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Stralsunder Zeitung · Die Unabhängige für Mecklenburg-Vorpommern

OSTSEE

ZEITUNG

AM WOCHENENDE

Sonnabend/Sonntag, 30./31. August 2014
www.ostsee-zeitung.de

Nr. 202 | 35. Woche | 62. Jahrgang
C4948A | 1,20 €

3. LIGA
7. Spieltag
FSV Mainz 05 (II)
FC Hansa Rostock

0:2
Dank des Treffers von Mittelfeldmann
Christian Bickel (50.) und einem
Elfmetertor von Marcel Ziemer (90.+3.)
können die Küstenkicker
die Krise beenden. Sport

Bornholm – Rügen: Kanu-Stars trainieren für Rekord-Törn
Stralsund – Rekord-Törn auf der Ostsee:
Sechs Kanuten unter der Ägide von Dreifach-Olympiasieger Andreas Dittmer

Stralsund soll eine
Million zahlen für
„Gorch Fock“
Stralsund – Der geplante Kauf des
Traditionsseglers „Gorch Fock“
durch die Hansestadt droht zu einer kostspieligen Angelegenheit
zu werden. So verlangt allein der
Eignerverein „Tall ship Friends“ einen Preis von einer Million Euro,
obwohl der Schrottwert der Bark
maximal 416 000 Euro betragen
soll. Dennoch wird in einem von
der Stadt in Auftrag gegebenen
Gutachten der Kauf des Schiffes als
„sinnvoll“ empfohlen. Lokales

Barhöft wird
Sommerhafen für
Offshore-Schiff
Rostock – Die Siemens AG verdient
in MV mit der Wartung von Offshore-Anlagen Geld. Derzeit wartet das Unternehmen die OstseeWindparks „Baltic 1“ und „2“ vor
dem Darß und vor Rügen. Für den
Offshore-Service wird jetzt in Norwegen ein Arbeitsschiff gebaut,
mit dem Servicekräfte ab 2015 die
Windparks betreuen sollen. Sommerhafen des Arbeitsschiffes soll
Barhöft bei Stralsund sein. Im Winter liegt es in Rostock. Seite 7

(vorn) trainieren hier vor Hiddensee für den
100-Kilometer-Ritt von Bornholm nach Rügen. Nächsten Sonnabend werden zwei

D

der modernen Zeit hat noch nie eine Crew
in Auslegerbooten eine so lange Strecke
Foto: Stralsunder Kanu-Club
absolviert. Seite 5

Tödliche Keime in der Ostsee:
Urlauber stirbt an Infektion
Ein weiterer Badegast lag drei Monate im Koma. Die gefährlichen Vibrionen-Bakterien
vermehren sich an der Küste rasant, wenn das Wasser wärmer als 20 Grad ist.
Von André Wornowski
Rostock – Gefährliche Bakterien:
Mindestens ein Urlauber ist in diesem Jahr nach dem Baden in der
Ostsee an einer Vibrionen-Infektion gestorben. Das bestätigt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus). Insgesamt seien in
Mecklenburg-Vorpommern sechs
Erkrankungen gemeldet worden.
Ein 73-Jähriger aus Baden-Württemberg lag drei Wochen im Koma
und könnte ein Bein verlieren. Zuletzt gab es im Jahr 2010 zwei Todesfälle. „Das Gefährliche an Vibrionen ist das Tempo und die
Schwere der Erkrankung in den
ganz seltenen Fällen einer Infektion“, sagt Lagus-Sprecherin Anja
Neutzling.
Der Keim vermehre sich in der
Ostsee rasant, wenn das Wasser
wärmer als 20 Grad ist. „Immungeschwächte Menschen sollten dann
nicht baden gehen“, sagt Heide
Schulz-Vogt vom Leibniz-Institut
für Ostseeforschung in Warnemün-

Unser Bruder Winnetou
irndl und Lederhosen,
Schweinshaxe mit Sauerkraut, Bier und Neuschwanstein – der US-Amerikaner hegt ein
recht verschrobenes DeutschlandBild. Die „New York Times“ hat
dem nun eine aus ihrer Sicht weitere wunderliche Facette hinzugefügt: Der Deutsche liebt die Rothaut. Ein Besuch bei den
Karl-May-Spielen in Bad Segeberg und in Radebeul sowie in einem Museum, in
dem echte Skalps gezeigt
werden, hat die US-Reporter
offenbar verstört. Wie können
die Deutschen nur dem ro-

Auslegerboote mit je sechs Sportlern vom
Bornholmer Haupthafen Rønne starten –
mit Kurs auf Rügens Ostseebad Sellin. In

mantisierenden Gemälde, das Karl
May von edlen Indianern und bösen Bleichgesichtern gemalt hat, so
auf den Leim gehen? Liebe Amerikaner, wir wissen es auch nicht.
Und, ganz im Vertrauen: Nicht alle
Deutschen sind Karl-May-Fans.
Aber solange bei Disney World eine schlechte Kopie von Rothenburg ob der Tauber mit
bayrischem
Bierkeller,
Kuckucksuhr-Verkauf und
Teddybären für Deutschland
herhalten muss, solange
schmachten wir Winnetou an,
als roten Blutsbruder Old Shatterhands. Howgh.
ahe

de (IOW). Durch offene Wunden,
wie Abschürfungen oder Risse,
dringen die Bakterien in den Körper ein. „Sie fressen sich ins
Fleisch.“ Zur Risikogruppe gehören Ältere und Menschen mit chronischen Leiden, wie Lebererkrankungen,
Alkoholabhängigkeit
oder Diabetes.
Die Vibrionen verursachen zunächst blutige Hautblasen. „Die Erkrankung muss innerhalb von Stunden erkannt und antibiotisch behandelt werden“, sagt Prof.
Dr. Emil Reisinger von
der
Universität
Rostock, Experte für Infektionskrankhei-

ten. Vibrionen breiten sich im Körper rasch aus. Werden sie nicht richtig bekämpft, können sie in wenigen Tagen zum Tod durch Blutvergiftung führen.
Der 73 Jahre alte Baden-Württemberger bemerkte die Infektion
auf der Heimfahrt nach dem Urlaub in Ahrenshoop. „Sein Bein
wurde plötzlich blau. Er erkannte
sofort, dass er eine Blutvergiftung
hat“, sagt Schwiegertochter Brunhilde Richter aus München. Er sei
umgehend ins Krankenhaus
So sieht der Erreger unter dem
Mikroskop
aus. Foto: tbc

Verwandt mit dem Cholera-Erreger
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Brack- und Meerwasser
vorkommen. Die Keime sind mit dem
Cholera-Erreger verwandt. Im Ostseeraum dringen Vibrionen über Hautver-

letzungen in den Körper ein. In wärmeren Klimazonen spielt die Übertragung
durch den Verzehr von Meerestieren eine bedeutende Rolle. Gefährdet sind
immungeschwächte Menschen.

Ukraine-Konflikt: EU berät
über neue Sanktionen
Moskau/Kiew/Mailand – Wegen
der Unterstützung Moskaus für die
Separatisten in der Ukraine wollen
Regierungen der EU-Staaten neue
Sanktionen gegen Russland verhängen. Bei einem Treffen der
28 EU-Staaten gestern in Mailand
bewerteten mehrere Außenminister das Vorgehen Russlands als „Invasion“. Die Bundesregierung
sprach erstmals von einer „militärischen Intervention“ Russlands.
Die Nato forderte von Moskau
ein Ende von Militäraktionen in
der Ukraine, wobei Russland sol-

gefahren. Infiziert habe sich der immungeschwächte Mann, als er mit
einer „minimalen Blutblase am
Bein“ ins Wasser gegangen sei.
„Hätte er die Gefahr gekannt, hätte er das niemals getan“, sagt Richter. Sie fordert mehr Aufklärung.
Laut britischen Forschern erwärmt sich die Ostsee sieben Mal
schneller als die Meere im globalen
Durchschnitt. Damit bessern sich
die Lebensbedingungen von Bakterien der Gruppe Vibrio in dem wenig salzhaltigen Wasser. Auf einer
Skala von eins bis zehn gilt für die
deutsche Ostseeküste die höchste
Risikostufe zehn. „Wir sind uns des
Problems bewusst“, sagt IOW-Forscherin Schulz-Vogt.
„Wir informieren regelmäßig
über die rein zahlenmäßig extrem
geringe, bei Auftreten aber sehr gefährliche Möglichkeit einer Infektion“, sagt Lagus-Sprecherin Neutzling. Kliniken und Ärzte seien angewiesen, frühzeitig zu reagieren,
wenn Patienten mit Wundinfektionen vorstellig werden. Seite 2

THEMEN
DES TAGES
HANSESTADT STRALSUND

Jugendherberge Devin baut
modernes Bettenhaus
Der alte Plattenbau-Charme der
Jugendherberge Devin ist bald passee. Das alte Bettenhaus wird abgerissen, und es entstehen stattdessen zwei neue behindertengerechte Bauten. Mitte September sollen
die Arbeiten losgehen. Seite 10

NIEPARS

Pflugradt-Regionalschule
kämpft um ihren Ruf
Nach dem Bericht über hohe Ausfall- und Vertretungsstunden hat
die Nieparser Schule ihre Zahlen
überprüft und kommt zu einem etwas weniger dramatischen Ergebnis. Der Schulleiter hatte sich
schlichtweg verrechnet. Seite 13

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Flaute in Stralsund: Was will
Nordic mit der Volkswerft?
Nach dem Wegfall eines
Großauftrags aus Spanien
schwankt die Große Koalition im
Land zwischen Gelassenheit und
Nervosität. Hält der russische
Investor sein Versprechen? Seite 6

PANORAMA

Vulkan Bárdarbunga auf
Island spuckt Lava
Der Vulkan Bárdarbunga auf Island ist ausgebrochen. In der
Nacht zu Freitag spuckte der Berg
wohl zum ersten Mal seit Beginn
seismischer Aktivitäten vor zwei
Wochen Lava aus. Seite 8

OZ SERVICE
Anzeigenservice: 0381 / 38 30 30 16
Leserservice: 0381 / 38 30 30 15
Ticketservice: 0381 / 38 30 30 17

Landtagswahl in Sachsen:
Regierungschef Tillich gilt als Favorit

che Einsätze erneut bestritt.
Kremlchef Wladimir Putin verglich
das Vorgehen der ukrainischen
Truppen gestern mit dem der Wehrmacht.
Seit Mitte Juli hat sich die Zahl
der Toten in der Ukraine nach
UN-Angaben auf 2600 verdoppelt.
Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält es nicht für
ausgeschlossen, dass Russland Gas
als politisches Druckmittel einsetzt, wohl eher gegen die Ukraine
als gegen die EU. Seiten 2 und 4

