, bevor sich ein Gewitter in
einem tobenden Sturm entlud. Nur das hier, noch so viel mächtiger war! So viel Macht! So viel
Wissen! Das alles geballt an einem so kleinen und unscheinbaren Ort. Sie musste sich zwingen tief
Luft zu holen. Wenn jemand das hier fand, dann Gnade allein Gott und seine Himmelsschaaren
New York. Vielleicht nicht dem ganzen Kontinent, aber um diese Stadt mit samt seinen
Einwohnern auszulöschen, würde es sicherlich genügen .
James hatte eindeutig untertrieben als es sagte, er sei Sammler. Und das hier war also sein kleines,
großes Geheimnis. Da er um ihre wusste, war es nur gerecht, wenn sie auch um die seinen wusste.
Wie gebannt bewegte sie sich mit Bedacht und Vorsicht durch den Raum, denn auf jeden einzelnen
Artefakt schien ein eigener Bann zu liegen, der ihn vor Missbrauch schützte. Er musste mächtige
Zauber wirken können. Ohne etwas zu berühren ging sie an einem verglasten Regal mit alten
Büchern vorbei, einige von ihnen waren so alt, dass sie den Einband nicht mehr lesen konnte und
einige Sprachen kannte so nicht einmal. In einem Glaskasten lagen 11 Schwerter mit lateinischen
und griechischen Inschriften, daneben lagen drei Schusswaffen, super in Form, mit einigen
35

Silberkugeln daneben. Ein ganzes Regal voller Amulette verschiedenster Kulturen. Sie ging weiter
und fand ein Regal voll mit Kräutern, Fläschchen, zahlreichen Behältnissen, deren Inhalt sie nicht
einordnen konnte und daneben eine ganze Reihe mit hölzernen oder metallenen Kästchen, auf
denen Runen eingraviert waren. Fasziniert streckte sie die Finger danach aus. Als ihre Fingerspitzen
nur weniger Zentimeter davon entfernt waren, hörte sie ein bedrohliches Knurren hinter sich und
wirbelte herum. Hinter ihr stand in aggressiver, breitbeiniger Haltung mit gesenktem Kopf und hoch
gezogene Lefzen ein übergroßer, graubrauner Hund, vielleicht war es auch ein Wolf, sie konnte es
nicht genau bestimmen. Dieser knurrte in einer bässernen Tonlage. Sogleich trat sie ein Paar
Schritte von dem Regal zurück und blickte schuldbewusst in die seltsam grünen Augen des Tieres.
Binnen der nächsten Sekunde war sie von dem riesigen Tierkörper erfasst und und gegen einen der
noch leer stehenden Schränke gedonnert worden, dessen Glastür mit einem grellen Kreischen barst.
Einige der Scherben bohrten sich in ihre Haut und feine Rinnsale von Blut benetzten das seidenen
Untergewand. In einem Augenblick noch stemmte sie ihre Arme gegen die Kehle des Tieres um es
davon abzuhalten ihr den Kopf von den Schultern zu reißen, in nächsten Moment kniete ein Mann
mit bloßer Brust über ihr mit genau dem tierischen Ausdruck des rasenden Hundes." James
",hauchte sie mit vor Schreck geweiteten, ungläubigen Augen. Er hatte sie bereits vom Boden hoch
gerissen und gegen die nächste Wand gedrückt, sein Griff war wie Stahl. Fest krallte er seine Finger
in ihre Oberarme, sie so haltend, dass Alyssa sich kein Stück regen konnte, obgleich sie sich
erfolglos in seinem Griff wand. Nie hätte sie ihm eine solche Gewalt und solchen Zorn zugetraut.
Es machte ihr sogar fast Angst!
"Lass mich los, du tust mir weh!" ,bat sie mit fester Stimme. So ließ er von ihren Schultern ab und
packte stattdessen ihren Arm, auf dem der Druck seiner Finger nicht minder heftig war. James
zerrte sie zur Tür hinaus,den gesamten Weg, den sie gekommen war und schleifte die sich
windende Vampirin mit sich in sein Schlafzimmer, wo er sie unsacht aufs das große Bett warf. Sie
erschreckt vor ihm zurück bis an den äußersten Rand des Bettes, bereit los zu rennen, sie auf ihn
zustürzen und zu kämpfen. Mit nur wenigen Zügen befand sich sein athletischer Körper neben ihr,
seine Hände umfassten unwiderstehlich ihre schlanken Schultern und zerrissen anschließend ihr
Gewand am Rücken, ohne dass sie sich hatte wehren können. Noch immer sickerte das Blut aus den
Wunden und benetzte ihre bleiche Haut, aber es war nicht gravierend, stellte er fest.
"Du wirst es überleben!", raunte er übellaunig und nichts von dem Charme des Vorabends war
geblieben. Mit den Armen das Bettlaken vor sich haltend, drehte sie sich ihm zu, das Gesicht so
bleich und durchscheinend wie Wachs, die Augen so groß wie die einen scheuen Rehs, ihre
Unterlippe wölbte sich leicht; Alyssa glich im Moment einer Porzellanpuppe als einem mächtigen
Dämon, als sie sich mit kläglicher aber nicht minder lieblich süßer Stimme beschwerte:
"Du hast mich erschreckt", es war wieder nur ein Spiel für sie, während sein Blick blieb starr und
durchdringend auf sie gerichtet;
"Ich möchte nicht, dass du jemals wieder diesen Raum betrittst ohne meine Erlaubnis, ist das klar!"
Sie nickte nur brav und senkte den Blick auf das Bettlaken, unter dem nichts mehr ihren Körper
bedeckte. James konnte sie nicht lange so da sitzen sehen, sein Herz erweichte schneller als gut war
und alle Wut verflog nach nur wenigen Sekunden. So setzte er sich zu ihr und schloss sie in seine
Arm, die sachte über ihren Rücken strichen wohl wissend, dass er der Verursacher dieser Wunden
war.
"Verzeih mir, mein Herz" , entschuldigte er sich sanft mit typisch britischem Akzent und suchte den
Blick ihrer Augen. Wohlwollend schmiegte sie sich in seine Arme,den Kopf auf seine Brust
gebettet.
"Ist schon gut." Sie ließ ihr Selbst los und überließ sich ihm. Ein Spiel, indem man sich selbst
verlieren konnte. Irgendwann waren sie in der selbigen Stille in die Kissen hinab gerutscht. Selbst
nachdem sie eine Weile so dalagen hatten, konnte sie sein Herz noch immer schnell schlagen hören
und wusste, dass James noch nicht schlief. Perfekt an seine Seite geschmiegt, den Arm um seine
Taille, den Kopf auf seinem Herzen ruhend , flüsterte sie leise in die Nacht hinein :
"James, was hat es mit den Sachen dort drin auf sich?"
Alyssa hörte ihn tief Luft holen und geräuschvoll ausatmen. Beruhigend strichen ihre Finger über
seine Seite. Ob er ihr überhaupt antworten würde? Seine Stimme klang unsicher als er einen
Monolog begann.
36

