EröffnungsvortragMünster24 09 2015.pdf


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soziales Zentrum für ehemalige Partisanen, die mir von ihrem Guerilla-Kampf gegen die
japanischen Besatzer erzählten.
Darüber hinaus nahmen wir in Asien und der Pazifikregion Kontakte zu den Selbsthilfegruppen
von Frauen auf, die während des Zweiten Weltkrieg von der japanischen Armee in deren
Militärbordelle verschleppt worden waren. Diese Frauengruppen wurden in den 1990er Jahren
gegründet und arbeiten heute in einem internationalen Netzwerk zusammen. Es wird von einem
Frauenmuseum in Tokio koordiniert, das uns u.a. die Portraitsammlung von Überlebenden zur
Verfügung gestellt hat, die – auf ausdrücklichen Wunsch der Frauenorganisationen – im AsienKapitel der Ausstellung zu sehen ist.
Bei einer Recherchereise durch sieben pazifische Inselstaaten erfuhr ich, dass Historiker der
Universität des Südpazifiks in Hawaii schon in den 1980er Jahren sogenannte Oral-HistoryKonferenzen über Kriegserfahrungen von Insulanern durchgeführt hatten, die in umfangreichen
Publikationen in Englisch und Pidgin dokumentiert sind. Allein auf den Inseln Vanuatus hatten
einheimische Feldforscher über Jahre hinweg Hunderte von Interviews mit Augenzeugen über
den Zweiten Weltkrieg aufgezeichnet, die auf Kassetten im Archiv des Kulturzentrums in der
Inselhauptstadt Port Villa lagern, und die ich dort auswerten konnte.
Überall, wo wir recherchierten, trafen wir Zeitzeugen, die uns von ihren Kriegserfahrungen
berichteten und uns ausdrücklich darum baten, diese endlich auch in den Ländern bekannt zu
machen, die den Krieg verschuldet und geführt haben.
Deshalb steht gleich zu Beginn der Ausstellung – im Prolog - eine Videostation mit dem Titel
„Unsere Befreier“. Sie zeigt 200 Portraits von Menschen aus verschiedenen Kontinenten, die im
Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten gegen die faschistischen Achsenmächte gekämpft
haben, aber in kaum einem Geschichtsbuch Erwähnung finden.
Wir haben uns bei der Arbeit an diesem Projekt von Anfang an als Übersetzer und Vermittler
dieser vergessenen KriegsteilnehmerInnen und AugenzeugInnen verstanden. Deshalb sind auch
Hörstationen mit Original-Aufnahmen von ZeitzeugInnen aus verschiedenen Ländern und
Kontinenten ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung.
Bei unseren Recherchen in den jeweiligen Ländern haben wir zudem so weit irgend möglich
einheimische HistorikerInnen zu Rate gezogen. Wir wollten keine Geschichtsschreibung aus
„weißer“, europäischer Perspektive, sondern haben z.B. Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso
getroffen, der die erste Geschichte Afrikas aus afrikanischer Sicht geschrieben hat und der beim
Interview in Ouagadougou den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika
seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinents bei der Berliner
Kongo-Konferenz im Jahre 1884“ bezeichnete. Sie finden das Zitat in der Afrika-Abteilung der
Ausstellung.
In Manila traf ich Ricardo Trota José von der Universität der Philippinen, der viele Jahre lang zu
den Folgen der japanischen Besatzungszeit geforscht hat und mir das erschreckende Ergebnis
mitteilte, dass in seinem Land jede und jeder 16. in diesem Krieg umgekommen sind, insgesamt
1,1 Millionen Menschen.