Dresden – Bei der Landtagswahl in
Sachsen
muss
die
letzte
schwarz-gelbe
Koalition
in
Deutschland an diesem Sonntag
mit ihrer Abwahl rechnen. Die
CDU unter Ministerpräsident Stanislaw Tillich wird nach den
Umfragen zwar klar stärkste
politische Kraft bleiben, der
Koalitionspartner FDP dürfte
aber an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Zwei Tage vor
der Wahl rührten die Parteien
gestern bei ihren Abschlusskundgebungen noch

einmal kräftig die Wahlwerbetrommel. Für die CDU trat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Bühne.
Die SPD bot unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder auf. Parteichefin Katja Kipping und der
Bundestagsfraktionschef
Gregor Gysi warben um
Stimmen für die Linke.
Von den Grünen war Parteichef Cem Özdemir unterwegs. Seiten 2 und 3
Stanislaw Tillich Foto: dpa

Gründerwettbewerb auf www.ostsee-zeitung.de

Heute im OZ-Sommermagazin

Der mit 8000 Euro dotierte OZ-Existenzgründerpreis startet in die 12. Runde. Gesucht werden innovative Unternehmer aus MV, die sich bis zum 9. September mit ihrer Firma bewerben.

u Greifswalder Türmerklänge: Heute beginnt die Romantikwoche
u Die Bäckerin von Rambin: Täglich 50 Bleche Kuchen in Pommernkate

419528 8101207

60035

2 Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

MEINUNG
LEITARTIKEL

KARIKATUR

Russisch Roulette
s sind gerade einmal vier Worte, mit denen Politiker es immer wieder schaffen,
den Bürgern einen Schauer über den
Rücken zu jagen: „Die Lage ist ernst!“
Mit diesem so kurzen wie markigen Satz beschrieb der Brüsseler Energiekommissar Günther Oettinger in dieser Woche die Gefahr einer
Eskalation im russisch-ukrainischen Gasstreit.
EU-Europa wäre direkt betroffen: Denn nicht
weniger als die Hälfte der russischen Gaslieferungen werden über das Pipelinenetz der Ukraine gepumpt. Sechs Mitgliedsstaaten sind sogar
zu 100 Prozent von Gazprom abhängig. Und die
Jamal-Röhre über Weißrussland sowie die Ostseepipeline werden einen Komplettausfall der
Ukraine-Leitungen nicht kompensieren können. Brüssel, so Oettinger, bereitet sich inzwischen auf sogenannte Worst-Case-Szenarien
vor – also auf den absoluten Ernstfall.

E

Zeichnung: Mario Lars

KOMMENTAR

Gefährliche Keime in der Ostsee

Im Gasstreit liegen die
Nerven blank –
vor allem in Kiew.
Von Jens Burmeister

Ist die Lage wirklich so ernst? Wer diese Frage sachlich beantworten will, muss nicht nur mit
einer Unbekannten rechnen, die die meisten im
Moskauer Kreml verorten. Er muss genauso
nach Kiew schauen, wo die Nerven blank liegen. Moskau hat dem de facto bankrotten Nachbarland den Gashahn abgedreht, seitdem dieses keine Rechnungen mehr begleicht. Kiew
muss bereits ohne warmes Wasser auskommen.
Dennoch zahlt die Regierung nicht, weil es die

russischen Preise für überhöht und politisch motiviert hält. Brüssel hat es nicht vermocht, den
Streit beizulegen. Und nach der Ingangsetzung
der Sanktionsspirale sind die Chancen dafür
nicht gut. Die ukrainischen Gasspeicher sind
aber nur noch halbvoll und der Winter naht.
Spitzt sich die Lage auch noch an den ostukrainischen Fronten zu, könnte Kiew zum Äußersten greifen – nämlich Gas, das für Europa bestimmt ist, aus den Transit-Pipelines zu stehlen.
Selbst Oettinger schließt das nicht mehr aus.
Schlimmer noch: Premier Jazenjuk drohte damit, den Gasdurchfluss in die EU komplett zu
stoppen. Kurz zuvor explodierte eine Pipeline nahe Kiew. Täter unbekannt. Klar ist seitdem nur,
dass die Lage tatsächlich ernst ist, dass die EU
Geisel eines unberechenbaren RohstoffKonflikts ist und drittes Mitglied einer bizarren
Runde. Und die spielt Russisch Roulette. Seite 4

ANSICHTSSACHE

Keine Panik
von André Wornowski

ind sie im Körper, zählt
jede Stunde. Vibrionen
breiten sich rascher aus
als andere Bakterien. Kommt
die Behandlung zu spät,
muss womöglich ein Bein amputiert werden. Im schlimmsten Fall führt die Infektion innerhalb weniger Tage zum
Tod. Erschreckend: Nach
vier Jahren starb in diesem
Sommer erstmals wieder ein
Badegast in MecklenburgVorpommern an einer Vibrionen-Infektion.
Gäste und Einheimische
lieben die warme Ostsee.
Doch hier fühlen sich auch
die Keime wohl. Mehr als
20 Grad Wassertemperatur,

S

geringer Salzgehalt, stille
See – ideal, die Erreger vermehren sich rasant. Schreitet
die globale Erwärmung weiter voran, dürfte sich das Problem verschärfen. Aufklärung ist weiter nötig.
Doch es gibt keinen Grund
zur Panik. Angesichts von
sechs gemeldeten Infektionen in MV bei Millionen Badenden, scheint die Gefahr einer Infektion gering. Statistisch gesehen, ist das Risiko
zu ertrinken deutlich höher.
Immungeschwächte Menschen sollten aber gewarnt
sein und die Ostsee bei mehr
als 20 Grad Wassertemperatur meiden. Seite 1

Die Oma
und ein
Kleid für Afrika
Eigentlich ist der Ruhestand ja ein großer
Bluff. Jahrelang freut man sich darauf, und
wenn er erstmal da ist, hat man ziemlich
schnell erledigt, was man immer schon mal
machen wollte, dann wird einem langsam
langweilig und man wünschte sich, wieder arbeiten zu können. Und so sucht sich dann ein
jeder im Alter einen mehr oder weniger sinnvollen Zeitvertreib. Und manch einer – und
das ist keine Seltenheit – hat plötzlich so viel
um die Ohren, dass es ohne Terminkalender
schon gar nicht mehr geht.
Aber vielfach reicht schon eine Sache, um
einen bis ins hohe Alter gut zu beschäftigen.
Die Amerikanerin Lillian Webber beispielsweise hat selbst mit 99 Jahren noch alle Hände voll zu tun. Die alte Dame aus Scott County
im US-Bundesstaat Iowa sitzt jeden Tag an
der Nähmaschine und näht ein Kleid für eine
Wohltätigkeits-Organisation, die mit den Kleidern bedürftige Mädchen in Afrika ausstattet. „Ich muss einfach etwas tun, sonst werde
ich unausstehlich“, erzählt Lillian Webber.
Sie beginnt bereits früh am Morgen, Mittags
wird ein längeres Päuschen eingelegt, und
am Nachmittag geht das Kleidungsstück
dann seiner Vollendung entgegen. Etwas
mehr als 840 Kleider sind es bis jetzt geworden. Und ganz fest im Visier hat Lillian Webber das 1000. Kleid, dass sie am 6. Mai 2015
nähen will – denn das ist ihr 100. Geburtstag.

Sachsen wählt am Sonntag

Spielwiese für Kleine
Von Dieter Wonka

s ist noch nicht lange
her, da schien die Piraten-Partei die politische Landschaft umzustülpen. Nach ein paar Erfolgen
hat sich herausgestellt, die
virtuelle Bewegung ist nahezu tot. Im Gegensatz zu den
Piraten spricht viel dafür,
dass die AfD mehr aufbietet
als die Kraft einer Eintagsfliege. Sonntag kann sie in Sachsen mit dem Parlamentseinzug rechnen. Nach dem Erfolg der Euro-Stammtischler
bei der Europawahl wäre das
ein vorentscheidender Durchbruch. Das Wählerpotenzial
im Freistaat ist seit der Wiedervereinigung groß genug,

E

rechtspopulistisches Klientel
zu mobilisieren. Die Anti-Haltung zu Euro und Ausländern
hat es der AfD im Wahlkampf
erlaubt, an das vorhandene
Spektrum anzudocken. Offen, mit der NPD, oder verdeckt, mit der AfD, seinen
Protest gegen das gängige
parteipolitische Standardangebot zu äußern, ist eine beinah einmalige Gelegenheit.
Hinzu kommt, dass die im
Freistaat Sachsen souverän
regierende Union mit ihrem
taktischen Kniff, den Wahltermin in die ausklingende
Ferienzeit zu knallen, den
Randparteien beste Chancen
bietet. Seite 3

ONLINE
e Meistgeklickt: Umstritten:

Ferienwohnungen für Flüchtlinge? | Leichen-Fund auf Rügen:
Polizei schließt Verbrechen aus |

Nordic Yards entgeht Großauftrag | Jagd auf Wilderer in Rostock | Deal: Jagdfeld erspart sich
mit 250 000 Euro Strafprozess

Produktiv: Die 99-jährige Lillian Webber näht jeden Tag ein Kleid für Afrika.

Foto: REX

OZ LESERBRIEFE

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OSTSEE-ZEITUNG
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Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 39 vom 1. Januar 2014.

Wahltermin kein Grund für
niedrige Wahlbeteiligung

Nordic verliert Auftrag:
Mehr als verständlich

Zu „Niedrige Wahlbeteiligung: Koalition will Verfassungsänderung“ (OZ,
27. 8. 2014):
Wenn der Bauer nicht schwimmen
kann, liegt das an der Badehose.
Genauso scheinen SPD und CDU
zu glauben, dass der Wahltermin
das Hauptproblem bei der geringen Wahlbeteiligung ist. Bestimmt
nicht aber das Angebot die Nachfrage? Vielleicht wollen viele WählerInnen den angebotenen Politikern und Parteien gar keine Legitimation, d.h. keinen Job geben?
Vielleicht reicht das Angebot qualitativ einfach nicht aus? Und der
Gefahr eines Erstarkens rechter
Parteien kann man auch anders
begegnen. Wie wäre es, wenn alle
Parteien gemeinsam eine Mindestwahlbeteiligung – zum Beispiel
66 Prozent – gesetzlich verankern,
bei deren Unterschreitung die
Wahl automatisch ungültig wird?

Zu „Nordic Yards entgeht Großauftrag“ (OZ vom 29. 8. 2014): Vor
dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien ist diese
Entscheidung mehr als verständlich. Aber sie ist sicher auch unter
Berücksichtigung der politischen
Großwetterlage gefallen. Angesichts der russischen Aggression
in der Ukraine wird kein vernünftiger Unternehmer Großaufträge an
russische Unternehmen geben,
die womöglich in Kürze von verschärften Sanktionen getroffen
werden. Dagegen hilft auch das
Wegducken von Herrn Sellering
und sein Festhalten am Russland-

Dr. Andreas Schwienhorst, Teßmannsdorf

So erreichen Sie uns: OSTSEE-ZEITUNG,
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tag nicht. Es wird sich die Frage
stellen, wann sich der Verkauf der
Werften als Zitronenhandel erweist. Höchste Zeit, sich um Alternativen zu kümmern.