"Ich war der unerwünschte zweite Sohn des Königs,der der das Reich hätte stürzen oder in zwei
Teile zerreißen können. Mein eigener Vater sah in mir eine Bedrohung. Er muss mich wirklich
abgrundtief gehasst haben. Oder sein Herz war erfüllt von Angst vor dem, was ich war und bin.
Wohl eher das Letztere. Am Tag meiner Geburt entriss er mich den Armen meiner armen Mutter
und gab mich in ein Kloster. Meine Mutter... " er seufzte gequält auf, sodass sie all den Schmerz
hinter den Worten hören konnte und ihm einen Kuss auf die Brust drückte, "...die Ärmste glaubte
seinen Lügen und war fest von meinem Tod nach der Geburt überzeugt. Er hatte natürlich alle
Hebammen und Ärzte bestochen, damit sie dicht hielten. Monate lang war sie am Boden zerstört
gewesen. Manchmal bilde ich mir ein, sie hätte mich mehr geliebt als meinen Bruder, was aber
kaum möglich sein kann, da sie mich kaum kannte. Aber irgendwie glaube ich, dass sie um die
Fähigkeiten, die sie an mich - aber nicht an meinen Bruder - weitergegeben hatte, wusste...
Jedenfalls in diesem Kloster: genoss ich eine gute Erziehung, eine christliche, obwohl ich alles
andere als gläubig war. Aber irgendwas scheint davon hängen geblieben zu sein, denn ich begann
nach einer Wahrheit hinter den Dingen zu suchen und stieß auf eine Welt, die grausamer und voller
Wunder nicht sein konnte. Ich bereiste die Welt und lernte, lernte dass es mächtige Dinge auf dieser
Welt gab, Dinge, die in den Händen der falschen Wesen mit unreiner Seele Chaos und Leid ohne
Gleichen wirken konnten. Und so begann ich zu sammeln. Anfänglich eher Kleinigkeiten, hier und
da, exotische Kräuter und uralte Amulett, doch je mehr ich lernte, je mehr ich sah, desto besser
begriff ich die Macht dahinter. Und diese Welt würde sich mit solcher Macht selbst vernichten
können. Zum Anderen habe ich einen Weg gesucht, aus dem was ich war, das Beste zu machen,
etwas Nützliches. Etwas worin ich diese Gabe, die mein eigener Vater verachtete und fürchtete,
nutzen konnte."
Alyssa hatte geschwiegen und wie gebannt gelauscht, vom eigenen Wesen ausgehend, kam ihr ein
Gedanke in den Sinn: "Hast du niemals an Rache gedacht?"
"Nein, das Wort war mir fremd, außerdem war mein Vater - als ich wieder nach langen Jahren der
Reise 1477 nach England zurück kehrte - bereits verstorben - ermordet zusammen mit meinem
Bruder durch die Hand derer, die noch machtbesessener waren als er selbst. Das war im Jahr 1471.
Und meine Mutter hatte erneut geheiratet und war irgendwann einfach aus England verschwunden.
Ich wollte sie sehen, sie so viele Dinge fragen, aber von ihr war keine Spur geblieben.
Somit gab es nichts mehr, was mich noch in England hielt und ich fuhr mit dem ersten Siedlern
1495 nach Amerika. Ein neuer Anfang, obgleich England doch noch immer mein Zuhause blieb."
Sie rückte noch ein Stück näher an ihn, ihre Finger wanderten von der Seite hinauf zu seinem
Gesicht und strichen über seine Wange. Es war irgendwie tröstlich, sie bei sich zu haben.
"Und nun glaubst du den besten Weg gefunden zu haben?"
"Vielleicht ist er nicht der beste, aber ich habe dadurch akzeptieren gelernt, was ich bin und das
mich keine Schuld trifft am Schicksal meiner Mutter und erst recht nicht an dem meines Vaters. Ich
war es nicht, der Unglück über diese Familie gebracht hatte, obgleich man es mir hatte einreden
wollen." James war die Ruhe in Person.
"Ich bereue nichts, denn so fand ich zu meinem eigenen Selbst."
"Warum hasst du die Magie so sehr? Dein Dasein?"
Alyssa hörte wie er den Kopf wandte und sie durch die Finsternis hindurch ansah, hörte die Wärme
und Zuneigung in seiner Stimme und fühlte wie seine Finger ihr das weiche Haar aus dem Gesicht
strichen uns mit einigen Strähnen zu spielen begannen. Die Farbe gefiel ihm sehr
"Darling, ich hasse sie ebenso wenig, wie ich mein Dasein hasse. Ich will nur nicht, dass sie in die
falschen Hände gerät oder jemand dadurch zu Schaden kommt. Magie ist eine starke Waffe und
sollte nicht entweiht werden durch unüberlegten Missbrauch!",seine Aussage klang wie ein Gesetz.
Und was war dann mir ihr? Die Magie, das Feuer war ein Teil von ihr und wie konnte sie sich selbst
verleugnen, jetzt wo sich auf dem Weg war, die zersplitterten Einzelteile ihre einstigen Selbst
wieder zusammen zu setzten.
Alyssa atmete auf und hoffte, dass er wegen ihr keine Schuldgefühle haben würde. Die Nähe zu
diesem sonderbaren Mann war so vertraut, sie fühlte sich geborgen und verstanden und verstand
auch seine Standpunkte, wenn sie diese auch nicht teilte. Die Harmonie und Ruhe, die seine Nähe
bei ihr bewirkten, die Ausgeglichenheit ,die er ausstrahlte, ergriffen Besitz von ihr und sie glitt
irgendwann in einen leichten, süßen Traum.
37

Ein verhängnisvolles Artefakt
Regen wütete durch die Straßen von New York. Die schöne,blasse Vampirin war erfüllt von Raserei
und Kampfes Lust, die ihren Körper vorantrieb, sie dazu veranlasste sich schneller zu bewegen und
das Herz in ihrer Brust zum Rasen brachte. Sie wirbelte wie im Tanze umher, der eher einer
Koreographie als einem Gewaltakt ähnelte, um 3 ihrer Gegner in Asche und Rauch zu verwandeln
um dann fest zu stellen, dass die letzten ihr tödlich nahe gekommen waren. Wilde Panik ergriff
sie ,als sie - noch bevor es überhaupt geschah - wusste was passieren würde. Alyssa konnte nicht
mehr ausweichen und ihr Gegner bewegte sich mit einer übermenschlichen Geschwindigkeit, die
der ihren gleich kam. Er stützte auf sie los und rammte ihr mit rasender Wut den Dolch unterhalb
der Brust in den Leib, verfehlte jedoch ihr Herz. Die Wucht der Hiebes aber presste die gesamte
Luft aus ihren Lungen, während die Klinge tief in ihrem Körper versank. Der Schmerz betäubte alle
ihre Sinne, Angst brannte in ihrem Gedanken, sie war wehrlos. Würde sie sich rematerialisieren
wollen, so würde sie bei dem wütenden Wassermassen, die vom Himmel auf sie herab gossen,
sterben. Jedoch war sie bereit, ihr Leben war lange genug gewesen und irgendwann kam die Zeit zu
gehen. Vielleicht würde sie ja die, die sie so sehr geliebt hatte, im Schleier der Welten wieder
treffen. Vielleicht würden sie auf sie warten, tröstete sie ihr törichter, naiver Verstand, denn das
machte es nicht so schwer zu gehen. Also fasste sie sich zusammen und zog den Dolch mit einem
Schmerzensschrei aus ihrem Körper.Tränen - oder vielleicht war es auch der Regen - verschleierten
alles um sie herum. Alyssa fühlte wie warmes Blut in einem unaufhaltsamen Strom auf die Straße
quoll und wartete auf den erlösenden Schlag. In der Zwischenzeit entschwanden die Schritte der
flüchtenden Vampire in der Ferne - zusammen mit dem Artefakt, dass sie hatte beschaffen wollen.
Versagt. Ihr Körper lag auf der nassen Straße, Regen rann darüber, griff mit kalten Fingern nach ihr,
die Dunkelheit bedeckte sie mit eisernem Vorhang. Ihre Lider wurden schwer und sie ließ sich
fallen in der Hoffnung bei der Materialisierung zu sterben... Nichts war so ein sicheres
Todeswerkzeug für einen Phönix, wie sie es war, als fallendes Wasser. Wasser, das das Feuer und
mit ihm ihr Leben löschte. Schmerzen schnürten ihr die Lunge zu, ihr ganzer Körper stand in
Flammen – metaphorisch. Alyssa konnte noch nicht einmal ihre Augen öffnen, so schwach war sie.
Von ganz fern, hinter einem dichten Nebel, realisierte sie, die Arme eines Menschen,die sie trugen.
Seine schweren Schritte halten durch einen Gebäudeflur, dann fiel eine Tür mit einem lauten
Klicken auf, Zimmerbeleuchtung wurde eingeschaltet und schimmerte orange durch ihre Lider
hindurch, sie wurde auf einer weichen Wolldecke abgelegt, vielleicht auf einer Couch oder einem
Bett. Warme Hände umfassten ihr Gesicht - selbst diese kleine Bewegung schien schmerzvoll auf
ihrer gereizten, brennenden Haut und eine dunkle, wohl klingende Männerstimme, die sie kannte,
sprach mit ihr.
"Alyssa mach die Augen auf!" Die Vampirin wurde recht unsanft geschüttelt, was den stechenden
Schmerz nur noch verschlimmerte und sie gepeinigt aufstöhnte ließ .
"Hey, Alyssa, wach auf, komm zu dir!", verlangte die Stimme mit einer Mischung aus Wut und
Verzweiflung. Sie kannte diese Stimme...
Erneut nahm sie warmes Blut, das aus ihrer Stichwunde floss und ihr Korsett durchnässte, wahr.
Mit einem heftigen Ruck setzt man sie auf und lehnte sie gegen etwas Weiches. Mühevoll öffnete
sie ihre Augen, die sie am liebsten für immer geschlossen hätte. Obwohl das Licht leicht gedämmt
war, kam es ihr viel zu grell und die Stimme des Mannes viel zu laut. Sie wollte nur einschlafen,
doch das Licht und seine Stimme bohrten sich in ihre Gedanken und hielten sie im Leben gefangen.
Die Couch neben ihr sank ein, als sich jemand hinsetzte, starke Arme schoben sich unter ihren
willenlosen Körper und drängten sie an einen anderen,der wärmer war, als der ihre. Alyssa konnte
deutlich einen Herzschlag, pulsierendes Blut und Hitze spüren, dazu musste sie ihre Augen nicht
erst öffnen: jemand hatte sie an sich gezogen und ihren Kopf an seinem Hals platziert. Sie kannte
den verwirrenden Geruch seines Körpers. Sie kannte das Gefühl seiner Arme um sich.
"Trink!", befahl ihr die Stimme ungeduldiger. Aber sie wollte nicht, warum konnte er sie denn nicht
einfach sterben lassen, warum hatte er sie nicht liegen gelassen? Sie blinzelte irritiert gegen das
helle Licht und schob sich dann mit erwachendem, wütendem Widerwillen und belebten Kräften
von dem Mann fort. Doch sie war nicht stark genug um gegen den verstärkten Druck seiner Arme
anzukämpfen, als er sie zum zweiten mal an seinen Hals schob. War es denn so schwer zu
38

