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FAZ Interview mit Asfa Wossen Asserate .pdf


Original filename: FAZ-Interview mit Asfa-Wossen Asserate.pdf
Title: F.A.Z.
Author: Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland

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Wirtschaft

SE IT E 22 · S A M S TAG , 5 . NOV E M B E R 2 0 1 6 · N R . 2 5 9

F R A N K F U RT E R A L LG E M E I N E Z E I T U N G

Im Gespräch: Prinz Asfa-Wossen Asserate, Unternehmensberater für Afrika und Buchautor

„Schluss mit der westlichen Unterstützung für afrikanische Potentaten“
Europa muss seine
Afrika-Politik radikal ändern,
fordert Asserate. Man sollte
korrupten Potentaten den
Geldhahn zudrehen. Sonst
wird das Elend in Afrika
weiterbestehen, und die
Massenmigration wird zur
Völkerwanderung.
Afrika ist ein verwirrender Kontinent.
Einerseits gibt es Hoffnungsschimmer,
einige Länder haben hohe Wachstumsraten. Der Anteil der Armen in Afrika ist
laut Weltbank von 56 Prozent im Jahr
1990 auf zuletzt etwa 40 Prozent gesunken. Doch die absolute Zahl der Armen
ist weiter sehr hoch, mit etwas über 300
Milliarden ist sie sogar deutlich gestiegen. Wie passt das alles zusammen?
Afrika ist kein einheitlicher Block, Afrika bedeutet Vielfalt. Wir haben nicht nur
54 Staaten, sondern Tausende kleine Ethnien und 2000 unterschiedliche Sprachen.
In der Wirtschaft gibt es genauso große
Unterschiede. Einige Länder prosperieren, wie zum Beispiel Botswana und
Mauritius. Es gibt hoffnungsvolle Reformländer wie Ghana, Elfenbeinküste und
auch Ruanda. Und dann gibt es katastrophale Länder wie Somalia und den Kongo
oder auch Liberia und Sierra Leone.
Durchschnittlich hat Afrika 4 bis 5 Prozent Wachstumsrate gehabt in den vergangenen Jahren und auch jetzt. Trotzdem steigt die Zahl der Bitterarmen und
Hungernden. Warum?
Das hat viele Gründe. Das Hauptproblem ist die Demographie. Die Bevölkerung in Subsahara-Afrika wächst jährlich
um fast drei Prozent, das sind fast 30 Millionen Menschen. Um diese Bevölkerungsvermehrung irgendwie versorgen zu
können, brauchte man mindestens 6 bis 7
Prozent Wirtschaftswachstum. Das hat
Afrika nicht.
Nach der neuesten UN-Prognose wird
die Bevölkerung Afrikas von derzeit 1,2
Milliarden Menschen schon bis 2030
um eine halbe Milliarde zunehmen, bis
2050 dürfte sie sich auf 2,5 Milliarden
verdoppeln. Das ist eine praktisch ungebremste Bevölkerungsexplosion.

Führer haben ihr Volk schlimmer unterdrückt als die Kolonialherren. Das ist
doch eine Schande. Die Auswanderung
aus Afrika liegt daran, dass Gewaltherrscher und korrupte Regierungen ihren
Völkern kein auskömmliches Leben im
Land ermöglichen. Deshalb machen sich
Millionen auf die Wanderschaft.

