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Mexiko Leseprobe .pdf



Original filename: Mexiko_Leseprobe.pdf
Title: Mexiko_Leseprobe
Author: Andreas Stötzner

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Ein Deutscher in Mexiko
1923

LESEPROBE

Ein Deutscher in Mexiko – 1923
– Alle Rechte der wirtschaftlichen Verwertung vorbehalten –

Unser Protagonist hat seine Unterkunft bei einer mexikanischen Gastfamilie
bezogen und sieht sich zunächst mit der Anwesenheit tierischer
›Mitbewohner‹ konfrontiert, wodurch er sich (als gelernter Drogist =
Giftmischer) herausgefordert sieht.
Im Fußboden Mäuse, im Zimmer Flöhe und unter der Decke über meinem armen, schwer
geplagten Haupte Ratten. Eben wieder der Erdbebengefahr wegen – der Popocatepetl und
der Ixtaccicuatl zwei scheinbar ruhige Vulkane, welche jedes Jahr aber noch rumoren und
dicht bei der Hauptstadt liegen – werden hier die Decken nicht wie in Deutschland gemacht,
sondern unter der Diele wird nur eine Wellblechunterlage angebracht und darunter mit etwa
10 cm Spielraum dazwischen wird eine Leinwandart gespannt und diese entsprechend
bemalt. Hier auf dieser Leinewanddecke innerhalb des Hohlraumes geht es allnächtlich hoch
her. Mein Wirt, und das ist mir auch von anderer Seite bestätigt worden, hat mir zwar
versichert, daß die Tiere nie ins Zimmer kommen würden und daher für mich vollständig
harmlos wären, er betrachtet das Hin & Hergerenne über der Leinwand als Musik, an die ich
mich ohne Furcht vor nächtlichem Besuch gewöhnen sollte. Mein Anerbieten, daß ich die
Biester mit Strÿchnin in kurzer Zeit vertilgt haben würde, hat er mir leider ganz angsterfüllt
abgeschlagen. Weil nämlich hier in Mexico die Wasserversorgung der Häuser durch auf dem
flachen Dache befindliche Wasserkessel geschieht, welche durch die Wasserleitung gespeist
werden und dann von diesen Kesseln aus die Verteilung durch das Haus stattfindet und das
Ungeziefer dort oben – die Kessel sind meist offen ohne Deckel – ebenfalls seinen Durst
löscht. Nun kalkuliert er, daß dann die Biester um zu saufen, ins Wasser fallen werden und
das ganze Haus dann vergiften und verseuchen. Ganz unrecht hat er vielleicht nicht, aber
mir dann deswegen diese Musik anzuhören jede Nacht, (Felddienst) dazu habe ich auch
keine Lust. Vielleicht fressen die Luder doch mal ein Loch durch den Stoff dann wüßte ich
was ich zu tun hätte. Aber scheinbar halten die Ratten hier den Burgfrieden ebenso aufrecht
wie die Menschen und keines versucht durch einen unfreundlichen Akt einen Mißton in diese
Symphonie-Symbiose zu bringen. Aber ein, wenn auch harmloses Mittel um die Gesellschaft
zu verscheuchen, habe ich doch entdeckt, die Decke ist sehr hoch, mit einem Stock vom
Tische aus kann ich sie eben gerade erwischen, das ist aber gefährlich, weil ich keine Löcher
in die Decke stoßen möchte, was ich dann schließlich bezahlen müßte. Ich werfe immer die
zusammengerollte Strümpfe dagegen, das gibt einen paukenähnlichen Ton von sich und hat
auch gleichzeitig zur Folge, daß der Schmutz welcher sich auf der Decke zu befinden
scheint, durch die Federung der gespannten Decke gegen das darüberbefindliche Wellblech
geschleudert wird und seinerseits wieder Geräusch verursacht. Die Folge davon ist eine
allgemeine und geräuschvolle Flucht mit nachfolgender Ruhe und Frieden, solange bis das
niedliche Spielchen von vorne beginnt.

