Pamphlet. An die obere Mittelschicht. Sicht von unten. ML. .pdf

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Title: Pamphlet. An die obere Mittelschicht. Sicht von unten. ML.
Author: Michael

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Es ist nicht fair von mir sich über das Foto aufzuregen, aber nicht zu erklären, warum. Ich
versuch’s.
Zuerst einmal, denke ich, dass es nicht schlau ist, mit Feuer zu zündeln, wenn der halbe Wald
brennt und das Geäst knochentrocken ist. Ich komm darauf zurück.
Warum mir das Foto an die Nieren geht, ist nicht leicht zu erklären. Mir ist klar, dass die
Aussage des Fotos sarkastisch ist. Sie zielt wohl auf sogenannte „besorgten Bürger“ ab,
verspottet diese. Aber eine Gleichung funktioniert in zwei Richtungen. Genauso verspottet
das Foto Arbeitslose und damit die Unterschicht an sich, da die Leute in Drecksjobs von heute
oft die Arbeitslosen von morgen sind. Umgekehrt genauso.
Das ist nicht alles. Die Wahrnehmung von Einwanderung ist in der Unterschicht eine andere,
als die der gehobenen Mittelschicht. Die Unterschicht sieht Einwanderung eben auch als
Konkurrenz. Die gehobene Mittelschicht wohl eher als Beweis ihrer Weltoffenheit o.ä. – das
werdet ihr eher einschätzen können, als ich.
1.
Die Sorgen – und damit öffnen wir die Tür zum emotionalen Bereich – der Unterschicht als
reines Hirngespinst abzutun funktioniert nicht. Sind die Sorgen nicht vielleicht auch
berechtigt? Den Wohnungsmarkt, kulturelle Reibungen, usw mal außen vorgelassen – darum
geht es bei dem Foto nicht, also den Arbeitsmarkt ins Visier genommen, sind Veränderungen
im Arbeitgeber/Arbeitnehmermarkt z.B. für einen Zeitarbeiter direkt spürbar. Je größer der
Pool ist, aus dem der Arbeitgeber seine Mitarbeiter rekrutieren kann, desto mehr Druck lastet
auf dem Arbeitnehmer. Das ist direkt spürbar, ich könnte euch selbst erlebte Beispiele aus der
Eurokrise 2010 nennen. In der Zeitarbeit sind diese Vorgänge natürlich im Extrem vorhanden,
da bestimmte Arbeitsschutzgesetze rein faktisch nicht zur Geltung kommen. Dass Flüchtlinge
nicht als Zeitarbeiter arbeiten dürfen, mindert diesen Effekt, verhindert ihn aber nicht. Auch
in anderen Arbeitsbranchen ist dieser Effekt natürlich spürbar. Auch über regionale Grenzen
hinaus, sogar über interkontinentale. Wir reden von einer Schicht, die sich von dem Reichtum
unserer Gesellschaft ausgeschlossen fühlt. Ihnen braucht ihr mit Vergleichen mit der dritten
Welt nicht kommen, denn sie vergleichen ihren Wohlstand mit eurem und nicht mit dem in
der dritten Welt. Wir müssen natürlich auch über die dritte Welt reden. Sowie die Gründe der
Flüchtlingsströme. Hinter alldem stehen natürlich komplexe Vorgänge: Der Strom des Geldes
(Delaware-Effekt), der Mensch, der diesem Strom folgt, Brain-Gain, Brain-Drain, … das sind
die Herausforderungen der modernen globalisierten Welt. Auch die Industrie 4.0 wird
Probleme erzeugen. Es wird gute Ideen brauchen mit diesen Herausforderungen
zurechzukommen, gute Lösungen für alle beteiligten Parteien zu finden wird nicht leicht sein,
ich sehe dieses allerdings als das kleinere Problem an, auf jeden Fall die ersten Schritte
anzugehen, da es sich rational angehen lässt, ich denke am besten in kleinen Schritten.
(Schwieriger: Bevölkerungswachstum und Umweltschäden, aber das würde vom Kern des
Themas ablenken)
2.
Betreten wir den emotionalen Bereich. Jetzt wird es komplizierter, aber auch umso wichtiger,
denn ohne diesen Bereich wird es keinen Zutritt zum rationalen Bereich geben. Dazu müsst
ihr euch auf die Perspektive der Unterschicht einlassen. Unsere Perspektive ist eine andere.
Dinge verselbstständigen sich. Seht: Während in den Medien das Bild des Asozialen von der
Unterschicht gezeichnet wird (z.B. durch Sendungen wie Frauentausch), wurde das Bild des

