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Alyssa & Seymor Band II The Time Hereafter .pdf



Original filename: Alyssa & Seymor - Band II - The Time Hereafter.pdf
Author: Alyssa Raven

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Alyssa & Seymor
Band II

- The Time Hereafter Bei diesem Text handelt es sich nicht um einen Roman. Die Textfragmente sind nicht zur
Veröffentlichung gedacht. Es Handelt sich um Fortsetzung der Geschichte von Alyssa und
Seymor. Die Geschichte setzt fast ein Jahr nach den Geschehnissen des letzten Bandes ein.
Alle Rechte an den Texten und Textinhalten liegen allein bei den jeweiligen Autoren, ebenso
bleiben die Rechte an den Nebencharakteren den Autoren vorbehalten (darunter auch einigen
Mitgliedern von Teufelskreise) Die vorliegenden Textfragmente sind nicht zur kommerziellen
Veröffentlichung gedacht. Das Ideengut darf nicht für anderweitige Zwecke als dieses
Manuskript verwendet werden. Es darf nicht gestohlen, nicht kopiert, verbreitet oder verändert
werden.

© Kevin & Palina
Fassung erster Hand 2010/2012

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Prolog
Die Reiseroute

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TEIL I - THE TIME HEREAFTER - Die Reise beginnt
Aufbruch in ein neues Leben
Buffalo - Unter freiem Himmel
Chicago - Die Stadt der Winde
Minneapolis - Blinder Passagier
Zweisam
Tausend neue Wege (James & Evy)
Grand Marais - Von den Geistern der Vergangenheit I
Das Tagebuch
Grand Marais - Von den Geistern der Vergangenheit II

TEIL II - THE TIME THEREAFTER – Nichts wie es war
Alles auf Anfang
Auf den Kopf gestellt
Ein Hauch von Wahnsinn
Erwachen
All Hallow's Eve
Der tiefere Sinn hinter den Dingen (James & Evy)
Sehen und gesehen werden (James & Evy)
Fremde Gesichter (Lilin & Gawin / Alyssa & Seymor)
Ein Sprung durch die Zeit

Anhang
Was ist ein Gestaltwandler?
Evy Nelson
William Blake
Gawin Summers
Lilin Woodsen
Faye & Collin Blackwell
Sonstige

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Prolog
REISEROUTE - USA:
New York - Toledo (Ohio): 903km
(auf I 90 nach Westen)
Tag 1: New York – Rochester – Buffalo (Pennsilvania) 650km
Tag 2: Cleveland (Ohio) –Toledo 250km
Toledo (Ohio) - Chigago (Michigan): 390km
(auf I 80 nach Westen)
Tag 3: Chicago (Michigan) - Minneapolis (Minnesota): 722km
(auf I 94 Nord-Westen)
Chicago – Aurora – Rockford – Janesville – Madison – Fond Du Lac (Wisconsin) –
Minneapolis (Minnesota)
Tag 4: Minneapolis (Minnesota) - Duluth (Minnesota): 248km
(auf der I 35 nach Nord-Osten)
Duluth - Grand Marais 177 km
(auf dem Highway 61 nach Nord-Osten)
Duluth – Two Harbors – Silver Bay – Grand Marais

REISEROUTE – KANADA:
– nach dem Zwischenstopp in Grand Marais –
Tag 1: Thunder Bay (Ontario)– Winnipeg (Manitoba, über die17)
über Trans-Canada-Highway 17 West - 700km
Tag 2: Winnipeg (Manitoba) – Regina (Saskatchewan)
über Trans-Canada-Highway 1 West - 570km
Tag 3: Regina (Saskatchewan) - Medicine Hat(Alberta)
über Saskatchewan-Highway 1 West – 670km
Tag 4: Medicine Hat(Alberta) – Kelowna(Britisch-Kolumbien)
über Aalberta-Highway 1 West, British-Columbia-Highway 1 West – 890 km
Tag 5: Kelowna(Britisch-Kolumbien) – Vancouver (Britisch-Kolumbien)
über British-Columbia-Highway 5 South & 1 West – 390km

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TEIL I – Die Reise beginnt
AUFBRUCH IN EIN NEUES LEBEN
New York – Queens, USA
Gelände der Iskariot Organisation - Seymors Zimmer
23. September 2009 - 02: 43h