Wenn das Geld und der Wohnraum
knapp sind: Das Leben in der WG
war Thema im OZ-Ozelot am Donnerstag. Reaktionen dazu auf der
OZ-Facebookseite:

Peter Zielinski, Hinrichshagen

Fall Jagdfeld: Gleiches
Recht für alle?
Zu „Deal: Jagdfeld erspart sich mit
250 000 Euro Strafprozess“ (OZ,
29. 8.): Wer glaubt noch an die
Aussage, dass für alle gleiches
Recht gilt und alle auch so von
den Gerichten zu behandeln sind?
Es ist blanker Hohn, dass sich wieder eine Person vor Gericht freikaufen kann. Erst Eccelstone mit
100 Mio. Dollar, jetzt dieser Unternehmer! Hat er Subventionen bekommen oder ist man ihm irgendwie auf andere Art und Weise von
der Politik entgegengekommen?
Wie wäre es, wenn diese Verfahren auch für den berühmten Otto
Normalbürger angewendet
werden? Detlef Reich, Berlin

Holger Pink: „Das muss nicht heißen „wenn das Budget knapp ist“
sondern: wenn die Mieten in
Rostock so hoch sind, dass man
sich kaum noch eine eigene
Wohnung leisten kann. Und damit
sind nicht nur Studenten betroffen. Auch Menschen, die täglich
fleißig arbeiten gehen. Man nennt
das auch Mietwucher! Schlimm
nur, dass an jedem Euro Miete die
Stadt noch mitverdient und somit
den Schuldenberg abzahlt.
Schulden, die uns vergangene
Stadtväter hinterlassen haben.
Schulden, die neue Stadtväter machen.
Benjamin Braun: Ich wohne in einer
WG mit 12 Leuten, ist zwar ganz
lustig, aber nervt auch öfters.
Susan Meyer: Meine WG war damals Klasse!

Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

BLICKPUNKT

3

Drei
Ost-Länder
haben die

Wahl
AfD rein, FDP raus? Der erste Ministerpräsident mit Parteibuch der
Linken? Am Sonntag wird in Sachsen gewählt, zwei Wochen später in
Thüringen und Brandenburg. Bundesweit ist das Interesse eher mau.
Aber der Dreierpack hat es in sich. Neues kündigt sich an.
Von Arnold Petersen
Berlin – Es ist der politisch heiße
Spätsommer in Ostdeutschland. In
drei Ländern wird gewählt. Der
Ausgang dürfte Wellen schlagen
über die Region hinaus. Ob in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg:
Für die FDP sieht es trübe aus, ihr
Niedergang in die Bedeutungslosigkeit dürfte weiteren Schub bekommen. Gleichzeitig hat die eurokritische und rechtskonservative
„Alternative für Deutschland“ gute Chancen, nach dem Europaparlament nun auch in Landesparlamente einzuziehen. Von bundespolitischerBedeutung ist Thüringen.
Hier könnte mit Bodo Ramelow erstmals ein Politiker der Linken Regierungschef werden – gewählt mit
den Stimmen der SPD.
Der Wahlkampf der FDP ist von
schierer Panik geprägt. In Sachsen
versucht Spitzenkandidat Holger
Zastrow die letzte Regierungsbeteiligung der Liberalen mit strikter Abgrenzung von der Bundespartei zu
verteidigen. Der Marketing-Experte ließ Plakate mit der Botschaft
„Sachsen ist nicht Berlin!“ kleben,
erklärte den Bundesvorsitzenden
Christian Lindner zur unerwünschten Person in Sachsen und präsentierte sich als letzter Vertreter des
wahren, nämlich marktliberalen Liberalismus. Viel gebracht hat der
Versuch nicht, eine Brandmauer
zur abgeschmierten Bundespartei
zu ziehen. In aktuellen Umfragen
honorieren drei bis vier Prozent Zastrows sächsischen Weg.
Noch schlechter stehen die Parteifreunde in Thüringen und Brandenburg da. Sie werden auf zwei
bis drei Prozent taxiert und versuchten mit verzweifeltem Eigenspott
auf sich aufmerksam zu machen.
„Keine Sau braucht die FDP“ ließen die Blau-Gelben in Brandenburg auf Großwänden tapezieren –
um den Spruch dann später mit einem „Aber jeder Brandenburger
braucht die FDP“ überzukleben.
Die Thüringer Liberalen hatten
sich eine ähnliche Wahlkampagne
einfallen lassen.
Die Bundespartei stellt sich bereits auf drei Niederlagen ein. Bei
den Landtagswahlen gehe es nicht
um das Schicksal der FDP, sondern
um die Zukunft der Bundesländer,
stellte Parteichef Christian Lindner
vorsorglich klar. Klar ist aber auch:
Mit dem Verschwinden aus drei
Landtagen wird es noch schwerer,
den Zerfall der traditionsreichen
FDP aufzuhalten, die jahrzehntelang die Politik der Bundesrepublik mitbestimmt hat.
Aufwärts geht es dagegen offenbar mit der AfD. In Sachsen und
Brandenburg verheißen die Demoskopen einen glatten Sprung über
die Fünf-Prozent-Hürde. In Thüringen scheint das weniger ausgemacht, aber die Chance besteht
auch hier. Die Partei bietet sich Protestwählern an, unzufriedenen Unionswählern genauso wie enttäuschten Liberalen oder allen, die mal
Dampf ablassen wollen.
Die Bundes-CDU hat sich kategorisch gegen eine Zusammenarbeit
ausgesprochen. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU)
mochte so weit nicht gehen. Er

Dafür sind die Bundesländer bekannt: Spreewaldgurken und Sanssouci (Brandenburg), Wurst und
Goethe (Thüringen), Stollen und
die Dresdner Altstadt (Sachsen).
Fotos: Fotolia; Montage: Nadine Wapner

kann zwar am Sonntag mit bis zu
40 Prozent rechnen, aber er
braucht einen Koalitionspartner,
um weiter regieren zu können. Da
könnte allein die rechnerische
Mehrheit zusammen mit der AfD
nützlich sein, SPD oder Grüne in
Koalitionsverhandlungen zu zähmen. Generell aber zieht für die
Union dieselbe Gefahr auf, wie sie
spiegelbildlich der SPD mit der
Linkspartei bereits widerfahren ist:
eine Konkurrenz von rechts.
Während so gut wie sicher ist,
dass Tillich in Sachsen und Dietmar Woidke (SPD) in Brandenburg
auch nach den Wahltagen Ministerpräsidenten bleiben, Tillich wohl
mit einem anderen Koalitionspartner, muss Christine Lieberknecht
in Thüringen um ihr Amt bangen.
Ihre CDU dürfte zwar erneut mit

Abstand stärkste Kraft werden.
Trotzdem hat Bodo Ramelow gute
Chancen, im nunmehr dritten Anlauf die Erfurter Staatskanzlei zu erobern – wenn die Sozialdemokraten mitmachen und sich aus der Juniorpartnerschaft mit der Union lösen. Ober-Realo Ramelow wäre
dann der erste Regierungschef mit
einem Parteibuch der Linken. Ein
Signal über Erfurt hinaus – und eine Überwindung für die SPD.
Seit 25 Jahren spielen die Sozialdemokraten in Thüringen politisch
nur die dritte Geige. Auch in zwei
Wochen wird sich daran nichts ändern. Magere 17 bis 19 Prozent verheißen die Umfragen, während Ramelows Linke auf stolze 26 bis 27
Prozent hoffen kann. Für Rot-Rot
könnte es reichen, sonst für
Rot-Rot-Grün. Doch die SPD wür-

de damit die Linkspartei endgültig
als ebenbürtig anerkennen. Die
Thüringer SPD ist in dieser Frage
gespalten, doch die Neigung
wächst, das Experiment zu wagen.
Parteichef Sigmar Gabriel würde es wohl geschehen lassen.
Schließlich ist auch auf Bundesebene das Tabu Rot-Rot offiziell gekippt, um neue Machtoptionen zu
erschließen. Eine Hoffnung dabei:
Wo die Linke in der Regierungsverantwortung ist, hat sie bislang überall Federn gelassen. Doch das muss
nicht aufgehen, wenn die Linke
den Chef stellt, der obendrein wie
Ramelow ein geschickter Pragmatiker ist. Genauso gut könnte die
SPD in dem Bündnis weiter marginalisiert werden. Fest steht: Die
drei Landtagswahlen im Osten
sind viel spannender als ihr Ruf.

Die Amtsinhaber – und ihre Bundesländer

In Sachsen drehte sich
alles um die Bildungspolitik
Dresden – Der sächsische Wahlkampf wurde vor allem durch ein
Thema dominiert: die Bildungspolitik. Auch wenn Sachsen beim Bildungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft zum 9. Mal in Folge auf dem
ersten Platz landete, läuft nicht alles reibungslos an den Schulen des
Freistaates.
Bildung: Der drohende Lehrermangel sorgt seit langem für Zoff und
ist bereits heute spürbar. Immer
wieder fällt Unterricht aus, weil erkrankte Lehrer nicht ersetzt werden können. Im Wahlkampf wurde
das Thema weiter gefasst. Es reichte von frühkindlicher Bildung bis
zur Sanierung maroder Schulen.
Grenz- und Drogenkriminalität: Da
Sachsen mit Polen und Tschechien
zwei ausländische Nachbarn hat,
steht seit jeher die Grenzkriminali-

tät im Fokus. Diebstähle von Autos
und Baummaschinen oder die steigende Zahl von Drogenabhängigen treiben die Einwohner um. Vor
allem der Schmuggel von Crystal
aus tschechischen Drogenküchen
bereitet Sorgen.
Arbeit: Während früher Arbeitslosigkeit und fehlende Ausbildungsplätze Themen der politischen Auseinandersetzung waren, scheint
Sachsen nun auf den Mühen der
Ebene angelangt: Wie kann der erreichte Wohlstand bei sinkenden
Transferleistungen der EU und aus
dem Westen bewahrt werden? Die
Bedeutung von Forschung und Entwicklung in Firmen und an den
Hochschulen wird deshalb in allen
Parteiprogrammen herausgestellt.
Auch klassische grüne oder linke Themen wie Braunkohleförderung, Massentierhaltung und Sozialstandards spielten eine Rolle.

Auch Thüringen und Berlin
schauen gespannt nach Dresden
Stanislaw Tillich (CDU) ist seit
2008 sächsischer Ministerpräsident.
Der 55-jährige ist Angehöriger der
sorbischen Minderheit in Sachsen.
Der Freistaat mit seinen gut vier Millionen Einwohnern ist das wirtschaftlich erfolgreichste der ostdeutschen
Bundesländer. Stärkster Wirtschaftsraum ist die Hauptstadt Dresden.
Tillich trat 1987 der DDR-Blockpartei CDU bei. Er wurde 1990 Mitglied
der gesamtdeutschen CDU und zog
1999 erstmals als Minister ins Kabinett unter dem damaligen Regierungschef Kurt Biedenkopf ein.

