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Harz Lost Place Dokumentarfilm .pdf


Original filename: Harz Lost Place Dokumentarfilm.pdf
Title: 1605.HK03

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SCHLAGLICHTER 03

Samstag, 16. Mai 2015

Eine morbide Liebeserklärung an den Harz
Dokumentarfilmer Enno Seifried und sein Team haben sich auf Entdeckungstour zu verlorenen Orten gemacht. Das Ergebnis ist der Film
„Vergessen im Harz“, der Ende Mai Premiere feiert. Im Interview mit Martin Baumgartner erzählt Seifried von den Dreharbeiten.
Herr Seifried, Sie haben einen Dokumentarfilm über verfallene Gemäuer im Harz gedreht, sogenannte vergessene Orte oder Lost
Places, wie alte Sanatorien, Gewerberuinen, ehemalige Militärgelände. Klingt nicht gerade nach einem
Werbefilm für den Harztourismus.
Nun ja, das kann man sehen, wie
man will. Auf jeden Fall macht der
Film aufmerksam auf die Harzregion. Immer so tun, als wäre alles
in bester Ordnung, bringt die Region ja auch nicht weiter. Und
vielleicht kommt der eine oder andere durch den Film sogar auf die
Idee, in den Harz zu fahren, denn
eine Reise ist er auf jeden Fall immer wieder wert.
Wie haben denn die Menschen, denen Sie bei den Dreharbeiten begegnet sind, auf Ihr Projekt reagiert?
Die standen unserem Projekt
größtenteils sehr aufgeschlossen
gegenüber. Sie haben sich sogar
gefreut, dass sich jemand dem
Thema annimmt und auch mal
diese Seite beleuchtet. Immerhin
hat es mit der Geschichte der Region zu tun und auf diese Art und
Weise werden die Erinnerungen
und Geschichten der Menschen
erhalten und weitergetragen.
Wie sind Sie auf den Harz als Drehort aufmerksam geworden?
2011 war ich mit einer Freundin eine Woche im Harz auf Wanderurlaub. Wir haben uns die Teufelsmauer und andere Wanderwege
angeschaut. Uns ist schnell aufgefallen, dass sehr viel Leerstand
herrscht. Und da wir uns ohnehin
für die sogenannten Lost Places
interessierten, dauerte es nicht
lange, bis die Idee stand, einen
Film in dieser Region genau zu
dem Thema zu machen.
Welchen Eindruck haben Sie während der Dreharbeiten vom Harz
und den Menschen, die hier leben,
gewonnen?
Wir haben den Harz während der
Dreharbeiten lieben gelernt, wirklich. Vorher war es die Natur, die
uns begeistert hat. Nun, zwei Jahre später, haben wir ein Gefühl der
Verbundenheit zu der Region entwickelt. Da wir uns irgendwann
sehr gut auskannten und kaum
noch auf die Karte sehen mussten,
hatten wir schon fast das Gefühl,
in einer zweiten Heimat anzukommen. Es war schön, den Harz zu
jeder Jahreszeit zu erleben. Wie
schon erwähnt, die Menschen waren uns gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Und damit will ich
jetzt keine Sympathie heischen, es
war einfach so. Das Lustige daran
ist, dass wir immer wieder gewarnt wurden, sogar von Einheimischen, dass die Harzer ein wenig verklemmt, raubeinig und
etwas verschlossen wären. Naja,

