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Alte Wahrheiten und neues Licht !! .pdf



Original filename: Alte Wahrheiten und neues Licht !!.pdf
Author: Peter Plümer

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Alte Wahrheiten und neues Licht

Besonders seit die Wachtturm-Gesellschaft in Deutschland und anderen Ländern nach
öffentlicher Anerkennung strebt, zeichnet sich eine grundlegende Umstrukturierung des
Lehrgebäudes ab.
Ganz gleich ob es um das Verhältnis zum Staat, den Zivildienst, das Wahlrecht oder die
leidige Blutfrage geht - wer die WT-Schriften aufmerksam verfolgt, erkennt auf nahezu allen
kritischen Gebieten eine Abkehr von den bisherigen "Wahrheiten". Ein Zeuge Jehovas (der
aus verständlichen Gründen anonym bleiben will) hat die wichtigsten Änderungen
zusammengestellt:

Die Wachtturm-Gesellschaft auf dem Weg zur Anerkennung als Körperschaft
des öffentlichen Rechts
Die Wachtturm-Gesellschaft strebt in mehreren Ländern eine enge Zusammenarbeit mit den
staatlichen Institutionen an. Die Religionsgemeinschaft "Zeugen Jehovas in Deutschland"
klagt derzeit einen Rechtsanspruch auf Verleihung des Status einer Körperschaft des
öffentlichen Rechts (KdöR) ein.
Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Klage am 26.06.97 abgelehnt. Das Gericht folgte in
weiten Teilen dem Rechtsgutachten von Prof. Dr. jur. Link. Die Religionsgemeinschaft hat
Revision vor dem Bundesverfassungsgericht eingelegt und ändert gleichzeitig gezielt die
Lehrpunkte., die dazu führten.. daß der Klage nicht stattgegeben wurde.
1. Verhältnis zum Staat
Die WTG lehrt schon über Jahrzehnte hinweg, daß die Politischen Mächte eine der drei
Säulen seien, auf denen die Weltherrschaft des Teufels beruhe. Gleichzeitig sind die Zeugen
Jehovas dazu verpflichtet, ehrlich Steuern zu bezahlen, und Staatsdienern Respekt zu
erweisen. In letzter Zeit werden vor allem diejenigen Aspekte hervorgehoben. die dazu
geeignet sind, die Organisation als staatstreu zu kennzeichnen. Auch kann man in der WTGLiteratur immer seltener lesen, daß die Regierungen ihre Macht von Satan erhalten.
Zitate aus dem Rechtsgutachten und dem Urteil:
"Die Wachtturm-Gesellschaft (sieht) gerade den Staat als Teil des dem nahen Untergang
geweihten "Systems" als "satanische Organisation." (Gutachten S.21)
"Ebenso wie der Staat sich mit der Gewährung des Korporationsstatus nicht in die
Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften einmischt, sondern im Gegenteil deren
Eigenständigkeit stützt und fördert, kann umgekehrt von der Religionsgemeinschaft, die mit
ihrem Antrag nach Art. 140 GG ... die Nähe zum Staat sucht und dessen spezifische rechtliche
Gestaltungsformen und Machtmittel für ihre Zwecke in Anspruch nehmen will, erwartet
werden. daß sie die Grundlagen der staatlichen Existenz nicht prinzipiell in Frage stellt."
(Urteil des BVG 26.06.97 S.15)
Bisherige Aussagen der WTG:

1988, "Die Offenbarung - Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe"
Welch gute Beschreibung des blutbefleckten Politischen Systems, durch das Satan Über die
Menschheit herrscht!" (S. 187 Abs. 5)
Diese Nationen täten besser daran, sich zu bemühen, Gottes Gunst zu erlangen, als Anstoß
daran zu nehmen, wie sie in Gottes Wort beschrieben werden. ... Satan wird in der Bibel
vielmehr als 'Engel des Lichts' beschrieben, als Meister der Täuschung, der einen gewaltigen
Einfluß auf das allgemeine politische Geschehen ausübt." (S.188 Abs. 9)
Die zehn Hörner stellen die Gesamtheit der souveränen Staaten dar, aus denen die ganze
Politische Organisation Satans besteht. Diese Hörner sind zwar alle grausam und aggressiv."
(S.188 Abs. 10)
Das Tier ist Satans Politische Schöpfung innerhalb der Menschheit, ist Satan ist tatsächlich
'der Herrscher dieser Welt". (S. 189 Abs. 12)
(Das oben zitierte Buch wurde 1988-96 in den Versammlungsbuchstudien (örtliche
Bibelstunde in privatem Kreis) dreimal ausführlich behandelt.)
Helleres Licht:
1997
Unzutreffend wäre allerdings die Schlußfolgerung ', alle Personen mit Regierungsgewalt seien
Handlanger Satans. Viele haben sich als Menschen mit Grundsätzen erwiesen wie zum
Beispiel der Prokonsul Sergius Paulus, der in der Bibel als intelligenter Mann bezeichnet wird
.... Manche Staatsführer haben mutig die Minderheitenrechte verteidigt, weil sie der Stimme
des ihnen von Gott verliehenen Gewissens folgten." (Der Wachtturm 01.11.97 S. 16-18 Abs.
12)
Die politischen obrigkeitlichen Gewalten' sind Gottes 'Dienerin' solange sie die ihnen von
Gott zugebilligte Rolle spielen." ... (Abs. 15)
... dadurch, daß sie (die Zeugen Jehovas) die hohen moralischen Grundsätze der Bibel lehren
und befolgen, sind sie ein Gewinn für die menschliche Gesellschaft. weil diese Grundsätze
viele davor bewahren, straffällig zu werden. Jehovas Diener sind gesetzestreu und respektvoll
gegenüber Ministern Amtspersonen. Richtern und städtischen Behörden, ..." (Abs. 16)
2. Verweigerung des zivilen Ersatzdienstes
Bis zum März 1996 wurde jeder Zeuge Jehovas, der nicht auch den Ersatzdienst verweigerte,
so betrachtet, als ob er die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verlassen habe, was einem
Gemeinschaftsentzug gleichkommt.
Zitat aus dem Rechtsgutachten:
so stellt sich auch hier die Frage der sanktionierten Fremdbestimmung des Gewissens durch
die Wachtturm-Gesellschaft, die es eben nicht dem Gewissen des einzelnen Mitglieds stellt,
ob er sich einer zentralen staatsbürgerlichen Pflicht entziehen will (S.37)

Bisherige Aussagen der WTG:
1975
Die Zeugen erklärten... daß sie nicht gegen den Zivildienst als solchen seien, sondern es gehe
ihnen um die strikte Neutralität. Daher sei für Jehovas Zeugen kein Dienst, der lediglich ein
Ersatz für den Wehrdienst sei, akzeptabel.
Christen sind nicht bereit einen solchen Dienst zu leisten, weil in Gottes Wort gesagt wird:
"Ihr seid um einen Preis erkauft worden; werdet nicht mehr Sklaven der Menschen"
(1.Kor.7:23). Der Christ verweigert auch den Zivildienst, der als Ersatz für den Militärdienst
gilt. In Wirklichkeit würde er durch diesen Dienst ein Teil der Welt werden, Jesus aber gebot,
sich von der Welt getrennt zu halten ( Joh. 15:19; 17:14-16)." (Erwachet!, 08.03.75, S.23-24)
Helleres Licht:
1996
Manche Länder verlangen von den Betreffenden Zivildienst zu leisten, z. B. eine nützliche
Tätigkeit für das Allgemeinwohl zu verrichten, die als nichtmilitärische Dienstpflicht
betrachtet wird. Könnte ein Christ einen solchen Dienst durchfuhren? Auch in diesem Fall
muß ein Gott hingegebener ', getaufter Christ eine persönliche Entscheidung treffen, gestützt
auf sein biblisch geschultes Gewissen." (Der Wachtturm 01.05.96 S. 15-20 Abs. 16)
Auch Zeugen Jehovas leisten häufig einen solchen zivilen Dienst, der dem Allgemeinwohl
dient. Dadurch wird zumeist ein hervorragendes Zeugnis gegeben, und es bringt manchmal
diejenigen zum Schweigen, die Jehovas Zeugen der Ablehnung des Staates beschuldigen."
(Abs. 18)
Die ernannten Ältesten sollten, wie alle anderen auch, das Gewissen des Bruders voll und
ganz respektieren und ihn weiterhin als Christen betrachten, der in gutem Ruf steht." (Abs.
21)
Der Wachtturm-Ausgabe (vom 01.05.96 Anmerk. des Verfassers) könnt Ihr entnehmen, daß
die leitende Körperschaft nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung biblischer Grundsätze und
geschichtlicher Berichte zu einer erweiternden Erklärung- von Römer 13 gekommen ist.
Dadurch gewinnen wir eine erweiterte Erkenntnis zu gewiesen Pflichten dem Staat gegenüber,
die sich auch auf den Zivildienst und andere zivile Dienste, die von jungen Brüdern gefordert
werden mögen, erstrecken kann. ... zumal sich grundsätzlich nichts daran geändert hat, daß
Jeder Zeuge Jehovas gemäß seinem eigenen Gewissen seine persönlichen Entscheidungen
treffen muß." (Brief an alle Ältestenschaften vom 18.03.96)
Das letzte Zitat ist reine Schönfärberei. Vor dem 18.03.96 hatten junge Zeugen folgende
"Gewissensentscheidung" zu treffen: Entweder den Zivildienst verweigern und in vielen
Ländern eine Gefängnisstrafe in Kauf zu nehmen, oder den Zivildienst zu leisten, und von der
Versammlung so betrachtet zu werden, als ob sie die Gemeinschaft verlassen hätten, was
einem Gemeinschaftsentzug gleichkäme.
3. Schöffenamt

