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Stoetzner Schriften fuer den Herrn .pdf



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S ch r i fte n
für den
H er r n

5

ANDREAS STÖTZNER

W

S ch r i fte n fü r d e n H er r n

IR sind wählerisch bei Hemden und Anzügen,
bei Schuhen, Zigarren und Autos. Bei Wein. Beim
Whisky. Auch bei Schreibgeräten und sogar bei
Kleiderbügeln. Doch sind Sie jemals gefragt worden: »Welche Schrift verwenden Sie?«.

von Andreas Stötzner

Titelschrift: Fehlian
Textschrift: Andron
Schriften für den Herrn
© Andreas Stötzner 2016
Alle Rechte vorbehalten.
Kontakt: as@signographie.de

Wenn eine neue Visitenkarte fällig wird oder vielleicht ein neues Firmenschild, dann ist dies eine
typische Gelegenheit, bei der sich die Frage der passenden Schriftwahl stellt. Vielleicht erinnern wir
uns dabei auch an den Freund eines Bekannten, der
vor Monaten auf einer privaten Party gelegentlich
von Serifen, Punzen, Didonen, Script Fonts und dergleichen sprach, sehr interessant, es muß wohl einer
aus der Grafik-Branche gewesen sein. Was bedeuten diese Begriffe?
Schriftwahl. Eine bestimmte Schriftart als Ausdruck meiner Persönlichkeit, meines Stilempfindens. Das Thema ist für viele Herren eher Neuland,
darum soll hier ein kleiner Einstieg gegeben werden. Um ihn zu erleichtern haben wir bei einem der
führenden Online-Schriftenanbieter ein besonderes
Auswahlalbum »The Gentleman Font Selection«
angelegt. Dort finden Sie alle in diesem Beitrag

erwähnten Schriften als beispielhafte Empfehlungen, ergänzt durch weitere interessante Fonts. Die
Sammlung möge auch zum weiteren Stöbern und
Schriften-Vergleichen anregen.
Jeder von uns verfaßt nahezu täglich Texte und
wählt dazu aus einem Menü Schriftfonts aus. Meistens werden bewährte Systemschriften wie Times
New Roman oder Arial ohne viel Nachdenken verwendet, sie sind klar und leserlich, sie erfüllen ihren
Zweck. Doch gelegentlich soll eine Überschrift hervorgehoben werden, eine Einladung eine besondere
Note erhalten – und dann beginnt die Suche nach
etwas … nun ja, wonach eigentlich?
Spätestens bei der Neugestaltung der eigenen
Visitenkarte, wenn wir den eigenen Namen als
Hauptelement auf dieser kleinen, kreditkartengroßen Fläche prominent präsentiert sehen, merken
wir, welchen Aussagewert diese oder jene Schrift,
dieser oder jener Stil haben kann. Times? Viel zu
gewöhnlich. Arial oder Helvetica? Abgenutzt, langweilig.

Die wichtigsten Schriftkategorien

Beispiele für Serifenschriften
❭ Hier besprochene Schriften online ansehen

Seite 3   Stötzner – Schriften für den Herrn

Einige wenige Begriffe erleichtern uns den Einstieg in die Begutachtung von Schriften. Etwa eine
handvoll Kategorien von Satzschriften gibt es: Antiquaschriften und Serifenlose, die Gebrochenen und
die Schreibschriften, dazu die große Zahl ganz unterschiedlicher Auszeichnungsschriften, die man
früher als Akzidenz- (»Gelegenheits«-) Schriften bezeichnete und die heute meistens Display-Schriften
genannt werden.
Antiquaschriften sind solche mit Serifen, das
sind die kleinen Füßchen und Häkchen an den
Strich­
enden, die die Leserlichkeit besonders bei
langen Texten fördern. Gebrochene (oder F
­ raktur-)
Schriften bringen wir heute gerne mit ›althergebracht‹ und Tradition in Verbindung, da sie im
Alltag nur noch eine geringe Rolle spielen. Unter
Schreibschriften versteht man all jene Satzschriften,
deren Entwurf ein handschriftliches Vorbild erkennen läßt, sie zeichnen sich oft durch eine geneigte
(kursive) Buchstabenstellung, fließende Verbindungen zwischen den einzelnen Zeichen und kalli­
graphische Verzierungen aus. Unter die Displayschriften zählen wir schließlich alles, was sich der
klaren Einordnung in die vorgenannten Kategorien
mehr oder weniger entzieht.

