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Ascan & Jeromy Band III The Guardian .pdf



Original filename: Ascan & Jeromy - Band III - The Guardian.pdf

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Ascan & Jeromy
Band III

- The Guardian Bei diesem Text handelt es sich nicht um einen Roman. Die Textfragmente sind nicht zur
Veröffentlichung gedacht. Es Handelt sich um einen parallelen Nebenplot zu der Geschichte
von Alyssa und Seymor. Die Geschichte setzt ein zeitgleich zu „The Time Hereafter“ ein.
Alle Rechte an den Texten und Textinhalten liegen allein bei den jeweiligen Autoren, ebenso
bleiben die Rechte an den Nebencharakteren den Autoren vorbehalten. Die vorliegenden
Textfragmente sind nicht zur kommerziellen Veröffentlichung gedacht. Das Ideengut darf nicht
für anderweitige Zwecke als dieses Manuskript verwendet werden. Es darf nicht gestohlen,
nicht kopiert, verbreitet oder verändert werden.

© Kevin & Palina
Fassung erster Hand 2011/2013

Prolog
Das Sanctuary Netz.........................................................................................................Seite.....3
Präludium: Der Magier....................................................................................................Seite.....5
Präludium: Die Mondwandlerin......................................................................................Seite.....7

TEIL I – THE GUARDIAN
Eine neue Welt...............................................................................................................Seite.....19
Lebenselexier.................................................................................................................Seite.....39
Eismond.........................................................................................................................Seite.....65
Wahre Gesichter.............................................................................................................Seite.....93
Eismondmorgen.............................................................................................................Seite...117
Vom Narrenmond beschienen........................................................................................Seite...153

TEIL II – THE DOZOR
Es war einmal im Dezember.........................................................................................Seite....179
March of the proud black Templar................................................................................Seite....200
Der Klang der Stille......................................................................................................Seite....248
Aggressive Verhandlungen...........................................................................................Seite....266
Julfest............................................................................................................................Seite....286
Julmond.........................................................................................................................Seite....318
Eichenmond..................................................................................................................Seite....344
Bämonenblut und Phönixfeuer......................................................................................Seite....349
Drag me to Hell.............................................................................................................Seite....354
Hell breaks loose............................................................................................................Seite...367
Dancing with the Devil..................................................................................................Seite...380

Epilog
Alyssa.............................................................................................................................Seite...399

Anhang
Baron..............................................................................................................................Seite...400
Das Rudel.......................................................................................................................Seite...401
Die Erzengel...................................................................................................................Seite...403
Die Erzfürsten................................................................................................................Seite...404
Belial..............................................................................................................................Seite...404

2

Prolog
PRÄLUDIUM – DAS SANCTUARY-NETZ
Das Guardian ist nur eine Zweigstelle eines interkontinentalen Vernetzungssystems, das sich
Sanctuary nennt. Dabei ist Guardian nur der Name der Niederlassung in Kanada. Die Tradition
dieser Sanctuary-Organisation reicht 1500 Jahre in die Vergangenheit zurück, mit dem Zerfall
des römischen Reiches und der Dominanz der Kirche bildete sich dieser Zusammenschluss aus
und gewann mit zunehmender Radikalisierung der Weltreligionen in der Geschichte an
Zuwachs. Dies reichte sogar so weit, dass sich ein System ausbildetet und sogar mehrere der
Zweigstellen pro Kontinent erlaubte.
Zu Beginn finanzierte sich die Organisation durch das Vermögen der Leiter und Errichter des
jeweiligen Hauses. Schließlich, je weiter das Netz ausgebaut wurde und je weiter die
Modernisierung voranschritt, desto mehr Kapital war erforderlich, sodass sich das SanctuaryNetz bald auf Gönner und deren Spenden verlassen musste. Mittlerweile beziehen die
Organisationen weltweit ihre Gelder auch aus den Zuschüssen der Regierung, denen es ganz
recht ist, dass sich das Sanctuary der Verwahrung und Geheimhaltung übernatürliches Wesen
steht. Zudem finanziert es sich auch durch Informationstransfer und private Dienstleistungen,
vor allem im Bereich des Schutzes und besonderer Außeneinsatzkommandos. Im Gegensatz zu
anderen Organisationen ist das Sanctuary weltweit gern gesehen, da es eine der wenigen
friedlichen und kooperativen Gemeinschaften ist.
Der Vorstand des Sanctuary besteht aus einem Senat, der sich aus den Leitern aller SanctuaryOrganisationen zusammen setzt. Ein Leiter wird man durch Wahl und Akklamation. So verläuft
die Übergabe der Leitung wie folgt: ein Leiter schlägt vor seinem Rücktritt eine Person als
Nachfolger vor. Diese Nachfolger nimmt ein einer Vorstellungskonferenz Teil und muss von
neun der neunzehn Senatsmitgliedern Stimmen erhalten. Besitzt er nach Mehrheitsabstimmung
nun insgesamt zehn Stimmen, wird er bevollmächtigt. Die Leitung hat keine Frist, der Leiter
kann nach eigenem Ermessen zurücktreten, sobald für seine Nachfolge gesorgt ist. Bei
Treuebruch, falschem unmoralischen oder gefährlichem Handeln, Machtmissbrauch,
Korruption kann jedes Mitglied des Senates einen Misstrauensantrag stellen, der zuerst von
einer Kommission geprüft wird und der Leiter seines Amtes enthoben werden kann, wenn sich
die Anklage bewahrheitet.
Das Arbeitsvorgehen der Sanctuarys besteht darin, gefährliche Wesen aller Arten, auch
Dämonen fest zu setzen und in Zellen zu verwahren bzw. zu rehabilitieren, wenn möglich.
Hilflose und Verzweifelte können zugleich eine Unterkunft und einen Job finden und sich und
ihre Fähigkeiten besser verstehen lernen. Einige Mitglieder arbeiten in der
Forschungsabteilung, Medizin und Psychologie und Hausinternen Technik, andere arbeiten
extern auf eigener Basis und versorgen die Organisation mit Hinweisen, Informationen,
Warnungen, Lebensmitteln, Waffen, Technik etc. Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig
und mobil, somit können sie in jedem Bereich eingesetzt werden, wo Bedarf besteht.
Eine der größeren Organisationen ist das Dozor in Moskau. Was es über das Dozor zu wissen
gab. Vor ein Paar Tagen wurde ein Dokument veröffentlicht, das von dem Ausschreiben
handelte, welches von der Moskauer Regierung organisiert worden war am 30. Juli 2012 für
den Verkauf des historischen Hotels „Metropol“. Eingeladen waren alle weltweit führenden
Hotelnetze und Domizil-Unternehmen, darunter das Netz des Sanctuary, das global über 19
intern selbstständige Einrichtungen verfügte.
Der Startpreis für das im Stadtkern liegenden Gebäude mit einer Gesamtfläche von 39 400
3

Quadratmetern auf dem 1,1 Hektar großen Grundstück betrug 8,7 Milliarden Rubel. Allerdings
fand sich ebenso eine Urkunde der Gebäudeübernahme durch das Dozor für einen Endpreis
von 10 Milliarden Rubel. Nach der schriftlichen Zusicherung die historische
Zweckbestimmung des „Metropol“ zu bewahren, zog das Dozor bereits am 15. August von
einer baufälligen Fabrikhalle am Rande des Stadtbezirks Domodedovo in das „Metropol“.
Weiter hatte sie nicht gelesen, weil sie die Instandhaltungskosten und die Umzugskosten nicht
interessiert hatten. Die Führung durch den historistischen Palast, ja anders konnte man es nicht
nennen, hatte ihr bereits gereicht. Sie wusste wo welcher Vorgesetzte zu finden war und das
genügte bereits.

Eine Zusammenstellung der Organisationen, sieht folgenderweise aus:
Australien: Darwin – Wakes
Kanada: Vancouver – Guardian
Mexiko: Tampico – Rondin
Argentinien: Rosario – Vigia
Grönland: Thule - Vaknar
Island: Akureyri – Vörour
Norwegen: Oslo – Vakt
England: Inverness – Sentry
Deutschland: Rostock – Wacht
Frankreich: Nante – Garde
Spanien: Sevilla - Cuarto
Italien: Gela – Occhio
Russland: St. Petersburg – Straja
Moskau – Dozor
China: Hanoi – Yan
Japan: Akita – Paddo
Arabien: Riad - Delharas
Indien: Madras - Ankha
Afrika: Durban – Wag

4

PRÄLUDIUM – DER MAGIER
Ascan von Falkenstern
Aussehen:
Obwohl das Aussehen des Mannes sich seit über 500 Jahren nicht mehr verändert hat, so hatte
das bei Weitem keine Nachteile für ihn. Sein Gesicht ist noch immer faltenfrei, glatt und
charmant, auch wenn die Augen einem genauen Beobachter verraten, dass sie schon viel mehr
gesehen haben, als das scheinbare Alter des Mannes vermuten lässt. Braun mit einem leicht
rötlichen Stich, wirken seine Augen charmant und abenteuerlich zu gleich. Doch nicht nur
seine Augen haben diese besondere Angewohnheit. Eine Aura, die eben diese besondere
Mischung aus Gefahr, Charme, Abenteuer und Geheimnis vereint, scheint ihn immer zu
umgeben. Etwas Ungreifbares, Altes, Unverständliches für Leute, die nicht die selben Wege
beschritten haben, umgibt ihn.
Da sich das Aussehen nicht geändert hätte, entspricht jedoch nicht ganz der Wahrheit. Denn es
gibt sehr wohl Dinge, die er fast schon regelmäßig verändert. So betrifft dies zum Beispiel
seine Haartracht. Eben jene trug er in den vergangenen Jahrhunderten stets gepflegt und der
Zeit entsprechend. Trug er sie zu seiner wahren Jugend lang, bis weit über die Schultern hinab,
als wahre schwarze Pracht, so hatte er im zweiten Weltkrieg der Einfachheit halber sogar
komplett darauf verzichtet. In den 80gern zierte wieder eine ansehnliche Haarpracht seinen
Kopf und in den letzten Jahren hatte er sich schließlich dazu entschieden sie wieder etwas
kürzer zu tragen. Nicht bis ganz an die Schultern reichen sie ihm, schmiegen sich an seine
schmalen Gesichtszüge und verstärken nur die edle Blässe seiner Haut. Und dann wäre da noch
sein Kleidungsstil, der sich auch wie sein Haar mit den Jahren verändert hat. Stets modern,
wenn auch eher in schicken Schwarz gehalten beweist er einen sehr guten Kleidungsstil. Privat
trägt zumeist reines Schwarz. Ein schwarzes, eng anliegendes Shirt, durch das die leichten
Ansätze eines nicht aufgepumpten, aber doch trainierten Körpers zu erahnen sind. Eine etwas
weitere ebenso schwarze Hose und ein schwarzer Ledermantel, den er im Winter wie Sommer
trägt. Seine Füße schmücken glänzende Lederstiefel, ebenfalls in Schwarz gehalten mit - für
Unkundige - eingravierten Mustern, die keinen wirklichen Zusammenhang zu haben scheinen
und mit bloßem Auge nur aus der Nähe erkennbar sind. Nicht zu sehen, denn er trägt es stets
unter der Kleidung, ist eine in Silber gefasstes Amulett, das sich ein Stück weit seine Brust
hinabzieht und durch die Kleidung kaum zu erkennen ist. Nur wenn er zärtlich darüber streicht,
zeichnen sich die Konturen auf dem Stoff ab und man erkennt, wenn man genauestens darauf
achtet, die ungefähre Form eines kleine Pentagramms. Von Gestalt ist er recht ansehnlich, groß
gewachsen und gut trainiert, auch wenn er trotz der erfühlbaren Muskeln schlank und nicht
muskulös wirkt.
Größe: 1,87 m
Gewicht: 81 kg
Haarfarbe: rabenschwarz
Augenfarbe: braun mit einem rötlichen Stich
Charakterbeschreibung:
Ascan ist von Natur aus ruhig und hat ein sehr gutes Gefühl für Menschen. Die meisten Leute
sind für ihn ein offenes Buch und schon in seiner Kindheit hatte er es nie schwer
Bekanntschaften zu schließen. Er war auch in jungen Jahren nicht von der schüchternen Sorte
und hatte mit seinem Charme und seiner anfangs nur unbeabsichtigt angewandten Rhetorik
schnell und einfach Leute und den Finger gewickelt, ohne sich wirklich anstrengen zu müssen.
Wie so oft bei jungen aufstrebenden Adelssöhnen trat jedoch auch in seinem Leben mit beginn
des Erwachsenwerdens der Drang nach Rebellion und Abenteuer an den Tag, was aus der Sicht
seiner Eltern der Anfang vom Ende war. Ascan selbst bereut es bis heute nicht und mit seinen
580 Jahren sind ihm die meisten Menschen von damals auch in Vergessen geraten. Zumindest
5

fast alle, der Einzige, an den er sich nur zu gut erinnern kann ist sein Lehrmeister. Mit 16 war
er auf ihn gestoßen geführt von Freunden, die sich dadurch einen Vorteil beim Meister
erhofften, wenn sie ihm einen ahnungslosen Adeligen brachten. Wie das Sprichwort so schön
zu sagen pflegt mit solchen Freunden benötigt man keine Feinde. Dieses Motto hat sich Ascan
zu Herzen genommen und bevorzugt die Gesellschaft von Leuten, die nicht versuchen seine
Freunde zu sein. Er ist schon alleine durch sein Alter zum Einzelgänger geworden. Selbst die
wenigen Freunde, die er in seinem Leben hatte, sind alle längst verstorben und neue
interessieren ihn nicht im Geringsten und doch ist er niemand, der die Gesellschaft scheut. Er
liebt es seine gewandte Zunge und seine Überlegenheit ausspielen zu können oder den Frauen
mit seinen Worten den Kopf zu verdrehen nur um sie am nächsten Morgen ohne ein weiteres
Wort noch in den frühen Morgenstunden zu verlassen, ohne eine Spur oder einen Beweis seiner
Existenz zu hinterlassen.Kurz gesagt, blockt Ascan Annäherungsversuche, die über
Körperliches hinausgehen, ab, auch wenn er es sich oftmals nicht nehmen lässt seinem
Gegenüber Geheimnisse zu entlocken, die es vielleicht nicht einmal dem besten Freund
erzählen würde. Jemand, der ihn kennt, wird beschwören, dass es unmöglich ist ihn aus der
Ruhe zu bringen und jene, die unter ihm arbeiten, würden ihn als unnahbar, distanziert und
kühl beschreiben. Doch mag dies ganz anders wirken, wenn man gerade erst dabei ist ihn
kennen zu lernen oder wenn ihm danach ist ein anderes Bild zu erwecken.
besondere Fähigkeiten:
Versiert in Nekromantie sowie in Schwarzer- und Chaosmagie, als auch in Dämonologie und
Ritualkunde, Alchemie und Elementarmagie und einigen weiteren magischen Künsten.
Außerdem besitzt er die passive Fähigkeit des dämonischen Fleisches, das ihn nur schwer
verwundbar macht gegen jegliche Waffen.
Schwächen | Anfälligkeiten:
Wenn man ihn nach seinen Schwächen fragen würde, käme vermutlich zur Antwort, dass er ein
Mensch ist und als solcher wohl schon als Ganzes eine Schwäche wäre. Würde man nach
seinen Anfälligkeiten fragen, käme vermutlich als Antwort, dass er eine Schwäche für schöne
Frauen, teure Autos, schöne Kunst oder allerlei Kostspieliges hat und würde man versuchen
seine Schwächen heraus zu finden, so hätte man eine lange Suche vor sich, die vermutlich mit
dem Tod endet. Es ist nicht so, dass er keine Schwächen hätte. Er ist durchaus verletzbar und
man kann ihn auch töten und doch sind dies kaum durchführbare Aktionen. Allerdings ist dem
nicht so, weil er irgendwie unverletzlich wäre, sondern weil er ist schlicht und ergreifend
misstrauisch und vorsichtig ist. Gut, man kann es natürlich als Bonus ansehen, dass normale
Waffen aus Eisen ihn nicht töten können, zwar durchaus verletzen aber nicht töten. Auch kann
man es für ihn natürlich als Erleichterung sehen, dass die meisten natürlichen oder der Natur
nachgeahmten Gifte für ihn ungefährlich sind, doch wenn man es tatsächlich darauf anlegen
würde und ihn wirklich zum Feind haben will, so wäre es durchaus schwer ihn zu verletzen
und sogar zu töten. So ist Gold für ihn bereits bei Berührung schmerzhaft und nur schwer
auszuhalten und mit einer aus Gold gefertigten Waffe ist er ebenso zu töten wie jeder andere
Mensch es mit Waffen wäre.

Familiensache:
Vater: Aslan von Falkenstern
Mutter: Sylvana von Falkenstern/Wardmure
Geschwister: Ayunara von Falkenstern
Sonstige: Enkelin 4. Generation seiner Schwester: Sylvia Rosbacher

6

PRÄLUDIUM – DIE MONDWANDLERIN
Jeromy Nelson - Werwölfin
Eine junge Frau saß da und kaute unschlüssig und sichtlich entnervt auf ihrem Dauerschreiber
herum. Es war doch wirklich ein Wunder, dass sie nicht auch noch die Farbe ihrer Unterwäsche
und ihre Körbchengröße wissen wollten, die zugegebenermaßen kleiner ausfiel als ihr lieb war.
Sie überlegte ernsthaft zu lügen, so wie sie es eben auch bei ihrer Körbchengröße tun würde.
Aber die waren hier alle so auf Draht, die würden jede Lüge sicherlich nach 5 Minuten
auffliegen, also besser nicht. Wer wusste schon, wie viele FBI-Agenten oder womögliche
eigene Sicherheitsbeauftragte ihre persönlichen Daten checkten und ihr Leben so weit zurück
verfolgten, als sie noch ein Embryo war. Oder noch schlimmer bist zum Zeugungsakt, was sie
lieber gar nicht wissen wollte! Sie schüttelte den Kopf – eklige Gedanken. Nein nein nein!
In Ordnung, sie war hier um sich für die Stelle der Mitarbeiterin der Forschungsabteilung
dieser hoch geheimen Organisation, die sich „The Guardian“ nannte, zu bewerben. Also
Konzentration! Sie war wirklich auf diesen Job angewiesen!
Aussehen:
Ein Mann ging an ihr vorbei und grinste sie an, während er eine schwere Kiste schleppte. Sie
lächelte nicht. Wieso auch? Sie kannte ihn nicht, sie verstand nicht, wieso er das tat. Rechnete
er sich ein Paar Chancen bei ihr aus oder wollte er freundlich sein? Es war egal. Aber sie
verstand auch nicht wirklich, was er in ihr sehen konnte. Sie war eine mittelgroße Frau von
durchschnittlicher Statur. Ihre Kleidung war meist dunkle und sportliche, bequem, aber nichts
Besonderes. Nichts Auffälliges, im Gegenteil so gar recht unauffällig. Ihr Äußeres war
gepflegt, zugegeben, sie achtete auch sehr darauf, dass alles glatt und ordentlich war,
manchmal sogar fast streng. Ihr Haar war fest in einen Knoten gebunden und festgesteckt, es
stand kaum eine Strähne ab. Ihre Pullover war schwarz und faltenfrei, die Jeans enganliegend,
leicht verwaschen, in einem herkömmlichen Blau. Ihre Schuhe hatten kleine Absätze, die beim
Gehen keinerlei Geräusche machten. Das einzige auffällige war ihr geschmeidigen leichten
Gang. Sie bewegte sich sehr bewusst und kontrolliert. Ihre Statur hatte sich seit kurzem
verändert. Ihr Körper war flacher geworden, sehniger, wendiger. Sie hatte lernen müssen alle
Anzeichen ihres Körpers zu verstehen, alle Veränderungen anzunehmen, denn sie musste oft
darauf acht geben, wann ihr Körper auf den Mond reagierte. Alles an ihr war durchschnittlich
und menschlich, sie wollte gar nicht auffallen. Wozu?
Dass sie an der linken Schulter eine Narbe hatte von einem Biss hatte erwähnte sie nicht.
Ebenso wenig, dass sie einmal am Rücken genäht werden musste, als sie im Teenager Alter in
eine Messerstecherei verwickelt worden war. Es spielte auch keine Rolle, dass sie die
Weichheit ihres Körpers vermisste, die üppigen weiblichen Rundungen. Aber auch das war
besser so. Sie hatte einiges an Gewicht und Fett während ihrer Transformationen verloren und
dafür einiges an Muskeln gewonnen, was die schmerzhafte Transformation in ihrem Fall
einfacher zu ertragen machte.
Das alles verschwieg sie aber. Stattdessen klebte sie ein kleines Passbild auf den Bogen. Ein
strenges Gesicht schaute ihr entgegen. Die Wangenknochen zeichneten sich leicht gegen die
Haut ab und ihre Augenbrauen waren leicht skeptisch nach oben gezogen. Das schwarze,
schulterlange Haar trug sie glatt und offen auf dem Bild. Ihr Blick war kalt und leer auf dem
Bild. Sie füllte lediglich den Fragenkatalog aus. War ja schlimmer als im Krankenhaus...

7

Name: Jeromée-Katherina Nelson
Geschlecht: weiblich
Geburtsdatum: 31.10. 1989
Geburtsort: Seattle, Washington
Größe: 1,70
Gewicht: 60kg
Augenfarbe: blau
Haarfarbe: schwarz
Wohnort: 57 Parker Street
Vancouver, BC V6Z 2R5, British Columbia,Canada
ID-Code: 6046887678
Charakterbeschreibung:
Als nächstes folgte erneut eine Eingabe, wie sie dämlicher nicht hätte sein können. Wieso
verlangte man bitte eine persönliche Psychoanalyse? Es war doch klar, dass Menschen sich
selbst nicht einschätzen konnten – jedenfalls nicht in völligem Maße. Oder aber, sie logen.
Wieder einmal kam ihr in den Sinn einfach eine Falschangabe zu machen und zu schreiben,
wie freundlich, nett, zuvorkommend und kooperativ sie war. Sie hätte schreiben sollen, dass sie
Tiere wie Menschen mochte und mit jedem zurecht kam. Ein Sonnenschein eben. Klar und der
Typ von eben, der sie angegrinst hatte, hätte es gut und gern bestätigt!
Sie war das Gegenteil. Kompliziert und sehr launisch. Oft war sie kurz angebungen und sogar
aggressiv, das war sie immer gewesen, aber seit dem Mondwandlerbiss war sie es noch weitaus
mehr geworden. Ihre Neigung zu Wutausbrüchen und Gewalteskapaden wurde immer
schlimmer. Aber das schob sie gut und gern auf ihre neue tierische Seite. Evy hatte sie immer
als „impulsiv“ bezeichnet und genau das, schrieb sie auch hin.
Etwas wusste Jeromy aber über sich, sie war äußerst „“ willensstark, um nicht zu sagen stur.
Sie war unbeugsam und hatte meist auch so ihre Probleme mit Autorität gehabt bisher, das
etwas, das sie wohl oder übel lernen musste in kommender Zeit. Aber sie war lernwillig. Ihr
unnatürlichen Drang sich profilieren zu müssen machten sie regelrecht leistungsfixiert.
„Workaholic“ war das dritte Wort, das sie schrieb.
Früher war sie eine Idealistin gewesen, aber mittlerweile war auch das vergangen. Es gab das
Märchen, das sie leben wollte nicht. Früh genug hatte sie das erkennen müssen und ihr bunter
Traum vom schönen Leben war wie eine Seifenblase zerplatzt. Damals war sie abgerutscht und
hatte ständig Scheiße gebaut,sich geprügelt, geraucht, gekifft, gesoffen und sie war kaum ein
Teenager gewesen. Fast wäre sie wegen ihrer vorlauten Klappe von der Schule geflogen. Doch
das war einmal.Sie versuchte diesen Drang schnippisch zu sein zu unterdrücken, manchmal
gelang es ihr auch. Eben diese Seite von sich versuchte sie zu unterdrücken mit ihrem
Kontrollzwang. „Kontrolliert“ schrieb Jeromy und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Kontrolliert soweit es ihr möglich war und dieses Monster in ihr nicht die Oberhand gewann,
wie konnte sie anders als es unter Riegel zu halten.
Da war es ein Wunder, dass sie ihren Sinn für Humor nicht vollständig verloren hatte und noch
wusste, wie man lachte. Evy hatte sie immer zum Lachen gebracht, bis heute. Gut, ihr eigener
Sinn für Humor war etwas „zynisch“ und manchmal böswillig, aber damit musste man lernen
umzugehen. Verbittert... nein, verbittert war das falsche Wort, sie war nicht verbittert, sondern
enttäuscht. Aber noch hatte sie Hoffnung... Sie ließ die restlichen Zeilen unausgefüllt und
schrieb: „Ich weiß es noch nicht, findet es selbst heraus!“
besondere Fähigkeiten:
Endlich mal einer Frage zu der sie mehr schreiben konnte und das ohne zu lügen oder sich
selbst zu loben. Ich bin ein Mondwandler, reicht das?, fragte sie sich in Gedanken. Also schrieb
sie drauf los:

8

„Ich wurde durch einen Angriff zur Mondwandlerin, daher die tierische Gestalt bei Vollmond.
Außerdem heilen Verletzungen eine Nacht vor dem Vollmond, während und danach unfassbar
schnell.“ Wurde der Mondwandler verwundet in der Nacht, so verwandelte er sich am Tag
wieder in einen Menschen und alle Verletzungen waren verheilt. Aber manche Mondwandler
konnten sich nicht in Menschen zurück verwandeln, andere hatten einen längeren Zyklus von
insgesamt 5 Tagen. Es war je nach Wirt des Virus unterschiedlich, aber das wussten die Leute
hier sicherlich bereits.So fuhr sie fort:
„Studierte 3 Jahre lang Papyrologie, antike Sprachen: Griechisch, Latein, Sumerisch, Sanskrit,
in Ansätzen Gälisch und Arabisch. Daher kenne ich einige der alten Überlieferungen und
Rituale. Erfahrung in Ritualmagie und Kräuterkunde, sowie ausführliches Wissen in
Dämonologie. Einige Nahkampferfahrungen.“ Nun,das sollte doch wohl genügen, damit
konnte sie mehr als so mancher anderer Mensch auf der Straße.
Schwächen | Anfälligkeiten:
Hmm...war ja auch nicht gerade schwer zu beantworten. Ich mutiere einmal im Monat zum
Wolf und zerfleische alles war sich mir in den Weg stellt. Ich bin die perfekte
Tötungsmaschine, noch Fragen?! Aber auch das schrieb sie nicht auf den Bogen. Ebenso
wenig, wie sie ihr Dasein als Fluch empfand und nichts sehnlicher als wieder ein Mensch wäre.
Diese Dunkelheit, Jeromy konnte sie die ganze Zeit in sich spüren, böse und lauernd. Es war
schlecht und sie hatte keine Kontrolle darüber.
„Unkontrollierbar“ stand schwarz auf weiß da. Es gab bisher keine Kontrolle für das was sie
war: ein Monster, das direkt aus einem Horrorfilm entsprungen war.Außerdem hatte das
Monster eine ganz große Schwäche: es war „anfällig und verletzbar mit Silber, jedoch nur in
der Wolfsgestalt“
Ansonsten war sie ein „sterblicher Mensch, anfällig für Verletzungen und Krankheiten“. Es gab
da etwas, das sie einmal gelesen hatte, es hieß. Dass Mondwandler ebenso langsam alterten wie
Werwölfe und somit eine Lebensspanne von bis zu 150 Jahren erreichen konnten, aber dafür
hatte sie noch keinen Beweis. Das musste er erwiesen werden. Jeromy wusste nicht, ob das
Fluch oder Segen war, damit zu leben. Aber die schob die Gedanken bei Seite und schreib brav
weiter.
Familiensache :
Vater: Alexander Nelson, Versicherungsvertreter
Mutter : Laura Nelson (Bennett), freie Sängerin
Geschwister: Evelynne Marie Nelson
Partner : nicht vorhanden
Kinder: nicht vorhanden
Ungeduldig hatte sie das Formular ausgefüllt,unterschrieben und das Datum drauf gesetzt (26.
Juni 2006), es in eine Mappe mit ihren Anderen Bewerbungsdokumenten gelegt und es bei
einer blonden Sekretärin abgegeben. Abwarten und Tee trinken...Wenn sie sie nicht nahmen,
würde sie sich eben was anderes suchen. Die junge Frau trat hinaus in die heiße
Nachmittagssonne. Sie fühlte, bald war wieder Vollmond...