Der Staat kann von jedem Bürger verlangen, sich als Schöffe bei Gericht zur Verfügung zu
stellen. Den Zeugen Jehovas wurde es viele Jahre lang nahegelegt, sich davon fernzuhalten
und gegebenenfalls Strafen in Kauf zu nehmen.
Zitat aus dem Rechtsgutachten:
... (es) handelt ... sich hier aber um eine Rechtspflicht. Ein dahingehend ausgeübter sozialer
Druck erscheint jedoch Jedenfalls dann - auch in Abwägung mit der Religionsfreiheit als
rechtswidrig, wenn er die Entschließungsfreiheit des Verpflichteten massiv beeinträchtigt."
(Gutachten S. 35,36)
Bisherige Aussagen der WTG:
1961
Das Amt eines Geschworenen zu versehen wird nicht als eine Verletzung der Bundespflichten
betrachtet, die jemand Jehova gegenüber hat. Doch haben Jehovas Zeugen im allgemeinen das
Empfinden, daß sie nicht über eine andere Person zu Gericht sitzen sollten. ... Blutschuld auf
sich laden .. ' . Ein Bruder der sich geweigert hatte, als Geschworener zu amten, ... wurde für
nicht schuldig befunden." (Königreichsdienst-Fragen S. 56.57)
1973
Jehovas Zeugen anerkennen, daß das, was Jemand in Verbindung mit diesem Amt tut, eine
persönliche Angelegenheit ist, in der er sich von dem leiten lassen sollte, was ihm sein
Gewissen befiehlt. Jesus Christus lehnte es ab einen Rechtsstreit zu schlichten. die Gefahr an
einem Fehlurteil beteiligt zu sein. ... Man kann also erkennen, daß man als Schöffe in ernste
Gewissenskonflikte geraten könnte. ...In Westdeutschland besteht für Gottes Diener die
Möglichkeit ', von der Liste der voraussichtlichen Schöffen bzw. Geschworenen unter
Hinweis auf die Ungeeignetheit aus Gründen beruflicher Art 34 I.Z. 6 GVG) als
Religionsdiener gestrichen zu werden. Betrachtet man ihn seiner gewissensmäßigen
Bedenken wegen für das Amt eines Geschworenen oder Schöffen nicht als ungeeignet, man
sich der Christ - um sein Gewissen nicht zu verletzen - veranlaßt sehen, das Amt abzulehnen."
(Der Wachtturm 15.06.73 S.282)
Helleres Licht:
1997
Viele Christen sind guten Gewissens zu dem Schluß gekommen, daß die biblischen
Grundsätze nicht dagegen sprechen. ... Manche können gegebenenfalls aus gewichtigen
persönlichen Gründen oder aus Gewissensgründen von der Berufung zum Schöffen oder
Geschworenen befreit werden. Die Behörden heben jedoch zunehmend solche
Befreiungsgründe auf, so daß jedermann verpflichtet ist, die Berufung zum Schöffen oder
Geschworenen anzunehmen, und das vielleicht sogar mehrmals im Laufe der Jahre. ...
Weltliche Gerichte gehören zu dem Aufgabenbereich der "obrigkeitlichen Gewalten. ... "Sie
ist Gottes Dienerin dir zum Guten... " (Röm.13:1-41 ... Christen werden sich nicht der Gewalt
widersetzen, wenn sie gerichtliche Funktion ausübt, denn sie wollen sich ihr nicht
entgegenstellen und dafür ein Gericht empfangen."Was ist jedoch wenn ein Christ das Gefühl
hat, es sei mit seinem Gewissen nicht vereinbar, in einem bestimmten Fall als Schöffe oder
Geschworener mitzuwirken? In der Bibel wird die Berufung zu einem solchen Amt nicht