Ein anderer Aspekt des Lebens sind die städtischen Verkehrsverhältnisse,
worüber uns mehrere Schilderungen wie die folgende gegeben werden:
Rücksichtslos ist das Volk hier, geradezu gemeingefährlich! Links vom Kamion [= Kleinbus]
die Straßenbahn, rechts vom Kamion ein mit Tafelglas beladener Wagen, vor diesem ein
Maulesel, wir in der Mitte. Die Straßenbahn biegt rechts auf uns ein um in eine Nebenstraße
zu kommen, wir wollen in dieselbe Straße, der mit seinem Esel will geradeaus. Jeder will der
Erste sein, keiner will warten, einer so tollkühn wie der andere, rücksichtslos drauf. Jeder
denkt, mag der andere doch warten, das Ende vom Liede, der Esel wird nach rechts
geschleudert in die Nebenstraße in die er nicht sollte, der Kamionkutscher verliert das
Steuerrad, ein Glück für den armen Maulesel, und saust mit unserer Karre in die in Fahrt
befindliche Straßenbahn, die noch gar nicht in der Seitenstraße darin war und mit dem
Hinterteil noch in der Hauptstraße saß. Das Ende vom Liede, hinter uns war natürlich auch
ein Kamion, der es auch nicht erwarten konnte, der fährt auf uns auf, bezw. wir werden dem
in’s Vorderteil hineingeschleudert, Krachen hier, Krachen dort, der Straßenbahnschaffner
schimpft, der Eselkutscher schimpft, der hinter uns schimpft und unser August hält auch
nicht das Maul, dem ist vorn der Kühler eingedrückt, dem Eselkutscher die Deichsel
gebrochen, meinem Satanskasten die Schutzbleche verbogen, nur der Elektrischen ist nichts
passiert. Der Straßenbahnschaffner grinst, der Lumich von meinem Kamion grinst ebenfalls,
der hinter uns will sich auch nicht blamieren, der grinst mit, nur der Eselkutscher würdig
seiner Kollegen von der anderen Zunft verzieht natürlich auch bis an die Ohren den Mund.
Nur der arme Esel zittert noch und die Passagiere die in den beiden Kamionen und der
Straßenbahn sitzen. Blitzschnell hat sich alles abgespielt, angehalten hat, bis auf den
Eselkutscher mit seiner Glasfuhre, keiner deswegen, einfach darauf los, und der Gipfelpunkt
der Frechheit bestand darin, daß mein Chauffeur, dieser Lausbub, mit einem anderen
Kamion, welcher an uns vorbeifahren wollte, sofort eine Wettfahrt aufnahm und in rasender
Fahrt die Straße hinunterjagte, die Straßenbahn damit zurücklassend. Außer einer Dame war
mit mir noch ein älterer Herr, ein Mexikaner, im Wagen, der zog empört seinen Revolver, um
den verrücktgewordenen Idioten auf dem Führersitz einzuschüchtern, aber das kam richtig
an, „Vorsicht mein Herr, nur die Ruhe bewahren, wenn sie schießen, saust der Wagen
führerlos in den eisernen Zaun, wenn nicht, passiert ihnen gar nichts!“ Ich hätte dem
Chauffeur am liebsten meinen Musterkoffer ins Genick geschlagen und rettete die Situation
dadurch, daß ich dem Kerl ein energisches „Bueno“ zurief, zum Zeichen daß ich aussteigen
wollte, worauf sich der Hallunke auf seine Pflicht besann und anhielt, während der Andere
an uns mit breitem Grinsen vorübersauste, was unser Vagabund mit einem bedauernden
Caramba erwiderte. 3 Personen verließen fluchtartig das Vehikel des Schreckens und meinen
Koffer schleppend erreichte ich zu Fuß 10 Minuten später auch mein Ziel.

Aus dem häuslichen Privatleben gibt es zu berichten:
Leider wurde ich durch die vorgestrige Lichtunterbrechung auch in fataler Weise in
Mitleidenschaft gezogen. Ich saß gerade in der Badewanne und da mein Wirt nicht da war,
die Wirtin und Criada [Dienstmädchen] (übrigens eine Neue, die andere hat sich unter
Mitnahme etlicher Kleidungsstücke der Señora voll Hinterlist und Tücke aus dem Staube
gemacht) keine Trauste hatten mir eine Kerze zu bringen, so war ich wohl oder übel
gezwungen der Dinge zu harren, die kommen oder nicht kommen sollten. Und sie kamen
auch nicht. Solche beschauliche ¾ Stunden habe ich bei der Gelegenheit auch das erste Mal

