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Machtkampf in der AfD Schmerzfrei sein Süddeutsche .pdf


Original filename: Machtkampf in der AfD - Schmerzfrei sein - Süddeutsche.pdf

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 Politik
1. Juni 2015, 18:47 Machtkampf in der AfD

Schmerzfrei sein
Bernd Lucke will diese Frau erledigen ­ diese Frau will Bernd Lucke erledigen.
Unterwegs im Chaos, mit Frauke Petry von der AfD. Ihre Gegner beschreiben
sie als brutale Intrigantin.
Von Jens Schneider
Frauke Petry möchte sich an der Gänseliesel treffen, dem Brunnen auf dem
Göttinger Marktplatz. "Ich muss Ihnen die Geschichte der Gänseliesel erzählen." So
plappert die zierliche Frau aus Sachsen gleich mal los. Petry spricht immer schnell,
zieht den Begleiter mit, entscheidet, wo es hingehen soll. Es ist ein Auftakt, wie er
mit Bernd Lucke, ihrem Konkurrenten in der Alternative für Deutschland,
unvorstellbar wäre. Lucke lässt kein persönliches Verhältnis entstehen, Petry
versteht sich gerade darauf.
Fröhlich erzählt sie, was ihr die Gänseliesel bedeutet. Jedes Jahr kommen die
Doktoranden der Universität mit Bohei auf den Platz. Sie tragen bunte Hüte,
erklettern die Figur und geben ihr einen Kuss. 2004 zog Petry mit ihrem Mann zur
Gänseliesel, küsste sie, es war ein schöner Tag. Ihr Mann studierte Theologie, sie
Chemie. Hier in Göttingen haben sie geheiratet, in St. Jacobi wurden die ersten
beiden ihrer vier Kinder getauft. Sie eilt in die Kirche, will die farbigen Säulen zeigen,
"von denen wird gesagt, dass sie zu tanzen anfangen, wenn man richtig hinschaut".
Petry schwärmt, auch von dem Pfarrer, der sie damals traute.
Sie liegen nicht lange zurück, diese Geschichten aus einem Leben, in dem in
Göttingen niemand auf die Idee gekommen wäre, Frauke Petry mit einer klebrigen
Brühe zu bespritzen und als "Scheiß­Nazi­Frau" zu beschimpfen. Schon weil die
Autonomen sie nie erkannt hätten. Dieser Angriff wird heute am Ende ihres kurzen
Wiedersehens mit der Stadt stehen. Danach wird jemand aus der AfD­Führung
sagen: "Das nutzt ihr. Es zeigt, dass sie erkannt wird als nationalkonservative
Führungsfigur." Dabei hat sie in der Partei noch gar nicht gewonnen. Elf Tage sind
es bis zum Bundesparteitag der AfD, dem Finale im Duell um die Spitze. Es ist ein
Machtkampf, der über die Zukunft der rechtspopulistischen Partei entscheiden wird,
deren Spitzen sich seit Wochen befehden.

Dann seufzt sie: "Ach, der Bernd." Das Ding ist halt schon, dass er
es einfach nicht kapiert, oder?
Die Politikerin aus Sachsen, sie ist am Montag vierzig geworden, steht als Favoritin
da, nachdem sie lange getan hat, als wollte sie nicht nach ganz oben. Vertraute
drängten sie schon vor Wochen, für den konservativen Flügel der AfD gegen Lucke
anzutreten. Petry bremste. Lucke hatte in ihren Augen noch nicht genug Fehler

