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Rede Basel Upload .pdf


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Author: dorfstrasse

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Tiere sind keine Ware
Mit dem Begriff Ware wird etwas bezeichnet, was gehandelt, verkauft oder getauscht wird,
sprich ein Handelsgut. Marx schreibt dazu: „Die Ware ist zunächst ein äusserer Gegenstand,
ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt.“ 1
Als Ware werden also Dinge bezeichnet, die Menschen zu ihrem Nutzen untereinander
handeln.
Ist es denn rechtlich erlaubt, dass nichtmenschliche Tiere überhaupt als Ware verwendet
werden?
Im Schweizerischen Tierschutzgesetz, oft heuchlerisch als das „beste“ der Welt bezeichnet,
ist der Grundsatz verankert, dass die Würde der Tiere zu schützen sei. Davon gibt es
Ausnahmen, nämlich dann wenn der Eingriff in die Rechte des Tieres durch höherwertige
Interessen der Menschen gerechtfertigt werden kann. Offenbar genügen bei der
Interessenabwägung bereits Konsum- und Geschmacksargumente der Menschen. Das führt
dazu, dass diese Ausnahme die Regel statuiert. Diese Schutznorm läuft also ins Leere.
Weiter enthält das Schweizerische Zivilgesetzbuch seit 2003 eine Norm, gemäss welcher
Tiere nicht mehr als Sache gelten. Aber auch diese Bestimmung wird sogleich relativiert:
Soweit für Tiere keine besonderen Regelungen bestehen, gelten für sie die auf Sachen
anwendbaren Vorschriften. Dadurch ist der Status der nichtmenschlichen Tiere als Ware also
sogar gesetzlich vorgesehen und somit „demokratisch“ legitimiert.
Was hat es für die nichtmenschlichen Tiere für Konsequenzen, dass sie als Ware gelten?
Jährlich werden weltweit über 56 Milliarden2 sogenannte Nutztiere von uns Menschen
getötet, um unsere vermeintlichen Bedürfnisse zu befriedigen. – Allein in der Schweiz
werden pro Sekunde 2 Tiere getötet. – Fische, Meeressäuger und andere im Wasser lebende
Tiere sind in beiden Berechnungen noch nicht einmal mit einbezogen.
Nichtmenschliche Tiere werden jährlich milliardenfach für unsere Zwecke systematisch
unterdrückt, instrumentalisiert und ausgebeutet.
Sie werden u. a. gezielt reproduziert und eingesperrt, als Unterhaltungsobjekte vorgeführt,
als Forschungsgegenstand verwendet – die Liste an Beispielen ist endlos lang.
1 http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_w/ware.html
2 http://www.animalequality.de/essen

Ihre artspezifischen und individuellen Bedürfnisse werden dabei komplett missachtet. Es ist
längst eine allgemein bekannte Tatsache, dass auch nicht menschliche Tiere leidens- und
empfindungsfähig sind. Sie leben in sozialen Strukturen und sind lern- und empathiefähig. In
vielen Sinnesbereichen haben manche weitaus höhere Fähigkeiten als wir Menschen.
Ähnlich gravierend sind die Konsequenzen des Konsums nichtmenschlicher Tiere für die
Umwelt. Ein Beispiel: Um ein Kilo Rindfleisch herzustellen 3, werden – 20‘000 Liter Wasser
benötigt (das reicht für ein Jahr tägliches Duschen) – 50 Quadratmeter Regenwald zerstört –
16 kg Getreide und Soja als Futter verschlungen und – mehr CO2-Emissionen als bei einer
250 km langen Autofahrt verursacht, also der Strecke von Basel nach Genf.
Sogar die MEFA beschäftigt sich in einer Diskussionsrunde zum Thema „Fleisch und
Nachhaltigkeit“ mit dieser Problematik – Ob es dabei tatsächlich um die Umwelt oder doch
nur ums Image geht, sei dahingestellt.
Alle diese Tatsachen sollten Grund genug sein, um den Gebrauch von Tieren als Ware zu
hinterfragen.
Wieso werden Tiere trotzdem als Ware „verwendet“ bzw. wie wird dieses
Herrschaftsverhältnis aufrechterhalten?
Diese Frage kann nur unter der Berücksichtigung beantwortet werden, dass folgende Ansätze
in Wechselwirkung zueinander stehen und nicht isoliert betrachtet werden können.
Einer der Gründe ist das kapitalistische Wirtschaftssystem, welches auf Profitmaximierung
beruht. Der Wert einer Ware wird gesteigert, bis sie schliesslich mit Gewinn verkauft werden
kann. Dieser Mehrwert ist die Grundlage für verschiedene Ausbeutungsmechanismen.
Ein weiterer Grund findet sich beim Speziesismus, also beim Unterdrückungsverhältnis
zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren.

