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Interview Wiener Baustadtrat .pdf



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Author: Hartmut Bräunlich

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Warum Wiener besser wohnen: Das Wiener Modell
Interview von Radio eins mit dem Wiener Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig vom 28.07.2014

Was ist das Geheimnis für eine Nettokaltmiete von durchschnittlich drei Euro pro Quadratmetern in
Wien und wie und was könnte Berlin von der Wiener Stadtentwicklung lernen?
Deutschland im Sommer 2014: Die meisten Menschen wollen in die Großstädte. Die Jungen, die
Arbeitssuchenden, die Aufstrebenden, die, die auf dem Land wohnen, die, die sich lieber in
Deutschland aufhalten als in ihren teureren Heimatländern, die, die in Speckgürteln wohnen und
pendeln müssen.

Deutsche Mietpreisspiegel zu lesen ähnelt der Erfahrung, die man beim lesen der Lektüre lernt, die in
gentrifizierten Städten spielt: die arme Peripherie läuft Sturm gegen die superreichen Innenstädte wie schon in Paris geschehen...

Es mehren sich die Rufe, dass die Mietpreisbremse, wie vom Justizminister Heiko Maaß verordnet, da
auch nichts reißen wird. Auch wenn der heute ankündigte, noch mal hier und da nachzubessern.
Dabei könnte man doch von Wien lernen - wie man es nicht hätte machen sollen und was man jetzt
noch machen muss.

Wir sprachen darüber mit dem Wiener Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig.

Sie arbeiten für den größten Immobilienbesitzer Europas, die Stadt Wien. Ist das schon allein
das Geheimnis für eine Nettokaltmiete von durchschnittlich 3€ pro qm?
Ja es sicherlich so das die kontinuierliche Wohnbaupolitik in Wien die über Jahrzehnte
großen Wert gelegt hat auf den kommunalen Wohnbau hier eine große Rolle spielt. Wir haben
in Wien rund 220000 Gemeindewohnungen hier leben eine halbe Millionen Wienerinnen und
Wiener, dazu kommen noch 200000 Geförderte Miet und Genossenschaftswohnungen. Das
heißt 60% der Wienerinnen und Wiener wohnen in einer geförderten Wohnung und das ist
nicht nur gut für jene die eine kostengünstige Wohnung haben sondern senkt auch insgesamt
das Mietpreisniveau.

Jetzt würde ja mein linker Lungenflügel schon wieder jauchzend sagen das kann doch wohl
nicht sein. Ein Arzt ein Lehrer soll in einer subventionier Wohnung leben, der könnte doch
aus eigener Tasche den Bau von Eigentumswohnungen ankurbeln.

Für uns ist es ganz wichtig das der geförderte Wohnbau Gemeindewohnungen und
Genossenschaftswohnungen auch für den Mittelstand bis hin zum gehobenen Mittelstand
zugänglich sind, weil dadurch auch die soziale Durchmischung in der Stadt gewährleistet ist
und zwar nicht nur in einzelnen Bezirken und Stadtteilen sondern verteilt im gesamten
Stadtgebiet. Also wir wollen nicht jene Fehler machen die es in anderen auch europäischen
Großstädten gibt wo seine ganz starke Gentrifizierung gibt und wo man quasi an der
Visitenkarte eines Menschen auch seinen sozialen Status erkennen kann. Also von daher ist
die soziale Durchmischung wichtig und der geförderte Wohnbau in Wien leistet hier einen
wichtigen Teil dieser Herausforderung.

Wer hier in Berlin eine Altbauwohnung hat der wird aber trotzdem blass vor Neid wenn er
mal innerhalb des Rings sich die Altbauten aus der K & K Zeit ansieht. Sind das alles
Stadteigene Wohnungen die sie für kleines Geld vermieten oder sagen sie da muss man dann
auch mal die eine Luxusmodernisierung ,Umwandlung in Eigentumswohnungen zulassen
damit wir dann auch den reichen Londoner, Moskauer oder sonst wo er herkommen mag,
meinetwegen aus Shanghai bei uns als Gast heißen dürfen.

Also man darf nicht verhehlen auch in Wien ist natürlich der Druck auf Grundstückspreise
und Immobilien ein hoher, wir versuchen nur mit einer Reihe von Maßnahmen
gegenzusteuern. Also z.B. die von Ihnen angesprochenen innerstädtischen Lagen sind
natürlich auch bei uns unter einem sehr starken Preisdruck. Wir versuchen dem
entgegenzuwirken das wir beispielsweise Geld aus der Wohnbauförderung auch für die
Sanierung von privaten Wohnhäuser und wenn private Eigentümer dieses Angebot annehmen
verpflichten sie sich das sie 15 Jahre hindurch die Miete für die dort lebenden Menschen
nicht erhöhen. Das heißt wir verhindern zu mindestens einen gewissen Zeitabschnitt hinweg
eine Gentrifizierung und das fördert auch die soziale Durchmischung auch in sehr starken
Gebieten die unter einem Preisdruck zu leiden haben. Also hier versuchen wir
gegenzusteuern.