gemacht. Also bot sie weiter an, die Zweite zu sein.
Lucke zögerte, er traute ihr nicht mehr. Es sei zu viel vorgefallen, sie habe ihn
mehrmals hintergangen. Er wolle nach Monaten des Streits einen loyalen Vorstand.
Gerade hat er einen neuen Vorschlag gemacht: Sie könnten sich
beide zurückziehen.
Dazu seufzt sie: "Ach, der Bernd." Als ob der Mann es einfach nicht kapiert. Petry
sieht Lucke als einen apolitischen Ökonomen, der sein Fach kann, aber eben auch
nur sein Fach. Dennoch wollte sie mit ihm kooperieren, so lange sie ihn brauchte.
So war das bis zum Mai.
Dann spürte Lucke, dass die Partei ihm entglitt, und setzte alles auf eine Karte. Er
gründete den Verein "Weckruf 2015", in den alle eintreten sollen, die hinter seiner
gemäßigt konservativen Position stehen. Mit Weggefährten wie Hans­Olaf Henkel
warnte er vor einem deutschen "Front National" nach dem Vorbild der Le­Pen­Partei
in Frankreich. Petry wird von manchen in der AfD "Le Pentry" genannt.
Lucke hofft auf eine Massenerhebung der Basis. Für den anderen Fall erwägt er, die
AfD zu verlassen. Seine Gegner nehmen die Aktion als Zeichen der Schwäche.
Petry greift an: Lucke könne die AfD nicht mehr führen, sie aber schon. Petrys
Gegner sagen, das sei immer ihr Ziel gewesen. Sie sagt, er habe sie unterschätzt.
Vor zwei Jahren begegneten sich die beiden zum ersten Mal, bei der Gründung der
AfD. Lucke stand im Zentrum, er führte den Protest gegen den Euro an. Petry
kannte niemand. Politik war neu für sie. In der Schule, so erzählt sie, hätten sich
meist Leute politisch engagiert, die sonst nicht so gut waren. Sie war gut, Abiturnote
1,1. Wie Lucke war sie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes,
studierte im Ausland, drei Jahre in Reading, England.
Nach dem Studium gründete sie in Leipzig ein Unternehmen für die Entwicklung von
Polyurethanen, umweltfreundlichen Kunststoffen. Sie bekam Preise und das
Bundesverdienstkreuz. "Wir haben nur eine Erde, also haben Müllvermeidung und
Recycling oberste Priorität", sagte sie damals und klang wie eine moderne Grüne.
Wer hätte gedacht, dass die Unternehmerin und vierfache Mutter, die im
Vokalensemble der Leipziger Thomaskirche singt, Orgel und Klavier spielt, noch Zeit
für Politik finden würde?

Die Frage, wie weit
rechts sie steht,
beantwortet Frauke
Petry mit der
Gegenfrage: "Was ist
rechts?" (Foto: Henning
  Schacht/berlinpressphoto)

Sie machte alles parallel. Im Herbst 2013 ging ihr Unternehmen pleite. Kurz vor der
Landtagswahl 2014 leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des
Verdachts auf Insolvenzverschleppung ein. Sie laufen noch. Hans­Olaf Henkel, ein
Luckianer und ihr erbitterter Gegner, beklagt gern, dass die AfD zur "Anlaufstelle für
Pleitiers" werde.
Das können sie gut in dieser Partei: die internen Gegner richtig fertigmachen. Petry
sagt, dass die Insolvenz sie lehrte, Rückschläge noch besser auszuhalten.
"Schmerzfrei sein", die Floskel gehört zu ihren Standards. Vor Parteifreunden
erzählt sie, dass es ihr nicht geschadet habe, als Baby mit acht Wochen in die
Krippe gekommen zu sein. Sie grinst: "Was uns nicht umbringt, macht uns stark".
Ihre Härte und ihr Führungswille fallen rasch auf in der AfD. "Kennen Sie den
Ausdruck ,Eiserner Schmetterling'?", fragt einer aus dem Vorstandskreis, als er auf
Petry angesprochen wird. Sie sei gewiss charmant, aber gelegentlich falle ihm die
Umwandlung eines Sprichwortes ein: "Liebe Frau, Sie wollen doch aus ihrer
Mördergrube jetzt kein Herz machen?"

Sie ist in Dresden geboren, in Ostdeutschland aufgewachsen, hat aber ihre
Ausbildung im Westen absolviert. Sie sagt, sie sei ein deutsch­deutscher Hybrid. Die
Parteigründer freuen sich, eine Ostdeutsche dabei zu haben. Heute wird von ihren
Gegnern erzählt, dass sie früh den ersten Putsch gegen Lucke plante. Petry
bestreitet das. Im Gegenteil, sie habe ihn damals vor dem Schlimmsten bewahrt.
Frauke Petry schreibt dann am ersten Entwurf des Parteiprogramms mit, in enger
Zusammenarbeit mit Lucke. Sie sitzt auf dem Kinderstuhl ihres Sohnes vor dem
Notebook, das Telefon in der Hand. Da habe sie erstmals gemerkt, "dass
Kompromisse in seinem Denken nicht vorkommen".

