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Schweiz.

| Samstag, 31. Mai 2014 | Seite 4

80 Kühe und ein chinesischer Ministerpräsident
Vor einem Jahr besuchte Li Keqiang die Schweiz – jetzt tritt das Freihandelsabkommen mit China in Kraft

Desaster, weil Tibeter beim Bundesplatz
gegen den Besuch demonstrierten. Der
Guldenberg wurde darum zur Hochsicherheitszone erklärt. «Im Vorfeld der
Visite», sagt Lienhard, «waren alle hier,
die irgendwie für Sicherheit zuständig
sind: die Ortspolizei, die Stadtpolizei,
die Kantonspolizei, die Bundespolizei,
sie haben ein Dispositiv erstellt und
gesagt: ‹Mehr kann man nicht tun.›»
Lienhard nimmt einen Schluck Kaffee. Ich frage: Welchen Eindruck hat Li
Keqiang auf Sie gemacht? «Er war sehr
freundlich, zugänglich, enorm interessiert, zu sehen, wie wir hier produzieren. Er schien beeindruckt, dass unsere
Landwirtschaft so ökologisch ausgerichtet ist und wir von unserer Arbeit
leben können. Es hat ihn auch überrascht, dass wir Bauern sogar auf gepachtetem Land selber bestimmten
können, was wir anbauen.»
Lienhard sagt, das Freihandelsabkommen habe ihm anfänglich Sorgen
gemacht. Seine Angst vor der asiatischen Konkurrenz war bei ihm so gross
wie bei allen Bauern hierzulande. Er
habe beim Besuch dann aber den Eindruck erhalten, China wolle erst seine
1,3 Milliarden Bürger selber ernähren,
bevor es Nahrungsmittel exportiere.
«Heute», sagt Lienhard, «unterstütze
ich dieses Abkommen. Wir müssen
lernen, mit der Liberalisierung zu leben. Li hat mir gesagt, wir hätten nichts
zu befürchten.»
China werde vor allem Tee exportieren. «Die Schweiz kann Joghurt, Käse,
alkoholfreie Getränke oder Wein liefern, zudem Magermilchpulver oder
Fertigpizza. Das eröffnet uns Bauern
neue Absatzmöglichkeiten.»

Von Martin Furrer, Embrach
Anschläge erschüttern den Niger, die
EU setzt die Hizbollah auf ihre TerrorListe, die Börsenkurse in Japan sinken:
Am Freitag, dem 24. Mai 2013, geschieht allerhand auf der Welt. Bauer
Michael Lienhard allerdings kümmert
das kaum. Denn wirklich Bemerkenswertes passiert an diesem Tag im Zürcher Unterland, tief in der Provinz, ohne
dass die Zeitungen später deswegen ein
grosses Aufheben machen werden.
Ein Tross von schwarzen Limousinen ist unterwegs nach Embrach bei
Kloten. Der Konvoi flitzt vorbei an sattgrünen Wiesen, fetten Äckern und
verblüfften Passanten. Der Regionalbus, wird Lienhard später erfahren,
verspätet sich, denn die Fahrzeuge mit
den getönten Scheiben haben Vortritt:
Die Polizei hat sämtliche Strassen
der Umgebung für den Normalverkehr
gesperrt.
Die Wagenkolonne prescht vor. Sie
fährt hinauf zum Hof Guldenberg. Dort
wartet Lienhard, gelernter Landwirt mit
Meisterdiplom. Er wartet auf einen hohen Politiker – auf Li Keqiang, Ministerpräsident Chinas, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.
Dann hört Lienhard Motorengeräusche,
die näher kommen.
Zweihundert Polizisten
Li will einen Bauernhof in der
Schweiz besuchen, einen in der Nähe
des Zürcher Flughafens. Schliesslich
soll die Anreise einfach und vom Sicherheitsaufwand her vertretbar sein. China
und die Schweiz haben soeben ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Li
Keqiang möchte sich nun ein Bild der
Agrarrealität im Alpenstaat machen.
Zuvor hat die chinesische Botschaft in
Bern sondieren lassen, welcher Hof für
eine Besichtigung geeignet wäre. Der
Zürcher Bauernverband fragte die Lienhards an, ob sie Interesse hätten. Auf
dem Guldenberg sagte man freudig Ja.
Es ist neun Uhr morgens. Die Mitglieder der chinesischen Delegation
treffen ein, sie steigen aus ihren Autos.
Li trägt einen dunklen Anzug ohne
Krawatte. Er schüttelt Lienhard die
Hand. 200 Polizisten, darunter Scharfschützen, sichern die Umgebung, beobachten die Waldränder, haben den
Luftraum im Auge, während sich Li und
Lienhard aufmachen zur Besichtigungstour. Die beiden werden begleitet von
Bundesrat Johann Schneider-Ammann.
Der Direktor des Bundesamtes für
Landwirtschaft und der Präsident des
Schweizerischen Bauernverbandes sind
mit von der Partie. Auf ihren Füssen
folgen ihnen ein Dolmetscher, 20 chinesische Kamerateams und ein paar Journalisten.
Lienhard zeigt Li Keqiang den Boxenlaufstall mit 80 Milchkühen. Er gibt ihm
Einblick in die Grossvieh- und Kälbermast, öffnet das Tor zum Gebäude mit
den Legehennen, geht mit ihm zu den
Obstbäumen, 4000 insgesamt, erläutert
die Hochstamm-Kulturen, demonstriert
die Wein- und Traubensaftanlage. Es ist
ein ungewöhnlicher Tag der offenen Tür