verstehen; sie wollte doch nur ,dass er sie gehen ließ. Aber er hatte wohl die eiserne Entscheidung
gefasst sie retten zu wollen.
"Trink, dann wird es dir gleich wieder besser gehen!" , fuhr er sie an und seine Hände schüttelten
sie. Ein klägliches Nein wurde gehaucht, als sie so nah an seinem Hals unumgänglich die Luft
einsog, wobei sich ihre Lungen mit schrecklichem, stechendem Schmerz unter den nassen, halb
zerfetzten Korsett dehnten und die Welt um sie herum sich drehen ließ. Lange konnte sie gegen den
Instinkt der Selbsterhaltung nicht ankämpfen. Um sich etwas Bezug zur Realität zu bewahren,
schob sie ihre kalten Hände unter sein Hemd, die Haut darunter brannte, so heiß war sie. Die
Dämonin ließ ihre Hände über den flachen Bauch, seine glatte Haut, zu den Seiten wandern, bis sie
leicht um seinen Rücken lagen. Er half ihr das Gewicht zu verlagern, so dass sie es nun auf ihn
lastete anstatt auf der Couch. Selbst wenn sie gewollt hätte, wäre ihr Wille zu schwach gewesen
ihren Instinkt zu unterdrücken. Er roch einfach wundervoll und war so warm, sie drückte sich
verzweifelt an ihn um etwas von der glühenden Wärme ab zu bekommen, denn durch die Kälte und
den Regen, den hinzukommenden Blutverlust war er erkaltet und gefühllos. Alyssa konnte sich
seine Muskeln unter ihren Fingern anspannen fühlen, als er sie fest hielt. Dann konnte sich nicht
länger zusammen reißen und entblößte mit einem leisen, rhythmischen Fauchen, das eher einem
Schnurren glich, ihre Fänge, wohl wissend, dass es ihm nur im ersten Augenblick weh tun
würde,wenn sie seine Haut durchdrang, danach wären da nur ihre kühlen Lippen und ihre Zunge,
die über seinen Hals strichen, wie in einem leidenschaftlichen Kuss. So beugte sie sich an seinen
Hals und versenkte sie ihre Fänge in ihm. Ein kurzer, scheinbar erschreckter Ruck fuhr durch seinen
Körper, dann war da nur Blut, warm und süß auf ihrer Zunge. Mit seinem Blut ließ der Schmerz
nach und ihre Kräfte kehrten zu ihr zumindest teilweise zurück, sie konnte regelrecht fühlen wie die
Wunde sich schloss und die Blutung stoppte. In einem Delirium aus Gier, Schmerz und Verlangen
schwang die Vampirin ein Bein über seine Hüften und zog sich hinauf, so dass sie auf seinen
Schenkeln saß und ihren Körper noch näher an ihn drücken konnte. Eine überwältigende Sehnsucht
erfasste ihre erwachenden Sinne und sie grub ihre Nägel unkontrolliert in seinen Rücken. Das
Leben holte sie mit voller Wucht zurück ,ihr Körper rebellierte. Die pure Verzweiflung und
unerwartete Lebenssehnsucht trieben ihr Tränen in die Augen, so sehr begehrte sie ihn in diesem
Augenblick. Ein kehliges, heiseres Grollen entwand sich ihren Lippen und sie wartete nur auf den
Augenblick, wenn er sie von sich stoßen würde, denn nach ein paar Minuten hatte sie ihre Fänge
zurück gezogen, doch ihre Lippen hatten sich nicht von seinem Hals gelöst, viel eher war sie dazu
übergegangen ihn ausgiebig zu küssen. Aber die Hände schoben sie nicht zurück, sondern legten
sich stattdessen um ihren Nacken - warm und fest. Seine Stimme war rau und leise,als er ihr Gesicht
wieder gegen seinen Hals presste.
"Alyssa, ich weiß doch,dass du mehr Blut brauchst, also nimm es!" Sie schüttelte erneut den Kopf.
Natürlich brauchte sie noch Blut, natürlich hatte sie noch Durst und war schwach. Aber sie wollte es
nicht. Sie schob sich von ihm weg und landete schließlich auf der Couch neben ihm, wo sie träge
sitzen blieb und sich an ihn lehnte. Für den Augenblick würde sie sich damit zufrieden geben, auch
wenn sie mehr wollte, viel mehr. Die Müdigkeit übermannte sie. Aber James wollte nicht locker
lassen, er stand auf und verließ den Raum, um nur wenige Minuten später mit einem seiner Hemden
zurück zu kommen, währenddessen war Alyssa auf seiner Couch in einen Halbschlaf dahin
geglitten. Seine Hände wanderten über ihr zerfetztes Oberteil und lösten die Schnüren, die es im
Rücken zusammen hielten. Als sich herausstellte, dass die Wunden zwar grauenvoll waren, die
Vampirin aber keinen Schaden davon getragen hatte, der nicht mit Blut und Schlaf zu beheben war,
zog er ihr das Satinhemd über. Im Glauben sie sein eingeschlafen legte er sie nieder. In dem
Augenblick, als James eine Decke über sie legen wollte und sich über sie beugte, schlang sie
plötzlich die Arme um ihn und zog ihn mit einem wohligen Schnurren an sich. Sie würde ihn auch
nicht so schnell loslassen, das wusste er. Ihm blieb keine andere Wahl, also legte er es gar nicht
darauf an eine andere Wahl zu haben - als sich zu ihr zu legen. Ohne Umschweife platzierte sie
ihren Körper dicht an seine Seite gedrängt, was James sehr erstaunte, denn die Konturen ihres
schlanken Körpers passten perfekt an seine Seite - als wäre sie für ihn geschaffen. Bewegungslos
lauschte er ihren gleichmäßigen Atemzügen, seine Finger strichen durch ihr Haar, spielten damit,
zwirbelten einzelne Strähnen um seinen Zeigefinger, wie sie selbst es oft tat und hauchten ab und an
leichte Küsse auf ihr blasses Gesicht. Selbst durch den leichten Stoff spürte er die weichen
39

Rundungen ihres Körpers an sich. Irgendwann - eng mit ihm verschlungen, ihre Finger in seinem
weichen,lockigen Haar - war sie eingeschlafen...
Abreise
Alyssa saß an einem schweren Schreibtisch, einen Federhalter in der Hand, den sie alle Paar
Minuten in ein gläsernes Gefäß voll mit schwarzer Tinte tauchte. Um sie herum lagen beschriebene,
wieder durchgestrichenen und zerknüllte oder zerrissene Blätter. Chaos herrschte um sie herum,
überall flogen Papierfetzen herum, die sie in ihrer Wut und Enttäuschung fabriziert hatte. Eine
Kerze stand vor ihr und brannte grade ab. Müde aufseufzend hob sie die Finger an die Schläfen und
massierte sie, so als habe sie Kopfweh, was auch der Realität entsprach. Sie saß nun schon seit über
einem Monat an diesem Schriftstück. Anfangs war sie gut voran gekommen, aber mittlerweile hatte
sie vollkommen den Faden verloren und entschlüsselte nur mühsam und sehr langsam einzelne
Teile des Textes.Neben ihr auf dem Tisch lag zu einem Bündel zusammengerollt ein grauer Kater,
dessen Fell fast braun-blau schimmerte und dessen Augen zwar geschlossen waren, aber Alyssa
wusste, dass sie unter den Lidern leuchtend grün waren. Er schnurrte entspannend leise vor sich hin
und begnügte sich damit, ab und an eines seiner listigen Augen zu öffnen und sie zu beobachten,
wobei er träge mit dem Schwanz gegen die Tischplatte peitschte.
"Ich komme nicht weiter", nörgelte Alyssa total entnervt und wütend und blickte die Katze
hilfesuchend an. Ob Katzen Altminoisch verstanden ?
Der große Kater sprang auf seine Samtpfoten, schlich über die Tischplatte auf sie zu und maunzte
Alyssa wehleidig an, woraufhin sie ihre Hand nach ihm ausstreckte um ihm zu streicheln, was er
sich auch gerne gefallen ließ und noch lauter schnurrte. Mit der anderen Hand strich sie zornig das
eben Geschriebene durch. Der Kater zog dabei sein Schnäuzchen nach oben, so als lachte er über
sie, dann stolzierte er quer über den Tisch und sprang gelassen hinab, strich einmal um ihr Knöchel
und verschwand im Hintergrund. Kurz darauf hörte Alyssa ein Rascheln in ihrem Rücken, dann
eine Bewegung, die nicht mehr als ein Hauch auf ihrem Haar war. James stand hinter ihr, beugte
sich über ihre Schulter - den Arme auf die Lehne ihres Stuhls gestützt - hinab und küsste sie aufs
Haar. Natürlich ließ er sich einen Blick auf ihre Aufzeichnungen nicht entgehen. Alyssa, die nun
seine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte, deutete mit dem Finger auf eine Passage in für ihn
unbekannten Buchstaben hin ;
"Hier, ich kenne dieses Wort nicht, daher macht auch der Rest wenig Sinn für mich. Ich versteh's
nicht!"James grinste sie nur mit einem verführerischen Lächeln an:
"Wie wäre es, wenn du eine Pause machst und mit mir nach oben kommst?" Sie wusste, dass sie
keinen Augenblick bereuen und das er ihr große Wonne bereiten könnte, aber im Augenblick
kreisen ihre Gedanken um zwei Themen: wie sollte sie diese Schrift lösen und wie konnte sie James
sagen, dass sie demnächst gehen würde. Sie holte tief Luft und schluckte schwer, sofort sah er ihr
an, dass etwas nicht stimme,auf irgendeinen unerklärliche Weise verstand er sie durch und durch.
"Darling, was brennt dir auf der Seele? Es liegt doch nicht nur an dieser Schrift." Seine Augen
blickten bis ins Innerste ihrer Seele und wusste, dass es keine gute Möglichkeiten geben würde es
ihn schonend beizubringen, jetzt war der Augenblick. Sie suchte seine Augen und streife dabei die
Bisswunden an seinem Hals, die ihre Fänge während der letzten Nacht darin hinterlassen hatten. Sie
sahen wund und geschwollen aus, Ihr Gesicht brannte, wenn sie an sein Körper erinnerte, wie er
gegen das Bett gelehnt saß und sie sich auf ihn herab gesenkt hatte. In einem Moment des
Kontrollverlustes hatte sie ihre Fangzähne in ihm vergraben und von seinem Blut getrunken...
Widerwillig schüttelte sie die Erinnerungen daran ab und kehrte zu dem Punkt, der sie beschäftigte
zurück. Ab Besten war es, es laut auszusprechen.
"Ich werde gehen, sobald ich dies hier fertig hab."
In seinem Blick lag kein Funke Erstaunen oder Überraschung, nur stilles Verständnis, so als hätte er
gewusst das sie gehen würde. Ja, er hatte geahnt,dass sie an einem Tag verschwunden sein würde,
denn es lag nicht in ihrem Wesen sich lange zu binden geschweige denn an einem Ort zu bleiben.
Dieser Jemand, der diese Frau zu halten vermochte, musste wohl erst geboren werden, schoss es
ihm mit einem Lächeln - voller Zuneigung - durch den Kopf. Er hatte keine Wahl um ihrer beider
40

