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HBTJO K 22 180715 .pdf


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SÜDKURIER NR. 163 | H
SAMSTAG, 18. JULI 2015

22
Blickpunkt
S AÜ M
22
D KS U
T ARBlickpunkt
GI E, R1 8N. RJ. U1L6I 32 0| 1H5

und Körperkult
S E I T E N L AYOU T: DA N I E L SC HÖ N B UC H E R

➤ Wie Trends unser Körperbild verändern
➤ Profis aus der Schönheitsbranche berichten
➤ Auch Männer sind Teil der Kosmetikindustrie
VON ANNA-MARIA SCHNEIDER

................................................

Tätowierunggen
gehören zum heutigen Schönheitsbild
dazu. Mit einer
Tätowiermaschine
wiirdd das gewünschhte Bild unter der
Haut zum lebenslangen Begleiter.
B I LD : TO D O R RUSI NOVFO TO LI A

Im Strandbad sind sie zu sehen. Wohlgeformte, schlanke Menschen mit glatter, gebräunter Haut. Viele dieser mühevoll trainierten Körper sind mit Tattoos verziert. Die wenige Körperbehaarung, die in diesem Bild toleriert wird,
ist sorgfältig gekämmt, gestutzt und in
Form gesch
hniitten. Wie viel Zeit diese
Menschen in ihr Äuß
ßeres stecken, lässt
sich nur mutmaßen. Mit wem sie allerdings diese Zeit des Formens
und Versch
hönerns verbringen, ist in jeder Fußgängerzone von Villingen bis Konstanz zu sehen. Friseur-Salons, Nagelstudios, TatStudios, Fitnesstoo-S
Stud
dios,
Barbiere,
Kossmetik-Studios
un
nd nicht zuletzt
Prraxen für Schönheitschirurgie
sp
prießen allerorts
auss dem Boden wie
Pilzze. Die Kundschaft isst da. Und sie ist
bereit, an jedem noch so
kleinen Detail der Op
ptik Hand anlegen
zu lassen. Nicht nur die Frisur muss sitzen, Männer legen seit einiger Zeit
auch ihren Bart in Profi-Hände.
„Der Bart ist zum Lifestyle-Produkt
geword
den““, weiiß Moh
hamed
d Oullab
bi.
Der 27-Jährige, der von allen nur Mo
genannt wird, ist Friseurmeister und einer der beiden Geschäftsführer der
Phoenicia Hair Lounge in Konstanz.
Gemeinsam mit seinem Partner Haissam Ayoub verschönert er seit 2008 Tag
für Tag die Köpfe von Männern und
Frauen. Aber die Barbier-Dienstleis-

Nur faltenfreie Haut
gilt als schön. Mit
Botox werden die
Zeichen der Zeit
weggespritzt. BI LD :
S T . O P. -FF O T O L I A

tung nimmt immer größeren Raum in
ihrem Geschäft ein. „Wir haben Kunden, die kommen alle zwei Wochen
zum Bartschneiden und In-Form-Bringen. Manche machen das überhaupt
nicht mehr selbst“, so die Erfahrung
von Oulabi. Die traditionelle BarbierTechnik hat der Friseur in der Türkei
und im Libanon erlernt. Dort sei das
Tragen eines Bartes fest im Kulturkreis
verankert. Seine Kunden sind jedoch
hauptsächlich Deutsche, Geschäftsleute, Studenten, Männer jeden Alters.
„Und oft ist die Frau die treibende Kraft
dahinter, dass ein Mann das erste Mal
zu uns kommt und sich den Bart machen lässt“, sagt Mohamed Oulabi mit
einem Schmunzeln. „Frauen beschäftigen sich viel mehr mit so etwas“, sagt er.
Dies kann auch Professor Günter
Hotz, Schönheitschirurg aus Konstanz,
bestätigen. Seine Kundschaft ist zu 90
Prozent weiblich. Nur wenige Männer
finden den Weg in seine Praxis. Neben
Brustverschönerungen, wie Hotz die
häufige Vergrößerung des Busens
nennt, kommen immer mehr Frauen,
um die Zeichen der Zeit beseitigen zu
lassen. Im Alter bis etwa 30 Jahre ließen
sich Frauen verschönern, mit Nasenoder Brustkorrektur zum Beispiel. Ab
30 wären Maßnahmen zur Verjüngung
mehr gefragt, berichtet Hotz. „Wir versuchen, mit möglichst kleinen Eingrifßtmög
glichen Erfolg zu erfen den größ
zielen“, sagt der Plastische Chirurg.
Unterspritzungen mit Collagen und
Botulinumtoxin, im Volksmund auch
als Botox bekanntt, gehören zu seinem
Tagesgeschäft. Beiide Wirkstoffe sollen
Falten reduzieren und das Gesicht so
jünger wirken la
assen. „Das größte
Kompliment
ist, wenn
keiner
sieht, dass nachge
eholfen wurde“, sagt
Hotz. Nicht jede gebe es
gerne zu, kün
nstlich nachgeholfen
zu haben, sagt Gü
ünter Hotz. Nur die
jüngeren Patientin
nnen würden öffentlich dazu stehen, beim Schönheitschirurgen gewesen zu
u sein. „Junge Frauen
posten ihr Essen,, ihre Kleidung und
eben ihren neuen Busen im Internet“,
stellt der Medizine
er amüsiert fest. Seine Kunden seien nicht eitler als früher,

Schönheit für die Nägel:
Roter Lack auf Fingerund Fußnägeln gilt als
ästhetisch B I L D : B I L L I O N P HO T O S .C O M - FO T O L I A

jedoch offener im
Umgang mit der
Behandlung. Was
dem
Chirurgen
eb
benfalls in den
lettzten Jahren auffiell: Viele seiner
Kun
ndinnen sind tätow
wiert.

