2017 Tenman Tenjin und die Module. Hoch .pdf

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Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt am Main

Fachbereich 09: Sprach und Kulturwissenschaften
– Japanologie –

Tenman Tenjin und die Module
Lisette GEBHARDT

Japanologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Senckenberganlage 31
D-60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069-798-23287 (Sekretariat)
Fax: 069-798-22173
E-Mail: paulat@em.uni-frankfurt.de
www.japanologie.uni-frankfurt.de

© L.Gebhardt 2017

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT
1. „SAPERE AUDE!“ – VORBEMERKUNG
2. ZEITGEISTWANDEL UND DER BRIEF EINES JAPANOLOGEN
3. WENN DER REFA-MANN KOMMT: KONTROLLIERTE
UMGEBUNG UNIVERSITÄT?
4. „KRITISCHE JAPANOLOGIE“? ZEITGESCHICHTE,
REFLEXIONEN, ORIENTIERUNGEN
5. BOLOGNESER PSYCHOGRAMM ODER IM MODULIUM
6. GEBETE AN TENMAN TENJIN
LITERATURVERZEICHNIS
ANGABEN ZUR VERFASSERIN

VORWORT
Selbst Teil der Geschichte geworden zu sein, ist für einen
Historiker vermutlich ein naturgemäßes, nicht allzu
gefürchtetes Schicksal. Tatsächlich erlebt die klassische
Existenzform des Japanologen als ideengeschichtskundigem Gelehrten, als Kenner von vormodernem
Schrifttum oder von japanischer Literatur, Kultur und
Kunst gegenwärtig einen einschneidenden Wandel.
Während eine aktualisierte Geschichte des Fachs noch
aussteht, brachte die Universitätsreform der 2000er Jahre,
deren Ziel es ist, die Universitäten am Ökonomisierungsmodell auszurichten, Strukturen und Einstellungen hervor,
die den – auf die Welt des Sprachlichen und der Gedanken
gerichteten, geschichtlich orientierten – Wissenschaften wie
der Japanologie immer weniger Raum zur Entfaltung lassen.
Insofern sind Japanologen und Japanologinnen der älteren
Generationen in die Lage geraten, den zunehmend stärker
im Sinne des neuen Kunden-Habitus geprägten Studierendengenerationen die philologische Betätigung als sinnvolles
Tun nahezubringen, bis sich bei den Lehrenden mit den
Semestern der Eindruck verdichtet haben mochte, sie
inszenierten für ein staunendes, im schlimmsten Fall
gelangweiltes Publikum akademische Folklore. Der Dozent
sollte deshalb neben dem eigentlichen Seminarinhalt – als
Akteur im wahrsten Sinn des Wortes sowie als betroffener
Zeitzeuge – sein Entfremdungsempfinden mitteilen, die

Brüche im System nicht mühevoll bemänteln wollen.
Eventuell gelingt es ihm dann, eine derzeit wohl vielerorts
zu konstatierende, seltsam unwirkliche Simulanzsituation,
wieder in die Stimulanzerfahrung „Universität“ umzusetzen.
Der folgende Exkurs zur universitären Bildungsreform
ist Klaus Antoni gewidmet, bei dem ich an der Ludwig
Maximilians Universität in München ab dem
Wintersemester 1982/1983 Seminare belegte, die – ohne
die Vergangenheit über Gebühr zu verklären – eine
akademische Realität in ihrer bestmöglichen Form erzeugt
haben.
Eine Kurzversion des Texts ist im Band „Religion,
Politik und Ideologie. Beiträge zu einer kritischen
Kulturwissenschaft. Festschrift für Klaus Antoni“ (2018)
enthalten, das vorliegende Heft gibt die längere Originalversion aus dem Jahr 2017 wieder.

Lisette Gebhardt
Frankfurt am Main, Oktober 2017

Tenman Tenjin und die Module.
Hochschulreform, Forschungsfreiheit und Mindframing
aus der Perspektive einer kritischen Japanologie

1. „Sapere aude!“ – Vorbemerkung
Der Beitrag befasst sich mit der Frage nach dem, was man
als intellektuelle Haltung eines Hochschuldozenten
bezeichnen könnte. 1 In den Zeiten der Reformuniversität
kommt diesem akademischen Selbstverständnis und dem
sich am Bild des das „Denken wagenden“ Dozenten
1