9

Vergangenheit :
Ihre Mutter war eine erfolgreiche Sängerin gewesen und bei einem ihrer schillernden Auftritte
verliebte sie sich in den Mann, der in der ersten Reihe saß. Wahrscheinlich tat sie es aus einer
Laune heraus. Sie heirateten. Zunächst lief die Ehe glücklich, das Paar bekam zuerst ein
Mädchen - Evy, dann das zweite - Jeromy. Doch kaum zwei Jahre später begann sich die
temperamentvolle Sängerin mit dem bodenständigen Handlungsvertreter zu langweilen.
Jeromy konnte bis heute nicht verstehen, wie sich ihre Mutter in einen solchen Mann verlieben
konnte.
Während ihre Mutter also durch die Weltgeschichte tourte und sich Drogenexzessen und
Orgien hingab, war ihr Vater es, der sich um die Erziehung der beiden kümmerte.
Evy, ihre ältere Schwester war schon immer in allem besser gewesen als Jeromy. Trotz der
Schüchternheit kam die ältere Schwester bei allen gut an und schrieb die besten Noten. Jeromy
dagegen war ein Wechselbalg. Wo es eine Prügelei gab, war sie mitten drin, in der Schule
musste sie ständig nachsitzen und ihre Noten... na besser nicht davon anfangen. Sie stand oft
bei den coolen, älteren Jungs in der Ecke. Einmal hatte sie Zigaretten im Supermarkt für die
geklaut und sie hatten sie alle geraucht. Zur Strafe gab es einen Monat Nachsitzen und
Hausarrest obendrein, also ob das was Neues wäre... Einer der Jungs hatte von zu Hause auch
eine Flasche Wodka mitgehen lassen... und das selbe Tat-Strafe-Schema wiederholte sich.
Eigentlich wiederholte es sich jeden Monat. Und so ging es einige Jahre ...
Ab und an ließ sich dann auch ihre Mutter blicken, aber das auch nur für kurze Zeit. Sie bleib
eine Woche und zwei, gab ein Paar Ratschläge, ein Paar gute Worte, Geld. Bis sie an Jeromys
14. Geburtstag beschlossen nur noch für ihre Mädchen da zu sein. Zu dumm, dass sie die
Kindheit ihrer Töchter fast verpasst hatte und nicht da gewesen war, als diese sie am meisten
gebraucht hätten. Besonders Evy, die zu dieser Zeit ihre besonderen Fähigkeiten entdeckt hatte.
Jeromy war im Vergleich zu ihr wirklich langweilig. Manchmal beneidete sie die Schwester um
die Gabe, aber meistens war sie froh kein Freak zu sein und mit ihrer Clique irgendetwas
Blödes anstellen zu können. Evy veränderte sich zu dieser Zeit, manchmal wurde sie noch
verschlossener, als sie ohnehin bereits war und Jeromy... tja... sie verlor den Kontakt zu ihrer
älteren Schwester immer mehr.
Und da fing die ganze Scheiße erst richtig an, sie begann aus Langweile mehr zu trinken bis
zur Besinnungslosigkeit, kiffte bis zum Umfallen. Ihr sonst so ruhiger Vater rastete aus, jede
Woche gab zerbrochene Möbel und Geschirr. Die beiden Erwachsenen waren weit aus mehr
mit sich selbst beschäftigt, als mit ihren Kindern.Ihre Eltern waren keine schlechten Menschen.
Ihr Mom war eigentlich ganz cool und verständnisvoll und ihr Vater fürsorglich und
zuverlässig, ihr beider Problem war nur, sie waren nie bereit für die Elternrolle und sie waren
das ungleichste und unharmonischste Paar, das man sich vorstellen konnte.
Irgendwie hatte Jeromy die Junior High aber dann doch geschafft - mit Evys Hilfe. Die ältere
Schwester hatte sich nach einem Jahr gefangen. Sie war zwar nicht wirklich sie selbst aber
annähernd eine Evy, wie sie Jeromy früher gekannt hatte. Damals hatte Evy zu malen
begonnen und ihre Bilder waren umwerfend, sie verkaufte einige davon dann und wann in den
wenigen lokalen Ausstellungen. Und dann, drei Jahre später, nachdem Jeromy ihren Senior
High Abschluss gemacht hatte, waren sie zusammen von Zuhause abgehauen um zu weit nach
New York zu gehen und dort das große Glück zu versuchen.
Evy hatte damals bereits ein Jahr lang in der Galerie gearbeitet. und alleine waren die Mädchen
besser dran. Evy hatte nicht die Absicht aufs College zu gehen, obwohl sie sicherlich ein Ass
gewesen wäre und sicherlich einiges auf künstlerischer Ebene hätte lernen können. Aber
Jeromy hatte es dann am Abend-College versucht und geschafft Kurse in Altertum zu belegen.
Eigentlich war sie erst durch Evys Job in dem Antiquitätenladen auf die Idee gekommen sich
mit Altertum zu beschäftigen und hatte großes Interesse daran gefunden fremde Sprachen und
Kulturen zu erforschen. Und erstaunlicherweise hatte sie sogar ihr erstes Diplom mit einem
hervorragenden Schnitt absolviert.
10

Es war gegen Ende ihrer Examensarbeit, als sie von einem Typen aus ihrem Kurs zu einer
Abschlussfeier eingeladen worden war. Überschwänglich war sie natürlich mitgegangen, bis
sich herausgestellt hatte, dass der Kerl sie befummeln und flachlegen wollte. Sie hatte sich zur
Wehr gesetzt, doch erfolglos. Doch dann bekam sie es mit der blanken Panik zu tun und brach
ihm mit irgendetwas, das sie gerade so erreicht hatte, die Nase bevor es wirklich ernst wurde.
Aufgelöst und allein hatte sie sich auf den Heimweg gemacht.
In dieser Nach, als wäre es nicht schlimm genug, wurde von einem großen Wolf angefallen.
Bis dahin hatte sie nicht an Märchen geglaubt, doch beim nächsten Vollmond hatte sie daran
glauben müssen. All der Schmerz. Das Blut. Die Verwirrung. Schreie. Erinnerungen hinter
einem tiefroten Schleier und Blutgier. Da verstand sie ihre Schwester erst. Dieses mal war
Jeromy es, die sich versuchte von der Welt abzukapseln.
Einmal mehr wusste sie nicht, was sie ohne Evy getan hätte, als diese wie aus dem Nichts mit
einer sonderbaren Adresse aufgetaucht war und sie und ihr Arbeitgeber – James hieß er – sie
hier her gebracht hatten, zum Guardian. Das war vor zwei Jahren gewesen. In der Zwischenzeit
hatte sie sich hier beworben und Zuflucht bekommen. Zunächst wurde sie als Gefahrenquelle
hier einquartiert, doch sie konnte sich bald als nützlich erweisen, so dass die Organisation ihre
weitere Ausbildung übernahm und ihr gleichzeitig einen Job anbot. Wahrscheinlich war eben
das hier ihre Berufung, denn sie schaffte ihre ersten Fortschritte erstaunlich schnell. Ihr gelang
sogar ein Durchbruch. Im Grunde hatte sie für sich geforscht und vor 5 Monaten ein Rezept für
ein Serum gefunden, mit dem sie sich nicht mehr verwandeln musste und wenn sie es doch tat,
hatte sie ihre Aggression unter Kontrolle. Es war ein Fluch, der sie verändert hatte. Doch mit
diesem Erfolg, auch wenn sie es noch nicht heilen konnte, kämpfte sie gegen die eigenen
Dämonen und es lag noch so viel vor ihr. Aber hier war sie sicher und die Welt war sicher vor
ihr.
Ihre Eltern hatten die Scheidung eingereicht. Ihr Vater war kurz darauf an einem Herzinfarkt
verstorben und ihre Mutter mit einem Junkie durchgebrannt. Evy war glücklich mit ihrem Job
und ihrem Leben. Sie war eine verdammt gute Zeichnerin und verdiente sich ihr Geld auch
damit. Sie hatte sogar einmal eine Einladung zu einer ihrer Ausstellungen geschickt. Jeromy
hätte schwören können, dass ihre Schwester total verschossen war in ihren Arbeitgeber. Aber
hey, wenn es das, was sie wollte.
Sie selbst allerdings hatte sich der Forschung verschrieben. Hier lag ihre Zukunft. An Familie
oder gar einen Partner wagte sie nicht zu denken, bis sie ein Heilmittel gefunden hatte. Und bis
dahin gab es eine Menge Sprachen zu lernen. Viele vergessene Schriften zu ergründen. Und
noch mehr Legenden zu bewahrheiten! Und so wand sie sich dem Guardian zu, der sie mit
offenen Armen empfing, ihr ein neues Zuhause und Arbeit bot. Möglichkeiten zu forschen und
sich weiter zu entwickeln.
Doch eine ganz bestimmte Bekanntschaft sollte ihre Arbeit erschweren: Ascan. Aus heiterem
Himmel tauchte dieser Magier im Guardian auf, beanspruchte die Führung für sich, zeigte
Interesse an der Organisation und ihr selbst, bot ihr sogar eine Zusammenarbeit an. Zunächst
hatte Jeromy diesen Magier verabscheut, doch schnell fasste sie Vertrauen zu ihm und er hatte
etwas an sich, dass es ihr kaum unmöglich machte nicht von ihm angezogen zu werden.
Zugleich verwirrte er sie mehr als ihr zu helfen, ihr Körper, ihre Gedanken, ihre Arbeit alles
spielte in seiner Gegenwart verrückt. Jedoch eine Idee pflanzte er in ihren Kopf, sie konnte sich
mit ihrem inneren Wolf anfreunden und es gab einen Weg das, was sie war, zu akzeptieren und
zu kontrollieren. Und das ohne Forschung, Formeln und Seren. Ohne Heilung.
Für ihr eigenes Seelenheil und für die eigenen Fortschritte ließ sich von William, ihrem
Vorgesetzten, nach Sankt Petersburg versetzten, so sie ihr Studium fortsetzte und zugleich
lernte ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Sie begann dort ein neues Leben unter anderem
Namen und neuer Identität. Von vorn. Sie war nun Katherina Wolkowa. Binnen von drei Jahren
gelang es ihr sowohl die russische Sprache, als auch ihre Fähigkeiten zu erlernen. Zugegeben
sie hatte Hilfe, von einem Professor der St. Petersburger Universität, der eins unter dem selben
Problem zu leiden hatte. Schließlich beschloss sie unter dem Namen Katherina Wolkowa, nach
Moskau zu gehen...

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AUFZEICHNUNGEN
Beobachtung : Wandlung
23. März 2006
Ich versteh nicht, was das heute gewesen war. Ich weiß nur, dass die Wunde mit 30 Stichen
genäht werden musste. Es war ein Wolf oder ein wilder Hund, der mich angefallen hat. Aber er
war so groß. Als wäre es nicht genug, dass ich auf diesen Dan herein gefallen wäre und er
mich fast...
29. März 2006
Im Krankenhaus glaubten die Ärzte, ich hätte mir eine Infektion eingefangen.Sie gaben mir ein
Serum gegen Tollwut und Tetanus , spritzten mir unzählige Antibiotika und ließen mich nach
einigen Tage der Beobachtung wieder gehen. Zunächst schien auch alles problemlos.
08. April 2006
Nachdem die Fäden gezogen worden sind, ist die Wunde jetzt nur noch ein weißer Abdruck auf
meiner Haut. Mehrere unförmige weiße Linien. Allerdings fühle ich mich so sonderbar.
Beobachtete Symptome:
Schwächeanfälle, Schwindel, Verkrampfungen und verstärkte Muskelaktivität, Fieberschübe.
Sonderbarerweise kann ich nachts keinen Frieden finden, trotz der Müdigkeit laufen alle meine
Sinne und Muskeln auf Hochtouren.
11. April 2006
Es wird immer schlimmer, ich kann seit Tagen nicht mehr schlafen. Die Geräusche sind
unerträglich laut, so laut dass es schmerzt. Die Farben waren zu beginn so grell, dass ich sie
nicht ertragen konnte. Ich konnte die Helligkeit nicht ohne Sonnenbrille ertragen.Doch
mittlerweile sehe ich alles rot. Es ist so, als würde man ständig eine Brille tragen mit blutroten
Gläsern. Doch anstatt dass die Farbe warm wirkt, lässt sie alles hinter einem Schleier aus Wut
verschwinden. Ich kann mich nicht konzentrieren und fühle Schmerzen in jedem Muskel. Ich
bin nervös, kann keine Ruhe finden, nicht schlafen. Was geschieht mit mir? Ich fühle wie mein
Herz und meine Muskeln auch Hochtouren laufen. Lange halte ich diesen Zustand nicht durch.
15. April 2006
Ich weiß nicht, was ich glauben soll... ich möchte,dass es nur ein Alptraum war. Da waren
diese Schmerzen, nichts als Schmerzen gewesen. Ich konnte nicht denken, ich dachte ich
sterbe. Ich hörte meine eigenen Knochen brechen und meine Muskeln brechen, nach einander.
Ich konnte nicht atmen und ich dachte ich verbrenne von dieser Hitze, die aus meinem Inneren
kam. Es dauerte einen ganzen Tag – ich schätze es müsste der 12. Januar gewesen sein. Und
dann war der Schmerz in der Nacht weg. Und die Gedanken. Ich weiß nicht, was geschehen
ist. Ich war frei. Losgelöst. Keine menschlichen Empfindungen. Es war nur ein Fühlen.
Bruchstückhafte Erinnerungen, wie ich durch den Wald jage, durch die Straßen, schneller als
ein Mensch jemals könnte. Und dieser Hunger. Ein vertrauter Geruch. Der Geruch führte mich
durch die gesamte Stadt. So viele Geräusche und Eindrücke. Und der Wind und die Freiheit.
Es war unglaublich. Berauschend. Alle Farben wirkten greller, wärmer, roter. Ich fühlte mich
so stark.
Der Geruch, er führte mich überall hin, ich folgte ihn. Und dann sah ich ihn. Den Mann von
damals. Den Mann aus dieser Nacht vom 23. März. Ich wollte ihn. Wollte ihm die Kehle
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zerbeißen, ihn in winzige Fetzen reißen. Ausbluten. Ausweiden. Ich konnte mich nicht halten.
Ich war ein wilder Tier. Doch er war kein Mann. Ich weiß nicht, ob es nicht doch ein
Fiebertraum war. Dann war er ein Wolf, größer als ich. Aber der Geruch und sein wilder
Herzschlag ließen die Jagdinstinkte erwachen. Ich setzt auf ihn zu. Er wehrte sich. Ich wusste,
dass er mächtiger war als ich und es war egal. Ich wollte Vergeltung, oder Rache... egal... ich
wollte sein Blut und ich konnte nicht inne halten, bis er tot war. Es tat mir nicht Leid, ich
genoss es, ich liebte es. Und in der zweiten Nacht war es das Selbe, nur dass es kein Mensch
war, es war ein Hund, ein großer und dann kam ein zweiter Mensch. Ich glaubte, es sei ein
Mensch, aber er hatte so sonderbare spitze Fänge wie ein Tier. Und als ich erwachte war ich
nackt. Meine Wohnung ein Trümmerhaufen und alles voller Blut... ich war das nicht...
Wie kann ich so grausam sein. Das kann nicht sein. Wie kann sich ein Mensch in einen Wolf
verwandeln. Wie kann ein Mensch so grausam sein und andere Menschen auf diese Weise
töten... Das kann nicht sein... ich... nein...
09.Mai 2006
Ich weiß nicht, wie ich den Mut dazu fand, aber ich erzählte es Evy, in der Hoffnung sie könne
bestätigen, dass es nur ein Traum sei. Evy kannte immer einen Ausweg. Und auch dieses mal.
Aber sie stritt es nicht ab. Sie erzählte Schauergeschichten von Werwölfen und Mondwandlern.
Nein. Das gibt es nicht. So etwas bin ich nicht...
11. Mai 2006
Es beginnt von vorn... alles... die Eindrücke, die Gefühlte, die Wut und da ist diese Stimme in
meinem Kopf, die mir sagt, dass ich töten soll... ich halte das nicht aus... bitte Gott... bitte bitte
lass es aufhören. Das kann nur ein Alptraum sein...
15. Mai 2006
Wie kann sie Recht haben? Wie kann ich dieses Monster sein...? Evy hielt es für das Beste mich
zu ihrem Arbeitgeber zu bringen, bis dahin hatte ich gedacht, dass er ein antiquierter Brite sei,
ebenso wie sein Antiquariat. Aber er war es nicht. Er nahm sich die Zeit mir alles zu erklären.
Und ich muss eingestehen, er hatte Recht. Ich bin eine Gefahr für die Menschheit. Für meine
Umgebung. Ich bin nur sicher, solange ich eingesperrt bin in seinem sonderbaren Keller,
verschlossen hinter einer dicken Tür aus Eisen. Ich bin ein Tier. Mörder. Ich hab diese
Menschen ermordet... Sie sollten mich am besten für immer einsperren. Ich will und kann nicht
mit dieser Schuld leben...mit diesen Stimmen...mit dieser Blutgier und dem Gefallen daran...zu
was bin ich geworden...ich muss fort,damit ich nicht Evy und James das Selbe antue... ich muss
gehen... nein...am besten,ich sollte es gleich beenden,damit ich keine Gefahr mehr darstelle...
13. Juni 2006
Sie lassen mich nicht... ich dachte,es wäre einfacher, ich wäre keine Last und keine Gefahr
mehr. Aber James hat mich gefunden, als ich bewusstlos war... er hat Einiges an Giften in
seinem Haus, ich zweifle, dass es ein einfaches Antiquariat ist. Er steckt da drin. Ich bin mir
sicher, er ist kein Mensch. Er hatte ein Geheimnis. Vielleicht ist er wie ich... oder ich liege ihm
am Herzen, weil ich Evys Schwester bin. Auf alle Fälle hatte er mich rechtzeitig gefunden und
mit ein Gegengift gegeben. Zu unserer aller Sicherheit hat er mich weggesperrt für die Tage
um Vollmond. Er sagt, er kenne einen Ort, wo ich Hilfe finden könne. Diese Leute kennen sich
damit aus... aber ich bin da nicht so sicher... ich bin mir in nichts mehr sicher... noch nicht mal
darin wer ich bin... oder was ich bin...

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27. Juni 2006
James hatte nicht zu viel versprochen. Es gibt diese Einrichtung wirklich. Mit den Tickets, die
er mir besorgt hatte, war es ein Leichtes nach Vancouver zu gelangen und auch diese
Einrichtung war kaum zu übersehen. Gestern noch saß ich hier und füllt sinnlos und
hoffnungslos Bögen aus und heute schon ging ein Anruf ein, dass sie mich nehmen wollen. Sie
wollen mich ausbilden,mir eine Anstellung geben und eine Zuflucht und für die Sicherheit
meiner Umgebung sorgen. William, der Leiter, sagte er sei ein Vampir und sei nichts
schändliches daran anders zu sein. Er schwor, ich könne wieder ein normales Leben führen,
bis auf die Ausnahme von 3 Nächten. Es gäbe einen Weg... Ich hoffe es... ich will ihm
glauben... ich werde ihm glauben und die Stelle annehmen.Noch heute werde ich in dieses alte
Gemäuer ziehen...

Erste Erfolge – Das Serum
03. Juli 2007
Es ist erstaunlich, nun bin ich seit einem Jahr hier. William ist wundervoll, er ist wie ein
zweiter Vater, nein wie der Vater, den ich mir immer gewünscht hatte. Und diese Welt, in der er
lebt: diese Wesen, die Magie... nie hätte ich zu träumen gewagt, dass es das alles gibt. Es gibt
so Vieles für mich zu lernen, zu sehen,nach zu holen. William ist der Einzige,dem ich vertraue,
auch wenn ich nicht viel über ihn weiß, außer dass er außerordentlich klug und alt ist. Er kennt
die Wahrheit über die Bestie und was in den Nächten damals geschehen ist. Er hat sein
Versprechen gehalten, ich habe seit dem niemandem geschadet. Auch muss ich zugeben, dass
ich jemanden kennen gelernt habe:Henry. Er ist hier als Techniker angestellt. Ich mag ihn
wirklich sehr. Er ist lustig und lebensfroh, verrückt, aufmerksam und verdammt süß. Und
normal! Ein Mensch. Im Grunde das krasse Gegenteil von mir. Vermutlich mag ich ihn deshalb
so sehr. Ich schätze, dass auch er mich mag, denn er versucht seit jeher seine Pausen mit mir
zu verbringen. Aber je näher ich ihm komme, desto deutlicher wird mir wie anders ich bin, Wie
gefährlich ich ihm werden könnte. Und die Bilder kommen hoch.Erinnerungen an all das Blut
und die Freunde darüber. Ich will nicht, dass er auch so endet.
Und der Wolf? Den kann ich nicht einsperren, er ist immer da. Immer in meinem Kopf. Mal
leiser, mal lauter. Ich hasse ihn. An manchen Tagen treibt er mich in den Wahnsinn, dass ich
mir denke, einfach einen Schlussstrich ziehen. Ich kann so nicht weiter machen. Doch auf der
anderen Seite sind da meine Erfolge. Ich begreife schnell und lerne schnell. Besonders
Sprachen und Zeichen. Es ist mir ein Leichtes mir eine Sprache anzueignen und sie zu
verstehen und Bücher in fremden Sprachen zu lesen. Sogar in alten, besonders in alten.William
riet mir die baltischen Sprachen zu lernen, könnte ich einmal Russisch, wäre der Rest kein
Problem. Er sagte, da gäbe es einige Geheimnisse für mich zu ergründen. Und Chemie... eines
Tages will ich dieses Tier ausrotten. Ich will verstehen,wie es funktioniert und ein Gegenmittel
finden. Etwas, damit ich es beseitigen kann... denn ein ganzes Leben so fristen... das werde ich
nicht können...
19. Mai 2008
Endlich verstehe ich es. Ich verstehe William! Unglaublich! Es gibt kein Land auf dieser Welt,
dass so viele Geschichten zu erzählen weiß über die Wandelwesen wie das Baltikum. Von
Gestaltwandlern,Wendigos, Mondwandlern, Werwölfen zu Upieren. Es ist wirklich
faszinierend. Zu dumm, dass die wenigstens Geschichten verschriftlicht sind. Aber die
Menschen im Osten sind sehr abergläubisch. Auch die heutigen Einwanderer. Von ihnen hört
man die eine oder andere Geschichte über die Vampire und Werwölfe...
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11. Juli 2007
Ich habe beschlossen, das ganze anders anzugehen. Rein logisch.
Ich wurde durch einen Biss zum Mondwandler. Diese sind abhängig vom Mond,im Gegensatz
zu den Werwölfen.Also wird es in beiden Fällen über das Blut übertragen. Allerdings fand ich
auch Geschichten, besonders bei den russischen Stämmen, dass man auch als solcher geboren
werden kann. Also habe ich meinen Speichel und Blut untersucht.
Es stellte sich heraus, dass es wirklich über Flüssigkeiten übertragen wird,die direkt durch
eine Wunde in die Blutbahn eines anderen geraten, denn in meinem Blut selbst finden sich
kaum Spuren des Virus. Es scheint mutiert zu sein. Es erinnert mich an das Aidsvirus, nur dass
es sich selbst scheinbar in den Körper einbauen kann. Also bin ich zu folgenden Ergebnisse
der Forschung gelangt:
1. Dass es sich um ein Virus handelte, ein komplexes und mutiertes noch dazu
2. Dass es sich auf den gesamten Körper auswirkt:
- es veranlasst den Körper – wenn auch nur in geringem Maße – mehr Testosteron zu bilden
- ebenso steigerte es die Adrenaliausschüttung
→ was somit ihre Aggressivität und Gewaltbereitschaft steigerte
3. und die wichtigste ihrer Erkenntnis: das Virus enthält eine Information zur Bildung eines
Enzyms, eines Enzym, das bei Menschen nicht vorhanden ist. Und dieses Enzym ist es, das den
Muskeltonus am stärksten beeinflusst und vermutlich die Verwandlung herbei führt. Es ist
anzunehmen, dass es sich dabei um eine Transferase oder Mutase handelt... allerdings ist es
ein uns bis hier unbekanntes Enzym. Es ist erstaunlich wie sehr es den Körper verändert. Es
macht ihn resistenter gegen Krankheiten und äußere Einflüsse. Es macht ihn stärker und
robuster. Ein Mensch würde einem solchen Pult und Tonus auf Dauer nicht lange
durchgehalten.Außerdem fördert es die Heilung und beschleunigt sie um die Hälfte. Allerdings
scheint es je näher man dem Vollmond ist,desto stärker ausgeschüttet zu werden. Womit es im
menschlichen Blut kaum nachzuweisen ist und Henry mir zur Hand gehen musste und mich in
der Wolfsform schlafen legen musste.
Weshalb dieses Enzym auf den Mond jedoch reagiert,wo es produziert wird und seine genaue
Funktionsweise bleiben weiter ein Rätsel, das ich noch nicht lösen kann.
07. August 2008
Ich bin auf eine Geschichte gestoßen, in der heißt es, dass es ein Dorf in der Ukraine gibt,
nahe Rumänien, dort war ein Dorf von solchen Bestien befallen worden und sei seien geheilt
worden durch einen besonderen Trank. Das Rezept kennt allerdings niemand bis auf die
Einwohner und sie hüten es, falls die Wölfe zurückkommen. Nun, da ich langsam die
Funktionsweise des Virus verstehe, gibt es vielleicht einen Möglich es als Krankheit zu
behandeln. Vielleicht gäbe es ja einen Stoff, der die Ausschüttung dieses Enzyms verhindert
und mich davon befreit, denn wenn ich ehrlich bin. Es ist eine Krankheit.
24. Dezember. 2008
William glaubt, ich sei besessen. Soll er doch,so lange ich nur den Wolf loswerde und diese
unstillbare Blutgier und diesen Drang zu töten. Die Reise war nicht unbedingt beschwerlich,
aber lange. Es dauerte lang das Dorf zu finden und die Bewohner zu überzeugen. Ich muss
zugeben, das Ergebnis war ernüchternd. Ich habe zwar etwas gefunden, doch es war anders
als erwartet. Es ist kein Heilmittel. Es kann keines sein. Es ist nur ein Rezept für ein
Beruhigungs- oder womöglich für ein Rauschmittel... es ist wirklich zum Verzweifeln...
17.März 2009
Es hat verdammt lang gedauert. Aber ich glaube es war nicht alles umsonst. Die Mischung
macht's! Wer erwartet denn schon, dass Schlafmohn, Katzenblutkraut und Schöllkrautwurzel,
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die eigentlich betäuben,berauschen, desinfizieren und verheilen und vergiften zusammen eine
Mischung ergeben, die ein Wölfchen zum Schlafen legt.
Diesen Monat konnte ich nicht anders, ich musste es wissen. Ich habe das Serum ungeachtete
aller Nebenwirkungen ausprobiert. Und es war ein kleiner Erfolg. Die Raserei endete. Die
Muskeln blieben relativ entspannt,die Spannung war nicht so unerträglich und auch der rote
Film blieb die meiste Zeit aus. Der Wolf schwieg und hetzte nicht. Es war so friedlich. Das
einzige was da war, war die ständige Müdigkeit, aber diese Nebenwirkung nehme ich gern in
Kauf.
07. Juni 2009
Dieses mal war der Wolf nicht so still. Er war da im Hintergrund,leise...
07. Juli 2009
Der rote Film war wieder da und ich konnte das Heulen hören. Ich spürte den Wolf deutlich an
seinen Ketten reißen. Ihm gefällt es gar nicht betäubt zu sein. Ich musste eine größere Menge
des Serums aufwenden.
06. August 2009
Um die Verwandlung aufzuhalten reichte dieses mal die Menge von letzten mal nicht aus. Ich
muss sie nahe zu verdoppeln, damit der Wolf still ist...
04. September 2009
Dieses mal war es die vierfache Menge der Anfangsdosis und ich bekomme den Wolf nicht still,
dafür wird die Müdigkeit immer schlimmer und ich muss ständig im Rhythmus von mehreren
Stunden nachspritzen, selbst wenn ich das Serum konzentriere.
04.Oktober 2009
Ich glaube das Serum verliert seine Wirkung oder das Mistvieh gewöhnt sich daran. Ich muss
mich nahezu selbst bis ins Koma betäuben um die Verwandlung aufzuhalten, aber zum
Schweigen kann ich es nicht mehr bringen... ich brauche dringend eine neue Lösung...

