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Liegt der Nibelungenschatz im Schweizer Seeland .pdf



Original filename: Liegt der Nibelungenschatz im Schweizer Seeland.pdf
Author: Christine Mathys

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Foto: (Abb. 1) Seeland vom Chaumont/ob Neuchâtel
©Michael Gauger 2011
Vordergrund: „Wanderer über dem Nebelmeer“,
von C.D. Friedrich 1818

Eine Spurensuche mit Michael Gauger

1

Vorweg: im Zusammenhang mit der Burgunden- oder Nibelungensage kann man auf Grund vieler
Widersprüche, dürftiger Quellen und chronologischen Wirrwarrs nicht von BEweisen sprechen,
höchstens von HINweisen. Viele Details rund um die Burgunden (das Volk, welches im 5. Jh. den
sagenumwobenen Nibelungenschatz besass oder versteckte) müssen unter dem Nebel der
Geschichte verborgen bleiben; auch daher nennt man die Burgunden – Vorläufer der späteren
Burgunder – „Nibelungen“. „Nibel“ oder „Nifl“ ist altgermanisch/altnordisch für Nebel.

Wieso dieser Essay? Der Themenkreis um die „Nibelungen“, ihren mythischen Schatz und das
Schicksal der Burgunden, sind fast zu abstrakt, zu phantastisch, und historisch schwer greifbar – und
liessen mich darum bisher eher kalt; wenngleich das Nibelungenlied, die Edda oder die Dietrichssage
eine grosse Geschichte und eine saftige, dramatische Story bieten, mit allen menschlichen Stärken,
Wünschen, aber auch Niederungen und Verfehlungen: ein wahrhaft starkes Stück Literatur!.
Nachdem ich seit über 12 Jahren im Schweizer Seeland wohne, und es daher recht gut kenne,
erkannte ich eher zufällig die möglicherweise zentrale Bedeutung der Gemeinde Erlach am Bielersee,
und sukzessive andere Indizien. Dann gab es kein Halten mehr, eins ergab das andere und eine
spannende Reise durch alte Sagen, Literatur und lokale Schauplätze begann.
Der genaue Verlauf ihres Schicksals, gar der sagenhafte Ort ihres Staats- oder Volksschatzes (welchen
jedes Volk der Völkerwanderungszeit mit sich führte, und mit Argusaugen hütete) ist bei den
Burgunden, wie bei anderen Völkern ihrer Zeit, nur in groben Eckdaten zu fassen, daher kann die
Herleitung dieses Essays nur auf Grund von Indizien erfolgen; weshalb die Frage „Liegt der
Nibelungenschatz im Schweizer Seeland?“ eine widerlegbare, oder auch zu beweisende, These
bleiben muss. Besonders attraktiv für Schweizer Leser und Schatzsucher: wäre es nicht ein
Schelmenstück der Sonderklasse, den legendären Nibelungenschatz in der Schweiz zu finden, gilt
doch die Sage um Siegfried, die Burgunden und deren Schatz als „Nationalepos der Deutschen“?
Meines Erachtens sprechen Namen und Orte der Sage, aber auch teilweise die Geografie der
Sagenereignisse, mehr für das Schweizer Seeland, als für den Niederrhein um Worms, Speyer und
Trier, wo seit Jahrhunderten vergeblich nach dem Nibelungenschatz gefahndet wird. Ein ermüdendes
wissenschaftliches Traktat soll und kann diese Abhandlung nicht sein; zumal ich nicht vom Fach bin,
nur ein historisch Interessierter, der aber dennoch die Quellenlage zu sichten und zu ordnen wagt1.
Die Quellen und Schlüsse mögen dann die entsprechenden Fachleute sezieren; doch dieser Text
richtet sich vor allem an interessierte „Normalsterbliche“  Als erster Überblick hier eine grobe
Zeittafel:

1

Dieser Essay fusst auf Angaben aus Wikipedia, ausser wo angegeben; Anmerkung für die Sprachpolizei: Schweizer Tastaturen verfügen
über kein „Dreierles-S“ – der Einfachkeit halber ist der Text mit reinen „S“ verfasst.