Alyssa: Weiß. Das war das Einzige, was ihren Verstand bisher erreichte. Die Decke seines
Zimmers war weiß. Keuchend lag Alyssa da, während die letzten Wellen der Wärme durch
ihren Körper hinweg rollten. Ihr Herz pochte noch immer rasant und ihr Atem war schneller als
gewöhnlich. Nur widerwillig klärten sich ihre Sinne, nahmen den Raum, in dem sie sich befand
wahr. Doch eine wohlige Trägheit breitete sich aus und legte sich wie Nebel erneut über ihre
Wahrnehmung. Nebel, der alles dämpfte, sogar ihre Gedanken. Ihre Muskeln fühlten sich
schwer an und dennoch war sie entspannt. Quadrate - eine klassizistische Kassentendecke.
Endlich erkannten ihre Augen mehr als nur Seymor, außer ihm begann wieder die weitere Welt
um sie herum zu existieren. So lag Alyssa einfach da und starrte hinauf zur Decke. Weiß. Sie
schloss die Augen; erneut war sein Geruch intensiver, sein Herzschlag erfüllte die Stille. Sie
musste sich konzentrieren. Aber worauf?
Das hatte sie nicht geplant gehabt, sie hatte etwas anderes gewollt, aber mal wieder hatte sie
die Kontrolle verloren, mal wieder hatte sie sich einfach nur von Emotionen und - was noch
viel schlimmer war - von Begierde leiten lassen. Und nun lag sie da: in seinem Bett neben ihm.
Nackt, allein bedeckt von einem Bettlaken und versuchte sich zu erinnern. Wieso fiel es ihr nur
so schwer...? Tief sog sie die Luft ein und erinnerte ihr Herz daran langsamer zu schlagen.
Langsam, langsam. Reglos blieb sie ein Paar Augenblicke liegen und genoss die
Nachwirkungen des Gefühls, das er ihr beschert hatte, genoss seine Nähe, genoss es seinen
Herzschlag zu hören. Den Herzschlag, an den sie sich mittlerweile so gewöhnt hatte. Sie würde
ihn vermissen... sehr...
Und da war es wieder, weshalb sie her gekommen war. Sie war spät am Abend in sein Zimmer
gekommen, hatte mit ihm reden wollen und auf einmal hatte sie diese unfassbare Verzweiflung
und Trauer gespürt, wie damals am Tag ihrer ersten Begegnung. Sie hatte nicht allein sein
wollen, doch dieses mal war es anders, es war nicht das Alleinsein, es war das Ohne-Ihn-Sein,
das sie dieser schmerzhafte Verzweiflung spüren ließ. Panik hatte sie gelähmt, der Gedanke ihn
nie wieder zu sehen. Sie wollte ihm noch einmal nahe sein, ihn noch einmal auf diese vertraute
Art spüren, so intensiv und lebendig wie möglich. Sie wollte sich dieses Gefühl, das sie in
seiner Nähe hatte, einprägen, damit es zu einer Erinnerung wurde, zu einem Beweis, dass er
kein Traum gewesen war.
Aber wie sollte sie nur anfangen...die richtigen Worte finden...? Sie hatte es doch zuvor nicht
gekonnt. Wie sehr würde ihr das hier fehlen? Nie hätte sie geglaubt, dass es so schwer sein
würde, erkannte sie, als die Matratze leicht unter seinem Gewicht nachgab, Alyssa spürte ihn
direkt neben sich.
Widerwillig drehte sie sich auf die Seite, stützte einen Ellenbogen in die Matratze, ohne ihn
anzusehen. Sie wollte keinen traurigen Blick sehen, keinen Blick, der sie stumm darum bat zu
bleiben. Genau dieser Blick hatte ihr bereits damals, als sie ihn kaum gekannt hatte, fast das
Herz gebrochen und sich in ihre Erinnerungen eingebrannt. Aber ihr Entschluss stand fest. Es
war Zeit. Sie war nie jemand gewesen, der lange an einem Ort verweilte und nun war sie knapp
ein Jahr hier. Lange genug. Es gab nichts zu tun und der Krieg, der hier lief, war nicht länger
ihr Krieg. Sie würde Jordi vermissen, diesen sonderbaren Menschen, und den Gefallenen, aber
mehr wohl kaum. Dieser Ort, diese Stadt begann sie einzuengen, begann ihr die Luft zu rauben.
Sich fühlte sich wie ein Vogel eingesperrt in einem Käfig. Es war ihr immer zuwider sich
irgendwem anzuschließen, dazu zu gehören oder gar einen Vorgesetzten zu haben. Man konnte
den Nordwind nicht halten, wieso also sie? Es gab hier nichts mehr, das sie hielt - außer
Seymor. Sie würde nicht fragen, ob er mit ihr ging. Dennoch war da die Hoffnung: ein Teil von
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ihr, der ihr sagte, dass ihn hier nichts hielt, außer ihr. So wie er es war, der sie hier hielt, dass es
diesen Blick nie geben würde, dass sie ihn nicht alleine lassen musste.
Langsam öffnete sie die Augen, ihr Blick streifte anfänglich nur seine nackte Brust, dann sein
Kinn, seine Wangen, seine Lippen und schließlich seine goldenen Augen. Diese Farbe
faszinierte sie jedes mal aufs Neue. Sie waren so warm, sodass es ihr vorkam, als könnten sie
sie selbst in der kältesten Nacht wärmen. Alyssa schaute ihn lange an, prägte sich alles ein, nur
für den Fall... die Trauer vermochte sie nicht aus ihren Augen zu vertreiben, also versuchte sie
sie mit Entschlossenheit zu überdecken.
„Ich werde heute Nacht gehen. Weg aus New York!“, war ihre einzige Feststellung. Noch
wusste sie nicht wohin, aber ihre Sachen standen bereit.
Seymor: Bereits als sie gekommen war, hatte Seymor ihre veränderte Stimmung festgelegt,
wenn schon nicht an der leicht veränderten Art, die sie an den Tag gelegte hatte, dann
zumindest an der Farbe ihrer Augen, die nicht wie immer, wenn sie ihn seit längerem sah,
sofort dieses warme Gold angenommen hatten, sondern von einem leichten Grau gewesen
waren. Doch dieses markante Merkmal, das vermutlich trotzdem nur jenem aufgefallen wäre,
der sie kannte, hätte der Gestaltwandler gar nicht gebraucht. Es waren viel mehr die kleinen
Veränderungen in ihrer Mimik und Gestik gewesen, die sie verraten hatten. Manchmal war es
so gewesen, als hätte sie für einen kurzen Moment den Blickkontakt gemieden, ihre
Berührungen waren an vielen Stellen länger gewesen als sonst, so als wollte sie sie sich
einprägen. Doch Seymor hatte vorerst nichts gesagt, sie wollte ihm scheinbar noch nicht sagen,
was los war, und wenn Seymor etwas über Alyssa gelernt hatte, dann dass es keinen Sinn
machte sie zu etwas zu drängen, das sie nicht wollte. Also beschloss er es vorerst in den
Hintergrund rücken zu lassen und, wie so oft in den vergangenen Monaten - seit er die
Einsamkeit seiner Bruchbude verlassen und Alyssa kennengelernt hatte - jede Sekunde zu
genießen, die er mit ihr verbrachte.
Sie waren sich wiedereinmal sehr schnell nahe gekommen, doch auch hier hatte es für Seymor
wieder diese Vorzeichen gegeben, dass Alyssa etwas bedrückte und während sie beide jetzt
erschöpft im Bett lagen, nackt, nahe beieinander, beobachteten seine goldenen Augen jede ihrer
noch so kleinen Bewegung, während sie die Decke absuchte nach etwas, das sich dort
vermutlich nicht befand. Sie folgten jeder noch so kleinen Reaktion in ihrem Gesicht, so als ob
diese ihm verraten könnte, was Alyssa vor ihm verborgen hielt. Sein ganzer Körper fühlte sich
angenehm entspannt an, wie losgelöst von der Welt um sich herum und doch war sein Geist es,
der geschärft - wie er es selten oder eigentlich meist nur in Kämpfen - war, ihn fest in der
Realität hielt und nicht einmal daran dachte abzudrifften. Trotz seiner Besorgnis waren seine
Züge entspannt und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Ein Lächeln, das nur jenes
wohlige Gefühl widerspiegelte, das sie immer in ihm auslöste.
Schließlich nach ein paar Minuten drehte sie sich zu ihm herum, sie hatte die Augen wieder
geschlossen, während sie über etwas nachzudenken schien und nur wieder sein bisher
gewonnenes Gefühl bestärkte, dass sie nicht nur gekommen war um ihn zu sehen und um ihm
nahe zu sein. Dann öffnete sie langsam die Augen, ihr Blick wanderte an ihm hoch, langsam
wieder so als wolle sie sich alles einprägen, bis sie ihm zuletzt doch seinen Blick erwiderte und
er die Trauer, die in ihrem Blick stand, fast schon spüren konnte. Trauer die nur von der
Entschlossenheit, die ihre Mimik ausdrückte, abgeschwächt wurde und damit Seymors
Vorahnung nun vollends bestätigte. Noch ehe sie etwas sagte, legte sich ein ungutes, kaltes
Gefühl über ihn, das seinen Körper unbewusst anspannte und wie als Abwehrhaltung auf das
Schlimmste gefasst machte. Trotz seiner früheren Einstellung zur Liebe oder dem, was er in
Filmen gesehen hatte, war er sich nicht mehr so sicher, ob er heute noch immer so überzeugt
davon war, dass es sie nicht gab. Auch wenn weder Alyssa noch er es je offen aussprachen, so
wusste er nur zu gut - von sich selbst - wie stark seine Gefühle für Alyssa waren, wie sehr er
sich nach ihr sehnte, wann immer sie nicht in seiner Nähe war und welche Ängste es in ihm
auslöste, wenn er nicht wusste, wo sie war oder ob es ihr gut ging.
Doch von diesen Ängsten, Gefühlen und Gedanken abgesehen hatte der Gestaltwandler recht
schnell eines herausgefunden: der Schmerz, die Kälte und die Verzweiflung, die ihn nahe an
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den Rand des Wahnsinns brachten, wurden von dem Gedanken ausgelöst sie zu verlieren. Auf
welche Weise auch immer. Davon wäre wohl wieder das Schlimmste, wenn sie ihn aus freien
Stücken verließ, denn dann hätte er auch nicht mehr das Recht oder die Hoffnung sie
zurückholen zu können. Darum hatte er schnell begriffen, dass es einfacher war diesen
Gedanken nicht mehr zu fassen. Ihn wie eine Möglichkeit zu behandeln, die zwar existieren
mochte, aber doch gar nie in Erwägung gezogen wurde und damit abgehakt war. Doch der
Blick ihrer Augen, der ihn in diesem Moment traf, ließ eben jenen Gedanken ihn ihm wieder
hochkommen, von ihm Besitz ergreifen und sein Herz und von da ausgehend den Rest seines
Körpers mit dem kalten Gefühl der Angst und Einsamkeit erfüllen. Das Lächeln,wie
eingefroren zu der Trauer, die ihre Trauer in seinen Augen widerspiegelten.
Ihre eigentlichen Worte spielten für Seymor nicht mehr wirklich eine Rolle. Er hörte sie und
doch hatte er bereits gewusst, dass sie gehen würde. Der Griff der Einsamkeit verstärkte sich
und löschte schließlich auch das Lächeln, das bis zuletzt wie als Felsen der Hoffnung gegen die
Angst angekämpft hatte, aus seinem Gesicht und ließ für einige Zeit nur Trauer zurück. Nun
war es an ihm sie lange anzusehen, ihren Blick festzuhalten,während der seine zugleich die
unwahrscheinliche Sehnsucht nach ihr ausdrückte, und sich alles einzuprägen. Trotz der Nähe
schien es ihm als wären sie durch eine unüberwindliche Schlucht getrennt, er wollte seinen
Arm um sie legen, sie festhalten, sie zu sich ziehen, sie einfach nicht gehen lassen, doch er tat
es nicht. Er wusste, er könnte sie nicht festhalten, er spürte ihre Entschlossenheit, ihre Trauer,
die er noch nicht ganz verstand. Sie würde gehen und er würde es nicht verhindern können.
Also lag er nur da, spürte immer mehr wie das längst vergessen geglaubte Gefühl der absoluten
Einsamkeit von ihm Besitz ergriff. Langsam und nur mit viel Selbstbeherrschung schaffte es
der junge Gestaltwandler zu einer Antwort anzusetzen. Er musste sich konzentrieren, da er
fürchtete, dass seine Stimme ihm den Dienst versagen könnte.
Wo gehst du hin, wann werde ich dich wieder sehen, kann ich nicht mit dir kommen? Das hätte
Seymor am Liebsten alles gleichzeitig gefragt, doch er wagte es nicht, er wusste nicht ob er die
Antworten hören wollte. Darum fragte er nur das einfachste, wo er die Antwort nicht fürchten
musste.
„Wo gehst du hin?“ Trotz seiner Anstrengung war seine Stimme keineswegs so fest wie er
gehofft hatte und doch hielt sie zumindest für diesen Satz ohne ihm den Dienst zu verwehren.
Sein Körper war in absolutem Stillstand gefangen nur seine Augen suchten in den ihren nach
Antworten, die er dort nicht finden konnte.
Alyssa: Seymor lag neben ihr, völlig entspannt, seine Atmung wurde wieder gleichmäßiger
und auf seinen Zügen lag ein sanftes, wohliges Lächeln, das sie so gern sah. Sie liebte noch
mehr, dass sie es war, die ihm diese Reaktion abrang. Seine warmen, goldenen Augen
betrachteten sie, sodass sie seinen Blick regelrecht auf ihrer Haut fühlen konnte, dann
begegneten seine Augen den ihren. Nahezu erwartend und mit erstaunlicher Wachsamkeit lag
der Blick auf ihr und Seymor sog jede ihrer noch so kleinen Regungen auf. Alyssa glaubte
Besorgnis und sogar Angst darin zu erkennen und noch während er sie so betrachtete, wandelte
sich sein Ausdruck; das sorglose Lächeln wich einer Vorahnung: er wusste um die Einsamkeit,
die ihnen beiden bevor stehen würde, je nachdem, welche Richtungen sie einschlagen würden.
Alyssa hatte so sehr darauf gehofft, genau das nicht sehen zu müssen, doch Seymor ersparte es
ihr nicht, er schaute sie mit genau dem Blick an, mit der er sie auch ganz am Anfang betrachtet
hatte. Angst und Trauer stand in seinen Seelenspiegeln. Die Angst hätte sie ertragen können,
aber nicht diese Trauer. Auch fühlte sie deutlich wie sein Körper neben ihr gefror und der
Gestalwandler ganz reglos wurde, obgleich sie in seinem ganzen Verhalten spürte, dass er
etwas anderes wollte. Die Intuition verriet ihr die vielen unterdrückte Gesten, so viele
ungesagte Worte blieben, die sie einander immer weiter entfremdeten. So wie am Anfang: nur
zwei Fremde, die nicht wussten, wie sie beginnen sollten, wie sie zueinander finden sollten.
Es erschien ihr so, als würde Seymor auf den vernichtenden Schlag warten. Seine Augen
fesselten sie an sich und sie konnte nicht mehr wegschauen. Trauer, nichts als Trauer, die an
physischen Schmerz grenzte; ihr Magen zog sich krampfhaft zusammen, während sie mit
gespielter Entschlossenheit seinen Augen begegnete. Die Frage war nur wie lange sie diese
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Scharade noch spielen konnte, ohne sich selbst zu verraten. Einfacher wäre es aufzustehen und
zu gehen, aber sie konnte es nicht, der Wunsch bei ihm zu bleiben und die Verzweiflung, nicht
ohne ihn sein zu können, waren stärker als alles andere. Wenn sie jetzt nicht ging, dann würde
sie es niemals können.
Aber Alyssa wartete voller Verzweiflung, dass er irgendetwas sagte, nur ein Wort, nur eine
Reaktion. Irgendetwas. Ein Teil von ihr hoffte, dass er sie hassen würde, wenn sie jetzt ging,
denn genau das hätte es erleichtert, jedoch war nichts in seinem Ausdruck, das annähernd daran
heranreichte. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie seine verunsicherte Stimme hörte, die
ein leichtes Zittern nicht verbergen konnte. Eine einfache Frage: wo sie hingehen würde.
Nichts von dem, auf das sie gehofft hatte, kein ob er sie begleiten konnte. Nichts. Wollte er
nicht mit ihr kommen? Was hielt ihn von der Frage ab? Fragen über Fragen schwirrten in ihrem
Kopf umher. Verzweiflung legte sich auch auf ihre Züge, als seine Augen sie noch
eindringlicher, fast hoffend, musterten, so als könne er etwas darin lesen. Vermutlich suchte er
ebenso verzweifelt wie sie selbst nach irgendeiner einer Reaktion in dem anderen Gesicht.
Das Atmen fiel ihr schwer und ihre Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. Die pure
Verzweiflung legte sich in ihre Stimme und machte es nahe zu unmöglich zu sprechen. Für
einen kurzen Moment schloss sie die Augen und atmete tief durch um die Fassung wieder zu
gewinnen. Etwas lief hier eindeutig schief, so war das nicht geplant gewesen. Alyssa fühlte
sich auf einmal absolut hilflos. Mit einem verunsicherten Ausdruck öffnete sie die Augen
erneut und schaute ihn an. Beinahe kraftlos und gleichgültig zuckte sie mit dem Schultern und
murmelte ein:
„Ich weiß nicht genau wohin...“ Auf einmal war die Verzweiflung überwältigend. Wie konnte
sie gehen? Wie konnte sie ihn zurück lassen? Überall, ganz gleich was sie tat, wie sie sich
entschloss, die Zweifel waren einfach überall und begleiteten sie ständig. Aber wie konnte sie
ohne ihn sein? Sie würde seine warmen Augen vermissen, seine Stimme, sein freches Grinsen,
seinen verwirrenden, einzigartigen Geruch und das Gefühl seiner Hände auf ihrem Körper. Sie
würde Seymor vermissen! Jetzt wo sie wusste, wie es sein konnte nicht mehr allein zu sein,
jemanden an ihrer Seite zu haben, wie es sich anfühlte am Morgen neben ihm aufzuwachen,
wie es war jemanden zu lieben - auch wenn sie es sogar sich gegenüber niemals zugegeben
hätte - wie konnte sie denn Seymor verlassen. In dieser Verzweiflung setzte sie sich auf, beugte
sich über Seymor und legte ihre kühlen Finger an seine Wangen, so dass sie sein Gesicht
vorsichtig umschlossen. Als sie den Gestaltwandler betrachtete, funkelten ihre Augen wieder
golden mit Hoffnung und ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, bevor sie ihn
vorsichtig zu sich zog und ihn küsste. Ihre Lippen waren zärtlich und dennoch legte sie all ihre
Sehnsucht und Verzweiflung hinein, so dass er sie sicherlich spüren müsste. Während sie ihre
Augen im Kuss schloss, kullerte eine Träne über ihre Wange um auf seinem Hals zu landen.
Als sie sich von ihm löste und Seymor mit leicht glasigen Augen betrachtete, lächelte sie sanft,
die Hoffnung stand nun deutlicher in ihren Augen, während sie eine Frage an seine Lippen
hauchte.
„Komm mit mir. Ganz gleich wohin.“
Seymor: Seine Augen waren während seiner Frage direkt auf sie gerichtet. Trotz der Schwäche
und des Zitterns im Ton, oder vielleicht gerade deshalb, fühlte es sich für ihn so an, als ob er in
diesen einen Satz bereits auch die anderen Frage gelegt hatte. Auch wenn sie sich erst ein paar
Monate kannten, hatte Seymor keinen Zweifel daran, dass Alyssa seine Gesten, seine
Reaktionen und seine Mimik genauso gut kannte und beobachtet hatte wie er die ihre und auch
wenn er versuchte sie nicht von ihrem Wunsch abzuhalten, so war ihm klar, dass er den
Schmerz, den er dabei empfand, nicht vor ihr verbergen konnte. Doch seine Worten hatten
noch viel mehr Wirkung, als er befürchtet hatte. Er spürte nahezu die Verzweiflung, die sie
empfand und die in ihrem Blick stand. Es schmerzte ihn nahezu genauso sie in der Lage zu
sehen, wie der Gedanke daran, dass sie gehen wollte. Er verstand nicht weshalb sie weg wollte,
er wusste nicht was sie vorhatte, was sie dazu trieb, doch er wusste auch das selbst, wenn er es
schaffen sollte sie hier bei sich zu behalten, dass sie mit jedem Tag unglücklicher werden
würde, bis sie es letzten Endes nicht mehr aushalten würde und doch weggehen würde und
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dann hätte er vielleicht nicht einmal mehr die Chance sie noch einmal zu sehen. Es wäre für sie
sicherlich einfacher gewesen einfach zu gehen, genauso schmerzhaft, aber trotzdem einfacher,
dessen war er sich sicher und er spürte nur um so schmerzlicher die Nähe, die sich zwischen
ihnen aufgebaut hatte und die jetzt zu zerreißen drohte, bei dem Vertrauen, das sie in ihn legte
und der Kraft, die sie aufgebracht haben musste doch noch her zu kommen und ihm zumindest
die Möglichkeit des Abschieds, oder vielleicht sogar die Kenntnis ihrer Zukunftspläne zu
geben. Als sie die Augen wieder öffnete, war der Blick nicht mehr ganz so verzweifelt und
doch war Seymor bewusst, dass sie es nur überspielte und die Verzweiflung, die er in ihren
Augen gesehen hatte, ließ ihn nur viel mehr den Drang verspüren, den Arm um sie zu legen.
Doch auch jetzt konnte er es nicht.
Ihre Antwort viel so aus, wie sie Seymor fast schon erahnt hatte. Es war ihr gleich wo sie
hinging, sie wollte nur weg von hier und in ihm bestärkte sich nur der Wunsch sie zu begleiten.
Dann fühlte er ihre kühlen Finger an seinem Gesicht, sah wie sich ihr Gesichtsausdruck
veränderte, ihre Augen das warme Gold annahmen und wie Balsam die Ängste und Schmerzen
für einen Moment überdeckte. Ihren Kuss erwiderte er ebenso zärtlich und wie zuvor sie prägte
nun er sich jedes Detail ein. Er verstand noch nicht weshalb ihr Gefühlsumschwung war, es
kehrte sogar die Angst zurück, dass sie jeden Moment aufstehen und verschwinden würde,
dann fühlte er etwas Feuchtes, das auf seinem Hals landete. Obwohl er die Augen geschlossen
hatte, wusste er das es eine Träne war. Dann endete der Kuss und die Angst kehrte zurück, doch
sie ging nicht, sie blieb und ihre Lippen formten die Worte, die er an sie richten wollte.
Es dauerte einen Moment bis er diese Worte realisierte, bis sie sich durch die Angst gekämpft
hatten, die seinen Geist benebelte. Doch nach und nach kehrten auch auf seine Züge wieder das
Lächeln zurück und die Sorge verschwand daraus. Seine Arme schlossen sich fest um sie und
seine Lippen legten sich erneut an die ihren. Zu Worten war er nicht im Stande doch sein Kuss
war ebenso zärtlich wie der vorherige und doch ein wenig leidenschaftlicher. Es war kein
Abschiedskuss gewesen und dieser würde nur einer von vielen kommenden sein. Als er seine
Lippen wieder von den ihren löste öffnete er die Augen und sah erneut in die ihren.
„Wenn du mich lässt, werde ich dir überallhin folgen.“
Alyssa war sich sicher, dass ihre Reaktionen sowohl für Seymor, als auch für sie selbst, keinen
Sinn mehr ergaben - gut für ihn wahrscheinlich noch weniger als für sie selbst. Er war verwirrt,
vermutete sie jedenfalls, als sie den Wechsel der Emotionen in seinem Gesicht sah. Ihren Kuss
so sanft erwidernd, konnte Alyssa in ihm kurz Hoffnung aufflackern fühlen. Für einen
flüchtigen Augenblick war die Welt wieder heil, als wäre nichts gewesen. Aber ihre Welt war
noch immer heil oder würde sie es zumindest sein - hoffentlich. Doch bereits als sie sich von
ihm löste um ihre Frage zu stellen, war dieses sonderbare Gefühl wieder da, so als wäre es nie
fort gewesen: die Angst war wieder da. Alyssa konnte die Spannung fühlen, die sich um sie
beide aufstaute.
Selbst als sie ihre Frage gestellt hatte, die sie eigentlich nie hatte stellen wollen, blieb Seymor
stumm. Die eigene goldene Hoffnung in ihren Augen begann zu verlöschen. Wahrscheinlich
hätte sie dabei bleiben sollen; sie konnte ihn nicht an sich binden, ihn mit sich ziehen in eine
ungewisse Zukunft, ohne ihm viel geben zu können, außer ihrer Näher und ihrer Zuneigung. Es
würde nie Regeln geben, keine Gesetzmäßigkeiten. Ihr Leben wäre ziellos, sprunghaft,
unbeständig. Es würde nie ein Zuhause geben. Und wenn sie dann irgendwann wieder die Zeit
gekommen sah zu gehen, dann stünden sie wieder an genau dem selben Punkt. Er musste sich
entscheiden zu bleiben oder zu gehen. Es war einfach egoistisch und unfair ihm gegenüber.
Ihre Gefühle waren es, die es ihr so schwer machten. Früher hätte sie noch nicht einmal daran
gedacht, die wäre bereits gegangen nachdem sie das bekommen hatte, was sie gewollt hatte,
ohne Reue. Und nun sorgte sie sich um ihn, um seine Zukunft, darum was das Beste für ihn
war... Damals, als sie nichts gefühlt hatte, war alles so viel einfacher gewesen, keine Sorgen,
keine Zweifel... und keine Wärme... Sie hatte nicht fragen sollen. Alyssa setzte gerade an.
„Vergiss einfach, was ich...“, doch da sah sie wie sich sein Gesicht erhellte, wie diese
sonderbare Benommenheit und die apathische, lähmende Angst schwanden. Er lächelte. Ihre
eigenen Sorge, ihre Zweifel wichen, so wie die Dunkelheit in einem Raum wich, wenn man
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Licht entzündete. Das krampfartige Gefühl erlöste ihren Magen endlich und sie konnte wieder
Luft holen, auf einmal fühlte sie sich leicht...es war erstaunlich, was ein einziges Lächeln von
ihm mit ihr tat. Seine Arme, die sie eng umschlossen und von seiner Wärme abgaben,
bestätigten sie und sie erwiderte die Umarmung nur noch enger. Wieder überbrückte Seymor
den Abstand zwischen ihnen und küsste sie, glücklich ließ sie es geschehen. Eine Hand glitt in
seinen Nacken und zog ihn näher zu sich, die andere ließ von Seymor ab und griff nach der
Decke, während sie sich neben ihm auf die Matratze sinken ließ. Sie legte sich auf die Seite,
sodass sie ihm mit dem Gesicht zugewandt war und schmiegte ihren Körper innig an seinen,
ließ ihre Angst und Anspannung von der Wärme seines Körper und der Geborgenheit, die seine
Nähe in ihr auslöste, vertreiben, als sie die Decke über sie beide zog. Sein Kuss war so süß,
dass sie es kaum fassen konnte, dass sie das hatte aufgeben wollen. So süß, dass sie allein
diesen Gedanken ihn zu verlassen nicht hatte ertragen können, da er die Verzweiflung wieder
in Erinnerung rief. Sie küsste ihn ebenso innig zurück, als könne der Kuss sie alles vergessen
lassen, jede Verzweiflung und sogar den kleinsten Schatten eines Zweifels, der sich über ihrem
Verstand legen wollte. Allein der Kuss sagte mehr als alle Worte und sie konnte die Antwort
bereits erfühlen, noch bevor sie sie hörte. Es war so, als wäre der Kuss ein Versprechen, nicht
der Letzte, sondern der Erste.
Als Alyssa spürte, dass Seymor den Kuss löste, öffnete sie die Augen und blickte in die seinen,
die sie bereits betrachteten. Es fühlte sich sonderbar an, so als sehe sie die Welt und ihn zu
ersten Mal, ihr Körper schien schwerelos und die Nacht nicht mehr so dunkel, denn sie wurde
von seinen Augen erhellt. Seine Worte ließen es in ihrem Magen kribbeln und eine Aufregung
erfasste sie, wie sie sie noch nicht gekannt hatte. Er würde ihr überall hin folgen... die
Vorstellung gefiel ihr sehr, doch auch wenn sie sich sicherlich noch nie so glücklich in ihrem
Leben gefühlt hatte, verlangte eine Stimme in ihrem Kopf, dass sie ihm eine Erklärung geben
sollte, zumindest das hatte er verdient. Mit einem glücklichen Lächeln betrachtete sie Seymor
und genoss den Moment - einfach in dem Gold zu versinken. Die Decke über ihre Brüste
ziehend, stützte sie sich auf die Ellenbogen in ihrem Rücken auf und betrachtete Seymor
weiter, sie wusste nicht, wie sie beginnen sollte...
„Ich will dich um nichts bitten oder dich zu irgendetwas veranlassen. Wenn du mit mir gehen
willst, dann will ich, dass du das aus freiem Willen machst.“
Das Lächeln schwand zwar von ihren Lippen, doch nicht aus ihrer Stimme und ihre goldenen
Augen spiegelten die Wärme und die Aufregung, die er in ihr auslöste, obgleich Alyssa
äußerlich reglos und still blieb.
„Ich kann dir kaum etwas geben, noch nicht einmal einen Ort oder einen Namen, wo ich
hingehen werde, geschweige denn Sicherheit... Ich kann dir noch nicht einmal eine plausible
Erklärung geben, wieso es so ist, aber ich kann hier nicht bleiben... hier hielt und hält mich
nichts... außer dir... Beständigkeit ist nicht meine Stärke, weiß du, ich war nie jemand, der
lange an einem Ort bleibt...fühlt sich an, wie in einem Käfig...“
Einfach alles, was sie versuchte zu sagen, hörte sich in ihren Ohren dumm an, aber sie wusste
nicht, wie sie es ihm hätte erklären sollen und genau diese Unwissenheit stand in ihren Augen.
Seymor: Er merkte wie sie begann ihr Gewicht zu verlagern und sich neben ihn zu legen.
Offenbar hatte sie es jetzt doch nicht so eilig wegzukommen, jetzt wo feststand. dass er
mitkommen würde. Seine Arme legten sich nur noch fester um ihren Körper, der sich wie so
oft eng an den seinen schmiegte und er genoss das warme, vertraute Gefühl, das all die Ängste
wieder dahin zurückdrängte, wo sie hergekommen waren. Seine Lippen waren nach wie vor
mit den ihren verbunden bis er sich von ihr löste und auch in Worte fasste was schon sein Kuss
vermutlich viel mehr auszudrücken vermochte. Nein sie würde nicht ohne ihn gehen und er
würde sie begleiten wo auch immer ihr Weg hinführen mochte. Er wäre ja vermutlich ohnehin
auch von hier fortgegangen, zumindest hätte er die Iscariot verlassen, denn außer Alyssa hielt
auch ihn hier nichts. Von Jordi vielleicht abgesehen, den würde er vermutlich auch vermissen,
aber spätestens wenn ihm wieder einmal dieser Flohfänger auf die Nerven gegangen wäre,
hätte er ohnehin das Weite gesucht, stellte er innerlich grinsend fest. Sie öffnete nur kurze Zeit
nach ihm die Augen und er sah in dieses vertraute warme Gold ihrer Pupillen, das ihn ebenso
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musterte wie er sie. Er fühlte ihre Aufgewühltheit und die Freude, die seine Worte in ihr