Forschungsfall: Mondfluch/Sonnenfluch
04. November 2009
Ich kann nicht mehr klar denken... dabei ist es genau das, worauf ich angewiesen. Zur Zeit gibt
es so viele Dinge, die mich beschäftigen. Aber vor allem gibt es da diese Geschichte. Die
Geschichte von Katharina Petrowa, der Zarin Russlands. Eine Legende besagt, dass die
Vampire und Wandelwesen älter sind als die Menschheit. Diese Wesen waren früher nicht
gebunden an Tag und Nacht, nicht gebunden an Mond und Sonne. Vampire konnten unter Tags
wandeln und Wendigos und Mondwandler wa
ren frei vom Fluch des Mondes. Aber die Menschen erlegten diesen Wesen, die so viel stärker
waren als sie selbst, vor rund 6000 Jahren einen Fluch auf. Das war damals zur Hochzeit der
Sumerer. Heute noch berichten vereinzelte Quellen davon wie das Volk große Feste feierte und
bei ihren Schauspielen Wolfsfelle und Wolfsmasken trug um den Sieg über die Wesen
nachzustellen.Von da an also flohen reinblütige Vampire vor dem Sonnenlicht. Aber ich weiß
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ebenso, dass nicht reinblütige Vampire vom Fluch der Sonne verschont sind, aber auch die, die
durch den Zauber einer mächtigen Hexe oder eines Magiers Schutz vor der Sonne gewährt
bekommen. Und die Wandler waren von da an den Mond gebunden. Den mächtigen unter
ihnen – den Werwölfen und Werkatzen, ich bin mir nicht sicher ob Gestaltwandler auch
darunter fallen, gelang es sich davon zu lösen und manchen sogar dieses Virus ihrem Willen zu
unterwerfen. Somit können sie sich nach ihrem Willen frei verwandeln.
Andere, so wie ich selbst, blieben aber Sklaven des Fluchs.
Zwei Steine waren es also, die den Fluch in sich bargen.Es heißt weiter, wer die blaue
Götterstatue aus Lapislazuli besitzt brauch die Sonne nicht zu fürchten und kann den Fluch
aller Vampire lösen.
Derjenige, der den heiligen Mondstein findet, findet auch die Heilung von dem Fluch des
Mondes.
21. Dezember 2009
Es gibt einige russische Quellen,die berichten Zarin Katharina I sei eine Vampirin gewesen.
Sie war eine einfache Bauerntochter, die mit 17 in Lehre zu einem Theologen geschickt wurde.
Dieser verheiratet sie mit einem schwedischen Grafen (die Namen tun hier nichts zur Sache,sie
geben keinen Aufschluss über den Verbleib der Steine). Dieser Graf fiel darauf im russicheschwedischen Krieg. Katharina kam als Gefangene in die Hände von Boris Peter Scheremetew,
einem reichen und mächtigen Adeligen, der enge Beziehungen zum russischen Zaren pflegte.
Er habe sie verwandelt und zu einem Kind der Nacht gemacht, schrieb der Zar in seinen
Memoiren. Mit der Hilfe Scheremetews ließ sie nach der Statue suchen. Es gelang ihnen die
beide zu finden um sich von dem Fluch zu befreien. (in der syrischen Quelle heißt es, beide
Steine werden immer zusammen aufbewahrt und dürfen nicht getrennt werden oder in falsche
Hände geraten)
Für Katharina wurde eine Halskette gefertigt und für Scheremetew ein Ring. 1703 gelang es
ihr außerdem den Zaren Peter I zu umgarnen und seine Frau und Zarin zu werden.Doch mit
dem Tod der Zarin 1727 starb auch das Geheimnis über den Verbleib der magischen Steine,
die Epochen bereits überdauert hatten. Scheremetew fiel irgendwo, seine Grabstätte ist nicht
bekannt, doch mit ihm wurde auch sein Ring begraben, so viel steht fest.
27. Dezember 2009
Heute gibt es zahlreiche Hinweise auf den Aufenthaltsort der Steine. Viele sind Hinweise
darauf, wo die Steine sich einst befanden, viele auch nur Sagen, vor allem die älteren. Es gibt
auch Quellen die besagen, Scheremetew sei in der Mongolei gefallen und der Stein sei dort.
Katharinas Halskette sei von Generation zu Generation weiter gegeben worden, doch ihre
Linie starb bereits vor 100 Jahren aus. Es gibt Museen in Budapest, die sich damit schmücken
den Mondstein zu besitzen. Die Originalität wird jedoch bezweifelt.
Und wenn ich die Steine einst gefunden habe, welcher Bann ist es dann, der den Bann erlöst.
Und vor allem kann ich so egoistisch sein und nur mich selbst von dem Fluch erlösen. Wer
weiß, was für eine Plage ich loslösen könnte, wenn ich alle Wandler und Vampire auf die Welt
los lasse.
Aber ich muss die Steine finden.
02. Januar 2010
Ich habe mich im Kreis gedreht, so viel steht fest. Die gesamten Aufenthaltsorte müssen noch
mal geprüft werden. Laut einer lebenden Quelle wurden beide Statuen bereits von Vald
Dracula zerschlagen und nicht erst durch Katharina I. Meine neue Annahme lautete nun, dass
sie diesen Kelch gefunden haben musste. Somit muss nach allen möglichen Erwähnungen von
Krügen gesucht werden. Und nach wie vor von der Halskette. Aber vermutlich befindet sich
der Mondstein noch immer in besagtem Kelch. Also hat der Kelch Vorrang. Ich hoffe inständig,
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dass mir dieser Ascan helfen können wird.Wenn er ein Zeitzeuge Draculas ist, könnte das
vielleicht ein wichtiger Hinweise sein.
28. Januar 2010
Ascan hatte Recht behalten. Vlad war wirklich in Besitz dieser Steine gewesen, ich fand sogar
Abbildungen von ihm mit dem Kelch in Händen. Es ist also wahr. Alles deutet darauf hin, dass
er wirklich ein Vampir war. Allerdings war die Gruppe der Werwölfe nicht namenlos. Es war
eine Gruppe, die sich um den Forscher und Vampirjäger Van Helsing gescharrt hatte. Nach
Vald's nicht ganz gewaltfreiem Tod durch die Werwölfe hatte wirklich Abraham Van Helsing
wirklich den Kelch mit sich genommen und die beiden Steine daraus entfernt, denn auch er litt
an dieser obskuren Krankheit. Nach seinem Tod war der Kelch und die Steine in Annas Besitz
übergegangen, die seine einzige Tochter war. Diese war nach seinem Tod zunächst nach
Rumänien und dann nach Russland gegangen, als ihr der russische Fürst Scheremetew ihr
eine Unsumme von Geld geboten hatte und so war auch sie an den königlichen Hof gelangt.
Somit schließt sich der Kreis und ich bin erneut bei Katharina I geendet.
06. Februar 2010
Es führt zu nichts. Ascan kann mir keine hilfreichen Informationen mehr geben und ich drehe
mich im Kreis. Nicht Neues. Keine Hinweise. Und meine Träume von Ascan kommen wieder.
Dieser Mann raubt mir den Verstand, ich kann in seiner Gegenwart kaum klar denken. Ich
kann nicht mehr. Es bringt mich nicht weiter. Seine bloße Anwesenheit ist eine pure Ablenkung.
Ich muss fort von hier. Neu beginnen. Und zwar in dem Land, wo auch Katharina gelebt hat.
Ich kann nicht hier bleiben, sonst werde ich wahnsinnig. Dort kann ich zumindest nicht so viel
Schaden anrichten. Angeblich gibt es sogar in Russland mehr Werwölfe als hier...
Wir werden sehen, was die Zukunft bringt...
Ich habe William gestern meinen Antrag auf Versetzung gegeben und es wird kein Problem
sein, neue Papiere zu beantragen.
Aber ich glaube, dass Ascan Recht hatte, man kann die Wölfin auch ohne das Serum
kontrollieren oder zumindest sich mit ihr arrangieren. Genau dies ist mein Ziel. Ich werde
versuchen in Russland einen Weg zu finden, sie ohne das Serum und auch ohne den Mondstein
zu zähmen. Ein radikaler Bruch. In meinem Leben. In meinem Denken, aber es wird Zeit für
Veränderungen...

keine weiteren Einträge...