„Es machte wirklich den
Eindruck, als hätte jemand die Wohnung verlassen und wäre einfach
nicht zurückgekommen.
Das Telefonbuch und
die Zeitungen im Ständer waren von 2006.“
Enno Seifried, Dokumentarfilmer, über
eine kuriose Entdeckung

vielleicht haben wir die falschen
Leute getroffen – bestätigen können wir das jedenfalls nicht.
Der Harz hat als Wirtschaftsraum
eine Menge Probleme, auch der Bevölkerungsrückgang macht der Region zu schaffen. Zeichnen Sie in ihrem Film ein Bild von einem
Landstrich im letzten Stadium des
Niederganges oder gibt es Ihrer
Meinung nach auch Zeichen der
Hoffnung?
Unser Film zeigt nicht unbedingt
ein gnadenlos negatives Bild. Er
hat traurige Momente, ohne Frage, doch er ist auch eine Interessensbekundung an die Region und
für uns sogar ein bisschen so was
wie eine Liebeserklärung an den
Harz. Aber ehrlich gesagt: Die
große Hoffnung kann ich nicht sehen. Es muss sichtlich etwas passieren, damit der Harz aus seinem
Dornröschenschlaf erwacht. Doch
ich weiß nicht was. Die Berge zu
klein, der Winter zu warm, die Attraktionen teilweise sehr veraltet.
Das klingt hart, ich weiß. Ich persönlich mag den Flair vor Ort und
ich mag es auch, wenn es etwas ruhiger daher kommt. Der Harz ist
eigentlich gut, so wie er ist, aber
das bringt weder neue Einwohner
noch Touristen in die Gegend.
Woher kommt Ihr Interesse an den
„Lost Places“?
Lost Places waren unsere Spielplätze als Kinder: Unser Cliquentreff in Leipzig war an einem verlassenen Bahndamm. Und für
illegale Technopartys waren sie
schon immer der perfekte Ort.
Später dienten diese Orte als die
Fotomotive und für die elektronische Schnitzeljagd genannt Geocaching. Wie das bei allen Dingen
der Fall ist, ändern sich im Laufe
der Zeit die Wahrnehmung und
das Interesse. Heute interessieren
mich die Geschichten und Erinnerungen der Menschen hinter den
verlassenen Orten. Ich will Hintergründe wissen, erfahren, was
sich einst an jenen Orten abgespielt hat und wie es dazu kam.
Wie findet man diese vergessenen
Orte, wo sie doch vergessen sind?
Muss man das vorher aufwendig recherchieren oder zieht man einfach
auf gut Glück los?
Es ist beides. Viele Orte haben wir
in der Tat durch Zufall gefunden.
Andere bei Recherchen im Internet. Und von Einheimischen haben wir auch den einen oder anderen Tipp bekommen.
Ist es gefährlich, in den Ruinen zu
drehen? Gab es mal brenzlige Situationen?
Spontan kann ich mich an keine
brenzlige Situation in den Harzer
Lost Places erinnern. In einem
ehemaligen FDGB-Heim bin ich
im Keller mal in ein Loch gefallen.
Da hab ich mir die Schienbeine
blutig gehauen. Für die Kamera
hatte ich gerade ein paar Tage vorher ein neues Objektiv besorgt.
Leider hat ausgerechnet dieses
Objektiv meinen Sturz gedämpft.
Das Ding war dann Schrott. Man
muss schon aufpassen. Gerade bei
besonders baufälligen Ruinen haben wir uns selber oft gefragt, ob
wir schon zu abgestumpft sind,
und haben uns zur Vernunft gemahnt. Die Neugier ist allerdings
dann doch meist größer und man
geht noch einen Schritt und noch
einen und noch einen ...

Doku-Film:

Vergessen
im Harz

Aufnahme aus „Vergessen im Harz“: Die Munitionsfabrik Werk Tanne.

Verlassenes Hotel bei Zorge.