Christine Lieberknecht (CDU) regiert in Thüringen seit 2009. Der Freistaat mit 2,2 Millionen Einwohnern
ist eines der kleinen und am dünnsten besiedelten Bundesländer. Die
Hauptstadt Erfurt ist mit knapp
205 000 Einwohnern die größte
Stadt des Landes, das von hoher
Langzeitarbeitslosigkeit geplagt ist.
Die 55-jährige Pastorentochter
aus Thüringen ist die erste Ministerpräsidentin der CDU. Außerdem ist
Christine Lieberknecht die erste Ministerpräsidentin in einem der neuen
Bundesländer.

Dietmar Woidke (SPD) hat das Amt
des brandenburgischen Ministerpräsidenten erst seit 2013 inne. Der
53-jährige Diplomagraringenieur ist
Nachfolger von Matthias Platzeck.
Zuvor war er Minister für Ländliche
Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz, ab 2010 Innenminister.
Woidke regiert das größte ostdeutsche Bundesland, das aber mit nur
2,45 Millionen Einwohnern dünn besiedelt ist, sieht man vom Berliner
Umland mit der Landeshauptstadt
Potsdam ab. Die Arbeitslosigkeit in
Brandenburg ist regional sehr hoch.

Erfurth/Berlin – Thüringer Politiker schauen gespannt auf die Abstimmung im Nachbarland Sachsen zwei Wochen vor der Landtagswahl im eigenen Land. „Ein gutes
Ergebnis der CDU in Sachsen kann
Rückenwind für die entscheidenden zwei Wochen vor der Wahl geben“, sagt Thüringens CDU-Generalsekretär Mario Voigt. „Aber wir
müssen unsere Stimmen in Thüringen schon selbst holen.“
Vor allem für die Union auf Bundesebene ist die sächsische Landtagswahl ein wichtiger Stimmungstest. Würde die einzig verbliebene

schwarz-gelbe Landesregierung
bestätigt, könnte die CDU von
Kanzlerin Angela Merkel wieder
mehr auf eine Rückkehr der FDP in
den Bundestag hoffen – und damit
auf eine Wiederauflage ihrer
Wunschkoalition.
Es gibt in der CDU-Zentrale
auch Sympathien für ein mögliches
schwarz-grünes Bündnis in Sachsen. Merkel will diese Option für
die Bundestagswahl 2017 eröffnen.
Für SPD-Chef Sigmar Gabriel wäre
es ein Erfolg, wenn die schwache
Landespartei als Juniorpartner in
die Dresdner Regierung einzöge.

4 Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

POLITIK

IN KÜRZE

Uno: Mehr
als 2600 Tote
in der
Ostukraine

Edathy scheitert mit
Beschwerde in Karlsruhe
Karlsruhe – Der untergetauchte
ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy ist mit
seiner Verfassungsbeschwerde gescheitert. Für die Durchsuchung
seiner Wohnungen und Büros habe es einen begründeten Anfangsverdacht auf Besitz von Kinderpornografie gegeben, befand das Bundesverfassungsgericht gestern in
Karlsruhe – auch wenn der Durchsuchungsbeschluss selbst die Immunität Edathys als Abgeordneter
verletzt habe.

Libyens Regierung erklärt
im Chaos ihren Rücktritt
Tripolis – Inmitten chaotischer Zustände im Land hat die libysche
Übergangsregierung ihren Rücktritt erklärt. Es sei nun Aufgabe
des im Juni gewählten Abgeordnetenhauses, ein neues Kabinett zu
bestimmen, teilte die Regierung
von Ministerpräsident Abdullah
al-Thinni in einer Erklärung mit.
Die neue Regierung müsse alle
Gruppen des libyschen Volkes
repräsentieren.

Fast die Hälfte aller
Syrer auf der Flucht
Genf – Die Situation der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien spitzt
sich dramatisch zu. Inzwischen sei
fast die Hälfte aller Syrer wegen
der Gewalt auf der Flucht oder aus
den Heimatorten vertrieben worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk
UNHCR geht nach neuesten Zahlen von drei Millionen Flüchtlingen aus. 6,5 Millionen Menschen
seien innerhalb Syriens auf der
Suche nach Sicherheit.

CSU will im Grundsatz an
Maut-Plänen festhalten
Berlin – Nach den Kompromiss-Signalen von CSU-Chef
Horst Seehofer in Sachen Maut haben führende Politiker der Partei
bekräftigt, im Grundsatz aber an
den Plänen festhalten zu wollen.
„Ich bin mir sicher, dass die drei
Koalitionsparteien das Maut-Gesetz beschließen werden“, sagte
Parteivize und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt
dem Berliner „Tagesspiegel“.

Dreikampf in Berlin:
Senator Müller tritt an
Berlin – Um die Nachfolge des
scheidenden Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit bewerben sich aus seiner Berliner SPD
jetzt drei Kandidaten. Berlins
Stadtentwicklungssenator Michael Müller sagte gestern, er trete
beim Mitgliederentscheid gegen
Fraktionschef Raed Saleh und den
Landesvorsitzenden Jan Stöß an.
Wowereit hatte seinen Rücktritt
für Dezember angekündigt.

Mehrheit hat Angst vor
IS-Terror in Deutschland
Berlin – Bei einem Spitzentreffen
im Kanzleramt soll morgen die
endgültige Entscheidung zu Waffenlieferungen in den Nordirak fallen. Geht es nach dem Willen der
Bevölkerung, sollte sich Deutschland mit Waffenlieferungen eher
zurückhalten. In einer N24-Emnid-Umfrage sprechen sich nur
14 Prozent für Waffenlieferungen
aus, 70 Prozent aber fordern ein
Heraushalten aus dem Konflikt.

Noch ein seltenes Bild in Gaza: Palästinensische Kinder beim Spielen in einer UN-Schule.

Foto: Roberto Schmidt/AFP

Schule in Gaza – alles andere als ein Kinderspiel
Gaza – In Deutschland erzählen Kinder nach
den Sommerferien vom Urlaub – im Gazastreifen und dem israelischen Grenzgebiet sind viele traumatisiert von Beschuss und Bombardie-

rung. Trotzdem soll jetzt für die 500 000 Schulkinder in Gaza ebenso wie in Israel der Unterricht wieder beginnen – mit Spielen wie in dieser UN-Schule sollen und wollen die Kinder die

Furcht überwinden. Weil aber Hunderttausende in Schulen Schutz gesucht haben, da ihre
Häuser zerstört sind, wissen viele noch nicht,
wo sie für ein besseres Leben lernen können.

Energiekrise? Kiew warnt vor
Transitstopp beim Erdgas
Oettinger: Von November bis März soll es in jedem EU-Land „warme Wohnungen“ geben.
Von Frank Lindscheid
Berlin – Müssen sich die Europäer
auf eine russische Gas-Blockade
im Winter einstellen? Könnten die
Energiepreise steigen? Die Bundesregierung beruhigt: Eine Energiekrise sei nicht am Horizont, die Preise sinken aktuell sogar.
Seit Wochen bemüht sich der
Brüsseler Energiekommissar Günther Oettinger in Gesprächen mit
Kiew und Moskau, den Gaskrieg
zwischen Russland und dem Nachbarland zu befrieden. Moskau hat
der Ukraine im Juni den Hahn zugedreht, weil Verhandlungen über
Schulden – nach russischer Lesart
5,3 Milliarden Euro – und den Preis
gescheitert sind. Jetzt schürt die Regierung in Kiew auch Ängste, dass
der Lieferstopp auf Europa ausgedehnt werden könnte. „Wir kennen Pläne Russlands, selbst den
Gastransit in die EU in diesem Winter zu blockieren“, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Auch
ein ukrainischer Transitstopp ist
nicht ausgeschlossen, um Russland
finanziell zu treffen.
Energie ist das Herzstück der russischen Ökonomie. Die EU deckt
rund fast ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland, davon fließt die
Hälfte durch die Ukraine. Moskau
spielte den Ball zurück und warnte
vor ukrainischem „Gas-Klau“. Die
Ukraine könnte demnach die Gazprom-Lieferung anzapfen.
Energiekommissar Oettinger beklagte gestern bei einem Treffen

mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak den Stillstand im Gasstreit. Eine Verschlechterung der Beziehungen
könne die langfristigen Energiebeziehungen mit der Russischen Föderation beschädigen.
So weit ist es noch nicht. Der russische Energie-Riese Gazprom hält
sich an die Verträge. Und die Deutschen müssen auch nicht befürch-

Gas-Pipelines aus Russland
Etwa ein Drittel des deutschen
Erdgasaufkommens
stammt aus Russland.
Es fließt über drei
Verbindungen: über die
Ukraine,
Weißrussland,
Ostsee-Pipeline
(Nord Stream)

ten, dass sie im Winter im Kalten sitzen. Kurz vor Beginn der Heizperiode haben bislang 22 deutsche Gasanbieter Tarifsenkungen angekündigt – zum 1. Oktober, um bis zu elf
Prozent.
„Es gibt ein Überangebot an
Gas“, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW). „Somit ist aufgrund des ent-

Nord Stream

e

tse

Os

RUSSLAND

weitere Pipelines

Berlin

DEUTSCHLAND

WEISSRUSSLAND

POLEN

UKRAINE

South Stream
(im Bau, mögl. Verlauf)
Russland will über die Leitung
South Stream
Gas an der
Ukraine vorbei nach Europa
bringen.

900 km
OZ-Grafik | jochen.wenzel@wgrafik.de | Quelle: dpa•20694, BDEW, Eurogas, dpa

spannten Marktes erst einmal nicht
mit Preisreaktionen zu rechnen.“
Noch weiß man aber nicht, wie
Moskau auf eine mögliche Verschärfung westlicher Sanktionen
reagieren würde. „Derzeit gibt es
auf den Gas- und Ölmärkten keine
Anzeichen für Versorgungsstörungen“, erklärte ein Sprecher von Vizekanzler Sigmar Gabriel. Der Bezug von Erdgas und Erdöl aus Russland ist durch langfristige Lieferverträge (zum Teil bis 2035) abgesichert, in den vergangenen beiden
Jahrzehnten lieferten die Russen
trotz zahlreicher Krisen verlässlich.
„Preissteigerungen wären nur bei
neuen Verträgen möglich“, so das
Ministerium.
Doch
Kemfert
schließt nicht aus, dass die Vertragstreue der Russen aufweicht.
„Bisher sind sie immer vertragstreu
gewesen. Wir befinden uns nun jedoch in einer neuen Dimension der
geopolitischen Konflikte“, analysiert die DIW-Expertin. „Es ist
nicht ausgeschlossen, dass Russland Gas als politische Waffe einsetzt, vermutlich jedoch eher gegen die Ukraine als gegen die EU.“
Auch 2006 und 2009 hatte der
Gasstreit im Osten für Lieferengpässe gesorgt. Die EU solle sich
für den Winter auch für einen Totalausfall der Lieferungen aus
Russland wappnen, fordert
Christdemokrat Oettinger.
Das träfe vor allem die Osteuropäer, die bis zu 100
Prozent von russischen
Lieferungen abhängen.