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TEIL I – The Guardian
EINE NEUE WELT
Vancouver – Kanada
Sanctuary "The Guardian" - Southboro Street, Glenmore District
27. Dezember 2009
Jeromy: „Septee pitatschua tam! Septee pitatschua tam! Septee pitatschua tam...“
„Was ist mit Pikachu?“
„Halt die Klappe, Henry!“ Es folgte ein wütendes Knurren.
„Hat da wer seine Tage? Wieso, so gereizt, Schönheit?“
Der Mann, der auf den Namen Henry hörte - jedenfalls meistens, wenn er nicht gerade in bester
Laune war den Befehl seines Vorgesetzten zu ignorieren – setzte eine große Kiste scheppernd
auf dem Boden ab und schlenderte auf die dunkelhaarige Frau zu. Sie hielt ein altes Buch in
Händen. Alt war das falsche Worte. Antik war das richtige. Er warf einen Blick hinein und
staunte über die Zeichen, die er nicht mal in seinen Träumen hätte lesen können.
„Ich wusste gar nicht, dass du die sumerische Keilschrift beherrscht. Was für'ne Sauklaue!“
„Das ist altbabylonisch, du Klugscheißer! Hast du nichts Besseres zu tun, als mir auf die
Nerven zu geh'n!“ - „Noin!“
Die Dunkelhaarige seufzte entnervt und klappte das schwere Buch zu. Sie legte es auf dem
kleinen Holztisch vor ihr ab, bei dem man fast fürchten musste, dass der Tisch unter dem
Gewicht des Buchs zusammenklappte - doch wider der Gesetze der Schwerkraft hielt er Stand.
Sie lehnte sich gegen den Tisch und schloss die Augen. Henry betrachtete ihr Profil eingehen,
während sie die Augen geschlossen hielt.
„Viel zu tun? Du siehst so aus, als könntest du dringend eine Pause gebrauchen.“
„Nachdem ich bewiesen hab, dass ich nicht irre bin!“ Sie starrte ihm entschlossen aus ihren
furchtlosen blauen Augen entgegen.
„Das glaubt doch keiner!“ Ihr Blick war kalt, trotz der Wärme in seiner Stimme.
„Mädchen, mach'ne Pause, du warst die ganzen Feiertage hier!“
Trotzig verschränkte sie die Arme vor der Brust und reckte ihr Kinn, richtete sich der vollen
Größe nach auf und funkelte ihn herausfordernd an.
„Glaubst du, ich sehe die Blicke nicht! Die halte mich alle für eine Verrückte und verstehen
nicht, was ich noch hier mache. Weshalb ich überhaupt Geld bekomme, obwohl ich gar keine
Fortschritte mache!“
Er trat auf sie zu und legte einen Arm um ihre Schultern, zog sie an sich und hielt sie davon ab,
durch die Gegend zu zappeln in der Hoffnung, dass seine stetige Ruhe auf sie abfärbte, die ihn
immer wie eine Aura umgab. Seine Stimme war weich und zuversichtlich.
„Hey, wer war denn so gewitzt und hat einen Russisch - Kurs belegt und ist bis zur Mongolei
gereist um an ein Hausmittelchen zu kommen, das sonst niemand kannte? Wer kam denn auf
die Idee Schlafmohn mit Katzenblutkraut und Schöllkrautwurzeln zu mischen um dann
herauszufinden, dass man damit Mondwandler und Wendigos von ihrer Raserei und
Verwandlung heilen kann? Das ist mehr als die meisten geschafft haben! Du hast im Moment
sicherlich nur den falschen Ansatz. Mach'ne Pause, entspann dich und dann fang noch mal an!
Dann siehst du klarer“ Jeromy lehnte ihren Kopf an Henrys Schulter und atmete tief ein, sie
konnte sein Aftershave riechen.
„Wieso musst du eigentlich immer Recht haben! Ich hasse es!“, und dennoch grinste sie.
„Komm, holen wir deine Sachen und nach deinem Kurzurlaub kannst du noch immer
beweisen, dass es den heiligen Gral gibt!“
Ohne Vorwarnung holte sie aus und boxte ihn in die Seite, so dass es ein dumpfes Geräusch
machte.
„Aua!“, beschwerte er sich empört.
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„Kommt davon, wenn du mich nicht ernst nimmst!“ Sie nahm das Buch vom Tisch.
„Das nehm ich mit!“ Woraufhin Henry nur den Kopf schüttelte und die Augen verdrehte,
während sie bereits davon stolzierte ohne auf ihn zu warten. Bevor sie allerdings die Tür
passierte, machte die auf dem Absatz kehrt und schaute ihn triumphierend an.
„Und ich werde beweisen, dass die ganzen Geschichten nicht Gespinste sind! Ich werde beide
Steine finden und den Bann, der sie löst und Heilung bringt. Wenn es Engel und Teufel gibt,
und was weiß ich nicht noch alles, wieso solle dann nicht auch andere Geschichten wahr sein.
Vampire gibt es schließlich doch auch. Ich werde einen Weg finden und herausfinden, wie man
dieses Virus heilt ob mit Teufels oder Gottes Hilfe...“
„Hört sich schwer nach Blasphemie an. Aber für die Loslösung eines 10000 Jahre alten Fluches
bekommst du sicherlich den Nobelpreis!“, grinste er. „Wie wär's wenn ich dir zur Hand gehe
und ein Simulationsprogramm erstelle? Dann könntest du alle Möglichkeiten und Orte mal auf
Wahrscheinlichkeit durchspielen und systematisch abklappern und katalogisieren?“
„Zahlen sind nicht immer die Lösung, Henry! Man kann nicht alle Komponenten berechnen!
Außerdem bekomme ich das auch ohne Spielereien hin. Auf die alte, herkömmliche Weise mit
Papier und Stift. Wenn du mir allerdings eine Rekonstruktion der alte sumerischen Sprache
basteln könntet...“ Sie wusste selbst wie utopisch das war. Dazu gab es zu wenige schriftliche
Überlieferungen und noch weniger Menschen, die sie lesen konnten.
„Mach das du weg kommst!“, lachte er resigniert. „Und denk an mich, wenn du heute Abend in
deiner heißen Badewanne liegst!“,rief er ihr nach. Sie winkte ein letztes mal und war in der
Dunkelheit des Tunnel verschwunden. Er hörte nur noch ihre Absätze auf dem Steinboden des
alten Gemäuers klappern, als zur Garderobe eilte. Henry hob die Kiste auf und begab sich zu
seinem Arbeitsraum. Diese Frau war wirklich besessen und damit meinte er nicht nur ihre
monatliche Mondsucht.
Jeromy nahm ihren Mantel aus ihrem Spind und ihre schwarze Ledertasche. Die gesamten
Aufzeichnungen über ihre jetzige Forschung steckte sie vorsichtig zwischen die vergilbten
Seiten des alten Buches. Ein Glück, dass die Seiten nicht aus Papyrus sondern aus Pergament
hergestellt waren. Henry war wirklich eigentümlich, aber das Selbe dachte er sicherlich auch
über sie. Andererseits war er aber auch so... humorvoll und für einen Mann – nein korrigiere:
für einen Menschen – erstaunlich verständnisvoll. Er wäre sicherlich einer der Menschen, mit
dem es nahezu unproblematisch war eine Beziehung zu führen – vorausgesetzt man konnte
sich mit seiner Besessenheit für Computer und technische Geräte arrangieren. Aber hey, was
war das schon, wenn man ihr Handicap im Vergleich dazu betrachtete. Henry wurde schließlich
nicht einmal im Monat zu einem blutdurstigen, grausamen Monster - und damit war nicht ihre
Menstruation gemeint! Aber Beziehungen am Arbeitsplatz konnten sich als äußerst
problematisch herausstellen, also besser sich das Thema gleich aus dem Kopf schlagen.
Also eilte sie hinaus, ab nach Hause: Kaffee, Kaffee, Kaffee und Schlaf...Als sie die schwere
Holztür aufwuchtete, schlug ihr von draußen Schnee und eisiger Wind entgegen. Scheiße, war
das kalt! Ein Auto hatte sie nicht und bis zur Metro war es ein Block zu laufen. Sie klemmte
sich das Buch unter den Arm, zurrte den Mantel fest und versuchte die Augen gegen den
Schnee abzuschirmen. Je schneller sie fortkam desto besser. Der Gedanke an ihr warmes Bett
und ihre kleine, aber saubere Wohnung mit dem winzigen plärrenden Fernseher, zu dessen
Lauten sie so gut entschlummern konnte, trieben sie noch mehr zu Eile an. Der kalte Wind fuhr
unter ihren Mantel und kroch durch die Schichten an Stoff bis zu ihrem Leib hindurch. Da
lobte sie sich doch eine ordentliche Fettschicht oder eine warme Bettdecke, Schneller, schneller
nach Hause. Kaum dass sie ein Paar Meter gelaufen war, tauchte ein großer Schatten vor ihr
auf. Doch sie sah ah ihn viel zu spät und stieß mit ihm zusammen. Die Wucht des
Zusammenpralls ließ die Frau straucheln. Ihre abgelaufenen Absätze rutschten auf dem
gefrorenen Untergrund ab und sie konnte sich nicht halten. Der Fall kam ihr furchtbar langsam
vor und dennoch unaufhaltsam. Sie landete im Schnee, der ihren Sturz abfederte, auf ihren vier
Buchstaben. Das Buch flog hochkant in die weißen Massen und versank darin. Manchmal
vermisste sie die tierischen Sinne, aber zumindest fühlte sie sich dann wie ein Mensch. Und in
den letzten Tagen hatte sie die Dosis erhöht, denn sie spürte, dass der Vollmond nur noch drei
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Tage entfernt war, das hieß spätestens übermorgen würden ihr Fell und Krallen wachsen.
Jedenfalls wenn sie es nicht vermeiden konnte.
„Entschuldigung!“, murmelte sie ohne die Person angesehen zu haben. Sogleich machte sie
sich hastig daran, das antike Buch aus dem Schnee zu fischen, bevor es auch den geringsten
Schaden erlitt. Doch als sie es aufheben wollte rieselten die Seiten heraus und der Windstoß
verteilte sie zu allem Überfluss. Ihre Aufzeichnungen waren im Augenblick ihr kostbarster
Besitz, und lagen nun überall zerstreut und wurden vom Wind nur noch heiter weiter von ihr
fort getrieben.
„Scheiße!“,fluchte Jeromy und machte sich daran jede einzelne einzufangen, bevor noch
jemand einen Blick hineinwerfen konnte und sie der Hexerei beschuldigte. Denn auf dem
Papier waren einzelne Pergamentfragmente puzzelartig zusammen geklebt, sonderbare Zeichen
standen darauf, Zeichnungen von Bannkreisen und Anordnungen, eine Asien-Karte mit
zahlreichen roten Markierungen und eine alte Photographie einer Halskette. Jeder, der die fand
musste sie wirklich für nicht ganz dicht halten.
Ascan: Dampfend stieg der warme Atem im Kontrast zur winterlichen Kälte von seinen
Lippen auf. Seine Schritte waren weder eilig, noch schienen sie zielgerichtet zu sein. Der Mann
im - für diese Jahreszeit bedenklich - dünnen Ledermantel setzte scheinbar wahllos einen Fuß
vor den anderen. Seine frisch geputzten Schuhe hinterließen Abdrücke im Schnee, die sich zu
denen, die bereits vom fallenden Schnee fast verdeckt wurden, gesellten. Es gab Zeiten, da
wäre er nicht so leichtfertig mit Spuren umgegangen, die er hinterließ, doch im Moment war
nicht so eine Zeit. Es lag schon lange zurück, dass man ihn erkannt hatte, zwar selbst da nur in
auserwählten Kreisen, doch jetzt waren 14 Jahre ins Land gezogen seit er das letzte mal hier
gewesen war und selbst seine alten Feinde würden ihn nicht mehr erkennen oder zumindest
nicht erwarten. Natürlich war es auch entgegenkommend, dass man vor knapp 10 Jahren eine
große Beerdigung für ihn veranstaltet hatte, bei der sich auch einige seiner alten Feinde
eingefunden hatten und somit die Nachricht seines Todes in die Welt getragen hatten. Nun
zumindest in den Teil der Welt, in dem er bekannt gewesen war. Ein Lächeln zog über seine
Lippen, undeutbar für Außenstehende, selbst wenn noch jemand anderes die einsame
verschneite Straße entlang gegangen wäre, doch dem war ohnehin nicht so. Nein jetzt war nicht
die Zeit auf die eigenen Spuren zu achten. Jetzt war die Zeit wieder an Einfluss zu gewinnen.
Seine Augen streiften ab in die Richtung, in der sein Ziel lag. Das Hauptquartier des Guardian.
Damit veränderte sich auch sein Gangbild. Jetzt da sein Ziel bereits in Sichtweite war, wurde
der Gang kräftiger und zielgerichtet. Eine kalte Windböe ließ das schwarze Haar nach hinten
wirbeln und Schneeflocken unsanft gegen seine Lieder prallen was ihn unweigerlich zum
blinzeln Zwang. Das Wetter war wohl wirklich nicht das beste um spazieren zu gehen, doch
andererseits hielt die Kälte, die andere Menschen in ihre Häuser trieb, nicht auf und abgesehen
von den Autos herrschte größtenteils Stille. Er konnte die Konturen nun bereits gut erkennen.
Bald würde er sich auf direktem Weg befinden.
Er bog um ein Straßenecke um zur Zugangsstraße zu gelangen, als eine Mischung aus weich
und hart gegen ihn stieß und ihn zwei Schritte zurück taumeln ließ. Sein Blick verfinsterte sich
und wurde wütend, unter den langen Ärmeln seines Mantels zogen seine Finger Runen in die
Luft, so schnell, dass jemand, der nicht exakt darauf achtete, es mit Sicherheit nicht gesehen
hätte. Doch der Blick wich wieder, als er die Frau sah, die zu seinen Füßen lag und ihm für
einen kurzen Moment ein Bild aus lange vergangenen Tagen vor Augen drang. Es währte
jedoch nur Sekunden, dann war es wieder weg und sein Blick heftete sich an das Buch, das die
Frau in den Schnee hatte fallen lassen und fluchte, als Seiten daraus davon geweht wurden.
Eine Seite wehte ihm direkt ans Bein und er fing sie mit den Fingern ab. Erfreut weiteten sich
seine Augen, als er den Inhalt der Seite erkannte und sein Gesicht wurde heller und
freundlicher, ja durchaus charmant. Die Stimme klang dem Bild entsprechend freundlich und
hell und auch ein wenig unsicher, wie ein junger Student der sich Bewerben wollte und nun
vielleicht seine zukünftige Chefin umgeschubst hatte.
„Ohh verzeihen Sie mir, ich habe Sie nicht gesehen.“ Er bückte sich und hob die anderen
Seiten auf und reichte ihr schließlich die Hand. „Ich hoffe, Sie haben sich nicht verletzt.“
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Jeromy klaubte gerade so die Seiten zusammen, die um ein Haar davon geweht wären. Als sie
gerade nach der nächste greifen wollte, erfasste ein Windstoß sie und trug diese geradewegs zu
dem Fremden, dem sie bis eben keine Aufmerksamkeit gewidmet hatte. Sein Blick war ihr
gleich gewesen und sein Zauber war ihr noch nicht einmal aufgefallen. Erst in diesem Moment
wanderten ihre Augen zu seiner schwarzen Hose, die sich so deutlich gegen den Schnee abhob.
Er war ihr zuvorgekommen und hob die Seite auf, also verharrte Jeromy und schaute zu ihm
auf, während er sich auch nach den restlichen Seiten gebückt hatte. Ihre kristallklaren Augen
wanderten an seiner Silhouette hinauf: an der teuren schwarzen Hose, bis zu dem langen
Ledermantel, weiter hinauf zu seinen Armen, von denen einer sich ihr entgegen streckte. Er
hielt ihr die Hand hin. Aber ihr Blick glitt weiter folgte dem Verlauf seines Armes, über die
Schultern zu seinem Gesicht. Das erste war ihr auffiel war: er war groß und gut gebaut, wie sie
unschwer auf Grund des Leders, das sich an seinen Körper schmiegte, erkennen konnte. Sein
Gesicht war jung und sicherlich attraktiv. Außergewöhnlich lange schwarze Haare für einen
Mann und warme dunkle Augen. Braun. Sogar in der Dunkelheit erkannte sie, dass sie braun
waren. Für einen Mexikaner oder Brasilianer war seine Haut zu hell, zu europäisch. Jeromy
wusste nicht, ob es an der Geste oder an seinen Augen lag, dass sie ihn als freundlich empfand.
Auch seine Stimme war nicht minder freundlich, jedoch zugleich auch verunsichert, als er sich
entschuldigte und sich nach ihrem Wohlergehen erkundigte. Irritiert ihrerseits nahm sie seine
warme Hand an und ließ sich aufhelfen. Die Seiten nahm sie beinahe hastig aus der Hand und
steckte sie schnell wieder in das Buch, damit er keinen überflüssigen Gedanken daran
verschwendete. Sich aufrichtend strich Jeromy unwillkürlich ihren Wollmantel glatt und
schüttelte dann den Kopf.
„Nein, alles in Ordnung. Es war mein Fehler und Danke!“, hakte sie die Höflichkeiten ab.
Irgendetwas war an diesem Mann sonderbar. Er konnte kaum älter sein als... vielleicht Anfang
oder Mitte 20, aber es war die Art wie er sprach. Kaum jemand war heute noch so höflich.
Einfach sonderbar. Einmal mehr waren es die Vorzüge der Großstadt, die sie einholten.
Anonymität; wieso sollte sie also länger Zeit mit ihm verbringen als nötig. Sie hatte sich
bedankt und auf nimmer wiedersehen. Sicherlich war er nur so ein verzogener Möchte-GernStudent, dem Papi alles bezahlte und der so blasiert war, sich auf sein Wissen was einzubilden
und seinen antiken Heldenvorbildern nacheiferte. Und um das auch noch zu demonstrieren
verwendete man natürlich auch veraltete Sprachformen. Wie dem auch sei...
Jeromy bückte sich nach ihrer Tasche, die noch immer am Boden lag und verstaute das viel zu
große Buch mühsam in der zu kleinen Tasche. Doch da fiel ihr auf, dass etwas fehlte. Eilig
blickte sie sich um, schaute zu der Stelle, wo die Tasche gelegen hatte. Da!
„Verflucht!“ Die Ampullen mit dem Serum waren heraus gefallen, als sie gestürzt war. Zwei
davon waren unter ihrer Tasche zerbrochen und die milchige, gelbe Flüssigkeit verfärbte nun
den Schnee. Nur eine war heil geblieben. Entnervt hob Jeromy diese letzte auf. Es war einfach
nicht ihr Tag. Jetzt musste sie wohl oder übel noch einmal zurück um neue zu holen, ohne sie
wären die kommenden Tage kaum zu überstehen. Die Dosis, die sie zu Hause hatte, reiche
bereits nicht mehr aus. Sie drehte sich noch einmal nach dem Mann um und lächelte ihn
gezwungen an, ohne ihn wirklich anzusehen. Ihre Gedanken waren zu sehr mit sich und dem
was vor ihr lag beschäftigt, als dass sie ihn wirklich gesehen hätte.
„Also, danke noch mal!“ Damit wand sie sich ab und wollte zurück zum Guardian eilen.
Ascan: Sie hatte ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt, was vermutlich besser war, so war
auch ausgeschlossen, dass sie seine kurze Geste gesehen haben mochte. Sein Ausdruck zeigte
eindeutige Erleichterung, als sie sich aufhelfen ließ und erklärte, dass ihr nichts geschehen sei.
Erneut war sein Blick für einige wenige Augenblicke zusammengezuckt, als er in ihre Augen
geblickt hatte. Gebannt von süßlich schmerzhaften Erinnerungen, die sich ihm aufdrängten und
doch hatte seine Mimik sich nicht um einen Millimeter verändert. Die Freundlichkeit war
durchgehend in sein Gesicht geschrieben und das schüchterne, unsichere Lächeln umspielt
noch immer seine Lippen, das sein Wohlwollen nur noch unterstützte. Besorgt folgte er
schließlich ihrem Blick zu den zerbrochenen Phiolen.
„Ich hoffe das war nichts Wertvolles, wenn doch werde ich es natürlich ersetzen."
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Er betrachtete die Flüssigkeit, konnte jedoch nicht zuordnen, was es war. Auch wenn er sich
ziemlich sicher war; dass es sich nicht um irgendeine gewöhnliche Flüssigkeit oder ein
Medikament handelte. Dazu waren die Phiolen zu wissenschaftlich gehalten. So als wären sie
aus einem Labor mitgenommen. Doch sie schien seine Worte gar nicht gehört zu haben,
bedankte sich wofür auch immer und drehte sich um genau zu dem Gebäude, wo er hinwollte.
Wo er bereits erwartet hatte, dass sie hergekommen war. Sein Gesichtsausdruck nahm für einen
Moment einen wölfischen Ausdruck an, der jedoch nur Momente später wieder verloschen und
zu dem freundlichen unsicheren zurückgekehrt war.
„Wa.. Warten Sie!“ Er setzte ihr kurz nach und klang sogar ein wenig verzweifelt. „Wissen Sie,
Sie wollten doch zu dem Gebäude dort oder?“ Sein Finger zeigte zum Guardian.
„Ich.. nun ja, ich weiß mehr als andere Leute, zumindest mehr als die Leute, die nicht an so
etwas glauben und..“, er seufzte und schien sich zu sammeln und holte noch einmal tief Luft,
als würde es ihn große Überwindung kosten.
„Also was ich eigentlich sagen wollte, könnten Sie mich vielleicht mitnehmen. Ich weiß, dass
das Guardian sich ihre Mitglieder selber sucht und vielleicht halten Sie mich jetzt gleich auch
für verrückt, so wie es meine Dozenten und Studienkollegen tun, aber ich glaube an das, was
über diesen Ort erzählt wird.“ Er schüttelte den Kopf. „Nun nicht alles natürlich, also das mit
der Alienforschung halte ich für Humbug, aber wissen Sie, das mit den...Werwölfen...“ Er hielt
inne und sah sie hoffend an. Wie ein Hund, der darauf wartete, dass ihm zumindest ein kleiner
Knochen - nur eine kleine Zustimmung - zugeworfen wurde.
Jeromy: Gerade als sie sich zum Gehen abwandte, hörte sie seine Stimme, die sie allein durch
ihren Klang zurück hielt. Ach Scheiße! Jeromy sträubte sich innerlich, warum musste er denn
so klingen...so...S cheiße... keine Ahnung... traurig?! Konnte er denn nicht die Klappe halten,
einfach weiter gehen und sie in Frieden lassen. Aber so hatte sie auch noch das Gefühl, dass sie
ihm antworten und freundlich zu ihm sein musste. Warum zur Hölle mussten Menschen
manchmal nur so penetrant freundlich sein, das kostete unfassbar viel Zeit! Und das war
wirklich nervig. Junge, ich will nach Hause und es geht dich nen feuchten Dreck an, dachte sie
sich eigentlich, dennoch hielt sie in der Bewegung inne und drehte sich nach ihm um. Welcher
Teufel ritt sie denn nun schon wieder? Geh einfach zu deinem warmen Bett, Kaffee, Fernseher,
ausruhen, einschlafen, aber nein stattdessen stand sie hier in der Kälte herum und trieb Small
Talk. Wundervoll! Jetzt war es auch schon zu spät so zu tun, als hätte sie ihn gar nicht gehört.
Ob es wertvoll war?! Die größte Errungenschaft meines Lebens, dachte sie bei sich. Jeromy
sah wie der Mann leicht besorgt zu dem gelb verfärbten Schnee blickte. Ach verdammt!
Warum musste er denn auch wie ein geprügelter Hund drein schauen, so hilflos! Jeromy winkte
leichtfertig ab und schüttelte mit einem Lächeln den Kopf.
„Nein, wertvoll war es nicht. Wo das herkommt, gibt es eine ganze Menge mehr. Ich bin
einfach zu unkoordiniert...“ Na ja, total bedröhnt von der Übermenge, war das richtige Wort.
Und das Dumme war, sie brauchte Nachschub, jetzt nachdem diese Ampullen zerbrochen
waren. Doch zumindest hielt Jeromy zumindest zum ersten Mal inne und betrachtete den
jungen Mann erneut, jetzt da sie ihn wirklich. Sein Gesicht wirkte so jung und schön, so
unschuldig, freundlich, liebenswert. Und seine Augen hatten ein Funkeln, das sie nicht deuten
konnte. Ihr Lächeln wurde nicht unbedingt heller, jedoch aufrichtiger, wenn sie auch selbst
dabei übermüdet wirkte. Er hatte ein hübsches Äußeres, dem man gerne vertrauen wollte. Aber
wie oft trog der äußere Schein. Das hatte sie bereits einmal erfahren, damals bei diesem
gutaussehenden Typen mit dem Einserschnitt, der sie zu seiner ganz privaten Zwei-Mann-Party
eingeladen hatte. Doch da plapperte er bereits los. Na schlauer Junge, zu erkennen, dass sie in
das Gebäude wollte. Und während er sprach wurde ihr Gesicht ernst, nein eigentlich
offensichtlich misstrauisch. Er wusste also mehr, so so. Sie zog skeptisch die Augenbrauen
hoch und schaute ihn abwartend ab, während er scheinbar eine innere Barriere überwand und
weiter sprach. Sie konnte ihn nur perplex anstarren, als er fragte, ob sie ihn mitnehmen konnte.
Das war doch nicht sein Ernst! Sie schaute ihn mit einem Blick an, als hätte er ein paar lockere
Schrauben. Ah ja, ein Gläubiger also, Werwölfe aber keine Aliens. Bullshit, dann hatte er
bereits mehr gesehen, als er sehen durfte von ihren Aufzeichnungen. Junge, such dir ein
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anderes gesünderes Hobby! Und auch ein hoffnungsvoller Blick konnte nichts an ihrer eisigen
Mine ändern. Ihr blauen, kalten Augen schauten ihn an, als würde sie ihn nicht für voll
nehmen. Die Frau in ihr hätte zu gern seinem treudoofen Blick nachgegeben, aber ihre stoische
Ader hielt sie davon ab.
„Tut mir Leid, wenn ich Sie enttäuschen muss, aber es gibt keine Werwölfe. Aliens sind
durchaus glaubwürdiger. Außerdem bin ich die falsche Person! Ohne eine magische
Zauberkarte kommt da niemand rein, es sei denn er ist Mitglied im Club der Verrückten. Aber
wenn Sie ja bereits, was über diese Organisation wissen, dann müssten Sie auch das
verstehen.“, ihre Stimme war kühl und sachlich. „Also, ich hoffe, dass Sie jemanden in hohen
Kreisen kennen, anders kommen sie da nicht rein. Und ich verliere meinen Job, wenn ich Sie
da mit rein nehme! Also nehmen Sie's mir nicht übel“ Jeromy schwang sich die schwere
Tasche über die Schulter, zog ihren Mantel enger um sich und verschlang die Arme vor der
Brust gegen die Kälte. Sie machte kein Geheimnis daraus, dass sie fror und weg wollte.
„Viel Erfolg also!“, damit wollte sie sich erneut von ihm abwenden und endlich gehen.
Ascan: Erfreut bemerkte er, wie sie inne hielt und sich noch einmal umwandte. So so, also
nichts Wertvolles und im Guardian gab es also noch jede Menge davon. Wenn er das kurzer
Hand abwägte, konnte das nur drei Dinge bedeuten. Entweder sie war ein Wesen, das
irgendeine Medizin von Nöten hatte, vermutlich um die menschliche Gestalt oder ihren
Gefühlszustand aufrecht zu erhalten, oder aber sie war einfach eine Forscherin, die so tief in
ihre Arbeit versunken war, dass sie selbst zu Hause keine Ruhe davor finden konnte und dann
wäre da noch die Möglichkeit, dass sie einfach beides in einem war, was im Guardian, das seinen Informationen nach - humaner aufgebaut war, als es einst seine Organisation gewesen
war, durchaus sein konnte.
Doch dann veränderte sich ihre Mine, wurde kalt, fast schon abweisend und er wusste, dass sie
ihn auf keinen Fall mitnehmen würde, noch bevor sie auf erfrischend uncharmante Art, die
doch in ihrer Keckheit selbst schon wieder Charme hatte, Selbiges in Worte fasste. Der Blick
Ascans wirkte enttäuscht; als sie ihm diese Worte Kund tat. Traurig, niedergeschmettert, so als
hätte sie ihm gerade seinen Lebenstraum in tausend Scherben zerschlagen. Doch als sie sich
abwandte, veränderte sich seine Mimik. Nun wenn er sie nicht so überzeugen konnte, musste
es eben anders sein. Eine einfachere Möglichkeit würde sich so schnell nicht bieten in die
inneren Kreise des Guardian geführt zu werden und sich dort bewerben zu können. In seinem
Geiste wob er die Zauber noch ehe sein Mund die Worte oder seine Finger die Gesten
vollführten. Es waren einfache Zauber, doch in ihrer Einfachheit bereits wieder so komplex,
dass sie von Anfängern ausgeführt leicht entdeckt oder abgewehrt werden konnten. Sie
verlangten ein tiefgreifendes Verständnis über die Psyche eines Menschen und das Wichtigste
dabei war, dass man seinem Gegner mental überlegen sein musste, oder man hatte bereits von
vorne herein verloren und doch liebte Ascan diese Zauber gerade wegen ihrer Komplexität. So
gestatteten ihm drei einfache Zauber verwoben zu einem und das Wissen über Geist, Psyche
und seine eigenen mentalen Stärken einen Zauber zu sprechen, der ihm die Türen mit
Leichtigkeit öffnen würden. Der erste der Drei war ein Vergessenszauber, doch so präzise
gewirkt, dass er nur die letzten Augenblicke betraf. Für den Betroffenen - wenn er sich erinnern
könnte - wirkte das Ganze in diesen wenigen Minuten wie ein Zurückspulen und das war es
eigentlich auch, denn kein Zauber, egal wie mächtig, vermochte es tatsächlich eine Erinnerung
zu löschen, das war das Wichtigste, das man daran verstehen musste. Denn dann konnte man
begreifen wie man den Zauber tatsächlich weben musste. Das Gehirn an sich speichert alle
Reize ab und doch bekommen wir nur einen Bruchteil davon als Information in unser
Kurzzeitgedächtnis gespeichert, der Rest wird an einen Raum gebracht, an dem Reize, die wir
selbst als überflüssig oder als unwichtig - beziehungsweise zumindest im Moment als
unrelevant - empfinden, abgespeichert und lagern dort wie eine riesige Deponie an
Informationen, auf die wir jedoch nicht zugreifen können. Nun zumindest normale Menschen
nicht, es gab durchaus schon Phänomene von Menschen, die dies konnten, doch war das
Problem bei diesen war, dass sie durch die Masse an Informationen, die zugleich auf sie
eintrafen, unfähig wurden die einzelnen zu verarbeiten, also ist es wohl Segen und Fluch
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zugleich, dass wir nicht alles um uns herum realisieren. Doch genau hier setzt der
Vergessenszauber an, denn er verschiebt die Erinnerungen, die der Zaubernde im Visier hat auf
exakt diesen Bereich und so wirkt das Ganze, als wäre es vergessen: Kurz angesagt löste der
Zaubernde eine Amnesie aus, mit der selben Möglichkeit, dass sich der Verzauberte jedoch
irgendwann daran erinnern konnte, durch eine Stresssituation oder aber auch durch einen
Gegenzauber. Der zweite Zauber ließ ihn Einblick nehmen in den Geist von Jeromy, denn ab
jetzt wusste er auch ihren Namen. Er kannte die Geschehnisse der letzten Tage und vor allem
konnte er nachvollziehen wie er auf sie wirkte, dass sie innerlich mit sich rang ihn doch
mitzunehmen, dass sie ihn sympathisch fand und nur zu gern gewillt war, ihm zu vertrauen.
Und hier setzte nun der dritte Zauber an. Er pflanzte eine Illusion in ihren Kopf wie das
Gespräch verlaufen war, was zwei positive Aspekte für ihn hatte. Einerseits war somit die
Chance, dass die Erinnerung zurückkehrte noch weitaus geringer, da ihr Gehirn jetzt diese
Information als die wahre abspeicherte und zweitens, lud sie ihn während dem Gespräch ein
mit hinein zu kommen, unter der Bedingung, dass er mit dem Leiter sprach, ob dies in Ordnung
ging und auch zeigte die Illusion wie sie bereits hineingingen, bis zu dem Punkt, wo er nun
neben ihr stand und sie erfreut darüber, dass sie ihn mitnahm, anlächelte und fragend ansah.
„Dann lassen Sie uns schnell aus dieser Kälte herauskommen?"
Jeromy hielt erneut in ihrer Bewegung inne und blinzelte. Irgendwas war... sie drehte sich um
und schaute den jungen Mann neben sich an, dann schüttelte sie völlig irritiert den Kopf,
während ihre klaren Augen ihn einmal abscannten. Nichts Ungewöhnliches. Er wirkte nach wie
vor freundlich und nun womöglich sogar zufriedener, jetzt da sie eingewilligt hatte ihn mit
zunehmen. Aber wieso hatte sie das noch gleich getan? Er war gutaussehend, vernünftig
gekleidet, nett und ein Teil von ihr schien ihn zu mögen, womöglich sich sogar von ihm
angezogen zu fühlen, auf eine merkwürdige Art. Es war diese Art, die ihren Instinkten sagte,
dass dieses Gefühl nur Komplikationen bedeutete, diese Art, auf die man sich immer zu den
bösen Jungs hingezogen fühlt. Und das machte sie skeptisch. Sie wollte ihm vertrauen und
wusste zugleich, dass es nicht ihrem Charakter entsprach. Er war ihr nicht ganz geheuer und
dennoch nahm sie ihn absurderweise mit sich. Jeromy blinzelte erneut, so als hätte sie sich
selbst verstehen wollen, gab es jedoch auf und wand sich dann zum Gehen ab, während ihr der
junge Mann folgte. Schnell aus der Kälte heraus, hatte er gesagt, genau.
„Gute Idee...“, dann seufzte sie leicht entnervt auf und dieses Gefühl, das er in ihr auslöste, war
irgendwie... vertraut, so als kannte sie ihn oder vielleicht er sie...irgendwie wie fühlte es sich
vertraut an und um so mehr fühlte sie sich bloß vor ihm.
„Oh Gott, William wird mich dafür umbringen!“ Wieso zur Hölle tat sie das noch gleich? Sie
wusste es selbst noch nicht! Aber an seinen schönen Augen konnte das kaum liegen. Im
Moment verstand sie sich selber nicht. Jeromy hätte schwören können, dass sie eben noch
dagegen gewesen wäre, aber sie hatte nichts der gleichen gegen ihn gesagt oder gar gedacht,
während ihre Gesprächs. Nur das eigene Verhalten erschien ihr nun völlig unlogisch. Gut der
Kompromiss, ihn William vorzustellen war eine Absicherung... aber... sie kannte noch nicht
einmal seinen Namen... und nahm ihn mit. Scheiße, es war doch falsch! Nun gut, aber es würde
sich hoffentlich von selbst klären.
„Also gut, ich habe zugestimmt, aber ab hier bis zum Büro des Boss, spielen wir nach meinen
