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AuBi16 08 VW Abgas [Schreibgeschützt] .pdf


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REPORT
DER BERECHNENDE
Wegweiser durch den Abgasskandal

Der richtige Rat
für jeden VW-Fahrer

DER KRITISCHE
Er möchte am Rückruf teilnehmen,
hat aber Sorge vor einem Leistungsverlust oder Mehrverbrauch.
Die Sorge ist nicht unbegründet.
Bislang hat VW nicht plausibel nachweisen können, dass die Nachbesserungsmaßnahme ohne Nebenwirkungen verlaufen wird. Falls diese
dann doch auftreten, trägt der Kunde die Beweislast. Außerdem muss er
sich auf eine nervenaufreibende
Hängepartie einrichten, denn der
Hersteller hat laut Gewährleistungsrecht mindestens drei Nachbesserungsversuche.

Wer Opfer der Dieselaffäre ist, muss sich entscheiden: einfach am Rückruf
teilnehmen und schlucken, was VW vorgibt? Oder lohnt es sich,
Widerstand zu leisten? Wir geben Ratschläge für verschiedene Kundentypen

DER STURE

56

Markus Klamert,
Rechtsanwalt, München

AUTOBILD.DE 26. FEBRUAR 2016

DER BEHANDELTE
Er hat bereits am Rückruf teilgenommen und stellt nun einen
Mehrverbrauch fest.
Hier ist anwaltlicher Rat gefragt.
Klagen kann sich lohnen – vor allem
mit einer Rechtsschutzversicherung
im Rücken. Diese übernimmt im Regelfall die Gutachterkosten von rund
2000 bis 3000 Euro. Faustregel des
Bundesgerichtshofs: Bei einem Mehrverbrauch von mindestens zehn
Prozent gegenüber den Prospektangaben gibt es Geld zurück. Aber
Achtung: Der von VW im Zuge der
Betrugsaffäre ausgesprochene Verjährungsverzicht bei der
­Ge­währleistung gilt nicht
­unbedingt für sogenannte
„Folgemängel“. War also der
Mangel ursprünglich bereits
verjährt, gibt es kaum eine
Chance, den Mehrverbrauch
geltend zu machen.

DER BEQUEME

Er will sein noch nicht nachgebessertes Auto beim VW-Händler in Zahlung
geben und der Marke treu bleiben.
Keine so schlechte Idee. Das Pro­
blem­auto ist weg, stattdessen wird
ein Neuwagen angeschafft. Einige
Vertragshändler locken hier mit sehr
attraktiven Angeboten. Vorsicht:
Ein vermeintlich guter Inzahlungnahmepreis kann sich bei näherer
Betrachtung als maues Angebot
entpuppen. Denn
beim Neuwagengeschäft kalkulieren die Händler – und zwar
auch bei VW
– derzeit
mit hohen
Nachlässen auf
den Listenpreis.
FOTOS: S. HABERLAND (2), HERSTELLER

„VW versteht
es hervorragend, zusammen mit
Regierung und
Behörden die
Probleme
unter den
Tisch zu
kehren. Der
Verbraucher
wird der
Verlierer sein,
wenn er sich
nicht wehrt.“

Er ist zufrieden mit seinem Auto, so,
wie es ist, und will den Rückruf einfach
ignorieren.
Gar nicht wenige Betroffene möchten
ihren VW so lassen, wie er ist, um
Leistung und Verbrauch nicht zu gefährden. Sie könnten ein Problem bekommen, denn das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat signalisiert, Autos
notfalls stillzulegen, wenn sie nicht am
Rückruf teilnehmen.
Möglicherweise
tut sich hier aber
ein juristi­sches
Schlupf­loch auf:
Denn die KBAAus­nahme­
genehmigung, mit
der die Problemdiesel
aktuell her­
umfahren
dürfen,
gilt eigentlich so lange, bis der
Besitzer
am Rückruf teilnimmt ...