auszulösen schienen, griffen auch auf ihn über. Es war nahezu spürbar wie Aufregung und
Erleichterung ihren ganzen Körper erfassten und mit auch den Seymors. Doch dann
verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht, wenn auch ihre Mimik kein bisschen von der
Freude zu verlieren schien. Für einen kurzen Moment schien sie nicht recht zu wissen was sie
sagen wollte, doch dann sah sie ihn wieder fest an und begann doch zu reden. Immer breiter
grinsend ließ er sie einen Satz nach dem anderen herunter beten. Als ob Seymor sie nicht gut
genug kennen würde um das zu wissen, was sie ihm jetzt sagte. Irgendwie waren sie beide seit
Beginn die Vereinbarung eingegangen, dass niemand von ihnen beiden eine Verpflichtung dem
anderen gegenüber hatte. Sie hätte ihn genauso wenig aufgehalten, wie er es heute getan hätte,
wenn sie ohne ihn hätte gehen wollen und genauso wenig würde sie ihn bitten, geschweige
denn zwingen oder anflehen mit ihr zu kommen. Das wusste er zu genau und doch war gerade
diese Freiheit, dass keiner von ihnen den anderen je zu so etwas zwingen würde, vielleicht der
Grund für ihre Verbundenheit. Er fühlte sich Alyssa nicht verpflichtet und umgekehrt war es
wohl genauso wenig der Fall, aber er wollte bei ihr sein und sie wollte ihn bei sich haben, das
war der Grund warum sie beisammen waren und nicht wegen irgendwelchen Regeln oder
Verpflichtungen dem anderen gegenüber. Bei ihren anderen Worten musste er nur noch mehr
grinsen, als er an seine alte Wohnung zurückdachte. Wohnung war vermutlich das falsche Wort,
wenn man er das Bild der Bruchbude zurück in seine Erinnerungen brachte und dort hatte er
alleine gewohnt, mal abgesehen davon, dass er es Alyssa nicht zumuten wollen würde, hätte er
keinerlei Probleme wieder für einige Tage Wochen oder Monate an so einem Ort zu
verbringen, schon gar nicht wenn dafür Alyssa an seiner Seite war. Als er meinte, sein Grinsen
könne ohnehin nicht mehr breiter werden, kam ein leichtes Seufzen über seine Lippen und mit
einem schnellen, aber sanften Griff in ihren Nacken zog er sie einfach zu sich herab und
unterbrach ihre Rede mit einem leichten Kuss, den er jedoch schnell wieder löste.
„Ich habe doch schon gesagt, dass ich mit dir komme, egal wo hin und egal was auf uns
zukommt. Ich komme weder mit, weil ich so scharf auf Geld wäre oder weil ich ne Villa haben
möchte, du weißt, wo ich gewohnt habe, bevor ich dich getroffen hab... Ich möchte einfach bei
dir sein und solange sich das nicht ändert, wird mich so etwas Läppisches wie Nächte im
Freien sicher nicht davon abhalten.“ Sein Grinsen war noch genauso breit wie zuvor und ein
leicht schelmischer Ausdruck trat auf sein Gesicht.
Alyssa: Kaum dass sie sich neben ihn gelegt hatte, schlossen sich Seymors Arme um sie und
drängten sie noch dichter an seinen Körper - seine Muskeln wurden weicher, entspannten sich
etwas, denn für den Moment gab er sich einfach damit zufrieden sie festzuhalten und ihr zu
zuhören, wie es schien. Doch während sie so sprach, breitete sich ein Grinsen auf seinem
Gesicht aus und je verwirrter sie wurde, desto breiter wurde es. Oder vielleicht wurde sie
gerade verwirrter, weil es breiter wurde. Wieso zur Hölle grinste er denn so? Auf einmal fühlte
sie sich wie ein kleines, törichtes Mädchen. Was das wohl sollte? Ihre Stimme geriet immer
mehr ins Schwanken und in ihre Augen trat ein vollkommen irritierter Ausdruck. Noch in
ihrem stockenden Geschwafel, bevor sie überhaupt die Frage, warum er denn bitte so grinste,
stellen konnte, hörte Alyssa ihn nur seufzen. Es klang nicht wirklich genervt, sondern gerade so
wie man über ein störrisches, unwissendes Kind seinen Unmut ausdrücken würde - jedenfalls
stellte Alyssa sich vor, dass es so klingen musste. Unerwartet war seine Hand in ihrem Nacken,
umfasste ihn ganz leicht, doch mit genügend Schnelligkeit, so dass Seymor den
Überraschungsmoment auf seiner Seite hatte. Seine Lippen drückten sich auf ihre, fest genug
um ihre Worte zu ersticken und dennoch sanft. Sie wollte protestieren, wie er es denn wagen
konnte... aber dann war er bereits fort und die Worte blieben ihr im Hals stecken, stattdessen
wollte sie noch einmal so geküsst werden.
„Wie frech!“, quittierte sie nur mit einem schurkischen Lächeln, das war das Letzte, was sie
erwartet hatte. Erneut war er ihr zuvor gekommen und sprach Dinge aus, die sie nicht verstand.
Wie konnte jemand, der noch klar bei Verstand war, sich denn wer weiß wohin, in wer weiß
welch eine Zukunft auch immer stürzen, nur um bei jemandem zu sein, von dem er noch nicht
einmal sicher sein konnte, dass diese Person auch wirklich blieb. Erstaunt und missbilligend zu
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gleich über seine leichtsinnige, emotionale Entscheidung schüttelte Alyssa den Kopf, eher sie
sich zurück legte, so dass sie nun auf dem Rücken lag und zu seinem Gesicht hinauf blickte.
Für sie war so eine impulsive, affektive Handlung nur natürlich und bisher kaum falsch, sie
war es schließlich gewohnt so zu leben, überlegte die Dämonin. Ihr war klar, dass Seymor
keine Villa und kein Geld brauchte, keinen Luxus, denn er war schließlich auf der Straße
aufgewachsen, hatte schlimmere Zustände ertragen, als sie sich jemals zugemutet hätte, und
hatte in einer - im wahrsten Sinne des Wortes - Bruchbude gehaust. Allein das Bild an seine
ehemalige - noch nicht einmal - Wohnung auf dem Dachboden eines langsam verfallenden
Hauses brachte ihr Unbehagen, das sich zu deutlich auf ihrem Gesicht spiegelte. Nie wieder
würde sie zu lassen, dass er so etwas bewohnte. Doch auch sein schelmisches Grinsen, das sein
gesamtes Gesicht erhellte, vermocht nicht ihre Zweifel zu vertreiben, als sie hineinschaute. Ihr
eigenes Gesicht war ernst wie zuvor, die Lippen zu einem Schmollen verzogen. Wie konnte
man denn so stur und frech zugleich sein! Unnachgiebig schauten ihre grauen Augen in seine,
suchten nach irgendeinem Argument darin, das sie gegen ihn verwenden konnte, nach Zweifeln
oder Unsicherheit seinerseits, ihr Röntgenblick fand jedoch nichts.
„Ich will nur nicht, das du etwas tust, das du später bereust! Bist du dir sicher, dass du das
wirklich willst, du weißt doch, bei mir hat nichts Beständigkeit...“, es war eine Feststellung und
eine Warnung zugleich, dass nichts sicher war mit ihr. Denn obwohl sie nichts lieber wollte, als
dass Seymor sie begleitete, wog seine Zukunft für sie schwerer. Skepsis und Bitterkeit
zeichneten sich auf ihren sonst so hübschen Zügen ab, nichts hatte Bestand, nichts Zukunft.
Und dennoch wusste sie, wie es war zurück gewiesen zu werden von einer Person, die einem
alles bedeutete, das wollte sie auch nicht, doch wenn es das Beste für ihn war, quengelte wieder
diese nervige Stimme. Nur weil er von der Straße kam, hieß das noch lange nicht, dass er auch
wieder dahin zurück musste.
„Das mit dem Geld ist wohl das geringste Problem.“, mit nun einem wissenden Lächeln stütze
sie sich auf einen Ellenbogen auf, beugte sich über die Bettkante und griff nach ihrer Jacke, die
auf dem Boden gelandet war. Geschickt beförderte sie eine Geldbörse und seine
Straßenfaltplan aus der Tasche. Der Plan, der bereits eine Reise hinter sich hatte und etwas
lädiert aber gut lesbar aussah, landete zwischen ihr und Seymor auf der Decke, als sie sich
zurück legte. Die Börse wurde aufgeklappt und 3 Kreditkarten kamen zum Vorschein. Sie
grinste breiter und ihr Gesicht wurde heiterer.
„Keine Sorge, wir müssen nicht auf die Straße, ich habe vorgesorgt! Bleibt nur das Wohin...“
Ihre Ersparnisse liefen über 3 verschiedene Konten in den ganzen USA verteilt, ein Teil
stammte aus langer Zeit vorher, als sie gerade aus Europa gekommen war und es in
Wertpapiere investiert hatte, ein anderer aus den Jobs, die sie alle übernommen hatte und der
letzte... nun ja, dem Teufel konnte man nicht vorwerfen, dass er kleinlich war. Erwartend
schaute sie Seymor an. Nun endgültig?
Seymor: Er mochte ihr Lächeln, das auf seine gekonnte Unterbrechung ihres Wortschwalls
folgte. Sie konnte noch so viel erklären, er würde seine Meinung ohnehin nicht ändern, jetzt wo
sie gefasst war. Sie schien einige Zeit zu überlegen und dreht sich dann auf den Rücken, sodass
er jetzt von oben auf sie herunter blickte und als ihr Blick wieder ernster wurde. wusste er
schon was folgen würde und ein unwillkürliches Augenverdrehen kündigte sein Missfallen am
Weiterführen dieser Unterhaltung an. Es hatte doch ohnehin keinen Zweck, er war sich absolut
sicher und vermutlich wäre er ihr auch gefolgt, wenn sie es nicht gewollt hätte. Unauffällig,
ohne sich zu zeigen, aber dennoch wäre er ihr hinterhergejagt von einem Ort zum nächsten, bis
sich ihm eine Möglichkeit geboten hätte erneut ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Eine
Art leises Schnurren folgte bei dem Gedanken daran, wie er sich heimlich in ein
Hotelappartement geschlichen hätte als Kater, während sie schlief und am nächsten Tag dann
von ihr gestreichelt erwacht wäre.
Er erwiderte schließlich ihren ernsten Blick, ohne jedoch auf ihre Frage oder Feststellung zu
antworten. Jetzt war sie ja sicher gegangen und er hatte nicht die geringsten Bedenken dabei ihr
zu folgen. Als er gerade nochmal erwidern wollte, dass er seine Meinung nicht ändern würde,
veränderte sich ihr Blick und ihre Mimik wieder und Seymor stellte zu seiner Zufriedenheit
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fest, dass sie sich damit zufrieden zu geben schien. Dass Alyssa nicht gerade arm war, hatte er
ohnehin gewusst und mittlerweile hatte er sie auch schon ein paar mal mit den Kreditkarten
bezahlen sehen, auch wenn ihm immer noch schleierhaft war, warum die Leute eine
Plastikkarte, die sie wieder zurückgeben mussten, als Bezahlung ansahen. Vielleicht würde er
das ja irgendwann noch selbst herausfinden.
„Hmm, ich hätte uns aber auch etwas jagen können.“, sagte er mit einem nur noch frecheren
Grinsen. Er fand es fast schon schade, dass er bisher kaum Gelegenheit gehabt hatte seine
Pumagestalt auszuprobieren, geschweige denn wirklich seine Grenzen auszuloten, aber in New
York kam ein freilaufender Puma einfach nicht so gut an. Vielleicht würde er ja wenn sie New
York verließen Möglichkeit haben mal seine Schnelligkeit zu erproben. Dann folgte sein Blick
auf den Plan, den sie ebenfalls aufs Bett geworfen hatte.
„Hast du schon eine Idee in welche Richtung es gehen soll?“ Er klang fast aufgeregt, jetzt wo
er darüber nachdachte war es ihm in letzter Zeit hier eigentlich auch langweilig geworden. Auf
Alyssas Bemühen hin hatte Seymor sich aus allem Gefährlichen raus gehalten, sie hatte es
sogar geschafft Azrael dazu zu bringen ihn nicht weiter mit irgendetwas zu betrauen und somit
hatte er die Tage großteils wieder mit seinen Streifzügen durch die Stadt verbracht oder war
Alyssa unauffällig gefolgt, bis sie wieder Zeit für ihn hatte. Er setzte sich jetzt ebenfalls auf
und griff nach dem Plan. Er konnte zwar nicht sonderlich gut Karten lesen, aber zumindest
fand er sich langsam mit den Namen der näheren Umgebung zurecht und Dank Alyssa hatte er
auch seine Lesefertigkeiten wieder ein wenig aufgebessert. Er sah zu dem Nachttisch, wo noch
immer eines der Bücher lag, das sie ihm eigentlich aufgetragen hatte zu lesen.
Eigentlich hatte er heute damit beginnen wollen, aber daraus war nichts geworden, als er in der
Stadt sich mit ein paar Straßenkatern angelegt hatte, wovon er jetzt auch in Menschengestalt
immer noch ein paar Kratzer zurückbehalten hatte nahe über dem Ohr, gut versteckt unter den
Haaren. Aber immerhin er hatte zwei von ihnen nacheinander dazu gebracht sich ihm zu
Unterwerfen und damit hatte er seine Stellung wieder verteidigt, die er in diesem Teil der Stadt
mittlerweile auch unter den Katzen und Katern inne hatte. Danach war er auf der Suche nach
Alyssa weiter durch die Stadt gestreunt und bevor er es sich versah, war die Zeit auch schon
um gewesen und er war nach Hause geflogen, um dort auf sie zu warten, das Buch hatte er
auch dann erfolgreich ignoriert. Er hoffte nur sie würde ihn nicht darauf anreden, also ging sein
Blick eilig zurück zum Straßenplan.
Alyssa wusste nicht wirklich was sie erwartete, ob Widerworte kommen würden. Im Grunde
hatte sie eine Zustimmung erwartet, gefolgt von Widerworten, denn in der Zeit, die sie mit
Seymor hatte verbringen dürfen, hatte sie lernen müssen, dass der Gestaltwandler doch
durchaus beharrlich und stur sein konnte. Vermutlich hätte sie ihm nicht wirklich vermocht
seine Entscheidung auszureden, sondern sie nur durch ein Verbot zu Nichte machen können aber das war das Letzte, was sie wollte. Sie wollte nicht mit solchen Worten gehen, ihn nicht
im Streit verlassen. Sie wollte ihn gar nicht verlassen. Für den Bruchteil einer Sekunde schien
es ihr, als wolle der Gestaltwandler etwas erwidern, was er schließlich jedoch nicht tat, sie sah
es in seinen Augen. Doch dieser Ausdruck wich einer Zufriedenheit, die sie irgendwie
beruhigte. Ohne dass es wirklich ausgesprochen worden war, wusste sie bereits, dass die
Entscheidungen getroffen waren und unumstößlich feststanden. Sogleich entspannte sich ihr
Körper und jegliche Reste einer Sorge oder Unzufriedenheit wichen. Im Grunde hatte jeder so
das bekommen, was er gewollt hatte. Sie konnte gehen ohne gebunden zu sein und würde
dennoch nicht alleine sein. Sie musste ihn nicht sich selbst in dieser chaotischen Stadt lassen
und er konnte dem Wusch in ihrer Nähe zu sein verwirklichen. In ihrem Inneren war sie mehr
als dankbar, dass es so gekommen war, dass sich Seymor dazu entschieden hatte mit ihr zu
kommen. Auch wenn die Stimmen im Augenblick schwiegen, so wusste sie mit Gewissheit,
dass sie sich bald wieder melden würden um ihr vorzuhalten, dass er alles für sie aufgab, auch
wenn es noch nicht viel zum Aufgeben gab. Und dennoch war es wieder er, der sich ihrem
Wunsch zu gehen fügte. Im Augenblick jedoch war sie viel zu glücklich, was auch deutlich in
ihrem Gesicht zu sehen war, das von innen heraus zu strahlen schien, obgleich auf ihren Lippen
nur die Andeutung eines Lächelns zu sehen war.
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Als Alyssa jedoch das Grinsen in Seymors Gesicht sah, konnte sie nicht anders als
einzustimmen, er konnte ihnen auch was jagen. Sie schmunzelte, menschliche Nahrung
brauchte sie nicht wirklich viel, obwohl es half den Drang nach Blut zu unterdrücken und ab
und an eine geschmackliche Abwechslung war.
Sie hatte versucht ihn aus allen Angelegenheiten der Iscariot heraus zu halten, was nicht
wirklich immer gelangt, aber jetzt, wo es wieder ruhiger geworden war in der Stadt, hatte sie
zumindest mehr Erfolg gehabt als zu Beginn, gleich nach ihrer Begegnung. Und dennoch
musste es für den Gestaltwandler ziemlich langweilig gewesen sein in der Großstadt. Ihre Hand
streckte sich nach seinem Gesicht aus und berührte seine Wange, strich zärtlich darüber,
während sie nun sanft lächelte.
„Du wirst sicherlich Gelegenheit bekommen dich auszutoben!“, sprach sie und küsste ihn ganz
flüchtig auf die Lippen, dann löste sie sich wieder von ihm. Bald darauf folgte bereits seine
Gegenfrage nach der Richtung. Alyssa schüttelte den Kopf, sie hatte keine wirklichen Plan wo
sie bleiben sollte, nur eine annähernde Vermutung. Sie ergriff die Straßenkarte, setzte sich auf,
und faltete sie auseinander, darauf waren einige Städte rot umrandet. Sie fuhr -mit ihrem Finger
bei New York beginnend - eine Strecke nach, die um den Lake District herumführte, hinauf in
den Norden zur Grenze Kanadas.
„Weißt du, ich wollte schon immer mal Chicago sehen und dann rauf in den Norden, nach
Kanada. Hier...“, sie deutete auch ein großes Stück Grün auf der Karte, „...der Superior
National Forest schließt sich direkt an den Quentico Provincial Park an in Kanada. Das Gebiet
ist kaum bewohnt und die Grenzen kaum bewacht, so dass man unbemerkt rüber kommt.
Außerdem kann man dort sicher gut jagen!“ Alyssa wusste, dass Seymor nicht hatte gut lesen
können, aber sie war sich sicher, dass er ihr folgen konnte, auch wenn der Gestaltwandler
sicherlich noch nicht viel von der Welt gesehen hatte - jedenfalls nicht bewusst. Sie war bereits
gespannt wie gut seine Falkenorientierung sein würde. Abwartend blickte sie ihn an,
irgendwelche Widerworte, Vorschläge? Die Frage stand in ihren Augen, während sie ihn
betrachtete, doch dann verfinsterte sich ihr Blick wieder. Ihre schlanken Finger streckten sich
nach seinem Hals aus und stricken sein zerzaustes Haar zurück, darunter kamen drei rote
Kratzer zum Vorschein. Ihre kühlen Finger strichen ganz leicht über die roten Kratzer.
„Wann ist denn das wieder passiert, wo treibst du dich bloß herum? Ich glaube, ich sollte dich
nicht wieder aus den Augen lassen, was?!“, scherzte Alyssa mit einem schiefen Grinsen. Im
Grunde konnte sie sich denken, wie das passiert war. Sie schüttelte nur leicht den Kopf, bis sie
sich ganz langsam zu ihm herüber beugte und die verletzte Stelle küsste. Zur Ausnahme waren
ihre Vampirsinne wie betäubt von der Zufriedenheit, die Seymor in ihr ausgelöst
hatte.Vermutlich sollten sie sich bald auf den Weg machen, wenn sie bei Tagesanbruch los
wollte...
Seymor: Der Gestaltwandler folgte mit den Augen dem Weg, den ihr Finger auf der Straße
anzeigte. Nun im eigentlichen Sinne spielte es ja gar keine Rolle, er würde sich ja ohnehin nur
bedingt an den Straßenverlauf folgen und selbst dabei wären ihm die Straßennahmen ziemlich
egal, er würde ohnehin einfach nach dem Motorrad Ausschau halten, falls er sich
zwischenzeitlich einen kurzen Imbiss schnappte und wenn er bei Alyssa am Motorrad sitzen
würde, gingen ihn die Schilder auch nicht viel an, aber die Richtung konnte zumindest schon
mal nicht schaden. Er nickte einfach zustimmend, Wald, Kanada, klang ja recht spannend, über
Grenze schleichen... darum hatte er sich ja ohnehin noch nie geschert. Er war sie einfach
überflogen und Alyssa hätte da vermutlich genauso wenig Probleme, also würde das sicherlich
auch kein Problem darstellen. Er folgte weiter dem Finger und dann begann er sich langsam zu
fragen wie lange sie da wohl unterwegs sein würden. Nicht das es ihn störte, aber soweit er die
Karte verstand, war das bei Weitem kein Weg, den man in ein paar Stunden und noch nicht mal
in einem Tag zurücklegen könnte.
„Wie lange werden wir denn brauchen bis wir dort ankommen?“ Er tippte mit dem Finger auf
die grüne Fläche, die den Wald markierte, von dem sie gesprochen hatte. Doch in dem Moment
verfinsterte sich Alyssas Blick für einen Moment und ihre Finger strichen seinen Hals hinauf
zu der Stelle, die er eigentlich hatte verbergen wollen. Er zuckte leicht zusammen, als ihre
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Finger darüber strichen, da noch immer ein leichtes Brennen zu spüren war, auch wenn die
Kratzer sich bereits geschlossen hatten. Doch sie schüttelte nur den Kopf und schollt ihn wie
einen kleinen Jungen. Seymor erwiderte ihren Blick mit einem absolut unschuldigen Ausdruck
in den Augen, der so viel aussagen mochte wie: Ich hab gar nichts gemacht, bin total
unschuldig. Doch das Ganze war kurze Zeit später bereits wieder vergessen, er spürte sanft ihre
Lippen, die die Stelle berührten und einen Kuss darauf hauchte. Dann sah er sich um.
„Na ja, jetzt wo das feststeht, sollte ich vermutlich auch noch ein wenig etwas
zusammenpacken.“ Er sah sich im Zimmer um und obwohl er jetzt bereits einige Monate das
Zimmer bewohnte, war kaum etwas persönliches darin zu finden, mal von der Violine und
seinen paar Klamotten abgesehen. Er würde es nicht sonderlich schwer haben eine Tasche zu
finden, die groß genug war. Dann sah er Alyssa noch einmal schelmisch grinsend an, seine
Hand legte sich auf den Plan, der gekonnt zur Seite geschoben wurde und in der selben
Bewegung brachte er sich selbst von der halb liegenden, halb sitzenden Position in eine über
Alyssa kniende und drückte sie mit sanfter Gewalt in die Kissen, woraufhin ein
leidenschaftlicher Kuss folgte, der in sanften Küssen ihren Hals hinab fortgesetzte wurde, bis
er schließlich bei ihrem Brustbein angelangt war. Das Grinsen wurde nur noch breiter und er
war sich sicher, dass seine Aktion wie so oft nicht ohne Reaktion ihres Körpers ausfallen würde
und noch immer grinsend hefteten sich seine Augen auf ihr Gesicht um zu erhaschen, was sie
dachte. Doch noch bevor sie etwas tun oder sagen konnte, war er auch bereits wieder mit einer
geschmeidigen Bewegung aufgestanden und begann die braune Ledertragetasche hervor zu
wühlen, mit der sie schon die Sachen aus seiner alten Wohnung geholt hatten. Es war nicht viel
mehr geworden. Ein paar zusätzliche Jeans und T-Shirts, so wie Boxershorts, welche er ohne
darauf zu achten, dass sie schön zusammengelegt waren, einfach nach der Reihe in die Tasche
warf. Kurz darauf folgte noch sein Handy, Akku, eines der wenigen Dinge, die er sich zugelegt
hatte, aber er fand es echt praktischer, als er am Anfang erwartet hatte, auch wenn er es nur
selten benutzte, mal vom Musikhören abgesehen. Das Handy selbst befand sich in der
Hosentasche jener Hose, die vermutlich irgendwie einen Weg unters Bett gefunden hatte, wie
er mit einem suchenden Blick feststellte. Mit ein paar kurzen Schritten war er wieder beim Bett
und drückte Alyssa, die ihn beobachtete einen weiteren Kuss auf die Lippen, bis er sich nach
seinen Klamotten bückte und sie aufs Bett warf. Soweit wäre er dann reisefertig. Er sah zu
seinem Gewand.
„Ich wär dann fertig zum Aufbruch. Soll ich mich anziehen oder hast du im Moment noch
etwas anderes im Sinn.“ Sein Grinsen von vorher kehrte zurück und er wusste, dass Alyssa das
nicht einfach so auf sich sitzen lassen würde. Wenn nicht jetzt gleich, würde sie ihn
irgendwann in den nächsten Tagen sicherlich ähnlich dran bekommen, doch er wusste jetzt
schon, dass er es keineswegs bereuen würde.
Alyssa: Der Gestaltwandler hatte ihr geduldig zugehört und schien auch keine Einwände zu
haben, allerdings verfinsterte sich sein Blick etwas. Wie lange sie brauchen würden, wollte er
wissen. Gute Frage.
„Ich schätze so 5 Tage, wenn es gut läuft, vielleicht etwas länger, bis wir über die Grenze sind,
da es etwas 2 1/2 Tausend Meilen zu fahren oder fliegen sind...“
Sie wusste schon jetzt, dass er Teile der Strecke im Flug hinter sich bringen würde - oder als
Puma. Außerdem hatte sie noch einen Ass im Ärmel, beziehungsweise eine Überraschung, die
in Chicago auf sie warten und das Reisen von da an komfortabler gestalten würde. Damit war
das Thema fürs erste erledigt. Als sie ihn berührte, zuckte Seymor zusammen, die Kratzer
schmerzte wohl noch, doch auf seinem Gesicht war etwas ganze Anderes zu sehen, eine Mine
absoluter Unschuld, gefolgt von einer Aussage, die das Selbe beinhaltete. Ich hab gar nichts
gemacht, bin total unschuldig. Wie um von dem Thema abzulenken, schlug Seymor vor, zu
packen. Alyssa schüttelte nur erneut den Kopf und grinste: „Schwindler!“
Etwas unschlüssig sah sie ihn umherblicken, während sie noch ein Zeit lang da lag und Seymor
betrachtete. Doch da sah sie das schurkische Grinsen auf seinem Gesicht, dass sie so liebte. Auf
einmal war die Karte zur Seite geschoben, er war über ihr, drückte sie wieder hinab und küsste
sie - überrumpelt erwiderte sie den Kuss, aber seine Lippen ließen sie bald zurück und
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bewegten sich ihren Hals hinab. Leise seufzte sie auf, auch wenn sie spürte, dass er sich einen
Spaß daraus machte, als sie sein Grinsen an ihrer Haut fühlte, noch bevor sie es sah. Alyssa
schloss die Augen und blieb reglos liegen, die erwachende Lust war deutlich in ihrem Gesicht
zu sehen, schnell und geschmeidig was sein Gewicht jedoch wieder verschwunden. Sie hörte
ein leises Surren und das Rascheln von Stoff, erst da öffnete sie die Augen und sah Klamotten
samt Handyzubehör in einer braunen Tasche verschwinden. Wieder bei ihr küsste er sie erneut
und ergriff seine Kleider. Dann verkündete er, dass er bereit zum Aufbruch war. Das war wohl
das Zeichen, dass sie aufstehen sollte... Sie wollte gerade aufstehen, als seine Frage sie kurz
inne halten ließ, wieder war das Grinsen da. Alyssa erwiderte es mit einem Lächeln, stand auf,
ging um das Bett herum, legte eine Hand in seinen Nacken, zog Seymor zu sich und küsste ihn
auf die Art, wie er sie geküsst hatte. Ihre Hand wanderte seine Schulter entlang, seine Brust,
seinen Bauch, seine Hüfte entlang, dann in seinen Rücken. Eng schmiegte sie sich an ihn, ohne
den Kuss zu unterbrechen, er würde ihre Hüften an seinen und ihre weichen Brüste an seiner
Haut fühlen. Sie dehnte den Kuss lange aus, brach ihn dann umso unerwarteter ab, kehrte ihm
breit grinsend den Rücken und wandte sich ihren Sachen zu.
„Ich weiß ja nicht, was du im Sinn hast...“, gab sie zurück, während sie sich nach ihren Sachen
bückte. Die wenigen ihrer Sachen, waren längst gepackt - oder in ihrem Fall wahllos in einen
ledernen Rucksack gestopft - und warteten geduldig in ihrem Zimmer auf sie. Neben ihren
wenigen Klamotten, teilten sich der altbabylonische Kodex, die Antiken Schriften, das
Notizbuch ihres Vaters, Ethans Skizzen und James Gedichtband den Platz mit dem Langdolch
ihres Vaters, den sie Dank mühevoller Restauration bewahren konnte. Ihre Klamotten hatten
zur Ausnahme mal in einem Haufen gelegen neben Seymors Bett auf dem Boden, anstatt im
Zimmer verstreut zu sein. Es dauerte nicht lange bis sie angezogen und zum Aufbruch bereit
waren, dann schlichen sie sich an ihrem Zimmer vorbei, Alyssa schob sich leise hinein, ergriff
die Tasche und die beiden Briefe. Beim Hinausgehen warf sie einen letzten Blick in den Raum,
der Eichenschrank war bis zum Schluss nicht belegt geblieben, die Kommode hatte lediglich
als Ablage benutzt und in dem schweren Bett hatte sie so manche Nacht verbracht. Auf dem
Tisch warteten zwei Umschläge auf sie, die sie für diesen Anlass vorbereitet hatte. Ohne jedes
Bedauern zog sie die schwere Tür zu und der viktorianische Raum, in dem sie für fast 9
Monate Zuflucht gefunden hatte, verschwanden aus ihrem Blickfeld. Sie lief den selben Flur
ein Stück entlang, an der ausladende Wendeltreppe vorbei, vom Ausgang weg, bis sie vor einer
Zimmertür stehen blieb. Sie schob einen Umschlag darunter hindurch. Am Morgen würde er
ihn sicher entdecken und es würde ihn nicht erstaunen. Sie war kein Freund von
Abschiedsworten, stattdessen bedankte sie sich schlicht und kurz darin für Jordis Loyalität und
seine vorurteilsfreie Freundschaft, sie schrieb, dass sie ihn vermissen würde – ohne dass es eine
Lüge war, denn Jordi war einer der wenigen, besonderen Menschen in ihrem Leben gewesen,
die sie nicht vergessen würde. Und diese besonderen Menschen, die sie in den zweieinhalb
Tausend Jahre mögen und lieben gelernt hatte, konnte sie an zehn Fingern abzählen.
Dann schlich sie wieder zum Ausgang, vorbei an Azraels Büro, zu dem sie ohne Erlaubnis die
Tür aufstieß und hinein ging; auch für ihn hinterließ sie einen Brief, da er ansonsten keine
Worte der Kündigung von ihr, geschweige denn Seymor gehört hatte. Das war's. Ohne sich
einmal umzuschauen, verließ sie das Haus, ging zu ihrem Motorrad, wo Seymors und ihre
Sachen an dem Gepäckträger fixiert wurden. Sie bestieg das Motorrad und ließ Seymor
aufsteigen. Zusammen verließen sie das nächtliche New York über die Interstate 90, die in der
Dämmerung durch ihre erste Etappe durch den Wald führte. Aus dem Mp3-Radio, dass ihr
Jordi vor längerem besorgt hatte donnerten ein Song - "On the way to Wonderland" - während
sie dem Sonnenaufgang den Rücken kehrten.