Regeln! Keine Abstecher irgendwohin, keine Führung, keine Fragen, wir gehen auf direktem
Wege hin und er entscheidet, wie es weitergeht!“ Sie klang bestimmt, so als erwartete sie noch
nicht einmal Widerworte. Und schon gar nicht von einem Studenten, der glaubte hier mit
mischen zu müssen. Aber zugegeben, sie war damals doch genauso gewesen.
Jeromy marschierte also wortlos - weiterhin zu beschäftigt mit den eigenen Gedanken - auf das
Gebäude zu, steuerte aber nicht den Haupteingang an, sondern ging seitlich an der riesige
Sicherheitsmauer entlang, bis sie zu einer kaum sichtbaren Einbuchtung kamen, die von einer
Metalltür verschlossen wurde. Darüber war eine Kamera zu sehen, eine runde kleine, schwarze
Kugel.
„Hier lang! Dienstboteneingang“, deutete sie dem jungen Mann an und nickte in Richtung der
Tür. Dann blickten ihre Augen direkt in die schwarze Kugel, von der sie wusste, dass auf der
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anderen Seite Henry saß. Sie schob ihre Karte mit dem Mikrochip, der den Mechanismus
öffnen sollte,in einen kleinen Schlitz seitlich der Tür. Doch die Tür blieb verschlossen. Was
eigentlich nicht so sein sollte. Wütend blickte Jermoy in die Kamera.
„Henry, lass den Scheiß, ich hab hier Besuch für den Boss!“
Sie wusste, dass er sie auf der anderen Seite hören konnte. Zwei Sekunden vergingen und ein
lautes Geräusch von Metall auf Stein erklang: die Tür schob sich auf.
„Danke!“, lächelte sie die Kugel mit einem warmen, doch leicht frechen Grinsen an. Hinter
ihnen schloss sich die Tür sofort. Und sie lief sogleich weiter, darauf achtend, dass der fremde
Mann ihr dicht folgte und keine andere Abzweigung nahm. Während sie ihn durch die große
Holztür des Hauptgebäudes direkt in die riesige Eingangshalle mit der hohen Decke und den
zahlreichen Arkadenreihen leitete, fiel ihr auf, dass es unangenehm still und unbelebt war. Und
sie hatte das Bedürfnis die Stille der hohen, Jahrhunderte alten Wände, hinter denen so viele
Geheimnisse lauerten, zu füllen, denn irgendwie fühlte es sich befremdlich an. Sie wusste noch
immer kaum etwas über ihn, bis auf die Tatsache, dass er hier studierte, an der Uni, an der sie
sich auch hatte bewerben wollen vor dem Guardian. Jeromy führte ihn zahllose Gänge und
Treppen entlang. Ein Labyrinth, in dem sich jeder Fremde verlaufen hätte. Ihre Schritte
klangen laut auf dem polierten Stein, auf dem Generationen vor ihr gegangen waren.
„Wie heißen Sie eigentlich? Wie soll ich Sie vorstellen?“, fragte sie mit gedämpfter Stimme um
dem Hall der leeren Steinflure zu entgehen, als sie vor einer schweren Holztür stehen blieb. Sie
wartete, bis er sich als Ascan vorstellte und klopfte dann mit dem Handrücken gegen die Tür.
Nach wenigen Augenblicken erklang ein: „Herein“ und sie schob die Tür auf, die in Williams
Büro führte.
„Chef, hier ist ein junger Mann Names Ascan, der Dich kennen lernen will!“, meinte Jeromy
mit einem Lächeln und wartete auf ein Nicken, bis sie das Zimmer betrat und Ascan hinter sich
her eintreten ließ. Es war vielleicht sonderbar, dass sie ihren Chef, der so viel älter war als sie,
duzte aber es war von Beginn an nie anders gewesen. Er hatte sie sofort wie eine Tochter
aufgenommen, hatte stundenlang mit ihr geredet, sie getröstet, ihr eine Zuflucht geboten, er
war wie ein Vater zu ihr gewesen. Der Mann Anfang 40 blickte von seiner Arbeit auf und
betrachtete die Ankömmlinge fragend, als wolle er fragen, was der Grund dafür war, dass sie
ihn störten.
Ascan:Während er ihr folgte, umspielte ein erfreutes Grinsen seine Lippen. Wie zu erwarten,
hatte sie nicht im Geringsten trotz der Merkwürdigkeit, die diese Situation stets in den
Verzauberten auslöste, daran gezweifelt, dass es so gewesen war, wie er es ihr vorgespielt hatte.
Nun gut, es kam ihm mit Sicherheit zu Gute, dass sie ohnehin schon Einiges an Interesse für
ihn mitgebracht hatte, sonst wäre es durchaus schwierig gewesen, doch was ihn noch mehr
erstaunt hatte, ja was einen gewissen Teil in ihm sogar traurig machte, war die Art, wie sie
einen Teil von sich verabscheute. Okay, es war nachvollziehbar, dass gerade für so einen
jungen Menschen, wie sie es war, solche Taten mitansehen zu müssen, furchtbar sein musste.
Noch dazu kam, dass man selbst es war, der diese Taten vollbrachte, ohne etwas dagegen
unternehmen zu können. Und doch fand er es traurig, dass sie einen Teil von sich so sehr
hasste, aber so hatte wohl jeder, der in dieser Welt groß wurde, sein eigenes Päckchen mit sich
rumzuschleppen.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, folgte er ihr zu der Hintertür, wo sie mit jemandem, der
auf der anderen Seite saß, scherzte und schließlich Eintritt erhielt, mitsamt ihm. Es war eine
kluge Wahl gewesen sie dazu zu benutzen hier Eintritt zu erhalten. Natürlich hätte er auch
einfach seinen alten „Freund“ William anrufen können, aber es machte doch viel mehr Spaß,
wenn er ihm die Sicherheitsmankos aufzeigen konnte, die seine „Festung“ hatte. Eine der
Lehren, die er schon in jungen Jahren kennen gelernt hatte. Es existiert kein Gebäude, in das
man nicht unbemerkt hineinkommen kann. Man muss nur wissen wie und wann.
Auch weiterhin wortlos schritten sie durch die Gänge des alten Gemäuers, das dennoch jünger
als er selbst war. Wenn er sich hier so umsah, drängten sich ihm einige nostalgische
Erinnerungen an sein altes Zuhause auf. Seine Hochburg, bei der sogar Ascan selbst der
Meinung gewesen war, sie sei uneinnehmbar und nicht infiltrierbar gewesen. Nun die Zeit war
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schon immer der beste Lehrmeister, denn sie hatte ihm Gegenteiliges bewiesen. Natürlich war
auch die Hochburg nicht sein eigentliches Geheimversteck gewesen, so dumm war er nun auch
wieder nicht. Es war seine Residenz und sein Machtlager gewesen, doch seine Geheimen
Forschungen, sein Wissen, so wertvolle Dinge bewahrte man nicht an einem „öffentlich“ oder
anders ausgedrückt „streng geheimen Ort“ auf, von dem jeder, der daran interessiert war,
wusste dass er existiert. So ein Ort wie das Guardian hier. Es war schon fast erstaunlich, dass
William es so lange ohne einen „Überfall“ geschafft hatte. Was jedoch vermutlich eher an der
schützenden Hand des gesamten Sanctuary-Netzwerkes lag, als an seinen Führungsqualitäten.
Schließlich blieben sie vor dem Büro stehen. In eine in Gold eingelassene Plakette, die am
Türrahmen befestigt war, stand in edlen Lettern gut leserlich „William Blakes Büro“. Erst jetzt
fragte sie ihn nach seinem Namen. Er überlegte kurz, ob er ihr seinen vollen Namen sagen
sollte, entschied sich jedoch nur für den Vornamen. Dann nickte sie und klopfte an die Tür, trat
ein und stellte ihn vor. Ein breites Grinsen legte sich auf seine Lippen, als er William sah.
Obwohl er eigentlich hier war um Williams Stelle zu übernehmen, so freute ein Teil sich auch
William wieder zu sehen. William war einer der wenigen Menschen, die Ascan wirklich
mochte. Das hinderte ihn natürlich nicht daran, ihn von seiner Position zu stoßen, allerdings
wusste er, dass William so ein Gutmensch war, das er es ihm vermutlich noch nicht mal übel
nehmen würde und wenn William in einiger Zeit freiwillig den Platz räumen würde, konnte
Ascan auch auf schlimmere Methoden verzichten. Besonders da er Williams Schwachpunkt
kannte, dieser jedoch nicht seinen.
Ascan trat an Jeromy vorbei nickte ihr dankend zu mit breitem Grinsen und sah wieder zu
William. „Hallo William, lange nicht mehr gesehen was?“
Jeromy: Auf einmal veränderte sich das Auftreten des Fremden, wenn er eben noch schüchtern
gewirkt hatte, so trat er nun in seiner selbstsicheren Haltung, die Schultern gerade, an ihr
vorbei und grinste breit. Ihre Augen weiteten sich zunächst in Erstaunen und sie schaute ihn
nur fragend an, doch ihre Augen blieben schließlich an seinem Rücken hängen, an dem
schwarzen Leder, das sich um seiner Schultern spannte. Erst jetzt bemerkte sie wie groß er war.
Seine Erscheinung wirkte nun vollständig anders als noch eben. Die Verunsicherung war wie
weggeblasen, er wirkte fast sogar imposant auf sie mit seiner hohen Statur und dem dunklen
Stoff. Etwas unheimlich wirkte er auf sie, aber nicht unheimlich genug, als dass er sie hätte
einschüchtern können. So ging er also auf William zu und sie hörte Ascan ihren Boss begrüßen.
Zu ihrem Erstaunen begrüßte er ihn per du und die beiden schienen sich zu kennen. Sie schaute
William fragend an, doch dessen Augenbrauen wanderten noch weiter zusammen, als sie es für
gewöhnlich taten und in seinem Kopf schien es zu arbeiten. Dann endlich hellte sich sein
Gesicht auf und er lächelte. Sogleich stand der Mann auf und reichte Ascan über seinen
Schreibtisch hinaus die Hand. Freund stand in seinem Gesicht, als er den jungen Mann ansah.
Jeromy erkannte aber auch Verblüffung darin.
„Ascan? Wie kann das sein? Ich dachte zu seist tot?“, William schüttelte ungläubig den Kopf.
Jeromy trat währenddessen näher heran. Sie wollte das Wiedersehen einerseits nicht stören,
andererseits war sie neugierig auf diesen Mann, der sich als Student ausgegeben hatte. Wie alt
konnte er bitte sein. Er sah nicht viel älter aus als sie selbst. Im Gegenteil, sie hätte ihn sogar
jünger geschätzt. Aber wenn sie sich länger nicht gesehen hatten... wie alt zur Hölle war er.
Demonstrativ trat Jeromy ins Blickfeld der beiden und stemmte die Hände in die Seiten.
„So, ihr beiden kennt euch also?“ Sie funkelte Ascan wütend an, noch bevor dieser William
antworten konnte.
„Und ich dachte du seist Student! Wieso hast du mich getäuscht und nicht gleich gesagt, dass
ihr beiden euch kennt, dann hätte ich...“
William lächelte Jeromy gutmütig an, die einmal mehr gewohnt aufbrausend reagierte. Er
deutete Ascan mit einem freundlichen Nicken und einer einladenden Handgeste in dem großen
Ledersessel vor seinem riesigen Schreibtisch Platz zu nehmen. Dann streckte William seine
Hand nach der verstimmten Jeromy aus, um sie mit dieser Geste näher an sich heran zu
dirigieren. Wie eine brave Tochter folgte sie zu seinem Schreibtisch, während William sich
erhob und Ascan anlächelte.
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„Wie ich sehe, habt ihr bereits Bekanntschaft gemacht?“, ein leicht spöttischer Unterton lag in
seiner Stimme, doch Jeromy verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte böse vor sich
hin. William nah drei saubere Kristallgläser und eine Flasche Whisky hinter einer gläsernen
Tür des hölzernen Schrank hinter seinem Schreibtisch hervor, bevor er wieder Platz nahm und
Ascan kurz und skeptisch betrachtete. Er goss die Flüssigkeit in die Gläser ein und meinte mit
einem Grinsen:
„Gegen die Kälte!“ Er stellte alle Gläser ab, dann kehrte sein Blick zu Ascan zurück.
„Wie ist es dir ergangen nach deinem Tod? Und was führt dich zu uns?“ Der spöttische
Unterton war noch immer nicht aus Williams Stimme gewichen, denn er selbst hatte vor über
180 seinen eigenen Tod ebenfalls inszeniert, da sollte es kein Wunder sein, wenn Tote wieder
auferstanden.
Ascan: Ja, so hatte er den Empfang bei William erwartet. Er hatte sich kaum verändert und war
immer noch der gutgläubige Mann von damals, eben das war ja auch der Grund warum er ihn
so mochte und sogar schätzte. Ein Privileg, das außer ihm nur 5 Menschen hatten.
Wohlgemerkt hatten, denn sowohl Vlad Dracula, als auch seine Schwester, seine Mutter, sein
„Meister“ und, ja auch, wenn der Gedanke daran schmerzte und vermutlich auch etwas
Ähnlichkeit mit der Geschichte von William hatte und er dessen Schwachpunkt nur zu gut
nachvollziehen konnte. Ja auch seine Geliebte, nein Geliebte drückte zu wenig aus. Sie war
mehr gewesen, seine große Liebe, sein Grund zu Leben und sie war es, durch wen er der
geworden war, der er heute war. Auch wenn sie viele seiner Aktionen mit Sicherheit nicht gut
geheißen hätte. Er schüttelte William die Hand und auch sein Händedruck war noch immer der
leichte, freundliche und doch selbstsichere, den er schon immer gehabt hatte. Auf seine Art war
William ein sehr kluger Mann, der zwar sehr nahe am Wahnsinn entlang spazierte und doch ein
Genie. Ascans Lächeln wurde noch breiter als er von seinem vermeintlichen Tod sprach, auch
etwas, das sie beide verband und der ein weiterer Grund warum er das Guardian und nicht
eines der anderen Sanctuary ausgewählt hatte. Was ihn jedoch sehr erstaunte, war dass Jeromy
sich fast schon dazwischen drängte. Er hatte zwar in ihrem Kopf gelesen, dass sie durchaus stur
und eigensinnig war, aber sie schien William näher zu stehen, als er gedacht hatte und genauso
erstaunt war er, dass sie tatsächlich sauer war. Nun wäre er vermutlich auch, wenn man ihn
hinters Licht geführt hätte. Doch William nahm sie sachte beiseite und holte wie in guten alten
Zeiten Whiskey hervor und schenkte ein was ein erfreutes Nicken Ascans zur Folge hatte.
Wenn man bei William zwei Dinge sicher sein konnte, dann waren das, dass man wenn man
Hilfe brauchte, Hilfe fand und dass er Jahrzehnte alten Whiskey anzubieten hatte. Der
Ledersessel war bequem und er ließ sich in aufrechter Statur hinein sinken und kreuzte
entspannt die Beine, während er von William zu Jeromy sah und wieder zu William der noch
Fragen hinzufügte.
„Nun, ich sollte mich wohl erst mal bei Jeromy entschuldigen. Es war nicht mein Wille Dich zu
kränken, ich wollte nur meinem alten Freund hier vor Augen führen das seine Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgefrischt werden müssten, außerdem tut mir die kleine Verhexung
Leid, der ich Dich unterworfen hab. Wenn DU für einen kurzen Moment gestattest, ich werde
nur eben Deine wahre Erinnerung zurückholen, damit Du dich nicht schuldig dafür fühlst mich
mit rein genommen zu haben. Du hattest kaum eine andere Wahl.“
Er warf Jeromy einen entschuldigenden Blick zu und senkte demütig das Haupt, dann schloss
er für einen Moment die Augen und seine Finger zogen Zeichen in der Luft, während er die
Erinnerungen, die er beiseite geschoben hatte, wieder zurück holte und so Jeromy erkennen
ließ, was tatsächlich gewesen war. Dann sah er sie erneut entschuldigend an, lächelte jedoch
William im nächsten Moment bereits wieder an.
„Und das solltest Du wirklich tun William, es war schon fast zu einfach hier als völlig Fremder
Zutritt zu erhalten, was natürlich für deine all zu bekannte Gastfreundschaft spricht. Nun ich
muss dir ja nicht erzählen, was damals vorgefallen ist und da ich ja fast schon weltweit gesucht
wurde, hatte ich mich an einen kleinen Trick eines guten alten Freundes erinnert, der einst
seinen Tod vorgetäuscht hatte um ein neues Leben zu starten.“
Er grinste wissend und nahm einen Schluck von dem Whisky und ließ ihn eine Weile auf der
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Zunge wirken um den Geschmack entfalten zu lassen während er das Whiskeyglas in der Hand
drehte und scheinbar die Farbe des Getränks musterte. Dann setzte er sich auf und stellte beide
Beine wieder auf den Boden.
„Nun William, ich will ehrlich sein. Das mit dem Tod hat mir zwar geholfen meine Verfolger
los zu werden und so weit ich informiert bin, sind die meisten davon mittlerweile
tragischerweise verstorben oder ihre Geldgeber haben die Quellen versiegen lassen, aber
andererseits hat es meinem Einfluss geschadet. Ich habe zwar immer noch vereinzelt Freunde
in hohen Ämtern, aber der Einfluss, den ich einst hatte, wurde um Vielfaches geschmälert.“
Er sah kurz zu Jeromy hinüber. „Im Übrigen habe ich Dich nicht angelogen, ich bin ein
Student, man könnte sogar sagen ein ewiger Student, denn ich studiere schon seit über 550
Jahren.“ Er zwinkerte ihr zu, sah dann jedoch zurück zu William.
„Also warum ich hier bin, ist weil ich Hilfe für einen Neuanfang brauche. Ich möchte meinen
Ruf wieder reinwaschen und meinem Namen wieder die Macht von damals verleihen.“
Wieder nahm er einen Schluck und stellte dann das Glas auf den Tisch und lehnte sich zurück.
„Die guten alten Zeiten, weißt Du noch, als wir eine Zeit lang zu zweit die Bibel studiert
hatten? Deine Frau Catherine hatte uns stets mit Köstlichkeiten versorgt und der Whiskey war
schon damals Deine Spezialität gewesen.“ Er hielt inne und beobachtete für eine Sekunde
Williams Gesicht achtete ob er nicht zu weit gegangen war dann fuhr er fort.
„Damals war ich es noch, der eine Institution über hatte.“ Wieder grinste er. „Tja, die Zeiten
ändern sich, aber wie dem auch sei, hast du vielleicht eine Forschung oder Arbeit am Laufen
bei der meine Fähigkeiten von Hilfe sein könnten? Es wäre mir eine Freude wieder mit dir
zusammen zu arbeiten, zumindest bis ich mich wieder eigenständig mache.“ Sein Lächeln
wurde noch charmanter. „Außerdem hätte ich einige Vorschläge um die Sicherheit hier ein
wenig zu verbessern.“
Jeromy beäugte misstrauisch das Szenario, denn ihre Sinne wollten sich nicht beruhigen, die
Bestie in ihrem Inneren schrie auf und ließ es in ihrem Schädeln schrill klingeln mit dem Klang
von Tausend Sirenen. Auf eines konnte man immer vertrauen, die Instinkte des Tieres irrten
sich nie. So betrachtete sie William, dann diesen Ascan, wie er ihm die Hand schüttelte und
sich betont lässig in den Ledersessel fallen ließ. Sie selbst ging an den Schreibtisch und lehnte
sich daran, sodass sie Williams immer noch im Semiprofil sehen konnte. Ihr Blick lag jedoch
durchdringend auf dem fremden Mann; sie traute ihm keinen Schritt weit, das war
offensichtlich. Allein seine Haltung hatte etwas so Legeres, so Lockeres, dass es sie nahe zu in
den Wahnsinn trieb. Er verhielt sich, als wäre er zu Hause, fühlte sich wohl und dann noch
seine Selbstsicherheit! Sie ließ das Glas stehen und verschränkte erneut die Arme vor der
Brust. Und dann auch noch sein Ausspruch, das war wohl die Höhe, er wollte sie nicht kränken
und dann wechselte er in diese sonderbare Anrede, die ihr bekannt vorkam... so als hätte er sie
schon mal so angeredet... nur wann?
Dann fiel das Wort Verhexung aus seinem Mund! Keine Wahl! Wovon sprach dieser Irre bitte?
Sie betrachtete ihn argwöhnisch, als er die Augen schloss, seine Finger bewegten sich in der
Luft und sie erkannte, dass seine Bewegungen Zeichen bildeten. Ein Zauberer also! Und dann
traf sie der Schlag: Bilder prasselten auf sie ein. Sie, er, draußen im Schnee, sie hatte ihn
angerannt, gefallen, hatte die Phiolen zerbrochen, er wollte hinein, sie hatte sich geweigert,
wollte zurück, wieder diese Zeichen. Wind. Kalt. Und dann sein nächster Satz. Jeromy kniff
die Augen zusammen und schnappte nach Luft, als die Reize auf ihr Gehirn trafen. Sie atmete
zuerst tief durch, bevor sie die Augen öffnete und auf einmal machte es Sinn. Freiwillig hätte
sie ihn nie mit hier her genommen. Er hatte einen Bann gesprochen um sie seinem Willen zu
unterwerfen! Er war in ihrem Kopf gewesen, hatte ihren Namen erfahren und wer weiß sonst
noch was. Er hatte vielleicht Dinge gesehen, die ihn nichts angingen. Er war in ihr Innerstes
eingedrungen. Und dann hatte er sie auch noch für eine Demonstration gebraucht. So ein
arrogantes Arschloch!
Sie fühlte sich nackt, verletzt und wütend! Und die Wut dominierte! Auch seine
entschuldigenden Blick halfen da nichts! Im nächsten Atemzug fuhr er bereits mit seiner
Geschichte fort und Williams kluge Augen folgten ihm. Wie er das Glas an die Lippen führte,
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es in deinen Fingern schwang, als wäre es nichts gewesen. Sie konnte ihn nicht leiden, so viel
stand fest. Einfach die kleinste seiner Bewegungen reizte sie bis aufs Blut. Wie hatte er es
wagen können... ihre Synapsen knallten durch und die Wölfin in ihrem Inneren freute sich
bereits hämisch auf einen Kampf, lechzte danach. Mistkerl! Jeromy ließ sich von der
Kampfeslust des Tieres erfassen und holte aus um dem Fremden eine Ohrfeige zu verpassen für
das, was er getan hatte. Wenn er es einmal tat, wer wusste, wie oft er es dann noch tun könnte.
„Miss Nelson! Sie vergessen sich!“, rügte Williams Stimme sie im ersten Moment, nicht laut
aber ernst. So ernst, dass sie zusammenzuckte, als hätte er sie geschlagen und hielt inne. Allein,
wenn er begann sie zu siezen, verhieß das nichts Gutes. Das tat er sonst, wenn er sauer war. Sie
atmete tief durch und sammelte sich. Es kostete sie einiges an Überwindung die Wut zurück zu
drängen. Mit kalter Mine, als wäre sie der Eisblock selbst, mit dem die Titanic kollidiert war,
strich sie sich das Haar glatt, dann den Wollmantel, den sie noch immer trug, und murmelte:
„Entschuldigung...“
Damit wand sie sich zum Gehen ab. Sie warf einen letzten Blick zu William, während sie
Ascan ignorierte. Doch William deutete ihr mit einer kleinen, kaum sichtbaren Geste an zu
warten. Jeromy seufzte entnervt, verdrehte die Augen und ließ sich unzufrieden in den Sessel
neben Acsan fallen. Ihre Beine schlug sie in Abwehrhaltung über einander, ihr Rücken war
gerade und steif und ihre Mine unberührt, obwohl die Wut dahinter noch immer deutlich zu
spüren war. Sie schaute Ascan nicht an, bis er sich aufsetzte und erneut zu reden begann und
dann plötzlich zu ihm schaute. In dem Moment erwiderte sie seinen Blick und konnte nicht
schnell genug wegschauen und dann richtete er seine Worte an sie, zwinkerte sogar. Und sie
mochte ihn noch immer nicht, aber sie filterte die Informationen heraus: er war über ein halbes
Jahrhundert alt, kannte William, hatte eine ähnliche Organisation gehabt, war nun nach seinem
inszenierten Tod relativ allein und brauchte ein Sprungbrett. Innerlich hoffte sie, dass William
nein sagen würde. Wenn er ja sagte, dann müsste sie ihn vielleicht noch länger ertragen. Und
dann veränderte sich ihr Blick, als er Williams Frau erwähnte. Jeromy hatte nie was davon
gehört, William verlor nie ein Wort und dann sah sie diesen sonderbaren glasigen Ausdruck in
den Augen ihres Chefs, den sie bis heute nicht gesehen hatte. Und dennoch lächelte der Mann
wie es auch dieser Ascan tat. Er ging einmal mehr zu weit. Erneut kam in ihr das Bedürfnis auf
ihm ein zu wischen, aber William würde es nie gutheißen können, wenn sie so cholerisch mit
einem alten Freund verfuhr, ganz egal wie alt er war und wie viel Macht und Lebenserfahrung
er hatte. Der Vampir nickte nur und lächelte, als er aufmerksam Ascans Geschichte zu hörte.
„Sehr aufschlussreich und kurz, wie ich es nicht anders von dir gewohnt bin“, meinte William.
„Nun die Türen des Guardian stehen offen für alle, die Hilfe wollen. Außerdem werde ich
einem alten Freund nie die Hilfe abschlagen, um der alten Zeiten Willen!“ Williams
Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, als er Ascan mit einem rügenden Blick bedachte, so
wie er es bei Jeromy getan hatte. Dieser Blick war eine leise Warnung, die bedeuten sollte: lass
meine Frau aus dem Spiel!
„Ich hätte in der Tat sogar mehrere Ideen, wie Du uns behilflich sein könntest. Zunächst einmal
musst du Jeromy entschuldigen, es ist gerade eine schwierige Zeit für sie. Ansonsten ist sie viel
kontrollierter und ausgeglichener...“ Verdattert und wütend starrte diese William an, wie konnte
er nur noch weiter ihre Geheimnisse ausplappern?! „Sie arbeitet an einem interessanten Projekt
über einen Fluch, wo du ihr einige Hinweise als Zeitzeuge geben könntest.“
„Ich brauche keine Hilfe!“, zischte Jeromy und schaute Ascan mit einem Blick an, der besagte,
er solle sich bloß aus ihrem Projekt raus halten.
„Sei nicht albern“, Williams Stimme klang nun weicher. „Wenn du schon einen Zeitzeugen
hast... Du solltest dir wirklich überlegen, ob du diese Chance verspielen möchtest, außerdem
könntest du noch eine Menge von Ascan lernen, was eine Teil deiner Arbeit angeht“
Sie verdrehte die Augen, sah jedoch nicht wirklich begeistert aus.
„Außerdem hast Du recht, was die Sicherheit betrifft. Wenn Du möchtest, könntest du Henry,
unserem Sicherheitsmann, zur Hand gehen und etwas frischen Wind hier hinein bringen.
Außerdem bist du so lange hier willkommen, wie Du es möchtest. Nur ich bitte Dich, unterlass
es meine Angestellten zu ärgern mit deinen Spielchen. Hast Du überhaupt eine Unterkunft
hier?“
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Ascan nahm nahm gelassen aus den Augenwinkeln wahr, wie Jeromy auf ihn zu trat und wohl
nichts Nettes im Sinn hatte, doch es genügten einige wenig kurze, aber ernste Worte von
William und sie setzte sich zwar widerwillig, aber dennoch folgend auf den Stuhl neben ihm,
nicht ohne ihm jedoch einen bösen Blick zuzuwerfen. Nun das hatte er wohl erstens verdient
und zweitens konnte er es nur zu gut nachvollziehen, dass sie sauer war, um ehrlich zu sein
hatte er dies ja bereits einkalkuliert. Doch seine Aufmerksamkeit konnte nur kurzweilig von
Jeromy gehalten werden und war schnell wieder bei William angelangt, von dem er die
Reaktion erhielt, die er auch wiederum erwartet hatte. Also hatte sich diesbezüglich auch nichts
geändert und seine Frau war ihm immer noch das Heiligste im Universum und zu gleich der
Grund weshalb er kurz vor dem Wahnsinn und dennoch nie den Schritt hinüber getan hatte.
Dann überraschte ihn jedoch Williams erstes Angebot. Was war das für ein Projekt an dem sie
arbeitete? Er hatte zwar Bruchstücke davon mitbekommen, sich aber während er in ihren Geist
eingedrungen war nur auf die konkreten und momentanen Eindrücke konzentriert und somit
alles andere nur gestreift. Ihr Widerwillen, förderte nur sein Interesse daran mit ihr zusammen
zu arbeiten, wobei es wohl eher sie unter seine Fittiche nehmen bedeuten würde. Sie war zu
jung und zu unerfahren um ihm ernsthaft Parole bieten zu können und dennoch freute er sich
schon jetzt auf einige hitzige Wortgefechte mit ihr. Ihre aufbrausende Art würde ihm dabei
natürlich nur noch mehr in die Hände spielen. Er sah kurz zu Jeromy und in seinem Gesicht
waren nur gute Absichten zu erkennen.
„Nun ich verstehe natürlich, wenn Dir nicht nach einer Zusammenarbeit mit mir Zumute ist
und dennoch würde ich mich bereits auf eine gute Zusammenarbeit freuen.“
Wieder hatte er das charmante Lächeln aufgesetzt, mit dem er sie auch schon auf der Straße
bedacht hatte. Dann sah er zurück zu William. „Das mit der Sicherheit sollte kein Problem sein,
einige Bannkreise hier, einige Schutzzonen dort und ein paar magische Fallen sollten das
Ganze hier schon mal wieder um Einiges sicherer machen.“ Er zwinkerte ihm zu und lächelte
zufrieden. „Und natürlich werde ich ab jetzt meine Kräfte von Deinen Mitarbeitern und
natürlich auch von den hier Schutzsuchenden fernhalten.“ Dann stand er schließlich auf nahm
erneut das Glas stellte sich William gegenüber hin und hielt ihm das Glas entgegen.
„Auf gute Zusammenarbeit wie in alten Zeiten, mein Freund.“ Dann trank er auch den
restlichen Whiskey aus und stellte das Glas neben das von William.
„Für meine Unterkunft werd ich schon sorgen, das Geld wird ja - wie aus Twilight bekannt ist
- über die Jahre nicht weniger.“ Er grinste breit und sah William neckend an. „Im Übrigen ein
toller Film, zeigt Vampire mal von ihrer...“ er hielt inne. „Nun ja nennen wir es netteren Seite.
Hast du dir eigentlich auch schon mal überlegt vampirischer Vegetarier zu werden?“ Ascan
grinste spöttisch und mit der Schlussbemerkung wurde eindeutig klar, was er tatsächlich von
diesem Film hielt. „Allerdings um wieder aufs Thema zurück zu kommen, wenn Du mir für
heute Nacht ein Zimmer geben könntest, wäre das recht nett von Dir, denn ich bin direkt vom
Flughafen hier her gekommen und hatte noch keine Möglichkeit mir eine angemessene
Residenz in der Nähe zu besorgen.“
Jeromy: Das konnte doch wohl nicht wahr sein, dieser Fremde brauchte hier nur aufzutauen
und hatte schon alles an sich gerissen. Ihren Forschungsfeld, die Sicherheitskontrollen des
Guardian. Was bildete er sich ein, wer er war? Jesus persönlich? Obwohl er dazu wohl zu viel
Dreck am Stecken hatten! Sie traute ihm nicht im Geringsten über den Weg. Und dann noch
dieser Unterton: Miss Nelson? Waren sie nicht mehr bei dem Du angelangt? Auf eine
Zusammenarbeit mit ihr freuen? Na sicher doch! Wenn er sich freute, dann war sie der Papst
höchst persönlich, oder dann besser doch nicht alles wissen wollen, was im Vatikan vor sich
ging. Sie schaute ihn nur von der Seite an, er lächelte wieder dieses Lächeln, dass jedes
Frauenherz zum schmelzen bringen konnte – zumindest in diesen Seichtromanen. Sie lächelte
mit einem eindeutig gespielten Lächeln zurück.
„Die Freude ist sicherlich nicht meinerseits!“, gab sie erfrischend unfreundlich wider. Sollte er
sich doch bloß um seine Bannkreise und Zauber kümmern, aber ihre Aufgabe blieb ihr, sie
steckte so viel Herzblut hinein, da würde sie es nicht an den Erstbesten abgeben. Vor allem
niemand könnte wohl so viel Herzblut hineinstecken, wie sie es tat und er schon gar nicht.
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Nach seinem Vorschlag betrachtete sie ihn, wie er mit William mehr oder weniger auf alte und
neue Zeiten anstieß, dann folgte sein unsinniger Monolog über Twilight und sie verdrehte
entnervt die Augen woraufhin William nur grinste.
„Vegetarisch war nie meine Leidenschaft, dazu gibt es genügend Menschen, die ihr Blut
freiwillig spenden auf die ein - oder andere Art. Sicher kannst Du eine Unterkunft haben, so
lange wie Du sie brauchst! Jeromy wird Dich zu deinem Zimmer bringen. Zu einem der guten
Zimmer!“, fügte er mit einem Grinsen hinzu und reichte Jeromy die Schlüssel. Jeromy nahm
ihn entgegen und verdrehte erneut die Augen.
„Damit das klar ist, mein Projekt bleibt mein Projekt!Hilfe ist das eine, aber es bleibt meines!“
Zuerst funkelte sie William an und dann unmissverständlich Ascan.
„Schön!“, lächelte William „Jeromy könntest du unserem Gast alles hier zeigen?“ Es war keine
Bitte, sondern viel mehr ein Befehl. Jeromy gab einen unterschwelliges Knurren von sich und
schlenderte in Richtung der Tür.
„Damit wäre es wohl geklärt, nicht? Ascan, falls etwas sein sollte kannst Du Dich jederzeit an
mich wenden oder an einen der Mitarbeiter. Du bist hier jeder Zeit willkommen!“
Na, wenn William sich da mal nicht zu viel vornahm. Sie schätzte diesen Ascan völlig anders
ein.
„Komm mit!“, raunte sie in seine Richtung und stapfte aus dem Büro. Ihr war es gleich, ob er
folgte oder nicht, er musste ja schließlich zu seinem Zimmer und er hielt sie davon ab nach
Hause zu kommen...
Ascan: Sein Lächeln blieb charmant auch auf ihr Entgegnung hin. Er beobachtete wie auch
William austrank und schließlich sich ebenfalls erhob. Eines der schönen Zimmern also? Na da
konnte man ja mal gespannt sein. Vielleicht gefiel es ihm hier ja glatt so gut, dass er es sich
eine Weile gemütlich machte. Zumindest für die nächsten paar Tage. Das Projekt, an dem