Befassen wir uns nun mit Schriften für den Herrn.
Es gibt einige zehntausend Schriften im Netz zu
kaufen, die man online als Datei erwirbt und die
man meist schon nach wenigen Minuten installieren und einsetzen kann. Viele Anbieter bieten auch

eine Möglichkeit, die Schrift vor dem Erwerb online mit etwas Beispieltext zu testen. Nun beginnt
die Qual der Wahl, wie bei Krawatten. Doch keine
Bange: wer die Auswahl vor dem Krawattenkauf
genießen kann, dem kann auch die Auswahl von
Schriften zu einem Vergnügen werden.
Beginnen wir mit den Klassikern. Die Bembo gilt
unter Typographen als eine der allerbesten Textschriften überhaupt, dabei stammt sie ursprünglich
aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts! Zu
den anerkannt qualitätvollen modernen Interpretationen dieser Schrift zählen die Centaur, die Dante
und die Andron. Diese Schriften garantieren einen
seriösen und souveränen Auftritt, sie sind jedoch
im Gegensatz zu bekannteren Schriften dieser Art
nicht übernutzt. Eine weitere reizvolle Antiqua
nach klassischem Modell ist beispielsweise die
URW Deepdene, ihr leicht sperriger Charme gibt
ihr eine charaktervolle individuelle Note, die sie von
ähnlichen und »totbenutzten« Schriften (wie Times
oder Georgia) abhebt. Durchaus verwandt mit ihr
ist die Trump Medieval, eine berühmte Schrift des
Grafikers Georg Trump (1886–1985), der in den
1930er Jahren einer der profiliertesten deutschen
Schriftkünstler war. Man achte auf die straff geführten Rundungen und scharf geschnittenen Serifen, auf Details leiser Exzentrizität wie die untere
Ecke des G oder das unten abgeschrägte Bein beim
R – solcherart Finessen geben der Schrift etwas dezent Besonderes.

Beispiele für serifenlose Schriften

Beispiele für Schreibschrift-Fonts

Seite 4   Stötzner – Schriften für den Herrn

Die 1920er und 30er Jahre waren, wie im Auto­
mobilbau, in der Architektur und in der Mode, auch
im Schriftdesign eine bewegte Periode, die Innovationen hervorbrachte und moderne Maßstäbe setzte, die wir bis heute als klassisch und maßgeblich
empfinden. Es war auch die Zeit des Durchbruchs
der serifenlosen Schriften (auch Grotesk oder Sans
genannt). Wir verbinden mit ihnen insbesondere die Welt der Metropolen, der Wirtschaft, der
Technik und der Werbung, kühl-strenge Gebäudebeschriftungen oder legendäre Kino-Plakate.
Eine mustergültige heutige Interpretation dieses Genres ist zweifellos die sehr erfolgreiche Brandon Grotesk: sie verbindet die Grundlage klarer
Geometrie mit interessanten Buchstabenformen
und ihre Schnitte haben – beim Wein würde man
vom Abgang sprechen –, durch feine Endungsrundungen eine verhalten weiche Note, die der Schrift
nichts von ihrer Klarheit nimmt, ihr aber eine angenehme optische Wärme verleiht. Zu den klassischmodernen Serifenlosen zählen wir auch die aus den
1920er Jahren stammende Kabel. Die Schrift Le
Havre evoziert schon durch ihren Namen die glamuröse Ära des Ozeandampfer-Zeitalters, sie hat
vergleichsweise hohe Oberlängen und Großbuchstaben, was ihr einen mondänen Ton verleiht. In
ähnlicher Weise lassen die Bahnhof oder die Mostra Nuova an prachtvolle Dampfloks und luxuriöse
Reisekultur früherer Tage denken. Auch die Estilo
können wir zu dieser Gruppe lasziv-kühler Fonts
mit urbaner Aura zählen, sie bietet als Besonderheit

erhöht stehende Kapitälchen (»kleine Großbuchstaben«) anstelle der Kleinbuchstaben. Wer es in dieser Art etwas zurückhaltender und vornehm-schmal
mag, dem sei die smarte Blakely empfohlen. Eine
Alternative zu den normalerweise spitzen Formen
von A, M, V usw. sind Schriften mit sog. Rundbuchstaben, wie z. B. die Empire, die Hagemann
JNL, die Renard Moderne oder die Huxley. Ganz
und gar der Ästhetik der Art-Deco-Ära verpflichtet
ist die wunderschöne Marlowe, sie gibt es zusätzlich in drei verschiedenen Zier-Varianten.
Gezierte Fonts sind eine Klasse für sich. Während blumigere Schöpfungen traditionellerweise
wohl eher den weiblichen Geschmack bedienen,
richten wir unseren Blick lieber auf solche Zierungen, die einem männlichen Ausdrucksbedürfnis
entgegenkommen. Es verwundert nicht, daß Linien
und Streifen hier eine prominente Rolle spielen, die
Parallele zu Nadelstreifenanzug oder Krawatte ist
keineswegs zufällig. Markant-schmale RundformSerifenlose mit Längslineaturen sind die Tea Dance
und die Super Bob Triline. Eine solche Schrift
wird man nie für einen längeren Text verwenden,
aber für den Satz von Namen oder Überschriften
sind sie phantastisch, denn sie bringen eine unverwechselbare Note ein. Ebenfalls durch Längslinien
akzentuiert sind die Formen der eleganten Arthur
Sans, einer reinen Majuskel-Schrift, zu der es zusätzlich ornamentierte Varianten gibt. Quer zu den
Hauptstrichen der Buchstaben liegende Schraffuren geben dagegen der Jazz ihren unverwechselbar

