Zur Theorie der Elektrolyte I. P. Debye und E. Hückel (1923). Physikalische Zeitschrift.pdf


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menhangs zwischen den beiden Abhängigkeiten von Leitfähigkeit einerseits,
und osmotischem Druck andererseits von der Konzentration. Eine große
Gruppe von Elektrolyten, die starken Säuren, Basen und die Salze derselben,
zusammengefasst unter dem Namen der „starken“ Elektrolyte, zeigt nun von
den nach der klassischen Theorie geforderten Abhängigkeiten ausgesprochene Abweichungen, welche bemerkenswerterweise umso klarer hervortreten,
je verdünnter die Lösungen sind2 . So ist es, wie im Laufe der Entwicklung
erkannt wurde, nur mit einer gewissen Annäherung möglich, aus f0 , auf dem
nach der klassischen Theorie geforderten Weg, auf die Abhängigkeit der
Leitfähigkeit von der Konzentration zu schließen. Aber auch die Abhängigkeit des osmotischen Koeffizienten f0 selber von der Konzentration wird
ganz unrichtig wiedergegeben. Bei stark verdünnten Lösungen nähert sich
f0 dem Werte 1; trägt man nun 1 − f0 als Funktion der Konzentration c auf,
so verlangt die klassische Theorie für binäre Elektrolyten, wie etwa KCl,
dass diese Kurve in den Nullpunkt einmündet mit einer endlichen (durch die
Gleichgewichtskonstante K bestimmten) Tangente. Zerfällt das Molekül des
Elektrolyten allgemein in ν Ionen, so ergibt sich nach dem Massenwirkungsgesetz für kleine Konzentrationen:
ν − 1 cν−1
·
,
ν
K
so dass in Fällen, wo der Zerfall in mehr als 2 Ionen stattfindet, die fragliche
Kurve sogar eine Berührung höherer Ordnung mit der Abszissenachse aufweisen müsste. Den Komplex dieser Abhängigkeiten stellt das Ostwald’sche
Verdünnungsgesetz
1 − f0 =

α2 c
1−α
mit dem Dissoziationsgrad α und der Konzentration c dar.
Tatsächlich zeigen die Beobachtungen an starken Elektrolyten ein ganz abweichendes Verhalten. Die experimentelle Kurve verlässt den Nullpunkt
K=

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Eine zusammenfassende Darstellung über diesen Gegenstand verfasste L. Ebert, Forschungen über die Anomalien starker Elektrolyte. Jahrbuch der Radioaktivität und Elektronik,
Leipzig. S. Hirzel Verlag, Band 18, Seite 134, (1921).

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