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78 Tangodanza 61 W .pdf


Original filename: 78 Tangodanza 61-W.pdf
Title: Tangodanza
Author: Olaf Herzog

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Kaukasus

Szene

Milonga im
Kaukasus
oder

Wie Tango nach Tiflis kam
von Susanne Kihm

Eine Legende sagt, dass an dem
Tag, an dem Gott den Völkern der Erde
die Orte zum Leben gab, die Georgier
zu spät kamen. Und weil kein Ort
mehr übrig war, gab Gott ihnen den,
den er eigentlich für sich selber
vorgesehen hatte. An solch einem Ort
muss es doch auch Tango geben...

2 Und es gibt ihn. Sonntags mittags zum
Beispiel, im Linville, in der Altstadt von
Tiflis. Wenn man endlich die kleine
unscheinbare Eingangstür gefunden hat,
erwartet einen dahinter nichts als ein
schmales Treppenhaus mit einer langen,
krummen Holzstiege. Doch wer sich
traut hochzugehen, wird belohnt. Ein
junges Pärchen hat die ehemals typische
Tifliser Wohnung mit bunt verglastem
Balkon, der wie alle anderen umliegenden
Balkone in den mit Wein überwucherten
sogenannten ‚italienischen Hof’ hineinschaut, mit viel Liebe in ein originelles
Café verwandelt.
Viele alte Möbelstücke der Wohnung sind
geblieben, und gerade solch eine Atmosphäre ist es, die, wie der Organisator
Levan Gomelauri meint, die Tänzer inspiriert, zur Improvisation einlädt. Die
Improvisation ist das, was den 25jährigen Komponisten anfänglich am meisten
am Tango fasziniert hat, die Tatsache,
dass unmittelbar beim Tanzen erst der
Tanz entsteht.
78

Szene › Nr. 1 · 2015
{ Tangodanza

}

Schöner Zufall
Wie alles begann? Als ich 2007
nach Georgien kam, stieß ich
zwar in einer Erzählung auf
eine profunde und poetische
Beschreibung des, so der Autor Guram Dotschanaschwili,
„scheinbar altmodischen Tanzes, dessen Erwähnung bei
Milonga im Linville
vielen von uns ein ironisches
Lächeln hervorruft“, doch es
gab keinen Tango in Tiflis, hatte
ihn nie gegeben – und ich hatte längst aufgehört
danach zu suchen, als ich ein halbes Jahr später
zufällig auf der Straße Nika Lomtadze begegnete. Ebenfalls zufällig kam ich in unserem
Gespräch auf Tango, und es stellte sich heraus,
dass er während seines Studiums in Deutschland bei argentinischen Lehrern gelernt, später
in Dortmund eine Weile unterrichtet hatte und
jetzt, nach seiner Rückkehr, versuchen wollte,
eine kleine Szene in seiner Heimat aufzubauen.
Als er mich fragte, ob ich denn tanze, sagte ich
kurz entschlossen ja, ein bisschen – ich war in
Berlin einmal auf einer Milonga gewesen, kurz
vor meiner Abreise. Dass ich gar nichts konnte,
merkte er am nächsten Tag, als wir uns vormittags zum Ausprobieren trafen. „Naja“, meinte
er, „dann kann ich es dir ja auch beibringen, ich
hab sowieso niemand anderes.“ Und so hatte
ich einen Lehrer gefunden, der nicht nur mit
ganzem Herzen und ganzer Seele tanzte,
sondern entschlossen war, mir den Tango zu
vermitteln mit seiner Tiefe und Subtilität, die
sich schwer in Worte fassen lässt. „Wenn du
wirklich tanzen lernen willst, musst du es ernst
nehmen“, sagte er mir. „Du musst eigentlich
immer tanzen, zumindest im Kopf. Wenn du
auf der Straße läufst. Oder im Schlaf. Und vor
allem musst du deinen Tango finden. Im Innern.“ Das merkte ich mir.
Vier Monate später trafen wir uns mit ein paar
Leuten, von denen wir gehört hatten, dass sie

etwas mit Tango
zu tun hätten, in
der Wohnung eines
deutschen Expats,
die man durch diesen gigantischen roten Samtvorhang
betrat. Sieben Leute waren wir, drei
Deutsche, eine RusGeorgischer Tanz
sin, ein Amerikaner
und zwei Georgier.
Tobias, der Gastgeber, hatte Borschtsch gekocht, und danach
haben wir ein bisschen getanzt, genauer gesagt
ich nicht, weil in meiner Wohnung in jenem
für Tiflis ungewöhnlich bitterkalten Winter
schon seit zwei Tagen der Strom ausgefallen
war und ich im Dunkeln beim Weggehen zwei
verschiedene Schuhe gegriffen hatte. In der
folgenden Woche organisierten wir zusammen
die erste Milonga in Tiflis, zu der überraschenderweise fast hundert Leute kamen – ein paar
Expats, die irgendwo anders schon mal getanzt
hatten und viele Leute, die wahrscheinlich, wie
ich, nach dem Tango in Tiflis gesucht hatten.
Das war der Anfang.

Georgische Tänze
Nikas Wunsch war es, hier in Tbilisi die Möglichkeit zu schaffen, Tango zu tanzen wie überall sonst auf der Welt. „Georgien hat eine so
reiche und vielfältige Tanzkultur“, erklärt er.
„Und ich wollte, dass die Georgier auch die Gelegenheit haben, den Tango kennen zu lernen."
Das Tanzen liegt bei ihm in der Familie, sein
Vater ist ein bekannter Tanzlehrer für georgische Tänze, die zu den schwierigsten Tänzen
überhaupt zählen – Nika hat während seiner
ganzen Jugend getanzt, war mit der Gruppe oft
auch im Ausland aufgetreten. Eine direkte Parallele zwischen georgischem Tanz und Tango


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