Glück, als sie ziehen zu lassen."Wohin wirst du gehen?"
Bedrückt und schuldig blickte sie auf den Federhalter unter ihren Fingern.
"Ich weiß noch nicht genau, aber ich nehme an nach Dallas. Dort regnet es nicht so" , suchte sie
nach einer Ausflucht. Erneut nickte er nur still, dann kniete er sich zu ihr, so dass er etwas unter ihr
war, drehte ihr Gesicht zu sich und sah sie mit diesen warmen Augen an, die einem mit sanfter
Gewalt den eigenen Willen aufzwingen konnte, sie konnte nicht umhin, lauschte seinen Worten und
versenkte sie ihrem Herzen. Oder versuchte es jedenfalls zumindest.
"Es ist nicht einfach...", begann er mit einer engelsgleichen Stimme; "...aber du musst lernen, dass
nichts daran falsch ist, Gefühle zu zeigen, sie halten uns am Leben. Das funktioniert aber nur, wenn
du es auch zulässt. Du solltest so leben, als wären es deine letzten Stunden, vergiss die
Unsterblichkeit, erst dann wirst du die Dinge erkennen, die du bereuen würdest, sie nicht getan zu
haben. Leidenschaft lauert in uns allen. Sie schläft. Und plötzlich bricht sie aus, unerwartet und
ungewollt. Sie öffnet ihr Maul und heult und giert. Sie spricht zu uns. Leitet uns und beherrscht uns
alle. Leidenschaft lässt sich nur ungern verdrängen,sie bringt Mauern zum Einstürzen, nimmt einem
dem Boden unter den Füßen und kann dein Leben verändern. Sie hält uns alle am Leben.
Leidenschaft beschert uns die stärksten Empfindungen: die Wonnen der Liebe, das Feuer des
Hasses-selbst wenn wir im Spiel verbrennen ist es Teil des Spaßes, und den tiefen Schmerz der
Trauer. Manchmal ist der Schmerz größer, als wir ihn ertragen können. Aber könnten wir ohne
Leidenschaft leben,fänden wir dann vielleicht etwas Frieden? Doch in unserem Inneren wären wir
leer. Dunkel und verfallen. Ohne Leidenschaft wären wir so gut wie tot! Und grade du weißt, wie es
sich anfühlt. Lass diese Leere nicht über dich siegen. Besiege du SIE ! "
Während er sprach, füllten sich ihre Augen mit Tränen, so dass er sie in den Arm nehmen musste,
was es nur noch verschlimmerte. Ihr Körper wurde von Krämpfen geschüttelt und sie weinte
bitterlich. Es war nicht seine Schuld, es war die ihre! Sie war wie der Nordwind, ruhelos und
gehetzt. Kalt und unvorhersehbar. Nicht fähig sich zu binden., immer auf der Reise. Ihn einmal zu
verlieren war besser als immer auf den Augenblick zu warten, bist er ihr genommen wurde. Einen
weiteren Verlust hätte sie nicht ertragen. Und selbst ein James of Gaunt vermochte es nicht einen
babylonischen Wüstenwind zu zähmen. Erst nach einer Viertelstunde hatte sie sich wieder
Selbstbeherrschung gezwungen. Keiner der beiden verlor danach ein Wort darüber, denn es gab
nichts zu sagen.
Nach einer Woche hatte sie die Schriften übersetzt und war gegangen ohne ein Wort, es gab auch
keine Worte des Abschiedes. Sie hatte ihre Sachen genommen, zu denen er noch heimlich ein Buch
im barocken Stil, auf das er in filigranen Buchstaben in Latein die Worte: "memento in aeternitate" ,
hinzu gefügt hatte, und war zur Tür raus verschwunden. Er hatte sie nicht halten wollen. Auf
seinem schweren Eichentisch hatte sie nur ein Stück Papier hinter lassen, weiß mit schwarzer
Schrift, darauf stand in ordentlicher Handschrift auf englisch:" Thank Thou for every single gift
Thou offerd to mine. I owe Thou everything for returning my life and pleasure "
Das war der einzige Abschied, den sie ausgesprochen hatten, denn im Grunde war es kein Abschied
und es würde nie einen geben, denn auf eine stille, überirdische Weise waren sie mit einander
verbunden, würden es immer sein. Sie würde die Erinnerung an ihn bewahren und bis zu ihrem
Tod, solange ihr Herz das Blut in den Adern antrieb. In Gedanken würde sie oft bei ihm sein !
Von der Ruhelosigkeit gehetzt zogt Alyssa auf der Suche einem Zuhause nach Dallas, wo sie auf
Grund ihres guten Aussehens bald eine Anstellung in einer örtlichen Schenke fand und sich somit
als Tänzerin den Lebensunterhalt und vor allem eine abwechslungsreiche Nahrungsquelle sicherte.
Es war zwar kein Zuhause, aber für eine gewisse Zeit ließ es sich ertragen, das sie für den Anfang
hatte, was sie brauchte, ohne sich wirklich binden zu müssen.
1925 Dallas
Ein blonder Mann von hohem Wuchs und mit breiten Schultern schlug eine verwitterte, glänzende
lackierte Holztür auf, die in das Innere einer Schenke führte. Quietschend gab die Tür nach und
Licht fiel in den dunstigen Raum hinein. Rauch und beschwingte Musik schlug ihm entgegen. Die
Lust roch nach süßem, abgestandenem Dunst - Drogen - und nach verschüttetem Alkohol. Als er
41

