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ren Abdomen liegen alle anderen Einstichstellen peripher. Soweit ich das beurteilen kann, scheinen mir die Verletzungen nur oberflächlich zu sein. Mal ein
Vorteil von Körperfülle. Er ist dann über
den Balkon geflüchtet und aus ca. drei
Meter Höhe auf den Parkplatz gesprungen. Dabei ist er wohl linksseitig aufgekommen und hat sich eine Rippenserienfraktur links, eine offene Unterschenkelfraktur links und eine Unterarmfraktur mit deutlicher Dislokation
zugezogen …
 Also kein SHT?!
 Richtig! Er konnte den Unfallhergang
genau schildern. Unabhängig von den
Schmerzen entwickelte er eine zunehmende Tachypnoe mit deutlicher Abnahme der Sauerstoffsättigung. Links
thorakal konnte ich kein Atemgeräusch
mehr auskultieren und man konnte
deutlich die Krepitationen hören …
 Martin, sieh mal zu, dass wir zuerst einen Röntgen Thorax zur Lagekontrolle
machen …
 Ja, Frau Baussen, ist schon alles in der
Mache.
026 B2a
 Also fünfter ICR links Thoraxdrainage
mit Entleerung von ca. 500 ml Blut.
 Beatmungsschwierigkeiten? Aspiration?
 Nein, war alles unauffällig. Intubation
ohne Probleme: AMV 7,5 l bei einer Beatmungsfrequenz von 12. Atemgeräusche beidseits vorhanden mit deutlichem Giemen links. Kreislaufstabil, Sättigung immer um die 99 Prozent. Ihr
könnt ja mal eine BGA machen!
 Nach dem Thorax, ist das in Ordnung?
 Am besten wir lagern ihn mit unserer
Schaufeltrage um.
 Analgesie?
 Hat vor fünf Minuten noch Fentanyl bekommen.
 Gut Leute, alle auf mein Kommando:
Sylvia, pass auf die Drainage auf. Martin,
du sicherst die Zugänge. Ich hab den
Kopf. Alle bereit?
//

Ja.

 1, 2, 3 – und los!

 O.K. Leute, danke für die Übernahme.
Ach, so: Die Polizei kommt gleich und
bringt euch die restlichen Personalien …

 Und, was meinen Sie?

027 B3
1 Kannst du mal den Defi anschließen, bitte!

 Das Fieber ist ja auch nicht weiter gestiegen …

2 Schieb das Röntgen rein!

 Richtig.

3 Wo steht die Schaufeltrage?

 Wir wollen ja morgen früh nach Spanien.
Und wegen der Bauchschmerzen. Also,
die hat er schon öfter, bevor wir losfahren, wissen Sie …

4 Ist die BGA schon durchgelaufen?
5 Stell das Beatmungsgerät an!
6 Hat einer das Gel fürs Sono gesehen?
028 C1
 Guten Tag, mein Name ist Khadivi, ich
bin der diensthabende Arzt der Notaufnahme und Sie sind bestimmt die Frau
Meier?

 Aktuell geht es ihm ja wieder etwas besser …

 Morgen besuchen wir erst Oma und Opa.
Die freuen sich auch schon gewaltig.
 Ich glaube, mit Ihrer Abreise morgen
früh, das halte ich für keine so gute Idee.
 Ach so, wie?

 Ja, Christine Meier. Wie geht es ihm
denn? Es ist ja alles so schrecklich! Ich
wusste doch nicht, dass er gleich so aggressiv wird! Warum musste er auch so
früh nach Hause kommen?

 Das, was Sie und auch Julian geschildert
haben und auch die Untersuchungen
deuten auf eine Blinddarmentzündung
hin. Ich habe deshalb meinen Kollegen
von der Chirurgie gebeten, sich Julian
ebenfalls anzuschauen …

 Frau Meier, er ist hier vor gut zehn Minuten eingeliefert worden, deswegen
kann ich Ihnen noch nicht so viel über
seinen genauen Zustand sagen.

 Wie kann denn das sein? Er war doch
jetzt zwei Wochen im Zeltlager. Da war
alles gut. Die haben den ganzen Tag
Fußball gespielt. Der Junge ist immer fit.