Berlin/Brüssel – Angesichts der Entwicklung im Osten der Ukraine hat
die Bundesregierung Russland erstmals eine „militärische Intervention“ vorgeworfen. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies gestern darauf, dass sich die Hinweise
auf die Präsenz von Russen und die
Verwendung von russischen Waffen verdichtet hätten. „Das alles zusammen addiert sich zu einer militärischen Intervention.“ Die Nato hat
den Begriff militärische Intervention bisher nicht verwendet und
stattdessen von einem Einfall (Incursion) gesprochen.
Auch US-Präsident Barack Obama vermied in einer Erklärung zur
Ukraine-Krise das Wort Intervention oder Invasion und sprach von
„Eindringen“. Er schloss ein militärisches Eingreifen im Ukraine-Konflikt aus, stellte aber weitere Sanktionen gegen Russland in Aussicht.
Bei den Kämpfen in der Ostukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) bereits fast 2600
Menschen getötet worden. In einem gestern in Genf vorgestellten
Bericht beklagen die UN zugleich
eine dramatisch wachsende Zahl
ziviler Opfer in dem Konflikt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel
ließ nach einem Telefonat mit Obama mitteilen, beide seien sich einig
gewesen, dass Russlands Verhalten nicht folgenlos bleiben dürfe.
Sie bestätigte dem Präsidenten,
dass sich der Europäische Rat
heute mit der Situation befassen
werde, wie Seibert mitteilte.
Nato-Generalsekretär Anders
Fogh Rasmussen reagierte gestern
in Brüssel nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung der Nato-Ukraine-Kommission offen auf die Ankündigung des ukrainischen Regierungschefs Arseni Jazenjuk, wonach die Ukraine wieder auf
Nato-Kurs gehe. Der Ukraine sei
schon beim Nato-Gipfel in Bukarest vor sechs Jahren versprochen
worden, sie könne Mitglied werden, sagte Rasmussen.
Der russische Präsident Wladimir Putin verstärkte gestern den
Eindruck enger Bande mit den Rebellen. Er begrüßte die „bemerkenswerten Erfolge gegen die Militäroperation Kiews“ und forderte einen Fluchtkorridor für in der Stadt
Ilowajske eingekesselte ukrainische Soldaten. Die Rebellen erklärten sich „aus Respekt vor Wladimir
Putin“ sofort dazu bereit. Den ukrainische Regierungstruppen war Putin vor, sie verfolgte eine ähnliche
Taktik wie „die faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion
im Zweiten Weltkrieg. Großstädte
wurden eingekesselt und durch
gezielten Beschuss zerstört, samt
Einwohner“, sagte Putin.
Präsident Wladimir Putin Foto: Imago

Blauhelme kämpfen gegen Rebellen

Poker um EU-Spitzenjobs

Islamisten belagern Stellungen der UN-Mission auf dem Golan.

Polens Premier Donald Tusk gilt als Favorit für das Amt des Ratsvorsitzenden.

Damaskus – Nach der Entführung
von 43 UN-Soldaten auf den Golanhöhen haben sich Dutzende
schwerbewaffnete Blauhelmsoldaten gestern syrischen Rebellen entgegengestellt. Insgesamt 75 philippinische Soldaten der Undof-Mission verteidigten zwei belagerte Posten in der UN-Zone zwischen Syrien und Israel, sagte Oberst Roberto Ancan in Manila. Für die Befreiung der 43 von den Fidschi-Inseln
stammenden Blauhelme liefen unterdessen intensive Verhandlungen an. Die philippinischen Truppen seien gut ausgerüstet und aus-

gebildet, betonte Ancan. Seine
Truppen seien kampfbereit und
würden sich nicht ergeben. Der philippinische Präsident Benigno
Aquino nannte die Situation „ange-

Ein Schützenpanzer der UN-Truppen auf dem Golan. Foto: J. Guez/AFP

spannt“, bislang erscheine die Lage aber „stabil“. Die Uno hatte zunächst von 81 umzingelten Soldaten gesprochen, Ancan zufolge
handelt es sich jedoch um 75 Blauhelme in den beiden UN-Stellungen, die etwa vier Kilometer voneinander entfernt auf den Golanhöhen liegen. Die 43 UN-Soldaten waren am Donnerstag auf der syrischen Seite der Golanhöhen gefangengenommen worden. Die 75 philippinischen Soldaten wurden anschließend belagert, nachdem sie
sich geweigert hatten, ihre Waffen
niederzulegen.

Brüssel – Unmittelbar vor dem
EU-Sondergipfel heute in Brüssel
ist der polnische Regierungschef
Donald Tusk (57) zum Favoriten für
das Amt des EU-Ratsvorsitzenden
aufgestiegen. Damit würde erstmals ein Vertreter der neuen Mitgliedsländer im Osten des Kontinents ein europäisches Spitzenamt
besetzen, berichteten EU-Diplomaten. Der Liberalkonservative gilt
als Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und wird
von seinem britischen Amtskollegen David Cameron unterstützt.
Als weitere Anwärterin mit guten

Chancen wird Dänemarks sozialdemokratische Regierungschefin Helle Thorning Schmidt genannt.
Der Ratspräsident bereitet die
EU-Gipfel vor und leitet sie. Amts-

Eine wichtige Rolle in Europa für
Foto: O. Hoslet/dpa
den Polen Tusk?

inhaber Herman Van Rompuy
scheidet Ende November aus.
Europas Chefs müssen bei dem
eintägigen Gipfel auch über die
Nachfolge der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton entscheiden. Als aussichtsreichste Kandidatin gilt die italienische Außenministerin Federica Mogherini (41). Gegen die Sozialdemokratin gibt es
zwar Widerstand vor allem aus osteuropäischen Ländern, die Italien
als zu russlandfreundlich ansehen.
Nach EU-Proporz sollen aber beim
Chefdiplomaten-Posten die Sozialdemokraten zum Zuge kommen.

SPD-Fraktion
verabschiedet
„Stettiner
Erklärung“
Stettin – In einer zehn Punkte umfassenden „Stettiner Erklärung“
hat die SPD-Landtagsfraktion die
nach ihrer Ansicht wichtigsten Bereiche für eine engere deutsch-polnische Zusammenarbeit verankert.
Die Erklärung zeige ein Leitbild
und biete eine politische Vision für
die nächsten Jahre. „Wir wollen
die Zusammenarbeit mit unserem
Nachbarn vertiefen und auf weitere thematische Felder ausdehnen“,
erklärte Fraktionschef Norbert
Nieszery gestern zum Abschluss
einer dreitägigen SPD-Klausurtagung im polnischen Stettin
(Szczecin).
So sollen mehr direkte Kontakte
die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und den pommerschen Woiwodschaften einander näher bringen, unter anderem
durch engere Zusammenarbeit
von Vereinen, Schulen und Hochschulen. Bislang gebe es etwa
100 kommunale Partnerschaften
und rund 110 Kooperationen im Bildungsbereich, die das freundschaftliche und vertrauensvolle Miteinander stärkten. Gegenläufigen Tendenzen, etwa durch zunehmende
grenzübergreifende Straftaten, soll
durch eine intensivere Zusammenarbeit von Polizei und Sicherheitsbehörden entgegengewirkt werden. Allerdings müssten für grenzüberschreitende Polizei-Einsätze
die rechtlichen Grundlagen verbessert werden.
Gemeinsam mit deutschen Partnern soll Stettin (über 400 000 Einwohner) zu einer grenzüberschreitenden Metropolregion mit Ausstrahlung ins Umland entwickelt
werden.
Frank Pfaff

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

Rekordjagd: Kanuten paddeln
von Bornholm nach Rügen

IN KÜRZE
Ethiker und Juristen prüfen
Patientendatensysteme

Erstmals wollen 20 Spitzensportler eine 100 Kilometer lange Strecke von Rønne nach
Sellin mit purer Muskelkraft zurücklegen – in Auslegerbooten.
Von Kerstin Schröder
Sellin/Neubrandenburg – Gerade
noch hing Andreas Dittmer kopfüber im Tollensesee. Jetzt sitzt der
Spitzenkanut schon wieder gutgelaunt in seinem Boot und schaufelt
das Wasser heraus – gemeinsam
mit anderen Kanuten. Dann greifen die Männer nach den Paddeln
und legen los: eins, zwei, drei. Kilometer für Kilometer legen die Männer auf dem Tollensesee in Neubrandenburg zurück. Es ist ihr letztes Training für einen Weltrekordversuch, der nächsten Sonnabend
gelingen soll: eine 100 Kilometer
lange Überfahrt vom dänischen
Bornholm nach Rügen. Erstmals
wollen sie in zwei Auslegerbooten
– so genannten Outriggern – eine
so lange Strecke zurücklegen – angetrieben mit purer Muskelkraft.
„Wir haben uns auf diese Fahrt
anderthalb Jahre vorbereitet“, erzählt Andreas Dittmer. Der mehrfache Weltmeister und dreifache
Olympiasieger koordiniert das Projekt. Ausgedacht habe er sich den
Wahnsinnsritt über die Ostsee aber
nicht. Die Initiatoren sind die Sportler des 1. Outrigger Canoe Clubs,
die Dittmer dann mit ins Boot geholt haben – so wie andere Olympiasieger, Weltmeister und nationale Meister. Zum Team gehören unter anderem Torsten Krentz, Thomas Lück (beide Weltmeister) und
Andre Wohllebe (Olympiasieger).
Dass sie die Strecke schaffen, daran zweifelt Dittmer nicht. Regen
und Wellen könnten sie nicht stop-