Flüchtlings idealisiert (ich zitiere da mal Precht, der diese als „Glücksritter“ bezeichnete).
Zumindest Ende 2015 war das so. Das war natürlich reine schwarz-weiß-Malerei: Der im
Unterhemd rechte Parolen grölende Einheimische selbstverschuldete Loser gegenüber dem
tapferen Helden aus dem fernen Orient, der den Widrigkeiten des Lebens trotzt. Auch unter
uns gibt es Glücksritter und auch unter den Flüchtlingen gibt es Asoziale, auch wenn ihr das
nicht wahrhaben wollt.
Ihr werdet viele Leute in der Unterschicht finden, die eine Menge Steine in den Weg gelegt
bekommen haben. Es sind gefühlt (!) die gleichen Menschen, die sich extreme Mühe geben,
den Flüchtlingen sämtliche Steine aus dem Weg zu räumen und sich dabei als die Guten
feiern. Das ist wie Hohn. Ich kann nur von mir reden, aber das zerrt rein emotional extrem an
den Nerven. Das ist eine Mischung aus Angst und Hass, in einem sehr extremen Ausmaß. Ich
konnte Ende 2015 die Zeit nicht mehr lesen, mir wurde teilweise schwindelig dabei – und das
meine ich wörtlich. Ich habe euch zu hassen gelernt in diesen Tagen, die linke obere
Mittelschicht, mit euren zahlreichen, den Leser für dumm verkaufen wollenden
Belehrungsversuchen. Hoch ausgebildete Ingineure, die ins Land kommen, mit tränenreicher
Musik unterlegte Ankunftsszenen an Bahnhöfen, immer im Fokus das Kind mit den großen
Augen, und vor allem eure verfickte Ja-Aber-Nazi-Logik, die so ein großer Schwachsinn war,
jede noch so konstruktive Kritik in die rechte Ecke gedrängt hat … ich bin hasstechnisch
explodiert, wollte alles kaputthauen, habe fiktiv in meinem Kopf Menschen mit blanken
Fäusten getötet, so wie ihr da standet am Klatschen und am Singen, so selbstverliebt.
Weltoffen? Heuchler. Heuchler. Heuchler. Ihr bleibt doch in euren scheiß Häckelgruppen
wieder unter euch und während ihr bei eurem verfickten Mate-Tee darüber diskutieren
werdet, ob man jetzt Flüchtling, Neubürger oder Refugee sagen sollte, sitzen die Menschen,
auf die ihr so wohlwollend herabschaut, als wären es kleine Hundewelpen, mit uns auf dem
Sozi, arbeiten neben uns am Band, ziehen in die Wohnung neben uns ein und werden nicht
besser oder schlechter behandelt werden, als jeder andere auch, der da einziehen oder arbeiten
oder sitzen würde. Und ja, sie werden anfangs genauso skeptisch beäugt werden, wie jeder
neue andere Mieter oder Arbeiter oder Sozirumsitzer es auch werden würde. Mit dem einen
werden wir klar kommen, mit dem anderen nicht. Ich hoffe, dass ihr das nicht kaputt gemacht
habt. Dieses begegnen auf Augenhöhe. Denn ihr habt Zwietracht gesät mit eurem Verhalten.
Ihr habt kein Recht uns vorzuwerfen, dass wir besorgt sind, denn es ist unser Leben, dass sich
durch die Flüchtlinge verändert, und nicht eures. Ich sage mal so: Wären die Vorkommnisse
der Kölner Sylvesternacht in irgendeinem Plattenbau passiert, hätte es euch doch einen Scheiß
interessiert. Und, obwohl ich, wenn auch emotional vielleicht nicht der disziplinierteste
Mensch, eine starke Abneigung gegenüber den Idealen der (vor allem extremen) Rechten in
mir trage, einen IQ weit über dem Durchschnitt habe, der mir erlaubt präzise zu reflektieren
und in meinem Leben vielen korrekten Leuten begegnet bin, die (oder deren Eltern) im
Ausland geboren, aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland gezogen sind und
absolut kein Gegner von Einwanderung bin, kann ich doch – rein emotional – absolut
nachvollziehen, warum Leute aus der Unterschicht rechte Parteien wählen. Auch aus Sorge.
Doch vor allem, weil sie zerstören wollen, was euch heilig ist. Weil ihr sie verraten habt. Weil
ihr für uns entschieden, währenddessen uns als Idioten hingestellt und euch danach noch
selber auf die Schulter geklopft habt. Weil ihr Heuchler seid. Und ich ertappe mich dabei,
nicht dass es mir sympathisch wäre, wie ich mich klammheimlich darüber freue, dass in
Amerika ein Trump gewählt wurde. Das ist die Unterschicht, die der politisch ach so
korrekten Oberschicht mal richtig einen reingewichst hat. Rein rational ist mir klar bewusst,
dass das ein dreckig erkaufter Pyrrhussieg ist. Zu einem viel zu hohen Preis. Aber hier unten
sind Siege rar, und irgendwann beginnt man lechzend nach jedem Sieg zu greifen, der auch
nur irgendwie möglich erscheint, das ist nur eine Frage der Zeit und der eingesteckten
Tiefschläge und Demütigungen. Der Hunger nach Erfolgen, Geltung und Rache kann ein
Ausmaß annehmen, dass die obere Mittelschicht nicht einmal annähernd in der Lage ist zu

