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Hausmitteilung
8. Juli 2013

Betr.: Titel, Aufstände

U

S-Präsident Barack Obama war in Tansania unterwegs, als er sich genötigt
sah, den SPIEGEL-Titel der vergangenen Woche zu kommentieren: „Die Vereinigten Staaten werden sich diesen Artikel anschauen und beschließen, wozu sie
sich äußern werden.“ Dieser Artikel – das war der Bericht darüber, wie umfassend
die USA in Deutschland und Europa Politik, Wirtschaft und Privatpersonen aushorchen und überwachen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bat die
Amerikaner „dringend um Aufklärung“. Die russische Zeitung „Kommersant“
schrieb: „Amerika muss sich für die Enthüllungen Edward
Snowdens verantworten. Der SPIEGEL-Artikel hat einen
riesigen Skandal entfacht.“ „Diese Vorgänge sind – sofern
sie sich als zutreffend erweisen – keineswegs hinnehmbar“,
monierte der französische Außenminister Laurent Fabius,
eine Empörung, die allerdings an Kraft verlor, als durch
„Le Monde“ bekanntwurde, dass der französische Geheimdienst ähnliche Programme betreibt wie der amerikanische.
Die Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmannes
Edward Snowden, die der SPIEGEL publizierte, haben Entsetzen bei den Abgehörten, eine verschärfte Jagd der USA
SPIEGEL-Titel 27/2013
auf den Enthüller und weltweite diplomatische Verwicklungen ausgelöst. In dieser SPIEGEL-Ausgabe kommt nun
Snowden selbst zu Wort. Es handelt sich dabei um Auszüge aus seinen Antworten
auf einen ausführlichen Katalog von Fragen, die dem SPIEGEL vorliegen – Fragen,
die Snowden beantwortet hatte, bevor er sich zu den Veröffentlichungen bekannte.
Mittlerweile sind die Gesprächsprotokolle des Mannes, der die Weltpolitik zwischen
China, Russland, den USA und Südamerika bewegt, nach SPIEGEL-Einschätzung
ein Dokument der Zeitgeschichte (Seite 22).

K

SCOTT NELSON FOR DER SPIEGEL

airo schien kurz vor einem Bürgerkrieg zu stehen, als das Ultimatum gegen
Mohammed Mursi auslief. Doch plötzlich schlug die Stimmung um in Hysterie
und Euphorie: Das Militär erklärte den Sturz des Präsidenten. Die SPIEGEL-Redakteure Ralf Hoppe und Daniel Steinvorth sprachen mit Islamisten, die zornig demonstrierten; sie trafen unter konspirativen Umständen Tamarud-Aktivisten, Mitglieder
jener Gruppe, die den Volksaufstand in Gang gesetzt
hatten. Und sie interviewten Ägypter wie den ITExperten Mohammed Scharaf, der sich als Mitglied
der „Hisb al-Kanaba“, der „Couch-Partei“, bezeichnet – bisher unpolitische Bürger, ohne deren Hinwendung zur Politik der Aufstand nicht möglich gewesen
wäre (Seite 74). Erstaunlich viele Frauen haben von
Anfang an mitdemonstriert. Eine von ihnen ist die
junge Ägypterin Nahla Enany, die Belästigungen
und Übergriffen trotzte und nun hofft, dass ihr Volk
„eine wirklich demokratische Regierung wählt“. Schröter, Enany in Kairo
Sie ist eine von fünf jungen, kämpferischen Frauen,
die ein sechsköpfiges SPIEGEL-Team begleitet hat. In Ägypten, Brasilien, Indien,
Kambodscha und Südafrika beobachteten Jens Glüsing, Bartholomäus Grill, Guido
Mingels, Friederike Schröter, Sandra Schulz und Barbara Supp eine neue Mädchengeneration, die sich in politische Kämpfe einmischt oder selbst welche entfacht.
Mädchen wie die 14-jährige Bloggerin Isadora, die mit einem Aufschrei über die Bildungsmisere in ihrem Land für Aufsehen sorgte – eine Rebellion, die bei den ganz
Jungen beginnt und schon das Leben der ganz Jungen verändern will (Seite 48).
Im Internet: www.spiegel.de

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