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UNTER FREIEM HIMMEL
Buffalo – Pennsilvania, USA
Getreidefeld an der Interstate 90
Nacht 23. - 24. September 2009
Alyssa: Die Großstadtstraßen waren relativ leer, als sie noch in der Dunkelheit aufgebrochen
waren, so leer, wie sie eben in einer Weltmetropole wie New York sein konnten. Der flüssige
Verkehr stellte kein Hindernis da, sodass sie den Lärm und die dunstige Smogglocke des
Großstadtdschungels hinter sich ließen, ebenso wie die nervigen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Anfänglich hatte sie sie noch eingehalten, doch je weiter sie sich von der Stadt
entfernten, desto rasanter wurde ihr Fahrstil. Als die Vampirin den sechsten Gang anschlug,
schwoll das Dröhnen des Vierzylinders an und überlagerte alle Geräusche. Ihr schlanker
Körper wurde von den sanften Vibrationen der Maschine erfasst, die über den Asphalt
schwebte - erstaunlich schwerelos. Der kalte Fahrtwind schlug ihr entgegen, es wurde Herbst,
die Wärme des Sommers hielt nicht länger an. Doch durch ihre Lederjacke und durch Seymors
spürte sie die Wärme seines Körpers, sein Gewicht hinter sich. Seine Oberschenkel drückten
von hinten gegen ihr, seine Arme waren eng um ihre Taille geschlungen und ihre Körper eng
aneinander geschmiegt. Ihre Sinne waren präzise genug um gleichzeitig seine Nähe genießen
zu können und sich auf die Straße zu konzentrieren. Die Sonne tauchte den Himmel in ihrem
Rücken in einen Rotton, Nebel verschleierte am Morgen ihren Weg.
Sie wusste nicht, wie lange sie bereits gefahren waren, doch irgendwann hatte sich Seymor von
ihr gelöst und bald entschwand er ihr als Bussard. Die Sonne, die trotz des Fahrtwindes auf
ihrer Haut spürbar war, stieg immer höher und wärmte ihr Gesicht, sodass es für den Moment
nicht weh tat, Seymor in ihrer Näher zu haben - auch wenn sie das Gefühl ihm so nahe zu sein
sehr genossen hatte. Ein Blick gen Himmel zeigte ihr einen Bussard, auch wenn sie sich nicht
sicher sein konnte, so fühlte sie, dass es Seymor war, der von oben ihre Route verfolgte mit
wachsamen Augen. Alyssa tat es ihm gleich und genoss das neugewonnene Gefühl der Freiheit,
der Unabhängigkeit, sie liebte den Wind, der ihr Haar zerzauste und das Gefühl nahezu
schwerelos zu sein, als sie die Maschine an den äußersten Rand ihres Leistungsvermögens trieb
und mit mörderischer Geschwindigkeit dahin bretterte. Da sie wusste, dass Seymor nicht lange
würde mithalten können, drosselte sie ihr Tempo schnell wieder und fuhr gemächlicher weiter,
so dass es für ihn nicht schwer sein würde ihr zu folgen. Sie hielt kaum, nur kurz am Waldrand
an, um Seymor wieder aufsteigen zu lassen oder ihm eine Möglichkeit zu geben zu jagen. Im
Grunde standen sie nicht unter Zeitdruck und dennoch wollte sie Chicago morgen pünktlich
gegen 22h des kommenden Tages erreichen um James' Händler zu treffen, mit dem sie eine
genau Uhrzeit abgemacht hatte, er würde ihre Kawasaki übernehmen im Tausch für einen
anderen fahrbaren Untersatz. Zwar liebte sie dieses Motorrad über alles und dennoch war es
Zeit für etwas Bequemeres, vor allem da sie nun zu zweit auf dem Weg nach Kanada waren.
Alyssa hielt erst bei Rochester um schnell zu tanken und für sie beide etwas zu Essen zu
besorgen. Der nächste planmäßige Halt war am Abend, als sie Buffalo auf der Interstate 90
passiert und die Stadt in sicherem Abstand hinter sich gelassen hatte. Sie bog von der
asphaltierten Straße ab und folgte einem Weg, der sie von der Straße weg führte und dafür
direkt in ein Feld, dessen goldene Halme noch hoch standen. Das Wetter hatte sich gut gehalten
dieses Jahr, die Ernte kam spät und so bot es genügend Schutz. Als es nicht mehr weiter ging,
erstarb der Motor und Alyssa stieg ab. Von Seymor war noch keine Spur, aber sie war sich
sicher, dass er irgendwo in der Nähe sein musste, wie so oft. Nie war er weit weg. Still stand
sie da, blickte sich um und sah nichts, bis auf das Gold des reifen Weizens, das ihr bis zur
Hüfte reichte. Die Abendluft war warm und es roch nach Erde. irgendwo in Ferne plätscherte
ein Fluss vor sich hin. Grillen zirpten, ein Vogel flatterte, kein Motorengrollen war zu hören.
Sie schloss die Augen und atmete tief durch, bevor sie sich wieder auf ihre Kawasaki zu
bewegte, eine Decke heraus beförderte samt Lebensmitteln. Die Decke wurde in dem Feld
ausgebreitet und wölbte sich weich und einladend über die Halme. Sie warf die Sandwichs und
das Gebäck, das sie in Rochester gekauft hatte, auf die Decke, warf eine zweite daneben und
kramt nach einer leeren Flasche in ihrem Gepäck...
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Seymor beobachtete wie die Autos, die sie überholten immer wieder im Rückspiegel kleiner
und kleiner wurden, bis sie ganz verschwanden oder hinter einer Kurve oder einer Abbiegung
einen anderen Weg einschlugen als sie selbst. Er merkte wie Alyssa mit der Zeit immer mehr
das Tempo erhöhte je weiter sie sich vom Zentrum entfernten und immer wieder wunderte sich
Seymor darüber, dass die Straßen aus dieser Perspektive auch nach den Monaten, die er jetzt
schon hier war, noch immer seltsam aussahen. Er war zwar das eine oder andere Mal mit
Alyssa mitgefahren und das eine mal sogar selbst, wenn auch nicht lange. Aber den Großteil
der Zeit hatte er doch als Kater oder Bussard seine Wege zurückgelegt. Dann endlich ließen sie
die Stadt hinter sich und die kühle Morgenluft die in dem Wald so frisch schmeckte, wie sie
Seymor schon lange nicht mehr geatmet hatte, weckte seine Geister erneut zum Leben und er
fühlte sich richtig fit, obwohl er kaum geschlafen hatte. Sein Körper schmiegte sich nahe an
den Alyssas und mit seine Arme hatte er um ihre Taille gelegt. So blieb er noch eine Weile bei
ihr am Motorrad sitzen, bis er den Drang nicht mehr unterbinden konnte, eine Hand sich von
ihr löste und kurz ihren Arm berührte, dann ließ er auch mit dem andern los und nur ein paar
Augenblicke später erhob sich ein Falke - erst relativ langsam immer Höher steigend, doch
dann an Geschwindigkeit gewinnend - über dem Motorrad in die Luft. Seine Augen suchten
den Morgenhimmel ab und den Verlauf der Straße, der vor ihnen lag. Lange Zeit flog er
einfach über Alyssa hin und genoss die Freiheit. Dann, als der Tag schon hell von den Strahlen
der Sonne erleuchtet wurde und er die Wärme auf seinem Gefieder fühlte, weckte etwas
anderes seine Aufmerksamkeit. Er begann ein Wenig Abstand zu lassen, beobachtete die Straße
und flog so den Weg einfacher voraus, ohne sich um den Verlauf scheren zu müssen und so
einen leichten Vorsprung zu bekommen, welchen er kurzerhand ausnutzte um sich anzusehen
was seine Aufmerksamkeit erregte. Es handelte sich dabei um ein großes Lagerfeuer, das einige
jugendliche vermutlich bereits die Nacht über am Brennen gehalten hatten und von dem immer
noch Rauch aufstieg, während die Schlafenden rundherum verstreut lagen, so als wären sie
einfach dort liegengeblieben, wo sie umgefallen waren. Bis auf ein paar wenige hatten wohl
alle bereits einen Schlafplatz gefunden um den Rausch auszuschlafen, den sie mit Sicherheit
alle hatten. Dann flog Seymor wieder Richtung Straße zurück, wo er bereits das Motorrad sah,
doch noch bevor er dort ankam, erweckte bereits wieder eine Bewegung seine
Aufmerksamkeit, diesmal die der Bussardinstinkte. Für weniger scharfe Augen wäre es
vermutlich unmöglich gewesen es aus dieser Entfernung zu bemerken. Doch die scharfen
Bussard Augen hatten die kleine Bewegung am Boden bemerkt und noch ehe die Maus
tatsächlich realisiert hatte, dass sie in Gefahr war, hatten die Bussardklauen sie bereits
geschnappt und trugen sie mit sich in die Höhe.
Nach ein paar Stunden merkte Seymor wie Alyssa am Straßenrand anhielt und kurze Zeit
später landete auch er bei ihr, scheinbar hatte sie die Sehnsucht genauso gepackt wie ihn und so
fuhren sie erneut gemeinsam weiter. Irgendwann gegen Abend machte er sich dann erneut als
Bussard auf den Weg, die Gegend hatte sich verändert, der Wald war von Feldern abgelöst
worden und die Wärme der Sonne verblasste immer mehr mit dem Licht des Tages. Er hatte
beschlossen erneut nicht allzu weit hinter Alyssa herzufliegen und so blieb ihm auch ihr
Abbiegen von der Straße nicht verborgen und seine Flugrichtung änderte sich mit ihrem neu
eingeschlagenen Weg, der in einer natürlichen von Feldern umgebenen Sackgasse endete, wo
sie langsam vom Motorrad abstieg und begann ihre Sachen auszupacken. Vermutlich wollte sie
also hier übernachten, dachte Seymor sich was ihn dazu veranlasste einen Kontrollflug zu
starten und die Gegend kurzer Hand auszukundschaften. Er sah einen kleinen Fluss nicht
unweit von Alyssa, der vor sich hin plätscherte. Weit abseits von Alyssas gewähltem
Schlafplatz sah er die Umrisse von Häusern die wohl die nächste größere Ortschaft
ankündigten und auf der Straße, die sie verlassen hatten, fuhren Autos nach wie vor in einem
schier endlosen Szenario weiter. Doch sonst fiel ihm nichts Besonderes auf und er beschloss,
dass er sich keine Sorgen machen müsste. Mit einem letzten Großen Kreis, den er über Alyssa
beschrieb, verlor er immer mehr an Höhe und landete dann grazil in seiner Menschengestalt
nicht mal einen Meter von Alyssa entfernt und sah sie mit seinen goldenen Augen ein wenig
fragend an, was sie jetzt vorhatte. Der Decke und den restlichen Utensilien schenkte er nur
einen kurzen Blick, bevor er wieder ihren Blick suchte und sie erwartungsvoll ansah. Als er die
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Plastikflasche sah fiel ihm der Fluss wieder ein.
„Ich könnte die Flasche eben auffüllen gehen, in die Richtung ist ein Fluss vielleicht ein zwei
Minuten von hier.“
Alyssa blickte sich um, da das leise Rauschen von Federn ihre Aufmerksamkeit erweckte. Als
sie sich jedoch herum drehte, war von dem Bussard keine Spur, stattdessen sah sie Seymor, der
als Mensch dumpf und erstaunlich gelenkt auf dem weichen Erdboden neben ihr landete.
Sofort suchten ihre Augen wie aus Reflex den Blick der seinen, es war ihr zur Gewohnheit
geworden stets in seinen Augen nach jeglicher Gefühlsregung zu suchen, so als könne sie
durch das Gold hindurch in seine Gedanken blicken. Dieses mal stand eine Frage darin, die sie
jedoch nicht ganz verstand, dann wanderte sein Blick weiter zu der Decke und zurück zu ihr.
Natürlich war seiner scharfen Beobachtungsgabe die Flasche in ihren Händen nicht entgangen,
wie denn bitte auch. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass dem jungen Gestaltwandler nichts
entging. Er schlug vor, die Flasche am nächsten Fluss oder Bach aufzufüllen. Sie hörte zwar
seine Worte, aber in ihrer geistigen Abwesenheit dauerte es, bis die Worte wirklich ihr Gehirn
erreichten, denn diese Erwartung, mit der er sie betrachtete, löste in ihr den Drang aus diesen
einen Meter, der sie von einander trennte, zu überbrücken, was sie auch tat. Mit einem
geschmeidigen, langen Satz überbrückte sie den Abstand und stand direkt vor Seymor, ihre
Körper berührten sich fast. Als sie zu dem Gestaltwandler aufblickte, stellte sie erneut fest,
dass er doch ein ganzes Stück größer war als sie. Sie blickte direkt in seine Augen, ihre
Atmung war vollkommen gleichmäßig und auch ihr ganzer Körper entspannt. Sie war nicht
müde, aber sie wusste auch nicht, wann sie diese erstaunliche Ruhe zum letzten Mal gespürt
hatte, kein Lärm, keine Hast. Sie betrachtete ihn einige Herzschläge lang einfach nur und
streckte sich ihm ein Stück entgegen.
„Wo hast du dich denn herumgetrieben?“, hauchte sie grinsend gegen seine Lippen. Es waren
nur wenige Stunden, aber sie hatte ihn bereits jetzt vermisst. Nicht auf diese Art, die einen zur
Verzweiflung trieb, sondern einfach so, als hätte ihr etwas gefehlt, das ihre Welt vollkommen
machte. Noch bevor er antworten konnte, war die Flasche in ihrer Jacke verschwunden, ihre
kühlen Hände schoben sich in seinen Nacken und zogen Seymor zu sich, während sie sich an
ihn schmiegte. Sie überbrückte den letzten Abstand und versiegelte seine Lippen mit einem
Kuss, der eben so hastlos war. Nur langsam löste sie sich von ihm und in ihre Augen trat ein
verklärter Ausdruck, auf ihren Lippen stand ein liebliches Lächeln. Dann schüttelte als Antwort
auf seine Frage den Kopf.
„Du könntest mir helfen Feuerholz zu suchen, falls du welches gesehen hast. Den Bach kann
ich auch allein finden.“ Sicherlich würde die Nacht nicht kalt werden, aber kühl. Kühl genug
als dass sie ihm vielleicht nicht genügend Wärme geben könnte. Nun, aber ab morgen Abend
würden sie dieses Problem nicht mehr haben. Mit einem letzten Blick zu Seymor wandte sie
sich ab und stapfte durch das hüfthohe Gras in Richtung des Rauschens.
Es war nicht weit, bald hatte sie den Fluss erreicht, der sich quer durch das Feld gegraben hatte.
An den Seiten des Abhanges wuschen Büsche und Sträucher und das Wasser war absolut
blickdicht versteckt. Der Fluss war nicht tief und das Wasser war klar genug, als dass man den
steinigen Grund erkennen konnte. Alyssa schlenderte noch ein Stück hinauf, bis sie eine Stelle
gefunden hatte, an der das Gefälle größer war und das Wasser noch klarer. Als sie die Flasche
hinein tauchte, spürte sie wie kalt es war, eigentlich schon zu kalt zum Baden.
Wieder lief sie das selbe Stück flussabwärts. Sie bewegte sich schnell und es dauerte nicht lang
bis einen anderen Anschnitt erreichte. Das fließende Wasser wurde in einem kleinen künstlich
angelegten See gestaut, der sicherlich zur Kanalbewässerung verwendet wurde. Hier schien es
nun tiefer zu sein und das Wasser bewegte sich nur langsam, war aber dennoch sauber.
Unschlüssig blieb Alyssa stehen und betrachtete den Abendhimmel, der sich auf der glatten,
dunklen Oberfläche spiegelte. Augen blickten ihr entgegen - ihre Augen. Sie kniete sich erneut
hin tippte mit dem Fingern gegen das Wasser und brachte es in Bewegung, sodass das
Spiegelbild zerfloss. Durch das Lichtspiel im Wasser abgelenkt schweiften ihre Gedanken ab
und sie kam auf eine Idee... Schnell streifte sie die Lederjacke ab, die Stiefel, die Hose und
wartete an den flachen Ufern hinein. Eigentlich fühlte es sich gar nicht mehr so kalt an. Sie
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ging ein Stück weiter, bis sie bis zu den Oberschenkeln im Wasser stand und den kleinen See
bis zur Mitte durchquert hatte. Ob Seymor den See gesehen hatte...?
Seymor: Es dauerte nur ein paar Momente, bis sie tat wonach sie sich wohl beide sehnten. Es
waren nur ein paar Stunden gewesen, seit sie sich das letzte Mal berührt hatten und doch hatte
selbst diese kurze und geringe Entfernung auch in Seymor bereits wieder die Sehnsucht nach
ihr entfacht und so stellte sich bereits automatisch wieder das Wohlgefühl ein, als sie auf ihn zu
trat, das letzte Stück der sie trennenden Entfernung überwand und er den vertrauten Geruch
ihres Haars wahrnahm, der sich mit dem so ungewohnten Geruch der Felder und der frischen
und kühlen Nachtluft vermischte. Schon alleine daran konnte man nur zu deutlich merken, dass
sie die Großstadt ein gutes Stück hinter sich gelassen hatten. Ebenso gemächlich und zärtlich
wie sie ihn küsste, legten sich auch seine Hände um ihre Taille, während seine Lippen sanft den
Kuss erwiderten. Wie so oft löste die Zärtlichkeit dieses warme, vertraute Gefühl in ihm aus.
Auf ihre Entgegnung nickte er nur, auch wenn er sich fragte, ob es nicht etwas gefährlich war
in einem Feld ein Feuer zu machen. Aber Alyssa würde schon wissen, was sie tat. Es schmerzte
für einen Moment fast, dass sie sich erneut von ihm löste und während sie sich aufmachte in
die Richtung in der der Fluss lag, verfolgten sie seine Augen bis sie nicht mehr zu sehen war,
dann machte er sich daran Holz, das nicht zu nass war, zusammen zu suchen. Was nicht
schwer war; binnen kürzester Zeit hatte er mehr als genug gesammelt, um falls nötig, das Feuer
die Nacht hindurch am Brennen zu halten. Der Stapel landete unweit der Decke und dann
fragte er sich wo Alyssa so lange blieb. Er sah in die Richtung, doch sie war weder zu sehen
noch zu hören. Wenn ihr etwas passiert wäre, hätte er das sicher bemerkt, der Fluss war in der
Nähe und Alyssa wäre sicherlich nicht allzu leise gewesen, falls sie jemand attackiert hätte.
Außerdem wer sollte das hier draußen machen? Aber warum war sie dann noch nicht zurück?
Er ließ das Holz einfach an Ort und Stelle, den kleinen Stapel den er bereits aufgeschichtet
hatte beließ er vorerst auch einfach so und machte sich auf in die selbe Richtung in der Alyssa
verschwunden war. Als er sich dem Fluss näherte, hörte er ein leises Plätschern ein Stück
weiter dem Flusslauf folgend. Grinsend ging er in Richtung des Geräusches und
währenddessen veränderte, sich seine Gestalt, wurde etwas kleiner, seine Schritte wurden
zunehmend geräuschloser als 4 Pfoten leise vorwärts schlichen. Die Krallen eingezogen um
möglichst wenig Lärm zu verursachen, schlich der Puma weiter auf das Plätschern zu, die
Büsche und die Nacht als Tarnung nutzend, während die goldenen Augen das Sternenlicht
reflektierten. Wie er bereits vermutet hatte, fand er Alyssa bei dem kleinen Teich, den er bereits
aus der Luft gesehen hatte. Es wunderte ihn, dass Alyssa freiwillig hineingegangen war, da der
Gestaltwandler mittlerweile durchaus über ihre Schwäche was Wasser anbelangte Bescheid
wusste. Sehr langsam und vorsichtig, eine Pfote vor die andere setzend, pirschte er sich näher
an, bis er einen guten Blick auf das nächtliche Spektakel hatte. Die goldenen Augen blitzten
zwischen den Büschen auf, als das helle Mondlicht, das von einer vorbeiziehenden Wolke
verdeckt gewesen war, zum Vorschein kam. Doch er verharrte einfach reglos und beobachtete
wie das Wasser das Mondlicht ebenso reflektierte, Alyssa und die ganze sich ihm bietende
Szene in eine unwirklich schön wirkendes Bild verwandelte, das sich in seinen Gedanken
festsetzte und vermutlich für immer darin gespeichert bleiben würde. So musste ein Engel
aussehen, dachte er für einen kurzen Moment. Revidierte den Gedanken dann jedoch schnell
wieder, als ihm der Gefallene in den Sinn kam, nein so sah nur Alyssa aus und sonst niemand.
Unbeabsichtigt und von dem sich ihm bietenden Schauspiel fasziniert, gab die Raubkatze ein
Schnurren von sich, das wenn ihn nicht schon seine Augen verraten haben mochten, spätestens
jetzt ihre Aufmerksamkeit auf ihn lenken würde.
Alyssa: Langsam verschwand das letzte Licht am Horizont, die verwischen bunten Farben
verdunkelten sich und wurden blau. Alyssa war nicht lange hier geblieben, doch merkte man
zunehmend, dass die Tage kürzer wurden. Schnelle ging sie wieder zum Ufer, streifte sich das
Shirt ab und warf es zu ihren restlichen Sachen, dann wartete sie wieder zurück ins Wasser.
Sogar als sie die tiefste Stelle erreicht hatte, bedeckte es noch nicht einmal ihre Brüste. Das
Wasser wurde dunkler, bis es fast schwarz schien, flüssige Nacht. Allein die weiße Scheibe
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spiegelte sich darin und ihre Haut schimmerte als gespenstisches Weiß hindurch. Nachdenklich
und fasziniert betrachtete sie die Spiegelungen weiter. Hatte nicht einmal jemand zu ihr gesagt,
man fürchtet das, was man am meisten begehrt, dass es in Wahrheit gar keine Angst ist,
sondern eine tiefe, unheimliche Sehnsucht... Und genauso war es auch mit dem Wasser. Sie
hasste es, aber sie hasste es nur, weil sie sich fürchtete, da es ihren Tod bedeuten konnte. Aber
in Wahrheit war da diese Faszination für seine Schönheit, dieser selbstvernichtende Drang
einfach aufzugeben, sich einfach fallen zu lassen, sich selbst aufzugeben und sich treiben zu
lassen, in dem Nass zu ertrinken... es war ganz einfach... und genau deshalb fürchtete sie es...
Nein, korrigierte sie in Gedanken, früher war es einfach, jetzt hatte sie Seymor. Sie wusste
zwar nicht wie er es geschafft hatte, aber er hatte sie geheilt, er hatte sie verändert - doch weder
die Zeit noch Seymor vermochten die alten Narben der Vergangenheit auszulöschen... aber
vielleicht bestand noch Hoffnung für sie. Denn der Gedanke daran, wie sich seine Hände um
ihre Taille angefühlt hatten, wie zärtlich er sie geküsst und ihr nachgesehen hatte, vertrieben
die Dunkelheit aus ihren Gedanken. Unwillkürlich wanderte ihr Zeigefinger zu ihren Lippen
und fuhr sie nach, während sie an das Gefühl seiner warmen Lippen auf ihren dachte. Das
Gefühl, das sie langsam abhängig machte, wie wusste gar nicht mehr, wie es war ohne es zu
sein, ohne seine Nähe zu spüren. Wenn er in ihrer Nähe war, brachte er andere Ängste und
Schmerzen mit sich, die viel süßer waren und die sie gerne ertrug. Langsam senkte sie ihren
Körper ins Wasser, so dass es sie bis zum Hals bedeckte. Das Wasser fühlte sich kalt auf ihrer
Haut an, so dass es ihr im ersten Moment den Atem verschlug und sie fröstelte. Zugleich
schärfte es aber wieder ihre Sinne. Die Kälte ignorierend stieß sie sich vom steinigen Grund ab
und schwamm wenige Züge. Das Wasser gluckerte leise in der Stille. Die Geräusche hörten
sich so natürlich und friedlich an neben dem leisen Zirpen. Sie atmete zufrieden und gelöst
durch, schwamm wieder zurück, ließ sich von dem Wasser tragen. Als sie wieder Halt fand,
lehnte sie sich zurück ins Wasser, tauchte ihre Haare hinein, die sich zu ihren Seiten
ausbreiteten. Die nassen Finger strichen durchs Gesicht und wuschen die Überreste des Tages
und der Großstadt fort. Es war erstaunlich wie friedlich der Ort auf sie wirkte...
Alyssa tauchte wieder auf, denn irgendwo etwas abseits hörte sie ein Rascheln, sie blickte sich
um, konnte jedoch nichts sehen. Sie verharrte still, lauschte - nichts. Das Gefühl beobachtet zu
werden ließ sie aber nicht los. Also erhob sie sich wieder, ihr Haar schmiegte sich an ihren
Rücken und Wasser rann in dünnen Rinnsalen an ihrem Körper hinab. Bedächtig begann sie
sich auf das Ufer, wo ihre Sachen lagen, zu zubewegen - noch immer suchten ihre Augen die
Geräuschquelle, scannten die Büsche. Dann blitzte es golden auf, nur flüchtig, zwei leuchtende
Knöpfe, die gleich wieder erloschen, die Spiegelungen des Mondlichtes. Ohne Hast trat sie
weiter aus dem Wasser hinaus, bis sie nur noch knietief darin stand, ihr Blick was weiter auf
das Gebüsch vor ihr gerichtet, aber sie konnte nichts erkennen. Dann folgte ein zufriedenes
Schnurren, dass ihr eindeutig verriet, wo ihr stiller Beobachter war und wer er war. Das
schwarze Fell verschmolz perfekt mit der Dunkelheit der Nacht. Ohne dem Beobachter weiter
Beachtung zu schenken, wand sie ihm den Rücken zu und stieg wieder ins Wasser und wartete
bis fast zur Mitte, wo ihr das Wasser bis zur Hüfte reichte. Erneut tauchte sie samt Haar ins
Wasser und kam ganz langsam wieder auf. Ihre Finger begannen verträumt mit dem Wasser zu
spielen und die Spiegelung weiter zu verwischen. Verstohlen warf sie wieder einen Blick in
Richtung der Hecken und setzte das Spiel mit dem Wasser fort, aber nicht ohne sich ein freches
Grinsen verkneifen zu können. Ihre Finger glitten zu ihrem Hals, strichen hinab bis zu ihren
Brüsten, strichen zwischen ihren Brüsten entlang, über ihren Bauch und noch weiter hinab bis
ihre Hand im Wasser verschwand, wo sie die Innenseite ihrer Oberschenkel nach fuhr.
„Gefällt dir, was du siehst...“, scherzte sie mit einem anzüglichen Ton in der Stimme.
Seymor beobachtete weiterhin wie ihrer Haut das Mondlicht reflektierte, so wie die Oberfläche
des Wassers. Das Glitzern der Wasserperlen, die ihren Körper hinab rannen, ließen das ganze
Szenario nur noch unwirklicher erschienen. Ihre Sinne enttäuschten Seymor nicht, noch bevor
er sich bemerkbar gemacht hatte, war sie bereits auf ihn aufmerksam geworden, auch wenn sie
ihn nicht gleich entdeckt hatte. Langsam traut sie sich aus dem Wasser um sich umzusehen, erst
als sie sich sicher schien, wer ihr heimlicher Beobachter war, trat sie erneut zurück ins Wasser
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und bedeckte wieder einen Teil ihres Körpers mit dem nachtschwarzen Nass. Das Schnurren
wurde nur noch intensiver, als er - froh über seine Puma Augen - erkannte, dass die Nacht
nicht im Geringsten ein Hindernis darstellte, genau wie als Kater hatte er keinerlei Problem
vollkommen scharf zu sehen und nahezu jedes Detail zu erkennen, auch von jenen, die nicht
vom Mondlicht erhellt wurden. Sie tauchte wieder ins Wasser ab, wo sie einige Momente
verweilte, bevor sie sich wieder langsam erhob nur um ihn dann mit einem frechen Grinsen zu
belehren, dass sie nur zu gut wusste, dass er sie beobachtete. Das Schnurren wurde zustimmend
lauter und Seymor traut sich aus dem Schatten des Gebüschs hervor, sodass sie sehen konnte,
wie er als Mensch nahe an das Wasser herantrat, ein ebenso freches Grinsen lag auf seinen
Zügen, wie jenes das Alyssas Gesicht zierte.
„Du hättest mir auch einfach sagen können, dass du ein Bad nehmen willst, dann hätte ich
natürlich auf meine Manieren geachtet und mich nicht aus Besorgnis auf den Weg gemacht um
nach dir zu sehen.“, der sarkastisch Schalk klang nur zu deutlich in seiner Stimme mit. Stimmt,
er hätte sich vermutlich nicht auf die Suche gemacht... Er wäre ihr gleich gefolgt, grinste er nur
noch breiter.
„Hättest du etwas dagegen, wenn ich dir ein wenig Gesellschaft leiste?“
Ohne die Antwort abzuwarten, landete das T-Shirt bereits neben ihm am Boden und in einer
ebenso flüssigen, wie schnellen Bewegung folgte die Hose nur ein paar Augenblicke später. Er
trat noch ein paar Schritte näher ans Wasser heran und jetzt leuchtete auch seine helle Haut im
Mondlicht, was ihn dazu veranlasste sich vorzustellen, wie dieses Szenario wirken mochte. Im
Moment sahen sie wohl aus wie zwei Geister, die um ein nächtliches Moor spuken mochten. Er
setzte einen Fuß ins Wasser und staunte für einen Moment über die Kälte, die sich auf seiner
Haut ausbreitete. Doch es war nicht annähernd so kalt, wie er erwartet hatte. Die Wärme des
Tages hatte sich zum Teil im Wasser gehalten und mit ein paar weiteren Schritten überbrückte
Seymor die Entfernung, die Alyssa und ihn trennte. Auf seinem Oberkörper bildete sich eine
Gänsehaut obwohl an der Stelle, wo er Halt machte, das Wasser gerade mal ein Stück weit über
die Hüften reichte. Seine Hände fuhren durchs Wasser und seine goldenen Augen, die ihm jetzt
weit weniger verrieten als die leuchtenden Pumaaugen suchten ihren Blick, während ein
leichtes Zittern über seinen Körper ging um sich an die plötzliche Kälte anzupassen.
Alyssa hörte wie das Schnurren in der Dunkelheit lauter wurde, tiefer und kehliger - ein Laut,
der absolutes Gefallen ausdrückte und sie schmunzeln ließ. Dann war da ein leises Rascheln
von Blättern, die von irgendetwas gestreift wurden. Kurze Stille dann wieder Rascheln. Ihre
Augen richteten sich gebannt auf die Stelle, von der das Geräusch kam und dann erkannte sie
wie sich eine männliche Gestalt hinter dem Laub hervor schob. Seine Bewegungen waren
bedächtig und fast so geschmeidig wie die des Pumas. Als in das ihr so vertraute Gesicht
blickte, entdeckte sie ein schurkisches Grinsen darin und er richtete sich bereits an sie, während
sie ihm ganz langsam den Rücken zu wandte und ihre Finger wieder an den eigenen Seiten
hinauf und wieder hinab gleiten ließ. In seine Worte schwang unüberhörbar Sarkasmus mit und
das wussten sie beide, was sie dazu veranlasste noch breiter zu grinsen, auch wenn Seymor ihr
Grinsen nicht würde sehen können, sondern nur ihren Rücken, so würde er es sich sicherlich
denken können, da er sie bereits lange genug kannte. Sein eigenes Grinsen konnte sie in seiner
Stimme hören, ohne ihn auch nur ansehen zu müssen. Na sicher doch hätte er aus Höflichkeit
gewartet und wäre ihr nicht aus Sorge gefolgt. Alyssa schnaubte ungläubig auf. Sicher! Er wäre
einfach so gefolgt, genauso wie er es jetzt tat, als er fragte, ob er ihr Gesellschaft leisten
konnte. Eigentlich wartete Seymor noch nicht mal auf eine Antwort, im Grunde war es auch
keine ernst gemeinte Frage und die Antwort darauf hatte er sich bereits selbst gegeben, also
blieb ihr nichts zu sagen. Dann war das Rascheln von Stoff, dem sie wie gebannt lauschte ohne
sich nach ihm umzudrehen und schließlich ein kaum hörbares, dumpfes Geräusch als seine
Kleidung auf dem Boden landete.
„Wenn du magst, kannst du mir gerne Gesellschaft leisten.“, stimmte sie unnötigerweise zu, als
sie bereits das leise Gluckern des Wassers hörte, da Seymor den kleinen See betrat. Um
Fassung ringend atmete Alyssa tief durch nur um dann den Atem anzuhalten. Sie schloss die
Augen und blieb reglos im Wasser stehen, während nur ihre Hände die eigene Silhouette
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nachzeichneten, so dass Seymor sie nur als Rückenfigur sehen konnte und genau den Lauf
ihrer Finger nachverfolgen konnte.
Wieder Stille, vermutlich war das Wasser doch zu kalt, dachte sie sich und wollte sich gerade
nach Seymor umdrehen, als wieder das Geräusch des Wassers zurück kehrte. Sie konnte es sich
regelrecht vorstellen, wie sich sein nackter Körper durch das Wasser schob, wie hell und rein
seine Haut wirken würde, wie ebenmäßig seine Züge aussehen wurden. Mit all ihrer
Willensstärke musste sie das Bedürfnis unterdrücken sich nach dem Gestaltwandler
umzublicken. Stattdessen zeichneten sich nur in ihren Gedanken die Bilder von seinem
sehnigen Körper ab, von seinen geraden Schultern, der schön definierten Brust, dem flachen
Bauch und den kantig hervor tretenden Hüftknochen. Doch dann hatte er bereits die
Entfernung, die sie trennte, überwunden und sie konnte seinen Körper direkt hinter sich
erahnen, seinen Blick, der sicherlich den ihren suchen würde. Alyssa hielt den Atem an, als sie
spürte wie seine Hände durchs Wasser fuhren und fragte sich innerlich wann er sie wohl
berührend würde. Sie konnte seine Präsenz ganz deutlich wahrnehmen. Ihre Augen waren noch
immer geschlossen, sie erstarrte wie leblos in Erwartung dessen, was wohl als nächstes
kommen würde, während ihre Finger wieder den Weg hinab aufnahmen an ihren Seiten, bis
ihre Hände wieder im Wasser landeten und dort verharrten.
Seymor: Ruhig folgten seine Augen den sanften Bewegungen ihrer Finger, die langsam die
Konturen ihres Körpers nachzogen. Ihm war nur zu bewusst, dass sie dies - gerade weil er sie
beobachtete - tat, allein um ihn mehr zu reizen, weigerte sie sich verbissen sich ihm zu
zuwenden, doch im Moment störte ihn das noch nicht wirklich. Langsam begann sich sein
Körper an die Temperatur des Wassers zu gewöhnen und das einstweilige Zittern endete und
gleichmäßig atmend legte er den letzten Schritt zurück, der ihn von ihr trennte und mit
welchem ihm das Wasser nun gerade über den Bauchnabel reichte. Sein Körper war nur mehr
Millimeter von dem ihren entfernt, nur die kleinste Bewegung ließ sein Becken sanft bei ihr
ankommen, doch nur ein Hauch, der nur durch die Wärme des anderen Körpers überhaupt erst
verraten wurde. Dann genauso langsam wie er auf sie zu getreten war, fuhren seine Hände mit
den Fingerspitzen die Oberfläche entlang bis dahin, wo ihre Hände unter der Oberfläche
verborgen waren und ohne innezuhalten, dennoch so gemächlich und bedächtig wie zuvor,
wechselten seine Fingerspitzen von der Wasseroberfläche auf ihre Haut über. Liebkosten ihren
Arm aufwärts folgend in einer schon quälend langsamen Geschwindigkeit, bis er beinahe ihren
Ellbogen erreichte, von wo aus sie ohne den Kontakt zu unterbrechen auf ihren Bauch
übersetzten, um dort ebenso zärtlich weiterzuführen was er begonnen hatte.
Während sich seine Hände ihren Weg suchten, so gemächlich um sie legten, folgten leichte
Küsse seiner Lippen, die wie das Wasser zu seiner Haut im warmen Kontrast zu ihrer
abgekühlten und vom Wasser benetzten Haut standen und so als würde er die Küsse nur auf
ihre Schultern hauchen, mit kaum einer Berührung setzten hier seine Liebkosungen fort. Noch
immer zierte ein Grinsen sein Gesicht was sie trotz der Sanftheit seiner Küsse vermutlich
spüren würde, doch das Grinsen war nicht mehr voller Schalk, es war viel mehr ein wissendes
Lächeln, welches der Zufriedenheit, die bereits schon das Schnurren ausgedrückt hatte, jetzt in
seiner menschlichen Gestalt erneut Ausdruck verlieh. Sanft zog er Alyssa an sich und fühlte
wie ihn ihre nassen Haare im Gesicht kitzelten. Doch auch jetzt wanderte sein rechter Arm nur
äußerst langsam, wenn auch eine Spur schneller als zuvor, ihren Oberkörper hinauf, den selben
Weg, den zuvor ihre eigenen Hände beschrieben hatten; zwischen ihren Brüsten hindurch.
Dabei ließ er es sich nicht nehmen sanft mit dem Unterarm darüber zu streichen und weiter
aufwärts zu ihrem Schlüsselbein und schließlich zu ihrem Hals zu streifen, wo er gekonnt die
nassen, anliegenden Haare bei Seite schob und seine Lippen legten sich auf ihre Schulter um
von da aus zu ihrem Hals zu wechseln und ihn ebenso zärtlich aufwärts zu küssen, bis er ihr
Ohr erreichte und spielerisch einen Kuss unter ihr Ohrläppchen setze.
Alyssa: Seymor verharrte ebenso wie sie ganz still im Wasser, ihre Haut streife die seine und
ihre Finger ballten sich im Wasser kurz zusammen, um sich schnellst möglich wieder zu
entspannen, bevor er es bemerken konnte. Das Grinsen schwand völlig aus ihrem Gesicht und
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um sich jegliche Reaktion zu verkneifen, biss sie sich fast schon schmerzhaft auf die
Unterlippe. Es kostete sie einiges an Kraft um Seymor nicht um dem Hals zu fallen, ihn an sich
zu drücken und zu küssen. Aber den Erfolg wollte sie ihm jetzt noch nicht gönnen. Standhaft
achtete sie auf jede seiner Reaktionen, wartete auf den richtigen Moment. Sie spürte wie sein
Körper im Wasser zitterte und das Zittern allmählich abnahm, je näher er ihr kam. Er war ihr so
nah, dass sie einen ruhigen, gleichmäßigen Atem in ihrem Nacken als kühlen Hauch auf ihrem
nassen Haar und Rücken spüren konnte. Sein Becken streife sie leicht und sie unterdrückte
krampfhaft ein Stöhnen. Selbst durch die Kälte des Wassers konnte sie die Wärme seiner
Körpers fühlen, die ihn wie eine Aura umgab. Alyssa spähte unter leicht geöffneten
Augenlidern zu den Seiten hervor - ohne sich auch nur zu bewegen - und sah wie seine Hände
über die Wasseroberfläche glitten und sie Bewegung setzten. Kleine Wellen breiteten sich aus
und trafen auf ihren Körper. Sie konnte sie nicht spüren, aber sehen wie sich das Mondlicht
darin brach. Sie beobachtete wie seine Finger immer näher kamen und konnte die Berührung
kaum noch erwarten. Durch das Wasser empfand sie alles gedämpft, so dass seine Finger nur
ein federleichter Hauch an ihrem Händen waren, an ihren Armen und dann auf ihren Bauch
trafen. Sie biss sich noch fester auf die Unterlippe um kein Geräusch von sich zu geben, dass
sie hätte verraten können, sie wagte es kaum zu atmen, aus Angst ihr Atem könnte ihr als
Seufzen entweichen. Doch seine Hände hielten nicht inne, sondern wanderten weiter hinauf,
zwischen ihren Brüsten entlang, so dass seine Arm sie streifte, sie fühlen sich so warm an auf
ihrer kühlen Haut. Seine Lippen hauchten Küsse auf ihre Schulter und jagten eine Gänsehaut
über ihre Haut. Seine Hände erfüllten endgültig das, was sie gewollt hatte: er zog sie an sich
und ihre Rücken traf auf seine Brust, sie spürte seine Hüften gegen ihre Kehrseite drücken.
Alyssa schloss erneut die Augen und lehnte sich bereitwillig an Seymor, ergab sich für einen
Moment seinen Berührungen und konnte nicht umhin als zu seufzen und dadurch ihr
Wohlgefallen auszudrücken. Das Seufzen, das sie so lange unterdrückt hatte. Sie ließ ihn
einfach gewähren, ließ ihn ihr Haar zur Seite schieben und von ihrer Schulter hinauf küssen,
