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Antwort an Hüttenrauch .pdf



Original filename: Antwort an Hüttenrauch.pdf
Title: Antwort an Hüttenrauch
Author: fjm

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Herr Hüttenrauch, ich antworte im Text in blau.
Folgende Fragen, wenn ich Ihre Zahlen-Annahmen heranziehen darf:
...Ein Arzt im ärztlichen Bereitschaftsdienst wird in BW pro Behandlungsfall honoriert.
Seine Fallpauschale beträgt 32 Euro.
Bei drei Patienten pro Stunde kostet er also rund 100 Euro pro Stunde.

Hier die Frage: Der ARZT kostet die KV bzw den Träger ca 100 €. Das ist sein
Lohn...(Nur am Rande: Klassisch dt. Sklaverei von Fachkäften...)
FJM: Ja, das ist sein „Lohn“.
...Neben den Kosten für den Arzt fallen in der Praxis noch Kosten für Personal, pro
Arzt eine Mitarbeiterin, sowie die üblichen Verwaltungskosten wie Miete, EDV,
Nebenkosten, Telefon etc. an.
Außerdem fallen die Kosten für den Fahrdienst an, den man in BW outgesourct hat.
Geht man von einer Kostenquote von ca. 60 Prozent aus, liegen die Kosten pro
Behandlungsfall bei ca. 85 Euro.

Hier die Frage: Worauf bezieht sich die Kostenquot? Ich nehme an, das sind
betriebswirtschaftliche Erfahrungswerte o.ä.
60% von was ?(der o.g. Stundenlohn eines Kassenarztsklaven? Oder eines
Notfallpraxisbetreibers o.a.??
FJM: Wie Sie richtig vermuten, vom Umsatz einer Praxis geht ein Teil für die
Betriebskosten drauf und der Rest wird zum Einnahmenüberschuss. Der
Einnahmenüberschuss ist typischerweise das, was dem Arzt bleibt. Also so
etwas wie sein Honorar.
Bei meiner Betrachtung habe ich berücksichtigt, dass hier ausschließlich eine
Verwaltung für den Betrieb der Praxis verantwortlich ist und diese Verwaltung
per se alles andere als effizient ist. Beträgt die Kostenquote in der Praxis eines
niedergelassenen Hausarztes ca. 50%, wird die Kostenquote in einer KVEigeneinrichtung auf Grund der hohen Overhead-Kosten um mindestens 20%
höher liegen. 50% plus 20% ergibt 60% (nur die Kosten erhöhen sich um 20%;
die Kostenquote verändert sich lediglich um 10%)
...Werden pro Stunde vier Patienten behandelt, reduzieren sich die Kosten pro
Behandlungsfall auf 62 Euro.

Als mittleren Wert nehme ich 75 Euro pro Behandlungsfall an, falls der Notfall in einer
Portalpraxis behandelt wird.

Hier die Frage: s.o. Die Behandlungskosten - wie kommt man da ran?
FJM: Einfacher Dreisatz und eine Annahme bezüglich der Effizienz einer
ärztlichen Notfallpraxis, die ausschließlich mit angestellten Ärzten betrieben
wird.
...Bisher wurden von den ärztlichen Bereitschaftspraxen rund 12 Mio. Notfälle
betreut. Bei 75 Euro pro Behandlungsfall entspricht das ca. 900 Mio. Euro, die für
den ärztlichen Notdienst ausgegeben wurden.

Hier die Frage: Hat man ungefähr durchscnhittl. Behandlungskosten, lassen sich in
der Tat Summationseffekte addieren.?
FJM: Man kann immer durchschnittliche Behandlungskosten ermitteln.
Selbstverständlich sind die Kosten einer Uni-Ambulanz andere als die eines
Kreis-Krhses. Sofern niemand belastbare Daten liefert, bleibt nur eine
Abschätzung.
...Da die Zeiten insgesamt aber verdoppelt werden, sind Kosten in der
Größenordnung von 1,6 Mrd. zu erwarten, ein Anstieg um 700 Mio. Euro.
...Statt der bisher behandelten 11,3 Mio. Notfälle, würden die Ambulanzen künftig 24
Mio. Notfälle p. a. versorgen – falls die Öffnungszeiten unverändert wären. Der
Anstieg um 12,7 Mio. Notfälle p. a. würde zu erheblichen Mehrkosten führen.

Hier die Frage: Wieso verdoppeln sich sich die Fallzahlen. Geht man als Bsp aus,
dass fifty-fifty Notfallpraxis / KH-Ambulanz behandelt würde, wäre das
nachvollziehbar. Muss aber nicht zwangsläufig sein. Ob es statistsisches Material zur
Inanspruchnahmevon Notdiensteinrichtungen im KV bzw KH-Bereich gibt, weiss ich
nicht.
FJM: Volkswirte haben so gut wie immer ein „c. p.“ im Hinterkopf. „c. p.“ steht
für „ceteris paribus“ und bedeutet, dass man in einem Modell lediglich EINEN
Parameter ändert. Ändert man mehrere Parameter gleichzeitig, kommt man zu
keinem belastbaren Ergebnis. Die Kunst in der VWL liegt darin, Modelle
einerseits so einfach wie möglich zu halten und andererseits trotz dieser sehr
einfachen Modelle zu belastbaren Aussagen zu kommen.