eintrat , sah er hier und da einige wenige Männer an runden, dunklen Holztischen sitzen. Aber was
sollte man erwarten, es war erst Mittag und hier befanden sich um diese Uhrzeit die verzweifelten
Arbeitslosen und die Säufer, die ihr Leid in Alkohol konservierten. Der Händler entsprach eher dem
Klischee eines Seemanns mit seinem blonden Haar, dem stoppeligen Kinn, seiner massigen Statur
und von dem Wetter gederbten Gesicht. Über einer seiner breiten Schultern trug er einen Sack mit
Kleidung. Seit einer Woche nun hatte er Urlaub, denn die Geschäfte liefen wegen gehäuften
Überfällen nicht mehr. Man hatte Angst um seine kostbare Ware und so zog er auf eigene Faust
umher. Zielstrebig machte er sich auf den Weg zur Bar, an der ein missgelaunter, dicklicher Mann
in einer gefleckten Schürze stand und ihn unfreundlich anblickte. Mit einem lauten, dumpfen
Aufprall ließ er den Seesack fallen und hockte sich auf einen der hohen Hocker an den
ramponierten Tresen. Der Wirt raunte ihn an:
" Was darf's sein ? "
" Nen Scotch ! " , orderte den Mann mit rauer, tiefer Stimme.
Nur kurze Zeit später brachte ihm der Wirt ein erstaunlich sauber glänzendes Glas, halb gefüllt mit
dem hochprozentigen Getränk. Als er daran nippte, fühlte er mit dem Brennen in seiner Kehle eine
Erleichterung und seufzte genüsslich auf. Erst nach mehreren dieser halb gefüllten Gläser fand er
die Gelegenheit dazu sich im Raum umzusehen. Er entdeckte eine kleine Bühne am anderen Ende
des Raumes. Ein Band aus 5 Mitgliedern stand davor, einige der Männer hielten ebenfalls
alkoholische Getränke in Händen und nur Bassist und der Gitarrist spielten noch ihre Instrumente.
Eine fröhliche, beschwingte und konfuse Melodie erfüllte den Raum, an anderen Orten hätte man
sie als obszön und vulgär bezeichnet, doch an Orten wie diesen gab es kaum Regeln. Er schaute zu
der 1m hohe Bühne. Dort tanzten drei junge Mädchen, eine schöner als die andere. Eine blauäugige
Blondine in rotem, wadenlangem Kleid, die andere: eine exotische braunäugige Schwarzhaarige in
bodenlangem, cremefarbenen Kleid und die letzte war eine helläugige, blasse Rothaarige in einem
knielangen, schwarzen, gerüschten Kleid. Alle drei lachten und scherzten mit der Band, wobei sie
sich wild im Tanze drehten, ihre Röcke hoch rafften und ihre langen Beine in verrucht schwarzen
Strümpfen, deren Bänder und Halter zusehen waren, zeigten. Der Rothaarigen entging sein Blick
nicht ,ungeniert erwiderte sie ihn; ein Versprechen lag in ihrem Blick, das Versprechen
unanständige und sittenlose Dinge mit ihm zu treiben. Er kannte solche Frauen nur zu Genüge, sie
flirteten, lächelten einem zu, lockten und waren sehr leicht zu haben. Der Händler beugte sich zum
Wirt auf die rothaarige Frau weisend :
"Ich will diese Frau!"
Der Wirt bedeutete ihm:"Ich bin nicht für sie zuständig,den Preis müsst Ihr mit ihr klären."
Darauf hin winkte er sie zu sich, obgleich sie bereits vorher das Begehr des Mannes gehört hatte,
kam sie erst auf eine Anweisung. Mit einem leichten Gang und schwingenden Röcken trat sie
selbstbewusst auf die Männer zu und blieb schweigend stehen.
"Herzchen, der Mann hier möchte mit dir reden."
Alyssa sah den Neuankömmling an, er schien stark und perfekt zu sein. Ohne Umschweife sprach
sie ihn an :"Wie kann ich Euch helfen?"
In der Zwischenzeit verdrückte sich der Wirt, denn was nun vorfallen würde,ging ihn nichts mehr
an. Wo sich seine Tänzerinnen herumtrieben war ihm gleich, solange sie pünktlich bei der Arbeit
erschienen. Alyssa hakte sich bei ihm ein - ihn mit sich ziehend, doch da erinnerte sie der Wirt mit
eher besorgter als mit unfreundlicher Stimme :
" Mädchen, vergiss nicht heute Abend wieder pünktlich hier zu sein. "
Er fragte sich immer, wie sie es schaffte den Abend und die halbe Nacht durch zu tanzen und mit
den anderen Mädels noch länger zu bleiben um sich zu amüsieren. Während die anderen
irgendwann müde zusammen sanken, wirbelte sie herum, trank und spielte mit den Männern, von
denen er sich sicher war, dass so einige bereits in ihrem Bett gelandet waren.
"Sicher doch!", rief Alyssa sich zu ihm umdrehend und lachend. Sie zog den Mann mit sich. Ihn in
ihre Wohnung mit zu nehmen würde keine gute Idee sein und zu seiner Unterkunft zu gehen, würde
zu viel Aufsehen erregen. Also zog sie ihn mit sich in eine der Seitengassen und stellte sich
abwartend vor ihn .
"Nun, worüber wolltet Ihr mit mir reden?" Sie wusste bereits, was er wollte, dazu brauchte sie noch
nicht mal seinen lüsternen Ausdruck zu betrachten. Und auch er entsprach ganz ihren
42

Vorstellungen, keine Frau,keine Kinder,neu in der Stadt, niemand würde ihn vermissen. Er
antwortete nicht, seine Augen wanderten zu ihren in ein Mieder geschnürten, blassen, runden
Brüsten. Dann packten zwei starke Hände grob die Taille der Frau und pressten sie an die Wand, so
dass alle Luft auf ihren Lungen wich. Alyssa konnte seine Lust spüren, seine Ungeduld, seine
Begierde und seine Hände, die ihren Chiffonrock hoch zerrten, seine Finger, die sich in ihre
Schenkel bohrten. Seine Atem ging schneller. Mit einer Hand hielt er ihre Gelenke im
Schraubstockgriff an die Wand über ihrem Kopf fest,die andere hielt den Rock und mit seinem Knie
dränge er ihre Beine auseinander. Die Vampirin machte keine Versuche sich zu wehren, sie stand
nur da und grinste ihn gehässig an. Seine Hand wanderte von ihrem Rock hinauf zum Mieder, das
er ergriff, doch es war zu fest geschnürt als dass er es hätte aufreißen oder herunter zerren können.
Grade als der raubeinige Händler sich nach dem Dolch in seinem ledernen Reisestiefel beugte
verlor er ihr Gesicht aus den Augen. Es hatte ihn nur 2 Sekunden gekostet um es heraus zu fischen,
doch das genügte. Seine Miene verzog sich zu einer angstvollen Fratze, denn er blickte nun nicht
mehr in das Gesicht einer schönen Frau, sondern in das Antlitz eines jagenden Tieres. Er stieß sich
rapide von ihrem Leib weg, da eine unvorstellbare Angst sein Herz ergriff,eine Furcht ,wie er sie
nie zuvor gekannt hatte. Er glaubte der leibhaftige Teufel stehe vor ihm und betete das erste Mal zu
Gott um sein Seelenheil. Alyssa genoss die Situation,sie lauschte seinem rasenden Herz, sah die
blanke Angst und spürte die Hitze, die sein großer Leib ausstrahlte. Als sie auf ihn zuging, wollte er
schreien, doch wie der Blitz hatte sich die Szene gewendet. Alyssa hatte nun ihn an die Wand
gedrängt, ihren Leib an den seinen gedrückt und mit ihrer Hand seinen Schrei erstickt.Sie stellte
sich auf die Zehenspitzen um ihre Lippen ganz nah an sein Hals zu bringen. Ihr Atem war nicht
mehr als ein süßer Hauch an seiner Kehle. Nein, sie wollte ihn nicht ! Sie wollte nur sein Blut ! Nur
selten überkam sie das Verlangen nach Sex bei der Jagd und wenn, dann suchte sie sich den Mann
aus.
"Es wird nicht weh tun" , wisperte sie an seiner Kehle, bevor sie ihre Fänge in seinem weichen
Fleisch vergrub und die Wärme des Blutes auf ihrer Zunge schmeckte. Kraft, Leben. Sie fühlte.
Und seine Pein erfüllte sie mit Euphorie. Vielleicht würde sie ihn töten, einfach so um ihrer
Freunde, ihrer Erregung wegen. Vielleicht würde sie ihn laufen lassen und dann jagen um seine
Angst auszukosten...
Bis 1995 blieb sie dort und fand sogar Freunde – ein Menschenpaar ,das um ihre Existenz weiß –
die sie innig in ihr Herz schließt. Doch ist der klagende Nordwind ein launischer Gefährte und spielt
mit seinen Kindern ganz nach Belieben. Ruft sie und schickt sie wieder fort, so dass sie dazu
bestimmt sind zu reisen, ohne jemals Frieden finden zu können. Immer auf der Suche nach
Neuem.Die Gerüchte um eine Organisation weckten schon bald ihre Neugierde...
2008 Melinda und Jared
In ihrem Appartement waren alle Wände in einem sauberen Weiß gestrichen, die Räume waren alle
groß und geräumig mit hohen Decken. Sie wirkten fast schon etwas leer, spartanisch nannte man
das wohl. Im Wohnzimmer war ein großer in die Wand integrierter Kamin um den schwarze
Ledermöbel standen und in deren Mitte ein runder Glastisch. Der Tisch in der anderen Raumhälfte
war gedeckt mit weißen Tellern und hohen schlanken Gläsern.
Ein gute Köchin war Alyssa nicht grade, also hatte sie das Lieblingsgericht ihrer Freunde beim
Asiaten bestellt und liefern lassen. Nicht oft hatte die exzentrische, überdrehte Dämonin Freunde
gehabt. Und Freunde, denen sie vertraut hatte schon gar nicht. Doch bereits an ihrem Einzug war
plötzlich eine schöne junge, spanisch oder mexikanisch aussehende Frau in ihrer Tür mit einer
Flasche Rotwein erschienen und hatte sie aufs Herzlichste willkommen geheißen.Sie war strahlend
auf Alyssa zugegangen und hatte die Dämonin in die Arme geschlossen. Ein erstaunlicher Mensch,
der Fremde wie Freunde begrüßte.
Eigentlich baute Alyssa zu Menschen nur ungern Beziehungen auf, weil sie sie immer so schnell
verließen. Und wieso sollte man sich an einen von ihnen binden, wenn er einen sowieso bald wieder
verließ. Doch mit ihrer offenen und warmen Art hatte Melinda sie in ihren Bann geschlagen,
niemand konnte um hin diese Frau zu mögen, die das freundlichste und netteste Wesen, das Alyssa
43