dabei legte sie den Kopf leicht zur Seite um ihm bereitwillig mehr von ihrer nackten Haut
anzubieten. Unwillkürlich lehnte sie den Kopf mit einem sachten Stöhnen zurück gegen seine
Schulter, so dass seine Lippen ungehindert weiter hinauf wanderten zu ihrem Ohr. Als seine
Lippen ihr Ohrläppchen streiften, zuckte sie mit einem wohligen Schauer zusammen, ihre
Lippen öffneten sich leicht, mittlerweile hatte sie jeglichen Widerstand aufgegeben und wollte
gar nicht länger verbergen, was er einmal mehr in ihr auslöste, auch wenn sie gewusst hatte,
dass ihre Reaktion ihm nur Moment zuvor lediglich ein Grinsen entlocken konnte. Alyssa
stöhnte gequält auf und drückte sich enger an ihn. Sie spürte erneut seine kantigen
Hüftknochen an ihrem Gesäß und sein Glied an ihren Schenkeln, was ihre Lust noch mehr
steigerte und sie feucht werden ließ. Ihre Hand hob sich und wanderten seinen Oberarm
entlang hinauf zu seinem Nacken, wo sie ihre feuchten Finger in seinem Haar vergrub. Ihn so
hinter sich zu spüren, machte Alyssa nur zu deutlich wie sehr sie Seymor jetzt in sich spüren
wollte. Ihr Blut begann schneller zu zirkulieren und ließ sich ihre sonst so blassen Wangen
rosig verfärben, sie spürte wie ihre eigene Haut wärmer wurde, regelrecht brannte gegen die
Kälte des Wassers. Ihr gesamter Körper verlangte nach ihm.
Seymor genoss jede ihrer Reaktionen, oder sollte er besser jede ihrer unterdrückten Emotionen
sagen. Er fühlte förmlich die Anspannung und ihre Selbstbeherrschung, die sie an den Tag
legen musst, um sich nicht nach ihm umzudrehen und noch viel mehr genoss er es, dass es für
sie eine noch weitaus schlimmere Qual war als für ihn, die sie sich selbst auferlegte. Vielleicht
entzog sie ihm ihr Gesicht und kehrte ihm den Rücken zu, doch er wusste zumindest was
passieren würde, während sie ihm vollkommen ausgeliefert war. Er staunte fast wie lange sie
die Selbstbeherrschung aufrecht erhalten konnte, doch schließlich merkte er wie immer mehr
ihrer Beherrschung mit den Tropfen, die langsam trockneten, verloren ging. Zuerst ein
Seufzen, das sie nicht mehr unterdrücken konnte, dann ein Aufgeben der Körperspannung, die
ihm nur zu deutlich demonstriert hatte, wie schwer es ihr gefallen war dem Drang zu
widerstehen und letzten Endes ihre gänzliche Aufgabe in seine Hände. Sie ließ sich
wortwörtlich fallen, lehnte sich zurück an seine Brust, kein Widerstand, nicht der geringste
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Funke eines Sträubens war zu spüren. Seine Hände waren nun richtungsweisend und den Rest
erledigte ohnehin ihr Drang ihm nahe zu sein, als er sie an sich zog.
Er fühlte ihren Rücken, der sich so perfekt an seine Brust schmiegte, ihr Haar, das er bei Seite
geschoben hatte um besser ihren Hals liebkosen zu können und das ihn nun wie zur
Erinnerung, dass er es war, der es dort hin verfrachtet hatte, an der Schulter kitzelte und kleine
Rinnsale von Wasser über seine trockene Schulter hinab laufen ließ, was ihm einen erneuten
kurzen Schauer über den Rücken jagte. Dann berührten seine Lippen ihr Ohrläppchen und was
ihr ein so süß klingendes, gequältes Stöhnen entlockte, sodass Seymor selbst im kalten Wasser
spürte, dass seine Manneskraft, die sich gegen die Rundung ihres Schenkels drückte,
keineswegs vor der Temperatur Halt machte. Ihre Gesäß drückte sich nur noch enger an ihn,
während seine Hand langsam von ihrer Schulter weiter in die Mitte wanderte, bis er ihr
Sternum erreichte während zugleich seine Lippen damit begannen ihr Ohrläppchen zu
liebkosen. Dann langsam fuhr die Hand noch ein Stück weiter nach oben, die andere Seite ihres
Halses entlang, der Linie, in der ihre Blutbahn verlief, aufwärts folgend, bis er das Kiefer
streifte und sich zeitgleich seine Küsse verlagerten. Ein wenig widerwillig ließ er von ihrem
Ohr ab und begannen ihre Wange von ihren Haaren feuchten Wange mit Küssen zu benetzen.
Noch langsamer als bisher wurden seine weiteren Bewegungen, leicht verlagerte er das
Gewicht, fühlte wie er ein Stück weiter aus dem Wasser glitt, nur um ein paar Zentimeter, und
doch drückte sein Glied nun zwischen ihre Schenkel, nicht mehr dagegen, bereits als Zeichen
dass auch an ihm die Lust, die sie ebenso in ihm auslöste, nicht spurlos vorbeiging. Zögernd,
fast schon zaghaft strichen sein Zeige- und Mittelfinger den Unterkiefer entlang bis fast zum
Mittelpunkt ihres Kinns und zwangen sie sanft den Kopf in seine Richtung zu drehen, wo
bereits seine Lippen darauf warteten sie mit einem süßen Kuss zu verschließen.
Alyssa spürte wie Seymor bei der Berührung erschauderte, seine Liebkosungen jedoch unbeirrt
fortsetzte. Sie erschauderte erneut, als sie seine Lippen an ihrem Ohr fühlte und er sie sanft
küsste. Zugleich spürte sie wie sich auch sein Körper regte und er seine Hand wieder zu ihrem
Brustbein hinab gleiten ließ. Alyssa wusste, dass er ihre Vene nachzog, als sie seine Finger an
ihren Hals spürte und schließlich an ihrem Kinn. Seine Lippen ließen von ihrem Ohr ab und
suchten sich über ihre Wange einen Weg zu ihren Lippen, während seine Finger zögerlich aber
unwiderstehlich ihr Gesicht in seine Richtung drehten um sie zu küssen. Seymors Körper
bewegte sich, als er seinen Stand wechselte und Alyssa keuchte daraufhin auf, als sie sein
Glied enger an sich spürte - verlockend zwischen ihren Schenkeln. Es war nicht gerade
förderlich, denn dadurch steigerte er ihr Lust nur noch weiter, so sehr, dass es zwischen ihren
Schenkeln fast schmerzte und sie bereits jetzt halb wahnsinnig wurde, so sehr wollte sie ihn.
Sie keuchte widerwillig und gequält, als sie sich ihrer Lust bewusst wurde, die einmal mehr
drohte ihre Sinne zu betäuben. Im Augenblick wollte sie keine Gedanken an irgendetwas
verlieren, das Einzige was sie sie wollte war er, ohne Denken, ohne Zweifeln, ohne Zögern.
Und genau dieser Impuls, der alle ihre Gefühle zu verschlingen drohte, brachte ihren Verstand
zumindest teilweise in die Realität zurück.
Nur widerwillig löste Alyssa ihre Hand aus Seymors Haar, ließ sie wieder seine Schulter
entlang gleiten, seinen Arm hinab, bracht den Kontakt kurz ab, um ihre Finger sanft auf seine
Hüfte zu legen. Nur wenige Zentimeter trennten sie von einem Kuss und sie sehnte sich danach
seine Lippen zu schmecken, aber dennoch schien es ihr einmal mehr übereilt. Sie hasste diese
Zweifel, hasste diese Gedanken und wünschte sich, dass sie ihren Verstand ausschalten könnte.
Widerwillig löste sie ihren Körper von ihm, doch nur für einen Augenblick um sich fast wie in
Zeitlupe nach Seymor um zu drehen, während ihre Hand zärtlich quer über seinen Unterleib
zur anderen Hüfte strich. Ihr Gesicht war wieder ganz dicht an seinem, sie konnte ihn fast
schmecken, fühlte seinen Atmen, der ihre zum Kuss leicht geöffneten Lippen streifte und
dennoch verweilte sie. Auch ihre zweite Hand folgte der ersten und zeichnete seinen
Hüftknochen unter Wasser nach, so dass schließlich bei an seinen Hüften lagen. Zärtlich legte
sie beide Hände flach auf seinen Bauch und strich sehr langsam seinen Bauch hinauf, über
seine Brust, über seine Schultern und zu seinem Hals. Ihre Finger schlossen sich um seinen
Nacken und zog Seymor näher an sich heran. Um ihm noch näher zu sein, streckte sich Alyssa
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auf die Zehnspitzen und presste ihren Leib wieder dich an Seymors, ihre Hüften drückten
einladend gegen seine. Sie dehnte den Kuss lange aus, ohne dass er an Leidenschaft und
Intensität verlor. Sie wollte ihn, daran ließ sie keinen Zweifel, als ihre Zunge zwischen seinen
Lippen um Einlass bat. Sie wollte, dass er genauso in sie eindrang, wie ihre Zunge zwischen
seinen warmen, weichen Lippen eindrang und ihn liebkoste. Ihre Hüften rieben sich vorsichtig
an seinem Becken und fanden einen langsamen Rhythmus, während sie sich an ihn schmiegte.
Atemlos löst sie den Kuss wieder und mit dem Kuss löste sie sich nun endgültig von Seymor.
Ohne Worte, ohne Gesten entwand sie sich einen Händen und gab ihren Bewegungen
genügend Nachdruck um keine keine Zweifel daran zu lassen, dass er sie sich auch wirklich
und unumstößlich von ihm lösen wollte. Ohne ihren hungrigen Blick von seinen Augen zu
lösen, bewegte sie sich rückwärts, bis genügen Abstand zwischen ihnen war, dann ging sie
wieder auf das Ufer zu und stieg aus dem See. Stumm blieb sie stehen und hob ihre und seine
Kleider um Boden auf, dabei warf sie Seymor ein herausforderndes Grinsen zu. Auch in ihren
Augen stand die Lust noch ungetrübt. Damit wand sich sich hastig ab und verschwand ohne ein
Wort hinter den Hecken. Ihre bloßen Füße fanden mühelos Halt und sogar in der Dunkelheit
sahen ihre Augen den Weg klar genug. Sie nahm geradewegs den Weg zu ihrem - mehr oder
weniger - Lager zurück. Sie hoffte nur ohne sich teleportieren zu müssen schnell genug bei
ihrem Rastplatz zu sein als Seymor in seiner Pumagestalt.
Seymor: Nach wie vor war jenes Lächeln auf seinem Gesicht, das immer wieder von einem
Grinsen abgelöst wurde, das nur zu deutlich zeigte, wie sehr er es genoss die Oberhand zu
haben und ein wenig mit ihrer Lust zu spielen. Er fühlte förmlich wie sie unter seinen
Berührungen immer mehr die Kontrolle verlor und sich immer mehr von ihm einnehmen ließ.
Seine Männlichkeit, die er immer deutlicher anschwellen fühlte, ließ jedoch ihn immer mehr an
Beherrschung verlieren und ein leises Seufzen entlocken. Dann jedoch veränderte Alyssa
ihrerseits die Position und nicht nur die Lage veränderte sie, er konnte in Gestik, Mimik, ja
sogar in der Art, wie sie ihn langsam streichelte, erkennen, dass sie wieder an Kontrolle
gewann und noch bevor sie sich tatsächlich, wenn auch nur Millimeter von ihm löste, wusste er
bereits, dass er für den Moment die Oberhand wieder eingebüßt hatte, doch zumindest ließ sie
ihm einen mehr als würdigen Trostpreis zukommen. Langsam, so wie auch er sich bewegt
hatte, dreht sie sich zu ihm herum, ließ nun ihrerseits die Hände über seinen Körper wandern,
was ihm ein leises Stöhnen entlockte und strich bis zu seiner Männlichkeit hinab, während ihre
Lippen fordernd und doch zärtlich sich den seinen näherten und einen leidenschaftlichen Kuss
eröffneten. Mit ebensolcher Intensität, wenn auch ein wenig geknickt durch die ihm
genommene Position, erwiderte er den Kuss und auch als ihre Zunge fordernd nur das
bestätigte, was ihr Körper schon zu deutlich gezeigt hatte, wusste er doch, dass sie jetzt wieder
die Führung übernahm.
Von dem Kuss abgelenkt, wurde der Gestaltwandler überrascht, als sie sich plötzlich löste.
Ihre - im Gegensatz zum Vorangegangen - viel zu schnelle Beendigung der Nähe und die viel
zu großen Entfernung holten ihn endgültig in die Gegenwart zurück. Spielerisch und doch
zugleich auch ernsthaft erwiderte er ihren Blick mit einem gequälten Ausdruck, als sie weiter
zum Ufer zurück trat, wartete sogar. Aber als sie die Kleidung aufhob, ließ er ihr einen
gewissen Vorsprung, dann jedoch setzte er ihr hinterher. Er wartete nicht einmal ganz aus dem
Wasser heraus, als die menschlichen Beine bereits wieder von den Pumapfoten abgelöst
wurden und er die Jagd genoss. Sofort sprintete er in seiner Höchstgeschwindigkeit mit dem
Ziel, sie einzuholen, bevor sie beim Lager ankam, was er schließlich auch schaffte. Doch
anstatt sie bereits am Weg abzufangen, tauchte die Raubkatze unweit hinter ihr ins Feld ab und
überholte sie dort. Er spürte wie die Halme ihm entgegenschlugen und doch störte sich der
Puma kaum daran. Unbeirrt wusste er exakt, wo sich ihr Lager befand und dort angekommen,
wartete er ruhig auf seine Beute. Lauerte nahe der Decke, immer noch im Feld verborgen.
Alyssa: Mit ihrer Reaktion hatte sie es vermocht dieses eine Grinsen aus seinem Gesicht zu
verdrängen, das sein Gefallen ausgedrückt hatte, die Kontrolle über die Situation zu besitzen.
Doch zugleich hatte ihr sein leises Seufzen verraten, dass auch Seymor begonnen hatte sehr
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langsam seine gewonnene Kontrolle zu verlieren. Und genau das war ihre Gelegenheit
gewesen, ihre Chance die Positionen zu vertauschen, er hatte die Kontrolle bereits lange genug
gehabt, sie war bereits lange genug ausgeliefert gewesen. Auch wenn es nicht an dem Kuss
selbst lag, so hatte Alyssa doch bemerkt, dass es Seymor nicht wirklich behagte, als sie ihm die
Kontrolle abrang und dennoch ließ er sie gewähren. Sie fragte sich nur weshalb, denn im
Grunde hatte er noch die Macht gehabt ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen, doch
wahrscheinlich war er einfach klüger und wusste, dass er sie dadurch nur noch mehr
herausfordern würde und tat es nur um ein Kräftemesse zu vermeiden. Dennoch hatte er
zugleich auch überrascht gewirkt von ihrer plötzlichen Reaktion. Aber auch die Qual in seinem
Blick ließ sie nicht daran zweifeln, dass er ihr ausgeliefert war. Zumindest nicht jetzt. Jetzt
zweifelte sie kein bisschen daran, dass er noch immer die Macht hatte, die Kontrolle zurück zu
erlangen, wenn er nur wollte. Also musste sie diese Gelegenheit ausnutzen, solange sie sich
bot. Während sie durch das Feld rannte, lauschte Alyssa immer wieder, aber sie konnte nichts
hören bis auf ihre eigenen Schritte, die viel zu laut in der Nacht waren, als sie durch das
Kornfeld rannte, aber es war ihr einfach unmöglich sich hier geräuschlos zu bewegen - Vampir
hin oder her. Außerdem gab sie sich noch nicht einmal Mühe geräuschlos zu sein, sondern
einfach nur schnell zu sein. Sie wollte im Grunde doch, dass Seymor ihr folgte, sie wollte
einfach nur schneller sein. Aber so langsam vermutete sie fast, dass er nicht folgen würde und
ihre Schritte wurden langsamer. Alyssa blieb mitten im Feld stehen und lauschte auf seine
Schritte, die erst kurze Zeit später einsetzten. Aber sie hörte keinen Menschen, diese Schritte
waren schneller, regelmäßiger und viel leiser. Sie wusste bereits, dass sie sich auf eine
Konfrontation mit einer Raubkatze gefasst machen musste. Auch wenn keine Gefahr bestand,
begann ihr Herz schneller zu schlagen und Adrenalin durch ihren Körper zu jagen. In fast
doppelter Geschwindigkeit setzte sie ihren Spurt in Richtung Schlafplatz fort. Seine Schritte
kamen immer näher, sie dachte schon, er hatte sie eingeholt, doch dann rauschte es irgendwo in
der Nähe und die Schritte verschwanden wieder so schnell wie sie aufgetauchte waren.
Unbeirrt rannte sie weiter. Das Lager kam in Sicht doch von Seymor war keine Spur. Sie
erreichte die kleine Lichtung und kam abrupt zum Stillstand, strauchelte und fiel fast über ihre
eigenen Beine so scharf bremste sie, als sie den Puma - Seymor - vor sich entdeckte, um nicht
in ihn hinein zu rennen. Ihre nackte Brust hob und senkte sich schnell, wenn sie auch noch
lange nicht außer Atem war. Ihre Sachen landeten achtlos weggeworfen auf der Decke und
Alyssa fixierte für wenige Sekunden den Blick aus goldenen Augen, abschätzend. Sie fragte
sich, ob er ihr nachsetzten würde. Dann setzte sie sich wieder in Bewegung, als sie erkannte
dass sie die Beute und er der Jäger war. Na wenn schon, dann würde sie es richtig machen und
laufen. Sie rannte nicht weit, sondern gerade wenige Schritte zu dem Holzstapel, den Seymor
bereits zusammen gesucht hatte und kauerte sich so hin, dass er ihr Schutz bot und zwischen
ihr und dem Puma war, auch wenn er einem Angriff nicht lange hätte Stand halten können. Sie
lauerte selbst auf seine nächste Reaktion.
Seymor: Leise, bedächtig, halb im Schatten und im Feld verborgen lauerte die Raubkatze auf
ihre Beute, die unaufhörlich ihren Weg bis zum Jäger finden würde. Es war fast zu einfach
einer Beute aufzulauern, deren Ziel man ohnehin schon kannte, grinste Seymor innerlich und
achtete noch behutsamer darauf die Krallen eingezogen zu lassen um nur auch ja kein
kratzendes Geräusch zu verursachen, das ihn hätte verraten können. Der Atem des Pumas ging
flach und er spürte wie sich sein ganzer Kreislauf beruhigte und zugleich sein Körper doch die
Muskeln anspannte. Er war bereit, wenn nötig, zuschlagen zu können. Erneut blitzten die
goldenen Augen durch die Nacht, als er kurz den Kopf ein Stück hob um in die kühle Nachtluft
zu wittern und mit dem feinen Gehör Geräusche zu erahnen. Zufrieden stellte er fest. dass sie
jeden Moment genau hier ankommen würde, er musste an das erste mal denken, als Alyssa bei
seiner ersten Verwandlung in den Puma dabei gewesen war. Obwohl die Erinnerungen daran
teilweise nur sehr schal waren, verschwommen wie wenn man einen Duschvorhang
vorgezogen hätte, so hatte er doch von Alyssa erfahren wie wenig er sich in Wahrheit unter
Kontrolle gehabt hatte und wie sehr sie mit der Gefahr gespielt hatte und dabei hatte sie ihm
vermutlich noch nicht einmal alles erzählt, denn wie sie die Krallenspuren erhalten hatte, hatte
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sie kurzerhand ausgelassen. Dieser Abend lag nun auch bereits eine ganze Weile zurück.
Mittlerweile hatte er die Pumagestalt, was das anging, ebenso gut unter Kontrolle wie er auch
die anderen beiden hatte, auch wenn er sich in der Gestalt des rotbraunen Katers immer noch
am wohlsten fühlte. Ein Gefühl, das sich vermutlich niemals ändern würde. Dann hörte er es
deutlicher, die schnellen Schritte der bloßen Füße, die eilig immer näher an das Lager
herankamen. Erneut spitzte er die Ohren lauschte und schätzte die Entfernung ab, spürte den
Wind, der verräterisch seinen Geruch ihr entgegen wehen würde. Wäre Alyssa ein normaler
Mensch gewesen, wäre es vollkommen egal gewesen, doch so wusste er nur zu gut, dass selbst
das mehr als genug ausreichte um ihn zu verraten. Dann erreichte sie das Lager und zu seinem
Bedauern hatte er recht gehabt mit seiner Annahme, dass ihre Vampirsinne sie auch dieses mal
nicht im Stich ließen. Sie hatte ihn entdeckt, noch ehe sie auch nur im Entferntesten in
erreichbare Nähe gekommen war, und ließ ihre beider Sachen einfach auf die Decke fallen,
während ihre Blicke sich streiften. Er kannte diesen Blick, sie würde es ihm jetzt nicht einfach
machen. Es wurde wenigstens interessanter, wenn sie sich nicht als einfache Beute
herausstellte. Wenn er sie dann erneut eingefangen hätte, wäre es nur eine viel größere Freude
sie erneut mit Liebkosungen um den Verstand zu bringen. Ihr Blick war abschätzend, genau
wie seiner, und als sie sich schließlich umdrehte und hinter dem Holzstapel in Deckung ging,
war das das Zeichen für die Eröffnung. Mit einer geschmeidigen Bewegung schnellte er nach
vor aus seinem Versteck heraus, setzte mit Leichtigkeit über die Decke hinweg und erhöhte
sein Tempo immer mehr je näher er dem Holzstapel kam. Sie wusste vermutlich genauso gut
wie er, dass diese nicht einmal provisorische Deckung kein Hindernis für ihn wäre. Seine
goldenen Augen fixierten sie und nichts würde ihn jetzt noch davon abhalten seine Beute zu
erwischen.
Alyssa: Die Raubkatze erwiderte ihren Blick auf eine für ein Tier zu direkte und untypisch
Weise. Über mehrere Augenblicke hielt diese intensive Verbindung, ohne dass einer der beiden
sie brach. Der Ausdruck des Pumas hatte etwas lauerndes, abschätzendes, das Alyssa einen
Schauer über den Rücken jagte. Zu deutlich las sie darin, dass sie seine Beute sein würde, was
völlig ungewohnt war. Allein dieser Blick ließ ihr Herz höher schlagen und steigerte ihre
Erregung. Auch wenn es absonderlich war, sie wäre gern seine Beute, sie würde es sogar
darauf anlegen. Ihr Versteckspiel hinter dem Holzstapel schien den Puma erst recht
herauszufordern, denn das Tier preschte bereits voran, ließ mit einem geschickten Satz die
Decke hinter sich. Seine Bewegungen schienen schneller, immer schneller zu werden, je näher
er ihr kam. Auch wenn ihre Deckung nicht lange Stand hielt, wartete Alyssa dennoch brav auf
ihren Jäger ohne zu fliehen. Sie wich ein wenig hinter dem Holz zurück, als sie die
Entschlossenheit in den Augen der Raubkatze sah. Erst als der Puma keinen Meter entfernt war
und mit einem letzten Satz über das Holz setzte und auf ihr zu landen drohte reagierte Alyssa.
Sie konzentrierte sich auf das Feuer, das ein Teil von ihr war und ließ es frei, ließ es die
Überhand gewinnen und ließ sich davon verzehren, umhüllen, so dass sie auf einmal darin
verschwunden war. Wo sie gestanden hatte, war keine Spur von der Frau, nur der leichte
Geruch von Feuer erinnerte an sie. Der Puma verfehlte seine Beute. Und dieses mal ließ sie
sich Zeit, sie ließ auch dem Puma Zeit sich umzublicken, bevor sie sich an der Decke
materialisierte, die der Puma so mühelos hinter sich gelassen hatte. Geschmeidig ließ sie sich
mit gekreuzten Beinen auf die Decke fallen und blickte den Puma mit einem herausfordernden
Grinsen an.
„Armes Katerchen!“, schnurrte sie mit einem schadenfrohen Unterton, der den Puma weiter
reizen sollte. Ihre Finger strichen das noch etwas feuchte Haar zurück und offenbarte ihre
runden Brüste in ihrer vollen Nacktheit, die Finger wanderten dann wieder ihren Hals hinab
und ließen dann von der Haut ab. Sie stützte sich mit beiden Armen ab und lehnte sich leicht
zurück, streckte ihren Rücken durch, wobei ihre Brüste und die helle Haut nur noch mehr zur
Geltung kamen, lehnte den Kopf aufreizend zurück, strecken ihren Hals und warf dem Puma
einen herausfordernden Blick zu, während sie ihre Beine entknotete und leicht angewinkelt auf
der Decke platzierte. Eine ihrer Hände löste sich von der Decke und strich ihre Seite entlang,
ihre Rippen, die Hüfte, das Becken, den Oberschenkel.
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„Komm und nimm mich!“, säuselte sie mit einem schiefen Grinsen. Sie ließ sich gerade so viel
Zeit, dass sie den Puma beobachten konnte und er sich ein genaues Bild von ihr machen
konnte. Doch dann war sie mit einem geschmeidigen Sprung wieder auf den Beinen und rannte
nun auf der anderen Seite des Platzes, wieder an der Decke vorbei, in Richtung ihres
Motorrads.
Seymor: Immer höher wurde seine Geschwindigkeit, als er sich ihr näherte und immer präziser
schätzte er die exakte Flugbahn ein, die er haben würde und den Moment an dem er abspringen
müsste und dann war er da. Seine Sprunggelenke gaben alle Kraft seiner Muskeln preis und mit
einem Gewaltigen Satz der vermutlich gar nicht nötig gewesen wäre, setzte er spielerisch über
den Stapel hinweg und auf seine Beute zu. Doch wie nicht anders zu erwarten würde sie es ihm
nicht ganz so einfach machen. Fast schon bevor er es tatsächlich realisierte, wusste er was sie
vorhatte. Damit war er die eigentlich geplante Strategie wieder über den Haufen und bereits im
Voraus wissend, wo sie sich materialisieren würde, landete er geschickt auf allen Vieren ohne
eine Sekunde des Erstaunens oder der Verwirrung und mit einem kleinen halb Kreis um die
Geschwindigkeit zu drosseln, richteten sich die Augen der Raubkatze auf die Decke, wo er
bereits fand wonach er gespäht hatte. Aufreizend wie er es nur von ihr kannte, räkelte sie sich gerade zu ihm zum Trotze - auf der Decke. Einladend. Versprechend. Verführerisch. Zärtlich
strichen ihre Hände ihren eigenen Körper entlang, betonten nur noch mehr, was sie ihm zu
versprach und was ihre Worte nur erneut wiedergaben. Das goldene Funkeln folgte jeder ihrer
Bewegungen, obwohl er sie schon oft so gesehen hatte, war er doch jedes mal aufs Neue wie
gebannt von dem Anblick und für einen Moment hielt er einfach gebannt inne.
Dann erhob sie sich eben so schnell wie sie dort aufgetaucht war und stürmte auf ein neues Ziel
zu. Doch der Puma hatte längst erkannt, wo sie hin wollte und so einfach würde er ihr nicht die
Gelegenheit bieten, dass sie sich den Vorteil des Motorrads ergattern konnte. Nur ein paar
Sekunden nach ihr startete er bereits auf das selbe Ziel zu, überholte sie nur um ein zwei Meter
bevor sie beide beinahe das Motorrad erreichten, nur um dann eine Kehrtwende einzulegen, die
selbst mit 4 Beinen schon gekonnt sein musste, aber mit zweien sicherlich niemals so möglich
wäre, um jetzt in menschlicher Gestalt keinen Meter vor Alyssa aufzutauchen. Da er wusste,
dass sie ohnehin nicht mehr schnell genug ganz abbremsen konnte, breitete er die Arme aus
und als sie schlitternd zum Stillstand kam, schlossen sie sich um sie.
„Hab ich dich.“ Es klang wie es wohl der Vater zu seiner Tochter sagen würde und doch war
noch ein gewisser Schalk darinnen, der nicht ganz dazu passte. Diesmal - nicht so langsam ließ er seine Hand ihren Rücken hinab streichen.
Alyssa: Wider jeder ihrer Erwartungen löste sie noch nicht einmal den geringsten Funken von
Erstaunen in dem Augen des Pumas aus. Sie fand nichts darin, also musste er sie mittlerweile
einfach zu gut kennen und ihre Reaktionen geahnt haben. Innerlich verfluchte sie sich dafür,
dass sie ein offenes Buch war, aber äußerlich blieb sie weiterhin gelassen, jedenfalls so
gelassen wie es ihrem jetzigen Zustand ging. Es hatte kaum Sekunden gedauert, bis die
goldenen Augen sie auf der Decke gefunden und sie betrachtet hatten, ganz so wie von ihr
gewollt. Das Einzige, was sie in seinem Blick erkannte, war die Faszination für ihren nackten
Körper, doch auch das dauerte nicht lange an, denn der der Puma folgte ihrer Herausforderung
und stürmte bereits auf sein Ziel los. Allerdings war seine Beobachtungsgabe erstaunlich, denn
er schien ihr immer einen Schritt voraus zu sein und kannte ihr Ziel, noch bevor sie sich in
Bewegung gesetzt hatte. Sie sah wie er mit einem geschickten Satz und kaum Anstrengung
aufholte und sie sogar überholte. Alyssa wusste, dass er auf sie warten würde und dass sie
geradewegs auf ihren Jäger zu laufen würde, also bremste sie ihren Lauf bereits ab, als er an
Vorsprung gewann. Doch ebenso rasant wie er ihr Ziel erreicht hatte, stand er bereits mit dem
Gesicht zu ihr und sie blickte in das Gold. Aber es waren längst keine Katzenaugen mehr,
sondern menschliche. Alyssa wusste, was sie erwarten würde.
Mit dem Schwung, den sie drauf hatte, vermochte sie es nicht rechtzeitig stehen zu bleiben,
sondern schlitterte trotz jeder Bemühungen vorwärts, seine Arme waren jedoch bereits da um
sie zu fangen - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie legten sich um sie und hielten sie fest, so
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dass sie ihm nicht entkommen konnte, oder jedenfalls kein Risiko eingehen wollte ihn zu
verletzten mit einer Teleportation. Aber er hatte gewonnen, das zeigten seine Worte.
Bereitwillig ließ sie sich gefangen nehmen und ergab sich wider ihrer natürlichen
Gewohnheiten, obgleich ihr innerer Siegeswille rebellierte und auf eine Fortsetzung bestand, er
wurde jedoch einfach sei Seite geschoben - vorerst. Was sie allerdings störte war seine Tonlage,
denn es erinnerte sie viel mehr an einen Vater, der mit seinem Kind spielte; de facto sprach er
mit ihr wie mit einem kleinen Mädchen. Mit ein wütenden Funkeln starrte sie zu Seymor
hinauf. In seinen Augen fand sie jedoch nur einen spöttelnden Ausdruck. Das wollte sie nicht
auf sich sitzen lassen. Nur sehr langsam wich der Widerwillen aus ihrem Blick und machte
einem schurkischen Grinsen Platz, während sie spürte wie seine Hände ihren Rücken hinab
strichen.
„Na schön, dann hast du mich. Dieses Spiel geht vorerst an dich!“, gestand sie ihm zu, jedoch
nicht ohne sich ein Grinsen verkneifen zu können. Dabei entwand sie ihre Hände seinem Griff
und legte sie auf seine Brust, dann schob sie Seymor weiter rückwärts gegen das Motorrad, bis
er dagegen stieß. Sie drückte wieder ihr Becken gegen das seine, um ihm zu beweisen, dass
sich an ihrer Lust noch immer nichts geändert hatte. Sie schaute ihm tief in sie Augen und das
goldene Funkeln wurde heller, lebendiger. Ihre rechte Hand glitt zu seiner Seite an seinem Arm
vorbei, zu seiner Hüfte und dann zwischen ihre beiden Körper weiter hinab. Gemächlich fand
ihre Hand den Weg zu seinen Hüften, zeichnete sie nach und zeichnete eine Spur weiter hinab
über seinen Unterleib, zwischen seine Beine. Ihre Hand umfasste sein Glied mit vorsichtigem
Druck und begann es mit gleichmäßigen auf und ab Bewegungen zu massieren, dabei drückte
sie ihren Oberkörper enger an ihn, so dass er ihre Brüste an seiner Haut spürte. Nur behutsam
verstärke sie den Druck und die Geschwindigkeit ihrer Hände. Um sich ein Grinsen zu
verkneifen, biss sie sich auf die Unterlippe und schmunzelte dennoch leicht, wobei sie sich wie
zum Kuss zu ihm streckte.
„Und jetzt?“,hauchte sie spöttelte nahe an seinem Ohr, während sie sein Glied gegen ihre Hüfte
drückte, ohne dass ihre Hand bei den Bewegungen inne hielt.
Seymor: Der Puma stellte zufrieden fest, dass er sie durch sein sofortiges Erkennen ihrer
Aktionen weit besser aus der Fassung gebracht hatte, als sie ihn zugetraut hätte, was ihn
innerlich grinsen ließ. Nur zu gut erkannte er, wie sehr sie versuchte die Unzufriedenheit
darüber, dass er sie mittlerweile einfach schon zu gut in manchen Punkten kannte, zu
verbergen. Ebenso erfreute ihn ihr leichter Missmut, den seine Aussage wie gewünscht
hervorrief, und sie nur weiter aufstacheln sollte. Seine Hände glitten unterdessen weiter hinab,
strichen langsam über die einladenden Rundungen ihrer Kehrseite, ehe sie wieder den selben
Weg nach oben zurücklegten. Immer mehr zog sich jedoch der eingeschnappte Ausdruck, den
er mit seinem Tonlage ganz bewusst hervorgerufen hatte, zurück nur um an jene Stelle ein
Grinsen einkehren zu lassen, das Seymor nur zu gut verriet, dass er bereits wieder dabei war
die gerade erst gewonnene Oberhand erneut einzubüßen. Sie entwand ihre Hände seinen
Armen, was sich nicht als allzu schwer darstellte, und der Gestaltwandler machte auch
keinerlei Anstalten sie daran zu hindern. Ohne auch nur den Versuch zu starten sich ihr
entgegenzusetzen, ließ er sich zurückdrängen, bis er das kühle Metall der Maschine gegen
seine Haut drücken fühlte und sich ihr Körper erneut eng an den seinen schmiegte. Ihre Hände
die zuvor auf seiner Brust verweilt hatten glitten immer tiefer und zeichneten die Konturen
seines Körpers nach bis sie zwischen ihrer Beider Körper verschwanden.
Zart und doch fordernd fühlte er, wie sich ihre Hände mit sanftem Druck um seine
Männlichkeit schlossen und ihm ein Seufzen entlockten. Wie zur Antwort drückte sie ihr
Becken nur noch fester gegen das seine und auch bei ihm zeigte sich erneut deutlich seine Lust,
die fest gegen ihre Hand drückte, während er unwillkürlich damit begann, sich langsam ihren
Bewegungen anzupassen. Dann streckte sie sich ihm noch ein Stück weiter entgegen, wie zum
Kuss, sodass ihn nur viel mehr die Sehnsucht nach ihren Lippen klar machte, während seine
Hände nun erneut an ihrem Startpunkt nahe der Schulterblätter ankamen und sich ihre
Bewegungen beschleunigten, was ihm ein widerwilliges Stöhnen entlockte, woraufhin er sich
auf die Unterlippe biss, um ein weiteres zu unterdrücken. Er erkannte an ihrem Blick, dass sie
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jedoch mindestens ebenso wie er bereits wieder dabei war, sich auf alles einzulassen, was seine
Lust jedoch nur steigerte, ihn jedoch erneut daran erinnerte, dass er doch die Oberhand
behalten wollte. Ihr Satz forderte ihn nur noch mehr heraus, was zur Folge hatte, dass er
einfach beschloss den Spieß umzudrehen. Mit einer flinken Bewegung nutzte er ihren
ungünstigen Stand aus, zog sie noch enger zu sich, sodass sie geringfügig das Gleichgewicht
verlor, sich auf ihn stützen musste und mit einem flinken Seitwärtsschritt endete seine Aktion
wie gewollt damit, dass sie zwar immer noch ihre Hand um sein Glied geschlossen hatte und er
nur zu sehr spürte, dass sein Körper keineswegs Lust darauf hatte an etwas, wie die Oberhand
zu behalten, Zeit zu verschwenden, doch war nun sie es, die gegen das Motorrad gelehnt war
und somit jetzt noch weniger Möglichkeit zur Flucht hatte.
Alyssa: Ohne jeglichen Versuch der Widerwehr ließ Seymor sie gewähren und machte es ihr
nicht gerade schwer ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Aber irgendetwas verriet ihr, dass das
nicht alles sein konnte, dass diese Widerstandslosigkeit sehr trügerisch war, wenn auch seine
Reaktionen: sein leises Stöhnen, die Berührungen seiner Hände, die ihren Rücken hinab und
wieder hinauf glitten und der Druck seines Beckens, sie nur noch weiter bestätigten. Seine
leichten Bewegungen, die sich ihrer Hand anpassten, und dieses widerwilliges Stöhnen ließen
sie selbst leicht seufzen. Ihr Grinsen war vollständig verschwunden, während sie ihn so
betrachtete und sie die eigene Lust um so deutlich spüren ließ. Ein Blick in seine Augen zeigte
ihr ein Funkeln darin, dass ihre Vermutung nur noch weiter bestätigte. Doch als sie sah wie sich
Seymor auf die Unterlippe biss, beschloss sie einfach diesen verräterischen Ausdruck zu
ignorieren und streckte sie sich ein Stück weiter um seine Lippen zu erreichen, wobei sie sein
Gesicht aus dem Blickfeld verlor. Ihre Lippen streiften sanft die seinen und forderten ihn zu
einem Kuss heraus, dabei spürte sie seine Hände wieder hinauf gleiten und sie enger an
drücken, wie zur Bestätigung. Also küsste sie den Gestaltwandler, doch nicht stürmisch,
sondern viel mehr langsam und vorsichtig, jedoch nicht minder fordernd. Aber scheinbar
schien alles an ihrem Verhalten eine Herausforderung für ihn zu sein, denn Alyssa
unterschätzte den Druck seiner Berührung, die sie aus dem Gleichgewicht brachte, während sie
enger an seinen Körper gedrückt wurde. Völlig unerwartet bewegte er sich dann zur Seite und
drehte sie dabei, während sie sich leicht an seinen Schultern abstütze um das Gleichgewicht
nicht vollends zu verlieren. Auf einmal fand nun sie sich gegen das Motorrad gedrückt, sie
spürte das glatte Leder, das kühle Metall an ihren Beinen und seinen Körper, der sie dagegen
drückte. Überrascht keuchte Alyssa auf und schaute Seymor für den Bruchteil einer Sekunde
entgeistert an. Doch das Gefühl von seinem Körper, der gegen ihren drücke, sein Geruch und
ein Blick in sein hübsches Gesicht benebelten ihre Sinne schneller als erwartet. Einen Ausweg
aus dieser Situation gab es nicht, das wusste sie, denn der Gestaltwandler hatte seine Kontrolle
zumindest zum Teil zurück, aber eigentlich wollte sie auch keinen Ausweg mehr.
Da sie nun nicht länger um ihr Gleichgewicht fürchten musste, löste sie die eine Hand aus
seinem Nacken und stützte sich an dem Motorrad ab, während sie ihr Gewicht dagegen lehnte.
Sie verstärkte den Druck auf seine Männlichkeit weiter und drückte ihr Becken herausfordernd
an ihn, sodass sie seine Wärme an ihrer Haut spüren konnte, ebenso wie seine Lust die hart und
heiß gegen ihre Handfläche und ihren Unterleib drückte. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf
ihrem Gesicht aus, doch zugleich verschleierte sich ihr Blick mit Lust. Alyssa drückte ihre
Hüften weiter gegen sie seinen um Seymor nur noch deutlicher zu machen, dass er sie auf der
Stelle, hier und jetzt haben könnte, wenn er wollte, dass sie sich nicht länger zur Wehr setzten
würden und auch nicht versuchen würde die Oberhand zurück zu gewinnen. Dazu war sie viel
zu abgelenkt. Ihre Hüften drängten ihn ein Stück zurück, gerade so, als dass sie genügend
Freiraum hatte um sich zu bewegen. Sie ließ völlig von ihm ab und stützte ihre beiden Hände
auf den Ledersitz der Maschine und drehte Seymor flink den Rücken zu, sodass sie ihn erneut
in ihrem Rücken fühlte. Mit einem herausfordernden Grinsen blickte sie sich nach ihm um, um
sich anschließend ein Stück nach vorn zu beugen und ihre Unterarm auf das Leder zu stützen.
Das Haar fiel nach vorn, so dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte, nur ihren nackte Rückseite.