Ja, aber man muss sich fragen: Warum
wollen viele Afrikaner zehn Kinder oder
mehr? Drei Kinder sterben, bevor sie
zehn Jahre alt sind, drei Kinder sterben,
bevor sie 20 Jahre sind. Die restlichen
Kinder sind dann die Altersversicherung
der Eltern. Eine staatlich garantierte Mindestrente würde hier viel ändern. In Europa und Deutschland war die Geburtenrate auch sehr hoch. Als Bismarck in den
1880ern die Sozialgesetze und die staatliche Altersrente einführte, begann sie rapide zu sinken. Auch die mangelnde Bildung besonders der Frauen und ihre
schwache soziale und rechtliche Stellung
spielt eine wichtige Rolle, dass sie keine
Familienplanung betreiben können.
Wenn die Bevölkerung weiter ungebremst
wächst, es aber an Arbeitsplätzen und
wirtschaftlichen Perspektiven fehlt, was
ist die Konsequenz? Der Migrationsdruck
nach Europa wird stark zunehmen?
Natürlich. Die Leute werden mit den
Füßen abstimmen, und viele wollen nach
Europa. Aktuell gibt es zirka 50 Millionen
Flüchtlinge und Migranten in Afrika, die
in Nachbarländern leben. Vor allem die
Jugend will – auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit – den Weg nach Norden gehen, um eines Tages das Mittelmeer zu
überqueren. An der Meerenge von Gibraltar trennen Afrika und Europa nur lächerliche 60 Kilometer.
Sind es wirklich die Ärmsten der Armen, die da kommen, wie es oft heißt?
Nein, das sind nicht die Ärmsten, eher
die Mittelschicht, wo sich die Familien
leisten können, einen Sohn nach Europa
zu schicken, wenn die Familie zusammenlegt oder einen Kredit aufnehmt. Je nach
Herkunftsland kostet die Reise mit Schleppern 2000 bis 4000 Dollar. Die Ausgewählten sollen nach Europa gehen, dort
arbeiten und Geld zurückschicken. Kaum
ein afrikanisches Land könnte existieren
ohne die Milliarden aus den Überweisungen der Auswanderer. Durch die hohe Migration gibt es aber auch einen „Brain
drain“ – die Besten verlassen das Land.
Aus Äthiopien sind 1,5 Millionen nach
Amerika gegangen. In Chicago arbeiten
heute mehr äthiopische Ärzte als in ganz
Äthiopien. Der Migrationsdruck wird weiter sehr hoch sein. Es gibt so viele junge
Leute. 85 Prozent der 1,2 Milliarden Afrikaner sind Jugendliche oder junge Erwachsene unter 25 Jahren.

Ein Afrika-Kenner in Frankfurt: Prinz Asfa-Wossen Asserate, geboren 1948 in Addis Abeba, lebt seit gut vierzig Jahren in Deutsch-

land. Beim Putsch kommunistischer Militärs in Äthiopien 1974 wurden sein Vater und andere Verwandte aus der kaiserlichen Familie
ermordet. Asserate studierte damals schon Jura und Geschichte in Tübingen, später in Oxford und wurde an der Goethe-Universität
als Historiker promoviert. Seit 1983 arbeitet er als Unternehmensberater für Afrika und den Nahen Osten. Als Buchautor wurde er
mit „Manieren“ bekannt. Vor kurzem ist sein neues Buch „Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“ erschienen.
Foto Helmut Fricke

Demographen sagen, ein solcher Jugendüberschuss („Youth Bulge“) wirkt destabilisierend, weil viele arbeitslose, unzufriedene Jugendliche ohne Perspektive
ein Unruhepotential mit sich bringen.
Dann drohen neue Rebellionen, Bürgerkriege.
So ist es. Wie wird man damit fertig?
Es geht nur, wenn sich die Wirtschaft
entwickelt und es Arbeitsplätze und eine
gewisse soziale Absicherung gibt. Botswana etwa hat jetzt für jeden Bürger eine
gewisse Krankenversicherung eingeführt.
Für die wirtschaftliche Entwicklung
wäre ein höherer Bildungsstand wichtig.
Zwar ist die Analphabetenquote in Afrika etwas gesunken, doch noch immer
können etwa 40 Prozent nicht lesen und
schreiben.