in ihrem bisherigen Dasein begegnet war. Umso trauriger würde dieser Abschied ausfallen.
Eigentlich wollte Alyssa sie nicht verlassen, denn sie mochte Abende wie diese, wenn Melinda und
ihr Freund Jared sie nach einem Arbeitstag besuchten, gemütlich am Tisch saßen und Anekdoten
austauschten. Unter ihnen fühlte sie sich fast wie ein Mensch, wie alle anderen. Aber das
wichtigste, sie fühlte. fühlte sich zugehörig, akzeptiert. Und es war mal zu Abwechslung ein
schönes Gefühl sich nicht verstecken und verstellen zu müssen, denn diese beiden kannten sie. Bei
einem Abend wie diesem heute hatte sie ihnen auch eröffnet was sie war, bereit sich am nächsten
Morgen auf die Suche nach einem neuen zu Hause zu machen, doch Das Paar hätte diese Nachricht
besser verkraftet, als Alyssa auch nur zu träumen gewagt hatte. Heute würde jedoch ein Abschied
kommen müssen, die Gerüchte die um eine bestimmte Organisation erstanden und die
aufkommende Unruhe unter den Dämonen machten ihr Sorgen. Alyssa kannte zwar nicht viele
persönlich, doch ab und zu kamen auch einige Dämonen in der Bar vorbei in der Alyssa arbeitete
und brachte neue Gerüchte mit.Ihr Gefühl sagte ihr, dass sich etwas anbahnte und es würde etwas
großes sein.Also war es besser zu gehen und sich selbst dort umzuschauen, anstatt zu warten bis
einmal jemand kam um nach ihr zu schauen und ihre Freunde unnötiger Gefahr auszusetzen. Daher
hatte Alyssa auch eine Reise geplant, von der sie nicht wusste, wie lange sie dauern würde. Sie
würde ihre Existenz dieses mal nicht komplett auflösen, denn vielleicht kam sie ja hier her zurück –
zu ihren Freunde.Der Abend sollte ein schön und gemütlich werden. Das Licht war gedämmt, nur
einige Kerzen auf dem Esstisch und der Kamin spendeten Licht, das den Raum in ein warmes,
sattes Licht tauchte. Die Gläser waren gefüllt mit weißem Wein und die Teller mit exotisch
riechenden Speisen. Die Stimmung war gedrückt: Jared stocherte in seinem Essen herum und
machte ein verdrießliches Gesicht, wobei Melinda Alyssa skeptisch musterte. Alyssa wusste, dass
ihre Freundin sie durchschaut hatte.Dann hielt Melinda es nicht mehr aus :
„Na schön, Süße, was hast du auf dem Herzen. Ich sehe dir an der Nasenspitze an, dass etwas nicht
stimmt! Rück schon raus ! „
Alyssa schaute in ihr Glas, nahm noch einen Schluck und kratzte ihren Mut zusammen;
„Ich werde bald abreisen.“ Zu ersten Mal blickte Jared mit braunen Augen hoch, man sah ihm sein
Erstauen an, doch er schwieg.
„Wann?“; fragte Melinda geknickt.
„Übermorgen.“
„Schön das wir das auch mal erfahren, und wann hattest du es vor uns zu sagen, wenn du schon weg
wärst! „ sie war eindeutig wütend.
„Nein!“, fauchte Alyssa etwas zu empört. „ Nein, ich wollte es euch heute sagen. Hör zu, ich
glaube, da braut sich was zusammen, etwas Großes und ich will nicht, dass ihr damit rein gezogen
werdet. Etwas Übernatürliches, das mich früher oder später einholen wird, weil ich ein Teil jener
Welt bin."
„Geht es wieder um diesen Dämonenkram?“, fragte Melinda besänftigter und grinste verschmitzt!
Unwillkürlich musste Alyssa über sie lachen;
„Ja, du hast es erfasst. Ich wollte eigentlich keine großen Aufriss daraus machen. Ich komme auf
jeden Fall wieder,allerdings weiß ich nicht wie lange ich fort sein werde, darum wollte ich euch
bitten, dass ihr auf diese Wohnung hier aufpasst.“, Alyssa war dankbar, dass diese Düsternis mit
Melindas Lachen verschwand.
„Und du dachtest, so nett wie ich bin, mache ich das!“, warf ihr Mel sarkastisch vor.
„Das hatte ich gehofft!“
„Kann ich solange deine Kawasaki haben?“,platzte Jared rein. Und die Freunde verfielen in Lachen
Das war mal wieder typisch.
„Ich bin noch nicht mal weg und der!" , empörte sich Alyssa.
Melinda würde akzeptieren, dass sie ging, aber sie sah auch die Trauer in den feuchten Augen der
Freundin verräterisch schimmern.
„Es tut mir Leid“, flüsterte Alyssa, als Melinda und Jared sie spät in der Nacht verließen und sie die
Freundin fest an sich drückte. „Ich komme wieder, versprochen. So leicht werdet ihr mich nicht
los!“ Tränen standen in ihren Augen, denn sie wusste selbst nicht wann und ob sie zurückkehren
würde, aber zumindest hatte sie es sich mal vorgenommen.
„Pass bloß auf deinen Hintern auf! Ich will ihn in einem Stück wieder bei mir wissen !“ Melinda
44

drückte ihr einen Kuss auf die Wange und trottete hinter Jared her.
Als sie auf die Straße traten drehte sie sich noch einmal um und winkte Alyssa traurig zu, Tränen
kullerten über ihre Wange.Und wie es Alyssa in diesem Augenblick Leid tat, aber seltsamerweise
hatte sie das Bedürfnis zu gehen, auch wenn sie die beiden schrecklich vermissen würde. Nur einen
Tag später raste ihr Motorrad bereits durch die nassen Straßen New Yorks auf der Suche nach dem
Unruheherd, den sie auch schon bald finden würde.
2008 New York
Erst eben waren die Reifen ihrer innig geliebten Kawasaki, die die Vampirin nur wenige Meter
entfernt auf dem nächsten Parkplatz zurück gelassen hatte, auf der nassen Straße zum Stehen
gekommen. Sie selbst war auf die Kaimauer zu gegangen und hatte sich darauf gesetzt, die Beine
nach unten baumelnd, wo es knappe 5 Meter steil abwärts ging. Sie befand sich am völlig anderen
der Ende der Stadt und hatte den gesamten Weg mit vielen lästigen Ampeln, den überflüssigen
Verkehrsregeln und den Kontrollen, die sie gekonnt hinter sich gelassen hatte, auf sich genommen
um die letzten Strahlen der untergehenden Sonne zu betrachten, deren goldener Schein sich in
ihrem rubinroten Haar spiegelte und einen erschreckenden Kontrast zu ihrer Alabasterhaut, die so
bleich wie ein Leinentuch war, bildete. Die zunehmend längeren Schatten modellierten ihre hohen
Wangenknochen, betonten die Katzenaugen und ihre kirschroten Lippen. Bewegungslos in ihrer
Schönheit saß sie einfach nur da und starrte der Sonne entgegen. Es war eine frühe Dämmerung,
dennoch nicht minder schön. Der Himmel verfärbte sich zuerst in ein volles, dunkles Gelb, das
langsam in ein blutiges Rot und in ein sattes Violett überging und schließlich in einem düsteren
Königsblau mündete. Ein lauer, salziger Wind begann von der See her zuwehen und verfing sich in
ihrem Haar, spielte darin mit einigen ihrer Strähnen und strich ihr sanft und zugleich schwer übers
Gesicht. Unter sich konnte sie die Schiffe sehen, die für diesen Abend anlegten; reges Treiben
herrschte dort unten: Frachten wurden entladen und wieder beladen. Menschen irrten herum wie
Ameisen.
Die schöne Frau seufzte. Sie beneidete diese Menschen, denn im Gegensatz zu ihr waren sie
sterblich und die meisten von ihnen schienen sich dessen bewusst zu sein und genossen die Zeit
ihres Lebens. Aber Alyssa hatte vergessen, wie das ging im Angesicht der Ewigkeit! Sie lebte schon
lange, viel zu lange um sich an alles erinnern zu können. Und was brachte einem die Ewigkeit,
wenn das Leben keinen Sinn mehr zu haben schien. Wenn man müde war...Wenn man niemanden
hatte, der bei einem lag, der einem zum Lachen brachte. Sie blicke zu den Sternen empor, die
silbern am Himmel funkelten, wunderschön.
Sie selbst war wie eben diese Stern, sie war kalt - oder vielleicht erkaltet - weit weg vom Leben, sie
schaute nur darauf hinab. Wie gerne wollte sie wieder etwas fühlen. Sie fühlte sich nur wirklich
lebendig, wenn sie im Kampf gegen irgendjemanden tobte, wenn ihr Körper nach einem anderen
verlangte, wenn Alkohol und Musik durch ihren Körper jagten. Aber sie wollte nicht auf diese
Weise spüren, sie wollte wieder leben. Es war nicht so, dass ihr alles gleichgültig war, nein, aber die
Welt schien ihr abgestumpft, sinnfrei, verwirrend. Vielleicht war es ein Fehler gewesen Melinda
und Jared zu verlassen, aber nun war sie hier und sie würde nicht eher gehen, bevor sie herausfand,
was hier vor sich ging. Sie schob das Argument vor, dass sie ihre Freunde nicht mit hinein ziehen
wollte, dass traf jedoch nur zum Teil zu, doch die anderen Gründe wollte sie sich nicht eingestehen.
Obgleich die Neugierde in ihr immer selbstzerstörend stark war, so trieb die Langeweile sie an ;ihr
Körper lechzte nach Kampf, nach Krieg, nach Leben und Tod, das ihr Blut in Wallung brachte, ihr
Herz höher schlagen und sie ihr Leben im Hinblick auf den Verlust spüren ließ. Sie verschloss
gekonnt die Augen davor, dass sie im Inneren doch ein blutsüchtiger Vampir, ein Pragmatist und
Soziopath war. Sie betete darum, dass es für sie eine Erlösung geben würde...