«Er war sehr zugänglich.» Bauer Michael Lienhard begrüsst Ministerpräsident Li Keqiang (r.) auf seinem Hof
in embrach am 24. Mai 2013. Foto Keystone

auf dem 33 Hektaren grossen Gut. Ein
Anlass, wie er bisher wohl noch nie vorkam hierzulande, exklusiv organisiert
für einen der einflussreichsten Funktionäre Chinas, der 1957 als Sohn von Bauern geboren wurde und später Wirtschaft und Jura studierte.

Embracher Fruchtsäfte
in Shanghai? Noch
ist das Zukunftsmusik
für Michael Lienhard.
Der Bauernverband wird am Tag danach eine Mitteilung verschicken, die
ein bisschen im Politbürostil abgefasst
ist. «Li Keqiang», heisst es darin, «stellte
bei der Hofbesichtigung dem Betriebsleiterpaar verschiedenste Fragen und
zeigte sich beeindruckt vom vielseitigen
und gut geführten Hof.» Er habe «Gemeinsamkeiten zur chinesischen Landwirtschaft» festgestellt. Ähnlich wie die
Schweiz sei sie «grösstenteils sehr kleinbäuerlich strukturiert».
Dann schwenkt der Pulk zu einem
grossen Raum neben dem Wohnhaus.
«Direktverkauf» steht beim Eingang.
Li degustiert Schorle und frische Erdbeeren. Er nickt anerkennend, es
schmeckt ihm. Es ist jetzt schon fast elf
Uhr. Zum Abschied singt der Jodlerver-