ür diese besond
dere Form
des
Körperschmu
ucks ist
unter anderem der
Tätowie
erer Roberto Albergantti, Inhaber des
Tattoo-S
Studios Cry
ry
y Later
in der Stockacher Hauptstraße, zu
uständig. Gemeinsam mit seiner Leben
nspartnerin Natalie Albu, die
sich auf Pe
ermanent Make-Up, also eine
kosmetisch
he Tätowierung im Gesicht,
spezialisiertt hat, errlebt er täglich, wie
sich das Image der einst extremen Verschönerung des Körpers in der Gesellschaft gewandelt hat. „Die TattooBranche hat sich revolutioniert“, so das
Urteil von Alberganti. Früher sei ein
Tattoo eine Nachricht gewesen, heute
seien viele Motive beliebig gewählt. Ob
sich die Träger der Kunstwerke auf der
Haut bewusst sind, dass diese dauerhaft sind, bezweifelt Natalie Albu. „Einige kommen rein und wollen dasselbe
Tattoo wie ein Darsteller aus einer
RTL2-Serie. Das hat mit Individualität
nichts mehr zu tun“, sagt sie. Tätowierungen gehören zum aktuellen Schönheitsbild dazu, jeder wolle mitmachen
und einen Teil dieses Trends haben,
sagt Albu. Jedes Jahr könne man ein
Motiv ausmachen, welches besonders
beliebt sei. In diesem Jahr seien das
Symbol für Unendlichkeit, eine liegende Acht und diverse Vogelmotive gefragt, berichtet der Tätowierer. Von seinen Kunden würde sich Roberto Alberganti wünschen, dass sie sich mehr mit
den Motiven auseinandersetzen. „Einfach richtig darüber nachdenken: was
will ich und warum“, sagt er. Dadurch
ließen sich viele Tattoo-Fehlentscheidungen, wie sie derzeit ebenfalls in den
Strandbädern der Region zu sehen
sind, vermeiden.

„Schöne Menschen
haben Vorteile“
Otto Penz ist Soziologe und forscht an der
Universität Wien. Zu
seinem Forschungsbereich gehört die
Soziologie des Körpers, der Schönheit
und der Emotionen

Lange, dunkle
Wimpern sind füür die
meisten Frauen
Pflicht. Zur Not
müssen diese nicht
einmal echt sein.
Mit einer Wimpernzange kann man
auch nachhelfen.
BILD: FRANZISKA
KR AUS E- FO T O L I A

Wenn Sie es so sagen wollen, ja. Schönheit verhilft heute auch zu Erfolg. Hübsche Kinder bekommen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das führt zu
mehr Selbstbewusstsein, welches einem wiederum im Berufsleben weiterhilft. Attraktive Menschen tun sich in
vielen Lebensbereichen leichter.

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„Einige kommen rein und wollen dasselbe
Tattoo wie ein Darsteller aus einer RTL2Serie. Das hat mit Individualität nichts
mehr zu tun.“
Natalie Albu, Permanent Make-Up Stylistin

Das hat vor allem mit der Gleichberechtigung und Emanzipation von
Frauen zu tun, sodass Männer nun gezwungen sind, auch auf ihr Äußeres zu
achten. Früher waren Männer aufgrund ihres Berufs und Einkommens,
aufgrund ihres sozialen Status fürs andere Geschlecht attraktiv. Frauen sind
aber heute ökonomisch unabhängig.
Wenn also Männer auf dem wachsenden Beziehungsmarkt mithalten wollen, ist gutes Aussehen wichtig.

Attraktive Kellnerinnen bekommen also
mehr Trinkgeld?

Günter Hotz, Plastischer Chirurg

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Woran liegt das?

Ja und Nein. Schönheit war schon immer eine wichtige Handlungsressource. Aber in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft kann Schönheit zum
Beispiel berufliche Vorteile bringen.
Schönheit ist in vielen Branchen der
Dienstleistungsökonomie ein Wettbewerbsvorteil.

„Junge Frauen posten ihr Essen, ihre Kleidung und eben ihren neuen Busen im Internet.“

Roberto Alberganti, Tätowierer

In den 1960er- und 1970er-Jahren hat
es eine große Veränderung in unserem
Bild von Schönheit gegeben. Unser
Schönheitsideal wurde eng mit Jugendlichkeit verknüpft. Heute ist
Schönheit auch oft gleichzusetzen mit
Jugend. Auffällig ist ebenfalls, dass seitdem auch Männer in den Schönheitsdiskurs einbezogen werden.

Ist Schönheit heute wichtiger als früher?

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„Die Tattoo-Branche hat sich revolutioniert.
Früher war ein Tattoo eine Nachricht. Heute
ist es beliebig.“

Herr Penz, wie hat sich das Schönheitsbild in den vergangenen Jahren gewandelt?

Friseurmeister
Mohamed Oulabi
bringt den Bart von
Sadmir Muminovic
wieder in Form. Viele
Männer lassen ihren
Bart beim Barbier
pflegen. Die traditionelle Technik hat
Oulabi im Libanon
und der Türkei
erlernt. B I L D : A N N A M A RI A S C H N E I D E R

Welche Rolle spielt Bildung?

Bildung ist auch eine persönliche
Handlungsressource. Und je größer die
Bildung, desto mehr tritt das Thema
Schönheit in den Hintergrund. Aber so
ganz rausnehmen kann sich da keiner.
Wissen ist wichtig, aber auch die Körperlichkeit ist wichtig. Jede soziale
Schicht hat ihr eigenes Schönheitsideal.
Bei Managern beispielsweise verkörpert ein gepflegtes Äußeres Seriosität.
FRAGEN: ANNA-MARIA SCHNEIDER


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