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Es hat sich schon einiges verbessert.
Die Grundbildung muss noch ausgebaut
werden. Bei der höheren Bildung hat die
Politik aber auch Fehler gemacht und am
Bedarf vorbei geplant. Viele Länder haben den Akademikeranteil in falscher
Weise in die Höhe getrieben. Sie bauen
viel zu viele Universitäten, statt Fachschulen aufzubauen, wo man ein Handwerk
lernen könnte. Äthiopien zum Beispiel,
mein Vaterland, hat allein in den vergangenen fünf Jahren 13 neue Universitäten
eröffnet – auch mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland. Inzwischen kommen
jährlich 30 000 Graduierte mit einem Bachelor-of-Arts-Abschluss auf den Arbeitsmarkt in Äthiopien. Aber nur 5 Prozent
davon finden Arbeit!
Und davon viele unter ihrer akademisch-theoretischen Qualifikation . . .
Im Sheraton-Hotel in Addis Abeba sind
unter den Zimmermädchen viele Studierte. Es gibt zudem ganz viele arbeitslose
Akademiker, daraus entwickelt sich ein
akademisches Proletariat. Derweil gehen
die alten afrikanischen Handwerke verloren, und Unternehmen klagen, dass qualifizierte Techniker und Ingenieure fehlen.
Es wäre sehr wichtig, das deutsche duale
System der Ausbildung nach Afrika zu exportieren. Nur so könnte man die richtige
Ausbildung geben, um die Massen von Jugendlichen in Brot und Arbeit zu bringen.
Eine große Mehrheit der Afrikaner ist
nach wie vor in der Landwirtschaft tätig. Doch viele kämpfen ums Überleben
– obwohl Afrika viele fruchtbare Böden
hat. Was sind die Gründe dafür?
Die Produktivität ist nicht sehr hoch. In
vielen Ländern können die Bauern das
Land, das sie bewirtschaften, nicht selbst
besitzen, daher haben sie wenig Anreiz
zum Investieren. Das Land ist in vielen
Ländern in Staatseigentum, etwa in Äthiopien. Es stimmt, zum Zeitpunkt der sozialistischen Revolution 1974 gehörte fast
das gesamte Land der Aristokratie, vor allem der kaiserlichen Familie, und der Kirche. Es war gerechtfertigt, dass die Studenten forderten: „Land in Bauernhand“.
Die große Tragik ist: 40 Jahre nach der Revolution ist der äthiopische Bauer noch
immer nicht Eigentümer des Landes.
Kein Bauer darf Land besitzen, es ist per
Verfassung Staatsbesitz. Land-Sozialismus gibt es in vielen Ländern. Schauen
Sie nach Simbabwe, wie Mugabe dort mit
den weißen Farmern umgeht.
Und was ist mit den Landaufkäufen
durch ausländische Agrarkonzerne?
Das furchtbare „Land Grabbing“ – also
die Landübernahme durch Agrar-Großkonzerne vor allem aus China, Indien,
Saudi-Arabien, anderen Golfstaaten und
Malaysia – hat stark zugenommen. Ich
hätte überhaupt nichts dagegen, dass
Agrarinvestoren Geld bringen, um damit
die Landwirtschaft zu modernisieren, damit sich Afrika besser selbst ernähren

kann. Aber diese Konzerne, die das Land
billig von den Regierungen pachten, exportieren die gesamte Ernte. Kein Kilogramm Weizen oder Reis bleibt in Afrika.
Dafür haben die bisherigen Kleinbauern
ihre Lebensgrundlage verloren. Schon
mehr als 5 Prozent des gesamten afrikanischen Agrarlandes ist inzwischen in den
Händen von Agrar-Korporationen.
Am Niedergang der afrikanischen
Agrarmärkte ist aber auch die EU-Landwirtschaftspolitik nicht ganz unschuldig,
kritisieren Sie in ihrem Buch.
Absolut. Die EU subventioniert die europäischen Bauern, die ihre billige Getreideproduktion auf afrikanische Märkte
schütten. Damit kann ein einfacher afrikanischer Bauer nicht mithalten. Das ist ein
unfairer Handel. EU-Geflügelproduzenten exportieren Hühnchenbeine und Reste – die Menge hat sich auf 600 000 Tonnen verdreifacht – und machen mit dem
Dumpingangebot die afrikanischen Geflügelzüchter kaputt, etwa in Nigeria. Ein anderes Beispiel: Billiges Tomatenmark aus
Italien verdrängt den ländlichen Tomatenanbau in Ghana. Westliche industrielle
Fischflotten ruinieren Teile der afrikanischen Fischerei, weil sie ihnen die Fanggründe leer räumen, teils auch illegal.
Und ein Teil der arbeitslos gewordenen
Afrikaner wandert dann nach Europa, wo
manche dann als Billigarbeiter in der
Landwirtschaft tätig sind, etwa in Italien.
Warum ist es in Afrika nicht gelungen,
eine produktivere Wirtschaft aufzubauen? Viele afrikanische Führer schieben
die Probleme weiterhin auf die Nachwirkungen und die Hypothek des Kolonialismus. Sicherlich hat dieser tiefe Narben
hinterlassen. Aber ist es nach fast sechzig Jahren Unabhängigkeit nicht eine etwas billige Ausrede, noch immer die
Hauptschuld am Zustand Afrikas bei
der Kolonialgeschichte zu suchen? Liegt
die Hauptverantwortung nicht vielmehr
bei korrupten Potentaten, Diktatoren,
dem Klientelismus und Tribalismus und
der mangelnden Rechtssicherheit?
Das ist hundertprozentig der Fall. Was
die Kolonialherren Afrika angetan haben, war schlimm und menschenfeindlich. Aber haben wir es in den 60 Jahren
der afrikanischen Unabhängigkeit besser
gemacht? Nein! Eines der schlimmsten
Verbrechen der Kolonialzeit waren die
Massaker an den Hereros in Deutsch-Südwestafrika im Jahr 1904 und danach. Man
schätzt, dass 50 000 bis 100 000 Menschen massakriert wurden. So grauenhaft
das ist, einige afrikanische Diktatoren haben es noch viel schlimmer getrieben.
Mengistu Haile Mariam in Äthiopien hat
solche Opferzahlen in den späten siebziger Jahren in zwei Wochen geschafft. Es
gibt eine ganze Reihe fürchterlicher
Gewaltherrscher: Idi Amin in Uganda,
Samuel Doe in Liberia. Denken Sie an
Gaddafi oder Mugabe. Viele afrikanische