30

Seymor: Sanft berührten ihre Lippen die seinen, es wunderte ihn wie einfach sie sich auf ihn
einließ und noch mehr, wie einfach es ihm fiel sie auszutricksen und gegen das Motorrad zu
lehnen. Sein Körper drückte gegen den ihren, während seine Augen den ihren musterten und
seine Lippen erneut die ihren suchten. Er spürte ihre Verwirrung mindestens ebenso sehr wie er
sie in ihrem Blick, ihrer Haltung, ihrer Gestik sehen konnte. Sie war kurz davor sich ihm
vollkommen auszuliefern und als ihr Becken erneut noch stärker gegen seine Lenden drückte
und er sogar dort fühlen konnte, wie sehr sie ihn wollte, drängte es auch ihn immer mehr sich
mit ihr zu vereinigen und in sie einzudringen. Sein Arm legte sich erneut um ihren Rücken und
als bereits die andere Hand sich daran machen wollte ihren Arm beiseite zu geben, damit er in
sie eindringen konnte, schaffte sie es erneut sich geringfügig zu lösen und sich durch einen
erneuten Druck ihres Beckens ein klein wenig Platz zu verschaffen. Gerade genug, als dass sie
sich herumdrehen konnte und ihm dennoch nicht hätte entkommen können. Ein erneutes
Seufzen löste sich von Seymors Lippen, als ihr Bein an seiner Männlichkeit entlang strich und
er dann wie zuvor im Wasser fühlte, wie sein Glied sich zwischen ihre Beine drängte und nahe
dem ersehnten Ziel gegen ihren Unterleib drückte. Leicht blickte sie sich zu ihm um, doch die
Haare, die zwar mittlerweile großteils getrocknet waren und dennoch vom Wasser eine leichte
Feuchtigkeit zurückbehalten hatten, fielen ihr ins Gesicht und ließen dem Gestalwandler damit
nur die Möglichkeit seine Augen über das sich ihm bietende Bild schweifen zu lassen und seine
Lust noch weiter zu steigern. Ihr leicht gebogener Rücken wirkte einladend für seine Lippen,
welche sich auch daran machten von den Schulterblättern aufwärts zu küssen, während sein
Glied immer mehr um Einlass rang, als es immer stärker gegen sie drückte und er bereits mit
leichten Bewegungen begann, die jedoch vorerst nur noch weiter ihre Lust steigern sollten,
indem sie über ihre erogene Zone strichen, ohne tatsächlich in sie einzudringen.
Seine Hände wanderten unterdessen bei ihren Oberschenkeln beginnend nach oben über ihre
Seite entlang, wo sie sich ein kleines Stück über ihren Hüftknochen platzierten und dort
innehielten. Ein Stöhnen löste sich von seinen Lippen und ließ einen Hauch warmer Luft auf
ihren Rücken strömen, als sein Glied erneut beinahe in sie eindrang und er es selbst kaum mehr
aushielt das Verlangen nach ihr irgendwie einzugrenzen. Ein erneuter Kuss nun auf ihre rechte
Schulter, der von weiteren Küssen in Richtung ihres Nackens begleitet wurde, während er sie
beide erlöste und seine Männlichkeit fordernd Einlass suchte und ungehindert tief in sie
eindrang. Sofort fühlte er die Wärme, die sich um ihn schloss und das Gefühl, das sich in
seinem Körper ausbreitete, das wie so oft Sehnsucht und Erlösung zugleich war und doch
wieder nur in Lust endete, die immer mehr zu werden schien. Er begann mit langsamen
Bewegungen, die jedoch immer so tief wie nur irgendwie möglich in sie stießen, während seine
rechte Hand jetzt langsam weiter ihre Seite entlang wanderte, bis sie schließlich auf Höhe ihrer
Brüste erneut zum Stillstand kam und dann langsam von der Seite weiter hin zu ihrer Brust
strich, mit den Fingern leicht ihren empfindlichen Punkt umschmeichelte und sich dann mit
sanften Druck auf ihre Brust legte, nur um dann ebenso sanft wieder sacht mit streichelnden
Liebkosungen zu beginnen.
Alyssa: Zu deutlich spürte Alyssa Seymors Lust, als sein Glied hart an ihre Bein drückte,
unwillkürlich bewegte sie sich so, dass sie es ihm noch einfacher machte in sie einzudringen,
aber vorerst blieb es ihr verwehrt. Stattdessen machte es Seymor unerträglicher für sie, als er
anstatt in sie einzudringen, sich einfach damit zufrieden gab, sie mit Berührungen in den
Wahnsinn zu treiben. Sie spürte seine warmen Lippen an ihrer von der Nachtluft gekühlten
Haut, wie er ihre Schulter küsste und seine Hände über ihre Schenkel strichen, über ihre Hüften
wanderten. Seymors leises Stöhnen ließ sie einen warmen Hauch an ihrem Rücken fühlen, was
sie leicht zittern ließ. Während seine Hände ihre Hüften hielten, gab sie auf und lehnte sich
noch ein Stück vor auf ihre Unterarme, wodurch sie Seymor nur noch leichteres Spiel
gewährte, er hingegen küsste sie weiter bis sie seine Lippen nahe ihres Nacken spürte. Ihre
Lust staute sich erneut schmerzhaft zwischen ihren Beinen und sie stöhnte gequält auf. Warum
konnte er nicht einfach... fluchte sie innerlich und wand sich ungeduldig. Langsam fragte sie
sich wie man so etwas nur ertragen konnte, sie verlor komplett den Verstand, das einzige was
ihre Gedanken einnahm, war der Gedanke und die Sehnsucht ihn endlich in sich zu spüren. Als
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seine Bewegungen immer tiefer wurden, drang er schließlich in sie ein. Überrumpelt von der
Intensität des Gefühls zuckte Alyssa zusammen und ihre Finger krallen sich in das Leder des
Sitzes, als sie ein lautes Stöhnen von sich gab. Ihre Muskeln verspannten sich so gleich, was
Seymor sicherlich an den Sehen in ihrem Rücken sehen konnte. Seine Bewegungen waren
jedoch auch dieses mal quälend langsam und gleichmäßig, jedoch so tief, dass es ihr
Erleichterung verschaffte, die zwar nicht lange anhielt, sondern ihre Begierde nur weiter
steigerte, auch wenn sie ihn in deutlich in sich spürte. Seine Hand wanderte ihre Seite entlang
zu ihren Brüsten und begann sie weiter zu verwöhnen, was ihr jedoch einen kläglichen Laut,
der irgendetwas zwischen Stöhnen und Winseln war, entlockte. Sie konnte dieses Gefühl nicht
länger ertragen, also löste sie ihre eigene Hand und umfasste seine Rechte, die mit sanftem
Druck auf ihrer Brust lag. Sie schoben seine Hand wieder zu ihrer Hüfte und machte ihm mit
dem Druck ihrer Finger klar, dass er sie dort halten sollte. Ihre Finger tasteten weiter nach
seiner zweiten Hand, sie auch ebenfalls auf ihrer anderen Hüfte platziert wurde. Alyssa bog den
Rücken durch und drückte sich Seymor noch weiter entgegen, verlagerte ihr Gewicht auf das
Motorrad, denn ihre Beine begannen zu zittern vor Lust, während seine Bewegungen an
Schnelligkeit und Intensität zunahmen. Sie ließ einfach los und genoss das Gefühl, das er ihr
bereitete, genoss es mit ihm verbunden zu sein und ihm zu gehören. Wie so oft in letzter Zeit
ergab sie sich einfach und gab sich damit zufrieden Seymor das tun zu lassen, was er wollte,
ohne weiteren Einfluss auf ihn zu nehmen.
Es dauerte nicht lange, da sie ihn so tief in sich spürte und sich ihr erster Höhepunkt anbahnte,
eine Welle der Lust und der Hitze überrollte sie ohne wirkliche Erlösung zu bringen, denn
wenn sich auch dieses wohlige Gefühl in ihr ausbreitete, stillte es bei Weitem nicht ihre Lust.
Ganz gleich was Seymor tat, sie wollte mehr und es betäubte jeglichen Verstand, jeglichen
Gedanken und jegliches Gefühl, das nichts mit ihm zu tun hatte. Sie war mehr als dankbar, dass
er es nicht dabei beließ, sondern seine Bewegungen unbeirrt fortsetzte. Ihre Muskeln
verspannten sich um ihn und ließen das Gefühl immer intensiver werden, die Hitze in ihrem
Körper steigerte sich so sehr, dass sie glaubte zu verbrennen, ohne dass es leichter wurde. Sie
stieß einen unkontrolliertes Wimmern von sich, als sie ein zweiter Höhepunkt erfasste. Sie
wusste nicht ob es nur Momente oder sogar vielleicht Stunden waren, als ein dritter und ein
vierter Höhepunkt kamen. Sie fragte sich nur, wie Seymor das so lange ertrug. Sie zitterte am
ganzen Körper, ihre Knie fühlten sich so weich an und ihr Beine drohten sie nicht länger zu
tragen, also verließ sie sich auf ihre Arme und lehnte sich mit dem Oberkörper auf das
Motorrad. Ihr Herz trommelte unfassbar laut und sie war außer Atem. Ihre Gedanken waren
vollkommen benebelt. Mit geschlossenen Augen war das Einzige, was sie wahrnehmen konnte
Seymor, der sich ebenfalls auf das Motorrad stützte und diese Erschöpfung, die bis in jede
einzelne Faser ihres Körpers drang, als sie versuchte zu atmen.
Seymor: Die Wärme, die sein Glied umgab, begann sich in seinem ganzen Körper
auszubreiten und noch viel intensiver zu werden, bis sie zu einer Hitze wurde, die vom ganzen
Körper Besitz ergriffen hatte und das Blut durch seine Adern jagte. Er fühlte leichte
Schweißperlen, die sich auf seiner Stirn und seiner Brust bildeten, doch nicht aufgrund der
Anstrengung, sondern viel mehr aufgrund der Hitze, die sein Körper von innen heraus
ausstrahlte. Das Tempo und der Rhythmus seiner Bewegungen änderte sich von Zeit zu Zeit,
mal wurde er schneller, dann passte er sich wieder Alyssa an und dann wiederum sie den seinen
Bewegungen, ohne dass sie je die Verbindung unterbrachen. Sein Versuch sie weiter zu
liebkosen wurde schließlich von ihr vereitelt, als seinen Hände an ihre Seiten verwiesen
wurden und sie damit klar machte, wo ihr Platz war. Doch das änderte nichts daran, wie sehr
ihr Körper auf ihn reagierte. Erneut beschleunigte er sein Tempo, spürte wie sie sich immer
enger um ihn schloss und ihrem Höhepunkt entgegensteuerte, was ihm ebenfalls ein Stöhnen
entlockte und seine Stöße nur noch verstärkte.
Er wusste nicht wie oft sie gekommen war, er wusste nicht einmal wie oft er selbst gekommen
war, aber es war auf jeden Fall öfter als zwei mal gewesen. Dann lösten sie sich von einander,
wie jedes mal war es fast ungewohnt diese Verbindung wieder aufgeben zu müssen und auch
Seymor atmete schwer und aus den Schweißperlen waren mittlerweile vereinzelte kleine
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Rinnsale geworden, die sich ihren Weg der Schwerkraft folgend abwärts, voranbewegten. Er
stützte sich leicht gegen das Motorrad, ohne jedoch den Abstand zwischen ihnen zu
vergrößern. Auch wenn sein Körper nur zu deutlich zeigte das er jetzt Ruhe brauchte und
wollte, wusste Seymor schon allein an Alyssas Haltung, dass es sie diesmal noch viel
erschöpfter war, als er selbst und erneut legte sich ein schelmisches Grinsen auf sein Gesicht.
Ein Arm legte sich streichelnd auf ihren Rücken, wie als erneutes Zeichen der Verbundenheit
und strich langsam zu ihrer Seite. Mit einer schnellen Bewegung schlüpfte er mit dem einen
Arm sowohl unter ihren Oberkörper, als auch mit dem anderen unter ihre Beine und ohne
weiter Zeit zu verschwenden, schnappte er sie sich, ließ sie sich durch ihr eigenes Gewicht in
seine Arme drehen und wartete gar nicht erst ihre Reaktion ab, während er sich sie bereits in
Richtung Decke trug.
Alyssa hörte Seymors Herz schnell schlagen in der Nacht, ebenso schnell wie ihres und auch
seine Atmung ging schnell. Auch wenn sie ihn nicht länger in sich spürte, so spürte sie die
Hitze, die er ausstrahlte und die einfach nicht weniger zu werden schien. Vielleicht würden sie
das Feuer gar nicht mehr brauchen diese Nacht, ging es ihr durch den Kopf. Doch seine Hand,
die über ihren Rücken strich und ihr ein erneutes Zittern abrang, lenkte wieder ihre gesamte
Aufmerksamkeit auf ihn. Und mit einem mal hatte Seymor einen Arm um sie gelegt, so dass
sie sich leicht aufrichtete und sich nach ihm umblicken wollte, aber da verlor sie bereits den
Boden unter den Füßen. Ihre Sinne arbeiteten vor Erschöpfung viel zu langsam um zu
realisieren, dass er seine Hand unter ihre Beine geschoben hatte und sie nun in seinen Armen
hielt. Erstaunt schaute Alyssa Seymor an, wieso war er denn nicht ebenso kraftlos wie sie, oder
sogar kraftloser. Mit einem sanften Lächeln betrachtete sie ihn und wehrte sich nicht,
stattdessen glitt ihr Arm um seine Schultern, in seinen Nacken, wie sie es oft und gerne tat und
der andere strich über seine Brust. Die Haut war noch immer erhitzt und von Schweiß benetzt,
ihre Finger glitten darüber, während sie ihren Kopf gegen seine Schulter lehnte und ihn sanft
küsste, seine Haut schmeckte leicht salzig, ihre Zunge leckt über seine Schulter, wo sie ihn
geküsst hatte und wieder erwachte der Vampir, der so lange geschwiegen hatte. Sie wollte ihn
beißen, genau an der selben Stelle und der Geruch und die Hitze, die seine Haut verströmte,
machten es nur noch schlimmer. Dennoch war dieser Drang dieses mal zu schwach, als dass sie
ihn wirklich biss, beziehungsweise war dieser Drang bereits erloschen, da sein Hals dieses mal
außer ihrer Reichweite gewesen war.
Schnelle hatte Seymor die Decke erreicht und ging bereits in die Knie, damit er sich auf der
Decke ablegen konnte. Alyssa fühlte die Weizenhalme unter der dicken Wollen, die einen
weichen Untergrund bildeten - für diese Nacht sollte es ausreichen. Dankbar und absolut nicht
fähig zu jeglichem Widerstand ließ sie alles mit sich machen. Doch dieses mal ließen ihre
Hände nicht von Seymor ab, beide wanderten in seinen Nacken und zogen ihn zu sich auf die
Decke, so dass er wohl ober übel neben ihr zum Liegen kommen musste. Sogleich schmiegte
sie sich dicht an ihn, drückte sich an seine Seite, an die sich ihr Körper perfekt anpasste. Ihr
Bein umschlang seine seine und ihre Hand strich erneut über seine Brust. Ihre Augen spähten
durch die Nacht auf der Suche nach dem kleineren Holzstapel neben der Decke. Auch wenn sie
ihm Grunde zu müde war, hatte sie noch immer genügend Kontrolle über ihre Fähigkeiten. Ihre
Blick richtete sich auf das trockene Holz und ihre Augen flammten auf und mit ihrem Willen
auf ein kleines Feuer. Langsam begann sich die Kälte auf ihre Haut zu senken, es wurde kühler
und die Müdigkeit kroch weiter durch ihren Körper. Der Mond stand mittlerweile hoch und
bleich am Himmel, sein Licht wirkte kalt auf sie - zum ersten mal. Allein das Feuer tauchte die
Umgebung in einen warmen Gelbton. Das Knistern erfüllte die Nacht, ebenso wie der Geruch,
den sie so liebte. Sie stützte sich auf und betrachtete Seymor mit einem tiefen Seufzen und
einem durch und durch zufriedenen Ausdruck.
„Du bist erstaunlich!“
Dann beugte sie sich erneut über ihn und küsste Seymor lange und zärtlich, bevor sie die
zweite Decke ergriff und über sie beide zog, um anschließend ihren Kopf an seine Schulter zu
betten. Auf das Feuer würde sie schon Acht geben, da war sie zuversichtlich, es würde sich
ihrem Willen fügen und ihnen nicht gefährlich werden. Mit einem weiteren tiefen Seufzen
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schloss sie die Augen und genoss das andauernde Gefühl der Verbundenheit und Zufriedenheit.
Vielleicht würde sie diese Nacht sogar ein Paar Stunde schlafen...
Seymor: Langsam und obwohl er seine Muskeln sich beschwerten, legte er Alyssa behutsam
auf der Decke ab um sie ja nicht zu schnell abzusetzen. Eigentlich wollte er noch einmal
aufstehen und sich um den Stapel Holz kümmern, doch Alyssa legte bereits ihre Arme um ihn
und zog ihn zu sich heran. Er spürte nur zu deutlich, wie warm auch ihr Körper noch war und
wie sehr es sie auch jetzt noch nach ihm verlangte, wenn auch auf eine andere, vielleicht sogar
innigere Weise als zuvor. Auch er legte sich - von ihr herabgezogen - auf die Decke, fühlte die
weichen Halme, die ihnen als Matratze dienten und musste feststellen, dass er sich nicht einmal
sicher war, ob seine Beinen ihn überhaupt noch bis zum Feuer und zurück getragen hätten, als
sich die Erschöpfung jetzt noch viel stärker als zuvor über seinen müden Körper legte und ein
leichtes, aber nicht unangenehmes Taubheitsgefühl Einzug hielt. Erleichtert legte er sich auf
den Rücken und wurde bald noch mehr von Alyssa vereinnahmt, was er mit einem zufriedenen
Seufzen zur Kenntnis nahm und sich so hinlegte, dass er es ihr noch erleichterte sich an ihn zu
schmiegen, während sein rechter Arm sich um sie legte und ganz automatisch damit begann sie
zärtlich weiter zu streicheln.
Er richtete noch die Decke zurecht, als Alyssa sie hochzog, sodass sie sie gut bedeckte, ehe er
in einen tiefen Schlaf sank, ohne noch etwas davon mitzubekommen wie Alyssa das Feuer mit
bloßer Willenskraft entzündete, oder ihren Atem zu beobachten, der immer regelmäßiger
werden würde, je tiefer sie in den Schlaf sank, so wie er es schon so oft getan hatte.
Stattdessen war diesmal er es, der zuerst einschlief, so als hätte man ihn von einer Sekunde auf
die andere abgeschaltet, bewegte sich seine Hand ein letztes mal zärtlich ihre Wirbelsäule
entlang, bis sie schließlich nahe an ihrem Rücken auf der Decke zum Liegen kam und ein
zufriedenes Lächeln sein Gesicht erhellte.