begreifen. Das ist eine Triebfeder unglaublichen Ausmaßes. Was meinst du, was die größten
Künstler und Sportler aller Zeiten getrieben hat? Charles Bukowski, Michael Jordan,
Mohammad Ali, Thelonious Monk, Charles Goodyear, die Beatniks … ach was, die
komplette Bohème basiert auf dem Cocktail dieser Gefühle. Du willst diese Emotionen
reizen, die Menschen zu solchen Leistungen getrieben hat, so wie du es mit diesem Foto tust?
Das ist gefährlich. Sehr gefährlich. Denn es sind und bleiben destruktive Emotionen, die ohne
Ventil einen gewaltigen Schaden verursachen können – glaub mir. Es ist der Jäger, der
Oberhand gewinnt, der Krieger, der ohne Rücksicht auf Verluste seinen Weg zu bahnen bereit
ist, ein Tier, das nur ein Ziel kennt: Zu fressen, zu rennen, zu zerstören. Ihr fordert die
dunkelsten Energien dieses Planeten heraus, indem ihr sie reizt. Ihr denkt das Gute wird
siegen? Doch ihr seid Hochmut. Wir sind Hass. Wo ist das Gute? Ich kann es nicht sehen.
Und kommt mir jetzt nicht mit der verfickten AntiFa – die ist blinder als blind. Bei Jack
Kerouacs versoffener Leber. Bei Charles Goodyears verstorbener Kinder. Bei Thelonious
Monks Apathie. Das Böse fordert ihren Preis. Das ist gewiss. Und ihr fordert es heraus. Hört
auf zu zündeln. Der Wald brennt. Die Büchse der Pandora ist nicht mehr zu schließen. Das
Tischtuch zerrissen. Und die Hoffnung wird auf sich warten lassen. Seht das ein. Ihr wart nie
die Guten. Ihr wart die Idioten. Genau so wie wir. Die Menschheit wird bezahlen, für seine
Sünden. So steht es nicht umsonst in den ältesten Schriften dieses Planeten geschrieben. Ob
man an einen Gott glaubt oder nicht. Hört auf damit Idioten zu sein. Wir müssen jetzt
zusehen, wie wir den Schaden begrenzen. Ein brennender Wald. Knochentrockenes Geäst.
„Be like water my friend.“ (B. Lee)
Ich schweife ab. Wir sollten auch nicht die Flüchtlinge vergessen. Viele von ihnen suchen
Schutz vor Krieg und Gewalt – haben viel Scheiße erlebt. Natürlich wollen viele auch einen
gesellschaftlichen Aufstieg, folgen dem Geld, genau so wie wir, nur dass das Geld ohnehin
hier ist. Und jetzt, hier angekommen, platzen ihre Illusionen an verschiedenen Gegebenheiten.
Dazu werden sie zum Spielball politisch blasierter Strömungen der Linken, die in ihnen ein
Werkzeug sehen, um die Rechten zu bekämpfen und einer nihilistischen Rechten, die sie als
Feindbild definieren und auf ihre Kosten auf Wählerfang gehen. Das ist nicht korrekt. Ich für
meinen Teil werde weiter mein Bestes geben, ihnen mit Respekt und auf Augenhöhe zu
begegnen – euch zum Trotz. Den Rechten zum Trotz. Dass allerdings eine Welt ohne Grenzen
illusorisch, maximal eine ferne Zukunftsvision ist, sollte mittlerweile auch jedem klar
geworden sein.
Es wird Zeit, dass sich die Dinge wieder beruhigen. Das geht nicht ohne Selbstkritik. Ihr
müsst mit eurem Hochmut klar kommen. Wir mit unserem Hass. Das Feuer darf sich nicht
weiter ausbreiten. Was eigentlich logisch sein müsste, wird in diesen Zeiten immer
verworrender und verschwommener wahrnehmbar. Das Gute muss siegen. Das Wasser ist der
Schlüssel zum Erfolg. Ebenso Kunst, Sport und Dialektik. Denn das verbindet die Menschen,
anstatt sie zu entzweien und bietet Ventile negative Energien positiv zu nutzen. Nur meine
Sicht der Dinge. Ich hoffe ich habe mich (auch in Bezug auf die Ablehnung des Fotos)
verständlich ausgedrückt.
ML

PS: Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Sport und Dialektik? Das nur so am Rande,
um eure alten, grauen Köpfe mal zum rattern zu bringen ;)


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