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giorgione der sturm.pdf


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Dass die nackte Frau durch einen bekleideten Mann ausgetauscht werden konnte, wirkt auf
mich ein bisschen willkürlich. Ich distanziere mich daher von Interpretationsversuchen, die
eine mythologische oder religiöse Ikonographie zu erkennen meinen und stelle die These zur
Diskussion, dass es Giorgione vor allem um die Stimmung und nicht um die Bedeutung seines
Bildes ging. Neben den malerischen Mitteln dienen die inhaltlichen Elemente, wie der Blitz,
die Doppelsäule und die Personen, also dazu diese Stimmung zu erzeugen, bzw. zu
verstärken. Für gewöhnlich können wir uns als Betrachter besser in ein Bild hineinversetzen,
wenn wir dort eine Person sehen. Besonders der Blick der Frau scheint ins Bild
hineinzuführen. Sogar ich als Mann fühle mehr mit ihr, als mit dem Jüngling. Der Blitz
verleiht dem Bild etwas bedrohliches, die Frau wirkt ohne Körperbedeckung schutzlos, das
Beisein ihres Säuglings und der Kontrast des bekleideten Mannes intensivieren diese
Stimmung. In diesem Sinne erscheint es verständlich, dass Giorgione die badende Frau
übermalt hat.
Noch etwas banales am Schluss: Sich La Tempesta heute als digitale Datei, Kunstdruck, oder
sogar in der der Gallerie del’Accademia anzusehen mag etwas anderes sein, als damals, in
der gut 500 Jahre jüngeren Fassung. Die sinnlich-ästhetische Wirkung, die das Bild alleine
durch Farbe und Sfumato hervorgerufen haben muss, kann heute leicht in Vergessenheit
geraten, wenn wir es als verblasstes (Ab)bild auf seinen Inhalt hin untersuchen.