DER TREUE

Er will bloß keinen Stress und
akzeptiert widerspruchslos alle
Maßnahmen des Herstellers.
Meckert nicht, macht nichts – für
VW der Idealkunde. In seinem eigenen Sinne sollte er sich zumindest
aufraffen und von seinem VWHändler eine Bestätigung über den
„Verzicht auf die Erhebung der Verjährungseinrede“ verlangen. Das
Schriftstück kann bei einem Rechtsstreit wichtig
werden, um
etwaige Ansprüche gegen
Händler oder
Hersteller geltend zu machen. Problem:
VW hat zwar erklärt, dass die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren
ab Fahrzeugübergabe auch nach
dieser Zeit nicht abläuft, sofern es
um Probleme geht, an denen die
Betrugssoftware schuld ist. Nur:
Dieses Versprechen gilt allenfalls
für ab Werk gekaufte Autos; für im
Handel erworbene Fahrzeuge ist
diese Zusage rechtlich nicht haltbar,
denn den Verzicht kann nur der
­jeweilige Händler aussprechen.

Er möchte sein Auto behalten und
am Rückruf teilnehmen, erwartet aber
einen finanziellen Ausgleich.
Ein schwieriges Unterfangen, gerade
in Deutschland. Um einen Gerichtsprozess kommt man nicht herum.
Um die Höhe einer etwaigen Entschädigung zu bemessen, müsste
ein Sachverständiger klären, wie hoch
der Minderwert des nachgebesserten
Fahrzeugs gegenüber einem völlig
mangelfreien Fahrzeug ist. Das Kostenrisiko des Prozesses trägt der
Kunde, das Prognoserisiko des Sachverständigen ebenso. Es empfiehlt
sich, vor dem Rückruf zur Dokumentation eine Leistungsmessung bei einer anerkannten Prüforganisation
(z. B. TÜV/DEKRA) durchzuführen.

VW zahlt
sonst
Fahrzeugwechsel

DER BETROGENE
Er möchte sein Auto privat verkaufen
und muss nun einen hohen Wertverlust hinnehmen.
Ein Wertverlust ist nur sehr schwer
zu belegen, da die Preise beim privaten An- und Verkauf keiner Preisliste
unterliegen, sondern vom Verhandlungsgeschick abhängig sind. Für
Klagewillige also ein schwieriges
Feld. Wichtig für Verkäufer: Er
muss den Käufer darauf hinweisen, dass der Wagen vom Rückruf betroffen ist, andernfalls
ist der Kaufvertrag anfechtbar.

DER ENTTÄUSCHTE
Er hat das Vertrauen in VW verloren,
will sein Auto unbedingt zurückgeben.
Druck machen – und zwar mit Vollgas. Ohne Rechtsanwalt geht es
nicht. Einige Kanzleien haben sich
auf die VW-Affäre spezialisiert. Achtung: Trotz guter Erfolgsaussichten
spielen nicht alle Rechtsschutzver­
sicherungen mit. Nach Auffassung
von Verbraucheranwälten haben
betroffene Kunden das Recht, vom
Kaufvertrag zurückzutreten. Begründung: Die Autos wiesen einen
schweren Mangel auf, da sie laut
Behörden nicht zulassungsfähig
sind und derzeit nur mit Sondergenehmigung betrieben werden dürfen. Wer so vorgehen will, darf keinesfalls am Rückruf teilnehmen. Denn
damit übt er sein gesetzliches Wahlrecht hinsichtlich der Gewährleistungsansprüche aus. Dass
es neben der Nachbesserung (Rückruf) eben auch
ein Recht auf Rücktritt
gibt, darüber informiert VW seine Kunden im Rahmen
der Rückrufaktion
nicht.

MEINE
MEINUNG

Redakteur

MATTHIAS MOETSCH

Ohnmächtig – so
werden sich viele
betroffene VWFahrer fühlen, die
weder Rechtsschutzversicherung haben noch
zum Anwalt rennen wollen. Einen
pauschalen Ratschlag gibt es leider ebenso wenig
wie die Gewissheit, dass mit dem
Rückruf alles gut
wird.

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AUTOBILD.DE 26. FEBRUAR 2016


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