erlebt, jedenfalls solange hat es gedauert bis mir die Sache zu bunt und das Wasser naß und
kalt vorkam also vamonos, rauß, hier war doch nichts mehr zu erben und Gänsehaut wirkt
auf die Dauer ungemütlich. Das Handtuch war natürlich nicht zu finden, dafür meldete sich
ein Wasserglas welches seitdem nicht mehr ist! Also Scherben bringen Glück, das merkte ich
gleich darauf indem meine ganze Kleiderherrlichkeit dem Glase folgte und es sich zwischen
den Scherben in der Wasserpfütze; denn das Biest die Badewanne war auch noch zuerst
übergelaufen, weil die Criada, eine Indianerin, mit Badeeinrichtungen ganz besonders auf
dem Kriegsfuße stand und einfach davongelaufen war und laufen ließ was laufen wollte in
der Meinung es würde schon von selbst aufhören, wohl sein ließ. Caramba! Dann erwischte
ich das Hemd in der Annahme das Handtuch erwischt zu haben und schließlich war ich
einigermaßen trocken und war mit den Armen in die Unterhose geraten, denn das Hemd war
inzwischen unauffindbar verflüchtigt in dem Durcheinander. Nun war auch meine „Braut“,
die sich infolge meiner mir angeborenen Grazie und Liebenswürdigkeit längere Zeit nicht
hatte sehen lassen, unglücklicherweise heute mal wieder zu Besuch unten, (auch das noch!)
und die mußten nun ausgerechnet in meinem beklagenswerten Zustande im Eßzimmer die
Treppe blockieren helfen. Endlich war ich nun, soweit es die Finsternis zuließ, scheinbar
salonfähig, nur die Frisur gab mir zu denken und mit Riesensätzen, da ein schwacher
Lichtschein von unten heraufdrang, war ich unten obwohl Alles an mir naß war und gerade
wie ich unten war – da brannte das verdammte Licht wieder. Ich lache sonst auch mal ganz
gern mit, diesmal jedoch war ich der Ansicht, daß ich an der Lacherei der Damen lieber
keinen Anteil nehmen sollte und das war gut so; denn ich sah aus eher einem Gehängten
ähnlich, als einem Kavalier, nicht nur die Frisur sondern auch der verdammte Schlips war
Schuld daran und die Weste hatte oben einen Knopf einerseits und unten ein Knopfloch
andererseits zuviel.

Zu viert wird eine ganztägige Expedition auf den Gipfel eines Vulkanberges
unternommen, die einige Strapazen verursachte:
Teils durch die Anstrengung, teils durch die dünne Luft erschöpft fielen
wir alle Vier oben auf einen Haufen und schnappten nach Luft, wie die
Fische im Wasser, und unser armer Kranker, vom Dorfe her, der es sich, zu
seiner Ehre sei es erwähnt, nicht hatte nehmen lassen und sich unter Aufbietung
der letzten Kräfte im wahren Sinne des Wortes heraufgeschunden
hatte, schlief ohne noch ein Wort zu sagen auf der Stelle ein. Was war für uns
Landschaft, was scherte uns der ungeheure Waldbrand der hinter dem zweiten
Ajusco-Gipfel den wir im Aufstieg umgangen hatten, diese gelbbraunen
Rauchschwaden zum Himmel schickte und eine Meile westlich von uns angefangen
hatte; denn dort war frühmorgens schon eine kleine Rauchsäule
sichtbar, wir wollten einfach nicht mehr, nichtmal zu einer phot. Aufnahme
waren wir fähig.
Inzwischen kamen wir wieder zu Kräften und dachten an das Mittagsmahl
(Tortillas und Frijoles [Bohnenmus] die mir meine liebenswürdige Wirtin eingepackt
hatte) zu dem wir wenig Appetit verspürten, unser Kranker wurde geweckt
und ihm ein gekochtes Ei in den Mund geschoben, was aber keinen größeren
Erfolg brachte, als daß er mit dem gekochten Ei im Munde sofort wieder
einschlief, um aber bald darauf, um Erstickungsgefahr seinerseits vorzubeugen
wieder unsanft geweckt zu werden. Nun erst konnten wir es über uns

