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Suedwester Konzentrationslager 1904 bis 1908 .pdf



Original filename: Suedwester Konzentrationslager 1904 bis 1908.pdf
Title: Suedwester_Konzentrationslager_und_ihre_Geschichte_1904_bis_1908
Author: Till Wansleben

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Südwester Konzentrationslager und ihre Geschichte 1904 – 1908
von Golf Dornseif

In jüngster Vergangenheit ist es einer Forschungsgruppe der University of Namibia,
History Department, zu verdanken, dass nach hundert Jahren die Geschichte der deutschen Konzentrationslager in der Kolonie Südwestafrika 1904 bis 1908 zuverlässig dokumentiert werden konnte.
Unermüdlich sammelten etwa 25 Angehörige der History Society längst verschollen geglaubtes Material und ordneten es zu einem Mosaik des Schreckens und Völkermords.
Höchste Zeit, dass deutsche Leser aufwachen ...
Verständlicherweise leugnet die herkömmliche deutsche Kolonial-Literatur jeden Zusammenhang mit Begriffen wie „Konzentrationslager“ oder gar „Völkermord“, doch sprechen
alle Fakten für sich.
Ende November 1904 bedrängte Reichskanzler Bernhard von Bülow den deutschen Kaiser Wilhelm
II., so schnell wie möglich den berüchtigten Befehl des Generals Lothar von Trotha zu annullieren,
demzufolge das rebellische Volk der Herero und Hottentotten „mit Stumpf und Stiel ausgerottet
werden sollte“. Majestät zögerte eine Woche und willigte schließlich ein, den Südwester Eingeborenen
ihren Galgenstrick zu ersparen.
Zwei Wochen zuvor konsultierte Wilhelm II. einen seiner engsten Berater und Freunde, Graf Georg
von Stillfried und Rattowitz, Oberstleutnant der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika. Der Haudegen sollte ein Gutachten zu Papier bringen „zur Eingeborenen-Problematik in DSWA und
militärischen Lage vor Ort“. Der Graf lieferte 55 Seiten als Exposé: Jeder Eingeborene mit einer
Schusswaffe in der Hand müsste durch Massen-Exekutionen ausgelöscht werden. Alle übrigen eigneten sich am besten als Leiharbeiter für Farmer, Kaufleute usw. ohne Lohn bei freier Kost!

Aus dem Inhalt
Kaiser Wilhelm II. und Kanzler Bülow
Man redet von Konzentrationslagern
Beachtliche „Fangquoten“ für Herero
Das KZ Windhuk mit seiner Filiale
Die Haifischinsel (Shark Island)
Augenzeugen berichten im Blaubuch
Missionare angesichts des Hungertods
Die Anatomie des Teufels: Kopfjagd
Peinliches Schauspiel in Berlin 2011

 

Stillfried argumentierte weiter: „Die Häuptlinge sollte man hinrichten und ihre Angehörigen (Ehefrauen,
Kinder usw.) in eine andere deutsche Kolonie deportieren ohne Rücksicht auf Schuld oder
Unschuldsvermutung. Diejenigen Schwarzen, die zu Haftstrafen verurteilt werden, müssen künftig
Erkennungsmarken an einer Schnur um den Hals tragen mit Serien-Nummern. Es ist ratsam, abgeschlossene Siedlungen für Eingeborene in unmittelbarer Umgebung ihrer künftigen Arbeitsplätze
einzurichten“.
Kaiser Wilhelm II. empfand solche Vorschläge ausgezeichnet. Anfang Dezember 1904 wurde der
Vernichtungsbefehl zurückgezogen. Allmählich tauchten Hunderte und Tausende von geflüchteten
Herero wieder auf, nahezu verhungert und auf die Gnade der Kolonialherren angewiesen. Viele waren
todkrank und gingen zugrunde ohne medizinische Versorgung und rettende Ernährung. Misstrauisch
erwarteten die Männer, Frauen und Kinder ihr künftiges Schicksal unter Aufsicht des Militärs.