3 Zahlen von „Vegane Gesellschaft Deutschland e.V.“

Innerhalb des Speziesismus bietet die Theorie des Karnismus4 einen Erklärungsansatz. Als
Karnismus wird das Überzeugungssystem bezeichnet, welches uns beibringt, bestimmte
Tierarten zu essen und andere nicht – je nachdem, in welcher Kultur und in welchem Umfeld
wir aufwachsen. Diese Unterdrückung wird bewusst unsichtbar gemacht, indem die
nichtmenschlichen Tiere wie auch der Prozess, durch den sie zu vermeintlichen Esswaren
gemacht werden, hinter Betonmauern, Marketing und Werbung versteckt werden. Es wird
uns zudem beigebracht, es sei normal, natürlich und notwendig, gewisse nicht menschliche
Tiere zu essen. „Der Mensch muss Fleisch essen, um seinen Proteinbedarf zu decken“ – und
viele weitere Mythen wurden bzw. werden in unser Bewusstsein eingebrannt. Unsere
Wahrnehmung wird so manipuliert, dass wir bspw. eine Kuh als Objekt, Ware und
Lebensmittel wahrnehmen statt als Individuum mit Persönlichkeit und Bedürfnissen.
Wieso Tiere als Ware verwendet werden, lässt sich anhand von einem weiteren Ansatz
verstehen. Eine Erklärung, wie es zu diesem Unterdrückungsverhältnis kommt, liefert Birgit
Mütherich anhand des sogenannten Mensch-Tier-Dualismus.5 Gemäss diesem Dualismus
liegt der Ursprung des Speziesismus in der Einteilung in „Mensch“ und „Tier“ und dem
Ausschluss der Menschen aus der Kategorie „Tier“, obwohl dieser selbst ein Säugetier ist.
„Das Tier“ wurde zum gegensätzlichen Konstrukt des „Menschen“, zum „ganz Anderen“
gemacht. Dabei werden dem “Tier“ massenweise „negativ“ assoziierte Attribute wie z. B.
Trieb und Instinkt zugeordnet, dem Menschen „positive“ wie Vernunft und Moral. Das führt
zum Mechanismus der Selbstaufwertung und der Abwertung des Anderen. Diese Abwertung
„des Tieres“ fällt bereits stark in der Alltagssprache auf, etwa durch Metaphern für ethisch
Verwerfliches oder allgemein Negatives, wie „du blöde Kuh“ oder „Angsthase“.
Diese Mensch- Tier-Konstruktion führt gemäss Mütherich dazu,„ dass tierliche Individuen als
Subjekte ent-individualisiert, versachlicht und abgewertet, ihre Verhaltensweisen und
Handlungen gezielt verfremdet werden.“6 Ein Beispiel: Menschen „essen“ und Tiere „fressen“
– obwohl die gleiche Handlung beschrieben wird.
4 http://hpd.de/artikel/11043; http://karnismus-erkennen.de
5 Ausführungen von Mütherich:
http://www.theopenunderground.de/@pdf/nurse/natu/SozialeKonstruktiondesAnderen.pdf
6 http://www.theopenunderground.de/@pdf/nurse/natu/SozialeKonstruktiondesAnderen.pdf; S. 6.