gewinnen, uns ein wenig über die Gegend zu unterrichten.
Großartig und überwältigend war das Panorama. Zwar war es etwas diesig,
teils rauchig geworden, sodaß wir vom Popcatepetl und Ixtaccihuatl, weil
der Waldbrand gerade dazwischen stand, gegen unsere Erwartung nichts zu
sehen bekamen von hier oben, das war gegen Süden ungefähr, wo wir heraufgekommen
waren. Nach Westen, Norden und Osten fiel der Ajusco senkrecht
steil ab in die Tiefe, an einer Stelle, nach Norden zu gut 800 – bis 1000 m tief,
vielleicht war die Tiefe noch größer, da man untenstehende Bäume nur als
verwischte Punkte sehen konnte. Auch hier im Norden zeigte sich am Fuße
eine Rauchwolke von einem Waldbrand herrührend, sodaß ich nicht umhin
konnte die Besorgnis auszusprechen, daß wir schließlich, wenn etwas Wind
einsetzen sollte, gar nicht mehr von hier herunter könnten; denn nach 3 Seiten
jäher Abgrund, von der vierten der Waldbrand, aber auf den Hinweis daß
dieser nicht so schnell vorsich ginge, beruhigte ich mich wieder, trotzdem ab
und zu im Norden – der südliche war durch den anderen Gipfel verdeckt –
Flammen sichtbar wurden. In allen Richtungen des Geländes, vielleicht noch
an 4 oder 5 Stellen, waren in weiter Ferne noch andere Brände zu beobachten.

Von den ausgedehnten Reisen als Handelsvertreter wird von Erlebnissen wie
diesen berichtet:
Inzwischen war ich in Salamanca, wo ich der Wirtin im
Hotel dafür meine Anerkennung aussprach, daß sie sich ausgerechnet zur
Tischzeit vor die Tür des Eßzimmers setzt, vor sich ihre Tochter v. ca. 10
Jahren, hinter sich eine Criada und diese selbst wieder eine andere hinter sich
– bunte Reise – um sich eine die andere zu entlausen, das war ein fröhliches
„Knacken“, daß mir natürlich der Appetit verging und ich dem gastlichen
Hause lebewohl sagte.
_
Hier in Guanajuato hat man eine sehr schöne Sitte erdacht.
Ganz oben, oberhalb der Station liegt der Friedhof, sehr hübsch angelegt,
mit einigen schönen Denkmälern, dort oben sind auch 3 in der Geschichte
Mexikos berühmte Männer beerdigt. Aber davon wollte ich nicht berichten,
sondern von den Katakomben da oben. Nach ungefähr 10 Jahren, um wieder
Platz zu schaffen, werden die alten Gräber beseitigt und die Überreste, die
sich hier oben gut erhalten haben, denn die Leichen mumifizieren alle vollständig,
werden wie man mir sagt, in eine 3 Stockwerk unter der Kathedrale
befindliche Gruft beigesetzt. Besser geworfen, denn es befindet sich ein zu
diesem Zwecke erbauter Schacht in der Kathedrale und: glückliche Reise,
schon liegen sie unten, alle auf einem Haufen.
Wer ganz was besonderes haben will, der kauft seine Leiche los und diese
werden dann, oben auf dem Friedhof in den Katakomben untergebracht, in
Kammern aufgestellt und mit einem Namenzettel versehen, dort oben können
sie die Angehörigen und auch jeder Fremde besuchen. Die Bekleidung
läßt, da von Würmern usw. zerfressen, bei mancher Mumie viel zu wünschen
zu übrig, es kommt aber so genau nicht darauf an.