 Aber er hat wahnsinnig geblutet und
dann noch der Sprung? Das kann man
doch gar nicht überleben. Oder? Herr
Doktor, wird er überleben? Ich fühle
mich so schuldig …

 Es gibt einen Entzündungswert, den wir
im Blut messen können, und der zeigt
uns, dass bei Julian Zeichen einer Entzündung vorliegen.

 Ganz ruhig, Frau Meier. Wir tun alles,
was in unserer Macht steht. Ich erkläre
Ihnen kurz, wie wir jetzt weiter vorgehen.
 Ja, gut, danke.
 Sein Kreislauf ist aktuell sehr stabil. Er
hat schon eine Narkose, sodass Sie jetzt
mit ihm nicht reden können. Wir werden
jetzt noch einige Röntgenuntersuchungen durchführen. Und dann müssen die
Knochenbrüche, die er sich zugezogen
hat, operiert werden. Danach kommt er
erst mal zur Überwachung auf unsere Intensivstation
 Um Himmels Willen! Intensivstation.
Dann steht es ja doch sehr schlecht um
ihn?
 Nein, nein. Das ist jetzt erst einmal für
den Anfang wichtig. Schließlich hat er
einige Verletzungen, die einer genauen

 Aber er muss doch nicht operiert werden …?

wegen der Schulter- und HWS-Beschwerden
war anfänglich schmerzlindernd, zeigte jedoch nach kurzer Zeit keinen Erfolg mehr.
Auch die medikamentöse Einstellung mit
einem Antidepressivum zeigte nur eine
kurzfristige Besserung. Eine Psychotherapie
hat der Patient abgelehnt.
Er arbeitet in einer großen Immobilienagentur. Er ist verheiratet. Seine Frau hat viel
Verständnis für seine Beschwerden. Er hat
zwei erwachsene Töchter, mit denen er sich
gut versteht.
Bei der Aufnahme konnte der Patient
schmerzbedingt kaum schlucken. Schon eine
minimale Drehung des Kopfes verschlimmerte die Schmerzsituation ins Unerträgliche.
Nach eingehender Untersuchung erfolgte
eine MRT der HWS und des Kopfes. Hier
zeigte sich ein mit 5 cm deutlich verlängerter Prozessus styloideus im Sinne eines Eagle Syndroms.
Aufgrund der Vorgeschichte wurde auf den
erneuten Versuch, eine ausschließlich medikamentöse Therapie durchzuführen, verzichtet. Wegen eines Pflegefalls in der Familie wollte der Patient eine operative Behandlung hinausschieben. Eine lokale Injektionsbehandlung mit einem Kortikoid
brachte kurzfristig eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomatik. Nach Wiederauftreten der Beschwerden wurde eine
Resektion des Prozessus styloideus durchgeführt.

Lektion 4

Der Patient ist seit der Operation beschwerdefrei.

032 A3a

033 B1a

Ich möchte Ihnen heute einen 39-jährigen
Patienten vorstellen, der seit über zehn Jahren immer wieder über plötzlich auftretende starke neuralgiforme Nackenschmerzen,
oft gepaart mit Schluckbeschwerden, klagte.

 Herr Giegerich, Sie haben mir Ihre aktuellen Schmerzen beschrieben. Vor allem,
dass sich die Beschwerden im Lendenwirbelbereich nach oben verlagert haben …

Immer wieder berichtete der Patient über
ein komisches Globusgefühl im Halsbereich.
Gelegentlich habe er starke Kieferschmerzen gehabt. Sowohl die Entfernung der
Mandeln, als auch die Behandlung mit einer
Bissschiene und die Extraktion der Weisheitszähne brachten keine Besserung der
Symptomatik. Zeitweise nahm der Patient
wochenlang hochdosiert Schmerzmedikamente ein, die jedoch keinen wesentlichen
Effekt gezeigt hätten. Eine Physiotherapie

 Erst so zwischen den Schultern und
dann hat es mit den Kopfschmerzen angefangen …
 Das ist ja jetzt seit ungefähr einem halben Jahr so …
 Ja, genau. Ein halbes Jahr Migräne. Hatte
ich früher nichts mit zu tun …