Paddlerwechsel: Auf der einen Seite springt ein Sportler ins Meer, sein
Foto: Tourismuszentrale Rügen
Ersatz hangelt sich auf der anderen ins Boot.
pen. „Denn nass werden wir sowieso.“ Nur eins darf es nicht geben:
starken Südwestwind. Gegen den
kommen selbst Athleten mit Mega-Oberarmen nicht an – zumin-

dest nicht stundenlang. In diesem
Fall wird eine andere Strecke gefahren. „Abgesagt oder verschoben wird der Rekordversuch
nicht“, berichtet Dittmer. Dafür sei
die Organisation einfach zu aufwendig gewesen.
Mit Sonnenaufgang besteigen je
sechs Weltrekord-Jäger im Hafen
von Rønne die beiden Boote. Die
sind für die Ostsee-Trip bestens geeignet. Denn sie sind durch die Ausleger kippsicherer und durch den
schmalen Rumpf sehr schnell. Nur
mit Muskelkraft angetrieben, erreichen sie Geschwindigkeiten von
maximal 15 Kilometern pro Stunde. Halten die beiden Boote Kurs,
könnten sie so nach zehn Stunden
an der Seebrücke in Sellin eintreffen. Der OCC-Vorsitzende Steffen
Polchow rechnet mit einer menschlichen Grenzerfahrung und der ein

oder anderen Welle. Damit sich die
Kanuten während der Fahrt auch
mal ausruhen und stärken können,
stehen für jedes Team vier Auswechsler zur Verfügung. Die fahren mit Beibooten nebenher. Bis zu
30 Mal werden die Crews durchgetauscht. Gestoppt wird dafür nicht.
Der Wechsel erfolgt bei voller
Fahrt. Paddler, die eine Pause brauchen, springen auf einer Seite hinaus, auf der anderen hangelt sich
ihr Ersatz auf den Outrigger. „Das
erfordert viel Geschick, weil die
Boote sehr schnell und glitschig
sind“, berichtet Steffen Polchow.
Deshalb seien die Wechsel immer
und immer wieder geübt worden –
genau wie das Verhalten bei einer
Kenterung, so wie beim letzten
Training auf dem Tollensesee.
Die Tourismuszentrale Rügen
(TZR) und die Gemeinde Sellin unterstützen das Abenteuer auf dem
Meer. Gemeinsam ist auch ein buntes Unterhaltungsprogramm am
Strand und im Meer organisiert
worden – mit Musik und etlichen
Wassersportangeboten. So können
die Besucher mal selber in einen
Outrigger steigen und los paddeln.
Wie TZR-Geschäftsführer Kai Gardeja mitteilt, wird auch ein Vertreter des Rekordinstituts Deutschland vor Ort sein und die Fahrt dokumentieren. Sollte die erfolgreich
sein, ist eine Fortsetzung im nächsten Jahr geplant. Dann sollen
20 Boote mit internationaler Besetzung starten und neue Bestzeiten
in Angriff nehmen.
e Video über www.ostsee-zeitung.de

Greifswald – Welche ethischen
und juristischen Folgen hat die statistische Auswertung von Patientendaten? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Universität Greifswald in dem Forschungsprojekt
„Menon“ nach, für das der Bund
rund eine halbe Million Euro bereitstellt, wie die Hochschule gestern in der Hansestadt mitteilte. Im
Mittelpunkt der Untersuchung
stehen die Auswirkungen der
sogenannten Systemmedizin auf
die Versorgung von Patienten.

Mehr als 70 Aussteller beim
Bioerleben in Warnemünde
Rostock – Mit mehr als 70 Ausstellern geht am Sonntag der Markt
„Bioerleben Mecklenburg-Vorpommern“ auf der Strandpromenade in Warnemünde über die
Bühne. Er ist nach Einschätzung
der Geschäftsführerin des Vereins
Landaktiv, Nicole Knapstein, in
der zehnjährigen Geschichte zum
festen Bestandteil der Branche im
Land geworden. Allerdings habe
sich das reine Label Bio verstärkt
in Richtung Regionalität weiterentwickelt.

In der Ostsee gesunkener
Ponton erfolgreich gehoben
Prerow/Rostock – Der knapp vier
Kilometer nordwestlich der Landspitze Darßer Ort (Kreis Vorpommern-Rügen) in der Ostsee gesunkene Schwimmponton ist rund
zwei Wochen nach dem Untergang geborgen worden. Ein
Schwimmkran und ein Schlepper
seien an dem Einsatz am Mittwoch
beteiligt gewesen, teilte die Wasserschutzpolizei gestern in Rostock mit. Experten untersuchen
jetzt, warum die 35 Meter lange
Transportplattform gesunken war.

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6 Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Caffier fordert
mehr Rücksicht
vor Schulen

Land verbietet
Symbole von fünf
Rockergruppen

Schwerin – Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern hat in der ersten Schulwoche bei verstärkten
Verkehrskontrollen
zahlreiche
Autofahrer zu gemäßigtem Tempo
ermahnen müssen. Laut Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wurden
234 Geschwindigkeitsverstöße vor Schulen gemessen. Zudem stellten die Beamten fest, dass
33 Kinder in den Autos ihrer Eltern
gar nicht angeschnallt und 59 weitere nicht ausreichend gesichert
waren. „Dass bei der Schulwegüberwachung auch viele Eltern mit
überhöhter Geschwindigkeit oder
nicht angeschnallt festgestellt wurden, zeigt, dass die Aktion richtig
war“, betonte Caffier. Seinen Angaben zufolge waren von Montag
bis Freitag landesweit an Schulen
oder entlang vielgenutzter Schulwege 939 Beamte im Einsatz.

Schwerin – Im Kampf gegen die
Rockerkriminalität hat das Innenministerium
Mecklenburg-Vorpommerns weitere Rockersymbole
verboten. Ab sofort sind Vereinswappen und Schriftzüge von fünf
Gruppierungen nicht mehr zulässig, teilte Minister Lorenz Caffier
(CDU) gestern in Schwerin mit. Dabei handele es sich um die Gruppen Bandidos MC, Gremium MC,
Mongols MC, Chicanos MC und
Red Devils MC. Das Tragen des
Schriftzuges „Hells Angels“ und
des Symbols vom geflügelten
Totenkopf wird im Nordosten bereits strafrechtlich verfolgt.
Mit den Verboten will Caffier die
Strukturen und Vernetzungen der
Rockergruppen aufbrechen. So soll
ihre regionale und bundesweite
Ausbreitung verhindert werden.
Rockergruppierungen werden mit
verschiedenen Formen von Kriminalität in Zusammenhang gebracht, etwa Drogen, Waffen- und
Menschenhandel sowie Prostitution. „Die Liste der schweren
Straftaten von Rockergruppen ist
lang“, betonte Caffier.

IN KÜRZE
Energie billiger
als vor einem Jahr
Schwerin – Jahrelang kannte der
Trend bei den Energiepreisen nur
eine Richtung: nach oben. Jetzt
können die Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern aufatmen,
denn die Kosten für Kraftstoffe
und Haushaltsenergie sind niedriger als vor einem Jahr. Wie das
Statistische Landesamt gestern in
Schwerin berichtete, waren im
August Kraftstoffe um 3,9 Prozent
günstiger als vor Jahresfrist, Haushaltsenergie um 0,5 Prozent.

Frauenleiche untersucht –
keine Gewalteinwirkung
Sellin – Nach dem Fund einer Frauenleiche am Strand von Sellin auf
Rügen gibt es erste Hinweise zur
Bestimmung der Identität. Wie
eine Untersuchung der Rechtsmedizin in Greifswald ergab, handelt es sich um eine Frau im Alter
zwischen 35 und 45 Jahren. Der
Leiche fehlten Kopf, Arme und Beine. Eine Gewalteinwirkung auf
den Körper wurde nicht festgestellt, teilte die Polizei gestern in
Neubrandenburg mit. Die Herkunft der rund 1,60 Meter großen
Frau ist weiter unklar.

75-Jährige auf Weg
in die Klinik verschwunden
Plau – An der Mecklenburgischen
Seenplatte sucht die Polizei weiter
nach einer 75 Jahre alten Frau aus
Nossentiner Hütte, von der seit
Dienstag jede Spur fehlt. Die
Suche wurde auf den Drewitzer
See ausgedehnt, blieb bisher aber
ohne Erfolg, teilte die Polizei gestern in Neubrandenburg mit. Die
Rentnerin soll sich am Dienstag
per Rad auf den Weg nach Plau
gemacht haben, wo ihr Mann in
einem Krankenhaus liegt. Dort
kam sie aber nie an. Die Suche soll
am Wochenende weitergehen.

GEWINNZAHLEN
Ziehungsergebnis Keno
und plus5 vom 29. August
04, 08, 11, 13, 16, 20, 25, 26, 27,
30, 34, 37, 38, 40, 43, 44, 45, 51,
60, 64
Gewinnzahl plus5: 62892
(Angaben ohne Gewähr)

Blick vom Hochhaus und Bürogebäude der Stralsunder Volkswerft auf die Werfthallen.

Foto: Stefan Sauer

Auftragsflaute in Stralsund: Was
will Nordic mit der Volkswerft?
Nach dem Wegfall eines Großauftrags aus Spanien schwankt die Große Koalition im Land
zwischen Gelassenheit und Nervosität. Hält der russische Investor seine Versprechen?
Von Jörg Köpke
Schwerin – „Wir sind keine Werft
mehr“ – mit diesen Worten gab
Nordic-Geschäftsführer
Jürgen
Wollny unmittelbar nach dem Kauf
der insolventen Volkswerft Ende
Mai selbstbewusst die Richtung
vor. Traditioneller Schiffbau, so
sein Credo, sollte in Stralsund nur
noch unter ferner liefen rangieren.
Das neue Zauberwort heißt seitdem „Offshore“. Oder wie Wollny
es formulierte: die Entwicklung
„komplexer maritimer Systeme“
für Windparks auf See.
Gut drei Monate später haben
die Pläne von Nordic Yards unter ihrem millionenschweren russischen
Eigner Witalij Jussufow einen ersten Dämpfer erlitten. Abgesehen
davon, dass die Lage für russische
Unternehmen auf dem Kapitalmarkt unter dem Einfluss des Krieges in der Ukraine ungleich schwerer geworden und nicht auszuschließen ist, dass weitere westliche
Sanktionen
auch
den
Kreml-Vertrauten Jussufow treffen
könnten, ging Nordic bei der Vergabe eines wichtigen Offshore-Auftrages des spanischen Energiekonzerns Iberdrola leer aus (OZ berichtete).
Dieser 70-Millionen-Auftrag –
Fundamente von so genannten
AC-Plattformen (Englisch: „foundations“) für den geplanten Windpark Wikinger vor der Insel Rügen
– hätte kurzfristig 250 Arbeitsplätze geschaffen. Genau die Anzahl,
die Nordic für Stralsund bis zum
Jahresende vertraglich eigentlich
zugesichert hatte.
Offiziell zeigen sich die Regierungsfraktionen von SPD und CDU
in Schwerin gelassen. Es sei für
Nordic sicher keine gute Nachricht, dass die Werft den Iberdro-

la-Auftrag nicht bekommen hat.
Dies sei aber Teil des unternehmerischen Risikos, erklärte Wolfgang
Waldmüller, Wirtschaftsexperte
der CDU-Landtagsfraktion. Er sei
sicher, dass die Zukunft von Nordic
Yards nicht von einem einzelnen
Auftrag abhängt. „Für das Land
war die Werft bislang ein sehr zuverlässiger Partner. Ich habe keinen
Grund, daran zu zweifeln, dass das
so bleibt“, gab sich Waldmüller ungebrochen zuversichtlich.
Hinter den Kulissen herrscht jedoch Nervosität. Nicht zuletzt die
suggerierte Aussicht auf
den Millionen-Auftrag aus Spanien hatte das Land letztlich

dazu bewogen, nach monatelangem Zweifeln und Zögern auch die
dritte große Werft in MV in russische Hand zu geben und damit einen Vertrauensvorschuss zu leisten. Die Staatskanzlei unter Regierungschef Erwin Sellering (SPD)
lehnte gestern einen Kommentar
ebenso ab wie Wirtschaftsminister
Harry Glawe (CDU). Aus Regie-

D) D) Die Zukunft von
Nordic hängt nicht
von einem einzelnen
Auftrag ab.“
Wolfgang Waldmüller
(CDU)
Foto: Cornelius Kettler

rungskreisen hatte es zuvor geheißen, es herrsche „Unterbeschäftigung im System“. Jussufow und
Wollny müssten sich nun an ihren
Worten messen lassen.
Diese Worte waren noch im Mai
eindeutig: bis Ende Dezember
250 neue Jobs sowie keine Umschichtung von Aufträgen aus Wismar und Warnemünde nach Stralsund. Bislang sind 100 ehemalige
Volkswerft-Mitarbeiter übernommen worden. Der Großteil davon
sind Ingenieure und hoch qualifizierte Fachkräfte, die Nordic zuvor
auf dem europäischen Arbeitsmarkt monatelang vergeblich gesucht hatte. Nordic selbst schweigt
sich weiter dazu aus.