erwähnt, weshalb er nicht sagen kann, daß ihm seine Religion verbiete, Schöffe oder
Geschworener zu sein. Abhängig von dem Fall, könnte er erklären, daß es gegen sein
persönliches Gewissen sei, in einem bestimmten Fall mitzuwirken." (Der Wachtturm 01.04.97
s.27)
Interessant ist der Begriff "persönliches Gewissen", gibt es den noch ein anderes?
4. Wahlrecht
Ein Zeuge Jehovas, der dieses demokratische Grundrecht wahrnimmt. treibt in den Augen der
WTG Götzendienst, und wird daher so behandelt wie jemand, der sich einer anderen
Organisation anschließt. Das Verbot zu wählen bezog sich auch auf Klassensprecherwahlen,
Betriebsratswahlen...
Zitate aus Rechtsgutachten:
Die Besonderheit liegt hier aber gerade darin, daß die Ausübung des Wahlrechts nicht nur zur
Sünde erklärt und vor ihr gewarnt wird, sondern daß Gravierende soziale Folgen an die
Verletzung des Gebots geknüpft und diese noch dazu gemeinschaftsintern bekanntgemacht
werden." (Gutachten S.34)
Die Klägerin lehnt indes die Wahlteilnahme nicht nach Maßgabe der jeweiligen politischen
Verhältnisse" sondern Prinzipiell ab." (Urteil des BVG S.17)
Mit diesem religiös begründeten Verbot der Wahlteilnahme ... setzt die Klägerin sich in einen
verfassungsrechtlich nicht hinnehmbaren Widerspruch zu dem für die staatliche Ordnung ...
konstitutiven Demokratieprinzip... " (Urteil des BVG S.15)
Bisherige Aussagen der WTG:
1961
Darf ein Gott hingegebener Christ, der sich um ein politisches Amt bewirbt oder seine Stimme
freiwillig für Politische Kandidaten abgibt, ein Glied der Versammlung bleiben? ... Jemand,
der freiwillig seine Stimme abgibt, um Politiker in ihr Amt zu wählen, nimmt ebenfalls an den
Angelegenheiten der Welt teil. Er geht zur Welt zurück, um an deren Tätigkeit teilzunehmen.
und schneidet sich so von der Verbindung mit der Neuen-Welt-Gesellschaft ab. Seine
Verkündiger-Dienstkarte sollte aus der Kartei der tätigen Verkündiger entfernt werden."
(Königreichsdienst-Fragen S.46)
1991
Sie (Jehovas Zeugen) hindern andere nicht daran, sich an politischen Wahlen zu beteiligen für
politische Ämter zu kandidieren... Da wahre, Gott hingegebene Christen "kein Teil der Welt"
sind, verläßt ein Glied der Versammlung, das fortgesetzt die christliche Neutralität verletzt
und nicht bereut ', durch seine Handlungsweise die Gemeinschaft der neutralen
Christenversammlung. ... Gewöhnlich wird bekanntgegeben. daß der Betreffende die
Gemeinschaft der Versammlung verlassen hat, und er sollte mündlich von seiner Stellung
unterrichtet werden." (Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde S.140)
Focus 4/1996