Des Weiteren zeigt Mütherich auf: Das beschriebene Tierkonstrukt sowie die Zuschreibung
naturhafter Attribute bilden die Grundlage aller anderen Unterdrückungsformen. Die
Unterdrückungs- bzw. Herrschaftsverhältnisse haben demnach damit begonnen, dass die
Dominierenden den Unterdrückten tierische oder naturhafte Attribute zugeschrieben haben.
In der Geschichte wurden bspw. people of color vom „weissen“ Menschen als im Wesen
anders dargestellt. Gerechtfertigt wurde ihre Unterdrückung durch die ihnen
zugeschriebenen tierischen und negativ assoziierten Attribute.
Gemäss Mütherich findet sich das Konstrukt nicht nur im Bereich des Rassismus wieder. Auch
im Zusammenhang mit dem konstruierten Frauenbild lassen sich strukturelle Parallelen
finden.
Die Reduktion auf Naturhaftigkeit, Körper und Instinkt sowie die Unterstellung eines Mangels
an Vernunft und Individualität gehören seit über zweitausend Jahren auch zum
Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmuster gegenüber Frauen. Das „Weibliche“ wird analog
zum Mensch-Tier-Dualismus auch als Konstrukt „des Anderen“, dem „Männlichen“
gegenübergestellt, etwa durch die Betonung biologischer Unterschiede.
Im patriarchalen Gesellschaftssystem wird das sogenannte Wesen der Frau durch jene
festgelegt, die davon profitieren und ihre eigene privilegierte Position in diesem System
sichern wollen.
Gut zu erkennen ist das Zusammenspiel von Speziesismus und Sexismus bei gewissen
Ausdrücken, die aus der Jägersprache stammen, wie etwa „Luder“, welches ein weibliches
Tier bezeichnet, das zum Anlocken von Jagdbeute getötet wurde. In der Alltagssprache wird
„Luder“ in herabsetzender Weise zur Charakterisierung u. a. von zielstrebigen,
karriereorientierten Frauen verwendet.
Aber die Verbindung zwischen Frauen und gejagten oder zerlegten Tieren erstreckt sich über
die Jagd hinaus – über das Fleischessen bis hinein in Gewalthandlungen und
Gewaltdarstellungen.

Ein Beispiel aus der Werbung, das diese strukturelle Verknüpfung von Sexismus und
Speziesismus anhand des Fleischkonsums veranschaulicht: Vor einigen Monaten hat Bell mit
einer Plakatkampagne geworben, auf dem sich eine Frau im Bikini auf einem Strandtuch mit
Speck-Motiv räkelt. Bei dieser Versinnbildlichung wird sowohl dem nichtmenschlichen Tier
als auch der Frau der Subjektstatus entzogen. Die Frau wird „verfleischlicht“ und als
konsumierbares Objekt dargestellt. Umgekehrt findet auch eine Sexualisierung von Fleisch
statt, indem tote Tiere mit sexuellen Konnotationen präsentiert werden. 7
Die Frau wird also mit einem getöteten Tier identifiziert, welches zu einem konsumierbaren
Objekt gemacht wurde.
Wir sind hier vor der MEFA, die sich die Degradierung der nichtmenschlichen Tiere zur Ware
als Inhalt gemacht hat. Um diese Form der Unterdrückung zu überwinden, müssen wir
anerkennen, dass sie mit anderen Herrschaftssystemen einhergeht. Sie stehen in
Wechselwirkung zueinander und nähren und reproduzieren sich gegenseitig.
Deshalb:
Wir fordern eine queer-feministische Antispeziesismusbewegung!
Wir fordern keine grösseren Käfige, sondern deren Abschaffung!
Wir kämpfen gegen jegliche Unterdrückung und Ausbeutung von nichtmenschlichen sowie
menschlichen Tieren!
Wir fordern ein Ende des kapitalistischen, profitorientierten Wirtschaftssystems und setzen
uns für eine bedürfnisorientierte Wirtschaft ein!
Wir kämpfen gegen eine Gesellschaft in der es Staat, Gesetze und sonstige Machtstrukturen
gibt. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle ein selbstbestimmtes, freies Leben führen
können!
Wir fordern, dass Tiere nicht mehr zur Ware degradiert, sondern als das anerkannt werden,
was sie sind: empfindungsfähige Individuen, die sich selbst gehören und die ein Recht auf ein
Leben ohne menschliche Nutzungsansprüche haben!

(Die Kratzdistel; 07.12.15)
7 https://friederikeschmitz.de/fleischlust-und-fleischeslust-maennliche-herrschaft-und-weibliches-mitleidtierbefreiung-und-feminismus/


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