Ihre Gegner beschreiben die federleichte Petry als brutale
Intrigantin
Aber auch sie will Kontrolle. In der Partei kümmert sie sich um den Aufbau der
Bundesgeschäftsstelle. Sie bindet Mitarbeiter an sich, während Lucke als
Europaabgeordneter in Straßburg und Brüssel fern des Geschehens sitzt. Er neigt
zu Alleingängen und dramatischen Mails, die er gerne nachts schreibt und in denen
er die Partei vor dem Untergang warnt. Lucke hat beim Parteitag in Bremen über
sich gesagt, dass er kein Team­Player sei.
Petry sucht ständig Verbündete. Ihr Netzwerk ist groß, der engste Vertraute ist
Marcus Pretzell, der AfD­Chef von Nordrhein­Westfalen, dem größten
Landesverband. Pretzell ist auch Europaabgeordneter und nach einer bizarren
Finanzaffäre, die durch private Turbulenzen ausgelöst wurde, hoch umstritten.
Lucke und seine Weggefährten im EU­Parlament haben ihn aus ihrer Runde
verwiesen. Petry stimmt mit Pretzell jeden Schritt ab.
Sie beherrscht das Politiker­Einmaleins. In kleinen Runden erfragt sie die Namen
der einfachen Mitglieder und spricht sie persönlich an. Lucke hat selbst
Parteigründern der ersten Stunde erklärt, dass er sie nicht mehr in der Spitze haben
will. Sie würde es so nicht machen. Aber Gegner in der AfD beschreiben die
federleichte Frau als brutale Intrigantin. In Sachsen gibt es Enttäuschte, die Petry
einen Newsletter widmen, in dem ihr Karrierismus und gnadenloser Umgang mit
Gegnern vorgeworfen wird. "Gröbaz" wird sie genannt: größte Blenderin aller Zeiten.
Sie lacht darüber. "Mir war früh klar, dass sie eine echte Konkurrenzfigur für Lucke
werden kann", sagt der stellvertretende Parteichef Alexander Gauland, der ihr
nahesteht: "Sie sieht andere Menschen, Lucke nicht." Zu Gauland hält sie einen
engen Draht, und doch auch Distanz. Petry pflegt die Kunst der Andeutung. Nie
würde sie wie Gauland die antiislamische Pegida als "natürlichen Verbündeten" der
AfD bezeichnen. Sie nennt Pegida hingegen ein "interessantes Phänomen" und
stellt fest, dass "da viele Wähler der AfD mitlaufen". Das Signal ist klar, aber sie gibt
sich moderat.
Im Januar traf sie sich mit den Spitzen von Pegida. Für Lucke war das zu viel der
Nähe, ein weiteres Zeichen, dass die AfD abdriftet. Angefangen hat es mit den
Landtagswahlen im Osten im Spätsommer 2014, die AfD­Wahlkämpfe drehten sich
um Asylpolitik und Grenzkriminalität. Es gab Rekordergebnisse. Petry erzielte in

Sachsen 9,7 Prozent, in Brandenburg waren es 12,2 Prozent. Lucke bejubelte den
Triumph, den er heute bedauern dürfte. Denn die ostdeutschen Wahlsieger
verfügten nun über Apparate ­ und Frauke Petry baute schnell einen Stab auf.
Ende Januar sollte ein Burgfrieden die AfD vor der Spaltung retten. Er wurde auf
dem Parteitag in Bremen besiegelt. Lucke ließ sich feiern, als hätte er schon
gewonnen. Er sollte in diesem Sommer alleiniger Vorsitzender werden, einen
Generalsekretär aussuchen dürfen. "Da wäre eine versöhnliche Geste gut
gewesen", sagt Petry: "Aber das kann er nicht."
Wieder der Blick: Ach, der Bernd.