Oberst von Estorff

                                                     

General von Trotha

Im März 1905 fanden sich nach Augenzeugenberichten deutscher Siedler etwa 2.000 Herero in
Omaruru ein, restlos erschöpft. Eine ähnliche Zahl nannte Missionar Danner – ebenfalls Augenzeuge
– in einem Brief an Missionar Vedder mit Datum vom 14. Februar 1905. Der Dienstweg mit der
Anweisung, den Vernichtungsbefehl aufzuheben, war lange und umständlich. Es dauerte einige Monate, bis sich die Nachricht unter den Herero im Busch herumgesprochen hatte, mindestens 10
Wochen.
Reichskanzler von Bülow

Am 9. Dezember 1904 fiel in Berlin die Entscheidung, den fraglichen Tagesbefehl zurück zu ziehen.
Kanzler von Bülow telegraphierte an General von Trotha dementsprechend. Mürrisch antwortete von
Trotha, er habe die Ausführungen seinem Stabsoffizier Ludwig von Estorff übertragen, der wiederum
mit den weit verstreuten Herero Flüchtlingen verhandeln möge.
Das Oberkommando der Schutztruppe in Berlin fand die nachgiebige Entscheidung Seiner Majestät
gar nicht hilfreich und gab dem General zu verstehen, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht
gesprochen sei. Im Großen Hauptquartier war man lediglich bereit, den Schießbefehl in seiner Härte
zu liquidieren. Verhandlungen mit den Herero fand das Militär unzumutbar.
General von Trotha ließ alle gefangenen Herero, die sich inzwischen freiwillig gestellt hatten, in Ketten
legen. Am 14. Januar 1905 erreichte den „Negerhasser“ ein neues Telegramm des Reichskanzlers
nach dessen Rücksprache mit dem Kaiser: „Keine Ketten anlegen!“
Im einzelnen lautete die Anordnung des Kanzlers: „Nach meiner Auffassung sollten die Herero,
welche sich ergeben haben, in Konzentrationslager untergebracht werden und zwar an unterschiedlichen Orten im Schutzgebiet Südwestafrika. Man muss sie bewachen und zu Arbeiten
einsetzen. Um das alles durchzuführen, ist die Unterstützung der christlichen Missionen erforderlich,
was Seine Majestät ausdrücklich wünscht. Frauen und Kinder der Eingeborenen sind rücksichtsvoll zu
behandeln im Einvernehmen mit den Missionaren“.
General von Trotha delegierte die Berliner Weisungen an die einzelnen Bezirksamtmänner in der
Kolonie „mit dem speziellen Auftrag, unverzüglich Concentration Camps nach britischem Vorbild aus
dem Burenkrieg 1900 aufzubauen“. In solchen Camps waren Ketten unnötig und der General ließ sie
ablegen. Windhuk, Okahandja und Karibib waren auserkoren, Lager aufzunehmen in unmittelbarer
Nachbarschaft militärischer Stützpunkte. Auch Swakopmund und Omaruru schienen für KZ empfehlenswert.
Keine Ketten anlegen oder doch?

Sollten Seuchen ausbrechen, wollte man die Lagerbewohner umsiedeln und alle Unterkünfte in
Flammen aufgehen lassen. Es war bekannt, dass in den britischen Concentration Camps Epidemien
sich ausbreiteten (Cholera, Masern, Tuberkulose usw.). Die neuartigen Erkennungsmarken aus Blech
erhielten eingestanzte Markierungen wie G.H. (Gefangener Herero). Die Idee stammte offensichtlich
aus dem Konzept des einfallsreichen Herrn von Stillfried.
Im Januar und Februar 1905 entstanden die ersten deutschen Konzentrationslager in Südwestafrika.
Zuvor sperrte man verdächtige Herero in zwei Woermann Dampfern (Frachtern) auf Reede ein, die
vor Swakopmund ankerten. In Okahandja bestand das KZ lediglich aus einer Freifläche, umgeben von
Stacheldrahtzäunen, also ohne Bauten.
Die deutschen „Macher“ erinnerten sich bewundernd an Lord Kitchener, der vier Jahre zuvor als
Erfinder von Concentration Camps für Buren und Schwarze in Südafrika“ traurigen Ruhm erlangte,
zumindest in der internationalen Presse und unter Humanisten. Historiker klärten später, dass die
Bezeichnung CONCENTRATION CAMP nicht von Kitchener (persönlich) stammte, sondern eine
Wortschöpfung der britischen Parlamentarier C.P. Scott und John Ellis war, die der Liberalen Partei
angehörten.
Die Einrichtung der Konzentrationslager in Südwestafrika führte zu einer schaurigen Bilanz in
Etappen. Missionar Vedder registrierte Ende 1905 über 800 durch Krankheiten verstorbene Eingeborene im KZ Swakopmund bei einer durchschnittlichen Belegung von 1.000 Gefangenen im Jahr.

Karikatur aus dem sozialistischen Satire-Magazin DER WAHRE JAKOB im
Jahr 1906 in Berlin. Zwei Spekulanten unterhalten sich angeregt. Thema:
AUS UNSEREN KOLONIEN. „Wenn es ooch nischt einjebracht hat und
höhere Güter nicht zu holen sind, für die Aufstellung einer Knochenmühle
lohnt es sich allemal“. (Völkermord am Waterberg und in der Omaheke
Wüste).

