2018 09 01 Maria Arlt Bericht fin .pdf

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Author: Maria Arlt

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Fest der Demokratie „Schöner leben ohne Nazis“ am 1. Sept. 2018 auf dem AliceSalomon-Platz in Hellersdorf

Wie feiert man Demokratie, und das schon zum 10. Mal? Eine Antwort wollte ich am 1.
Sept. 2018 auf dem Alice-Salomon-Platz finden. Da die Einladung sich an alle Bürger aus
Marzahn-Hellersdorf richtet, speziell auch an Familien mit Kindern, war ich sehr gespannt,
was mich da wohl erwartet.
Zwei “Bunte Touren” zum AliceSalomon-Platz, so war es in der
Pressemitteilung des
Bezirksamtes zu lesen. Der
Bezirk ist groß, mehr als
260.000 Einwohner leben hier.
Ich war gespannt, wie viele
Menschen da wohl durch den
Stadtbezirk ziehen. Ein paar
Autos, ein paar Kinder, ein paar
Erwachsene, so um die 30
Leute oder hoch geschätzt auch
40 waren es.
Es gab viele Stände: Parteien, Initiativen,
Gewerkschaften, kirchliche Gruppen u. ä. Manche
Gruppen kenne ich schon, andere nicht. So begann
ich meinen Rundgang mit „Die Partei“. Dort lag
Eindeutiges, Zweideutiges und wirres Zeug aus.
Von „FCK AFD“ über „Samen geht immer“ bis „Hier
könnte ein Nazi hängen“, war alles dabei. Da ich
meinen Augen und meinem Verstand kaum trauen
konnte, was mir hier zugemutet wurde, habe ich die
Herren am Stand um Erläuterungen gebeten. Diese
konnte mir keiner geben, es würde sich alles selbst
erklären. Na gut, so habe ich mich an die
herumstehenden Polizisten gewendet, ob sie so
freundlich wären und sich diesen Stand ansehen
könnten. Und siehe da, nach einem Gespräch mit
dem Polizisten wollte man auch keinen Nazi mehr
aufhängen.
So zog ich weiter auf der Suche nach der feierlich
erhobenen Demokratie. So kam ich an einen Stand
mit netten jungen Menschen, die für eine
Ferienfahrt nach Tschechien gesammelt haben.
Kuchen und Kaffee wurde verkauft. Das fand ich
gut, da habe ich gleich 5 € gespendet.
Dann stieß ich auf ein bekanntes Gesicht beim pad e. V. Es wurde für eine Elterninitiative
geworben, die gegen Rechtsextremismus bei Kindern kämpfen will. Finde ich richtig,
Extremismus ist eine schlimme Sache, ob bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Aber was
kann ich denn machen, wenn mein Kind linksextrem ist oder eine ganze Familie dem
Linksextremismus verfallen ist. Schulterzucken, vielleicht weiß die Frau da drüben mehr.

Die Frau von da drüben war nicht zu finden, also bin ich zum nächsten Stand gegangen.
Es standen viele rote Stühle immer paarweise zusammen. Hier fand das sog. Politische
Speed-Dating statt. Einer unserer Parteifreunde war heftig am Diskutieren. Ich habe mich
erkundigt, wer hier zum Gespräch einlädt und was das Ziel dieser Aktion sei. Menschen
unterschiedlicher Überzeugungen sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Na,
das ist doch mal was. Vielleicht gibt es hier
die von mir gesuchte gelebte Demokratie.
Ich nahm mir einen Zettel mit den Fragen
mit und wollte wieder vorbeikommen. Da
wurde ich beim Rumschlendern
angesprochen, ob ich beim Speed-Dating
mitmachen würde. Worum geht es da,
schnell einen neuen Partner finden, nein
brauch ich nicht, ich bin verheiratet. Nein,
nein, hier ginge es um politische
Diskussionen. Ach ja, die roten Stühle und
der Fragenkatalog. Das ist eine nette
Sache, klar bin ich dabei.
Mit verschiedenen Personen habe ich über
verschiedene Dinge gesprochen. In der
offenen Gesprächsatmosphäre gab es
einiges Interessantes zu hören. Dann war
ich bei Frage 4 angekommen und Franz aus
Kreuzberg saß mir gegenüber. „Glauben
Sie, es macht Sinn, mit politisch
Andersdenkenden zu reden?“ Na klar, auf
jeden Fall. Da musste ich nicht lange
überlegen. Wir waren doch mitten dabei.
Aber wieso, kam von meinem Gegenüber.
Das wir nicht vom gleichen politischen Lager
waren, war so sicher wie das Amen in der
Kirche. Dann haben wir festgestellt, dass
Franz von den Grünen war und ich von der
AfD. Beide sitzen wir in der BVV, ich in
Marzahn-Hellersdorf und er in Kreuzberg.
Gespräch beendet? Nein, jetzt wurde es doch erst interessant. Wir haben noch eine Weile
miteinander diskutiert. Franz hat wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben mit
jemandem von der AfD geredet und wie ich hoffe, etwas dazugelernt und ich
selbstverständlich auch. Egal wie irre einem manches vorkommt, z. B. ein Demokratiefest,
auf dem aufgehängt, entsorgt und politisch Andersdenkende beschimpft werden, gibt es
auch gelebte Demokratie, die sich auf den Dialog einlässt und den politischen Gegner als
Menschen auf Augenhöhe wahrnimmt.

Maria Arlt


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