45

2009 Der Nabel der Welt
New York schien zum Nabel der Welt geworden zu sein: Hier liefen alle Fäden zusammen und
einmal mehr hatte sie in ihrer Intuition richtig gelegen. Ziellos war sie durch die Straßen der
Großstadt gefahren einfach ihren Instinkten folgend, die sie auf direktem Wege zur Iscariot geführt
hatten, der Organisation des Gefallenen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte paranatürliche
Phänomene vor der Menschenwelt zu bewahren und nicht wenige male die Menschen selbst zu
retten. Hier war sie auch Aeneas begegnet, dem Mann, den sie eigentlich in ihrem Leichtmut
vergessen hatte.
Sie trug die Schuld daran, dass auf ihm der Fluch der Unsterblichkeit lastete. Das Schicksal hatte ihr
die Gelegenheit gegeben ihn wieder zu treffen, doch der Assassine hatte auf jegliche Rache
verzichtet und so unerwartet, wie sie auf ihn bei der Iscariot gestoßen war, so unerwartet hatte sich
seine Spur in den New Yorker Straßen verloren, wahrscheinlich irgendwohin in eine andere
Dimension, wer wusste das schon, aber wer konnte schon sagen, ob sie sich je wiedersehen würden.
Man trifft jeden Menschen zweimal im Leben und so war es auch.
Hier war sie auch James begegnet, der wie zuvor auf seinem Anwesen wohnte mit all seinen
Artefakten und seinem Antiquariat. Sie hatte in seine grünen Augen geblickt und darin die selbe
Wärme erkannt, die selbe Zuneigung und die erkaltete Liebe. Wo einmal Liebe war, da vergeht sie
nie wieder. Auch wenn sie erkaltet war, so hatte sie seine tiefe Zuneigung zu ihr gespürt...aber was
hatte sie denn bitte erwartet, dass er ewig auf sie warten würde? Nein, sicherlich nicht, und obwohl
ein Teil von ihr ihn noch immer liebte, so wie ein Teil von ihm sie, so wollte sie ihm auch sein
Glück nicht verwehren und ließ ihn bleiben.

46

TEIL I - Iscariot
JAMES – EIN SINNLOSER KAMPF
(17. Dezember 2008)
Kaum dass James sich seinen schwarzen Kaffee bestellt und die nette Bedienung diesen freundlich
lächelnd auf seinem Tisch abgestellt hatte, waren ihm bereits zwei junge Männer aufgefallen und
ihm war von vorne herein klar, dass sie nur Ärger machen würden. Dies bewies sich bereits an ihrer
ersten Konfrontation, als der hellhaarige Mann dem Jungen mit der typischen Latino-Ausstrahlung
die Hörer des MP3s aus den Ohren zog und der Streit begann. Vorsichtig an seinem Kaffee nippend
behielt er die Streithähne im Auge und entschloss sich - eine üppige Bezahlung auf dem Tisch
hinterlassend - diesen besser in einigem Anstand zu folgen.In der nächst besten Straßenecke
verwandelte sich seine schlanke Gestalt in die einer Krähe, denn Krähen gab es in New York genug,
ein hungriger Vogel mehr oder weniger würde nicht ins Auge fallen. In der Zwischenzeit, hatte sich
die beiden in eine stinkende,düstere, dreckige Seitengasse begeben, wo sich der Vogel an einem
Gebäudevorsprung nieder ließ, von wo aus er das ganze Geschehen überblicken konnte, unter
anderem wie der Spanier, das hatte er an dessen Flüchen erkannt, den anderen Mann betäubte und
in ein verlassenes Gebäude schaffte. Mit rasender Geschwindigkeit suchte die Krähe nach einem
Weg ins Innere, denn von dort drangen üble Geräusche des Kampfes und der Zerstörung an ihr
Gehör, doch als der nachtschwarze Vogel durch ein zerbrochenes Fenster im obersten Stock hinein
gelangt war,war es zu spät, der Spanier hatte einige Kugeln aus seiner Walther P 22 auf einen
überdimensionierten Hund - nein Werwolf – abgefeuert, der nun in einem Trümmerhaufen lag, als
auch schon ein verhängnisvolles Sirren von Sirenen die Atmosphäre erfüllte und Bullen das
Gebäude betraten. Alles geschah in einer irrwitzig schnellen Abfolge von Ereignissen. Der Vogel
krächzte laut auf in seinem unterdrückten Fluch. Diese Situation würde böse enden, aber jetzt
konnte er nicht eingreifen - noch nicht, in der Hoffnung, dass die Bullen vielleicht etwas ausrichten
konnten. Aber da mussten sie auch gar nicht, denn der Spanier löste die Sache in dem er die Polizei
auf die Suche nach seinem imaginären Hund suchen ließ. Schön blöd diese Kerle, kein Wunder,
dass in New York das Chaos regierte, so unfähig wie sie waren. Mit einiger Erleichterung blieb die
Krähe auf der Lauer und beobachtete den wütenden Wortwechsel des Spaniers und des Werwolfes,
der zu seiner menschlichen Gestalt zurückgekehrt war. Es folgte ein zunächst verbaler und
anschließend ein physischer Schlagabtausch statt, jedoch gab es noch keinen Grund ein zu
schreiten. Im nächsten Augenblick jedoch standen 2 Kerle im Raum, die eindeutig nach Vampir
stanken und eine Begrüßungssalve anstimmten,die nur sehr knapp neben dem pechschwarzen Vogel
nieder genug. Mit einem ungelenken Manöver gelang es ihm sich aus dem Schussfeld zu begeben
und hinter einem morschen Balken zu verstecken, von wo er nichts sehen konnte und sich allein auf
sein Gehör verließ. Ein anderer Werwolf tauchte auf, der sich als Chris Mallow vorstellte und das
Vampirproblem beseitigte. Der Geruch von besagtem Fleisch und Blut lag in der Luft.
Als die Krähe sich nach versiegtem Kugelhagel wieder aus ihrem Schutz wagte ,wurde sie Zeuge
wie der Werwolf die Kehle des anderen Neuankömmlings mit sadistischer Genugtuung zerfetzte,
Blut spritzte durch den Raum quer und rann an den Fingern des Werwolfes hinab, die er genüsslich
ableckte. Nur Lysanders Leute waren so kaltblütig und widerwärtig. Lysander war der Anführer der
Vampire, der König konnte man fast schon sage. Er scharrte alle Vampire um sich und organisierte
die Unruhen, die immer weiter zu nahmen. Aber James war sich sicher, dass Lysander nur ein
kleiner Fisch war. Ein Vorzeichen. Ihm würde Größeres folgen.
James blickte also in das Gesicht des Spaniers, der sich im Verlauf des Geschehens als Jordi
vorgestellt hatte, Angst stand in seinen Augen ob dieser grauenvollen Tat. Da wand sich der
Werwolf auch bereits ihm zu, zerrte ihn vom Boden hoch auf den nassen Asphalt und stemmte ihn ,
die Hand unerbittlich um die Kehle des Spaniers gelegt, gegen die nasse Hauswand. Die
anfängliche Angst wich aus seinen Augen und wurde durch eine ausdruckslose Mimik ersetzt. Gut
so, dachte sich der Vogel und beschloss zu folgen, denn einen weiteren Menschen würde er nicht
sterben lassen. Er hatte lange genug zu gesehen und bereits den Werwolf sterben lassen, aber nicht
47

