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Der logische Status von „Gott“
Kurze Prolegomena zur philosophischen Gotteslehre

Dennis Süß
Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
Ludwig-Maximilians-Universität München

„Bei einigen Ausdrücken könnten manche Leute im Zweifel darüber sein,
ob sie Namen oder Kennzeichnungen sind. Zum Beispiel bei dem Wort 'Gott':
beschreibt es Gott als das einzige göttliche Wesen oder ist es ein Name von Gott?
Aber solche Fälle brauchen uns nicht unbedingt zu beunruhigen.“
1

- Saul Kripke

Einleitung
Warum brauchen uns solche Fälle denn nicht unbedingt zu beunruhigen? Es scheint im Alltag so zu
sein, dass wir, wenn wir in religiöse Gespräche verstrickt werden, merken, wie die Bedeutung,
welche wir dem Wort „Gott“ bemessen, differieren kann. Solche Fälle sind in der Tat weniger
beunruhigend, stützen sich doch die Teilnehmer eines solchen Alltagsgespräches auf verschiedene
religiöse Traditionen. Doch wie verhält es sich bei der religionsphilosophischen Rede von Gott?
Solche Fragen sollen in Bezug auf Saul Kripkes Name und Notwenigkeit geklärt werden.
Zweifelsohne ist es so, dass die Frage nach Gott und der Adäquatheit der Rede von ihm zu den
großen Fragen der Menschheit im Allgemeinen und der Philosophie im Besonderen zählt,
wenngleich dieses Thema sich heutzutage eher eingeschränkter Beliebtheit erfreut. Ungeachtet
dessen ist diese Thema dazu geeignet, zentrale Themen des Werkes zusammenzuführen und einer
Prüfung zu unterziehen. Die Sinnhaftigkeit dieser Unternehmung ergibt sich nur unter der
Voraussetzung, dass wir unseren Begriff und unser Bild von Gott von der Wirklichkeit Gottes
trennen. Somit ist es auch zunächst irrelevant, ob diesem Begriff eine Wirklichkeit entspricht. 2
1 Kripke, Saul A.: Name und Notwenigkeit, Frankfurt am Main 1993, 36.
2 Vgl. Kreiner, Armin: Das wahre Antlitz Gottes. Oder was wir meinen, wenn wir Gott sagen, Freiburg i. Br. 2006, 915.
Die Klärung des Begriffes ist für die Fragen nach der ihm entsprechenden Existenz unabdingbar, muss doch zuerst
klar sein, von wem oder was die Existenz oder Nichtexistenz konstatiert werden soll.