„In einem ehemaligen
FDGB-Heim bin ich im
Keller mal in ein Loch
gefallen. Da hab ich mir
die Schienbeine blutig
gehauen.“
Der Filmemacher über die Risiken, die
solche Erkundungen bergen

Haben Sie eine ganz besondere
Entdeckung gemacht oder sind Sie
auf einen besonderen, in irgendeiner Weise herausstechenden Drehort gestoßen?
Was uns wirklich umgehauen hat,
war eine leerstehende Wohnung,
die wir durch Zufall gefunden haben.
Es war ein altes Fachwerkhaus
und wir hatten eigentlich schon
alles erkundet. Zuletzt folgte noch
ein flüchtiger Blick auf den Dachboden des Gebäudes. Der Dachstuhl war ausgebaut und die komplette Wohnung war, ich weiß
nicht, im Fünfziger- bis SiebzigerJahre-Stil eingerichtet. Kein bisschen verwüstet, regelrecht ein
Museum. Eine Hälfte des Gebäu-

Fotos: Overlight Filmproduktion

Sanatorium Königsberg.

des war schon komplett zusammengefallen, so dass wir anfangs
gezögert hatten, das Haus zu betreten. Aber die Neugier... Dieser
Fund hat uns noch lange beschäftigt.
Es machte wirklich den Eindruck,
als hätte jemand die Wohnung
verlassen und wäre einfach nicht
zurückgekommen. Das Telefonbuch und die Zeitungen im Ständer waren von 2006.
Gab es seltsame Begegnungen
oder kuriose Erlebnisse?
Manchmal bekommt man einen
gehörigen Schrecken, wenn plötzlich ein anderer Ruinenromantiker aus einer dunklen Ecke
kommt. Aber ansonsten fällt mir
da nichts Erwähnenswertes ein.
Haben Sie auch im Landkreis Osterode gefilmt? Und wenn ja, verraten Sie uns wo?
Ja, zum Beispiel die Wohnung von
der ich sprach, ist im Landkreis
Osterode. Und ein ehemaliges Hotel.
Aber wir wollen ja noch nicht zu
viel verraten. Es geht auch nicht
um einzelne Landkreise, sondern
um den Harz als Ganzes.

Glauben Sie, diese vergessenen Orte bieten ein gewisses Potenzial,
um abenteuerlustige Touristen anzulocken?
Ja, auf jeden Fall. Wir wollen uns
selbst da auch gar nicht ausschließen, wir sind ja auch Touristen:
Wir hatten eine Ferienwohnung
und gingen nach der Lost-PlaceTour in eine Gaststube, um uns zu
stärken. Das ist es, was der Harz
braucht. Im Ernst, es gibt heutzutage eine Menge Menschen, die
sich für die Schönheit des Verfalls
interessieren und auf Fototour gehen. Es ist natürlich sehr schade,
wenn Vandalen und Schrottdiebe
diese teilweise wirklich beeindruckenden Bauten ohne jeglichen
Respekt betreten und alles kurz
und klein hauen. Das ist wirklich
sehr ärgerlich.
Sie haben Ihr Filmprojekt über sogenanntes Crowdfunding finanziert, also im Internet um finanzielle Unterstützung gebeten.
Offenbar ist Ihr Anliegen auf große
Resonanz gestoßen, Sie haben wesentlich mehr Geld erhalten, als Sie
ursprünglich einwerben wollten.
Waren Sie von dem großen Zuspruch überrascht?

Das waren wir auf jeden Fall. Wir
haben vorher schon Crowdfunding-Aktionen gestartet, aber
„Vergessen im Harz“ hat alles getoppt. Bereits nach zwölf Stunden
hatten wir die Mindestsumme, die
wir für die Veröffentlichung des
Films und für die Premierenfeier
in der Baumannshöhle brauchten,
in Sack und Tüten. Das war echt
Wahnsinn. Wir konnten gar nicht
fassen, wie schnell das ging. Dafür
sind wir unseren Unterstützern
wirklich unheimlich dankbar.
Vielleicht können wir mit unserem
Film ein Stück von dem zurückgeben, was uns der Harz und seine
Menschen gegeben haben.

VORFÜHRUNGEN
Das Premierenwochenende vom 29. bis 31. Mai in der
Baumannshöhle in Rübeland ist bereits ausverkauft.
Weitere Kinovorführungen werden im Internet unter www.VergessenImHarz.de bekanntgegeben.
Dort ist auch die DVD erhältlich.


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