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Gefühle auf Wanderschaft
„Projektive Identifikation“ am Beispiel „Aggression“
Tina Gebbeken

Von mir selbst behaupte ich immer wieder, dass ich Menschen meide, die ein Problem mit ihren
eigenen Aggressionen haben. Dies, weil ich immer wieder feststellen konnte, dass diese Menschen
es schaffen, mich sprichwörtlich „auf die Palme zu bringen“. Oder eigenverantwortlicher
ausgedrückt: Dass ich mich von solchen Menschen immer wieder auf die Palme bringen lasse.
Warum ist das so? Wir dürfen davon ausgehen, dass Aggression als solche weder gut noch schlecht,
sondern ein evolutionär sinnvolles Gefühl ist, das auch heute – wohldosiert und zur richtigen Zeit–
durchaus seinen Platz haben darf. Ebenso wie Freude, Angst, und Traurigkeit.
Menschen, die dieses Gefühl nicht zu kennen glauben, spalten demnach einen wichtigen Teil ihrer
selbst ab. Da aber auch diese Menschen immer wieder Gründe für aggressives Verhalten haben
werden, beauftragen sie gleichsam unbewusst andere, dieses Gefühl für sie auszuleben. Dies
funktioniert, weil wir als Menschen nicht so sehr voneinander getrennt sind, wie uns materielle
Wissenschaften glauben machen wollen. Die Psychologie spricht hier erstmals mit Melanie Klein
vom Phänomen der „projektiven Identifikation“: Ein Gefühl wird abgespalten, auf andere projiziert,
um sich dann selbst wieder damit identifizieren zu können. Oder anders ausgedrückt: Ich bringe
andere Menschen dazu, unbewusste Teile meiner selbst an meiner statt auszuleben.
Nun begibt sich nicht jeder, der sich der projektiven Identifikation bedient, in therapeutische
Behandlung, und muss dies auch gar nicht. Und ich selbst, die ich einen – positiv formuliert –
leichteren Zugang zu meinen Aggressionen habe, kann mich in die Lage bringen, durch
Selbstachtsamkeit, Gespräche oder eben auch Vermeidung diesen Mechanismus zu entlarven und
damit auch aufzulösen.
Ein Problem sehe ich aber dann, wenn sich Menschen mit derart unbewussten Verhaltensmustern
dazu entschließen, selbst im psychiatrischen System zu arbeiten. Wenn sie Verantwortung
übernehmen müssen für Menschen, die gerade eigentlich ein stabiles und einigermaßen
„aufgeräumtes“ Gegenüber brauchen.
Während meiner nun einige Jahre zurückliegenden psychotischen Manien hatte ich das Gefühl, dass
mich die Emotionen anderer regelrecht an sprangen und ich sie wie ein Schwamm in mich aufsog.
Das war weniger problematisch, wenn ich ein geerdetes und ruhiges Gegenüber hatte. Bei eher
unsicheren und „flatterhaften“ Pflegern endete dies hingegen das eine oder andere Mal damit, dass
ich mehrere Stunden mit Haldol und Benzodiazepinen zugepumpt auf dem Fixierbett zubrachte.
Weder möchte ich hier anderen die „Schuld“ an meinen eigenen instabilen Zuständen geben, noch
im Nachhinein mit dem Finger auf sie zeigen. Da ich nun aber selbst als „Expertin aus Erfahrung“
im psychiatrischen System tätig bin und nicht nur eine Alibifunktion ausführen möchte, da
außerdem Zwang und Gewalt – und daraus resultierende Todesfälle! – immer noch ein Thema in
der Psychiatrie sind, möchte ich schon die Frage stellen dürfen: Was treibt Professionelle eigentlich
an, im psychiatrischen System tätig zu sein? Wie sehr machen sie sich ihre eigenen unbewussten
Anteile oder Schatten bewusst, um sie nicht an Hilfebedürftigen ausleben zu müssen?
Nun habe ich ein recht extremes biografisches Beispiel gewählt, um die Relevanz dieser Fragen
deutlich zu machen. Jedoch denke ich, dass sich derlei „Schattenspiele“ auch in anderen Situationen
zwischen Profis und Klienten zeigen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass eine Psychiatrie, in der nur „austherapierte“ Professionelle
arbeiten, die vollständig „mit sich im Reinen sind“, eine kaum zu erreichende Utopie darstellt.
Meine Rolle als „Expertin aus Erfahrung“ sehe ich aber auch darin, den „Profis“ unangenehme
Fragen zu stellen. Und mein Verdacht ist: Je unangenehmer sie für den Einzelnen sind, umso
relevanter sind sie für das System.


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