2

Zeittafel

406

Rheinübergang der Burgunden (zuvor wohl Landnahme zwischen Main und unterem Neckar)

413

Burgunden als römische „foederati“ (Verbündete) am Niederrhein

435

Burgunden verlieren gegen den römischen Heermeister Aetius

436

Burgunden verlieren abermals gegen Aetius und ein von ihm gedungenes Hunnenheer (siehe
Nibelungensage); wahrscheinlich haben die Hunnen unter ihrem legendären und gefürchteten Anführer
Attila mit ihrem Ansturm von Osten her die frühgermanischen Stämme vor sich hergetrieben bzw. zur
Flucht bewegt, und so die „Völkerwanderung“ mitausgelöst

443

Umsiedlung der (Rest-)Burgunder in die heutige Westschweiz/Genfer See/Seeland
(als Puffer gegen die vordringenden Alemannen)

451

Hunnen unter Attila erobern Metz, dann Reims, tieferes Eindringen ins heutige Frankreich

451

bald darauf „Schlacht bei den Katalaunischen Feldern“ bei Troyes (heutiges Frankreich):
Römer (unter Aetius), Burgunder, Westgoten, Alanen und andere gegen
Hunnen (unter Attila), Gepiden, Ostgoten, Heruler und andere. Die Römer und ihre Verbündeten,
auch die „westschweizerischen“ Burgunder, gewinnen (in der Nibelungensage erwähnt)

453

Tod Attilas (wohl an einem Blutsturz in der Hochzeitsnacht mit Ildico, einer germanischen, wohl
burgundischen, Königstochter, welche in der Nibelungensage „Krimhild“ genannt wird)

506

Burgunderkönig Sigismund wird Christ

507

Erstmals Name „Burgundia“ für neues burg. Reich zwischen Saône und schweizerischem Drei-Seen-Land

508

Ostgotenkönig Theoderich (Dietrich der Nibelungensage) schlägt die Burgunder

523

Franken attackieren Burgund, Burgund sucht Schutz bei den benachbarten
Ostgoten unter König Theoderich

526

Tod Theoderichs

534

Nach verlorener Schlacht bei Autun werden die Burgunder ins Frankenreich unter dem
Merowingerkönig Chlodwig eingegliedert, jedoch bleibt „Burgund“ als Name für ein eigenständiges
Volk zwischen Alpen, Jura und Saône

6.-7.Jh

Zwei burgundische Teilreiche entstehen, werden aber jeweils den Franken/Merowingern wieder
einverleibt, mit den Karolingern (Hausname, zurückgehend auf den fränkischen König Karl Martell), ab

751

fand das Burgunderreich ein Ende, jedoch bleibt der Landschaftsname erhalten

774

erste „Mark Verona“ unter Kaiser Karl dem Grossen

888-1133

„Königreich Burgund“ (unter burgundischem Zweig der Welfen: Rudolf I. als „König von Hochburgund“)

930/951

Rudolf II. und Konrad II. von Hochburgund bilden das „Königreich Arelat“

1031-1361

Kapetingerherzöge als französische Seitenlinie regieren in Burgund

1033

durch Erbfall geht Arelat an das „Heilige Römische Reich“;
Krönung von Kaiser Konrad dem Älteren in Payerne zum „König von Burgund“

1167

Der „Lombardenbund“ gegen Stauferkaiser „Barbarossa“(Friedrich I.) wird gegründet,
damit de-facto Ende der „Markgrafschaft Verona“

1268

Das Seeland und die Waadt fallen an das Reichsfürstentum Savoyen; damit Ende des „Burgunderreichs“