Interview mit W. K. Pohl und W. Rudtke
Focus: Und wenn nun ein Zeuge doch dabei (beim Wählen) beobachtet wird?
Pohl: Wir würden ihm sagen, daß das nicht unserer Erkenntnis der Bibel entspricht, und daß
wir seinen Schritt leider so betrachten müssen, als ob er diese Überzeugung aufgegeben habe.
Wenn er dann erklärt, daß er zum Beispiel von seinem Ehepartner dazu überredet worden sei,
mag ihm Barmherzigkeit erwiesen werden, und er bleibt Glied der Gemeinde."
1983
An vielen Schulen werden Schüler in Gremien oder in Positionen wie die des
Klassensprechers gewählt. ... Die Schüler sollen dadurch nicht nur an schulischen
Entscheidungsprozessen beteiligt werden. sondern sollen auch lernen, wie man sich Politisch
betätigt. Jugendliche Zeugen Jehovas mischen sich aber nicht in die Schulpolitik ein; weder
lassen sie sich in ein Amt wählen, noch wählen sie andere in ein Amt. Sollten sie daher für ein
Amt nominiert oder gewählt werden ', so werden sie taktvoll ablehnen. Auf diese Weise
folgen sie dem Beispiel Jesu, der sich zurückzog, als man ihn zum König machen wollte
(Joh.6:15)." (Jehovas Zeugen und die Schule S.16)
Helleres Licht:
1997/98 Königreichsdienstschule
(Es sind keine schriftlichen Unterlagen der Ältestenschulung erhältlich. Die nachfolgende
Neuerung wurde lediglich den Ältesten bekanntgemacht, aber nicht öffentlich in den
Versammlungen.)
Jeder Zeuge Jehovas kann sich künftig gemäß seinem eigenen Gewissen an nicht politischen
Wahlen beteiligen. Es handelt sich dabei um das aktive und das passive Wahlrecht bei Wahlen
zum Betriebsrat, Elternsprecher, Klassensprecher,
Interessanterweise wird diese Art von Wahlen hier als "nicht politisch" bezeichnet, während
sie noch vor kurzem abgelehnt wurden mit der Begründung, es handle sich um politische
Wahlen.
Es bleibt abzuwarten, ob das Licht in dieser Hinsicht noch heller wird.
5. Schweigepflicht
Von Rechts wegen sind die Angehörigen einiger Berufsgruppen (z.B. medizinisches Personal.
Steuerbehörden... an die Schweigepflicht gebunden. Die WTG legt nahe, daß es in einigen
Fällen richtig sei, diese Schweigepflicht zu brechen, und Informationen an die Versammlung
weiterzugeben.
Zitate aus dem Rechtsgutachten:
...Ungleich gravierender ist, daß sie offen und in Kenntnis der staatlichen Verbotsnormen die
Verletzung von Privatgeheimnissen durch Angehörige verschwiegenheitspflichtiger Berufe
propagiert." (Gutachten S.44)