Beispiele für Gravurschriften

Beispiele für sonstige Akzidenz- (Display-) Schriften

Seite 5   Stötzner – Schriften für den Herrn

kraftvollen und zugleich kultivierten Auftritt. Den
Ursprung hat diese Zier-Art in den Schraffuren des
Kupferstiches. Sie wurde seit dem 18. Jh. auch auf
die formalen Schriften angewandt und hat die Stilgruppe der Gravurschriften hervorgebracht, deren
noble Vertreter Schriften wie Ademo, Chevalier,
Honduras und Jubilee Lines sind, oder – ohne
Scharaffur, aber mit feinsinnigen Strichstärkewechseln versehen: die klassisch-elegante Burlington.
Diffizilere Musierungen bereichern dagegen die
prächtige Modernistic und die in ihren Grundformen klassizistische Venezuela.
Eine brillant durchgeführte Fraktur mit Schattenstrichen und feiner Schrägschraffur ist die auf
der berühmten Klingspor-Gotisch beruhende Zierfraktur. Die temperamentvolle Heraldica Script
wird in ähnlicher Weise durch ein duftendes Bukett
feiner Schwung- und Schattenstriche orchestriert.
Damit sind wir bei den Schreibschriften angekommen, die sich seit Jahren wieder einer besonderen
Popularität erfreuen; entsprechend groß ist das Angebot. Wir beschränken uns hier auf einige wenige
Beispiele.
Wer nun meint, dies sei eher etwas für den
Kosmetik- oder Romantikbereich, der sehe sich
beispielsweise die Cabriolet an: eine Sport-affine
Interpretation des flüssigen Schreibens – ja, Schreiben ist auch Bewegung! – die nach Benzin und
Chrom schmeckt, daß dem Gourmet unter den
­Automobilisten das Herz unter der Kühlerhaube

hüpfen dürfte. Einem weniger rasanten Stil entspricht dagegen die Jeeves (ja, der Jeeves!), eine
schmale kontrastreiche Skript, deren etwas steife
Hauptstriche so wunderbar elegisch in geschwungenen Haarlinien aufgehen, oder die gepflegte
Butti, eine ideale Begleiterin zu weißer Fliege und
schwarzem Abendanzug, wenn sie in noblem Kontrast und beherrschter Bewegtheit dezent aus der
Westentasche hervortritt und als Kärtchen mit unverwechselbarer Note dem Gesprächspartner zuteil
wird.
Zu Wooster würde dann eher die frisch-fröhliche Jaunty Gent passen, vielleicht auch die kecke
Geetype, die mit köstlich dandyhaften Detailformen aufwartet, wie sie nur ein wahrlich freier
Geist voll und ganz genießen kann. Den etwas distinguierteren Geschmack bedient die schöne Forelle Pro und einen betont künstlerischen Gestus
bringt die fulminante Stradivarius mit. Ihre heißblütigen Majuskeln kontrastieren dramatisch mit
streng geschnittenen Minuskeln, wobei genialische
Details – etwa bei k, r und s – auf raffinierte Weise für lebendige Harmonie sorgen. Konventioneller treten die Troubadur und die Wilke Kursiv
auf, während die wunderbar entspannt und leicht
anmutende Wagner Script Feinsinn und Freundlichkeit ausdrückt, so wie es einem Mann von Welt
geziemt.


Noch viele weitere Schriften ließen sich empfehlen.
Das Angebot an guten Schriften war nie so groß
wie heute – und es kommen fast täglich neue hinzu.
Wir haben also die Qual der Wahl. Mit dieser kleinen und notgedrungen ausschnitthaften Schriftschau möge die Anregungen verbunden sein, sich
über die Charakteristik einer Schrift deutlicher
klar zu werden und schließlich den eigenen Auf-

tritt auch mit dem Stilmittel der ausgesuchten Typographie zu unterstreichen. Dabei kommt es auf
Geschmack und Formempfinden an – und auf ein
wenig Kenntnis, die man sich leicht aneignen kann.
Wie bei Anzügen, Schuhen oder gutem Wein.

Anthony F. Dean
Andron

Anthony F. Dean
Arthur Sans

Anthony F. Dean
Don Sans

Die im Text erwähnten Schriften sowie eine weitere Auswahl interessanter Fonts für den Herrn sind online ❭  in diesem Album
unter Myfonts.com einsehbar.

Anthony F. Dean
Fehlian

Anthony F. Dean
Lapidaria

Anthony F. Dean
Lindau

Andreas Stötzner arbeitet als Designer in Leipzig. Zu den
Schwerpunkten seiner Tätigkeit gehört der Entwurf von
Satzschriften.
Seite 6   Stötzner – Schriften für den Herrn

Anthony F. Dean
Reinstaedt

❭  Schriftentwürfe von Andreas Stötzner (Auswahl)


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