1363-.1477

Herzoghaus von Valois-Burgund, welchem auch Karl der Kühne angehörte; dieser verlor die
„Burgunderkriege“ gegen die Eidgenossen und ihre Verbündeten, und starb 1477.
Danach war Burgund endgültig Geschichte (zumindest bis 2017 nur Landschaftsname)

3

Soviel zu den historisch relevanten Ereignissen. Unsere schriftlichen Hauptquellen (das
Nibelungenlied, die Nibelungenklage, das Hildebrandslied und der Sagenkreis um Dietrich von Bern,
ebenso die altgermanische Sagensammlung der Edda, welche in Island überlebte) wurden allesamt
erst zwischen dem 10. Und 13. Jh. schriftlich aufgzeichnet - also 500-700 Jahre nach den infrage
kommenden Ereignissen - und zuvor jahrhundertelang mündlich tradiert. Alle diese mönchischklösterlichen Handschriften variieren stark, trotzdem gibt es Übereinstimmungen, welche teilweise
durch

historisch-archäologischen

Befund

bestätigt

werden.

Leider haben alte Sagen und Epen es so an sich, dass sie durch die Jahrhunderte nur zu gerne
historische Personen, Ereignisse, gar Epochen ineinander verschmelzen, wohl der besseren
Dramaturgie und Erzählbarkeit wegen (sogenannte „Synchronisierung“)2.

Einen sehr gelungenen, weil so kompakten wie lustigen Kurzfilm über die Nibelungensage finden
wir hier – mit Playmobil-Figuren , „Nibelungenlied to go“:
https://www.youtube.com/watch?v=-73bW3NWKmA

Die vorliegende Spurensuche will auch Hintergründe beleuchten und mögliche Querverbindungen
finden. Wer einen sagenumwobenen oder historischen Schatz suchen will, kommt aber um eine
Beschäftigung mit geschichtlichen Zusammenhängen leider nicht herum, weswegen dieser Essay
solche immer wieder kurz anführen muss, auch wenn das viele Leser strapazieren mag. Wem die
zahlreichen Details im Essay zu viele sind, der lese nur die Überschriften, das Fettgedruckte und das
Fazit am Ende des Textes. Sollte doch in der aktuellen Phone-Gesellschaft ja eigentlich kein Text die
Länge von 1-2 Phone-Displays überschreiten, zwecks Aufnahmefähigkeit. Gut, bleibt mehr vom
Schatz für uns 

2

Ein Gemeinplatz. Siehe Wikipedia: „Sage“ oder „Legende“; ebenso Joachim Heinzle, Philologe und Nibelungenspezialist in der
Fernsehproduktion „Auf den Spuren Siegfrieds – der Schatz der Nibelungen“ von J. Stumpfhaus und A. Meier, ARD/Phoenix 2007; In
„Einführung in die mittelhochdeutsche Dietrichepik“ de Gruyter, Berlin/ New York 1999, S. 5. schreibt Heinzle: „Die Synchronisierung von
Ereignissen und Personen, die verschiedenen Zeiten angehören, zielt auf die Konstruktion einer geschlossenen Heldenwelt, in der alles mit
allem zusammenhängt und jeder mit jedem zu tun hat.“ Ebenso Wikipedia unter „Dietrich von Bern“:
„Dieses Verfahren der Synchronisierung historischer Ereignisse und Personen aus verschiedenen Zeiten bei
der Erdichtung der heroischen Welt wurde bereits vom lutherischen Theologen und Historiker Cyriacus Spangenberg 1572 entdeckt.“