Jeromy arbeitete, interessierte ihn immer mehr, doch zügelte er vorerst seine Neugier. Er würde
sich nicht die Blöße geben, jetzt vor ihr einzugestehen, dass er tatsächlich Interesse daran hatte.
Auch hielt sich Jeromys Begeisterung darüber in Grenzen ihn auf sein Zimmer zu bringen, was
ihn allerdings nicht sonderlich störte. Er nickte William noch mal dankend zu und folgte
schließlich Jeromy die bereits vorging und nicht die Anstalten machte, als ob sie auf ihn warten
würde. Er ließ sich von Jeromy durchs Gebäude führen durch mehrere Gänge und größere
Räume, bis hin zu einem altertümlichen Lift der gut in das Gebäude passte.
„Hmm so einen habe ich damals vergeblich gesucht.“, merkte Ascan an, während sie einstiegen
und Jeromy auf Dachgeschoss drückte.
Jeromy: Das war einfach unglaublich. Diesen Mann konnte nichts aus der Ruhe bringen, ganz
gleich wie feindselig und unfreundlich sie war, er bleib charmant und freundlich! Sie achtete
gar nicht auf seine Reaktion und lief voraus. Aber die leisen Schritte verrieten ihr, dass er folgt.
Williams Büro war relativ weit oben ebenso wie die renovierten Quartiere. Allerdings waren
die bewohnbarsten und eher einladenden oben, wo William meist nur hohen Besuch
übernachten ließ. Sie lief einige Gänge entlang, bog zweimal links ab und wusste, dass er ihr
noch immer folgte. Dann war da ein kleiner Fahrstuhl. Sie drückte auf einen großen
Metallknopf und die Sicherheitstüren fuhren auseinander, dahinter waren ein zweites Paar
Türen, dass sie durch die Betätigung eines schmalen Hebels öffnete. Sie ging voraus und betrat
den viel zu kleinen Raum. Ascan trat hinter ihr hinein und füllte den verbleibenden Raum mit
seinem Körper aus. Es war ihr eindeutig viel zu unheimlich allein mit dem Fremden in einem
so kleinen Raum zu sein. So einen hatte er gesucht? Sie schaute Ascan erstaunt an. Als sich die
Türen in seinem Rücken schlossen.
„Na, ich kann mir Schöneres vorstellen!“
Zum Beispiel eine große geräumige Villa mit breiten Treppen und keine uralten Fahrstühle.
Jeromy blickte zu Boden, aber in dem Raum war so wenig Platz, dass sie nicht umhin konnte
seine Schuhe anzustarren. Ihr Blick glitt an seinen Beinen langsam hoch, über seinen
Oberkörper zu seinem Gesicht und bleib an seinen Augen hängen, die so dunkel waren in
schummrigen Licht und dennoch waren sie nicht braun, sondern hatten einen sonderbaren Ton.
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Rötlich? Erstaunt schaute sie ihn an und alle Verdrießlichkeit wich aus ihrem Gesicht, während
sie seine Augen eingehend musterte. Dann wich sie jedoch zurück und drängte sich an die
Wand, schaute weg, als wäre nichts gewesen. Sie fühlte sich auf einmal wieder nackt vor ihm
und war erleichtert, als das Ruckeln verkündete, dass sie oben angelangt waren. Jeromy schob
sich an Acsan vorbei und drückte die Tür auf. Die Gänge sahen nicht viel anders aus als unten:
alter Stein, kühl. Ihre Schritte hallten von den Wänden wider. Sie ging eng an der Wand
entlang, ihre Finger strichen über den kalten Stein, suchten Halt. In ihren Gedanken kreiste es,
die Luft drückte klamm und feucht. Und dann verschwamm alles vor ihren Augen. Jeromy
taumelte und hielt sich im letzten Augenblick an der Wand fest, lehnte sich dagegen und sank
mit geschlossenen Augen zu Boden. Alles drehte sich um sie. Sie atmete tief durch und
versuchte sich wieder zu beruhigen.
Ascan: Der Aufzug war von innen kleiner, als er von außen gewirkt hatte und selbst zu zweit
war man gewzungen die „Sie“.Entfernung aufzugeben und in den jeweiligen Nähebereich des
Anderen einzudringen. Obwohl es ihn nicht unbedingt störte, dass sie ihm so nahe war, so war
es doch schon länger her, seit er das letzte mal jemanden so nahe an sich heran gelassen hatte.
Die Letzten zwei Jahrzehnte hatte er nahezu allein gelebt, von den wöchentlichen Einkäufen
mal abgesehen, hatte er kaum Kontakt gehabt und sich nur in seine Studien vertieft. Doch
weitaus unangenehmer schien es für Jeromy zu sein, die sich nahezu fluchtartig gegen die
Hinterwand drängte und ihren Blick auf den Boden senkte. Doch dort blieb er nicht lange. Sie
begann ihn zu mustern, was er bereits den ganzen Weg, den sie hierher zurückgelegt hatten,
getan hatte. Sie war eine attraktive, wenn auch sehr überarbeitet und erschöpfte Frau, wie er
feststellen musste und irgendetwas an ihr war seltsam und rief immer wieder Bilder aus lang
vergangener Zeit in ihm hoch. Auch wenn er nicht annähernd verstand was genau es war. Klar
sie war sehr hellhäutig, hatte sehr hellblaue Augen und ihr Haar ähnlich wie es Silenya meist
gehabt hatte, aber er hatte schon des öfteren Frauen getroffen, bei denen dies der Fall gewesen
war und nie hatte eine von jenen bei ihm Erinnerungen hervorgerufen. Vor allem da es sich hier
um Erinnerungen handelte, die zum Selbstschutz weit abseits geschoben worden waren.
Ihr Blick kreuzte sich mit dem seinen und er erwiderte ihn. Ließ ihre kristallblauen Augen auf
sich wirken und versuchte aus ihnen zu lesen. Ja er konnte, wenn er wollte, in ihren Geist
eindringen und er würde dort mit Sicherheit Vieles erfahren, doch erstens hatte er bereits
William sein Wort gegeben nicht gegen seine Mitarbeiter seine Zauber einzusetzen und
zweitens, war ein Blick oft mehr wert als 1000 Worte, wie auch das Sprichwort es so schön
sagte. Doch wie auch ihr Körper, an die Rückwand gedrückt, „Schutz“ vor ihm suchte, so
schweifte auch ihr Blick nach Kurzem eilig weiter, so als hätte sie Angst, dass er tatsächlich in
ihren Augen lesen könnte. Dann war da das Rappeln des Aufzugs, gefolgt von dem seltsamen
Gefühl des Magen Aushebens, so wie man es auch bei einer Achterbahn fühlte kurz nach dem
man mit hoher Geschwindigkeit nach oben Gefahren war. Die Türen hatten sich noch kaum
geöffnet, da drängte sie sich auch schon an ihm vorbei und bereits da fand er ihre Bewegungen
seltsam. Sie wirkte von einen Moment auf den anderen so unsicher. Sie ging nahe an der Wand
entlang und Ascan folgte ihr knapp auf. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Bei einem der
Zimmer blieb sie stehen und krampfte sich erst zusammen, suchte dann an der Mauer Halt und
sank dagegen. Wie automatisch reagierte Ascan und sein Arm hielt sie fest noch bevor sie
endgültig zu Boden gesunken war. Ein kurzer Blick in ihr Gesicht zeigte, dass sie bereits
bewusstlos war und seine zweite Hand schlang sich unter ihre Beine und hob sie kurzer Hand
hoch. Mit ein paar kurzen Worten öffnete er die Tür ohne Schlüssel und ohne die Klinke zu
betätigen. Noch während er sie hinein, trug spürte er bereits wie sie wieder zu sich kam und er
legte sie am Bett ab.
Ihm war klar, dass obwohl er es gut meinte, sie keineswegs begeistert hiervon sein würde.
Vermutlich würde es sie schon alleine reizen, dass sie Schwäche vor ihm gezeigt hatte und vor
allem, dass er ihr geholfen hatte, aber das störte ihn nicht im Geringsten. Sie kam langsam zu
sich und doch merkte man an dem glasigen Blick, den sie immer wieder nur kurz tat, dass sie
noch nicht wirklich da war und sich bei ihr alles drehte. Er legte seine Hand auf die Fläche
zwischen Schulter und Brust und schloss die Augen. Fühlte wie ihr Blut durch den Körper
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pulsierte. Langsam, und nur mit schwachem Druck. Doch das allein war es nicht das ihn
erstaunte. Sie war vollgepumpt mit einem Medikament und das war die Hauptursache. Er
konnte nahezu ihren Körper dem Mittel entgegenarbeiten spüren. Er fühlte, wie sie wieder ein
wenig mehr zu sich kam und auch wenn er sie sich damit nun vielleicht endgültig zum Feind
machte, so konnte er das nicht mitansehen. Das Mittel war schlimmer als viele Drogen. Es griff
ihren ganzen Körper an und nur ihrem überaus starken Immunsystem war es überhaupt zu
verdanken, dass sie noch keine größeren Schädigungen davon getragen hatte. Er konzentrierte
sich und seine Stirn zog sich in falten. Er ließ ihr Blut schneller durch den Körper fließen.
Dann strich seine Hand ihren Arm entlang hinab zu ihrer Hand, wo sie für einen Moment
liegen blieb und auf der ihren gegen gleich lag. Dann bildete sich ein Sekret zwischen seiner
und der ihren Hand. Er konnte spüren wie mit der Droge auch die Schwächung ihres Körpers
schwand. Er kam nicht umhin ihre bemerkenswerte Selbstheilung anzuerkennen. Er zog auch
noch die letzten Fragmente des „Medikaments“ aus ihrem Körper und mit einem Platschen
landete es als seltsam creme-gelbe bis farblose Flüssigkeit am Boden. Ascan atmete kurz tief
ein. Blutmagie war die letzte, die er erlernt hatte und er musste sich bis heute noch
einigermaßen anstrengen um sie kontrollieren zu können. Hingegen waren Chaosmagie,
Nekromantie oder solche Zaubertricks, wie das Türen öffnen, mittlerweile zu Alltäglichem
übergegangen und funktionierten genau so, als wenn er es von Hand tun würde.
Er trat einen Schritt von Jeromy zurück, nachdem er sich noch einmal kurz davon überzeugt
hatte, dass auch der letzte Rest herausgefiltert war und beobachtete wie sie nun sehr schnell
wieder zu sich kam und ihr Gesicht einen leicht rötlichen Ton annahm, aufgrund der nun viel
besseren Durchblutung, nach dem das hemmende Mittel entfernt worden war.
Jeromy: Vor ihren Augen wurde alles schwarz und ihre Gedanken drifteten ab. Sie konnte sie
nicht mehr aufmachen, alles drehte sich um sich selbst. Dann spürte sie durch die Dunkelheit
hindurch wie sich Arme um sie legten und der Boden unter ihren Füßen schwand, doch das
Drehen hörte nicht auf, instinktiv klammerte sie sich Halt suchend an jemanden und lehnte
ihren Kopf gegen etwas Warmes. Sie wusste nicht wie die Tür aufgegangen war, denn der
Schlüssel hing noch immer schlaff in ihrer Hand. Sie ließ sich fallen und alles mit sich
geschehen um sich zu wehren blieb keine Kraft. Wie ein leblose Puppe wurde sie zum Bett
getragen und sachte abgelegt. Langsam öffnete sie die Augen und blinzelte. Verschwommen
sah sie die Welt und ein roter Schleier legte sich über ihre Sicht, dabei war erst morgen die
erste Nacht vor Vollmond. Ihre Verwandlung sollte erst morgen stattfinden oder auch nicht. Sie
sah in sein hübsches Gesicht, konnte aber nicht wirklich realisieren, dass es Ascan war. Ihre
Augenlider flimmerten. Seine warme Hand legte sich über ihre Brust und blieb dort liegen. Das
Gefühl war erstaunlich angenehm, ihr Verstand klammerte sich an diese eine Wahrnehmung
und brachte sie langsam zurück. Jeromy schlug die Augen auf, ihr Blick war noch immer trüb
und dennoch erkannte sie deutlich die Konturen seines Gesichts, seine Augenbrauen standen
tief und seine sonst glatte Stirn war in Falten. Gerade als sie sich auf seine Augen
konzentrieren konnte, wurde alles wieder verschwommen. Sie fühlte wie ihr Herz schneller
gegen ihre Brust schlug und das Blut immer schneller pumpte. Ihr wurde heiß und auch ihre
Atmung wurde schneller und dann war seine Hand wieder weiter geglitten. Der leichte Druck
seiner Finger war bei ihrem Arm und glitt hinab zu ihrer Hand. Unwillkürlich drückte sie ihre
Hand dagegen und verschränkte ihre Finger mit den seinen. Langsam aber sicher wurde ihr
Bild klarer, doch der rote Film wurde immer deutlicher, überlagerte alle Farben. Die Müdigkeit
und Schwere wich aus ihrem Körper und dann fühlte sie etwas Feuchtes an ihrer Handfläche.
Ihre Herz raste, ihre Sinne nahem alles wahr. Sie sah sein angestrengtes Gesicht mit den roten
Augen, sie konnte ihn riechen, konnte seine Wärme spüren. Seine Hand an ihrer. In ihrem
Inneren wurde das Tier stärker und drängte sie voran. Die Unruhe kehrte zurück. Es wollte
jagen, töten, Blut schmecken. Das Serum wich und sofort war die Stärke in ihre Glieder zurück
gekehrt, sie spannten sich an, bereit sich in Bewegung zu setzten, zum Zerreißen gespannt. Sie
konnte die kurz bevor stehende Verwandlung fühlen. Dann hörte sie das leise platschende
Geräusch als die Flüssigkeit auf den Boden traf. Ihr Herz konnte sich nicht beruhigen, die Luft
entwich durch ihre geöffneten Lippen, ihr Gesicht glühte. Sie wollte jagen, wollte ihn jagen.
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Obwohl er von ihr zurück getreten war, war Ascan noch immer in ihrer Reichweite. Mit einem
Ruck war sie auf den Beinen und hatte seinen Arm umfasst. Sie stand dicht vor ihm, so dicht
und hielt ihn fest, ihre Finger krallen sich in seinen Mantel. Ihre Stimme war ein leises
bedrohliches und zugleich gereiztes Knurren als sie so dicht vor ihm stand.
„Warum hast du das gemacht?“, der Klang ihrer Stimme war vorwurfsvoll und dankbar zu
gleich. „Weißt du, was du angerichtet hast?“ Sie sah die Müdigkeit in seinem Gesicht, die
Anstrengung, die er aufgebracht hatte. Ein leises Seufzen entwand sich ihr, als sie seine Hände
betrachtete, die sie oberhalb ihres Herzens gefühlt hatte, die ihre Hand berührt hatte. Sie wollte
wissen wie sich diese Hand auf ihre Haut anfühlte, wie sich seine Lippen auf ihren anfühlten.
Wollte ihn jagen, wollte gejagt werden, wollte nackt mit ihm ringen, die Hitze spüren und ihn
außer Atem unter sich sehen, fühlen. Ihre Augen blicken in seine, diese mal ohne Scheu und
ohne Unbehagen. Es war eine pure Herausforderung. Aber das war nicht sie. Nicht sie selbst.
Es war seine Schuld. Er hatte den Wolf aus seinem Gefängnis befreit und er tobte nun. Sie
schüttelte den Kopf und atmete tief durch, als sie versuchte diesen Teil zurück zu drängen.
„Das hättest du nicht tun sollen und wenn du ein Dankeschön erwartest, dann kannst du lange
darauf warten.“ Ihre Gefühle schlugen um von Lust zu Wut und wieder zu Trauer.
„Wahnsinnig bist du und machst meine Anstrengungen zu Nichte!“ Mit einem Mal sah sie
erschrocken aus. Sie hatte Angst vor dem, was kommen würde. Panik kroch in ihr hoch. Sie
wollte diese Verwandlung nicht durchmachen. Nicht wieder.
Ascan: Obwohl er die direkte Verbindung zu ihr gekappt hatte, indem er von ihr weggetreten
war, konnte er noch immer ihren Herzschlag spüren. Konnte fühlen wie das Blut in ihrem
Kreislauf immer schneller pumpte und er bemerkte auch die Veränderung ihres Blutes die von
statten ging. Er konnte die Enzyme förmlich vor seinem Inneren Auge erkennen. Sein Interesse
wurde geweckt. Er konzentrierte sich wieder mehr. Jetzt ergab es Sinn. Die Stoffe, die sie
genommen hatte, unterbanden ihre Verwandlung, die nun begann, da morgen der Vollmond
bevorstand. Er versuchte zu erkennen, welche Auswirkung diese Enzyme hatten, doch das
überstieg seine Kompetenzen im Moment. Er wusste nur, dass ihr Blutdruck noch um einiges
weiter stieg und damit wohl auch ihr Muskeltonus, was sie um einiges stärker machen musste,
als sie normalerweise war. Für einen kurzen Moment kam ihm in den Sinn, dass das
Mondwandlervirus ursprünglich nicht viel anderes mit dem Körper tat, als ihn in eine
Extremsituation zu versetzen. Der Körper war noch so unerforscht, wie das Meiste auf dieser
Welt. Doch es war erwiesen, dass der Körper in Extremsituationen Dinge leisten konnte, die
rein nach den physikalischen Gesetzen gar nicht möglich sein dürften und doch vermochten es
gebrechliche alte Männer ein Auto anzuheben, weil der Enkel darunter eingeklemmt ist.
Er lächelte in sich hinein. Wissen ist wahrlich Macht, doch ab und zu ist sie der größte Feind
der ursprünglichen Kraft. Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche bei 1,2 Gramm Gewicht. Nach
den bekannten Gesetzen der Aerodynamik und der Flugtechnik ist es unmöglich, bei diesem
Verhältnis von Größe, Gewicht und Körperform zur Flügelspannweite zu fliegen! Doch die
Hummel verschwendet wohl keinen Gedanken daran und fliegt allen Gesetzen und allem
Wissen zum trotz. Dann bemerkte er wie sie erwachte. Schnell, jetzt da das Mittel aus ihrem
Körper gewichen war konnte er fühlen, wie die Enzyme sie nur noch mehr und mehr stärkten.
Er öffnete die Augen und sah sie erneut an. Eben war sie noch zu schwach gewesen um die
Augen zu öffnen und nun sprang sie förmlich aus dem Bett auf. Sie griff seinen Arm und
krallte sich hinein, doch es fühlte sich bei Weitem nicht unangenehm an und er staunte darüber
wie zart sich ihre Hände anfühlten. Doch dann konzentrierte er sich wieder auf Jeromy, die ihm
in Gesicht sagte was er ohnehin schon gewusst hatte. Es war ihm von vorneherein klar
gewesen, dass sie nicht positiv auf ihn reagieren würde, doch das störte ihn nicht im
Geringsten. Es störte ihn nicht, wenn man seine Beweggründe in Frage stellte, in seine fast 600
Jahren hatte er es abgelegt zu viel Wert auf die Meinung anderer zu legen, was seine eigenen
Entscheidungen betraf. Denn der beste Lehrmeister neben der Zeit ist immer noch der Fehler
und wenn man sich selbst einer Entscheidung sicher ist, dann sollte man diese auch tun, selbst
wenn sie falsch ist, denn sonst wird man sich sein Leben lang fragen, ob man nicht vielleicht
doch recht hatte. Doch dann veränderte sich ihr Ausdruck. Sie sah nicht wütend aus. Sie hatte
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Angst.
„Ich erwarte kein Dankeschön von dir und ich erwarte auch nicht das du mich verstehst.“
Sein Gesicht war ernst und zum ersten mal konnte man erkennen, dass dies wirklich er war.
Kein aufgesetztes Gesicht kein vorgespieltes sein. Auch wenn er all seine anderen Rollen
perfekt spielte so waren sie doch nur Rollen.
„Ich habe es getan, weil ich es für falsch halte, wenn sich eine junge attraktive und
vielversprechende Frau - und das musst du sein, sonst hätte William dich nicht unter seine
Fittiche genommen - mittels Drogen zerstört. Ich sehe dir an, dass du Angst vor dem hast, was
dich Morgen erwartet und vermutlich wirst du dich wieder mit diesem Zeug vollpumpen. Es
stört mich im Übrigen auch nicht, wenn du mich nicht leiden kannst oder dafür hasst.“ Seine
roten Augen sahen tief in die ihren.
„Doch wenn du diesen Teil von dir wirklich kontrollieren willst, dann solltest du es lernen und
nicht einen Teil von dir vergiften, nur um ihn zu schwächen. Ob du es willst oder nicht ist es
Teil von dir.“ Damit entließ er sie aus seinem Blick und zog seinen Ledermantel aus. „Falls du
dich gegen die Medikamente entscheiden solltest, gibt es noch andere Möglichkeiten.“ Er warf
den Ledermantel über einen couchartigen Sessel. Dann sah er wieder zu ihr.
„Wenn nicht, danke ich fürs Zeigen des Zimmers.“ Er bückte sich kurz und hob den Schlüssel
auf, den sie hatte fallen lassen.
Jeromy: Doch was dann kam, darauf war sie nicht gefasst. Er erwiderte ihren Blick mit einer
Standhaftigkeit, die erstaunlich war, sodass sie ihn schließlich los ließ und ein Paar Schritte
zurück tat. Seine Augen bohrten sich bis in ihr Inneres. Sie wusste, dass er nicht in ihr las oder
sich verstellte. Für einen Augenblick war er es, der vor ihr stand und keine Rolle. Und seine
Worte brachten sie noch mehr aus der Fassung. Auf der einen Seite erlaubte er sich ihr Handeln
als falsch zu beurteilen, auf der anderen fielen aber auch die Worte „attraktiv“ und
„vielversprechend“ und das im Zusammenhang mit ihr. Sie war verwirrt, ob sie es nun als
Beleidigung auffassen sollte oder als Kompliment. Jeromy stand einfach nur da und schaute
ihn verdutzt an. Blinzelte irritiert. Doch dann fand sie sich wieder und die Wut kehrte zurück!
„Ich zerstöre mich nicht! Ich suche nach einem Ausweg, nach einer Möglichkeit es zu
kontrollieren. Du hast gar keine Ahnung wie es ist mit einem Monster in seinem Inneren zu
leben und es ständig kontrollieren zu müssen, damit es keinen Schaden anrichtet!“, ihr Ton war
eindeutig wütend, aber nicht laut, sondern gespannt und tief.
„Es wird niemals ein Teil von mir sein. Ich will es nur los werden!“, sprudelte es aus ihr
heraus, obwohl sie nicht wusste, was sie überhaupt dazu veranlasste. Ihr Blick bohrte sich in
seinen Rücken, während er lässig seinen Mantel von den Schultern streifte und ihn ebenso
lässig auf den Sessel warf. Er sah gut aus. Sie wollte ihre Hände in dem schwarzen Haar
vergraben. Er war groß und schlank, gut gebaut, sportlich. Umwerfend. Und dafür hasste sie
ihn. Es war einfach unfair, wenn es jemand so einfach im Leben hatte damit weiterzukommen.
Und dennoch wollte ein Teil von ihr ihm dieses Shirt ausziehen um zu sehen, ob sein Körper
darunter ebenso sehnig und gut gebaut war. Ihr Körper schien sich gar nicht mehr beruhigen zu
wollen. Ihr Herz pumpte unablässig weiter. Ihr Körper glühte. Scheiße! Und sie machte kein
Geheimnis daraus, dass ein Teil von ihr ihn mehr als nur gut leiden konnte. Dieser Teil wollte
ihn mit einer unglaublichen Verzweiflung und Rohheit. Sie hasste ihn!
Geh! Geh! Geh! Sie sollte schleunigst gehen! Nach Hause mit dem Serum und stattdessen war
ihre Stimme leise und vorsichtig, als sie neugierig fragte: „Was für Möglichkeiten?“
Ascan: Für einen Moment schienen sie seine Worte aus der Fassung gebracht zu haben. Sie zu
irritieren und zu überraschen und für einen weiteren Moment dachte er sogar, zu weit gegangen
zu sein. Er hatte erwartet auf eine schroffe Erwiderung zu treffen und für kurz sah es so aus, als
würde sie einfach resignieren. Das wäre etwas gewesen, womit er nicht gerechnet hätte und
was sein Bild über sie sehr stark verändert hätte. Doch es dauerte nur einen weiteren Moment,
bis kam worauf er gewartet hatte. Wo sie seinem Blick ausgewichen, war kehrte er zu seinen
Augen zurück und standhaft und mit Wut ließ sie aus sich heraus, was sie bedrückte. Er war
kein Psychologe, kein Seelenklempner und er würde sie nicht einfach reden lassen, ihr nicht
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einfach zu hören. Nachdem der Mantel auf dem Futon gelandet war, kehrte sein Blick
schließlich zu ihr zurück. Sein Blick war für einen Moment traurig. Er ließ Erinnerungen zu,
die er nicht haben wollte, nicht jetzt und nicht vor anderen. Sie waren sein persönliches
Vermächtnis. Sie hatten ihn zu dem gemacht, der er war und diese Erinnerungen teilte er mit
niemandem. Aus diesem Grund legte sich wieder das charmante Lächeln auf sein Gesicht, auch
wenn in seinen Augen ein gefährliches aufblitzen zu sehen.
„Du nimmst Dir also heraus, die Einzige zu sein, die weiß wie es ist eine dunkle Seite zu
haben? Die Einzige zu sein, die weiß welche Qualen man durchlebt, wenn man sieht wie
seinetwegen Menschen sterben, die einem nahe stehen? Wenn man die Kontrolle verliert?“ Er
kam näher auf sie zu und obwohl er lächelte, war sein Auftreten schon allein durch seine
größere Statur bedrohlich. Wieder schwand das Lächeln aus seinem Gesicht und er war ernst.
„Ich weiß nicht, wie du dazu kamst, aber demnach, dass du es so hasst, wirst du es vermutlich
nicht freiwillig gewählt haben diesen Weg einzuschlagen und glaube mir diese eine Tatsache ist
ein Segen, den du erst in vielen Jahren verstehen wirst.“ Er stand nun sehr nahe vor ihr, so nahe
dass es ihr kaum möglich war sich seinem Blick zu entziehen und das er ihren Geruch
wahrnehmen konnte.
„Die Entscheidung ist das, was uns schlecht oder gut macht und du hast dich dazu entschieden
nicht zu töten, dem „Fluch“ nicht nach zu geben.“ Mit diesen Worten legte er langsam und
doch ohne Vorwarnung die Hand in ihren Nacken und schloss die Augen. Er konnte ganz
deutlich die Arterie gegen seine Hand pulsieren spüren. Es war nicht verwunderlich, dass
Vampire hauptsächlich diese Stelle wählten um ihre Zähne in ihre Opfer zu schlagen. Jedes
Raubtier wusste um die Verletzlichkeit dieser Stelle. Sie war so nah am Zentrum das jede
Verletzung fast automatisch den Tod bedeutete. Er konzentrierte sich erneut auf ihr Blut. Es
ging bereits viel einfacher durch die lange Zeit, die er nun bereits mit ihr „verbunden“ war. Das
Schwierigste war stets die Verbindung herzustellen. Vor allem, wenn man dies ohne das
wirkliche Blut des Klienten tat. Doch auch so klappte, was er wollte, recht gut. Er isolierte die
Enzyme, versuchte heraus zu finden, wo sie produziert wurden, was ihm jedoch in so kurzer
Zeit nicht gelang und dennoch konnte er fühlen, wie sich ihr Puls wieder beruhigte, ihre
Atmung langsamer und entspannter wurde und mit dem Enzym auch der starke Muskeltonus
zurückging. Er hatte etwas Neues entdeckt, womit er nicht gerechnet hatte. Er hatte noch nie
die Möglichkeit gehabt das Blut eines Mondwandlers zu betrachten und es war erstaunlich das
der Hauptteil der Verwandlung sich tatsächlich auf das Blut zu beschränken schien. Was
Geschichten über kleine Mädchen erklären konnte, die Werwölfe kontrollierte. Es gab der
Legende nach Frauen, die mit dem Gen der Blutmagie geboren wurde. Sie beherrschten sie wie
andere das Atmen, ohne es je zu lernen. Sie mussten sich nicht konzentrieren und benötigten
weder Wort noch Geste um sie zu beherrschen. Solchen Kindern müsste es mit Leichtigkeit
möglich sein Mondwandlern ihre Werwolfsgestalt aufzuzwingen und ebenso leicht dies zu
kontrollieren wie Marionetten.Schließlich ließ er seine Hand wieder sinken und öffnete die
Augen. Indem er die Verbindung wieder löste wurden auch die Enzyme wieder frei produziert
und nahm wieder überhand. Sein Blick war ernst und auch das lächeln obwohl noch immer
vorhanden war nur halb.
„Andere haben selbst gewählt zum Monster zu werden und ihre Strafe ist es, dass sie niemals
Erlösung finden werden.“ Dann trat er einen Schritt von ihr zurück ließ ihr wieder Freiraum.
Jeromy zuckte zusammen, als sich sein Gesicht so veränderte, sein Lächeln wirkte Angst
einflößend. Ein Schauer rann über ihren Rücken. Seine Augen wirkten so kalt, bedrohlich.
Unwillkürlich wich sie noch zwei Schritte vor ihm in Richtung Tür zurück. Doch er kam auf
sie, bis er dicht vor ihr stand. Jeromy hielt die Luft an und schaute ihn nur an. Die Worte, die
dann folgten, saßen richtig. Natürlich war es dumm! Sie war nicht die Einzige, der es so ging.
Aber für einen selbst wog das eigene Päckchen am schwersten. Die eigen Probleme
überschatteten alles. Und dann wich das Lächeln. Er wirkte wirklich mächtig in diesem
Augenblick, wirkte erfahren und gefährlich. Sie konnte nicht umhin als ihn anzuschauen und
direkt in seine Augen zu sehen, die wirklich rot waren. Aber in einem irrte er sich, für sie
würde sich dieser Fluch nicht als Segen heraus stellen. Er war so dicht vor ihr, dass sie ihn
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hätte berühren können. Doch dann streckte sich seine Hand nach ihr aus und legte sich in ihren
Nacken, erneut zuckte sie zusammen und wollte flüchten, aber die Hand hielt sie zurück. Der
warme leichte Druck seiner Finger war nahezu angenehm auf ihrer Haut. Sie konnte ihr
eigenes Blut gegen seine Handfläche klopfen fühlen. Drückte jedoch leicht ihren Hals an seine
Hand und lehnte den Kopf leicht zurück, entblößte eine der verletzlichsten Stellen ihres
Körpers. Sie hatte keine Angst vor ihm und das zeigte sie ihm deutlich. Nur weil er Macht hatte
und ein - wahrscheinlich – Magier war, hieß das noch lange nicht, dass sie anders mit ihm
umspringen würde als mit irgendwem sonst. Was sie jedoch erstaunte, war dass er seine Augen
schloss. Und dann geschah etwas. Der rote Schleier verschwand und auch das Klopfen ihres
Herzen an seiner Haut war nicht länger spürbar. Ihr Atem ging langsamer und die Anspannung
wich, ihr Körper fühlte sich schwerelos an und auch von dem Wolf war kein Ton zu hören. Sie
tat es ihm gleich und schloss die Augen, hörte in sich hinein. Da war nur Stille, so wie sie vor
Jahren dagewesen war.
Zu schnell ließen seine Finger von ihr ab, die Wärme wich und langsam kehrte die Anspannung
zurück, die Wut, das Toben. Verzweifelt versuchte Jeromy sich an dieser Stille festzuklammern,
doch es gelang ihr nicht. Sie schnappte nach Luft in dem Moment, als sie das volle Ausmaß zu
spüren bekam und öffnete die Augen und sah in seine. Die rote Farbe war nicht da, die Farben
wirkten normal und sie schaute in seine Augen. Er lächelte ernst. Und vielleicht auch etwas
traurig. Dieses mal wich sie nicht zurück. Selbst nachdem er es gesagt hatte, hallte der Satz
noch lange in ihren Gedanken nach: Andere haben selbst gewählt zum Monster zu werden und
ihre Strafe ist es das sie niemals Erlösung finden werden. Sie schaute ihn an und wusste, dass
er diese Worte auf sich bezog. Er hatte sein Schicksal frei gewählt. Dann tat er einen Schritt
zurück, aber sie antwortete nicht mehr. Sie schaute ihn einfach nur mehrere Herzschläge an.
„Vielleicht sehen wir uns im neuen Jahr...“, sagte Jeromy kalt, wand sich ab und ging.
Nachdem die Tür geschlossen war, lehnte Jeromy sich zuerst dagegen und atmete tief durch.
Dieser Ascan... dieser Mann brachte sie innerhalb weniger Minuten in den Wahnsinn. Er
schaffte es wirklich. Und dennoch... das, was er ihr eben gezeigt hatte, das war ein Weg. Eine
Möglichkeit das Tier zu kontrollieren. Sie hätte etwas sagen sollen und nicht einfach gehen.
Aber sie wusste nicht was und vielleicht hatte sie gerade eben einen Fehler gemacht. Wer
wusste das schon. Sie sammelte sich, tat noch ein Paar tiefe Atemzüge und ging dann. Sie war
versucht umzukehren, anzuklopfen. Aber es war das Letzte, was sie jetzt brauchte. Stattdessen
ging sie wieder die Treppen hinunter. Dieses mal benutzte sie keinen Aufzug, sondern lief die
gesamte Strecke bis sie die Belastung in ihren Muskeln spürte. Schnell war sie wieder im
Labor und hatte 4 Ampullen entnommen, eingesteckt und war bereits draußen. Wieder war es
kalt. Wieder Wind. Wieder Schnee. Aber es war egal. Auch die Strecke zur Metro lief sie
schnell und war bald zu Hause. Doch sonderbarer Weise konnten die heiße Dusche, der Kaffee
und der Fernseher ihre Gedanken nicht zerstreuen. Sie begann erneut mit dem Spritzen um das,
was dieser Ascan zu Nichte gemacht hatte wieder aufzubauen. Es dauerte eine Weile bis das
Serum wieder wirkte. Sie wusste, dass er recht hatte, aber noch blieb ihr kein andere Ausweg.
Also verbrachte sie die nächsten 3 Tage im Delirium. Die Verwandlung blieb aus, dafür kamen
die Schmerzen, der Schwindel, die Übelkeit und die Wut des Wolfes. Aber es war ihr egal. Auf
einer Matratze lag sie die gesamte Zeit zusammengekauert. In ihren klaren Momenten, wenn
sie sich einmal keine Nadel in den Arm stach, dachte sie an Ascan. Er begleitete sie in ihren
Träumen, seine Worte blieben in ihren Gedanken und vermischten sich mit anderen Bildern, in
denen sie ihn oft nackt sah. Sie sah ihn, wie er sie in seiner Gewalt hatte, er konnte sie
kontrollieren, ihr Blut und den Wolf und dennoch tat er es nicht. Sie sah seine Augen, die
geschlossen waren. Sah wie ihn, wie er sie Dinge für ihn machen ließ, von denen sie nie
gedacht hätte, dass sie sie jemals für einen Mann tun würde. Und liebte die Dinge, die er in
ihren Träumen mit ihr anstellen konnte. Doch jedes mal erwachte sie schweißgebadet und stritt
alles ab. Gestand sich ihre Träume noch nicht einmal selbst ein, sondern schob sie auf das Tier.
Es konnte nicht sein...