einen Menschen! Der Junge stand seinen Mann, furchtlos mit heiserer und erstickte Stimme warf er
ihm sein wankelmütiges Verhalten vor - sehr mutig aber auch sehr töricht.Noch im Flug
verwandelte sich der Vogel in einen Mann zurück und landete auf seinen Füßen, seine Schweren
Stiefel verursachten einen dumpfen Aufprall auf den nassen Straße. Kaum dass er sicheren Stand
hatte, war er auch schon kampfbereit, die Hände über einander gekreuzt an den Seiten seines
Mantels, die Finger sicher um seine Waffen geschlossen:in der Linken eine 9mm Halbautomatik,
Jericho 941, in der Rechten eine Beretta M 951. Noch konnte niemand die Waffen erblicken, aber
James entriegelte die Sicherung mit einem Klicken, das alles aussagte. Keine dieser Waffen würde
ihr Ziel verfehlen, denn es waren keine gewöhnlichen Waffen. Mit sehr viel Aufwand hatte er sie
mit allen möglichen Bännen und aller nur erdenklicher Magie auferlegen lassen, was ihr nun die
Fähigkeit verlieh jeden Gegner, gleich ob Mensch oder Dämon zu töten. Der Werwolf stand zwar
mit dem Rücken zu ihm, doch hätte auf alle Fälle sein Erscheinen bemerkt, den spanischen Jungen
hatte er voll im Blick.Geräuschvoll räusperte er sich um auf sich aufmerksam zu machen - was
vollkommen überflüssig war - bevor er seine Stimme mit festem, tiefen Klang in einer zwar
höflichen aber ernsten Tonlage verlauten ließ.
" Entschuldigt die Störung,aber es klang so,als könntet ihr etwas Gesellschaft brauchen."
Wütend über Jordis spitzte Bemerkung entfuhr dem Werwolf ein tiefes, bedrohliches Grollen.
James sah wie sich der Druck der Finger um die Kehle des Spaniers verstärkte und ein höhnisches
Lächeln die Züge des Anderen umspielte, was ihn vollkommen unberechenbar aussehen ließ. Das er
es war, daran wagte James nicht zu zweifeln Aber so leicht würde er ihm sein Mahl nicht
überlassen! Noch hörte der Gestaltenwandler die Entgegnung auf Jodis freche Bemerkung aus dem
Mund des Werwolfes, der angewidert und dennoch widerwillig von dem Jungen abließ. Doch das
Klicken hatte ihn aufhorchen und für einen Sekundenbruchteil ausharren lassen. Na bitte,
gewünschte Reaktion! Endlich wandte er sich in einer angriffslustigen Kampfhaltung, mit
angespannten Klauen James zu und zischte dem Jungen - unerwartet - harsch und zornig an, er solle
sich verpissen. Na, auch wenn er seine "Gesellschaft" nicht wollte, dachte James gar nicht daran es
ihm so leicht zu machen, da konnte er lange warten, denn er würde diesen Schauplatz hier nur mit
dem Jungen oder , wenn er drauf ging, gar nicht verlassen. Zumal der junge Spanier ihn verständlicherweise - hier zur Unterstützung gebrauchen konnte und wollte. Aus den Augenwinkeln
stelle der Gestaltenwandler fest, dass Jordi seinem Antagonisten einen feindseligen Blick zuwarf
und anschließend James musterte, doch im Augenblick galt seine Aufmerksamkeit dem
Werwolf.Abstand wahrend trat der Werwolf, der einem Menschen wie ihm eindeutig überlegen war
,einen Schritt zurück - für einen Angriff möglicherweise, wägte James ab. Doch sein Blick war
unverkennbar auf die beiden Schusswaffen in seinen Taschen gerichtet. Die nette Aufforderung zu
gehen , überging er einfach und begegnete zuerst seinem rasenden Gegenüber mit fast schon
übertriebener Ruhe und Gelassenheit, die sich ebenfalls in seiner Haltung - obwohl seine Hände
noch immer schussbereit um die Waffen lagen - seinen ruhigen braunen Augen und seiner
angenehmen Stimme widerspiegelten.
"Das Schicksal ist ein sprunghafter Gefährte; im ersten Augenblick wohlgesonnen, kann es dir im
nächsten die Klauen in den Rücken schlagen", sprach er mit einem Lächeln. Doch da wurde er
direkt von den Spanier mit freundlicher Stimmt angesprochen, was die Autorität des Werwolfes
erheblich sinken ließ. Es war die pure Provokation und wäre die Lage nicht so ernst gewesen, dann
hätte James gewiss gelacht, aber es war nur noch eine Frage der Zeit bis sein Gegenüber die
Beherrschung verlieren konnte, dann würde es hier sicherlich unangenehm werden.Mit
freundlicher,gelassener Stimme entgegnete er dem jungen Mann, so wie es sich gehörte und blickte
ihm flüchtig in die Augen um den anderen nicht zu unterschätzen :
"Ich habe einen Teil des Geschehenen mitbekommen, jedenfalls war es genug um erkennen zu
können, welcher Seite unser jähzorniger Freund hier angehört er deutete mit der Jericho, die er nun
aus seiner Manteltasche zog, in Richtung des Werwolfes ohne ihn dabei ins Visier zu nehmen,
stattdessen richtete er den Lauf halb geneigt zu Boden,so dass er schnell genug reagieren konnte,
wenn er angreifen sollte.
"Und genug um einschätzen zu können welchen weiteren Verlauf dies hier nehmen könnte." Mit
unverkennbarer Ironie wandte er sich an den Werwolf:
48

"Weiß du, ich bin ein sehr anhänglicher Zeitgenosse und bevorzuge es in Gesellschaft zu sein, wenn
du verstehst. Außerdem hätte ich einen Vorschlag, wie wär's, wenn du erst mal den jungen Mann da
in Ruhe lässt und ich im Gegenzug nicht die Gegend mit Hilfe meiner Spielzeugen mit deine
Eingeweide neu dekoriere ? "
Die aufschäumende Wut zog einen dunstig roten Schleier über die Augen des Werwolfes, sein
Gesicht war kaum noch menschlich; der Zorn und die Verachtung hinter der ausdruckslosen Maske
aus Konzentration ließen sich nur erahnen. Doch dem genauen Betrachter entging seine
Aufmerksamkeit, die ihn und Jordi umfing, nicht. Sein gesamtes Verhalten schien sich im
Gegensatz zu dem James' zunehmend mehr auf den Instinkt zu reduzieren, der ihn in seiner
Schnelligkeit und Stärke beiden überlegen machte. Mit geneigtem Kopf und kalter, grollender
Stimme,seinem flüchtigen Schmunzeln verspottete er sie in gespannter Angriffshaltung einen
Schritt nach vorne setzend und wies James mit einer Gegendrohung zurecht, die ihn relativ kalt ließ.
Auch Jordi reagierte nur mit einem gelangweilten Lächeln darauf. Er hätte sie längst aus dem Staub
machen können, aber er tat es nicht,was ihm Bewunderung von James' Seite einbrachte. Auf den
spöttelnden Spruch des Werwolfes, der junge Spanier solle sich bessere Gesellschaft als einen
lausigen Schützen suchen, folgte ein Konter. Doch dies ließ auf dem ebenmäßigen und ruhigen
Gesicht des Wandelwesens nur ein amüsiertes Lächeln erscheinen, hätte er gewollt, dann hätte er
längst geschossen, aber es bestand kein Anlass dazu, außerdem, würde man das im nähren Umkreis
hören und auf sie aufmerksam machen, was sehr unklug wäre. James hatte nicht vor die Waffe als
etwas anderes als ein Druckmittel zu gebrauchen. Der rote Schleier verdichtet sich um die Augen
des Mischlings und er kam mit langsamen bedächtigen Schritten auf James, wollte er so also die
Distanz zwischen beiden verringern? Wäre er direkt auf ihn losgegangen, hätte James im besten
Falle noch einen Schuss in seine Richtung feuern können, aber dieses Manöver ließ ihm genug Zeit
und er beschloss zunächst seinem Angreifen zu antworten :
"War das eine Drohung oder eher eine Vorausdeutung auf die nähere Zukunft? "
Provokativ wandte er seinen Blick Jordi zu und sah in seinem Gesicht aufkeimende Unruhe und die
Frage stehen, was wohl als nächstes geschehen würde und die konnte er ihm leicht beantworten,
denn er warf ihm die Jericho 941 zu,damit er sich verteidigen konnte, wenn er angegriffen würde.
"Du kannst hier bleiben oder gehen, aber ich vermute nicht, dass unser Freund uns so einfach gehen
lassen wird und es wäre mehr als unhöflich ihn hier so allein stehen zu lassen , nicht wahr?"
Dabei grinste er erneut seinen langsam näher kommenden Gegenüber, der sorgfältig darauf bedacht
war keine schnelle Bewegung zu tun, an und deutete Jordi mit einem Nicken, er solle größeren
Abstand zu dem Angreifer wahren. Er wusste bereits, dass der junge Mann wohl kaum gehen
würde. Während der Blick des Werwolfes ihn fixierte, erwiderte James ihn mit Ernst und
Standhaftigkeit,dabei das Grinsen wich aus seinem Gesicht,die Augen funkelten neugierig , denn er
war gespannt auf die kommende Reaktion. Er rechnete fest damit, dass sich sein Gegner
verwandeln würde und so wählte er auch in Gedanken ein Wesen, das an dem Werwolf in
Aggressivität,Leistungsfähigkeit und Desozialisierung heranreichen könnte. Die Sehnen in seinem
Körper waren gespannt, sein Herz schlug schneller als gewohnt und pumpte sich aufbauendes
Adrenalin durch seinen Körper. Er ließ seinen Gegner keinen Herzschlag aus den Augen um seine
Reaktion genau abzupassen und schnell genug reagieren zu können, denn nur eine einzige Sekunde
könnte den Ausschlag geben und als Mensch war er eindeutig unterlegen.
Auch wenn zunächst Amüsement über ihn und den Spanier im Gesicht des Werwolfs stand , so
fixierten ihn die nach Mord gierenden Augen und James sah an der gespannten Körpersprache, was
als nächstes geschehen konnte. Dennoch rührte er sich nicht,als sein Gegner auf ihn zukam, so
dicht,dass er mühelos nach James' Waffe hätte greifen können.Das metallische Aufkreischen seiner
gepeinigten Beretta gellte in seinen Ohren. Das arme Ding hatte ihn bereits so lange begleitet und
zu Viel überstanden um in den Klauen eines Werwolfs zu enden. Es tat ihm richtig Leid um sein
kleines Spielzeug. Die Krallen fuhren weiter fast bis zu seinem Arm, grade wollte James sich
verwandeln als ein angriffslustiges Fauchen seine Aufmerksamkeit auf sich zog,denn zischen den
Lippen des Mannes kamen zwei spitze,weiße Vampirfänge zum Vorschein.Wenn sich sein
Angreifer Zeit ließ, dann konnte er es sich ebenfalls leisten. Skepsis stand dem Briten ins Gesicht
49


Related documents


bierglaslyrik ausgabe 8 jun 2011 18
regentin leseprobe 1
ddr
drekinn kapitel 1
eine wunderbare heiterkeit hat meine1729
die legende von cacheman 2


Related keywords