DIE STADT DER WINDE
Chicago, die Stadt der Winde – Michigan, USA
Nachtszene der Innenstadt
Abend des 25. September 2009
Alyssa: Es hatte nicht lange gedauert; kaum dass sie sich hingelegt hatten, war Seymor bereits
eingeschlafen. Alyssa lächelte, als sie den zufriedenen Ausdruck auf seinem Gesicht gesehen
hatte. Ihre Finger strichen liebevoll über seine Wange und sie hauchte einen leichten Kuss auf
seine Lippen, bevor sie sich wieder an seine Seite schmiegte und einfach nur seinem
Herzschlag lauschte, der so nahe bei ihr lauter war als das Knistern des Feuers. Sie genoss
seine Nähe. Ein Blick in den klaren Himmel und auf die runde, leuchtende Scheibe, die von
tausenden kleineren schillernden Punkten umgeben war, machten das alles so irreal, dass
Alyssa kaum glauben konnte, dass sie wirklich hier war und Seymor bei ihr. Sie wusste nicht,
wann sie zum letzten mal so glücklich gewesen war und das lag sicherlich nicht an dem, was
Seymor mit ihr angestellt hatte. Die Müdigkeit schlich sich langsam durch ihren Körper, aber
sie lag noch einige Zeit wach und gab sich damit zufrieden Seymor einfach zu betrachten. Als
das Feuer herab gebrannt war, glitt sie in einen leichten Schlaf über. Sie erwachte erst
irgendwann am frühen Morgen, Seymors Arm um sie, als die Sonne noch gar nicht zu sehen
war. Alyssa schlich sich leise zu dem Holzstapel, legte Holz zusammen für ein neues Feuer und
schlich sich erst wieder zu Seymor, als es brannte. Sie hatten noch Zeit, ihr Aufbruch eilte
nicht, denn sie lagen gut in der Zeit, also schmiegte sie sich wieder zu ihm bis es graute. Sie
hatten noch genug Zeit für ein morgentliches Bad, Frühstück. Gemächlich packte Alyssa
zusammen, so dass sie sich wieder auf den Weg machen konnte. Auch der zweite Tag der Reise
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verlief nicht anders. Seymor hatte immer wieder die Möglichkeit in seine tierischen Gestalten
zu wechseln und sich auszutoben. Sie hielt auch mehrfach am Straßenrand und an einer
Tankstelle, aber der zweite Tag verlief relativ ereignislos. Über die Interstate 70 passierten sie
Cleveland und wechselten bei Toledo auf die Interstate 80, die sie geradewegs nach Chicago
führte.
Sie erreichten Chicaogo genauso wie Alyssa beabsichtigt hatte vor 22h, auch den Feierabendverkehr hatten sie hinter sich gelassen und die Straßen warten weitestgehend befahrbar. Alyssa
war zwar noch nie zuvor in Chicago gewesen, aber ihre Intuition sagte ihr, dass der Highway
sie in die Stadt hinein führen würde und sie einfach der Hauptverkehrsstraße folgen mussten,
jedenfalls hatte ihre Kontaktperson gesagt, dass sie nichts falsch machen konnte. Also fuhr sie
einfach mit Seymor die vermutete Strecke entlang, die sich auch zu ihrem Ziel führte. Auf der
rechten Seite der Hauptstraße stand ein gelb gestrichenes Hotel, untypischerweise hatte das
Haus mehrere Etagen und sah relativ gut in Stand aus. In der unteren Etage befand sich ein
kleines Restaurant, in den drei oberen Etagen waren Mieträume und Appartements. In großen,
leuchtenden Buchstaben leuchtete „Dragonfly Inn“ über der Eingangstür, erstaunlicherweise
wirkte es durchaus sauber und einladend auf sie. Genau das war es, wonach sie gesucht hatte!
Alyssa bog ab und fuhr auf dem nur halb zugeparkten Vorplatz ein. Sie blickte sich noch
während der Fahrt um, doch noch war niemand zu sehen. Also schlängelte sie sich mit der
Kawasaki an den parkenden Autos vorbei und fuhr möglichst nahe an das Gebäude heran. Sie
parkte das Motorrad direkt vor einem Fenster, so dass sie es von draußen immer im Augen
behalten konnte.
„Für diese Nacht bleiben wir hier...“, sie sah sich abwartend nach Seymor um; "...vermutlich?"
In ihren Worten schwang ihre Frage mit, zudem wusste sie selbst noch nicht wie die Räume
aussahen. Leute kamen aus dem Gebäude und andere gingen hinein, reges Treiben herrschte,
neue Fahrzeuge fuhren ein, andere fuhren ab. Ein Truck bog auf den großen Parkplatz ein. Auf
der anderen Straßenseite stöckelten drei Mädchen auf High Heels in kurzen Röcken und engen
Jeans die Bushaltestelle entlang. Ihr Blick kehrte wieder zu Seymor zurück.
„Lass uns erst einmal reingehen und was Warmes essen!“, schlug sie vor. „Dann sehen wir
weiter!“
Seymor: Trotzdem dass er bereits wenige Augenblicke später eingeschlafen war, bekam er
auch am Morgen nur am Rande mit, dass für kurze Zeit sich die angenehme Wärme, die
Alyssas Körper ausstrahlte, verschwand und erst nach einiger Zeit wieder zurückkehrte. Kaum,
dass sie sich wieder an ihn geschmiegt hatte, legte sich wie zuvor am Abend wieder der Arm
um sie und streichelte sie eine Weile, ehe der Gestaltwandler erneut eindöste noch bevor er
tatsächlich aufgewacht war. Eigentlich war es ziemlich untypisch für Seymor so fest zu
schlafen, er war es von jeher gewohnt gewesen einen unruhigen und leichten Schlaf zu haben
um jeglicher Gefahr vorzubeugen, doch wenn er neben Alyssa lag, schaffte sie es manchmal
die Gedanken an Gefahr oder an etwas Ungeplantes, das passieren könnte, vollkommen aus
ihm herauszulöschen und einfach nur noch das zufriedene Glücksgefühl auszulösen, das ihn so
tief einschlafen ließ. Seymor erwachte erst als die Sonne bereits mit einem Rotton aufging und
bereits wieder eine sanfte Wärme auf seiner Haut auslöste. Etwas kitzelte ihn auf der Stirn und
als seine Hand etwas genervt danach langte verschwand es mit einem von Unmut geplagten
Summen noch ehe er feststellen konnte worum genau es sich handelte.
Der Rest des Morgens verlief sehr ruhig und Alyssa hatte es nicht sonderlich eilig
weiterzukommen, woran sich Seymor nicht im Geringsten störte. Erneut nahmen sie ein
erfrischendes Bad in dem kleinen See, bevor sie aufbrachen und Seymor fühlte sich trotz der
Müdigkeit die er am Vorabend empfunden hatte, energiegeladen wie selten. Die frische Luft,
die so anders war, als die von Abgasen geplagte Luft der Großstadt, ließ ihn auch jetzt wieder
ein paar tiefe Atemzüge nehmen um seine Lungen damit zu füllen und wie es ihm vorkam von
dem ganzen Gift, das er Tag für Tag eingeatmet hatte zu reinigen. Als die Sonne immer höher
stieg, machten sie sich langsam daran weiterzufahren. Sie packten die paar Sachen zusammen,
die sie für die Nacht verwendet hatten, Seymor sah erneut nach der Feuerstelle, obwohl Alyssa
es bereits getan hatte, ob auch ja kein Feuer mehr entstehen konnte. Nicht dass er Alyssa
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misstraute, aber er wusste, dass er als Kind irgendwann einmal, wenn auch nur als Kater,
mitangesehen hatte, wie schnell sich so ein Feuer ausgebreitet hatte und binnen kürzester Zeit
ein ganzes Haus vereinnahmt hatte. Bei einem Feld würde es vermutlich noch viel schneller
gehen. Als sie sich daran machten weiterzufahren nahm Seymor erneut hinter Alyssa Platz.
Obwohl er durchaus Lust zu fliegen hatte, fühlte er immer noch einen Rest der Trägheit in
seinem Körper und wollte warten, bis diese völlig verflogen war, ehe er sich wieder daran
machte die Lüfte zu erkunden. Später - immer wieder über den Tag verteilt - unternahm er
kleine Rundflüge, entfernte sich jedoch nie weit von Alyssa und blieb immer in Sichtweite zu
ihr. Auch zur Jagd fand er er nichts und deshalb endeten seine Ausflüge bereits gegen
Nachmittag und er verbrachte den Rest des Tages hinter Alyssa und schmiegte sich immer
wieder eng an sie, oder aber ließ ein wenig Abstand zwischen ihnen und genoss den Fahrtwind,
der dem Fliegen so nahe kam.
Gegen Abend trafen sie in Chicago ein, sein Orientierungssinn ließ auf Straßen meist zu
wünschen übrig, er war es einfach nicht gewohnt Straßenverläufen zu folgen und musste
feststellen, dass er sich wenn er mit einem Fahrzeug unterwegs gewesen wäre sicherlich nicht
zurecht gefunden hätte, mal davon abgesehen, dass er vermutlich ohnehin wieder einen Unfall
gebaut hätte. Alyssas besorgtes Gesicht drängte sich ihm wieder auf, als er mit vollem Karacho
in einen See gefahren war und damit das neue Motorrad, das ihm Jordi besorgt hatte, bereits
am ersten Tag versenkt hatte. Danach hatten sie einstimmig beschlossen, dass es besser wäre
wenn Seymor vorerst die Finger von Motorrädern lassen würde. Als irgendwann von ihm die
Frage nach einem Auto kam, hatte Alyssa nur mit für sie so typischen Ausreden herumgdruckst
und Seymor nur noch mehr zum Lachen gebracht, eben jenes Lachen weswegen er auch jetzt
wieder über sie grinsen musste. Manchmal war sie einfach so durchschaubar und dann kamen
auch nach der Zeit, die sie sich jetzt schon kannten, immer wieder Momente, in denen sie ihn
überraschte, als ob sie den ersten Tag beisammen wären.
Schließlich fuhr Alyssa auf einen Parkplatz und hielt dort vor einem Hotel an. „Dragonfly Inn“,
es dauerte zwar zweimal lesen, bis er es richtig verstand, aber dann befand er den Namen als
nicht einmal so übel. Von außen sah es sehr passabel aus, wie er fand und selbst die Leute
schienen sich kein bisschen um sie zu scheren was dem Gestaltwandler durchaus zusagte. Er
war es zwar mittlerweile gewohnt auch ohne zu stehlen unter den Leuten zu sein, aber ganz
geheuer war es ihm nach wie vor nicht. Überhaupt wenn irgendjemand Fremdes ihn
eindringlich musterte, löste es in Seymor immer noch den Reflex zur sofortigen Flucht aus, den
er sich in New York angeeignet hatte und es kostete ihn jedes mal Überwindung ebenjenem
nicht nachzugeben. Doch wenn Alyssa dabei war, fiel es ihm ein wenig leichter. Dann hatte er
sie, auf die er sich konzentrieren und die anderen nur dann eines Blickes würdigen konnte,
wenn sie tatsächlich sein Interesse wert sein sollten. Was hier bei niemandem der Fall war. Sein
Blick streifte nur kurz einen Großteil der Personen, doch blieb an niemandem hängen und sein
Interesse kehrte erneut zu Alyssa und dem Hotel zurück. Auf ihre gefragte Feststellung nickte
er nur und trat dann einen Schritt auf das Hotel zu.
„Also gegen etwas zu Essen hätte ich nichts einzuwenden.“, stellte er grinsend fest.
Alyssa: Während sie ihn weiterhin betrachtete, konnte Alyssa kein Unbehagen in dem
hübschen Gesicht des Gestaltwandlers entdecken, also hatte er vermutlich wirklich nichts
dagegen einzuwenden. Sie sah wie er den Laden flüchtig musterte, ebenso die Besucher und er
sah nicht so aus, als wolle er im nächsten Augenblick in Katzengestalt davon rennen. Seine
Augen kehrten zu ihr zurück und erwiderten ihren Blick; er nickte schlicht zur Zustimmung
und stieg ab. Wie zur Bestätigung machte er einen weiteren Schritt auf das Hotel zu und grinste
sie dabei an. Nun war es an Alyssa zu nicken und sein Grinsen zu erwidern, denn sie
vermutete, dass seine Jagdausflüge nicht sehr ertragreich waren und seitdem war sowieso eine
lange Zeit vergangen, am Mittag war er zu ihr zurück gekehrt und war wieder mitgefahren, das
schon einige Stunden her. Er musste Hunger haben.
Mit ein paar schnellen Griffen wurden ihre Taschen gelöst und die Wegfahrsperre und
Alarmanlage der Ninja aktiviert. Eine der Taschen drückte sie Seymor in die Hände, die andere
nahm sie mit. Doch bevor sie endgültig gingen, glitten ihre Finger liebevoll über den
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schwarzen Lack des Motorrads, so federleicht, dass der penetrante Alarm weiterhin stumm
blieb. Sie warf einen letzten bedauernden Blick auf ihr Baby und wand sich dann wieder mit
einem strahlenden Grinsen an Seymor, hakte sich bei ihm ein wie es ein frisch verliebtes TeenAger-Mädchen es bei ihrem frisch gebackenen Freund tun würde.
„Gehen wir!“, zwitscherte sie übermütig. Hier kannte sie noch niemand, niemand wusste wer
sie waren. Auch wenn sie vielleicht etwas älter aussah als Seymor, so konnten sie hier dennoch
andere Menschen sein, als sie in Wahrheit waren und keinem würde es auffallen - vielleicht
war sie ja eine Collage-Absolventin, die mit ihrem Freund einfach einen Ausflug machte. Hier
war sie unbeschwerter, als sie es in New York gewesen war. Hier hatte sie keine
Verpflichtungen, keinen Chef, keine Aufträge und keine Kämpfe. Sie konnte wieder mit
unfairen Mitteln spielen, ohne sich sorgen zu müssen gegen irgendwelche Vorschriften
irgendeiner Organisation zu verstoßen. Ein neuer Anfang, doch dieses mal war es anders. Sie
bestritt diesen Anfang nicht allein, so wie sie es bereits die vielen anderen Male getan hatte und
durch Seymor war sie eine andere Person - eine bessere. Die leichte, hell gestrichene
Kunstholztür war schnell erreicht und noch bevor Seymor reagieren konnte oder sie für Alyssa
aufhielt, wie er es sicherlich getan hatte, ließ sie ihn los, tippelte leichtfüßig voran und stieß die
Tür einfach auf, einen Blick rückwärts werfend um sicher zu gehen, dass Seymor ihr folgte und
wie um ihm zu verstehen zu geben, dass alles in Ordnung war, dass sie hier bei ihm war, denn
sie wusste wie sehr er Menschenansammlungen hasste, auch wenn er sich in dem letzten
knappen Jahr gut gemacht hatte. Sie ergriff wieder seine Finger und zog ihn einfach mit sich.
So gleich schlug ihnen der Geruch nach Zigaretten, Abgasen, Bier und heißem Öl entgegen und
dennoch empfand sie es nicht als abstoßen. Die Wände waren ebenfalls in dem selben Gelbton
tapeziert wie die Fassade und waren sauber, hier und da hing ein Bild vom Chicago der 30er
Jahre und Grünpflanzen zierten die Fensterbänke. Man hörte eine Mischung aus Jazz und Rock
aus dem Radio johlen, doch die Melodie vermischte sich mit dem Gemurmel der zahlreichen
Stimmen und Geräusche, irgendwo grölte jemand und aus dem hinteren Bereich hörte man das
Rappeln von Pfannen und Töpfen. Alyssa schob sich an der Bar vorbei ohne die dort Sitzenden
auch nur eines Blickes zu würdigen, denn es war die übliche Ansammlung von ach so harten
Bikern, den typischen Unruhestiftern und Truckfahrern, die sich nur einen in Gesellschaft
hinter die Binde kippen wollten. Einige Blicke folgten ihr, auch wenn sie demonstrativ
Seymors Hand hielt, sie wusste es, denn es war nie anders gewesen. Im Grunde provozierte sie
es ja mit der engen, schwarzen Lederhose, dem engen Shirt, dass ihre Figur mehr enthüllte als
verhüllte und unter der geöffneten Lederjacke ihre Rundungen erkennen ließ. Sie visierte
gerade einen freien Tisch in der Ecke an - von dort aus konnte sie den Parkplatz und ihre Ninja
im Auge behalten und tippelte bereits weiter. Sie wollte sich nach Seymor umdrehen, damit er
sie auch verstand - ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und dann schallte es dumpf. Ihre
Augen weiten sich, während sie Seymor betrachtete und füllten sich mit unterschwelliger Wut,
als eine Hand auf ihrem Hintern landete. Das konnte nicht wirklich passiert sein...
Ungläubigkeit stand in ihrem hübschen Gesicht, das war sie einfach nicht gewohnt...
Seymor wartete noch ihre Reaktion ab während auch sie vom Motorrad abstieg und sich bei
ihm einhakte, was sein Grinsen nur noch verbreiterte. Er mochte es, wenn sie das tat und sie
hatte es bisher - vor allem wenn sie unter Leuten gewesen waren - nur sehr selten gemacht,
doch er mochte es einfach. Irgendwie erinnerte es ihn immer an die Filme, in denen die
Pärchen so entlang spazierten und er mochte das Bild von ihnen beiden. Sie gingen auf die Tür
zu und noch ehe Seymor sie ihr öffnen konnte, trappelte sie auf die Tür zu und öffnete sie mit
Schwung, nur um ihn dann gleich wieder bei der Hand zu nehmen und mit einem
aufmunternden und sogar etwas besorgten Blick zu mustern. Mittlerweile war er es gewohnt,
dass sie so oft um ihn besorgt war, obwohl es eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Am
Anfang hatte es ihn fast ein wenig abgeschreckt, doch mittlerweile genoss er es zum Teil. Seine
Hand schloss sich um ihre und er folgte ihr in den Raum. Fast bedauernd stellte er fest, dass die
Luft, die bereits seit sie Chicago erreicht hatten, erneut von Abgasen geplagt war, im Raum
selber noch unfreundlicher roch, wenn auch nicht so schlimm, wie es wohl hätte sein können
und vermutlich viel es ihm nur deshalb auf, weil er den Tag an der frischen Luft so genossen
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hatte. Alyssa bahnte sich langsam einen Weg an der Bar vorbei ohne seine Hand loszulassen.
Seymor musterte etwas kritisch die Typen, die an der Bar saßen. Seine Instinkte sagten ihm,
dass sie nach Ärger rochen, noch bevor er tatsächlich entstand. Noch bevor der Typ sich hinter
Alyssa aufbaute, während sie sich gerade zu Seymor umdrehte, stellten sich ihm bereits die
Nackenhaare auf und wäre er ein Kater oder Puma gewesen, hätten sich ihm jetzt die gesamten
Rückenhaare zu Berge gestellt. Er wollte Alyssa bereits zu sich herziehen, doch der Typ war
eine Spur zu schnell und Seymors Reaktion, obwohl er die seine nahezu erwartet hatte, kam ein
wenig zu spät. Ein Klatschen war zu hören, als die Hand auf Alyssas Po landete und die
goldenen Augen Seymors sich sofort zu wütenden Schlitzen schlossen, denen man die
Raubkatze viel mehr ansah als den Menschen, auch wenn es jemandem der nicht Bescheid
wusste, vermutlich nicht auffallen würde.
Wütend ballte sich bereits die andere Hand zur Faust, während er die überraschte Alyssa im
Nachhinein hinter sich zog. Nun nicht dass Alyssa Schutz gebraucht hätte, aber er wusste nur
zu gut, dass das Ganze als Provokation an ihn gedacht war und er würde nur zu gern darauf
eingehen. Der Typ war knapp einen halben Kopf größer als er selbst und die Schultern doch um
einiges breiter. Vermutlich sah er in Seymor einen Grünschnabel, der einfach nur das Glück
gehabt hatte ein Mädchen wie Alyssa ab zu kriegen. Nun zum Teil stimmte das vielleicht, aber
so einfach würde er dem Typen nicht sein Grinsen im Gesicht lassen, geschweige denn die
Sache auf sich beruhen lassen. Für kurz sprang sein Blick zur Bar, doch die anderen Kerle
schienen nur seine Reaktion abzuwarten, als bereits die Stimme des Barkeepers, oder wohl viel
eher Ladenbesitzers erklang.
„Regelt das gefälligst draußen, wenn ihr auch nur einen Kratzer an meinen Möbeln macht dürft
ihr mir das ganze Lokal neu einrichten.“ Seymors wütender Ausdruck wurde kühl, als er
wieder zu dem anderen zurück sah, der noch immer das Grinsen im Gesicht hatte. Ein Grinsen,
das vielleicht gleichzusetzen war mit dem Ausdruck eines Pumas, der auf seine Beute lauert,
legte sich auf sein Gesicht und er sah dem anderen direkt in die Augen ohne auch nur einen
Funken von Angst zu verspüren. Seymor wusste nur zu gut, dass er ihm überlegen war. Seine
Hand ergriff für einen kurzen Moment fester die von Alyssa, bervor er:
„Ich warte draußen auf dich“, dem immer breiter und scheinbar erfreuter grinsenden Typen
entgegen spie und dann dem Typen einfach den Rücken zu drehte und Alyssa vor sich her in
Richtung Tür brachte, wo er die anderen ebenfalls ansah. Vermutlich würde keiner ihn ernst
nehmen, doch es schien niemand sonst sonderlich an Streit interessiert und der Stänker schien
auch keiner Bikergruppe anzugehören, sondern alleine nachzukommen. Sein Blick wirkte fast
ein wenig ungläubig, aber immer noch war das Grinsen da, das Seymor all zu bald aus seinem
Gesicht wischen würde.
„Ich bin gleich zurück!“, sagte er zu Alyssa... Als ob sie hier warten würde, aber irgendwie
hatte er das Bedürfnis es zu sagen. Erneut drehte er dem Typen, der jetzt aufgeholt hatte, den
Rücken zu, während er durch die Tür nach draußen trat. ein Fehler, den er jedoch ohnehin
erwartet hatte, als er an Alyssa vorbeiging und ihr nur erneut einen abschätzenden Blick zuwarf
und ihr ein arrogantes Zwinkern schenkte und dann mit einem nicht all zu festen schlag
Seymor einen Stoß gab, der ihn aus der Tür beförderte.
Alyssa: Zuletzt hatte sie seine Hand fester um ihre Finger gespürt und das glückliche Grinsen
in seinem jungen Gesicht gesehen, doch das gehörte der Vergangenheit an. Sie sah wie sich der
Ausdruck zu einer Vorahnung wandelte und dann schließlich der Wut Platz machte. Seine
Augen verengten sich und es war deutlich zu erkennen, wie sehr es ihn aufbrachte. Sogleich
zog er sie hinter sich und ihre Hand streifte kurz seine Hüfte, während die andere seine Hand
weiterhin umschlossen hielt, Alyssa was zu überrascht um anders zu reagieren oder sich zur
Wehr zusetzten. Zugleich merkte sie, wie sich der Körper des Gestaltwandlers versteifte. Von
ihrer jetzigen Position hatte sie endlich einen guten Blick auf den Unruhestifter, der größer und
massiger war als Seymor. In seinen lauernden Augen stand zu deutlich, dass er nur Ärger
suchte und sie beiden schien wohl auf den ersten Blick nach leichter Beute auszusehen. Sein
selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagte aus, dass er den Sieg schon roch, zumindest glaubte er
das. Aber vermutlich war das einer von denen, die nur die Schwächeren herausforderten, vor
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einem ebenbürtigen Gegner jedoch den Schwanz einzogen, zudem stand niemand in seinem
Rücken, aber wer konnte schon so genau wissen. Noch während Seymor den Typen nahezu
herausfordernd anfunkelte, verwies sie der Besitzer nach draußen, wofür Alyssa sehr dankbar
war. Ladenverbot zu bekommen war kein Weltuntergang, aber deutlich ungünstig - besonders
jetzt. Alyssa spähte seitlich in Seymors Gesicht, konnte ihn jedoch nur im Profil erkennen und
dennoch schien sich seine Mimik zu verändern, denn der Ausdruck wechselte erneut von
wütend zu kalt. Es war genau der Ausdruck, der sie faszinierte und ihr zugleich einen Schauer
über den Rücken jagte, doch sein sich verstärkender Druck auf ihre Finger holte sie zurück und
sie schob sich an seine Seite um ihn besser betrachten zu können, während sie sich leicht an
seine Seite schmiegte wie zur Demonstration, dass er ihr und sie ihm gehörte und kein daher
gelaufener überdimensionierter Möchte-gern-James-Dean würde daran etwas ändern. An
Seymors Worten erkannte Alyssa, dass der Gestaltwandler wirklich daran dachte sich mit dem
Typen anzulegen, jetzt war es an ihr Seymor ungläubig zu betrachten, aber er wand sich
einfach an und zog sie bereits ein Stück weiter weg von der Bar in Richtung Tür. Sie ging mit
ihm aus der Hörweite der Männer, als sie gerade ansetzten wollte, meinte Seymor er sei gleich
zurück. Sollte die denn etwas hier auf ihn warten, während er sich mit dem Schrank da, die
Köpfe einschlug.
„Das ist doch nicht dein Ernst!“, nörgelte sie unzufrieden funkelte Seymor warnend an. „Der
ist den Ärger nicht wert!“ Dabei warf die dem dümmlich grinsenden Biker einen angewiderten,
abfälligen Blick zu, der jedoch nun in ihrer Reichweite war und während dieser sich in
Seymors Richtung aufmachte. Er zwinkerte Alyssa zu und betrachtete sie mit einem Blick, der
ihr gar nicht gefiel zudem versetzte er Seymor einen Hieb, der ihn zur Tür hinaus stieß. Das
war mehr als genug! Zuerst erniedrigte er sie, indem er sie begrabschte und jetzt sprang er so
verachtend mit der einzigen Person, die sie liebte, um. Das konnte sie nicht auf sich sitzen
lassen. Der Mann hatte gerade die Türklinke in der Hand und wollte hinausgehen, als Alyssa
sich in seinen Weg schob, eine Hand auf seiner Brust platzierte und ihn zum Stehenbleiben
veranlasste. Mit dem selben Grinsen betrachtete er sie und sie blickte mit golden loderndem
Hass zu ihm herauf. Sie hatte ebenso wenig Angst vor ihm, wie Seymor. Auch wenn in ihren
Augen der Hass stand, so rang sie sich ein zuckersüßes, liebliches Lächeln an und ihre Stimme
klang ebenso süßlich, dass es nur gelogen sein könnte. Auf seine Brust gestützt streckte sie
sich, bis sie leise an seinem Hals flüstern konnte, so dass nur er sie verstand, ihre Stimme hatte
etwas Anzügliches und Bedrohliches zugleich.
„Hey Großer, das ist keine gute Idee! Du solltest dich mit wem anlegen, der deine
Krangenweite hat! Tu das nicht!“, warnte sie ihn äußerlich freundlich. Eine Warnung, keine
Bitte! „Hoff lieber, dass du verlierst, denn wenn ich Hand anlege,wird es schmerzhafter!“
Hey, sie hatte ihn jetzt immerhin gewarnt, und noch mehr als das, aber eine Lektion hatte er so
oder so verdient. Sollte er doch noch einmal versuchen Hand gegen sie zu erheben... Wenn
Seymor ihn nicht ohnehin verarbeiten würde, dann würde sie es tun.
Seymor: Der Stoß beschleunigte nur seinen Austritt aus der Tür, endete doch in einem lässigen
Stehen bleiben, so als ob nichts gewesen wäre, wo er dann auf ihn wartete und sich langsam
zur Tür umdrehte, wo er gerade noch sah wie Alyssa sich wieder entfernte. Es behagte ihm
absolut nicht, dass er auch nur das Privileg haben durfte ihr so nahe zu sein, auch wenn er
wusste, dass in ihrem Blick ohnehin nur Verachtung stehen würde. Sie folgten ihm beide nach
draußen, wo Alyssa wieder näher an ihn herantrat. Seymor sah sich um und befand, dass
obwohl es so spät war, hier auf dem Parkplatz doch eindeutig zu offen war und außerdem
könnte man durch die Fenster eventuell erkennen was vor sich ging. Also steuerte er
zielbewusst auf eine Seitengasse zu. „Ich hoffe du hast keine Angst im Dunkeln.“
Die Provokation diente nur weiter dazu das er ihm auch ja dorthin folgen würde. Was dieser
auch tat, doch Seymor hörte bereits wie sich seine Schritte beschleunigten und er wusste nur zu
gut, dass dieser lieber jetzt sofort anfing, als bis dort zu warten. Die Schritte kamen näher und
er wusste, dass der Schlag folgen würde und wenn er eines bei Iskariot gelernt hatte, dann das
kämpfen, sogar in menschlicher Gestalt. Er wich dem Schlag, den er bereits erahnt hatte, leicht
aus, indem er sich darunter wegduckte, wohl wissend dass dieser die Gelegenheit nutzen würde
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um gleich einen Kopftreffer zu landen. Das Grinsen war wieder in Seymors Gesicht, eine
Provokation, die auf die andere folgte. Doch das Grinsen des anderen war noch immer dort,
wenn sich die Augen jetzt auch seinerseits mit Wut darüber füllten, dass er ihn verfehlt hatte.
„Na hast du Angst mich direkt anzugreifen oder warum traust du dich nur, wenn ich dir den
Rücken zugedreht habe?“
Mittlerweile hatte Seymor den Hinterhof erreicht, den er angesteuert hatte und der andere hatte
mit einem wütenden Schnauben geantwortet und dann ein wenig Abstand gelassen, während
sein Blick erneut zu Alyssa und über deren Körper glitt, so als ob er am Planen wäre, was er
mit ihr anstellen würde, wenn er sie abgefüllt hätte. Der Hinterhof wurde nur durch eine
einzelne Lampe erhellt, die an der Wand befestigt war und auf ihre Bewegungen reagiert hatte.
In fast beim Ende angekommen machte Seymor auf dem Absatz kehrt und sah dem Typen
direkt in die Augen. Seine goldenen Augen glühten förmlich vor Zorn, während er sein
gegenüber musterte. In Wahrheit war er kein Gegner für ihn. Seymor vermutete, dass er ihn
sogar so besiegen könnte, doch darauf würde er es nicht ankommen lassen. Er wollte dem
Typen eine Lektion erteilen, die er sein Leben lang nicht mehr vergessen würde und die ihm
entweder seinen Ruf unter den Bikern oder aber den Verstand kosten würde.
„Ich habe eine letzte Warnung für dich.“ Der kalte Gesichtsausdruck löschte das Grinsen
wieder aus und zurück blieb nur ein Gesicht der ernst gemeinten Warnung.
„Dir bleibt jetzt die letzte Möglichkeit zu fliehen.Geh auf die Knie, flehe meine Partnerin um
Verzeihung an und ergib dich ihrem Urteil und dann flieh, oder du wirst das, was folgen wird
nie wieder vergessen.“ Die Wut verschwand für einen kurzen Moment aus seinem Gesicht,
anscheinend war ihm der junge Mann, der um einen Kopf kleiner war und dennoch so redete,
als ob er sich absolut sicher war, dass er ihn fertig machen würde nicht ganz geheuer, doch
dann schien er sich wieder zu besinnen und das Lächeln kehrte zurück ebenso wie die Wut.
„Kleine Jungs wie du sollten besser nicht so weit die Klappe aufreißen, nur weil das Mädchen
daneben steht. Das könnte sie sonst ihre Milchzähne kosten weißt du.“
Erneut wartete der Typ für einen Moment Seymors Reaktion ab, diese bestand jedoch lediglich
darin ihn weiter anzusehen. Dann stürzte der Typ los in Richtung Seymor, er wollte ihn
scheinbar nicht nur mit der Faust treffen, sondern ganz nieder rennen um nicht erneut das
Risiko eines Ausweichens zu haben, doch als er näher kam verringerte sich bereits sein Tempo
und das Lächeln schwand vollkommen aus seinem Blick, als sich ein eiskaltes Lächeln auf
Seymors Gesicht zeigte und während dieser bereits - davon verwirrt - versuchte seinen
Ansturm abzubrechen, begann sich Seymors Körper vor seinen Augen zu verändern. Und nur
Augenblicke später stand vor dem Typen ein ausgewachsener Puma, auf den er zu stürmte und
nicht mehr bremsen konnte. Doch die Katze wich mit Leichtigkeit aus, während der Biker
völlig entsetzt sogar das Gleichgewicht verlor und stürzte. Die Raubkatze gab ein tiefes
Knurren, das gemischt mit einem Fauchen war, von sich, während der Mann sich auf den
Rücken rollte und leicht sitzend vor Seymor zurück wich. Panik stand jetzt in dessen Augen
und er suchte um Hilfe flehend Alyssas Blick, während die Raubkatze näher kam und er sich
weiter in Richtung Mauer schleifte, bis er dagegen stieß. Die Augen der Raubkatze zeigten den
selben Hass, der zuvor in Seymors Augen gefunkelt hatte und er kam langsam, seine
"Milchzähne" fletschend, näher wie ihm dazu passend einfiel. Der Biker versuchte nach ihm zu
treten, doch ein kurzes Schnappen nach seinem Bein, das nur einen leichten Kratzer
hinterlassen würde, beendet auch schließlich diesen Verteidigungsversuch und er kauerte sich
nur Angst erfüllt noch fester gegen die Mauer, so als ob er jeden Moment in ihr verschwinden
könnte und von diesem Ort und der Raubkatze die ihm vermutlich Todesangst einjagte zu
fliehen.
Alyssa: Das Grinsen des Bikers blieb in Alyssas Augen genauso wie hämisch wie es war, das
Einzige, was sich änderte war der Ausdruck in seinem Gesicht; Ungläubigkeit und viel mehr
noch Spott stand darin. Der Biker schob sie mit einer Hand bei Seite und ging einfach an ihr
vorbei, danach folgte Alyssa ihm mit sichtbarer Wut hinaus. Hinter ihr grölte jemand, aber
niemand dachte auch nur daran dem Kerl zu folgen - Alyssa warf einen theatralischen Blick in
den Raum, der aussagte: ich töten jeden euch, der es wagt zu folgen, langsam und qualvoll,
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bevor sie zur Tür hinaus glitt. Sogleich suchten ihre Augen Seymor und leise tippelte sie los
um an seiner Seite stehen zu bleiben, doch dieser setzte sich bereits in Bewegung - gut, sie sah
selbst ein, dass es hier zu viele Zuschauer geben würde... Kaum, dass sich der Gestaltwandler
in Bewegung gesetzte, hatte es der Mann sehr eilig ihm zu folgen, sie blieb jedoch noch ein
Paar Schritte zurück und schaute sie auf dem Parkplatz um - das war ein denkbar ungünstiger
Zeitpunkt! Als Alyssa folgte, waren beide bereits in eine Seitengasse gebogen und sie sah den
Schläger ausholen, gerade wollte sie "Pass auf!" rufen, da war Seymor schneller: geschickt
wich er dem Hieb aus. Mit einem zufriedenes Lächeln schüttelte sie über sich selbst den Kopf wieso machte sie sich denn nur ständig so viele Sorgen - sie sollte eindeutig damit aufhören,
denn Seymor hatte schon so oft bewiesen, dass er allein auf sich aufpassen konnte. Mit einem
Grinsen auf sein Gesicht provozierte Seymor den Kerl, der dieses mal beschlossen hatte sich
aus zu ausschwieg und stattdessen SIE anstarrte, absichtlich weiter. Alyssa sah seine Augen
über ihren Körper gleiten und hatte nur ein verachtendes „Träum weiter!“, für ihn übrig,
während sie ihre Schritte beschleunigte,als sie auf dem Hinterhof ankamen. Seymor genügend
Abstand lassend, setzte sich auf die oberste Treppe des Hintereinganges, von wo aus sie beide
genau im Blick hatte. Es war zwar dunkel hier, aber für sie hell genug und wahrscheinlich
würde es das auch für Seymor sein, wenn er das tat, was sie vermutete. Seymor aufmerksam
betrachtend, erkannte sie die Wut in seinen Augen, mit der den Mann anfunkelte; es ließ ihr
einen Schauer über die Haut rinnen. Das Gesicht des Gestalwandlers war im Gegensatz zu
seinen Augen eiskalt und auch seine Stimme, als er eine Entschuldigung einforderte und dem
Angreifer eine Möglichkeit zur Flucht bot. Doch wie konnte es schon sein, Typen wie er gaben
nicht auf, bevor man ihnen eine Lektion erteilt hatte. Auch wenn kurz Zweifel in sein Gesicht
traten und sein dümmliches Grinsen verschwinden ließen ob Seymors Selbstüberzeugung,
hielten sie nicht lange an, denn er hatte bereits einen Kommentar parat und wies Seymor
zurecht, der jedoch vollkommen reglos blieb, was den Biker nur noch wütender machte. Er
stürzte auf Seymor los - so ein Volltrottel, dachte sich Alyssa, der landet doch gleich auf der
Schnauze. Als sie gerade hoffte, er würde es einsehen, da er langsamer wurde, überschätzte sie
den Typen eindeutig! Außerdem verriet Seymors frostiges Lächeln, dass der Mann so gut wie
verloren hatte. Der schlanke Körper wandelte sich in die Gestalt des Pumas, was Alyssa mit
offensichtlicher Faszination betrachtete - würde sie sich denn nie daran gewöhnen? Die
Raubkatze verweilte reglos, der Kerl war jedoch zu schnell, so dass die Raubkatze einfach nur
zurück wich und... Bingo! Wie nicht anders erwartet strauchelte der Schrank von einem Biker
und fiel über seine eigenen Füße. Schadenfroh und mit unverkennbaren Amüsement folgte
Alyssa dem Szenario. Sie sah zu wie der Puma mit einem bedrohlichen, kehligen Knurren den
panischen Mann einkreiste, der immer weiter an die Wand zurück wich. Ihm schräg gegenüber
sitzend konnte sie die Angst in seinem Gesicht erkennen, das Wissen, dass er in mit dem
Rücken zur Wand saß - im wahrsten Sinne des Wortes. Der Puma machte es ihm nicht gerade
einfacher, als er hasserfüllt die Zähne fletschte. In seiner Verzweiflung trat der Mann nach dem
Puma, doch Tritt traf ins Leere, wurde von dem Zähnen der Katze abgehalten. Ein
verzweifeltes Wimmern entwand sich den Lippen des Mannes. Alyssa wusste selbst, dass es
unmenschlich war, doch eben dieser Laut, die Panik in seinen Augen weckten ihre Jagdlust. Sie
wollte ihn rennen sehen, ihn durch die Dunkelheit jagen, ihm die Aussicht auf Rettung geben
um ihn dann erneut einzufangen. Das war dieser dunkle Drang wieder alles Menschliche, an
das sie sich geklammert hatte, aufzugeben und ihn wie ein Tier zu hetzen. Ihn töten, das wollte
sie gar nicht, nur quälen und foltern bis schrie und bettelte und eben dieser Drang glühte
gespenstisch in ihren Augen.
„Jetzt tu doch was!“, keifte der Biker hysterisch, was ihr ein grausames Lächeln auf die Züge
trieb. Geschmeidig sprang sie von der Treppe und kam zum Stehen, betrachtete ihn mit einer
sonderbaren Verzückung und teleportierte sich an die Seite des Pumas. Mit einem vergeistigten
Ausdruck legte sie den Kopf schief und sah fast durch den Mann hindurch, bis sie sich dem
Puma anschloss und herausfordernd fauchte, wodurch ihre Fänge unverkennbar zum Vorschein
kamen. Ihre Finger glitten zärtlich durch das weiche Fell des Pumas, strichen über seinen Hals,
die Wirbelsäule entlang, zwischen den Schulterblättern. Was sie wohl für ein Bild abgaben,
sicherlich wie aus einem Horrorfilm aus dem Nachtprogramm, wer konnte schon ahnen, dass
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Alpträume wahr werden konnten.
„Freakshow!“, schrie der Mann in seiner puren Verzweiflung, da er nicht wusste, was er
ansonsten tun sollte. Seine Hände tasteten die Wand entlang, er entzog dem Puma sein Bein
und rappelte sich an die Wand gepresst auf. Sein Brustkorb hob und senkte sich verlockend
schnell. Alyssa unterdrückte ein erneutes Fauchen, sie wollte sein Blut gar nicht, dieses mal,
war es die Angst, die ihre Sinne beflügelte. Ihre Hand wanderte zum Hals des Pumas und
drückte ihn ein Stück zurück, nicht kraftvoll, aber so, dass er verstehen würde, dass sie dem
Mann etwas Platz geben wollte. Panisch nur eine falsche Bewegung zu machen drückte er sich
an der Wand entlang in die Richtung, aus der sie gekommen waren, ohne ihnen den Rücken zu
zukehren. Erst als ein knapper Meter zwischen ihm und dem Puma war, begann er sich sehr
langsam rückwärts zu bewegen, doch Alyssa kam frontal auf ihn zu bis sie wieder dicht vor
ihm stand, der Mann wich zurück. Sie schaute ihn mit diesem Ausdruck an, der selbst einem
Irren Angst eingejagt hätte.
