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Religionen und säkularer Staat .pdf


Original filename: Religionen und säkularer Staat.pdf
Author: Renate

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Religionen und säkularer Staat – Chance oder Bedrohung?
Kurzvortrag GV LU April 2014
(Zusammenfassung Schney Vortrag 2014)
Einleitung:
Wochenlang habe ich die Diskussionen um das Thema Grundrechte homosexueller
Menschen in Afrika und anderswo verfolgt. Nigerianische Humanisten wehrten sich
verzweifelt gegen eine diskriminierende Gesetzgebung, in Uganda trat ein ähnliches Gesetz
in Kraft. Wir erlebten die Diskussion um ein vergleichbares russisches Gesetz, wir erlebten
den Aufruhr, den der Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg verursachte, vor allem
wegen der gegen ihn gerichteten Petition, die ebenfalls als gegen Homosexuelle gerichtet
verstanden wurde. Die Diskriminierung wird religiös begründet, in ihrer Ablehnung der
Homosexualität sind sich die monotheistischen Religionen in den konservativeren und
fundamentalistischeren Ausprägungen ziemlich einig. Und wir sehen, solche Diskriminierung
kommt wieder zurück ins aufgeklärte Europa, wenn sie denn je ganz verschwunden war.
Oder: Das Thema Selbstbestimmung am Lebensende wurde wieder aufgegriffen durch den
Vorstoß des neuen Bundesministers für Gesundheit und auch da verlaufen die
Trennungslinien entlang religiöser/weltanschaulicher Linien und quer zu denen der
Parteien.
Je mehr Themen sich mit den Fragen beschäftigen wie: was ist ein Mensch, was ist Leben,
wie soll ich leben, umso stärker dringen religiöse und weltanschauliche Vorstellungen in die
politische und gesellschaftliche Diskussion ein. Es sind Fragen, die wissenschaftlich nur
teilweise beantwortet werden können, daher Raum lassen für Deutung. Man stellt sich die
Frage, wie ein säkularer Staat damit umzugehen hat.
In einem weiteren Themenbereich geht es um die Frage nach der Trennung von Staat und
Kirche, nach der Privilegierung bestimmter Religionsgemeinschaften gegenüber anderen
und gegenüber Weltanschauungsgemeinschaften.
Säkularisierung bedeutet somit zweierlei: zum einen eine Einschränkung des
Wahrheitsanspruches und Geltungsanspruches, den Religionen und Weltanschauungen
erheben, zum zweiten die Gleichberechtigung aller Religionen und Weltanschauungen, was
letzthin bedeutet, dass sich der Staat trennen muss von der Privilegierung bestimmter
Gemeinschaften, den Kirchen. Dass wir in einem säkularen Staat leben, hat vor wenigen
Monaten sogar ein Vertreter der CSU festgestellt. Die gleichen Konsequenzen wie ich hat er
nun nicht unbedingt daraus gezogen.
Über letzteres, die Notwendigkeit einer Gleichbehandlung habe ich schon mehrfach bei
Versammlungen gesprochen und für unsere Gemeinschaft auch vorgeschlagen, hier viel
energischer eine Gleichbehandlung zu fordern. Letzteres bietet aber auch allen anderen
Religionen Chancen. Zum einen, ernst genommen zu werden und nicht nur als zweitklassig
abgetan zu werden, zum zweiten, sich bewähren zu müssen in ihrer Haltung gegenüber
unserer Verfassung. Auch wenn niemand von einer Religion verlangen kann, alles
demokratisch z.B. zu machen oder etwa Männer und Frauen gleiche Ämter zu geben, so
dürfen sie doch die Grundrechte ihrer Mitglieder nicht einschränken und schon gar nicht
Forderungen auf die Einschränkung der Grundrechte außerhalb erheben.

Schwieriger aber wird das erste Thema, denn gerade dort treffen Positionen aufeinander,
die kaum miteinander zu vereinbaren sind. Für uns ist das weniger ein Problem, da wir von
vorneherein eine absolute Wahrheit ausschließen. Aber für andere Religionen ist es das sehr
wohl. Es sind vielfach Themen, in denen sich keine absolut sichere Entscheidungen treffen
lassen, wenn man die Frage der sexuellen Orientierung beiseite lässt, die klar ist.
Aber in vielem anderen, humanes Sterben, Schwangerschaftsabbruch,
Präimplantationsdiagnostik, Eltern- versus Kinderrechte etwa in Fragen der religiösen
Selbstbestimmung: da kommt es immer wieder zum Aufeinanderprallen von Positionen, die
scheinbar unvereinbar sind. Und sich damit abfinden zu müssen, dass viele Menschen die
Positionen einer Religion, oft sogar ihrer eigenen, gar nicht teilen, fällt schwer bei
Behauptung eines Absolutheitsanspruches.
In einem säkularen Staat gibt es damit eine neue Herausforderung, nämlich die zum
Gespräch, zur Überzeugungsarbeit sowohl innerhalb wie außerhalb der Religionen. Das zu
etablieren wird dauern, ist aber eine wichtige Aufgabe, wenn es darum geht, ein zentrales
Anliegen unserer Gesellschaft dauerhaft zu bewahren: die gegenseitige Achtung. Dazu muss
auch der Staat beitragen, in dem er seinerseits darauf achtet, alle Richtungen in Gespräche,
in Entscheidungen einzubeziehen. Doch an dem Punkt haben wir noch einen langen Weg vor
uns.

Renate Bauer


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