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LEBENSELEXIER
Vancouver – Kanada
Sanctuary "The Guardian" - Ascans Räumlichkeiten
02. Januar 2010
Jeromy trug einen engen, knielangen Rock mit hohen schwarzen Lederstiefeln und einen
schwarzen Rollkragenpullover. Die Füße standen gerade und dicht bei einander. Ihr Haar war
penibel in einen Koten gesteckt, nicht eine Strähne wagte es daraus heraus zu rutschen. Sie war
ordentlich. Auch ihre Ohrringe waren kleine, weiß goldene Kügelchen in ihren Ohren. In ihrer
Strumpfhose war keine einzige Laufmasche. Eine Brille saß auf ihrer Nase und ließ sie streng
wirken, während sie hoch konzentriert und ernst auf ihre Unterlagen schaute und hier und da
eine Notiz setzte in sauberer geschwungener Handschrift. Sie wirkte sehr ruhig, fast
ausgeglichen und um Einiges erholter. Das Tier in ihr gab Frieden und das Serum hatte seine
Wirkung verloren. Hin und wieder wanderte ihre Hand zu ihrem Haar und strich
unnötigerweise darüber um sicher zu gehen, dass es nach wie vor sicher verschnürt war. Sei
fragte sich wirklich, ob dieser Ascan kommen würde. Und wie sie auf ihn reagieren sollte. Aber
in ihren Gedanken hatte sie sich gesagt, dass sie von ihm lernen würde, wenn er käme. Mehr
nicht. Träume, die sich der Wolf zusammen träumte, spielten keine Rolle. Sie war wieder sie
selbst.
Ascan: Leichten Schrittes spazierte er durch die Straßen. Es war bei Weitem nicht so, dass er
sich kein Taxi hätte leisten können. Wenn er wollte, hätte er sich eine speziell für ihn
eingerichtete Luxuslimousine mit Eskorte und noch einigen leichten Mädchen leisten können,
doch derlei Exkursionen in die Welt der puren Ekstase hatte er derzeit nicht im Sinn. Es war
schon lange her seit er das letzte mal solchen Aktivitäten, die durchaus auch ihren Reiz hatten,
gefrönt hatte und doch vermisste er sie kein Stück weit. Sie waren kurze Augenblicke des
absoluten Überflusses an allem und dennoch brachten sie einen kein Stück weiter. Man konnte
weder etwas aus ihnen lernen, noch machten sie einen tatsächlich glücklich. Doch was
andererseits machte einen schon tatsächlich glücklich. Er überquerte einen Zebrastreifen
woraufhin ein Auto quietschend zum Stehen kam und der Fahrer laut hupte. Ascan nickte ihm
zu und schenkte ihm ein freundliches, charmantes Lächeln, so als hätte man ihm gerade zum
Geburtstag gratuliert. Nun Ascan würde sich vermutlich nicht mehr so darüber freuen, wenn
man ihm zum Geburtstag gratulierte. Zu viele waren vorbei gegangen, als dass er noch ein
Interesse daran hätte und doch war es etwas Normales für sterbliche Menschen, auf das sie
meist freudig reagierten, wenn man ihnen zu egal was gratulierte.
Schließlich bog er in die Straße ein in die er auch vor 3 Tagen schon eingebogen war. Das
Zimmer, das William ihm gegeben hatte, war zwar durchaus eine angenehme Unterkunft für
die Nacht gewesen doch seiner dann doch nicht so ganz angemessen. Bereits am nächsten
Morgen hatte er dann Henry kennen gelernt und obwohl er ihn anfangs für einen dieser
armseligen Techniker hielt, musste er doch zugeben, dass er einige gute Ideen zur Verbesserung
des Sicherheitssystems beigesteuert hatte und er hatte es sogar geschafft Ascan zu beweisen,
dass die Verbindung von Technik und Magie durchaus noch bessere Methoden
zusammenbrachte als jedes für sich. Außerdem hatte er ihm kurzerhand einige der teureren
Villen in der Nähe gezeigt, wovon er sich dann gestern Nachmittag eine gekauft hatte, die
natürlich wie für solche Häuser üblich, bereits vollauf eingerichtet gewesen war. Zwar fand er
die Ausstattung scheußlich, doch um die würde er sich die Tage einmal kümmern lassen. Er
kam auf das Eisentor zu und noch ehe er etwas tun musste wurde es ihm geöffnet. Also hatte
Henry wohl doch nicht auf ihn gehört. Er hatte ihm gesagt solche Aktionen wie er sie bei
seinem Eintreffen getan hatte zu unterlassen, da ein Sicherheitssystem, wenn es - auch noch so
gut war - unnötig und überflüssig war, wenn der Sicherheitschef jeden hereinließ, von dem er
glaubte es sei jemand den er kenne. Doch im Moment war es ihm noch egal. Das Guardian
gehörte noch William, doch der wichtigste Schritt war getan und der Rest war nur noch eine
Frage der Zeit, oder eher eine Frage der eigenen Lust. Wenn man eine Festung einnehmen
wollte, war es am Wichtigsten die Sicherheitssysteme zu kennen und wenn man es
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perfektionierte, dann wusste man nicht nur über sie Bescheid, sondern hatte sie selbst
entwickelt. Während er durch den ersten Gang schritt, musterte er genauestens die Bannkreise.
Unsichtbar für jemanden, der nicht wusste, wo sie waren und für jeden anderen kaum zu
zerstören. Doch für ihn selbst wäre es ein Leichtes sie so zu ändern, dass weder jemand das
Haus verlassen, noch jemand es betreten konnte. Ja wenn er wollte, konnte er sie sogar in
tödliche Fallen ummodifizieren und dies alles in einer Zeit, die kaum auffallen würde, wenn er
sie gut timen würde. Somit hatte man ihm jetzt schon fast das Ruder über das Gebäude
übergeben und somit blieb zum Schluss nur noch die Übernahme der Führung, doch das konnte
durchaus noch warten. Heute war der zweite Tag des neuen Jahres. Heute war der Tag, an dem
er erfahren würde, ob er seine Forschung beginnen konnte, oder ob er sie auf später
verschieben musste und doch zuerst die Übernahme über die Bühne brachte. Jeromy hatte das
Zimmer nach seiner kurzen Rede schlicht mit den Worten verlassen
„Vielleicht sehen wir uns im neuen Jahr.“ Er grüßte Henry mit einem Nicken, der an ihm
vorbeilief einige Kabel um die Schultern hängend. Ascan seufzte, wo waren nur die guten alten
Zeiten hingekommen, als man alles noch per Hand oder mittels von Magie gemacht hatte.
Doch diese Zeiten waren lang vorbei, also warum noch Gedanken daran verschwenden.
Zielstrebig ging er auf den Raum zu, den William ihm zugewiesen hatte. Wie
selbstverständlich hatte er einen der größten bekommen. William schien nicht vergessen zu
haben, dass man Ascan bester bei Laune hielt, auch wenn er William zutraute, dass er nicht
einen Funken Angst vor ihm hatte, so war es einfach Williams Art einzukalkulieren wie er
Schwierigkeiten am Besten umschiffen konnte und darin war er größtenteils sehr erfolgreich.
Vermutlich einer der Gründe, warum er es geschafft hatte, diese Institution so lange ohne
ernstzunehmende Feinde zu leiten.
Sein „Büro“ sah nach allem aus nur nicht nach einem Büro. Als erstes wenn man es betrat,
wurde man von der ungewöhnlichen Wandwahl überrascht. Denn anstatt wie sonst in dem
Gebäude vier Wände zu haben hatte das Zimmer 5 gleichlange Wände. Weiteres war auch die
Ausstattung für die moderne Generation sehr gewöhnungsbedürftig. Es befand sich ein im
wahrsten Sinne des Wortes antiker Alchemistentisch darin. Selbst Mörser und Stößel waren aus
schwarzem Obsidian, wie das gesamte Gestell selbst. Phiolen sowohl aus Messing als auch aus
Silber fanden sich gut geordnet an ihren Plätzen wieder. Das Zimmer war obwohl es ein großes
Fenster gab, abgedunkelt und wurde von einer fluoreszierenden Lampe erhellt, die nach Ascans
Belieben durch einfache Zauberei erhellt oder völlig erlöschen konnte. Der Schreibtisch,
inklusive Sessel, war wie das gesamte Zimmer altertümlich, ja fast schon mittelalterlich
gehalten. Aus dunklem Gestein, das an Obsidian erinnerte und doch hellere Schattierungen in
sich trug und mit eingravierten Runen und Mustern verziert war. Ein großer Kasten ebenfalls
aus diesem Gestein der noch recht leer war und eine ebenfalls alt doch einladend wirkende
breite Couch vollendete bereits die Einrichtung des Zimmers. Die größte Wand des Zimmers
war vollkommen leer gehalten und als einzige schwarz ausgelegt mit einer Art Platte, die als
Tafel fungierte und auf die mit Kreide geschrieben werden konnte. Was auch bereits in
geringem Maße getan worden war. Henry hatte ihm tatsächlich vorgeschlagen einen Computer
aufzustellen, doch nachdem er Ascans amüsiertes Lächeln gesehen hatte, meinte er nur
scherzhaft, dass es natürlich nur eine amüsante Vorstellung gewesen wäre in solch einem
altertümlichen Raum einen Computer zu sehen und hatte dann angedeutet, dass er noch viel zu
tun hatte und deshalb weiterarbeiten müsse. Mit diesem Gedanken ging er auf die Wand zu und
schrieb noch etwas zu der alchemischen Formel hinzu, das ihm über Nacht eingefallen war,
löschte einen anderen Teil der Formel weg und ließ sich schließlich auf der Couch nieder.
Obwohl sein Geschmack durchaus seiner Zeit angemessen war, wenn auch bei Weitem
düsterer, als in seiner Kindheit, so musste er zugeben, dass auch er nur noch ungern auf den
Komfort der modernen Möbel verzichten wollte.
Jeromy: Entnervt schloss Jeromy ihre Unterlagen, die sie mittlerweile in einer großen Akte
verstaut und vor allem sortiert hatte. Chronologisch wohl gemerkt. Doch eines ergab keinen
Sinn und sie kam nicht weiter. Vielleicht war das auch der Punkt, wo alles endete. Aber sie
konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Also nahm sie die Akte zu Hand und klemmte sie sich
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unter den Arm. Schön, William hatte gesagt, dass sie mit diesem Ascan arbeiten sollte, das
würde sie auch tun, denn von ihrem Vorgesetzten hatte sie auch erfahren, dass er um einiges
älter war, als er aussah. Nun, dann wusste er vielleicht an diesem Punkt weiter. Schön, also auf.
Es graute ihr bereits jetzt in seine Nähe zu gehen, aber was soll es schon bringen! Mehr als
scheitern konnte sie nicht. Sie verließ also ihr Büro und marschierte den langen Flur entlang,
von dem sie wusste, dass er zu Ascans neuem Büro führte. Es war doch erstaunlich, wie er es
in diesen wenigen Tagen geschafft hatte, hier einen Platz zu bekommen. Manche hatten es doch
eben einfacher als andere. Sie ging zielstrebig, ohne Umschweife, sie wusste, dass er einen
großen Raum für sich allein erhalten hatte. Henry hatte sie heute morgen auch schon mit den
neuen Sicherheitsvorkehrungen vertraut gemacht. Es war wirklich beachtlich, was sie beide
erarbeitet hatten. Außerdem hatte William sie in noch ein anderes Geheimnis eingeweiht. Er
dachte daran bald abzutreten und dann wäre seine Stelle frei und er hatte bereits einen
Nachfolger. Und dennoch bezweifelte sie Williams Entscheidung. Sie respektierte ihn, aber sie
zweifelte sehr daran, ob er noch zurechnungsfähig war. Da wäre ja Ascan sogar die bessere
Wahl gewesen. Wie dem auch sein. Sie kam endlich vor seinem Zimmer an, er musste auch
ihre Schritte gehört haben, als ihre Absätze auf dem Stein klapperten. Vor der Tür atmete sie
tief durch, strich ihr Haar glatt und klopfte dann kurz an. Drei klare, kurze Schläge, nicht mehr.
Es kostete sie wirklich Überwindung das zu tun, was sie nun tun würde. Sie musste nicht lange
warten, die Tür schwang bereits auf und sie trat ein, die Mappe fest unter ihrem Arm. Leise
betrat sie den Raum und schloss die Tür hinter sich. Dann erst blickte sie sich um. Bevor sie
noch Ascan entdeckte, sah sie das gesamte Zimmer, dass fast wie aus einem anderen
Jahrhundert stammte und vollgestopft mit allerlei war. Sie stieß einen leise Pfiff aus.
„Na, da hat sich William mit der Ausstattung selbst übertroffen!“, murmelte sie und blieb bei
der Tür stehe. Dann erblickte sie Ascan, der auf einer Ledercouch saß und Löcher in die Luft
starrte. Nein, nicht in die Luft, sondern viel mehr in eine Tafel, die vollgekritzelt war mit allen
möglichen Zeichen, von denen ihr weniger als die Hälfte bekannt waren. Es handelte sich um
eine besondere Formel, nahm sie an, die vielleicht etwas mit Blut zu tun hatte.
Sie rückte ihre Brille zurecht und räusperte sich. Ihre Hand wanderte erneut zu ihrem Haar und
strich es unnötigerweise glatt, prüfte die Haarspangen im Knoten, dann die Ohrringe. Es war
nur eine einzige fließende Bewegung, dann zu ihrem Rock, den sie völlig unbewusst seitlich
glatt strich. Irgendwie fühlte sie sich wie ein kleines Mädchen vor dem Direktor. Sie traute ihm
nicht, wollte ihn nicht in sich haben, nicht in ihrem Verstand! Dieser Ascan machte sie einfach
nervös, auch wenn sie es vor ihm nie zugegeben hätte. In seiner Näher fühlte sie eine
sonderbare Macht, irgendwie bedrückend.
„Es tut mit Leid für meinen Ausbruch vor ein Paar Tagen.War nicht der beste Anfang“, sie
lächelte zaghaft und gezwungen, denn Jeromy hatte keine wirkliche Lust sich zu entschuldigen
und doch empfand sie es als angebracht. Dieses mal hatte sie sich besser im Griff, war
ausgeruhter, kontrollierter und neugieriger auf das, was Ascan vollbracht hatte.
„William hat gesagt, ich solle mich an Dich wenden, falls ich Hilfe brauche“, sprach sie leise in
den Raum, der selbst so leise war. Doch ihr Blick wanderte schnell von Ascan zurück zu der
Tafel. Was zur Hölle sollte das sein? Die Frage brannte ihr förmlich auf der Zunge.
Ascan: Gut 15 Minuten hatte er jetzt bereits die eine Zeile der Formel wieder und wieder
überflogen. doch er kam einfach nicht darauf, wo er den Fehler eingebaut hatte. Zweimal hatte
er Teile davon gelöscht und war doch nur wieder auf das selbe Ergebnis gekommen. Es musste
sich also um einen Fehler handeln, der sich vielleicht sogar schon in den früheren
Berechnungen eingeschlichen hatte und sich bis jetzt hindurchzog, oder aber was
wahrscheinlicher war, es gab noch eine weitere Komponente, die er einfach nicht
berücksichtigt hatte. Die Zeit, die er gehabt hatte um sich mit ihrem Blut vertraut zu machen,
war einfach zu kurz gewesen um ein genaues Bild davon zu bekommen, wie das Enzym
tatsächlich wirkte. Er hörte das Klappern von Stöckelschuhen auf dem Stein, als sich jemand
seinem Büro näherte. Dann dreimal klopfen. Jemand neues. Außer Henry und William hatte
sich bisher niemand bei ihm blicken lassen, und diese beiden hatten eine vollkommen andere
Klopfgeste. Nicht so geordnet. Dieses Klopfgeräusch wirkte förmlich wie abgemessen. Eine
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kurze Handbewegung seinerseits und die Tür schwang von selbst auf, während er weiterhin auf
die Wand blickte. Er wusste, er war kurz davor des Rätsels Lösung zu finden und doch war
dieser kleine Baustein, der noch fehlte, so essenziell für das Ergebnis, dass es schon fast
sinnlos erschien weiterhin ohne eine erneute Studie über Jeromys Blut durchzuführen, die Tafel
zu betrachten. Weiteres Klacken auf dem Steinboden und eine Frau betrat sein Zimmer. Sein
Blick schwenkte hinüber zu ihr und ein Moment des Nicht-Erkennens war in seinen Augen
abzulesen, ehe er überrascht feststellte, dass es sich um eben jene Person handelte, die ihm
tatsächlich vor 3 Tagen ohne jegliche Scheu die Stirn geboten hatte. Er wirkte fast enttäuscht
von dem, was er sah. Sie war wohl doch anders als er gedacht hatte. Ihr ganzes Äußeres
drückte Anspannung aus. Ihre Statur war viel zu gerade, viel zu steif und doch darauf bedacht
natürlich zu wirken, sodass es erst recht unnatürlich und unangenehm wirkte, ihr Gewand war
das einer Forscherin, die sich voll und ganz ihrer Arbeit verschrieben hatte, ihre Haare drückten
Strenge, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz aus und die Brille verstärkte diesen Eindruck nur noch.
Er lächelte ihr dennoch charmant zu. Auch ihre Worte waren bei Weitem nicht mehr so
emotional und energiegeladen wie Tage zuvor und das obwohl sie zu diesem Zeitpunkt
physisch beinahe am Ende gewesen war. Jetzt hingegen wirkte sie auf Ascan normal. Normal
und das war in seinen Augen alles andere als ein Kompliment. Normale Menschen
interessierten ihn nicht. Es gib sie wie Sand am mehr und jeder von ihnen war ersetzbar durch
einen anderen. Sie waren wie Ameisen die alle Arbeiteten um die „herrschende“ Klasse
zufrieden zu stellen.
„Du hast nichts getan, das einer Entschuldigung bedarf.“ Er empfand es ganz anders als vor 3
Tagen, als äußerst unangenehm. Ihre kontrollierte Art widerstrebte ihm zutiefst, doch er hatte
sich schließlich angeboten und vielleicht war es auch nur eine Farce von ihr, die sie ihm nun
vorspielte, wie er hoffte. Eine weitere Handbewegung ließ den Raum von der Lampe heller
erleuchten und er deutete auf die quere Seite der Couch, die sich ihm schräg gegenüber befand.
„Womit kann ich helfen?“ Die Worte waren schlicht gewählt. Schlicht und sachlich, so wie
auch sie auf ihn wirkte.
Jeromy: Und wieder lächelte er sie an. Es gab wohl nie einen Zeitpunkt, an dem er nicht
lächelte. Es war erstaunlich! Auch ihre Entschuldigung wies er mehr oder weniger zurück.
Anscheinend hatte sie wirklich nichts falsch gemacht. Bis jetzt. Jeromy hatte das Gefühl Ascan
zu stören, ihn bei der Arbeit unterbrochen zu haben und irgendwie schien er enttäuscht zu sein,
womöglich sogar entnervt. Schön, sie konnte genauso gut wieder gehen. Doch dann machte er
eine Geste und eine Lampe brannte hell auf. Erstaunt blickte sie zu der Lampe, dann weniger
beeindruckt zu ihm. Sie würde es ihm nicht so einfach machen und irgendeine Art von
Interesse zeigen, oder vielleicht doch. Dann wies er auf die Couch und bot gleich seine Hilfe
an. Sein Ton war kühl.
Sie setzte sich wie angeboten auf die Couch und schlug die Beine übereinander. Ihre Mappe
platzierte sie neben sich. Sie konnte nicht umhin ihn anzugrinsen. Dieses Grinsen war anders,
frecher, ihre Augenbrauen wanderten skeptisch nach oben.
„Sonst noch Tricks auf Lager, Magier?“, fragte sie und stellte zugleich ihre These über seine
Wesensart in den Raum. Dann deutete sie auf die Tafel.
„Wofür ist das? Ich weiß, dass es eine Formel ist, ich habe auch eine.“ Sie schlug ihre Mappe
auf und reichte ihm eine etwas umständlich notierte chemische Formel, in der verschiedene
Enzymketten und Bestandteiles ihres Blutes aufgezeichnet waren, daneben standen in
deutlicher Schrift andere Moleküle mit Beschriftungen, die sie als Schöllkraut, Schlafmohn
und Katzenblutkraut kennzeichneten, nein eigentlich viel mehr die herausgelöste Stoffe.
Darunter fanden sich mögliche Verbindungen dieser Stoffe und eine Erläuterung dazu. Die
Reaktionen waren aufgezeichnet. Zeit vergeuden?
„Das hier habe ich vor einigen Monaten entdeckt. Darauf gekommen bin ich durch eine
russische Legende, wie man Werwölfe abwehrt. Es ist das Serum, das du anscheinend so
hasst.“ Dann nahm sie ein Bild von Katharina Petrowa mit einer wunderschönen Halskette
heraus.
„Es gibt aber einen anderen Weg. Sie war ein Vampir und konnte in der Sonne wandeln, wie
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wir aus den Aufzeichnungen Scheremetews wissen.“ Dann holte sie Bilder heraus, die
verschiedene Steine zeigten. „Der eine hebt den Sonnenfluch auf, der andere den
Mondfluch.Und sie können nicht ohne einander sein. Wo der eine ist, ist auch der andere. Ich
habe beide zurückverfolgt und bin dann hier geendet.“ Sie holte ein Bildnis von Vlad Dracula
heraus.
„Auch wenn du es für Unsinn halten magst...“, gab sie entschlossen zurück und diese
Entschlossenheit stand auch in ihren blauen Augen. „...Selbst dann ist es mir egal. Ich muss es
wissen, hast du ihn gekannt? Er war ein Vampir, er konnte im Sonnenlicht sein? Ich muss
wissen, ob es wahr ist. Ich will den Zauber – oder was auch immer es ist – verstehen.“ Diese
Suche, dieses Streben stand deutlich in ihren blauen Augen. Es grenzte nahe an Verzweiflung.
„Wenn du mir nicht helfen kannst oder willst, werde ich deine Zeit auch nicht weiter in
Anspruch nehmen!“
Ihre Augen suchten seine und schaute mit erschreckender Standhaftigkeit hinein. In diesem
Moment verspürte sie keine Angst mehr. Alles ging in diesem einen Wunsch auf und sie
machte kein Geheimnis daraus, er konnte es sogar deutlich in ihren Gedanken lesen, wenn er
wollte.
Ascan: Für einen Moment schien sie zu überlegen, ob sie wieder gehen sollte, doch dann ließ
sie sich bereitwillig auf der Couch neben ihm nieder. Wie auch ihr Äußeres – von oben bis
unten geordnet – war, so wirkte auch ihre Mappe und doch ließ sie einen Funken Hoffnung,
dass sie nicht durch und durch diese verklemmte Forschertante war, in ihm aufkeimen, als sie
ihm ein reizendes Lächeln schenkte und ohne jegliche Scheu seinen Blick erwiderte. Auch die
keck gefragte Feststellung ließ ihn weiter Hoffnung fassen, dass er ihr wahres Ich aus ihr
herausholen könnte, wenn er nur ein wenig Zeit mit ihr verbrachte und damit meinte er nicht
den Wolf. Schließlich öffnete sie die gut sortierte Mappe und gewährte ihm Einblick. Zuerst
zeigte sie ihm eine Formel ihres Blutes, die seiner nahezu identisch glich auch wenn dies nur
für ihn ersichtlich war, da bei seiner einigen Dinge gekürzt aufgeschrieben waren und doch
erkannt er, dass auch bei ihr dieser eine Fehler aufgetreten war, der ihr jedoch bis lang nicht
wirklich aufgefallen war. Doch sie beließ es nicht lang dabei und blätterte mit einer Präzision
weiter, von der er sich gut etwas abschauen konnte. Obwohl er sich selbst für halbwegs
ordentlich hielt, was seine Forschungsunterlagen anging, so waren sie doch meist lieblos in
schlichte Mappen hineingelegt, noch nicht einmal eingeordnet und wenn er etwas Bestimmtes
wollte, wurde fieberhaft in dem Zettelgewirr danach gesucht. Doch sie schien sich erstens
darauf vorbereitet zu haben ihn zu treffen und zweitens hatte sie alles perfekt sortiert. Als
nächstes zeigte sie ihm ein Foto von Katharina Petrowa, die er zwar durchaus vom Namen her
kannte, doch die nie sonderlich von Interesse gewesen war. Sie zeigte ihm zwei Steine, die ihm
durchaus bekannt vorkamen und letztlich zeigte sie ihm ein Foto von jemandem dessen
Bekanntschaft schon sehr lange zurück lag. Ein breites Grinsen legte sich auf seine Züge noch
ehe sie vollends ausgesprochen hatte.
„Der gute, alte Vlad, das war ein Kerl von einem Mann, der wusste wie man regiert. Natürlich
haben wir die Idee gemeinsam entwickelt. Aber das mit dem Becher fand ich einfach klasse
von ihm, soweit ging ich damals dann doch nicht, dass ich einen so wertvollen Gegenstand
einfach vor einen Brunnen gestellt hätte.“ Er setzte sich etwas auf. „Aber es hatte ja schließlich
funktioniert. Ich muss sagen in so manchen Ländern wäre eine Monarchie auch heutzutage die
eindeutig bessere Wahl der Regierung.“ Dann sah er ihr in die Augen die ihn ihrerseits
musterten und fast schon flehend ansahen.
„Ja ich habe ihn gekannt. Ich habe ihn sogar sehr gut gekannt, genau genommen waren wir
sogar sehr gute Freunde. Mal von der Tatsache abgesehen, dass wir uns das eine oder andere
Mal versucht haben gegenseitig zu töten aber das darf man nicht so ernst nehmen." Sagte er
grinsend und man sah ihm an das er in Gedanken an freudige Zeiten zurückdachte. Dann
richtete sich sein Blick wieder auf Gegenwärtiges.
„Ich kenne diese beiden Steine und ich weiß, dass Vlad sie hatte und wenn ich mich recht
entsinne, waren sie in eben jenen Kelch eingelassen, der am Brunnen gestanden hatte, als
Beweis dafür, dass in seiner Stadt niemand etwas stehlen würde und sei es auch noch so leicht.
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Was wäre für einen Wetteinsatz unter Freunden da besser geeignet als sein wertvollster
Gegenstand. Nämlich jener, der es ihm erlaubte auch am Tag durch die Gegend zu spazieren,
obwohl er ein Vampir war. Vlad war im Übrigen auf ein weiteres Geheimnis der Steine
gestoßen. Er hatte damals herausgefunden, dass man sie nicht unbedingt um den Hals tragen
musste um ihre Kräfte zu entfalten, denn damit wären sie an einen gebunden gewesen. Es
genügte, wenn er einmal pro Nacht Blut aus diesem Kelch trank und so tat es sowohl er, als
auch seine engen Vertrauten natürlich auch alle Vampire, sodass es an und für sich kaum
auffiel, dass sämtliche hohen Ämter von Vampiren besetzt und somit die Herrschaft in der
Hand der Vampire lag.“ Wieder grinste Ascan in sich hinein und schweifte in Gedanken ab.
„Aber sie wussten wie man Festgelage veranstaltete. Auch wenn er nach außen hin stets streng
gewirkt hatte und für manch einen grausam, so hatte während seiner Herrschaft keiner seiner
Untertanen zu hungern, noch mangelte es ihnen an medizinischer Versorgung, ein Luxus, den
nur wenige Ländereien zu der Zeit hatten.“
Er sah wieder zu ihr und wartete wie sie reagieren würde. Er hatte ihr die Wahrheit gesagt.
Dass die Steine auch Werwölfe heilen konnten, das hatte er nicht gewusst, aber er war sich
ziemlich sicher das sie damit recht haben könnte. So eng wie die Vampire mit den Werwölfen
seit jeher verknüpft waren. Schon allein der Hass, der ihnen zu gewissem Teil allen
gegeneinander inne wohnte und bei den meisten nur darauf wartete entflammt zu werden. Tja
eine der großen Schwächen Vlads, die ihm schließlich auch sein junges Vampirleben gekostet
hatte.
Jeromy: Während sie sprach schweiften ihre Augen öfter zu ihm, zunächst hörte er
aufmerksam zu und folgte, dann grinste er breit, so wie sie ihn bisher nicht hatte grinsen sehen.
Und es wirkte sehr ehrlich und fast glücklich. Nun gut, sie kannte ihn erst eine sehr kurze Zeit
um das genauer sagen zu können, aber er schien wirklich glücklich in Gedanken zu sein.
Jeromy schlug also die Mappe zu und schaute Ascan erwartend an, als sie sich sicher war, dass
er antworten würde. Ascan ließ sich auch nicht lange bitten. Volltreffer! William hatte also
Recht behalten, er konnte ihr wirklich weiterhelfen. Und wie es den Anschein hatte, kannten
sich die beiden wirklich sehr gut. Zuerst erstaunt schaute sie ihn; wie alt war er bitte? Na ja
egal, eine Frage, die man auch später stellen konnte. Seine Geschichte war von größerem
Interesse. Dass Ascan von den beiden Steinen wusste, ließ sie aufhorchen! Sie folgte seiner