4

Indiz 1:
Wir beleuchten zunächst die Hauptprotagonisten der Nibelungensage: das historische Volk der
Burgunden. Dieser

ostgermanische Stamm der Völkerwanderungszeit gelangte nach der

Rheinüberquerung 413 zunächst als „Foederati“, also Verbündete der Römer, an den Niederrhein
zwischen Worms, Speyer und Köln. Die Burgunden wechselten dann aber öfters die Seiten, einmal
mit, einmal gegen die Römer, einmal mit, einmal gegen die Ostgoten unter deren König Theoderich.
Nachdem die Burgunder 435/436 gegen den römischen Heermeister Aetius, dann gegen ein von
Aetius gedungenes Hunnenheer (ohne Attila) verloren, wurden die Reste der Burgunder – wohl nur
ein paar 10000 Menschen3 – im Jahre 443 vom Niederrhein in das heutige Gebiet der Westschweiz
und Savoyens, zwischen Genfer See und dem Drei-Seen-Land, umgesiedelt (als Puffer gegen die
Alemannen).

Die Zerstörung des niederrheinischen Burgundenreichs und deren Weiterzug ins heutige Gebiet
Burgund sind Gegenstand der Nibelungensage. Die Burgunden nahmen auf Seiten der Römer dann
auch an der gewaltigen „Schlacht bei den Katalaunischen Feldern“4 451 teil, eine zweitägige
Völkerschlacht bei Troyes im heutigen Frankreich, in der die Römer und ihre Verbündeten gegen
Attilas Hunnenheer und deren ostgotische Verbündeten siegten. Auch diese Schlacht wird im
Nibelungenlied behandelt.

Jedenfalls blieben die Burgunder im Seeland, ihrer neuen Heimat sehr lange, wenn auch unter
wechselnden Herren und Vorzeichen.

3
4

„Illustrierte Berner Enzyklopädie, Landschaft und Stadt Bern von der Urzeit bis zur Gegenwart“, Büchler Verlag Bern, 1981, S.34
Siehe Wikipedia: „Schlacht bei den Katalaunischen Feldern“

5

Abb. 2: Das Burgunderreich ab 443 (dunkelgrün: Seeland inside!); Quelle: Wikipedia free commons (erstellt von Marco Zanoli)

Die Details: Unter fränkischer Bedrohung suchten die Burgunder zunehmend Schutz bei
Ostgotenkönig Theoderich, ein direkter Nachbar im Südosten, also in Norditalien. Dieser starb
allerdings 526, damit auch sein Schutz. Nachdem die Burgunder dann 532 in der Schlacht von Autun
gegen die Franken verloren, wurden sie 534 dem Frankenreich eingegliedert - mindestens bis 888,
dann firmierte das Seeland als Teil des fränkischen „Königreichs (Hoch-)Burgund“ bzw. „Königreichs
Arelat“ bis 1033. In diesem Jahr wurde Kaiser Konrad der Ältere in Payerne(!) zum „König von
Hochburgund“ gekrönt. 1031 bis 1361 regierten die Kapetinger-Herzöge als eine Seitenlinie des
französischen Königshauses im „Herzogtum Burgund“. Die Waadt und das Seeland fielen aber
1268/1269 an das Reichsfürstentum Savoyen. Danach tritt das „Herzogtum Burgund“ als Nachbar
des Seelands auf, und unter dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen kam es zu den berühmtberüchtigten „Burgunderkriegen“ 1476/77 (siehe Wikipedia), in welchen der Burgunderherzog
geschlagen, vertrieben und letztlich getötet wurde. Burgund war mithin Geschichte.

Wir halten fest: Das Schweizer Seeland gehörte über 800 Jahre zu Burgund, genauer: von 443-1268,
in welcher Form auch immer. Also auch schon zur „Nibelungenzeit“!

6

Indiz 2:
Dann kommen wir zum Sagenkreis um Dietrich von Bern, der die Nibelungensage ergänzt/erweitert.
„Dietrich von Bern“, der in der Nibelungensage eine wichtige Rolle als Schlichter und Rächer spielt,
war eine seit dem frühen Mittelalter bei Volk und Adel in allen deutschen Landen äusserst beliebte
Heldenfigur. Die Stadt Bern wurde jedoch erst 1191 vom süddeutsch-badischen Geschlecht der
Zähringer gegründet, also nach den Ursprüngen der Dietrichs-/Thidrekssage.