Die Frau im Café freut sich: "Geil, ich wollte Ihnen immer schon
sagen, dass ich Sie Scheiße finde."
Zuletzt schafften sie es nicht einmal, sich zu einem Friedensgipfel zu verabreden.
Stattdessen verhängte Petrys Landesvorstand eine Unvereinbarkeitserklärung: Wer
Luckes "Weckruf" unterzeichne, soll nicht mehr AfD­Mitglied sein. Vier Tage später
kam die Retourkutsche: Der Bundesvorstand erklärte, Petry war nicht dabei, einen
solchen Unvereinbarkeitsbeschluss für ungültig. Es ist ein Abnutzungskampf. Bernd
Lucke kämpft um die AfD, wie er sie wollte. Frauke Petry glaubt, ihn nicht
zu brauchen.
An diesem Nachmittag in Göttingen will sie sich gern weiter in Erinnerungen
bewegen. Sie sucht das Pfannkuchenhaus. Als das nicht zu finden ist, wählt sie fürs
Interview die Crêperie "Ali Baba". Auf die Frage, wie weit rechts sie steht, antwortet
sie mit der Gegenfrage: "Was ist rechts?"
Nehmen wir ihre Forderung, die Drei­Kind­Familie zum Ideal zu machen, damit die
Deutschen nicht aussterben. "Das ist einfach nur eine statistische Herleitung", sagt
sie: "Wenn zwei Kinder zur Bestandserhaltung nötig sind, müssen wir mehr als zwei
Kinder pro Familie haben, wenn wir diesen Trend umkehren wollen. Ich möchte
nicht, dass Deutschland weiter schrumpft. Das ist relativ banal."

Demonstranten in Berlin zerstören am Rand einer Kundgebung gegen die NDP auch ein AfD­
Plakat mit einem Bild von Parteichef Bernd Lucke. (Foto: Henning Schacht/ddp)

Petry hat verstanden, dass es in diesem Land für eine rechte Partei besser ist, sich
nicht so arg rechts zu geben. Weil der Kreis der Wähler, die sie erreichen kann,
sonst zu eng wird. All jene, die es gern sehr rechts haben, werden ihre Signale
trotzdem verstehen. Sie formuliert gerne weich, stellt lieber Fragen, als dass sie sich
festlegt. Das diffuse Murren mancher Landsleute über die Asylpolitik spricht sie mit
wenigen Schlüsselsätzen an. Gelegentlich hat man das Gefühl, diese Frau könnte,
so geschmeidig wie sie auftritt, auch in der CDU Karriere machen.
"Wir können natürlich noch Flüchtlinge aufnehmen", sagt Petry: "Aber wir müssen
bei den Begriffen klar werden. Die Vokabel stimmt schon nicht. Es gibt in der Genfer
Konvention den Begriff Wirtschaftsflüchtling nicht." Damit will sie sagen, dass viele
Asylbewerber schnell abgewiesen gehören, weil sie keine Flüchtlinge seien. "Für
diese Menschen brauchen wir ein Einwanderungsgesetz. Natürlich sollen wir
politisch Verfolgte aufnehmen. Aber wir müssen das deutsche Asylrecht konsequent
anwenden." Die Bulletins ihrer Fraktion klingen da weniger galant. Da droht
Deutschland wegen der Asylbewerber "eine Außenstelle des Balkans und
Nordafrikas" zu werden.

Einig ist sich die AfD nur in diesem Punkt: Nur die AfD kann
Deutschland retten
Plötzlich steht eine junge Frau vor dem Café­Tisch. Sie fragt höflich, als wolle sie
nicht an der falschen Stelle grob werden: "Entschuldigung, sind Sie Frauke Petry?"
Petry, liebenswürdig: "Ja."
Die Frau freut sich. Dann sagt sie: "Geil, ich wollte Ihnen immer schon mal sagen,
dass ich Sie richtig scheiße finde."