Einer Frau hat man, auf Wunsch ihrer Familie, das Embrÿo entnommen,
nun, nachdem sich die Familie postnumerando* an dem nichtgewesenen Familienzuwachs
satt gesehen hat, sitzt die kleine Gestalt friedlich neben der
Mutter und nur wenn der Kirchhofswächter, welcher die Führung macht,
daran vorbei geht, nimmt er es „liebevoll“ in seine Hände und wirbelt damit
in der Luft herum. Kinderklapper, erklärt er freundlich, weil darin irgend ein
Körperteil lose herumliegt und beim Schütteln ein lautes Geräusch, wie von
einer Pappschachtel herrührend, von sich gibt.
_
Gestern Abend gegen 10 Uhr, um verschiedenen Wünschen gerecht zu werden, hatte ich
Zeit übrig, also versuche ich mein Heil mal wieder mit dem Schmetterlingsnetz in einem mit
hellleuchtenden Bogenlampen ausgestatteten Parkwäldchen.
Durch die Bäume kann man noch eben drüben einige Häuser erkennen,
ich stehe auf einer breiten Straße, welche mitten durch die Anlage hindurchführt
unter einer Laterne, meine Gedanken fliegen inbrünstig hinter einem
dicken Nachtschmetterling her, welcher nun schon eine ganze Zeit um den
Lichtkegel schwirrt und mir schon bald Genickstarre bereitet. Teufel noch
eins, da knackt doch eben ein Zweig vor mir im Gebüsch, richtig, da vorn an einen dicken
Baum gelehnt, nein gedrückt besser gesagt, lauert eine Gestalt.
Lasse ihn sausen, den Schmetterling, rückwärts führt der Weg noch tiefer in
den Park, also vorwärts auf den Kerl zu, der steht links an der Straße, also
gehst du rechts hinüber, um nicht hart an ihm vorbei zu müssen, man kann
nie wissen.
Vielleicht 10 Schritt sind wir auseinander, da macht der sich von seinem
Baum los und läuft quer über die Straße um auf der rechten Seite mit mir
zusammenzutreffen. Äußerst verdächtig, ich bleibe stehen, um den Kerl passieren
zu lassen und gehe nun nach links hinüber, was zur Folge hat, daß das
Individuum, meine Absicht bemerkend, sofort seine eingeschlagene Richtung
ändert und frech, nicht etwa langsam, wie offensichtlich um mir den Weg zu
verlegen, auf mich zu kommt. Das war mir zu ville! Jetzt gilt’s! 5 Schritte sind
wir auseinander, der Lumich einen Kopf kleiner wie ich, erwartungsvoll frech,
das Licht der Bogenlampe scheint ihm gerade ins Gesicht, die rechte Hand
hält er hinter sich, stoppt in dem Augenblick wie ich auch – – und dann frage
ich den Kerl was er will. Was wollen Sie denn, fragt der mich nun, und warum
haben Sie Ihre Hand hinten? „Ach, sage ich, ich habe meine Hand nicht
hinten, aber Sie, sehen Sie, amigo, hier habe ich das neueste deutsche Pistolenmodell
in der Hand, kennen Sie diese Dinger schon? Da sagt der Schuft
zu mir, „Lassen Sie mal sehen!“ – „Einen Schritt weiter Mensch, ich bin sehr
nervös und garantiere für nichts!“ – „Ich will Sie doch nur begleiten!“ entgegnet
er mir, „No, señor, gehen Sie rechts, dann gehe ich links, gehen Sie links
ab, gehe ich nach rechts, wählen Sie, ich finde meinen Weg allein und will
keine Begleitung!“ Damit ging ich an dem Stromer vorbei, der immer noch
die Hand hinter sich hielt und mich nun im herausfordernden Ton fragte:
„ Wollten Sie etwa an mich; Chingada“ [Schimpfwort] – „Das neue deutsche Pistolenmodell,
señor!“ Und weg war der Lunterich und ich stand allein und war 5
Minuten später wieder unter Menschen in der Straße.
Ein Glück, daß ich so schnell meine kleine Mann-Pistole 6,35mm bei

der Hand hatte, das hatte der nicht erwartet; denn wie der die Hand noch
hinter sich hatte, hatte ich den Lauf schon auf ihn gerichtet und nur durch
den Umstand, daß er erst gemütlich abwarten wollte, bis ich ihm auf 2 Schritt
gegenüberstand und er das Licht im Gesicht hatte, hatte ich Zeit, ihm zuvorzukommen
und ihm klar zu machen, daß er schon um eine Handbewegung
im Nachteil war – nebenbei bemerkt, wenn der gehandelt hätte, wäre ich
doch der Dumme gewesen; denn meine Pistole war noch gesichert und außerdem
nicht gespannt, da keine Patrone im Lauf war, aber schließlich wäre
es eben noch auf die Fixigkeit angekommen.
Die Pistole habe ich mir kürzlich in Atotonilco, wie ich von Arandas zurückkam
gekauft, scheint es gerade zur rechten Zeit; denn auf das gefährliche Aussehen meiner
Tabakspfeife in der Gesäßtasche, mit der mich der Peon [Diener] schon auf dem Heimritt
durch den Kakao geholt hatte, wollte ich mich nicht mehr verlassen.

___

Dampfschiff »Toledo«
(hier im Hafen
von Veracruz,
wo er ankam)

Das Tagebuch im Original

Überfahrt nach Mexiko

Im Büro in Mexiko-Stadt

Der Handlungsreisende beim Besuch eines Kunden

Ajusco-Expedition (Vulkanberg)

In Mexiko-Stadt (Chapultepec)


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