Nebenbei: Das keltische Oppidum der Engehalbinsel unweit des heutigen Stadtkerns Jahrhunderte
zuvor nehme ich hier aus, obschon neuere Mutmassungen den Namen „Bern“ an ein keltischhelvetisches „Brenodor“ oder „Berna“ anlehnen, was auch gefundene Votivgaben mit
Bärendarstellungen aus dieser Zeit bestätigen sollen. Kann sein, muss aber nicht. Die populäre
Legende um den von Berthold V. erlegten Bären jedenfalls, der namengebend für die Stadt gewesen
wäre, ist wohl eine sogenannte „Volksethymologie“5, und daher zu verwerfen.

Hingegen spricht viel dafür, dass der Stadtgründer, der Zähringerherzog Berthold V., die Stadt Bern
aufgrund der damaligen Popularität der Dietrichssage wohl wirklich nach diesem allseits beliebten
„Dietrichsbern“ (eigentlich Verona, dazu unten mehr) benannt hat, um der neuen Stadt Glanz und
Ansehen zu verleihen6, quasi eine historische „Rückkopplung“: Bereits 774 gründete der Kaiser Karl
der Grosse eine „Mark Verona“, welche auch als „Markgrafschaft Verona“ immerhin bis 1167
fortbestand. Solche „Namensanalogien“ wie im vorliegenden Fall „Bern“ tauchten bei Kolonisten und
Neugründern aller Zeiten oft und gerne auf (siehe „Neu-York“, „Neu-Bern“, „Neu-Amsterdam“, „NeuBerlin“ etc.), und waren auch im Mittelalter bei Neugründungen durchaus üblich, ebenso „Mythenoder Heldennamen“7. Jedenfalls war diese Markgrafschaft (Verona-Bern) wohl wirklich sagenhaft
und damals in aller Munde, weil „über den Bergen“. Gleichwohl schlug der berühmte Ostgotenkönig
Theoderich dort im Jahre 490 eine grosse und siegreiche Schlacht, und unterhielt dort eine
Residenz, obschon er seinen Regierungssitz dann ins ebenfalls norditalienische Ravenna verlegte, wo
er nach seinem Tod 526 in einem imposanten Mausoleum bestattet wurde, welches man heute noch
besuchen kann.

5

Eine Fehl- oder Eindeutung; siehe Wikipedia: „Volksethymologie“
Prof.Dr. Vetter, Bern, in „Und Bern ist doch Deutsch-Verona!“, S.22 ff. in „Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Alterskunde“, Heft
½, Mai 1908
7
Mythen- und Heldennamen sind z.B. Alexandria, Phoenix, Theben in den USA etc.; Zu Rückkopplungen und Namensanalogien: Prof.Dr.
Vetter, Fn. 6, S.23-24; ebenso T. Stolz und I. Warnke in „Koloniallinguistik: Sprache in kolonialen Kontexten“, S. 130
6

7

Forschung und Literatur sind sich weitgehend einig, dass im gesamten Früh- und Hochmittelalter
der Name „Bern“ – zumal vor der Gründung des schweizerischen Bern 1191 – in deutschen Landen
immer die norditalienische Stadt und Markgrafschaft Verona meinte (Spracherleichterung und
Lautverschiebung von V zu B)8.