China hat einen dreistelligen Milliarden-Betrag in Afrika investiert, baut
Straßen, Brücken, Hafenanlagen, Flugplätze, Krankenhäuser, Universitäten –
im Austausch gegen längerfristige Bergbaulizenzen zur Ausbeutung der Rohstoffe. Viele afrikanische Regierungen freuen sich darüber – Sie auch?
Ich bin da gespalten. Es ist gut, dass
überhaupt mal jemand in Afrika mit großen Summen klotzt und investiert. Europäische Unternehmen tun leider wenig.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt
es etwa 56 000 international operierende
Unternehmen, doch nur 400, also weniger als ein Prozent, sind in Afrika tätig.
Europäische Investoren halten sich sehr
zurück. Dagegen haben die Chinesen
nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ihr
Handelsvolumen mit Afrika ist seit den
frühen neunziger Jahren von einer Milliarde Dollar auf gut 220 Milliarden Dollar gestiegen. Sie haben mehr als 100 Milliarden Euro in Afrika investiert und an Aufträgen vergeben. Die Chinesen tun das,
weil sie die afrikanischen Ressourcen
brauchen und sich langfristige Lieferverträge sichern. Sie sind ehrlich. Sie sagen:
Du gibst mir dein Coltan oder dein Gold,
dein Kupfer, und dafür bekommst du einen Kredit. Sie verknüpfen den Kredit
nicht mit politischen Auflagen. Sie nennen das nicht Entwicklungshilfe.
Was haben die westlichen Entwicklungsgelder der vergangenen Jahrzehnten gebracht?
Man nimmt an, dass der Westen etwa
800 Milliarden Euro Entwicklungshilfe
nach Afrika gebracht hat. Aber mehr als
600 Milliarden Euro sind in den Taschen
afrikanischer Potentaten und korrupter
Eliten gelandet und dann nach Europa
und Amerika zurückgeflossen – sie landeten auf Schweizer Konten oder wurden in
Immobilien in Frankreich, London oder
sonstwo gesteckt. Es gibt Potentaten, die
in der Lage wären, die gesamte Staatsverschuldung ihres Landes aus ihrer privaten
Kasse zu begleichen. Zum Beispiel Mobuto, der langjährige Präsident der Demokratischen Republik Kongo, oder der geschasste ägyptische Präsident Mubarak.
Das Vermögen der Mubarak-Familie soll
bis zu 60 Milliarden Dollar betragen. Das
sind doch irre Summen.
Sollte man die Entwicklungsgelder noch
stärker mit der Auflage einer guten Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung verbinden? Wenn man zu viele Vorgaben macht, kommt sofort der
Vorwurf des „Neokolonialismus“.
Der Kernsatz meines Buches ist, dass
man endlich den korrupten Regierungen
die politische und wirtschaftliche Unterstützung verweigern soll. Wir brauchen
eine radikal neue europäische Afrika-Politik. Sie muss auf „good governance“ zielen. Zusammenarbeit nur, solange die
Herrscher die Rechtsstaatlichkeit und die
Menschenrechtserklärung respektieren.
Wenn die afrikanischen Herrscher sich
daran halten, dann gibt es Geld und Zusammenarbeit. Ansonsten sollten wir sie
als Paria ächten. Und wenn die afrikanischen Gewaltherrscher dann „Neokolonialismus“ schreien, sollen sie das tun. Europa darf seine eigenen Wertmaßstäbe in
Afrika nicht verraten.
Wo sehen Sie Afrika in 20 Jahren stehen?
Wenn wir so weitermachen, wird Afrika weiter der Kontinent der Kriege und
der Krisen sein. Die Spannungen zwischen den Ethnien nehmen leider weiter
zu. Der Tribalismus ist der Tod Afrikas.
Es fehlt stabiles Nationenbewusstsein
und eine echte panafrikanische Zusammenarbeit. Es ist abstrus, dass es so viele
interne Handelsbarrieren in Afrika gibt.
Auch Hilfe von außen ist notwendig. Entwicklungsminister Gerd Müller hat bei
seiner Afrika-Reise im April die Forderung nach einem Marshall-Plan für Afrika zugestimmt. Wichtig ist aber, dass es
eine starke Kontrolle gibt, wohin die Gelder fließen. Wenn man nicht „good governance“ durchsetzt, ist alles für die Katz.
Das Gespräch führte Philip Plickert.

