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Als in den deutschen Zeitungen Fotos von der Party von einem glamourös gestylten Schröder in
herzlicher Umarmung mit dem russischen Präsidenten erschienen, herrschte allgemeine Empörung.
Wegen der Ukrainekrise standen die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zum
Zeitpunkt der Party extrem unter Spannung. Die zögerliche Antwort des Westens auf Putins Invasion
auf der Krim hatte zu zunehmender Aggression der pro-russischen Miliz in der Ostukraine geführt,
und nur wenige Tage zuvor waren vier deutsche Mitglieder der OSZE-Überwachungskommission als
Geiseln genommen worden. Nun war ein peinliches diplomatisches Patt entstanden. Putin wies
öffentlich jegliche Verantwortung von sich, während der Anführer der prorussischen Separatisten in
der ukrainischen Donezk-Region Pläne für die Gründung einer unabhängigen Volksrepublik Donezk
ankündigte und den Austausch der „NATO-Spione“ gegen gefangen genommene russische Kämpfer
verlangte. 3
Schröders Nachfolgerin im Kanzleramt, Angela Merkel, zeigte sich wütend darüber, dass ihr
Vorgänger sich nicht an die Konventionen hielt und es unübersehbar zuließ, als Werkzeug russischer
Propaganda herzuhalten. Ihr Zorn und ihre Missachtung ihm gegenüber wurden in den deutschen
Medien weitgehend geteilt. Das renommierte Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” warf Schröder vor,
die deutsche Außenpolitik zu verunglimpfen.
“Für Verwandtschaft kann man nichts” hieß es im Leitartikel des Magazins, “aber seine Freunde kann
man sich aussuchen. Diese alte Weisheit gilt auch für Gerhard Schröder, den ehemaligen
Bundeskanzler und Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Es ist seine Sache, von
wem er sich umarmen lässt und mit wem er seinen 70. Geburtstag feiert – schließlich halten wahre
Freunde auch in schwierigen Zeiten zusammen. Normalerweise nennt man so etwas
Charakterstärke.“
„Aber in der Sache Schröder-Putin sind die Dinge wegen der aktuellen Krise in der Ukraine etwas
komplizierter. Gerhard Schröder sollte es besser wissen. Wenn der frühere deutsche Bundeskanzler
meint, er kann mit seiner Freundschaft so weitermachen als ob nichts passiert sei, so ist das ein
Irrtum. Schröders eigene Sozialdemokratische Partei der linken Mitte ist Koalitionspartner in der
Regierung Angela Merkels, die gerade krampfhaft versucht, seinen Freund Wladimir davon
abzuhalten, in Osteuropa die Politik eines machtverliebten Hegemons zu betreiben. In solch
schwierigen Zeiten sollte ein ehemaliger Regierungschef zumindest in der Öffentlichkeit einen
Sicherheitsabstand zu Putin einhalten.”
Schröder, seit langem Putins Apologet, der seinen Freund einmal sogar als einen “lupenreinen
Demokraten” 4 bezeichnete, machte dem russischen Regierungschef freilich ein nützliches
Propagandageschenk mit den Fotos von seiner Geburtstagsparty. Mit ihrer Hilfe konnte die
Aufmerksamkeit von Putins Stellvertreterkrieg in der Ukraine abgelenkt und der Eindruck erweckt
werden, die Ukrainekrise sei nur eine Petitesse, weitgehend ein Anliegen von Anderen und keine
Angelegenheit, die sich störend auf die naturgemäß guten Beziehungen zwischen Deutschland und
Russland auswirken dürfe. So etwa hatte es Herr Schröder nur wenige Monate vorher ausgedrückt,
als er behauptete, Russland hätte berechtigte Befürchtungen, eingekreist zu werden, wobei er sich
auf “unglückliche Entwicklungen” an den Randgebieten der einstigen Sowjetunion bezog und die
Aktion des Kremls auf der Krim sogar mit einer Aktion seiner eigenen Regierung verglich, die die
NATO bei der Bombardierung auf serbische Ziele während der Kosovokrise in 1999 unterstützt hatte.

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“Pro-Russia Rebels Hold German-led Observers Hostage” Financial Times, 27.April 2014
„Besondere Geburtstagsfeier mit Putin“, Die Zeit, 29 April 2014
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