Abschliessend vorläufige politische Bewertung:
Herr @fjm , was führt Menschen dazu, kostenträchtigere Modelle anzustreben?
FJM: Es ist müßig, über die Beweggründe der Politik zu spekulieren. In dieser
Facebook-Gruppe habe ich umfangreich darzulegen versucht, dass die Politik
vermutlich (aus ihrer Warte) gar keine andere Möglichkeit mehr sieht, eine
ambulante fachärztliche Versorgung flächendeckend anzubieten, als eben über
Portal-Praxen bzw. Öffnung der Ambulanzen.
Man kann nur mutmassen, aber auch handfeste Unterstellungen vornehmen. Da rein
Mensch rational sich auf dem Markt so benehmen und auftraten würde, müssen
schon langzeiteffekte eintreten, die vorab-Investitionen begrunden.
Oder aber, was näher liegt: Der Staat bzw seine Politiker agieren als Unternehmer,
die keine Rechenschaft bzw Verantwortung schuldig sind. Wie bei nahezu allen
Grossprojekten ist die Politik mehr und mehr in der Rolle eines unwirtschaftlichen
Unternehmers, der Schulden und Folgekosten an dritte verlagert.
Letztlich werden die Beitragszahler, die Steuerzahler, die junge Generation diese
politischen (kosten-trächtigen) Fehlentscheidungen bezahlen müssen. Wer klärt
eigentlich die junge Generation auf über das, was ihnen von der Politk / öff.Hand Tag
für Tag eingebrockt wird?
FJM: Politik ist wie Marktwirtschaft, eine Abfolge von Versuch und Irrtum.
Gelingt es, was sie vorhatten, war es der richtige Weg. Scheitert man, muss
man es anders versuchen.
Im freien Markt gibt es auch Wettbewerb. Der Eine hat am Ende eine bessere
Lösung als der Andere. Und der Bessere setzt sich für gewöhnlich durch.
Da die Politik im Gesundheitswesen Markt und Wettbewerb vorsätzlich
verhindert, nimmt die Qualität der Entscheidungen systemimmanent ab und
somit steigen die Folgekosten an. Und die Zeche zahlt die nächste Generation
– wie in vielen anderen Politikfeldern auch. Die nächste Generation fährt
übrigens auch die Rendite für optimale politische Entscheidungen ein (bspw.
Agenda 2010 von Schröder).
Die Frage ist des weiteren: Was machen die Leser hier in der Gruppe mit dem
"Zahlenmaterial"? Ihren Delegierten weitergeben?

Was passietr eigentlich, wenn das Fass der mGV damit weiter geöfnet wird? Wie
agieren die KV'en, wie die Praxen?
Wie werden die Dienstpläne erstellt? Lassen sich die Kassenärzte in die Pflicht
nehmen? Besteht überhaut eine genügend grosse Personaldecke, diese
überdimensionierten Servie-Ambitionen der Politik zu realisieren?
Wenn nicht - wem fällt das ganze auf die Füsse?
Her Müller, liebe Gruppenmitglieder, was haben Sie für Vorschläge, die um sich
greifende Realitätvserweigerung von Politik und Ministerialapparat vom Kopf auf die
Füsse zu stellen?
MfG, C H
FJM: Sollte ich es geschafft haben, die Kernbotschaft meines Beitrages zu
transportieren, habe ich damit einen Teil der Vorarbeit geleistet, die
Voraussetzung ist, damit sich etwas ändern kann.
Sollte meine Botschaft bei den KV-Fürsten ankommen und sollten diese am
Ende eines Diskussionsprozesses zum Ergebnis kommen, dass es tatsächlich
ausschließlich an ihnen liegt, ob die Ärzteschaft auf die Straße geht, wäre
bereits viel erreicht. Für die KV-Fürsten geht es hier nicht um irgendetwas, es
geht hier auch um ihre persönliche Zukunft. Denn hätte ich Recht und würde
sich die Ärzteschaft das alles bieten lassen, dann wird die KV binnen 24
Monaten völlig demontiert werden. Eine demontierte KV verliert ihre
Existenzberechtigung und ohne KV gibt es auch keine KV-Fürsten mehr.
Würden sich die KV-Fürsten zu dieser Erkenntnis durchringen, bliebe ihnen gar
nichts anderes übrig, als die Ärzte auf die Straße zu bringen und das alles zu
verhindern.

Aber, und an der Stelle dürfte es heikel werden: Bringt man die Ärzte mit den
Argumenten „es geht um euer Geld, eure Existenz“ auf die Straße und versorgt
man sie dazu mit ausreichend Sachinformationen, braucht es nur EINEN
einzigen Ärztevertreter mit Charisma zu richtigen Zeit und an der richtigen
Stelle, der das von den KV-Fürsten gewollte Protestziel lediglich als
Zwischenschritt sieht. Gäbe jemand die Parole aus „wenn wir schon mal auf
der Straße sind, dann wollen wir nicht nur den Abfluss von 2 Mrd. aus der mGV

verhindern sondern dann fordern wir auch gleich angemessene Honorare für
all unsere Leistungen ein“, wäre das KV-System auch Geschichte. Denn für
angemessene Honorare braucht es die KV nicht.

Was die Mit-Leser daraus machen, darüber entscheiden sie selbst.

Es bleibt weiterhin spannend. Anfang November will sich Niedersachsen mit
dem Thema befassen.


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