Hendricks will Familien zu Wohneigentum verhelfen
Bauministerin schlägt Eigenkapitalzuschuss vor / Schäuble: Nichts ist entschieden

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rike./mas. BERLIN, 4. November. Geht
es nach Bundesbauministerin Barbara
Hendricks (SPD), bekommen Familien
bald eine staatliche Finanzspritze, wenn
sie bauen, ein Haus oder eine Wohnung
kaufen wollen. Ihr Ministerium bestätigte
am Freitag ein entsprechendes Konzept,
das mit der staatlichen KfW Bank entwickelt worden sei. Derzeit werde es mit
dem Finanzministerium besprochen. Hendricks schwebt ein Eigenkapitalzuschuss
zwischen 8000 Euro und 20 000 Euro vor,
je nach Kinderzahl. Der Zuschuss müsste
nicht zurückgezahlt werden. Die Zeit
aber ist knapp: Soll der Zuschuss es in den
Haushalt 2017 schaffen, müsste Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bald grünes Licht geben. Am Donnerstag trifft
sich der Haushaltsausschuss zur Bereinigungssitzung für den nächsten Haushalt.

Schäuble bestätigte am Freitag auf Nachfrage, dass Gespräche geführt werden. Es
gebe aber noch keine Festlegungen: „Es
ist nichts entschieden und wenig schon
entscheidungsreif.“ In der Union gibt es
derzeit Überlegungen, eine steuerliche
Förderung für Familien einzuführen, die
Wohneigentum erwerben wollen. Unions-Fraktionsvize Ralph Brinkhaus zeigte sich erfreut über Hendricks’ Vorstoß,
betonte aber: „Wir brauchen auch einen
Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer.“
„Selbst Familien mit mittleren Einkommen können sich in größeren Städten heute kein Eigentum leisten, weil die Grundstücke zu teuer sind“, hatte Hendricks
den Zeitungen der Funke-Mediengruppe
gesagt. Selbst genug Eigenkapital bilden
könnten sie zudem kaum, weil sie hohe
Mieten zahlen müssten. „In besonders

nachgefragten Lagen müssen wir deshalb
auch besondere Maßnahmen ergreifen.“
Voraussetzung für die Förderung wäre allerdings, dass die Geförderten die sonstigen Finanzierungskosten – Zins und Tilgung – allein tragen können. So soll eine
Immobilienblase verhindert werden.
„Die Eigenheimförderung ist eines von
vielen probaten Mitteln, um den Zugang
zu Wohneigentum zu ermöglichen“, sagt
Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses. Jüngere
Käufer könnten so unterstützt werden,
für ihre Altersvorsorge Eigentum zu bilden. Der Verband wies aber darauf hin,
dass das Ziel von mehr Eigenheimbesitzern von der Politik an anderer Stelle konterkariert werde: etwa über die steigende
Grunderwerbsteuer oder die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie.


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