Aufarbeitung der P+S-Pleite zieht sich hin
Stralsund – Am Morgen des 29. August 2012 zog der damalige Geschäftsführer Rüdiger Fuchs die
Notbremse für die angeschlagenen
P+S-Werften in Stralsund und Wolgast und beantragte beim Amtsgericht Stralsund die Insolvenz für
den größten Wirtschaftsbetrieb in
Vorpommern. Ministerpräsident
Erwin Sellering (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) versprachen Unterstützung.
Die Bilanz nach zwei Jahren ist
ernüchternd: Mehr als drei Viertel
der 1800 Arbeitsplätze gingen verloren. Auf der Peene-Werft in Wolgast, die im Mai 2013 von der Bremer Lürssen-Gruppe übernommen
wurde, sind aktuell rund 300 Mitarbeiter und 40 Azubis beschäftigt.
Auf der Volkswerft in Stralsund –
heute zur Nordic-Gruppe des russischen Eigners Witali Jussufow gehörend – arbeiten 100. „Aus Sicht

der ehemaligen Beschäftigten ist
diese Bilanz sicher kritisch“, sagt
IG-Metaller Guido Fröschke.
Nach der Pleite gab es Gläubigerforderungen in Höhe von einer Milliarde Euro, von denen bislang
583 Millionen anerkannt wurden.
Über 301 Millionen wird noch verhandelt. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann geht davon aus,
„dass 20 Millionen Euro aus dem
Masseverkauf erwirtschaftet werden“. Nach dem Werftenverkauf –
17 Millionen Euro für Wolgast, fünf
für Stralsund – sollen drei Immobilien aus der P+S-Masse versteigert
werden: das Volkswerft-Hochhaus
wird am 6. September für ein
Mindestgebot von 19 000 Euro angeboten. Unter den Hammer kommen zudem das Ex-Gästehaus der
Peene-Werft
für
mindestens
95 000 Euro sowie Ferienimmobilien auf Usedom.

Gewerkschafter Fröschke sieht
mittelfristig ein Potenzial von
400 Arbeitsplätzen in Wolgast und
700 bis 1000 auf der Volkswerft.
Mit der Entwicklung auf der Peene-Werft ist die IG Metall zufrieden. Die Lürssen-Gruppe will 2015
mit dem Bau von Küstenschutzbooten für Saudi-Arabien beginnen.
Ein Schlussstrich unter der P+SPleite ist noch nicht in Sicht. Seit
2013 ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Insolvenzverschleppung gegen frühere Geschäftsführer. Ob Anklage erhoben wird, ist
offen. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Landtags
sucht seit fast zwei Jahren nach vermeidbaren Fehlern der Landesregierung bei der Förderung, denn
das Land verlor mit der Pleite einen
dreistelligen Millionenbetrag.
Martina Rathke / Iris Leithold

Grundbildung an
Volkshochschule
ist kostenfrei
Schwerin – Mit Beginn des neuen
Schuljahres entfallen an den Volkshochschulen Mecklenburg-Vorpommerns die Gebühren für die
Kurse der Alphabetisierung und
zur Erlangung der Berufsreife. Das
teilte das Bildungsministerium in
Schwerin mit. Im Schuljahr
2015/2016 soll auch ein gebührenfreies Nachholen der Mittleren
Reife möglich werden. Dafür stelle
das Land dieses Jahr zusätzlich
210 000 Euro bereit, im kommenden Schuljahr sollen es noch einmal 220 000 Euro sein. Dann stünden insgesamt 760 000 Euro für die
Kurse zum Nachholen der Berufsreife, für die Grundbildung und die
Mittlere Reife zur Verfügung. In
den Katalogen vieler Volkshochschulen sind allerdings noch Gebühren aufgelistet. Hintergrund:
Die Landesregierung hat ihren
Extra-Zuschuss erst spät zugesagt.

Aida-Studenten
auf Segelschiff
unterwegs
Rostock – 21 Studierende der Rostocker Kreuzfahrt-Reederei Aida
Cruises sind seit gestern an Bord
des Segelschulschiffs „Großherzogin Elisabeth“ unterwegs. Vor dem
ersten Einsatz auf den Schiffen der
Kussmund-Flotte werden sie in
den kommenden drei Wochen die
seemännische Grundausbildung
auf der Ostsee erhalten, teilte das
Unternehmen mit. An Bord erfahren die jungen Leute, wie sich ein
Schiff bei Wind und Wetter verhält,
und lernen neben Segelsetzen
auch nautisches und technisches
Basiswissen. Zudem seien Teamgeist und Engagement gefragt. Ab
kommenden Montag befinden sich
160 junge Leute in einer Ausbildung oder einem Studium mit nautisch-technischer Ausrichtung bei
Aida Cruises.

Kogge bekommt Wasser unter den Kiel

Ostseefestspiele unter den Erwartungen

Im Ukranenland Torgelow gefertigter Nachbau soll auf Haff und Ostsee fahren.

Theater Vorpommern muss das Land um eine Soforthilfe bitten.

Vorarbeiter
Joachim
Winter (60)
bereitet den
Transport der
Kogge vor.
Foto:
Norbert Fellechner

Torgelow – Ein Koloss geht auf Reisen: An diesem Wochenende wird
der Nachbau einer Kogge von der
historischen Werft des Ukranenlandes in Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald) in das 17 Kilometer entfernte Ueckermünde transportiert und im Ortsteil Bernshof zu
Wasser gelassen. Das 26 Meter
lange Schiff mit dem Arbeitstitel
„Uecker-Randow-Kogge“
war
2001 auf Kiel gelegt worden und
soll 2016 zu Fahrten auf Haff und
Ostsee starten. An Bord werden
rund 50 Gäste Platz haben.
nf

Stralsund/Zinnowitz – Die mit
einem neuen Konzept gestarteten
Ostseefestspiele des Theaters Vorpommern sind in ihrem ersten Jahr
unter den Erwartungen geblieben.
Statt der angepeilten 20 000 Zuschauer wurden nur rund 11 000 gezählt, sagte Intendant Dirk Löschner gestern. Angesichts dieses Ergebnisses hat das Theater beim Kultusministerium eine Soforthilfe von
300 000 Euro beantragt. „Wir
haben uns zu viel vorgenommen.“
Das Theater hatte mit einer mobilen Bühne neben Greifswald und

Stralsund erstmals auch die Inseln
Rügen und Usedom bespielt.
Schleppend lief vor allem das Familienmusical „Die Abrafaxe“.
„Wir sind mit dem Land in Gesprächen, inwiefern es uns einen
Zuschuss geben kann“, so Löschner. Der Antrag auf Soforthilfe ist
beim Ministerium eingegangen, er
müsse für die Bearbeitung von den
Trägern des Theaters, den Städten
Stralsund und Greifswald sowie
dem Kreis Vorpommern-Rügen, gestellt werden, hieß es aus Schwerin. Zudem müsse eine vollständi-

ge Sommerbilanz vorgelegt werden. Mit rund 11 000 Zuschauern
in 41 Vorstellungen auf der rund
1300 Plätze fassenden Bühne lag
die Auslastung bei 20 Prozent.
Das Theater Vorpommern will
trotz des schlechten Starts an dem
Grundkonzept für die Ostseefestspiele mit einer mobilen Bühne festhalten. Zudem will der Intendant
mit den Partnern aus Kurverwaltungen und Gemeinden auf den Inseln
reden, um die Saison 2014 auszuwerten und daraus Konsequenzen
für 2015 zu ziehen. Martina Rathke

Airport Köln: Gestern fielen hier
Foto: Oliver Berg/dpa
48 Flüge aus.

Piloten
drohen mit
weiteren
Streiks
Köln – Der Streik der Flugkapitäne
von Germanwings führte gestern
deutschlandweit zu zahlreichen
Flugausfällen. Rund 15 000 Passagiere konnten ihre Reise nicht antreten. Der Konflikt zwischen Lufthansa und ihren Piloten droht zu eskalieren: Ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC)
schloss gestern nicht aus, dass der
Pilotenstreik von der Tochter Germanwings am Wochenende auch
auf die Mutter Lufthansa ausgeweitet wird. Am Wochenende könnten
von Streiks die Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen
sein, sagte ein VC-Sprecher. Mit
„leichten Nadelstichen“ wolle die
Pilotengewerkschaft das Unternehmen im Streit um den bezahlten
Vorruhestand für Flugkapitäne
zum Einlenken bewegen. „Wir
kündigen einen Streik aber auf jeden Fall am Vortag an“, sagte der
Cockpit-Sprecher.
Gestern strich Germanwings bis
12.00 Uhr 116 von insgesamt 164
Flügen. Am stärksten betroffen waren die Flughäfen Köln-Bonn und
Stuttgart. Germanwings strich unter anderem aber auch Flüge in Berlin-Tegel und Hamburg. Auch
nach Ende des Streiks am Freitagmittag kam es noch zu Verzögerungen im Flugplan. Ab heute solle
der Flugverkehr bei Germanwings
wieder nach Plan verlaufen.
Trotz des Streiks der Piloten war
es an den betroffenen Airports zu
keinen größeren Behinderungen
gekommen, bestätigten Sprecher
der Airports übereinstimmend. Viele Fluggäste seien vorab über ihre
Reisebüros, SMS oder Mails informiert worden. Die Streiks hätten
bei der Airline einen wirtschaftlichen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht, sagte ein
Unternehmenssprecher.