Jedenfalls kann in diesem ... Punkt von Rechtstreue der Gesellschaft nicht die Rede sein."
(Gutachten S.46)
Bisherige Aussagen der WTG:
1987
"Maria arbeitet als medizinisch-technische Assistentin in einem Krankenhaus. Sie ist
verpflichtet, was sie beruflich erfährt oder beobachtet, als Berufsgeheimnis zu wahren. Auch
muß sie dafür sorgen, daß schriftliche Unterlagen und andere Informationen über Patienten
nicht an unbefugte Personen weitergegeben werden. In dem Land, in dem sie wohnt, gibt es
ein Gesetz, das die Weitergabe von vertraulichen Informationen über Patienten regelt.Eines
Tages saß Maria in einer Zwickmühle. Als sie Krankenberichte bearbeitete, stieß sie auf eine
Information, die besagte, daß eine Patientin, eine Mitchristin, eine Abtreibung vornehmen
ließ. Hatte sie die biblische Verpflichtung, diese Information an die Ältesten ihrer
Versammlung weiterzugeben, ... ?Maria fürchtete zuerst ein bißchen die rechtlichen
Konsequenzen. doch dann kam sie zu der Überzeugung, daß in diesem Fall die biblischen
Grundsätze mehr Gewicht hatten als die Forderung, die ärztlichen Unterlagen vertraulich zu
behandeln." (Der Wachtturm 01.09.87 S.12-19)
Bis jetzt sind noch keine Änderungen bekannt geworden.
6. Datenschutz
Die WTG speichert sensible Daten von Mitgliedern, ehemaligen Mitgliedern und
Außenstehenden. Sie ist allerdings in einigen Bereichen vorsichtiger geworden.
Zitat aus dem Rechtsgutachten:
"Im Rahmen des Gemeinschaftsentzugsverfahrens werden genaue Aufzeichnungen über z.T.
rechtswidrig meist jedoch zumindest gegen den Willen des Mitglieds erlangte persönliche
Umstände (auch aus dem sexuellen oder gesundheitlichen Intimbereich) angefertigt. Sie sind
nicht nur (in verschlossenem Umschlag) in der Versammlungsablage aufzubewahren, sondern
ihr wesentlicher Inhalt ist auch auf einem detaillierten Formblatt dem Zweigbüro der
Organisation zu übermitteln. (Gebt acht auf euch selbst S.122)Außerdem werden sie sowohl
bei der Versammlung wie beim Zweigbüro auf Karteikarten und damit zumindest im Sinne
von §3 Abs2 Nr.2 BDSG dateimäßig erfaßt. Auf diese Weise werden hochsensible persönliche
Daten auch von solchen Personen ohne deren Wissen gespeichert, die durch Austritt oder
'Gemeinschaftsentzug' der Organisation nicht mehr mitgliedschaftlich verbunden sind."
(Gutachten S. 47)
1. Die Informationen von Personen, denen die Gemeinschaft entzogen wurde, werden
weiterhin in der oben beschriebenen Weise aufbewahrt
2. Bis Februar 1991 wurde in Deutschland ein "Studienbericht" erstellt. Dieser
"Studienbericht wurde von Zeugen Jehovas ausgefüllt und abgegeben, die mit "interessierten
Personen" ein Heimbibelstudium durchführten. Der Bericht wurde ohne deren Wissen erstellt,
und enthielt folgende Informationen: Name u. Anschrift, Monat, Tag u. Stunde, Studierte
Publikation, Wie oft das Studium durchgeführt wurde, Bemerkungen (z.B. Kirchenaustritt,
Entwöhnung von Tabak oder Drogen ...)

Im Januar 1991 wurde mündlich bekannt gemacht, daß diese "Studienberichte" nicht mehr
erstellt werden sollen, weil dies eine "Vereinfachung" sei.
Diese neue Verfahrensweise, durchgeführte Heimbibelstudien nur noch zahlenmäßig auf dem
Predigtdienstbericht zu erfassen, stellt eine Vereinfachung dar, und dadurch wird auch der
Eindruck vermieden, es könnten unzulässige persönliche Daten über andere gespeichert
werden, was ja nicht der Fall ist, weil die Berichte nicht auf Dauer aufgehoben werden."
(Brief an alle Versammlungen vom 15.01.91)
Es erweist sich als vorteilhaft, wenn der Versammlungsbuchstudienleiter weiß, wer in seinem
Buchstudium Bibelstudien durchfuhrt und wer die Interessierten sind. ... Um dabei niemanden
zu übersehen, wird es gut sein, daß jeder Studienleiter eine fortlaufende formlose
Aufzeichnung über alle Heimbibelstudien führt, ... Falls ein Studium nicht fortgesetzt werden
kann, wird der Studienleiter seine Liste entsprechend berichtigen. Beim Besuch des
Kreisaufsehers können dann die Studienleiter die Heimbibelstudientätigkeit ihres
Versammlungsbuchstudiums anhand der von ihnen angefertigten Liste mit dem Kreisaufseher
besprechen." (Brief an alle Ältestenschaften vom 15.01.91)
In anderen Ländern z.B. Frankreich, in denen der Datenschutz keine so große Rolle spielt,
werden diese "Studienberichte" jedoch weiterhin ausdrücklich verlangt.
3. Ebenfalls anfangs der 90er Jahre wurde erklärt ', daß die Notizen, die nach Rückbesuchen
gemacht werden, nicht mehr weitergegeben werden sollen. Solche Notizen sollen zwar
weiterhin gemacht werden, aber jeder soll seine Notizen als Gedächtnisstützen bei sich
behalten. Solche Notizen können sehr persönliche Informationen über Personen enthalten, die
diese in einem vertraulichen Gespräch mit einem Zeugen geäußert haben.
7. Kindererziehung
Kinder sollen im Sinne der Organisation erzogen werden. Dabei kann die Bibel in dieser oder
jener Hinsicht ausgelegt werden.
a) Soziale Isolation
Zitat aus dem Rechtsgutachten:
"Der Gemeinschaft angehörende Kinder dürfen sich aber weder an Aktivitäten im
Zusammenhang mit Feiertagen aller Art betätigen, ... sondern auch nicht an
außerlehrplanmäßigen Veranstaltungen ... Schulbällen. Verboten ist auch die Teilnahme an
Klassensprecherwahlen wie auch jede Mitarbeit in der Schulselbstverwaltung.Die immer
wieder angesprochene Warnung vor "schlechter Gesellschaft" (gemeint ist damit ein Umgang
mit nicht der Gemeinschaft angehörenden "weltlichen" Kindern /Jugendlichen) führt - mit der
zugleich propagierten Konzentration auf die Mitglieder der eigenen Glaubensgemeinschaft in eine "Ghettoisierung. ... widerspricht in eklatanter Weise dem Menschenbild des
Grundgesetzes. das gerade das Leitbild der eigenverantwortlichen Persönlichkeit in ihrer
Gemeinschaftsbezogenheit zum Bezugspunkt aller staatlicher Ordnung - und damit des
Gewährleisteten Erziehungsrechts macht." (Gutachten S.61,62)
Helleres Licht