(Abb.3: links die Burgunder neben Theoderich bis 526, rechts die Markgrafschaft Verona um 1000;
Quelle: Wikipedia commons)

Die „Heldentaten“ des Ostgotenkönigs Theoderich um 500 (wir erinnern uns, der direkte Nachbar
und zuweilen Protektor der Burgunder, die damals schon im Seeland ansässig waren!)
dienten aber ebenfalls als Vorlage für die Nibelungensage. So meint die frühmittelalterliche
Dietrichssage/Nibelungensage wohl diesen Ostgotenkönig Theoderich in der zeitgenössischen
Markgrafschaft Verona; Bern wurde erst 1191 gegründet. Theoderich existierte vor der historischen
Markgrafschaft

Verona,

aber

herrschte

in

ihrem

Gebiet;

er war somit kein Zeitgenosse der niederrheinischen „Burgunden“, und schon gar nicht von Siegfried,
dem Drachentöter (dazu später mehr); ebenso wenig vom Hunnenkönig Attila, (gestorben 451, in
den relevanten Sagenkreisen „Atli“ oder „Etzel“ genannt), welchem Theoderich/Dietrich gar nicht
begegnet

sein

konnte.

Höchstens

noch

8

als

zweijähriger

Knabe

Björn Schultz: „Hildebrandslied“ in http://www.mittelalter-entdecken.de/hildebrandslied/,
1. Februar 2016; T. Frömel und K. Weseslindtner in: „Theoderich im Sagenkreis um Dietrich von Bern“, Universität Wien, S.3; ebenso
Prof.Dr. Vetter, Bern, Fn. 6, S. 5f.; F.W. Genthe in „Deutsche Dichtungen des Mittelalters“, Dritter Band, Eisleben 1816, S. 123, 130, 307

8



Im Zuge der „Synchronisierung“ verschiedener Personen, Orte und Epochen (siehe Fussnote 2:
„Synchronisierung“) ist es daher nicht erstaunlich, dass in der Nibelungensage Dietrich/Theoderich
plötzlich neben Attila, Siegfried und andern auftaucht usw.

Der „Dietrich“ der Sage lädt dann die Burgunden als Freunde an seinen Hof in „Bern“(also Verona).
Dieselben waren seit 443 ein direkter Nachbar Theoderichs, und auch nahe der späteren
Markgrafschaft Verona, dies sogar während 400 Jahren. Diese „doppelte Nachbarschaft“ und deren
Verschmelzung in der Sage ist m.E. ein starkes Indiz, das alleine geografisch und historisch viel
mehr hermacht als eine hypothetische Reise der Burgunden vom weit entfernten Niederrhein nach
Verona.
Im Seeland waren die Burgunder erheblich länger ansässig.

Und noch ein wichtiges Motiv der Dietrichssage kann uns weiterhelfen:
König Laurin und sein Rosengarten:
Dietrich rang mit dem Zwergenkönig Laurin, der in den Bergen seinen Schatz versteckt und mit einem
„Zwölfmanngürtel“ über ungeheure Kräfte verfügt. Danach floh Laurin mit Hilfe seiner „Tarnkappe“
in den Rosengarten, wurde dort aber gefunden und von Dietrich und seinen Recken besiegt, die
Laurin zuvor seinen magischen Gürtel entreissen konnten. Nachdem Laurin sein Friedensversprechen
gebrochen hatte, wurde er an den „Berner Hof“ weggeführt. Laurin belegte daraufhin Schatz und
Rosengarten mit einem Fluch: dass keiner, sei es Tag oder Nacht, seinen Garten jemals mehr sehen
würde. Er vergass aber die Dämmerung, worauf immer morgens und abends sein Garten in
schönstem Rot erstrahlt (die Dolomiten im Sonnenrot, unweit Bozen in Südtirol9).
Übrigens finden wir auch im Schweizer Bern einen „Rosengarten“10, einen Park mit wunderbarem
Blick auf Berns Altstadt. Wobei dieser den Namen „Rosengarten“ erst seit dem 18. Jh. trägt, und bis
ins 19. Jh. als Friedhof fungierte. Doch wie der Stadtname selbst, entstand der Name „Rosengarten“
wohl ebenfalls in Anlehnung an die Dietrichssage.

9

Siehe Wikipedia: „König Laurins Rosengarten“
http://www.bern.ch/themen/freizeit-und-sport/grunanlagen/wichtige-parkanlagen/rosengarten

10

9


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