Also vielleicht gehts ihnen einfach auch nur besser weil nicht so viele Menschen
beispielsweise nach Wien wollen wie nach Berlin rein wollen oder sind die Zahlen......

Das stimmt nicht. Nein, Wien zählt derzeit zu jenen Städten in Europa die in absoluten Zahlen
und prozentuell am stärksten anwachsen. Wir sind derzeit die zweit größten Stadt im
deutschsprachigen Raum, wir haben vor wenigen Wochen Hamburg überholt.

Aber ist in Berlin nicht schon das Kind in den Brunnen gefallen wenn wir unser Tafelsilber
verscheuert haben. Vor 10 Jahren waren ja 65 000 Wohnungen ja an private Investoren
vergeben worden für relativ kleines Geld. Wenn man sieht welche Rendite damit heute

erwirtschaftet werden könnte weil Berlin damals kein Geld hatte und sein Tafelsilber
verscherbeln müsste. Ist für uns jetzt alles zu spät oder haben sie noch zwei Tipps.

Also ich glaube ganz wichtig ist schon am Beginn anzusetzen bei Grundstücksbevorratung.
Hier haben wir in Wien wie ich meine ein sehr gutes Instrument dem WoFond Wien. Das ist
ein Fond der sich selbst speist, Grundstücke für den geförderten Wohnbau ankauft, zu einer
Zeit wo es beispielsweise noch keine
(Widmungen ?) am Grundstück gibt und diese Grundstücke dann für den geförderten
Wohnbau zur Verfügung stellt. Das ist eine wichtige Maßnahme, eine zweite ist das wir wie
ich meine, eine sehr gutes Mischsystem haben aus Objektförderung wo wir Geld für Neubau
und Sanierung zur Verfügung stellen, aber auch Individualförderung über die Wohnbauhilfe.
Also das heißt ein Mischsystem auch in der Förderstruktur und zum dritten glaube ich das es
wichtig ist das man überall dort wo man als Kommune unmittelbaren Zugriff auf Wohnungen
hat sich diesen auch bewahren soll, egal ob das im direkten Eigentum ist oder über
Wohnbaugenossenschaften und hier diesen Kontakt hält und vielleicht das vierte, ich denke
das wir großem Wert darauf gelegt haben innerhalb der Stadtgebietes sogenannte Brownfield
Areals, ehemalige Bahnhöfe, ehemalige Kasernen oder auch ein großes Flugfeld bei uns in
Wien in dieser Stadt ausbauen, für den Wohnbau entwickeln.

Gut, das war gerade ein Tritt in den Hintern für den Herrn Müller oder?

Nein, keinesfalls das sind immer andere Gegebenheiten und andere Herausforderungen das
muss man immer unterschiedlich einschätzen.

Würden sie sich gegen den Begriff der Planwirtschaft verwahren, weil Brüssel sind sie ja ein
Dorn im Auge. Also freier Markt für alle sagt Brüssel

Das ist eine gute Frage die sie stellen, denn wir haben uns in Wien sehr dafür eingesetzt das
in Brüssel und in der Europäischen Union das Subsidiaritätsprinzip im Bereich der
Wohnbaupolitik weiter gültig ist sowie auch bisher und das das Wettberwerbsrecht hier nicht
eine Neoliberalismus Entwicklung unterstützen kann und wir haben in Wien eine Petition
verabschiedet der sich mehr als 30 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus EU Staaten
und Städten angeschlossen haben, die gegen eine solche neoliberale Entwicklung auftreten
und ich freu mich sehr das auch Berlin dieser Petition beigetreten ist und wir gemeinsam uns
innerhalb der Europäischen Union bemühen das Wohnbaupolitik auch in Zukunft in den
Städten geregelt wird, das wir nicht wollen das in Wien beispielsweise neoliberale Zustände
herrschen wie in anderen Ländern und Städten.

Wenn ich ihnen zuhöre dann kommt unser Instrument der Mietpreisbindung mir so vor wie
ein Pflaster auf ein amputiertes Bein.

Ich denke jede Maßnahme die man jetzt setzen kann ist wichtig man muss immer sehen unter
welchen unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen auch wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen solche Schritte erfolgen und das ist sicher ein Schritt aber man wird mit
einem Schritt nicht alle Probleme lösen können, es ist immer ein Potpourri aus verschiedenen
Maßnahmen notwendig .

Der Wohnbaustadtrat von Wien der uns dankenswerter Weise in seinem ersten Urlaubstagen
für ein Interview zur Verfügung gestanden hat. Bislang waren es nur die Alpen und ihr
Dialekt um die ich sie beneidet habe, jetzt kommt auch noch ihr Mietrecht hinzu. Ich danke
ihnen ganz herzlich.

http://www.radioeins.de/programm/sendungen/modo1619/_/warum-wiener-besser-wohnen--daswiener-modell.html


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