Valentinstag Die Geschichte und die Poesie.pdf


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einen weiteren heiligen Valentin erinnert, dessen Fest allerdings schon am 7. Januar gefeiert wird: ein
frommer Mann von der holländischen Küste, der sich im 5. Jahrhundert verzweifelt darum bemühte,
die wilden Niederbayern zu bekehren und heute der Schutzpatron des Bistums Passau ist.
Doch wie dem auch sei: Während vor allem in England der Valentinstag als höfisches Liebesfest Fuß
fasste, blieb er Mitteleuropa fremd. Ja, in einigen Gegenden galt der 14. Februar gar als der
Geburtstag des Jesusverräters Judas und wurde folglich als Unglückstag betrachtet: Alles, was man
an diesem Tag anfasste, ging schief. Nur in der Lausitz, beim Völkchen der Sorben, feiern die Kinder
in Frack und weißem Kleid um den 25. Januar herum "Vogelhochzeit". Es ist ein dem Valentinsfest
ganz offensichtlich naher Brauch, der stets Motive für liebreizende Fotos bietet, jedes Jahr von vielen
Zeitungen auf den Seiten für das Vermischte als Wintergruß an den Frühling gerne abgedruckt.
In England indessen machte das Gedicht Geoffrey Chaucers (er starb im Oktober 1400 in London)
Schule und prägte die Aura des Tages. Viele spätere Dichter – William Shakespeare, John Donne,
John Gay – sind seinem Beispiel gefolgt und haben den Valentinstag beschrieben und gepriesen.
Ein Zeitgenosse Shakespeares, Thomas Nashe, zeigte dabei, dass die Valentinsminne nicht immer
völlig keusch und rein geriet. In einem frechen Poem mit dem harmlosen Titel Die Valentinswahl
beschreibt er 1594 recht unverblümt, was er mit seiner Valentine anstellt, die unversehens in einem
Bordell gelandet ist. Vorsichtshalber betont Nashe gleich zu Anfang, sein Gedicht dürfe keinesfalls als
unzüchtig missverstanden werden. Er habe es lediglich deshalb geschrieben, um so zu sagen und
gewissermaßen den Bereich der dichterischen Themen und Ausdrucksmöglichkeiten etwas zu
erweitern.
Der zartfühlende Essayist Charles Lamb (1775 bis 1834) dagegen rühmt, Antikes und Christliches
sanft vermischend, den heiligen Valentin als den Mittelsmann des Ehegottes Hymen. Der 14.Februar
sei, schreibt er 1823 in seiner Betrachtung Valentinstag‚ "der Tag der bezaubernden kleinen
Botschaften, unter deren Last der Postbote schier zusammenbricht". So soll es sein (wenigstens,
solange es noch Postboten gibt) – und warum nicht auch in Deutschland?
Der Autor ist Schriftsteller und lebt in Hamburg