Der zuständige Bezirksamtmann für Swakopmund meldete Mitte 1905, dass 400 Herero zwischen
Februar und Mai den Tod fanden. In einem anderen Bericht heißt es, dass im Juni 1905 genau 165
Todesfälle zu verzeichnen waren angesichts von jetzt 967 Häftlingen insgesamt (bezogen auf
Swakopmunds KZ).
Im November 1905 kehrte General von Trotha nach Deutschland zurück. Vorher ließ er seine
Soldaten intensiv Jagd machen auf alle noch verborgenen Aufständischen im Veld. Auf diese Weise
konnten 13.000 Herero eingefangen werden innerhalb von 10 Monaten. Zuletzt (September 1905)
schob man noch einmal 810 Herero in die Lager ab. Ende 1905 sollen nach zuverlässigen Angaben
13.216 Herero in Camps gelebt haben, vermutlich Opfer von Trothas „Treibjagd“. Von jenen 13.216
Menschen wurden 8478 unter Aufsicht der Schutztruppe gehalten, während die übrigen in kleinen
Gruppen unter lockerer Kontrolle auf Farmen arbeiteten, etwa nahe Keetmanshoop.
Gouverneur Friedrich von Lindequist trat die Nachfolge des Militärs an, nachdem er vorher in der Kap
Provinz als deutscher Konsul gedient hatte. Sowohl Trotha als auch Lindequist verwendeten
Missionare als Dolmetscher und Verbindungsmänner zu den Eingeborenen: aus heutiger kritischer
Sicht eher „als nützliche Idioten“ ohne Rückgrat zum Segen der Schwarzen. Arglos vertrauten die
Herero ihren Seelenhirten, dass jetzt Frieden eingekehrt sei, während sie in die tödliche Falle der KZ
gelockt wurden!
Nach seiner Anreise am 22. November 105 in Swakopmund ließ Lindequist die Gefangenen des dortigen Camps zusammenrufen und hielt eine kurze Rede: „Ihr sollt nicht für immer Gefangene bleiben.
Ihr werdet wieder frei sein mit Ausnahme derjenigen, die deutsche Farmer und Händler ermordet
haben. Solchen Tätern droht strenge Bestrafung. Ich kann Euch das Leben aber erst dann erleichtern,
wenn alle ehemaligen Rebellen sich ergeben haben. Ich sichere Euch anständige Behandlung zu. Je
schneller sich die restlichen Kämpfer ergeben, desto schneller werden alle Herero wieder frei sein.
Wer guten Willens ist, darf mit Belohnung rechnen!“
Es waren leere Versprechungen, denn weder die Verpflegung noch die übrige Fürsorge besserte sich.
Lindequist besuchte zahlreiche Missionare an allen Orten, wo sich Camps befanden, und erbat ihren
Beistand. Vor allem die Seelsorger der Rheinischen Mission (Wuppertal) spielten eine wichtige Rolle.
Gouverneur von Lindequist

Jetzt erhielten „hilfswillige Herero“, mit Gewehren ausgerüstet, den Auftrag, die letzten versprengten
Eingeborenen in der Wildnis aufzustöbern und in KZ zu geleiten. Diese „Hilfspolizisten“ bekamen gute
Nahrung als Lohn und arbeiteten in Kommandos zu 10 Männern als Miliz. Alle Missionare machten
diesen „Schwindel“ ungeniert mit und nannten die „Lockvögel“ oft „Friedens-Patrouillen“ (statt
Advokaten des Teufels). Den Schwarzen wurde vorgelogen, dass sie frei seien, ohne die geplante
Verschleppung ins nächste KZ zu erwähnen.