Die Teilnahme an Klassensprecherwahlen bzw. der Schülermitverwaltung ist jetzt erlaubt
(siehe Punkt 4 Wahlrecht). Ansonsten bleibt alles beim Alten.
b) Zuchtmittel
Zitat aus dem Rechtsgutachten:
"Eltern werden dabei angehalten, ihre natürlichen Hemmungen ebenso zu überwinden, wie
sich kinderpsychologischen Ratschlägen (Theorien die direkt dem Rat Jehovas
widersprechen) zu widersetzen.... In diesen von der Rechtsordnung gezogenen Grenzen hält
sich jedenfalls weder das Schlagen von Kleinstkindern noch der zeitweilige Ausschluß aus der
Familiengemeinschaft." (Gutachten S.63)
Bisherige Aussagen der WTG:
1978
Schläge können einem Kind das Leben retten, denn in Gottes Wort heißt es: "Enthalte doch
dem, der ein Knabe ist, die Zucht nicht vor. Falls du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht
sterben. Mit der Rute solltest du selbst ihn schlagen, damit du seine eigene Seele von Scheol
(Grab) selbst befreist." (Das Familienleben glücklich gestalten S.133)
Bei Kindern kann der vorübergehende Ausschluß aus der Familiengemeinschaft
wirkungsvoller sein als Schläge. Würde man jedoch ein Kind aus dem Hause aussperren oder
andere übertriebene Maßnahmen ergreifen, so wurde man über das hinausgehen. was die
Liebe gebietet. Ganz gleich, welche Methode angewandt wird, den Kindern muß klargemacht
werden, daß sie die Folgen für ihr Verhalten tragen müssen." (S.145)
1979
Aber schließt liebevolle Zucht auch körperliche Züchtigung ein? Gemäß Gottes Wort kann
das eingeschlossen sein, sofern die körperliche Züchtigung ein Ausdruck der Liebe ist und auf
eine Weise erfolgt, die sich mit Liebe vereinbaren läßt." (Erwachet! 08.08.79 S. 27)
1994
Zucht ist für Kinder unerläßlich. Eltern müssen ihren Kindern Grenzen setzen. In Sprüche
13:24 wird erklärt: "Wer seine Rute zurückhält, haßt seinen Sohn, wer ihn aber liebt, der sucht
ihn sicherlich heim mit Züchtigung." Die Bibel sagt jedoch nicht, daß Zucht immer körperlich
erfolgen muß. "Hört auf Zucht". heißt es in Sprüche 8.33, und wie in Sprüche 17:10 gezeigt
wird, "dringt ein Scheltewort tiefer ein bei einem Verständigen als hundert Schläge bei einem
Unvernünftigen". Gelegentlich mag allerdings auch eine körperliche Züchtigung angebracht
sein." (Der Wachtturm 15.07.94 S.18 Abs.12.13)
Dies war die allgemeine Lehre der 80er und 90er Jahre
Helleres Licht
1998


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