"Ja, in Ordnung", antwortet Frauke Petry unerschüttert. Die Frau ist da schon wieder
weg. "Das ist halt Göttingen", sagt Petry, lacht und widmet sich wieder dem
Interviewer. Wenige Minuten später wird es laut. Zwei Vermummte stehen brüllend
vor dem Tisch. "Scheiß­Nazi­Frau!" rufen sie. Und: "Verpisst euch aus Scheiß­
Göttingen!" Einer stößt gegen den Tisch, der Tisch kippt. Sie spritzen mit klebriger
Flüssigkeit. Es ist beängstigend, auch wenn es keine Minute dauert.
Frauke Petrys Bluse ist nass.
"Vertrauen Sie der Chemikerin, das war Fruchtsaft, nicht gefährlich", stellt sie fest
und "tja, Demokratie in Deutschland."
Will sie die Polizei rufen?
"Nein, das nicht, aber wenn Sie bitte ein Handtuch hätten?" fragt sie die Kellnerin.
Sie macht ein paar Scherze, fragt schließlich: "Wo waren wir stehen geblieben?"
Vorm Café lauern Autonome, machen Sprüche, als sie geht: "Hey, ihr habt was
verloren ­ den Zweiten Weltkrieg!"
Frauke Petry ignoriert das. Sie sucht einen Teeladen auf, um Kräutertee zu kaufen,
den es nur dort gibt. Sie besorgt die Ringbucheinlagen, auf denen ihr Mann gern
seine Predigten schreibt. Als sie auf der nächsten Station ihrer Reise durch
Deutschlands Norden im niedersächsischen Northeim ankommt, ist schon die
Polizei da. Die Autonomen haben sich im Internet mit dem Angriff gebrüstet, der
Staatsschutz hat es entdeckt.
Der Sprecher der AfD in Berlin wittert eine Gelegenheit. Er versendet eine
Pressemitteilung, schreibt von einer Attacke mit Farbbeuteln und erheblichem
Sachschaden. Unfug. Er macht den üblen Angriff schlimmer als er war. Petry
beklagt in der selben Erklärung, die Tat zeige "erneut, dass linksextreme Gewalt von
den Altparteien immer noch sträflich verharmlost wird".
In Northeim findet das AfD­Treffen dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Besitzer des Saals will auf keinen Fall, dass der Name seines Lokals bekannt
wird. Es sind fast nur Männer, die Petrys Vortrag hören, in dem sie die Krise der AfD
ignoriert, als wäre sie schon Geschichte. Sie klingt gemäßigter, als wolle sie den
Lucke­Flügel nun mitbedienen. Ihrem Vertrauten Gauland ist aufgefallen, dass Petry
ein Stück in die Mitte gerückt sei: "Sie grenzt sich nach rechts ab." Der rechte Flügel
rumort deshalb schon.
Die Zuhörer in Northeim bedanken sich für Petrys Worte. Er könne alles
unterschreiben, sagt der Versammlungsleiter, aber das gehe ihm bei Luckes Reden
genauso. Dann mahnt einer nach dem anderen: "Frau Doktor Petry und der Herr
Professor Lucke" sollten sich doch einigen. Sie sagt, dass das nicht gehen wird.
Lucke könne die Partei nicht einen. Und sie wolle auf die Kandidatur nicht
verzichten. "Wie eine Partei funktioniert, wenn man alle Piloten wegschießt, dürfen
die Mitglieder entscheiden", sagt sie.

Luckes "Weckruf" haben knapp 3000 der 21 000 Mitglieder unterzeichnet. Das sind
aus Luckes Sicht viel. Aber unter den Delegierten für den Parteitag soll Frauke Petry
eine Mehrheit haben.
Am Montag wurde bekannt, dass der Bundesparteitag verschoben werden könnte ­
aus formalen Gründen. Die Entscheidung darüber wird an diesem Dienstag fallen.
Eine weitere Volte im Drama der AfD. Die Parteivorstände bekommen in diesen
Tagen Hunderte Briefe von Mitgliedern, die verzweifelt ein Ende des Streits fordern.
Wenn sie nicht gerade übereinander herfallen, sind viele in der Partei überzeugt,
dass nur sie das Land retten können.
Das muss aufhören, schreibt einer. Die Zerstörung der AfD sei "Landesverrat".
URL:

 http://www.sueddeutsche.de/politik/machtkampf­in­der­afd­schmerzfrei­sein­1.2502678

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Quelle:

 SZ vom 02.06.2015

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