Im Nachschlagewerk „Bologna-Bestiarium“ heißt es mit dem Soziologen
Tilman Reitz (*1974; Universität Jena) allerdings: „In Selbstbeschreibungen der Hochschule kommen Intellektuelle nicht vor“ (2013:
122).
1

orientierenden Geisteswissenschaftler einige Wichtigkeit zu.
Wie sich ein Fachvertreter zu bildungspolitischen Vorgaben
und zu Einflussnahmen des Verwaltungsapparates bzw.
anderer Akteure positioniert, ist entscheidend, denn die
diversen Steuerungsmaßnahmen kollidieren häufig mit den
Interessen der Wissenschaft.
Klaus Antoni, für den der vorliegende Beitrag
geschrieben wurde, hat für sich den Leitspruch „Sapere
aude!“ gewählt. Er vertritt die sich „frei“ verstehende,
individuell durchgeführte Forschung und eine auf ihr
basierende Lehre. Mit seinen Studien knüpft er an das Ideal
des Erkenntnisstrebens um der Erkenntnis willen an. Seine
Themen sind Religion und Identität Japans in Geschichte
und Gegenwart, konkreter die „Erfindung von Traditionen“,
Mythologie und die Legitimation von Macht sowie die
historischen Stadien des japanischen Nationalismus.
Darüber hinaus hat der Japanologe sich manches Mal in der
breiteren Öffentlichkeit zum aktuellen Geschehen geäußert,
etwa zur Beisetzung des Shôwa-Tennô 1989 oder 2011 zur
Dreifachkatastrophe von Fukushima. Nicht unbeachtet ließ
Antoni auch den Aspekt des Interkulturellen, die
komparatistische Perspektive und das Fallbeispiel Japan im
Rahmen gegenwärtiger Gesellschaftsdiskurse. 2 Japanologie
2

Es handelt sich um einen Beitrag des Japanologen im Band „Ware
Mensch. Die Ökonomisierung der Welt“ (2014). Zur Einführung zum
gleichnamigen Kolloquium siehe <https://vimeo.com/20446561>; auf
der Seite findet sich folgende Beschreibung der Veranstaltung: „Was ist
der Wert der Werte? Wie viel an Werten und welche Werte ‚leisten‘ wir
uns? Ohne die Frage auf Brechts Diktum ‚erst kommt das Fressen, dann
kommt die Moral‘ reduzieren zu wollen, sollte in der Veranstaltung
doch diskutiert werden, wie weit der massive, durchgehende Umbruch
in Richtung auf eine ‚Ökonomisierung‘ des Denkens und Entscheidens
2

sei hier als „Brücke des Verstehens“ zu begreifen, d.h. als
ein kulturelles Wissen vermittelndes Fach in Zeiten der
Globalisierung. Argumentationen in diesem Kontext sollten
allerdings nicht zu flach geraten, um sich – zum „globalisierten Zynismus“ mutiert – dem Ökonomisierungstrend
anzudienen und damit dem differenzierenden wissenschaftlichen Ansatz zuwiderzulaufen.
Insofern zeigt sich der ehemalige Student der
Mythenforscherin Nelly Naumann (1922-2000) als
vielseitiger Hochschullehrer, der originäres Fachwissen
generiert und universitätsintern vermittelt, der Forschung
betreibt im Sinne unabhängiger, nicht unbedingt von
konservativer japanischer Seite gewünschter ideologiekritischer Studien, gleichwohl geachtet von japanischen
Kollegen und ein Fürsprecher des Fachs, der dessen
Bedeutung nach außen trägt – während er im Hochschulsystem als latent „widerständiges Element“ besteht. 3

unsere Werteskalen und Maßstäbe verändert.“ Die Veranstalter, die
Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer (*1947) und Manfred
Stassen (*1939; „empowerment der Sprache“), betonen die
epistemologische Funktion von Literatur bzw. die Wichtigkeit des
Sprachlichen / der Literatur bei der Erkenntnis der Umstände und der
Ausbildung von „Handlungsfähigkeit“ angesichts einer globalen
Situation, der mit neoliberalistischen Vorgaben und der „Reduktion von
Valenzen / Komplexität“ (= „linearer Mensch“, „messbarer Kunde,
transparentes Wesen als Faktor der Kalkulation“) begegnet werden soll.
Andere Kommentare des Symposiums: „Alles was interessant ist, geht
verloren“ (Anil Bhatti) oder „Die Literaturwissenschaft ist eine
Vorbereitung auf das Leben“ (Chetana Nagavajara).
3
Die Vokabeln „widerständig“ / „Widerständigkeit“ sind eine aus der
angloamerikanischen Debatte stammende Prägung der neuen Rede von
Selbstbehauptung und „Selbstermächtigung“ (empowerment) innerhalb
3


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