Geschichte aufmerksam mit großen, blauen Augen, in denen sich das Interesse spiegelte. Was
viel erstaunlicher war: ihre Informationen waren nicht korrekt gewesen. Die Statuen waren
anscheinend bereits vor Katherina keine Statuen. Vlad war die Person, die sie hatte brechen
und in den Becher einarbeiten lassen. Also war das viel früher passiert, als sie angenommen
hatte. Außerdem erstarrte Jeromy förmlich, als sie von der Macht der Stein hörte. Es genügte
also bereits daraus zu trinken. Vielleicht wäre es dann sogar möglich ein Heilmittel in
unbegrenzten Mengen herzustellen... Jeromy machte drei Feststellungen zugleich. Erstens: Sie
hatte sich im Kreis gedreht und musste alle Hinweise erneut auf ihren Wahrheitswert prüfen.
Dazu musste sie viel weiter in die Vergangenheit zurück gehen und diese Hinweise erneut
exerzieren. Zweitens, was viel wichtiger war: es gab eine Heilung und diese Geschichte war
kein Märchen, sie war real.
Drittens: dieser Ascan war gar kein solcher Schleimbeutel. Zum ersten mal wirkte er wirklich
charmant und freundlich auf sie. Sie war sich sicher, dass er zum ersten mal aufrichtig war.
Außerdem wirkte Ascan viel freundlicher, wenn er sich so an die alten Zeiten zurück erinnerte.
Sie lief ihn ausreden und begegnete seinem Blick mit Interesse und Standhaftigkeit. Angst und
Unbehagen waren verschwunden. Nein, sie hatte keine Angst, nicht vor ihn. Auch nicht, als
seine Augen sich abwartend auf sie richteten. Sie lächelte süßlich und ihre Hand fuhr in erneut
seitlich über ihr Haar, das sie – wäre es offen – mit der Hand zurück gestrichen hätte. Durch die
dünn umrahmten Gläser schaute sie ihn aus eisblauen Augen an. Ihre Augenbrauen wanderten
nach unten, ihr Blick wirkte überlegend, zum ersten mal sprach sie ihn wirklich an.
„Ascan, wie alt bist Du wirklich?“ Vielleicht wäre es besser, wenn sie die Antwort erst gar
nicht kannte. Vielleicht würde die Antwort die Situation zerstören und sie ihm wieder
entfremden noch bevor sie überhaupt einen Draht zu ihm gefunden hatte. Nun, sie wollte es
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wissen. Aber ihre Gedanken schweiften bald wieder zu dem Kelch.
„Was ist aus dem Kelch geworden. Wo kam er nach Draculas Tod hin?“
Ascan: Sie hörte ihm gespannt zu und hing förmlich an seinen Lippen. Jede einzelne
Information schien sie aufzusaugen. Ihre Augen weiteten sich ab und an und zeugten von
Interesse. Sie schien mit den Informationen durchaus zufrieden zu sein und unterbrach ihn kein
einziges mal. Noch weiterhin ließ er die Erinnerungen auf sich wirken ehe sie ihn in diese Zeit
zurückholte. Ihre Frage erstaunte ihn, man hatte ihn das noch nicht oft gefragt. Ihre zweite
Frage hingegen war absolut legitim und nachvollziehbar weshalb sie es wissen wollte, doch
hierbei musste er sie leider enttäuschen, denn was mit dem Kelch passiert war, wusste er nicht.
Um ehrlich zu sein, hatte er ihn nie sonderlich interessiert. Er mochte zwar ein mächtiges
Artefakt sein, jedoch ohne Wert für Ascan. Er lehnte sich wieder gemütlicher zurück und ihre
offenen Fragen gefielen ihm schon wieder um einiges besser. Auch war während er erzählt
hatte ein Teil dessen zurückgekehrt, das er vor drei Tagen so interessant an ihr gefunden hatte.
Ihre Augen blickten ihn ohne Scheu an und ihre Fragen waren ohne jegliche Scham oder
Zurückhaltung gestellt. Sie wusste mit Sicherheit, dass er sie mit Leichtigkeit seinem Willen
unterwerfen konnte. Sie hatte schließlich 3 Tage zuvor einen kleinen Vorgeschmack darauf
bekommen, auch wenn es nicht sie sondern der Wolf gewesen war, den er unterdrückt hatte.
„Was willst du nun wissen? Wie alt ich tatsächlich bin oder ob ich weiß was mit dem Kelch
passiert ist?“ Das Lächeln war nach wie vor auf seinen Zügen. Es war nicht so, dass er ihr sein
Alter nicht verraten würde. Sie würde damit ohnehin nichts anfangen können. Es war schon
unwahrscheinlich, dass sie geschichtlich auf ihn stoßen würde. Was größtenteils Vlad zu
verdanken war, der zu der Zeit als er ebenfalls regierte trotz seiner ebenfalls ausschweifenden
Lebensweise weitaus weniger Aufmerksamkeit auf sich zog als Vlad. Allerdings warum etwas
einfach so preis geben, wenn man dafür auch etwas haben konnte. In diesem Falle wohl das sie
sich Entscheiden musste und sie somit zwang für eine der Informationen ihm schließlich etwas
anderes anzubieten. Er musterte sie genauestens und wartete auf ihre Antwort. Auch wenn er
bereits vermutete wie sie sich entscheiden würde.
Jeromy:Ihre Fragen schienen ihn aus seinen Gedanken zu reißen und dann schaute er sie
erstaunt an. So als hätte er etwas nicht erwartet. Der Ausdruck schwand jedoch schnell wieder,
stattdessen lehnte er sich nun weit aus zufriedener zurück. Da ahnte Jeromy bereits, dass nichts
Gutes kommen konnte. Es waren seine undeutbaren Augen, in denen sie einen wölfischen
Ausdruck zu sehen glaubte. Und dann stellte er sie vor die Alternative: Alter oder Kelch. Fast
hätte sie es schon geahnt. Jeromy schmunzelte in sich hinein und senkte den Blick. Die Mappe
legte sie auf das Couchpolster und schob sie ein Paar Zentimeter bei Seite. Jeromy rutschte
näher an Ascan heran, schlug die Beine anders herum übereinander und betrachtete ihn
grinsend. Mit voller Absicht ließ sie die Stille zwischen ihnen entstehen und tat so, als würde
sie überlegen, obwohl ihre Entscheidung längst fest stand. Dann blickte sie endlich zu ihm auf
und ihr Grinsen wurde breiter, spöttisch.
„Natürlich will ich wissen, wie alt Du bist!“ Wieder entstand die Stille, aber dieses mal war sie
viel kürzer, nicht lang genug, dass Ascan hätte antworten können. „Aber weit aus mehr will ich
alles über den Kelch wissen! Alles zu seiner Zeit, die Steine gehen vor und das andere
bekomme ich auch noch heraus.“ Jeromy tat es ihm gleich und lehnte sich seitlich an die
Couchlehne. Ihr Ellbogen stützte sich in das Polster und sie legte ihren Kopf seitlich in die
Handfläche, sodass er leicht geneigt war und ihre Fingerspitzen sich in dem ordentlichen Haar
vergruben. Mit der anderen Hand zog sie sich die Brille von der Nase und legte sie auf die
Mappe. Ihre gesamte Haltung war ihm nun zugewandt und viel weniger abwehrend, sie wollte
schließlich was von ihm. Zugleich zweifelte Jeromy aber keinesfalls daran, dass sie ein Spiel
mit ihm einging, mit ihm, der ihr weit aus überlegener war. Die Chancen, dass sie gegen ihn
gewann, waren verschwindend gering. Aber es war ihr gleich. Sie zog herausfordernd die
Augenbrauen hoch. „Nun?“ Mal sehen wie weit er ihr weiterhelfen konnte.
Ascan: Sie ging also darauf ein, wie er zufrieden feststellte. Sein Grinsen wurde breiter und
immer mehr wie er fand kehrte ihre selbstsichere Art zurück. Sie rutschte ein wenig näher zu
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ihm und fügte charmant und absolut sicher hinzu, dass sie beides bekommen würde. Nun sie
sagte ja nicht wann, und doch schien sie sich dessen sehr sicher zu sein, was nur ein weiteres
Grinsen seinerseits zur Folge hatte. Auch ihre Haltung veränderte sich und wurde offener und
während sie die Brille abnahm, überkam ihn wieder eine Erinnerung daran wie ähnlich sie
Silenya war.
„Nun dazu muss ich natürlich sagen, dass ich ein Mann bin, der nicht freizügig mit Wissen
umgeht und noch weniger jemand der es verschenkt. Also was hältst du von einem kleinen
Deal?“ Er setzte sich auf und deutete auf die Formel vor sich an der Wand. „Wie du sicherlich
bemerkt hast, handelt es sich hier um eine Formel über Blut. Um genauer zu sein handelt es
sich um dein Blut, allerdings ist sie nicht komplett. Mir fehlt etwas und dieses etwas möchte
ich wissen. Deinen Unterlagen nach zu urteilen, fehlt allerdings auch deiner Forschung des
Rätsels Lösung.“ Er stand auf und ging zu dem Alchemietisch. „Was also hältst du also von
dem Deal: Ich erzähle dir alles, was ich weiß über den Verbleib des Kelches und der Steine und
du gibst mir dafür eine kleine Probe deines Blutes. Gerade mal eine Ampulle voll würde mir
schon reichen?“ Er nahm eine kleine zinnerne Phiole aus der Halterung und drehte sie
zwischen den Fingern während er sie genau beobachtete.Wenn sie auf den Deal einging hatte
dies zwei positive Aspekte für ihn, allerdings würde für sie nur sehr wenig dabei
herausspringen. Er wusste durchaus, dass die Werwölfe damals den Kelch mitgenommen
hatten. So viel war ihm durchaus bekannt. Doch wer sie waren oder was danach mit dem Kelch
passiert war, wusste er nicht. Doch für ihn würde mit solch einer an und für sich kleinen Menge
Blut einiges möglich sein. Erstens und das war schon mal einiges wärt, falls sie sich bei seiner
Übernahme des Guardian gegen ihn stellen sollte, könnte er sie mit vollkommener Leichtigkeit
kontrollieren, wenn er Blut von ihr selbst dazu verwendete und zweitens, konnte er somit Ihr
Blut weiter Untersuchen und vielleicht herausfinden, was er bei seinen Berechnungen falsch
gemacht, oder was er ausgelassen hatte. Nochmal sah er auf die Phiole und dann zu ihr.
„Also was hältst du davon?“
Jeromy: Auf ihre Reaktion hin wirkte er gleich noch zufriedener, Jermoy meinte sogar, dass
sein Grinsen breiter wurde. Was sie ihrerseits misstrauisch machte. Nach wie vor war ihr Ascan
nicht geheuer. Und dann schlug er ihr einen Deal vor, na das hatte sie erwartet und eine leise
Ahnung beschlich sie, was er haben wollte. Deswegen war sie nicht gerade verwundert und
hatte ihn stattdessen weiter reden gelassen, denn zugleich gab er ihr eine Antwort auf die
Frage, die sie zu Beginn laut gestellt hatte. Es war – wie vermutet – eine Blutformel und es war
ihr Blut. Und sie brauchte nicht zu raten, was er haben wollte, sie wusste es noch bevor er es
aussprach und bewahrheitete ihr Vermutung wirklich. Was sie aber stutzen ließ, war der Fehler,
den er erwähnte, den sie angeblich gemacht haben sollte. Das Grinsen verschwand sofort aus
ihrem Gesicht und es wirkte gleich um Einiges müder und älter. Sie starrte auf seine Tafel,
auch wenn sie die Formel nicht verstand. Fehler? Was für ein Fehler? Welcher Fehler? Was war
ihr denn bitte entgangen und sofort hatte Ascan das Interesse, das sie ihm gewidmet hatte,
eingebüßt. Erst als er aufstand und sich wieder in ihr Blickfeld schob, erhielt er die
Aufmerksamkeit zurück. Er war bei dem Tisch angekommen, der vollgeladen war mit allen
möglichen Geräten und Gefäßen. Sie betrachtete ihn, wie er eine metallene Phiole nahm und
diese zwischen seinen Fingern drehte. Seine Augen waren auf Jeromy fixiert als er ihr den
konkreten Deal vorschlug. Sie schauderte leicht, denn sein Vorschlag gefiel ihr ganz und gar
nicht. Ihr Blut in seinen Händen. Das war das Letzte was sie wollte. Ascan war gefährlich, er
hatte das mit ihrem Blut gemacht, er hatte den Wolf kontrolliert. Sie wusste nicht genau was er
war, aber ein Magier musste er sein, und Blutmagie war eine gefährliche Sache. Sie hasste den
Deal, aber was wenn er ihr Einiges an Wissen bieten konnte, das sie dringend brauchte. Wenn
er aber auch nichts wusste und sie ihm ihr Blut umsonst gab, dann lieferte sie sich an Messer.
Ihr Unzufriedenheit sah man ihr deutlich an. Jeromy seufzte und schaute in Ascans Augen. Ihr
Blick war abwägend, abschätzend.
Sie stand von der Couch auf und ging auf den Alchemietisch zu, jedoch von der anderen Seite,
umrundete ihn langsam. Ihre Finger stricken die Tischkante nach, während ihr Blick dann und
wann an verschiedenen Gefäßen hängen blieb. Schließlich kam sie vor Ascan zum Stehen,
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ebenso dicht wie Tage zuvor. Ihre Finger strichen über die seinen und entwanden ihm fast
zärtlich die Phiole, die sie in ihre Finger nahm und nachdenklich betrachtete. Dann schaute sie
zu ihn auf.
„Aber wo bleibt meine Absicherung?“ Sie legte den Kopf in den Nacken und schaute zu ihm
herauf. Eine spielerisches Lächeln schob sich auf ihre Lippen. „Was ist, wenn du mir nichts
bieten kannst und ich mich dir in die Hände spiele. Ich gehe ein viel größeres Risiko ein als du,
meinst du nicht, dass ich da einen höheren Gewinn haben sollte?“ Sie umschloss die Phiole,
sodass sie in ihrer Hand verschwand. „Ich gehe den Deal nur unter einer Bedingung ein, wenn
du mich an deinen Erkenntnissen Teil haben lässt. Es ist mein Blut, also habe ich doch auch
Recht zu erfahren, was es damit auf sich hat.“Sie wich nicht zurück, blieb ganz dich bei ihm
stehen und lächelte nur. Ihre Stimme war leise und etwas tiefer, anzüglicher, fast schon
verschwörerisch. „Also, was hältst du davon?“
Ascan: An ihrer Reaktion konnte man nur zu deutlich ablesen, dass ihr der Fehler noch gar
nicht aufgefallen war. Etwas das man ihr nicht verübeln konnte, da er sich selbst ja noch nicht
einmal sicher war, ob es sich dabei um einen Fehler handelte, den sie anscheinend beide bereits
in den frühen Berechnungen gemacht hatten, oder einfach um einen fehlenden Bestandteil, den
er bis jetzt noch nicht benennen konnte.
Sie schien abzuschweifen und ihre Formel Schritt für Schritt im Kopf nochmal durchzugehen,
bevor er aufstand und ihr Blick sich wieder ihm zu wandte. Er ließ seinen Vorschlag im Raum
stehen. Er wusste, dass ihr nicht viele Möglichkeiten blieben, aber das hatte er ja auch so
gewollt. Es würde doch keinen Spaß machen, wenn er es ihr zu leicht machen würde.
Außerdem traute er ihrem Temperament – wenn zumindest ein Teil dessen, das sie vor 3 Tagen
gehabt hatte, in ihr steckte – durchaus zu, dass sie ihm eine würdige Gegenspielerin wäre. Und
auch kurz nachdem er seinen Vorschlag unterbreitet hatte, stand sie ihrerseits auf und folgte
zum Tisch. Seine Augen folgten ihrer Hand, die fast zärtlich über den Tisch strich. was der
ganzen Annäherung etwas wunderbar Ästhetisches verlieh.
Sein Blick kehrte zu ihren Augen zurück, als ihre Hand die seine erreicht hatte und er lauschte
ihrem Handel. Nun das sollte ihn nicht sonderlich stören. Eine Tatsache, mit der er ohnehin in
gewisser Weise gerechnet hatte. Immerhin, wie sie sagte, war es ihr Blut, das er untersuchte
und solange er einen Teil davon für den Fall der Fälle behalten konnte, würde es ihn nicht
weiter stören seine Forschungen, die ihr Blut anbelangten, zu teilen. Vor allem da das, was er
ihr im Gegenzug bieten konnte, nicht im Geringsten so wertvoll war. Aber das war das Los
eines guten Deals. Einer der beiden stieg dabei meist schlecht aus. Sein Lächeln kehrte
ebenfalls; es wandelte sich von dem leicht überlegenen Lächeln zu einem charmanten, während
er so tat, als müsste er sich ihr Angebot durch den Kopf gehen lassen.
„Hmm... es wird eine Menge Arbeit sein das Ganze ungekürzt aufzuschreiben und es wird
mich um einiges mehr Zeit kosten. Zeit ist wertvoll, wie du bestimmt weißt.“ Sein Grinsen
wurde breiter und seinerseits verschwörerisch und doch auch zu gleich schien es einen Hauch
von Verführung inne zu haben.
„Wenn du also an meinen Ergebnissen Teil haben möchtest, wie wäre es dann damit, dass du an
meiner Forschung selbst Teil nimmst. Das würde die Zeit verkürzen, da ich deiner Formel nach
zu urteilen davon ausgehen kann, dass du verstehst was du tust.“ Dann nahm er ihre Hand,
führte sie zum Mund, küsste sie und als er ihre Hand sinken ließ, war das Grinsen noch
charmanter und bei Weitem freundlicher, als es bisher je gewesen war.
„Außerdem hätte ich dann das Vergnügen mit einer charmanten, jungen Dame zusammen zu
arbeiten. Was mir die Arbeit hier sicherlich versüßen würde.“ Damit sah er sie erwartungsvoll
an.
Jeromy: Seine Augen folgten ihr, dessen war sich Jeromy bewusst; in ihnen sah sie auch
Ascans Aufmerksamkeit. Er schien sich ihre Forderung durch den Kopf gehen zu lassen und
einen Moment fragte sich Jeromy, ob sie zu weit gegangen war und er nun nein sagen würde.
Aber hey, was zur Hölle, dachte sie da! Es war – verdammt noch mal – ihr Blut und wenn er
ihr nicht helfen würde, dann würde sie eben auf Umwegen auf des Rätsels Lösung kommen.
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Dennoch hoffte sie, dass er ja sagen würde, obgleich sie nicht auf ihn angewiesen sein wollte.
Aber Ascan lächelte, diesmal war es nicht dieses abschätzende Lächeln. Zugegeben, er hatte
Recht, sicherlich wäre es mehr Arbeit alles auszuschreiben, als es in Kürzeln zu schreiben, aber
vielleicht kam man so auf den vermeintlichen Fehler. Wenn ihm seine Zeit hingegen so
wertvoll sein sollte, zu wertvoll um sie mit ihr zu vergeuden, dann würde Jeromy sie nicht
länger in Anspruch nehmen. Sie wollte sich schließlich niemandem aufzwingen! Dass sie
vielleicht eine Hilfe sein könnte, daran dachte er noch nicht, oder wie, hallte es in ihren
Gedanken. Der Wolf war weit weg und die Wut eine kühle Wut, eine die Jermoy kontrollieren
konnte und somit auch nicht zeigen brauchte.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich wieder, wurde heller, sein Grinsen anzüglich. Diese Art
von Grinsen, der man gern ins Schlafzimmer folgte, weil es so verheißungsvoll wirkte. Der
Vorschlag, der dann kam, erstaunte sie und blies die gesamte Wut weg. Genau das war es doch,
was sie gewollt hatte. Sie wollte daran Teil nehmen, sie wollte ihren Fehler finden, wollte
weiterkommen, wollte von ihm lernen und zu gleich acht darauf geben, was Ascan mir ihrem
Blut anstellte. Nun ja, dass sie verstand, was sie tat, war eine andere Sache, denn ihre
Kenntnisse auf dem molekular-biologischen Bereich hatte sie sich erst hier im Guardian in
autodidaktischer Arbeit angeeignet. Das stand noch nicht sicher fest, ob sie ihm eine Hilfe oder
Hürde war. Aber zur Hölle, konnte er Gedanken lesen? Wieso hatte er ihr genau das
vorgeschlagen, was sie gewollt hatte?! Ernst schaute sie ihn an und erforschte sein Gesicht.
Ohne dass sie es realisiert hatte, hatte Ascan bereits seine Hand nach der ihren ausgestreckt, in
der sie die Phiole hielt. Seine Finger fühlten sich angenehm auf ihrer Haut an und dennoch
unerwartet wie ein elektrisierender Schlag. In seiner Hand entspannten sich ihre Finger und
hätten fast die Phiole zurück in seine Handfläche fallen lassen, als sie seine Lippen ganz leicht
auf ihrem Handrücken fühlte. Verdutzt und überfordert schaute sie ihn an und wusste für einen
Moment, nicht was zu sagen war. Das war das Letzte gewesen, worauf sie gefasst gewesen war
und dann grinste er sie noch so an. So ungewohnt, nicht höhnisch, nicht überlegen, irgendwie
anders einfach... „Charmante, junge Dame... versüßen...“
Himmel, was sagte er da, stand er denn nicht vor ihr, sah er sie denn nicht, wie sie war? Wie sie
vor ihm stand? Völlig durchschnittlich, unscheinbar, nicht gerade dem Schönheitsideal
entsprechend, sich immer in Schichten von Kleidung versteckend, damit man nicht zu viel von
ihrer Haut sah. Unterkühlt war sie, zu fest gefahren in ihrer Selbstkontrolle, aufsässig und stur.
Er musste sicherlich etwas heimlich gekifft haben, bevor sie den Raum betreten hatte. Dennoch
errötete sie und wandte peinlich berührt den Blick ab. Die Phiole hielt sie nach wie vor in ihrer
Hand, umschloss sie umso fester, nachdem er ihre Hand losgelassen hatte. Er hatte scheinbar
charmant sein wollen, doch erreicht hatte er genau das Gegenteil, sie fühlte sich nicht wirklich
ernst genommen von ihm und das kratze an ihrem Ego und das gewaltig.
Nun gut. Ohne Ascan ein weiteres Mal anzusehen, auch wenn ihr sein erwartender Ausdruck
nicht entgangen war, drehte sie sich von ihm ab. Ihre Finger zogen das Gummi aus ihrem Haar,
so dass es nach vorn fiel und ihr Gesicht teilweise verdeckte und damit auch die Röte.
Während sie um den Tisch herum ging, krempelte sie den Ärmel ihres Rollkrangenpullovers
hoch und zog das enge schwarze Gummi über ihren Oberarm, das sogleich leicht schmerzhaft
einschnitt. Sie suchte auf dem Tisch nach etwas, das aussah wie Desinfektionsmittel und wurde
fündig. Mit ein Paar Handgriffen hatten sie ein Paar Schubladen durchstöbert und auch eine
gefunden, die Spritzen aller Größen und Arten enthielt, von uralten bis steril verpackten, neuen,
so wie verschiedene Nadeln. Hätte sie auch gewundert, wenn sie nicht fündig geworden wäre.
Bald war alles ausgepackt, die Phiole abgestellt, die Nadel an der richtigen Stelle in ihren Arm
gestochen und ein Paar Milliliter der roten Körperflüssigkeit abgezapft. Sie brauchte nicht
lange zu suchen, denn an der selben Stelle waren viele kleine Einstichstellen in
Millimeterabständen zu sehen, die bereits am abheilen waren. Geschickt wurde die Flüssigkeit
in die Phiole eingefüllt, das Gummi wieder heruntergezogen, der Ärmel hinab gekrempelt,
Spritze und Nadel im nächsten Müllbehälter entsorgt. Und dann stand sie wieder vor ihm. Erst
schaute sie Ascan an und hielt die Phiole zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Ich bin einverstanden!“, wie konnte sie so ein Angebot auch ausschlagen. Jeromy hielt ihm
das kleine Gefäß hin, doch bevor er danach greifen konnte, warnte sie ihn. Die Röte war
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gewichen, ihr Blick war kühn auf ihn gerichtet, dennoch stand in ihren hellen Augen ihre
stumme Bitte und verlange fast verzweifelt nach Antwort.
„Keine Tricks und keine Eigenexperimente an mir ohne meine Zustimmung wie bei unserem
letzten Treffen!“ Ohne seine Zustimmung würde sie ihm die Phiole nicht aushändigen.
Ascan musste sich eingestehen, dass er Jeromy durchaus attraktiv fand, doch hätte er seinen
Charme natürlich auch eingesetzt, wenn dem nicht so gewesen wäre. Immerhin war es ja doch
so, dass er ja etwas von ihr wollte und nicht umgekehrt, auch wenn ihr das noch nicht ganz so
klar war. Natürlich sie wollte Informationen von ihm und manchmal mochten Informationen
viel mehr Wert sein, als man glauben mochte, doch das Problem mit Informationen als
Handelsware war stets da und daran hatte sich bis heute nichts geändert: das Problem mit der
Qualitätsbestimmung vor dem Kauf. Denn entweder lief der „Verkäufer“ Gefahr die
Information Preis zu geben und dann nichts dafür zu bekommen, weil sie dem Partner nicht gut
genug waren, dieser sie jedoch dann trotzdem besaß, oder aber der „Käufer“ - so wie es in
diesem Falle war - musste sich auf ein Blindhandel einlassen ohne zu wissen, ob er das, was er
bekommen würde, überhaupt brauchen konnte und da er sie schon in diese unangenehme
Verhandlungssituation brachte, war es nur rechtens, wenn er ihr dafür ein wenig schmeichelte
und die Tatsache, dass er nicht lügen musste, versüßte ihm das Ganze nur noch mehr. Ihre
Reaktion fiel jedoch anders aus, als er erwartet hatte. Den entgegen seiner bisherigen
Vermutung schien sie nicht nur den wölfischen Teil an sich nicht zu mögen, sondern empfand
sich wohl als Ganzes eher durchschnittlich. Zumindest ließ ihre zurückhaltende Reaktion
darauf schließen. Ohne darauf etwas verbal zu entgegnen, kehrte sie ihm die Seite zu und
schenkte ihre volle Aufmerksamkeit seinem Alchemie-Tisch. Er ließ sie gewähren und
beobachtete, wie sie ihr Haarband löste, es über den Ärmel streifte und sie mit deutlich geübter
Hand Blut von sich selbst abzapfte. Er bezweifelte, dass er das so gut bei sich selbst hinkriegen
würde. Allerdings war es auch schon längere Zeit her, dass er jemandem per Spritze Blut
abgenommen hatte. Schließlich drehte sie sich wieder zu ihm um und hielt ihm die Phiole
entgegen.
Bereits wollte er seine Hand danach ausstrecken, als sich ihr Blick veränderte, kühn wurde und
ihre Augen einerseits klug und wagemutig, andererseits bittend in die seinen sahen. Kluges
Mädchen, sich noch ein letztes Mal abzusichern und wagemutig den Deal zu riskieren, obwohl
sie scheinbar sehr zufrieden mit dem Handel war. Er sah sie einen Moment an und doch schien
sein Blick nicht direkt sie anzusehen, sondern ein wenig ab zu schweifen, so als würde er
überlegen. Eigentlich hatte sie Recht, wie er fand. Auch wenn er durchaus nicht der Mensch
war, der betrübt darüber war jemand anderen übers Ohr gehauen und dadurch einen guten Deal
gemacht zu haben, so hatte sie sich in seinen Augen doch bereits ein wenig Anerkennung
verdient. Erstens musste ihr klar sein, dass wenn er Blut von ihr hätte, er durchaus sehr
gefährlich für sie werden konnte, noch gefährlicher als ohnehin schon und doch war sie bereit
auf den Handel einzugehen und zweitens war sie klug und vor allem vorsichtig. Beides
Eigenschaften, die den meisten Leuten in diesem Geschäft fehlten und damit zum Verhängnis
wurden. Er ließ die Hand wieder sinken und grinste sie an.
„Hm, ich denke da wir jetzt Geschäfts- und Handelspartner sind, sollte ich dann wohl auch
meinen guten Willen unter Beweis stellen.“ Er trat einen Schritt näher an sie heran, zeigte mit
den Augen auf den Alchemietisch.
„Dürfte ich kurz?“ Damit öffnete er eine Schublade, die nach nicht viel aussah. Einige Steine
lagen scheinbar wahllos darin herum und eine kleine Holzkiste, gerade mal groß genug um
vielleicht ein Feuerzeug oder etwas in dieser Größe darin unterzubringen. Erst wollte Ascan
nach der Kiste greifen, wie es schien, doch fuhr seine Hand dahinter und holte einen rötlichen
in Gold gefassten Stein heraus. Seine Finger waren darauf bedacht nur den Kristall selbst und
nicht das Edelmetall darum zu berühren. Er war zwar an keine Kette befestigt und doch war
durch einen kleinen Einlass am oberen Ende klar, dass er ursprünglich als Anhänger gedacht
gewesen war. Nachdem er die Lade wieder geschlossen hatte, hielt er nun seinerseits ihr den
Stein entgegen.
„Ich mache selten Angebote, die für mich einen Nachteil bedeuten und schon gar nicht, wenn
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