„Renn, bevor ich es mir anders überlege und ihn deine Kehle aufreißen lassen...“, sie streckte
sich ihm entgegen, zu seinem Hals, sodass er ihren Atmen auf seiner Haut spüren würde.
„...Oder ich mach es selbst...“, sie stieß ein erneutes unmenschliches Fauchen aus und stieß ihn
mit beiden Händen plötzlich zurück, so dass er erneut strauchelte, doch seine Schritte immer
schneller wurden, ohne dass er ihnen den Rücken zu wandte.
„Morgen wird die ganze Presse von euch Monstern berichten!“, drohte er. Wieder kehrte das
süßliche, verlogene Lächeln auf ihr Gesicht zurück.
„Ganz schlechte Idee“, damit wand sie ihm den Rücken zu und betrachtete Seymor um nicht
dem Drang nach zugeben ihn zu jagen und wer weiß was sonst noch, dabei war es noch nicht
mal Wut, die sie trieb, sondern einfach nur die Jagdlust und die Gier.
Seymor verharrte bedrohlich vor dem Gejagten und in die Ecke gedrängten Feind, während
Alyssa, die er flehend ansah, langsam näher kam und sich zu ihm an die Seite stellte, jedoch
nicht ohne ihrerseits ein bedrohliches Knurren von sich zu geben und ihrem neuen Freund noch
jeglichen Funken von Hoffnung zu nehmen. Todesangst stand ihm ins Gesicht geschrieben und
als Alyssa ihm so durchs Fell strich, musste er innerlich grinsen über den Anblick, den sie wohl
abgeben mussten. Gequält beschimpfte er sie beide, was Seymor nicht im Geringsten kratzte,
bis er sich langsam daran machte zu fliehen. Langsam und sie beide immer im Auge behaltend
ging er Schritt für Schritt weiter rückwärts, darauf bedacht keine schnellen Bewegungen zu
machen, so als ob er es mit Tieren zu tun hatte. Nun ja bei Seymor stimmte das ja sogar, dachte
er sich immer noch innerlich grinsend, auch wenn die Wut über den Typen noch bei Weitem
nicht verloschen war und er sich ernstlich zusammenreißen musste, um ihm nicht auch noch
eine physische Erinnerung an diesen Tag zurückzulassen. Dann kurz bevor er wegrennen
wollte, teleportierte sich Alyssa von Seymors Seite direkt zu dem Typen ganz nahe, bedrohlich
und flüsterte ihm noch etwas zu, ehe er sich umdrehte und in vollem Lauf das Weite suchte. Es
kam noch eine Drohung, die Seymor nur noch mehr belustigte, ehe der Puma nun auf Alyssa
zuging und schnurrend ihre Beine entlang strich, den Schweif wie als Liebkosung an ihrem
Körper entlang streichelnd. Seymor sah nochmal kurz dem jetzt alles andere als hämisch
grinsenden Typen hinterher, wie er am anderen Ende des Parkplatzes mit seinen Schlüsseln
fingerte, bis er es trotz des Zitterns und der ständigen Blicke auf die Seitengasse, auch wenn er
sie im Dunkeln vermutlich kaum mehr würde sehen konnte, doch noch das Zündschloss fand
und dann mit quietschenden Reifen das Weite suchte. Einmal mehr strich er schnurrend an
Alyssas Beinen entlang, bevor er sich zwei Schritte entfernte und kurze Zeit später wieder der
Junge Mann an der Stelle stand, wo zuvor die Raubkatze gewesen war. Er blickte Alyssa fast
ein wenig entschuldigend an. Aber der Typ hatte einfach eine Abreibung verdient. Niemandem
war es gestattet so mit Alyssa umzugehen. Na gut außer ihm natürlich.
„Sollten wir Mitleid mit ihm haben, wenn er Morgen von ein Paar Leuten in mit ner neuen,
weißen Jacke von der Presse abgeholt wird?“, fragte er grinsend. Die Wut war großteils
verflogen, jetzt wo er nicht mehr die Fratze dieses Typen sehen musste und damit kehrte auch
ihr eigentliches Vorhaben zurück. „Ich denke ab jetzt werden wir hier keinen Ärger mehr
bekommen wenn sie sehen das ich noch alle Knochen in ganzem Stück hab.“
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Alyssa spürte wie die Anspannung wich und Seymors Wut mit zunehmender Entfernung des
Bikers ebenfalls geringer wurde, auch wenn sie nur sehr langsam schwand. Sie fühlte wie sich
seine Muskeln unter ihren Fingern entspannten und er zu schnurren begann, während sein
Körper ihre Beine streifte und einen letzten Blick auf dem Mann warf. Die hastigen Schritte
des Bikers wurden leiser, da er sich weiter entfernte und sie hätte alles darauf verwettet, dass er
sich mehrfach nach ihnen umblickte um sicher zu gehen, dass er nicht verfolgt wurde. Dann
waren keine Schritte mehr zu hören, nur ein leises Klirren in der Dunkelheit, als ein
Schlüsselbund seinen fahrigen Händen entglitt und auf dem Asphalt landete. Bald darauf
klackte das Autoschloss und action-movie-like brauste er auch schon mit rauchenden Reifen
davon in einem mörderischen Tempo. Ein Wunder, wenn er nicht an der nächsten Wand kleben
blieb oder sich um einen Baum wickelte. Alyssa atmete tief durch und versuchte sich zu
beruhigen, während ihre Hände Seymors umschmeichelnden Bewegungen folgten und ihn
streichelten. Doch dann entzog er sich ihr und seine Gestalt wuchs an, verwandelte sich wieder
zurück in den Menschen. Sie sah den entschuldigenden Ausdruck in seinen Augen und musste
lächeln, als sie näher an ihn herantrat. Ob sie Mitleid haben sollten? Sie musste lächeln, der
Scherz holte sie wieder in die Realität zurück. Alyssa überbrückte den Abstand, ihre Hände
glitten seine Unterarme, seine Oberarme hinauf und landeten um seine Schultern, als sie ihre
Stirn gegen seine lehnte und die Augen schloss. Was wäre sie nur ohne ihn, er war der Grund
dafür, dass sie sich verlor und der Grund, dass sie mehr war. Sie unterdrückte ein letztes
Fauchen als Zeichen ihrer Jagdlust, sodass das das Fauchen langsam zu einem kehligen
Schnurren abschwoll und das Lächeln heller wurde. Sie tat so als wäre nichts gewesen,
versuchte diesen kurzen Rückfall zu verdrängen. Nichts, sie konzentrierte sich allein auf
Seymor. Als Antwort auf seine Frage schüttelte sie nur den Kopf und schlang ihre Arme um
seinen Körper, sich eng an ihn schmiegend atmete sie tief durch. Dann öffnete sie die Augen
und blickte Seymor mit einem Grinsen an, als er annahm, dass sie keine Umstände mehr haben
würde, da er heil war, ohne Kratzer. Sie stützte ihr Kinn an seine Schulter und grinste dreckig,
während ihre Hände von seinem Rücken weiter hinab glitten und sie sie in seine hinteren
Hosentaschen schob.
„Das hat dir gefallen, was? Den Beschützer raushängen zu lassen!“ Sie biss sich leicht auf die
Unterlippen, dabei kamen ihre Fänge zum Vorschein, als sie versuchte ein Grinsen zu
unterdrücken. Auf eine absolut unerklärliche Art und Weise hatte es sogar einem Teil von ihr
gefallen sich von ihm beschützen zu lassen, obwohl sie es im Grunde selbst konnte. Der Druck
ihrer Hände auf seinem Po verstärkte sich leicht, als sie sich an ihn drückte.
„Dann können wir ja ohne Sorgen zurück gehen!“, schnurrte Alyssa ganz unschuldig und gab
ihm einen Klaps auf den Hintern, bevor sie sich langsam umdrehte,in Bewegung setzte und mit
geschmeidigem Gang zurück in Richtung des Restaurants spazierte. Über die Schulter schenkte
sie Seymor noch ein freches Grinsen. Als sie über den Parkplatz lief, blickte sie sich erneut um,
noch immer keine Spur, also betrat sie wieder den Laden Seymors Hand umfassend und
stöckelte mit triumphierenden Blick durch das Restaurant. Irgendwo johlte noch jemand, doch
dies mal wagte es niemand ihnen in die Quere zu kommen. Die ungläubigen Blicke der
anderen Männer ließen Alyssa überlegen grinsen.
„Hey,wo ist der Andere?“, rief der Barkeeper ihnen zu. „Soll ich einen Krankenwangen rufen?“
Unschuldig und gewinnend zugleich nickte Alyssa in Richtung Seymor und grinste diesen an,
bevor sie sich wieder an den Mann hinter der Bar wandte, damit alle nun unmissverständlich
wussten, dass es Seymors Verdienst war.
„Hat sich aus dem Stab gemacht!“, als wäre nichts, zuckte Alyssa die Schultern und zog
Seymor weiter in Richtung Tisch, der noch immer frei war zu ihrem Glück.
Seymor: Mit ein paar kleine Schritten ließ Alyssa den Abstand zwischen ihnen verschwinden
und schlang die Arme um ihn während ihre Augen langsam wieder den warmen Goldton
annahmen, der so ähnlich den seinen war. Sie lehnte ihre Stirn gegen die seine und lächelte
während ein anfängliches Fauchen zu diesem von Seymor geliebten Schnurren abschwoll, das
sie ab und an von sich gab, vielleicht weil er so lange unter Katzen gelebt hatte, aber irgendwie
vermochte dieses Geräusch ihn zu beruhigen und wenn es von Alyssa kam, dann löste es auch
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noch ganz andere Gedanken in ihm aus. Er genoss für einen Moment diese Nähe und das
Lächeln auf seinem Gesicht wurde ruhiger und doch breiter. Doch dieser kurze Moment der
Vertrautheit hielt nur kurz an, ehe sie sich nur noch enger an ihn schmiegte und er das Grinsen
sogar in ihrer Stimme hören konnte, während ihre Hände bereits ein anderes Ziel als seinen
Rücken gefunden hatten. Auch sein Grinsen wurde frecher und schelmischer, als sie erneut
ihren Griff verstärkte.
„Und dir gefällt wohl was du da abgegriffen hast was?“
Seine Bemerkung wurde mit einem Klaps beantwortet, während sie sich weiter von ihm
entfernte. Den Typen, dem sie eben den Schrecken seines Lebens eingejagt hatten, immer mehr
verdrängend sah er Alyssa hinterher, wie sie mit einladendem Gang in die Richtung zurück
stolzierte, aus der sie gekommen waren. Noch breiter grinsend folgte er ihr, wobei er es sich
nicht nehmen ließ ihren Körper zu mustern und ihr ein mindestens ebenso schmutziges Grinsen
zu schenken, wie sie es wohl vorher gehabt hatte. Dann folgte er ihr und holte mit großen
Schritten auf, sodass sie bald wieder nebeneinander gingen.
Hand in Hand betraten sie das Lokal, während die ungläubigen Blicke sich auf Seymor
richteten, was ihm zum Teil sogar gefiel, doch andererseits den Drang wegzurennen in ihm
auslöste. Nicht weil er Angst vor den Leuten hier gehabt hätte, es war viel mehr dieses Wissen,
dass er sich gerade zuvor zu nutze gemacht hatte. Das alle hier Anwesenden vor ihm Angst
hätten und ihn vermutlich am liebsten töten würden, wenn sie nur herausfänden, was er war. Er
erwiderte nur den Blick des Barkeepers und konzentrierte sich dann wieder auf Alyssa, die
ohnehin alles weiter klärte und auch von ihrer Seite nur zu deutlich klar machte, wer den Typen
in die Flucht geschlagen hatte. Doch kurz darauf wandten sich - zu Seymors Wohlbefinden die Blicke wieder ab und die Gespräche wurden lautstark fortgesetzt. Niemand interessierte
sich noch für Alyssa und ihn mal von ein paar letzten Blicken abgesehen, die einige Alyssa
zuwarfen. Sie setzten sich an den Tisch, den Alyssa auch zuvor schon angesteuert hatte und der
Wirt kam prompt hinzu und legte zwei Karten hin, bevor er Seymor kurz von oben bis unten
musterte und dann einfach den Kopf schüttelte.
„Ich will gar nicht wissen wie du das gemacht hast, vermutlich auch besser wenn ich es nicht
weiß, aber wenn ich dich mit einer Waffe in meinem Haus hier erwische, wird die Polizei dich
mitnehmen noch ehe du sie ziehn kannst hast du mich verstanden?“
Dann wurde sein Blick jedoch freundlich.
„So aber jetzt such dir eine Siegermahlzeit aus, verdient hast se ja bei dem Typen, ich hoffe nur
ich muss seine Visage nicht nochmal in meinem Laden sehen.“
Alyssa hatte gegrinst, als sie sich in Bewegung gesetzt hatte und auch jetzt, da sie sich
zufrieden auf den weich gepolsterten Stuhl fallen ließ und ihre beiden Taschen mit den Füßen
unter den Tisch schob. Instinktiv hatte sie auf sie Acht gegeben, denn schließlich war da ihre
Vergangenheit oder zumindest die Überreste ihrer Vergangenheit enthalten. Auch jetzt änderte
sich nichts an dem Grinsen. Sie hatte Seymors Blick eben auf ihrem Körper einmal mehr
gefühlt - sie liebte es, wenn er sie so musterte - bevor er schnell wieder zu ihr aufgeholt und
ihre Hand mit seinen warmen Fingern umschlossen hatte. Auch ihre freche Annäherung hatte er
mit Humor genommen. Im Restaurant schienen Seymor die ungläubigen Blicke der Gäste
beinahe gefallen zu haben, doch auch die anfängliche Stille der verdutzten Gäste verging
schnell und das selbe rege Treiben wurde fortgesetzt.
Unbekümmerte streifte sie ihre Lederjacke ab und hängte sie über die Stuhllehne, dann
wanderte ihr Blick durch den Raum, alles wie gewohnt, ruhig, danach kehrte er wieder zu
Seymor zurück und ihr Grinsen wurde noch breiter zum Zeichen, was sie gesehen hatte. Man
ließ sie eindeutig nicht warten und Seymor hatte sich in den Augen der Anwesenden
Anerkennung verschafft, denn er war der Wirt selber, der seinen Platz hinter dem Tresen
verlassen hatte um ihnen die Speisekarten zu bringen.
„Du hast einen neuen Freund gewonnen!“, flüsterte sie ihm über den Tisch zu, noch bevor der
Wirt sie erreicht hatte. Er schmunzelte und seine Mundwinkel zuckten verdächtig, als er
Seymor eingehend betrachtete. Seine eigene Ungläubigkeit wurde mit einem Kopfschütteln
deutlich gemacht. Noch während Alyssa eine der Karten ergriff, aufschlug und ihre Augen
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darauf senkte, sah sie aus den Augenwinkeln, wie sich sein Gesicht verdüsterte. Oh weh, sollte
jetzt etwa eine Standpauke kommen? Scheinbar gleichgültig musterte sie die Gerichte, doch ihr
Blick war einfach nur hinab gerichtet, ohne dass sie wirklich etwas von den Worten wahrnahm,
stattdessen laute sie den Worten des Wirtes. Sie musste nicht in sein Gesicht blicken um zu
wissen, dass er auf eine Idee gekommen war: die Idee, das Seymor Waffen bei sich hatte und
falls es der Fall sein sollte, würde die Polizei zur Stelle sein. Na, irgendwie wagte sie es zu
bezweifeln, dass die Polizei Freund und Helfer des Besitzers war, er würde sie meiden, so
lange es ging. Waffen? Sie musste selber schmunzeln. Was für Waffen hatte Seymor denn
schon dabei? Sie brauchten keine Waffen. Sie hatte Feuer und er seine Klauen. Mit einem
schelmischen Grinsen betrachtete sie den Barkeeper;
„Er hat keine Waffe außer seinen Körper!“, versicherte Alyssa, während ihr Blick wieder zu
ihm zurück kehrte und seinen schlanken Körper musterte. Auch der Blick des Barkeepers
wurde weicher und das wiederkehrende Schmunzeln war auch in seiner Stimme hörbar, als er
ihn dazu aufforderte sich eine Mahlzeit auszusuchen. Zugleich war unverkennbar deutlich, dass
er froh darüber war diesen Biker nicht so schnell wieder zu sehen. Anscheinend waren sie hier,
eine Landplage, was? Aber sie wettete, in ein Paar Tagen wäre der Mann, den sie so erfolgreich
vertreiben hatten in die Flucht.
Kaum, dass er ihre Getränkebestellung aufgenommen hatte, schwankte er auch bereits in
Richtung der Bar zurück und rief eine der Kellnerinnen zu sich, damit sie ihnen die Getränke
bringen und ihre Bestellung aufnehmen sollte. Bei der Statur des Mannes, war es ein Wunder,
dass er Problem mit Bikern hatte, er war selbst korpulent genug und hätte sie von hier
vertreiben können - aber nun ja, Kundschaft und wahrscheinlich war er einfach nur zu
gemütlich.
„Na, das nenn ich mal Service!“, schnurrte Alyssa Seymor entgegen, während sie ihre
Ellenbogen auf der Tischplatte aufstützte und auf ihrem Stuhl nach vorn rutschte, so dass sie
ihm näher war. Sie war eine Frau, die durften so etwas ohne dass es als schlechte Manieren
galt. Ihr Blick senkte sich dieses mal wirklich auf die Karte, auch wenn das Angebot nicht das
reichste war, so waren die Gerichte dennoch einladend und sie blieb an einem Nudelauflauf
hängen. Vampir hin oder her, geschmackliche Genüsse, außer Blut waren zur Abwechslung
auch mal ganz interessant, dennoch blickte sie weiter hinab auf dem Tisch.
„Hm...vielleicht solltest du mich öfter verteidigen... vielleicht sollte ich mich öfter in solche
Situationen hinein manövrieren.“, schlug sie mit einem frechen Grinsen vor und schob ihr Bein
zwischen seine Knie, ihr Fuß strich ein Stück seine Wade hinauf und sie biss sich auf die
Unterlippe um sich ein Grinsen zu verkneifen, während ihren Augen golden vor sich hin
flackerte, auch wenn sie im Augenblick gelassen war und das Grau zurückkehrte. Sie
betrachtete ihn noch, als eine Kellnerin kam und ihre Getränke vor ihnen abstellte. Es war ein
blondes, zierliches, kleines Mädchen, sie konnte kaum älter als 20 Jahre als sein und dennoch
war sie ganz hübsch, auch wenn in ihrem Gesicht deutlich stand, dass sie ein hartes Leben
hatte. Anja, stand auf ihrem kleinen Namensschild und sie sprach mit einem charmanten
östlichen Akzent.
„Was kann ich Ihnen bringen?“
Seymor: Als Alyssa ihre Jacke auszog, machte Seymor es ihr gleich, noch ehe der Wirt bei
ihnen war. Seine indirekte Frage beantwortete ohnehin Alyssa und das schien diesen zufrieden
zu stellen und das Grinsen in sein Gesicht zurückzubringen. Nachdem sie bestellt hatten,
wandte er sich ab und Seymor wandte sich wieder Alyssa zu. Die sich näher an ihn rückte. Auf
ihre Aussage hin musste er breit grinsen. Das würde ihr vermutlich auch noch Spaß machen
und schwer dürfte es ihr wohl auch nicht fallen irgendwelchen Typen zu gefallen. Bevor er
antworten konnte, kamen auch schon ihre bestellten Getränke und eine junge Kellnerin vermutlich in Seymors Alter - nahm die weitere Bestellung auf. Seymor hatte noch nicht mal in
die Karte hineingeguckt, er hatte jetzt keine Lust sich anzustrengen und zu versuchen die
Buchstaben aneinanderzureihen nur damit das Wort einen Sinn ergab. Er würde einfach das
Selbe wie Alyssa nehmen. So schlecht war ihr Geschmack schließlich nicht, auch wenn sie
eigentlich nichts essen musste. Er blickte sich nochmal im Raum und lächelte der Bedienung
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freundlich zu, die einen gestressten Eindruck machte, sah dann zurück zu Alyssa darauf
wartend, dass sie bestellte.
Alyssa: Nachdem auch seine Jacke über dem Stuhl hing, blickte er sie an und grinste, ohne
jedoch ihre Entgegnung irgendwie zu kommentieren. Alyssa war es im Augenblick gleich, dass
da andere Menschen im Raum waren und dass die Kellnerin an ihrem Tisch spazierte, sie ließ
sich nicht beirren und strich mit ihrem Bein ein Stück weiter hinauf, so dass zumindest dieser
Kontakt zwischen ihnen bestand, sie verschlag ihre Beine mit seinen, so dass ihr Knie die
Innenseite seines Oberschenkels berührte, sie grinste weiter und zog die Augenbrauen hoch,
beließ es aber dabei.
Mit einem freundlichen Lächeln betrachtete sie das Mädchen, bedankte sich für das Getränkt
und bestelle, da ihr Seymors abwartender Blick aufgefallen war, mit dem er ihr den Vortritt
ließ. Oft waren ihr seine ungewöhnlich Manieren aufgefallen, die manchmal gar nicht zu seiner
Art zu passen schienen. Ohne auch nur einen Blick in Karte zu werfen, bestellte Seymor
einfach das Selbe wie sie. Wieso hatte sie nur nicht daran gedacht, dass es für ihn vielleicht
noch immer unangenehm sein könnte in einem Lokal voller Menschen zu sein und irgendetwas
aus einer Karte zu bestellen, von dem er noch nicht wusste, was es war. Manchmal war sie
doch echt weltfremd und ging davon aus: irgendwie würde es schon werden, irgendwie würde
er zurecht kommen. Im Augenblick beschloss sie jedoch nicht weiter darauf herum zu reiten,
jetzt, wo es Abend war und sie endlich hier saßen, müde nach einem Tag unterwegs. Eifrig
notierte das Mädchen auf ihren Block um auch keinen Fehler zu machen, sie schien mager und
abgehetzt zu sein und das in ihrem Alter, hatte dunkle Ringe unter den Augen. Sonderbar, aber
irgendwie tat ihr das Mädchen Leid, sie sah so verletzlich aus und erinnerte an eine jüngere
Version ihrer Selbst, jedenfalls vermutete Alyssa, dass sie selbst vor einiger Zeit so ausgesehen
haben musste. Sie sah Seymor erneut im Raum umher schauen und als das Mädchen von ihrem
Notizblock aufblickte, sah sie, wie er sie anlächelte. Alyssa reichte ihr die Karten und lächelte
sie erneut an, bevor das Mädchen in Richtung der Küche verschwand.
Es war nicht ihre Art, sich um andere zu sorgen, aber solche armen Kreaturen taten ihr Leid,
ganz gleich, ob sie Mensch waren oder nicht. Und diese Trauer stand deutlich in ihrem Blick.
Ob Seymor wohl auch mager, dreckig, müde wenn nicht sogar verletzt umher geirrt war, ohne
einen Ort zu haben, wo er hingehörte? Das wollte sie sich gar nicht vorstellen.
„Ich bin froh, dass du mit mir gekommen bist!“, murmelte sie leise und gedankenverloren in
den Raum, ohne auch zu realisieren, dass sie es wirklich sagte. Ihre schlanken Finger
umfassten das große, kalte Glas mit Eistee und sie nippte daran, während sie aus dem Fenster
blickte. Ihre Augen suchten nach etwas in der Ferne, scannten des Fahrzeug ab. Auch nachdem
sie das Glas wieder abgestellt hatte, ließen ihre Finger es nicht los, ihre Fingerspitzen fuhren es
nach. Sie war wirklich froh, dass er bei ihr war um ihret- und um seinetwillen. Sie wollte nicht,
dass Seymor je wieder in einer solchen Situation war. Tag für Tag überstehen und so lange sie
zusammen waren, wusste jeder von ihnen wohin er gehörte. So brauchte zumindest sie kein
Zuhause, wenn er ihr Zuhause war, wenn Zuhause überall dort war, wo auch er war. Es war
sonderbar, die Welt fühlte sich so komplett anders an, seit sie ihn kannte. Sie hatte an Kälte und
Einsamkeit verloren und was sein mochte, wenn er ging eines Tages, daran wollte sie gar nicht
denken. Aber es war ihr bereits einmal passiert, dass jemand von dem sie dachte, dass er
niemals gehen würde, gegangen war und sie zurück gelassen hatte. Nein, im Grunde mehr als
ein mal und es konnte wieder passieren. Aber sie vertraute auf ihn, in ihn und hoffte das Beste,
auch wenn sie wusste, dass sie verletzt werden würde, wenn es wieder schief ging. Aber was
sollte es schon sein. Tag für Tag. Jeder Tag war ein Gewinn. Endlich verstand sie, was James
damit hatte sagen wollen. So lange hatte es gedauert, zuerst hatte dieser Gestaltwandler
kommen müssen, um sie wachzurütteln und sie zu heilen. Ihre Welt war ein besserer Ort mit
ihm, ein Ort indem es sich lohnte zu leben, ohne die Kälte. So leben und fühlen, als hätte sie
nie zuvor gefühlt. So als gäbe es nur das Hier und Jetzt und nur diesen Augenblick.
Sie liebte ihn! Und das wurde ihr erst hier klar, in irgendeinem Restaurant mitten in Chicago,
umringt von Biker, Fett, Krach... und dennoch war es irgendwie so, wie es sein sollte. Sie
lächelte ihn an. Doch kaum darauf kam bereits die Kellnerin abgehetzt und stellte wortlos aber
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mit einem verunsicherten Blick die Teller ab. Ihre Finger waren etwas zittrig, stellte Alyssa
fest, als ihr ein Teller fast entglitt und sie beinahe hätte fallen gelassen, ihn jedoch im letzten
Augenblick erfasst. Mit einem panischen „Entschuldigung“ und zu Boden gesenktem Blick
trippelte sie wieder davon.
Seymor: Wieder spürte er ihr Bein höher rutschen, es war ihm nicht im Geringsten
unangenehm, dass andere Leute hier im Raum waren, zumindest nicht was das anbelangte,
doch er wollte ihr nicht die Genugtuung so einfach geben, die sie erwartete. Sie wusste ja
ohnehin welchen Effekt diese Berührung auf ihn hatte, aber er musste ja nicht sofort offen
zeigen, was er wollte. Deshalb beließ er es auch weiterhin, so als ob sich unter dem Tisch
nichts tun würde und erwiderte einfach nur knapp auf die Frage nach der Bestellung:
„Für mich das Selbe.“ Bevor die Kellnerin wieder davonging und sah das Lächeln, das Alyssa
dem Mädchen geschenkt hatte. Es hatte wohl Ähnlichkeit mit dem seinen gehabt, und während
er von Alyssa zu dem Mädchen schaute, konnte er sich nur zu gut vorstellen, was sich seine
Partnerin gerade gedanklich ausmalte. Mittlerweile kannte er sie gut genug, um zu wissen,
wenn sie in Gedanken etwas abdriftete und wusste diese Momente dann zu nutzen um aus ihrer
Mimik zu lesen. Es war ganz klar, dass sie Mitleid mit dem Mädchen hatte und vermutlich
dachte sie auch wieder daran, dass er selbst in einer Bruchbude gewohnt hatte und zumindest
auf den ersten Blick vermutlich noch schlimmer als das Mädchen dran gewesen war.
Zum Teil bestätigte ihre weitere Aussage bereits, dass er richtig gelegen hatte, doch ihre Worte
waren auch anders gemeint. Sie war nicht nur froh ihn bei sich zu haben, damit er nicht wieder
Gefahr lief auf der Straße zu wohnen. Sie war froh darüber in seiner Nähe zu sein, so wie er es
ebenfalls war die ihre zu spüren und dieses Gefühl klang noch viel deutlicher in ihrer Stimme
mit als die Besorgnis, die die vorherigen Gedanken ausgelöst hatten, die immer mehr
abschwoll. Er folgte ihrem Blick erneut, konnte jedoch nicht erkennen wonach sie Ausschau
hielt. Ihm war schon mehrmals aufgefallen, dass sie den Parkplatz nach etwas abgesucht hatte,
doch wonach hatte sie bisher noch nicht gesagt. Nicht dass er ihr nicht vertrauen würde, aber
die Neugier, weshalb sie gerade dieses Lokal ausgewählt hatte, drängte sich immer mehr auf.
Sie waren an einigen „schöneren“ oder besser gesagt teureren Hotels vorbeigekommen und es
wäre für Alyssa nicht das geringste Problem gewesen dort ein Zimmer zu bekommen. Oder sie
hätten auch genauso gut wieder draußen Übernachten können kurz vor der Stadt, aber
irgendetwas sagte Seymor, dass sie das Lokal ganz bewusst angesteuert hatte. Als ihr Blick sich
wieder auf ihn richtete, lächelte er immer noch und wie zur Verstärkung, dass er es jetzt wissen
wollte und sie erst davonkäme, wenn sie ihm gesagt hätte, verstärkte er grinsend den Druck
seiner Beine und hielt sie damit fest.
„Wonach genau hältst du Ausschau? Du suchst den Parkplatz jetzt bereits das dritte mal ab.“
Doch noch bevor sie antworten konnte, kam bereits das Mädchen zurück und stellte die Teller
auf den Tisch, wobei sie einen beinahe fallen ließ und sich wie es Seymor vorkam eiligst daran
machte wieder weg zu kommen.
„Lässt der Wirt sie Tag und Nacht arbeiten? Die sieht aus als ob sie Tage nicht mehr geschlafen
hätte.“ Er hatte ihr kurz nachgeblickt, während sie eilig zurück verschwunden war und sah jetzt
fragend wieder zu Alyssa. „Sie sollte sich dringend frei nehmen, sonst kippt sie vermutlich von
allein um.“
Alyssa: Als ihr Blick sich wieder auf ihn richtete, bemerkte sie sein wissendes Lächeln. Er
hatte sie beobachtete, während sie so abwesend nach draußen geblickt hatte, wie hätte es denn
auch anders sein können. In dem Ausdruck auf seinem Gesicht stand etwas, nicht unbedingt
Wissendes, sondern viel mehr Vertrautes. Es war so, als würde sie in seiner Mimik sich selbst
wiedererkennen oder zumindest die Reflexion ihrer eigenen Gedanken, so als ob er wusste,
was sie gedacht hatte, weil er das selbe dachte. Sie konnte sich aber irren, doch im Augenblick
wollte sie es gar nicht wissen und war zufrieden damit, dass er zumindest diesen Teilaspekt
einfach hinnahm. Aber sie kannte Seymor zu gut, um zu wissen, dass seine Neugierde geweckt
war, es stand in seinen goldenen Augen und das wissende Lächeln verwandelte sich in ein
freches Grinsen, während sie zugleich spürte, wie seine Beine ihres festklammerten. Doch erst
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seine Frage ließ sie zusammen zucken. War sie wirklich so auffällig gewesen? Dreimal?
Ertappt schaute sie Seymor an. Sie wurde nachlässig, musste sie denn so offensichtlich sein!
Schnell wechselte ihr Blick von ertappt zu unschuldig, natürlich war es unglaubwürdig, das
wussten sie beide, dennoch konnte sie es nicht lassen und setzte ihre beste Unschuldsmiene
auf, die ja auch so gut funktionierte bei einer Frau, die schwarzes Leder trug, eine Kawasaki
fuhr und rote Haare hatte. Zu ihrer Erleichterung intervenierte die Kellnerin und lenkte
Seymors Aufmerksamkeit für kurze Zeit auf sich. Zustimmend nickte sie Seymor zu, er hatte
Recht, wie sah wirklich furchtbar aus, aber ob Schlaf so schnell was daran ändern konnte, das
wagte sie zu bezweifeln. Schlaf kurierte nicht alle Probleme. Sie folgte Seymors Blick, der
dem Mädchen nachging. Armes Ding, dachte sie sich erneut, ohne es laut auszusprechen. Wenn
sie so weiter machte, dann würde sie früher oder später umkippen und Schlaf bekomm. Aber
auch das behielt sie lieber für sich.
„Hartes Leben...“, murmelte Alyssa nur und stocherte mit der Gabel in dem Essen herum,
scheuchte die armen Pilze zwischen der Teigware hin und her. Die Pilze musste dafür leiden,
dass sie eine Ablenkung brauchte. Schließlich wurde jedoch auch die Jagt auf die Pilze völlig
unspektakulär und Alyssa begnügte sich damit sie einfach aufzuspießen. Hatte nicht mal
irgendwer mal zu ihr gesagt: Jeder ist eines Glückes Schmied.
„Vielleicht strengt sie sich einfach nur an um aus diesem Leben raus zu kommen...“,
spekulierte Alyssa, oder sie ist einfach nur eine perspektivlose, verzweifelte Junkienutte, die
keinen Ausweg mehr sah. Wer konnte das schon wissen. Manchmal, in Anflügen dieser
sonderbaren mitfühlenden Menschlichkeit, könnte sie sich für solche zynischen Bemerkungen
ihres schizophrenen Ichs ohrfeigen, doch dann fiel ihr ein, so war sie doch früher immer
gewesen und das das Leben vieler nicht anders verlaufen war. Auch wenn es egoistisch war, sie
war dankbar für das, was sie hatte und das war einiges. Im Grunde alles, was sie brauchte.
Oder zumindest fast alles... doch das, was dieses Fast-Alles zu einem Alles machen sollte,
rollte gerade auf dem Parkplatz ein. Sogleich hellte sich ihre Miene auf und sie grinste Seymor
an, der sie mit erwartendem Blick betrachtete. Dann grinste sie ihre Nudeln an und begann sie
auf die Gabel zu drehen und nahm endlich einen Bissen davon, aber eigentlich viel mehr um
Seymor auf die Folter zu spannen, als aus Hunger. Erstaunlicherweise schmeckte es wirklich
gut. Gemächlich nippte sie an dem Eistee.
„Ich warte auf jemanden!“, grinste sie ihn frech an und tippte mit dem Fingernagel
geräuschvoll gegen die Scheibe auf den schwarzen Chevrolet deutend, der so eben vorgefahren
war. „Ich brauch nicht lange! Also stell bloß keinen Ärger an, solange ich weg bin! Aber wenn
du willst, könntest du ein Zimmer bestellen!“, damit entwand sie sich ihm und streifte sich die
Lederjacke über. Sogleich entschwand sie eilig durch die Tür und überquerte den Parkplatz,
direkt auf den nachtschwarzen Wagen zu eilend, aus dem ein schlanker Mann, wahrscheinlich
Anfang 30, ausstieg.
Seymor: Er grinste nur noch breiter, als ihr Blick den ertappt Ausdruck annahm, den er nur zu
gern bei ihr sah und dann auf diesen unschuldigen Ausdruck wechselte, der in ihm den Drang
sie zu küssen auslöste. Doch wie so oft schaffte sie es auch diesmal das Thema gekonnt wieder
abzulenken. Sie ging freudig auf seine Andeutung über das Mädchen ein und beließ die zuvor
gestellte Frage einfach dabei, dass sie es ihm jetzt nicht sagen würde. Er beobachtete sie
weiterhin scharf, während sie in ihrem Essen herumstocherte. Gerade wollte er fragen woran
sie so abwesend dachte, als bereits die Antwort darauf folgte. Es erstaunte Seymor fast ein
wenig, dass Alyssa sich so für das Mädchen zu interessieren schien. Sie in gewisser Hinsicht
sogar verteidigte auch wenn Seymor nichts gegen sie gesagt hatte. Erneut sah er kurz zu der
Bedienung, die jetzt ein paar Tische weiter beinahe einen Krug Bier verschüttete, doch auch
diesmal schaffte sie es knapp diesen abzusetzen, bevor er ihr völlig entglitt. Geschickt war sie,
das musste man ihr lassen, zumindest darin ihre Müdigkeit wieder auszugleichen. Doch
plötzlich veränderte sich Alyssas düsterer Gesichtsausdruck und ihr Mund bildete ein breites
Grinsen. Während sie endlich damit aufhörte ihr Essen zu malträtieren und eine Gabel davon in
den Mund steckte, nur um dann gleich aufzuspringen, sich die Jacke überzuziehen und mit
absolut nichtssagenden Argumenten binnen weniger Augenblicke das Lokal verlassen hatte und
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einen verdutzt drein blickenden Seymor zurückließ, der durchs Fenster sah und zu erkennen
versuchte, was sich da draußen abspielte. Er solle einstweilen ein Zimmer bestellen und was
machte sie da draußen? Egal. Er aß jetzt selber vorerst mal weiter, immer wieder aus dem
Fenster schauend und sich über den Typen ärgernd, der von Alyssa soviel Aufmerksamkeit
erhielt und den sie vor ihm geheim gehalten hatte. Es war ja nicht, dass er ihr nicht vertrauen
würde, aber es behagte ihm nicht im Geringsten, dass sie so ein Geheimnis daraus machte wen
sie erwartet hatte und jetzt auch noch alleine nach draußen ging. Er schaufelte noch einmal
Nudeln auf und sah dann zur Theke und winkte den Wirt her.
Lilin: Sie spazierte in das „Dragonfly Inn“, vorbei an der Bar, vorbei an den raubeinigen
Bikern, die ihr sicherlich den ein oder anderen Blick zuwarfen, doch sie wahrscheinlich für zu
jung erachteten und sich nicht strafbar machen wollten. Still verkrümelte sie sich an den
hintersten Tisch und nahm dort unbemerkt Platz. Diese Tisch blieb meist unbelegt, denn wer
wollte schon in dem dämmrigen Licht sitzen und dem Geklapper des Geschirrs und dem
Gurgeln der Klospühlung lauschen. Niemand kam an ihren Tisch, niemand fragte, ob sie etwas
bestellen wollte, sie war nahezu unsichtbar. Und dennoch konnte sie von hier aus alles
überblicken. Eine Kellnerin in einer hellen Uniform warf ihr einen flüchtigen Blick zu und
winkte kaum merklich, bevor sie sich einem Tisch zu wandte, an dem ein junger Mann saß, der
wahrscheinlich kaum älter sein konnte als sie selbst. Er saß da mit einer Rothaarigen. Sie war
hübsch, stellte das Mädchen fest, sogar sehr hübsch, hübscher als die meisten Mädchen auf der
Straße und dennoch hatte sie etwas an sich, dass ihr nicht gefiel. Die Rothaarige stank förmlich
nach Ärger, das hatte auch der eine aufdringliche Kerl gemerkt und sie wohl für leichte Beute
gehalten. Doch der Junge hatte sie verteidigt, hatte den Kerl, dem er eigentlich hätte unterlegen
sein müssen, vertrieben. Wieso machte das eigentlich niemand für sie! Wieso war sie selbst so
allein!? Das war doch einfach unfair! Und Anja hatte schon vor einer Viertelstunde fertig sein
sollen, aber nein, sie musste natürlich Überstunden schieben und das Pärchen bedienen, dabei
konnte sie doch kaum geradeaus laufen, so high war sie bereits jetzt. Und was war mit ihr
bitte!? Sie beobachtete Anja die Bestellung aufnehmen, Essen bringen und weiter arbeiten. Das
Mädchen zischte die Bedienung an, die ihr nur einen total gescheuchten Blick zu warf. Aber sie
hatte ihr doch versprochen, dass sie mit ihr die Straße unsicher machen, dass sie ein paar Typen
aufreißen und etwas Geld verdienen würden und jetzt saß sie hier und langweilte sich...
Mann, war das vielleicht öde hier. Noch nicht mal eine Schlägerei, oder irgendeiner mit dem
sie Spaß haben könnte. Obwohl, der Junge mit der Rothaarigen - das war genau ihr Kaliber aber wer so eine Begleitung hatte, der würde sicherlich keinen Wert auf die Gesellschaft einer
anderen legen. Doch wie auf ihren Wunsch hin erhob sich die Rote und spazierte aus dem
Raum, während das Mädchen alles mit einem Lächeln betrachtete. Der junge Mann winkte
dem Wirt zu... Einen Versuch war es wert. Wäre doch gelacht, wenn sie scheitern würde - mit
ihrer Begabung. Sie vertraute, dass er nicht anders als die meisten in seinem Alter waren und
dass sie so die Rothaarige ausstechen könnte. Kaum war die Frau zur Tür raus und auf den
Parkplatz spaziert, als sie sich von ihrem Platz in der Dunkelheit erhob und zielstrebig auf
ihren langen,schlanken Beinen in Richtung des Jungen stöckelte. das Geräusch, das ihre
schwarzen High Heels verursachten ging vollends in dem Betrieb unter, ihre halb durchsichtige
ebenfalls schwarze Strumpfhose ließ ihre Beine nur noch länger wirken und der Jeans-Rock
entblößte mehr als er verdeckte, allein ihr helles Shirt verdeckte wohl etwas von ihrem Körper.
Bei jedem ihrer Schritte wippten ihre langen blonden Engelslocken und ihre lange Kette aus
schwarzen Plastikperlen schaukelte verdächtig zwischen ihren Brüsten. Sie blieb bei dem Tisch
stehen, direkt vor dem jungen Mann.
„Hey Fremder!“, grüßte sie ihn freundlich mit einem süßen Lächeln auf ihrem Gesicht und
setzte sich ohne auch nur um Erlaubnis zu fragen nahm sie den Platz der Rothaarigen ein. Sie
stützte ihre Arme legere auf die Tischplatte und übernahm so teilweise das Verhalten der
anderen mit voller Absicht. Das Mädchen schmunzelte, während sie den Jungen mit einem
offenen Blick betrachtete. Ihre Hände griffen gleich nach der Perlenkette die bis zu ihrem
Bauch reichte und sei begann die Perlen zwischen ihren Fingern zu drehen, dabei jedoch
weiterhin den jungen Mann anschauend.
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