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Romreport2015.pdf


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Einleitung
2009 schrieb ich meinen ersten Artikel zu Pogromen und Angriffen auf
Roma in Ungarn und der Tschechischen Republik. 2010 folgte ein weiterer
kurzer Artikel zu der Situation der Roma in Kosovo, welche Ziel von
schweren Angriffen durch albanische Nationalisten wurden und 1999
wider besseren Wissens auf ein von Blei vergiftetes Gelände
untergebracht wurden. 2006 hatten mindestens 40 Kinder aus diesem
Lager mit Bleivergiftungen zu kämpfen, die Symptome waren u.a.
Erbrechen, Erinnerungsverlust, Krämpfe. Weitere mögliche Folgen sind
ein frühzeitiger Tod und irreversible Hirnschäden. Mindestens ein Kind
starb an den Folgen der Bleivergiftung. Im Zuge der weiteren Recherche
wurde mir bald klar, dass Repression und Gewalt gegen Roma ein Fass
ohne Boden ist. Dachte ich 2009 noch, die pogromartigen
Ausschreitungen in Litvinov wären eine Ausnahme, so wurde ich bald
eines besseren belehrt. Die penible und umfassende Sammlung an
Daten,
Berichten
und
Zeugenaussagen
durch
das
ERRC,
Menschenrechtsorganisationen und die entsprechenden Urteile des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte werfen ein schreckliches
Licht auf die tatsächliche Situation der Roma in Europa.
Das Ziel der Arbeit war es einen sachlichen Mangel in der
deutschsprachigen und internationalen Diskussion um die Situation der
Roma in Europa aufzuzeigen: Erstens ist das konkrete Ausmaß der
Gewalt gegen Roma nur wenigen Experten bekannt. Die Masse der
Quellen ist nur in Englisch verfügbar, daher galt es einmal, die Geschichte
der Gewalt gegen Roma überhaupt einmal sachlich zu ordnen und einem
deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Dazu verfasste ich
eine Chronik der Pogrome und Mobgewalt in Europa und eine Chronik
schwerer Polizeigewalt gegen Roma (welche nach meiner Einschätzung
allerdings nur einen beschränkten Teil der tatsächlichen Zahl an
Übergriffen dokumentiert). Basierend auf Berichten und Meldungen von
NGOs und Medien komme ich ferner zum Schluss, dass die Situation der
Roma in Europa mit Begriffen wie Diskriminierung, Übergriff oder
Ausgrenzung nicht adäquat beschrieben ist. Roma in Europa werden nicht
allein in bestimmten sozialen Bereichen benachteiligt, sondern
systematisch isoliert, degradiert und entrechtet. So werden sie vogelfrei
und zum Ziel von Gewalt durch zivile und legale Akteure. Der
entsprechende Begriff lautet: Verfolgung. Die Verfolgung der Roma in
Europa ist eine jahrzehntelange Tatsache, ein Ende der Gewalt und
Repression ist nicht in Sicht.
Wesentliche Themen werden im Rahmen dieser Arbeit nicht
angesprochen. Erwähnt seien hier die Zwangssterilisationen von
Tausenden Roma-Frauen in der Tschechoslowakei, die Gewalt gegen
Roma im Jugoslawienkrieg und im Kosovo, die Ausgrenzung in den
Bereichen Bildung, Gesundheit und Wohnen. Zu diesen Themen wurden
bereits einige Berichte verfasst.
Die Arbeit wurde vom Zukunftsfond der Republik Österreich gefördert, für
dessen Unterstützung und Geduld ich mich bedanke.
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