Beachtliche „Fangquoten“ für Herero
Die Suchkommandos verwendeten Flugblätter in unterschiedlichen Stammesssprachen mit Appellen
des neuen Gouverneurs an die Versprengten zur Einsicht. Sie wurden aufgefordert, sich in sogenannte Sammellager geleiten zu lassen zur Registrierung in Omburu oder Otjihaenena. Die
Concentration Camps an anderen Orten würden aufgelöst.
Text eines Flugblatts: „Hereros! Es haben sich inzwischen Tausende von Hereros ergeben. Sie
empfangen Nahrung sowie Kleidung von der Regierung. Das Gouvernement unternimmt alles, was in
seinen Kräften steht, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Ich verspreche Euch ebenfalls Gerechtigkeit!
Kommt mit nach Omburu und Otjihaenena! Dort warten Missionare als Helfer. Sie bringen genug
Lebensmittel für alle...
Wenn Ihr noch Rinder und anderes Vieh besitzt, dürft Ihr die Tiere behalten, um für die Familien zu
sorgen. Wer kräftig ist und arbeiten kann, soll belohnt werden. In den beiden Orten sind keine weißen
Soldaten stationiert. Ihr habt keinen Grund, Euch zu fürchten. Niemand wird auf Euch schießen! Legt
alle Waffen nieder und kommt zu uns. Eure Lage wird bald leichter sein. Kommt rasch, ehe es zu spät
ist!“
(Unterschrift) DER KAISERLICHER GOUVERNEUR – VON LINDEQUIST.
Unterdessen gingen in den KZ immer mehr Schwarze zugrunde und nichts änderte sich trotz vieler
Versprechungen der Obrigkeit. Die ehemaligen Missionseinrichtungen in Omburo und Otjihaenena
verwandelten sich in sogenannte „Sammelstellen“ für friedfertige Eingeborene. Omburo liegt nordwestlich von Omaruru. Dort erschien Missionar Kuhlmann kurz vor Weihnachten mit etwa 20 „loyalen
Hereros“, die ihn beim Aufspüren zerstreuter Schwarzer unterstützen sollten.
Bewaffnete Ovambo als Herero-Fangkommando

Einige Tage danach tauchte Missionar Diehl in Otjihaenena auf, 100 Kilometer östlich Windhuk, und
dirigierte fast 100 Herero Familien zur Sammelstelle. Sechs Monate später, Ende Juni 1906, eröffnete
man eine zusätzliche Sammelstelle in Otjozongombe unter Leitung des Missionars Olpp, dem 50
eingeborene „Hilfspolizisten“ (Herero) zur Seite standen „als Lumpensammler“. Dieser Ort war acht
Kilometer vom Waterberg entfernt.
Die „Loyalisten“ durchstreiften den Busch, ausgestattet mit Gewehren, und durften sich nach Herzenslust satt essen (statt Löhnung). Alle „eingefangenen“ Versprengten hatten Gelegenheit, kurze Zeit
in den Sammellagern durchgefüttert und gepflegt zu werden, mussten dann aber unter militärischer
Bewachung den traurigen Weg ins nächste Concentration Camp beschreiten. Das Täuschungsmanöver funktionierte!
Es dauerte nicht lange und die Irreführung der gutgläubigen Herero sprach sich in Windeseile in ihren
Kreisen herum. Einigen Herero Männern glückte bald die Flucht aus den Sammelstellen und
Konzentrationslagern in Richtung Heimatdorf. Das Vertrauen der gläubigen Eingeborenen in die
Missionare war erschüttert, denn sie fühlten sich zu Recht verraten. Es sickerten Nachrichten durch,
dass in den KZ Einrichtungen geprügelt und vergewaltigt wurde, dass dort Hungersnot herrschte.
Zornig reagierte das Gouvernement in Zusammenarbeit mit der Schutztruppe. Unter den Schwarzen
breitete sich lähmende Angst aus und eine neue Fluchtbewegung in die Einöde. Es gab sogar Herero,
die aus Konzentrationslagern flüchteten, um – wegen der besseren Versorgung – wieder in Sammelstellen ihre Zuflucht zu finden. Und es passierte, dass diese Flüchtlinge nochmals ins nächste KZ
wandern mussten, sobald sie „entdeckt“ wurden!
Im Jahr 1907 ergab eine Untersuchung, dass von 100 Insassen einer Sammelstelle, die während der
letzten vier Monate dort eingetroffen waren, 36 Männer vorher aus KZ fliehen konnten. Missionar
Kuhlmann lieferte dem Gouvernement ein Memorandum dazu mit einer Fallstudie: Drei Herero waren
mit ihren Familien von Zwangsarbeitsplätzen in Okazize geflüchtet und hielten sich wieder im Camp
Omburo auf. Der Grund: Die Frauen waren von Angehörigen der Schutztruppe zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden und die Ehemänner mussten immer wieder Prügel einstecken.
Flucht aus dem Busch in den Hungertod der Concentration Camps