ein Sängerrunde Zürich. Der Tross setzt
sich wieder in Bewegung, Richtung
Flughafen. Vorbei der Spuk.
Ein Jahr nach diesem Stelldichein
der Prominenz fahre ich selber hinauf
zum Hof Guldenberg. Der Regionalbus
kommt mir entgegen, er scheint heute
pünktlich unterwegs zu sein. Weit und
breit keine Polizisten. Ich treffe Michael
Lienhard (32) – den Mann, der dereinst
seinen Kindern und Grosskindern erzählen wird, er habe als einziger Bauer
des Landes mit einem chinesischen Ministerpräsidenten und einem Schweizer
Bundesrat geplaudert, ihnen die Hand
geschüttelt, den Hof gezeigt.
Wie hat Lienhard den kleinen
Staatsbesuch in Erinnerung? Was hält
er vom Freihandelsabkommen, das am
1. Juli in Kraft treten wird?
Lienhard bittet zum Gespräch in den
Hofladen, ein umgebauter Stall, hell,
modern. Es riecht nach Obst. Lienhard
tischt einen Kaffee auf. In den Regalen
liegen Äpfel, 15 verschiedene Sorten,
Birnen der Sorte «Kaiser Alexander»,
das Kilo zu 2.70 Franken, «knackigsüss», steht auf dem Preisschild. In einer
Vitrine lagert Kalbfleisch, «aus unserer
naturgerechten Tierhaltung im Freilauf». Daneben Weine aus Eigenkelterung: Guldenberger Edelgold, Guldenberger Rosé, Guldenberger Pinot noir.
Ich blicke mich um: An der Wand Erin-

nerungsfotos: Li bei der Schorle-Degustation, Li vor der Melkmaschine, dazu
eine Ausgabe der Zeitung China Daily,
die das Abkommen auf ihre Titelseite
hievte.
Wie war das, Herr Lienhard, an
jenem 24. Mai 2013? Waren Sie ein
bisschen nervöser als sonst? «Nicht
wirklich», sagt Lienhard, «Polizei und
Behörden hatten uns ja sehr gut auf den
Anlass vorbereitet. Ich war ziemlich
entspannt.» Man nimmt ihm das ab.
Lienhard ist ein selbstbewusster Vertreter der Bauernschaft, mit beiden Beinen
auf dem Boden der Realität, ruhig,
redegewandt, standfest und stolz. «Es
war mir eine Ehre, unseren Hof zu
präsentieren, ich zeige ihn gerne, man
darf ihn ja auch zeigen.» Es sei fast
schon ein bisschen Tradition, dass man
die Türen hier oben offen halte, «schon
mein Vater hat einst Politiker aus dem
Elsass und Südbaden durch den Betrieb
geführt. Aber so hohen Besuch wie
letztes Jahr hatten wir noch nie.»
Angst vor der Konkurrenz
Dass im Nachbardorf ausgerechnet
ein paar Tibeter wohnen, machte die
Sache nicht einfacher. Die Eidgenossenschaft wollte diesmal Szenen wie 1999
vermeiden. Damals geriet der Staatsbesuch des chinesischen Staatschefs Jiang
Zemin in Bern zum diplomatischen

Flachbildschirm als Souvenir
Lienhard will versuchen, Schorle ins
Reich der Mitte zu liefern. «Wir hatten
schon einmal einen Versuch unternommen. Heute ist das noch furchtbar
schwierig. Der Papierkrieg ist enorm.
Vielleicht wird es mit dem Abkommen
einfacher.» Embracher Fruchtsäfte in
Shanghai? Noch ist das Zukunftsmusik
für Lienhard, den die Produktionsverhältnisse in der Schweiz im Moment ohnehin stärker zu beschäftigen scheinen
als neue Märke in Asien. «Unsere Landwirtschaftspolitik geht in die falsche
Richtung», sagt Lienhard. Sein Blick ist
ernst und China jetzt weit weg: «Bestes
Kulturland wird zu Wiesen umfunktioniert, für Blumenwiesen erhält ein Bauer bald mehr Subventionen als für seine
Felder. Wir wollen aber nicht bloss Subventionsempfänger sein! Wir möchten
von der Produktion von Nahrungsmitteln leben können. Unser Selbstversorgungsgrad ist ohnehin viel zu tief.»
Draussen geht ein Gewitter nieder.
Im Raum wird es dunkel. Was bleibt
Lienhard vom chinesisch-schweizerischen Spitzentreffen? Die Hoffnung, in
ein paar Jahren dank Abbau von Zollschranken seine Produkte nicht nur bis
nach Zürich oder Basel, sondern bis
nach Peking verkaufen zu können. Und
ein riesiger neuer FlachbildschirmFernseher, den ihm Li als Geschenk aus
China mitgebracht hat.

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