Gouverneur von Lindequist förderte mit den Sammelstellen einen raffinierten Langzeitplan: Erst sollten
sich die dort Eingetroffenen einigermaßen erholen und kräftigen, Gewicht zulegen und beruhigen.
Dann wollte man sie als preisgünstige Leiharbeiter an Farmer, Bahnbau-Gesellschaften und andere
Unternehmen vermarkten. Missionar Kuhlmann blieb nichts anderes übrig, als seine Schützlinge
innerhalb kurzer Zeit abzugeben an Bau-Unternehmer, Kolonialbehörden und sonstige Interessenten.
Die Sammelstellen hielten sich nicht lange wegen zunehmender Kritik der Behörden, dass sie „zu
kostspielig“ seien wegen „der Faulenzerei“. Otjihaenena existierte knapp 10 Monate und musste am
11. September 1906 schließen. In Okomitombe nahe Gobabis lief der Betrieb ähnlich weiter bis März
1907. Es lohnte nicht länger, weil nur noch wenige Herero im Busch entdeckt werden konnten.
Nun ergriff die Schutztruppe die Initiative und organisierte eigene „Treibjagden“. Solche Aktionen
nannte man „Aufklärungspatrouillen“, die während der wärmeren Jahreszeit forciert werden durften.
Kommandeur von Wangenheim, ermuntert vom Bezirksamtmann in Outjo, ging grausam vor und ließ
die Behausungen aller arbeitsunwilligen Eingeborenen abfackeln, in einigen Fällen mitsamt den
eingeschlossenen Bewohnern. So wurde ab 1907 bis zur Kapitulation im Sommer 1915 verfahren, wie
überliefert ist.
In Omburo konnten bis September 1906 genau 4497 „eingesammelt“ werden, dagegen in Otjihaenena
schätzungsweise 4200 Schwarze. Bis Ende 1906 beschafften die Missionare mit ihren „Hilfspolizisten“
ungefähr 8700 Arbeitskräfte in beide Einrichtungen. Otjozongombe, das dritte Sammellager, machte

KZ Alte Festung Windhuk mit Hütten

Ende Oktober 1906 dicht und lieferte 1824 Abhängige. Okomitombe (Ersatz für Otjihaenena) schloss
Ende März 1907 mit 1103 registrierten Personen. Rechnet man alle Eingänge zusammen, so ergeben
sich für vier Camps 11.624 Männer, Frauen, Kinder, allesamt Herero.
Die Missionare behaupteten unerschüttert, segensreiche „Friedensarbeit“ geleistet zu haben und
hatten kein schlechtes Gewissen. Es besteht kein Zweifel, dass rund 12.000 Schwarze sowohl
Sammelstellen als auch Konzentrationslager „durchliefen“ dank der missionarischen Schützenhilfe
zum Nachteil des Herero Volks.

Das Konzentrationslager Windhuk
Windhuk verfügte über zwei KZ Anlagen, die mit Herero aus dem Sammelpunkt Otjihaenena belegt
wurden. Ein Camp befand sich im Zentrum der Stadt, ungefähr zwischen dem Reiterstandbild und der
Christus Kirche. Das andere Lager existierte auf den Hügeln nordwestlich der Eisenbahnstation,
anders formuliert (aus gegenwärtiger Perspektive) „etwa an der jetzigen Kreuzung von Okahandja
Street und Harvey Street“. Dort sollen zahlreiche Verstorbene begraben worden sein. 1919 bemühte
sich die Herero Gemeinde um eine schützende Umzäunung des Gräberfeldes aus Pietät, wurde aber
abgewiesen.
Mitte August 1906 lebten 5183 Gefangene in den Wndhuker Lagern, im April des gleichen Jahres
zählte man knapp 7.000 Häftlinge. Die Differenz erklärt sich aus Umgruppierungen: Umsiedlung in
andere Camps, Abschiebung zu Bergbau Unternehmen wie in Tsumeb, Bahnbau-Wanderarbeit,
Dienste für das Militär und Farmer. Nicht zu vergessen die große Zahl von Sterbefällen. Durchschnittlich lebten in beiden Camps etwa 5.000 Menschen, während die zivile Bevölkerung Windhuks
maximal 2500 Weiße ausmachte, also die Hälfte!
Beide Konzentrationslager boten den Gefangenen keine medizinische Versorgung bzw. ausreichende
sanitäre Einrichtungen. Missionar Eich bekam vom Lagerkommandanten zu hören, dass niemand sich
um die Kranken kümmere. Wer kräftig genug sei, um zu überleben, gelte als Glückspilz. Eich notierte:
„Hier herrscht Sozial-Darwinismus in Reinkultur. Der Lagerleiter sagte mir unbekümmert, dass er
Anweisungen erhalten habe sich nur um die Leistungsfähigen zu bemühen im Sinne Seiner Majestät“.

Auch Buschleute endeten in den Todeslagern


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