WIRTSCHAFT

Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

Siemens-Spezialschiff wartet
Offshore-Parks in der Ostsee

IN KÜRZE
VR-Banken Wismar und
Güstrow fusionieren
Wismar – Die Volks- und Raiffeisenbanken Wismar und Güstrow
fusionieren. Die Mitglieder haben
auf Versammlungen in Wismar
und Güstrow mit jeweils deutlich
über 90 Prozent dafür gestimmt.
Die Bilanzsumme erhöht sich damit auf knapp eine Milliarde Euro.
Das Vorstandsquartett hat je zwei
Mitglieder aus Wismar und Güstrow. Für die 286 Mitarbeiter gibt
es eine Arbeitsplatzgarantie bis
Ende 2016, die 31 Geschäftsstellen
bleiben erhalten.

Anfang nächsten
Jahres legt die
schwimmende
Werkstatt zum ersten
Mal ab. Die
Mannschaft bleibt
wochenlang auf See

Bremsprobleme: Audi ruft
70 000 Autos zurück
Ingolstadt – Audi ruft rund 70 000
Autos wegen möglicher Bremsprobleme in die Werkstätten. Betroffen seien zwischen März und Dezember 2012 gebaute Wagen der
Baureihen A4/A5, Q5, A6/A7 und
Q7 mit 3,0-Liter TDI-Motor, teilte
Audi in Ingolstadt mit. Bei ihnen
könne im ungünstigsten Fall eine
geringe Menge Motoröl durch die
Unterdruckleitungen in den
Bremskraftverstärker gelangen
und die Funktion beeinträchtigen.

Von Kerstin Schröder
Rostock – Die Siemens AG erschließt sich in Mecklenburg- Vorpommern ein neues Geschäftsfeld:
die Wartung der Offshore-Anlagen
in den Ostsee-Windparks „Baltic
1“ und „2“. In Norwegen wird gerade ein Arbeitsschiff gebaut, mit
dem eine Servicetruppe ab Anfang
nächsten Jahres zu den OstseeWindmühlen ablegen soll. Ein weiteres, baugleiches Schiff soll in der
Nordsee eingesetzt werden.
„Die Mannschaft, die vor dem
Darß und der Insel Rügen unterwegs sein wird, besteht derzeit aus
25 Leuten, künftig sollen es 45
sein“, berichtet Frank Haacker,
Chef der Siemens-Niederlassung
Mecklenburg-Vorpommern. Sommerhafen des Arbeitsschiffes soll
Barhöft in der Nähe von Stralsund
sein. Den Winter über macht es in
Rostock fest. „Weil der Barhöfter
Hafen nicht eisfrei gehalten werden kann“, erklärt Haacker. Das sogenannte Service Operation Vessel
(SOV) ist schwimmende Werkstatt
und Wohnstätte zugleich. Es ankert über längere Zeit in der Nähe
der Windparks, wodurch sich die
Wegezeiten und Kosten deutlich reduzieren. „Geplant ist, dass die
Mannschaften vier Wochen an
Bord bleiben und dann getauscht
werden“, sagt Haacker. Auf See
würden die Service-Techniker die
Elektro- und Schaltanlagen der
Windmühlen überprüfen, sich von
den Türmen abseilen, um die nach
eventuellen Schäden abzusuchen
und dafür sorgen, dass genügend
Schmiermittel in den Gondeln sind.
Für die Siemens AG sind „Baltic
1“ und „Baltic 2“ bekannte Arbeitsfelder. Ihre Technologie steckt in allen dazugehörigen Windanlagen –

7

Malaysia Airlines streicht
6000 Stellen

Bald auf der Ostsee unterwegs: das Offshore-Wartungsschiff. Es ist 84 Meter lang.
20 vor dem Darß und 80 vor
der Insel Rügen. Gebaut
werden diese in Dänemark.
Auch die MV-Niederlassung mit Sitz in Rostock
macht ein gutes Jahresgeschäft – 60 Millionen Euro.
Ein Großteil des Geldes wird
mit Technik zur Gebäudeeffizienz erzielt, also damit, Häuser,
Kliniken und Firmen so zu auszurüsten, dass die Energiekosten sinken
beziehungsweise von Beginn an
niedrig sind. Ein Großauftrag ist in
diesem Bereich das neue Nestlé-Werk in Schwerin – mit 3,5 Millionen Euro. „Auch dem Darwineum
in Rostock haben wir geholfen, die
Energiekosten um monatlich 10 000

Fotos: Siemens AG/Kerstin Schröder

auf andere Firmen in MV
aus. Das Unternehmen
des Schiffes sind
sorgt im Nordosten für ein
Rostock und Barhöft jährliches Einkaufsvolubei Stralsund.“
men von 85 Millionen
Euro. Etwa die Hälfte
Frank Haacker (45), Chef der
stammen von der SieSiemens-Niederlassung MV
menssparte Windpower,
mit Sitz in Rostock
der seine Naben (verbinEuro zu senken“, berichtet Frank den die Rotorblätter mit dem Rest
Haacker. Er ist Chef von 100 Mitar- der Anlage und übertragen die
beitern. Die betreuen in Mecklen- Leistung auf die Rotorwelle) in der
burg-Vorpommern ungefähr 800 Eisengießerei Torgelow herstellen
Kunden. Zu denen zählen die Uni- lässt. Die KLH Kältetechnik Bad Dokliniken Rostock und Greifswald, beran verbaut Siemenstechnik in
deren radiologische Abteilungen Kältegeräten für Saudi Arabien.
von Siemens ausgestattet wurden.
Die Darguner Firma Econautic proDie Geschäftsfelder des Unter- duziert Zündkerzen für das Sienehmens wirken sich auch positiv mens-Gasturbindenwerk in Berlin.

D) D) Die Anlaufhäfen

Kuala Lumpur – Mit der Streichung
tausender Stellen, einem ausgedünnten Streckennetz und einem
neuen Chef will die kriselnde Fluggesellschaft Malaysia Airlines eine
Pleite abwenden. Der staatliche Investmentfonds Khazanah Nasional, der das Unternehmen komplett kontrolliert, kündigte gestern
an, 6000 Stellen zu streichen – etwa jeden dritten Arbeitsplatz. Der
Name der durch die Unglücke im
März und im Juli in Verruf geratenen Airline soll bleiben.

Apple präsentiert
Neuheiten am 9. September
Cupertino – Nun ist es offiziell:
Apple hat den 9. September als
Termin für die Vorstellung der
nächsten Neuheiten bestätigt.
Laut US-Medienberichten sollen
an diesem Tag größere iPhone-Modelle vorgestellt werden und möglicherweise auch die seit langem
erwartete Computer-Uhr oder ein
anderes tragbares Gerät. Die neuen iPhones sollen erstmals auch einen Chip für den NFC-Nahfunk
bekommen.

FRANKFURTER WERTPAPIERBÖRSE
DIE BÖRSE:

TecDAX

DAX

1.241,44 (+ 0,13%)

9.470,17 + 0,08%

10000
9500
9000
8500
8000
S

O

N

D

GEWINNER
aus Dax, MDax und TecDax
SMA Solar T.
Drillisch
Südzucker
Norma Group

J

F

M

A

M

J

J

VERLIERER
29.08.
24,40
29,09
13,10
36,56

Stand: 18:30 Uhr ME(S)Z

± % Vortag
+2,52 WWWWWWWW
+2,05 WWWWWW
–3,43 WWWWWWWWWWW
–2,88 WWWWWWWWW

A

16.085,29 (– 0,07%)

Euro Stoxx 50

3.172,63 (+ 0,26%)

Nikkei 225

15.424,59 (– 0,23%)

Dow Jones (18:30 Uhr)

DAX (DEUTSCHER AKTIENINDEX)
Name

10500

MDAX

Schluss
Dividende 29.08.

Adidas NA
Allianz SE vNA°
BASF NA°
Bayer NA°
Beiersdorf
BMW St.°
Commerzbank
Continental
Daimler NA°
Dt. Bank NA°
Dt. Börse NA
Dt. Post NA°
Dt. Telekom NA°
E.ON SE°
Fres. M.C.St.

1,50 57,04
5,30 129,80
2,70 78,29
2,10 102,05
0,70 66,99
2,60 88,60
- 11,52
2,50 162,50
2,25 62,24
0,72 26,04
2,10 54,11
0,80 24,89
0,50 11,38
0,60 13,83
0,77 53,67

Veränderung
% Vortag
WWWWW –0,66
+0,23 WW
+0,27 WW
+0,89 WWWWWW
WWW –0,46
WWWWW –0,76
+0,70 WWWWW
WWWWW –0,64
+0,13 W
WW –0,29
WWWWW –0,66
WWW –0,38
WWW –0,44
+0,44 WWW
+0,66 WWWWW

KGV
2014

17.085,71 (+ 0,04%)

Nasdaq 100 (18:30 Uhr)
€ IN $

WÄHRUNGEN
Tief

18,40 54,16
9,54 108,40
14,23 65,86
21,26 81,82
25,77 63,68
10,42 70,89
16,46
8,40
13,54 113,85
10,73 51,82
9,64 24,17
13,87 50,60
14,64 21,74
22,76
9,56
13,83 11,88
8,80 46,64

52 Wochen
Vergleich

Name
Hoch
93,22
134,40
88,28
106,80
77,33
96,10
14,48
183,40
71,27
38,15
63,29
28,47
13,15
15,37
54,32

Schluss
Dividende 29.08.

Fresenius SE
Heidelb.Cem.
Henkel Vz.
Infineon NA
K+S NA
Lanxess
Linde
Lufthansa
Merck
Münch.Rü. vNA°
RWE St.°
SAP SE°
Siemens NA°
ThyssenKrupp
VW Vz.°

0,42 37,13
0,60 57,42
1,22 79,80
0,12
8,85
0,25 23,66
0,50 47,12
3,00 150,65
0,45 13,18
0,95 66,23
7,25 152,60
1,00 29,78
1,00 59,20
3,00 95,34
- 21,13
4,06 170,85

Veränderung
% Vortag
+0,12 W
WW –0,28
WWWWWW –0,81
+0,12 W
WWWWWWW –0,94
+0,17 WW
+0,40 WWW
WWWWWWWWWW –1,38
+0,29 WW
+0,73 WWWWW
+0,61 WWWW
+0,05 W
+0,12 W
WW –0,19
WWWWW –0,70

KGV
2014

Tief

9,77 29,01
14,36 51,61
19,46 71,85
22,11
6,77
18,20 18,26
22,44 43,67
19,56 137,05
7,75 12,05
22,08 55,20
8,98 133,20
11,91 20,75
17,72 51,87
14,67 80,09
52,81 15,41
7,77 162,50

52 Wochen
Vergleich

Hoch
40,20
68,66
86,96
9,46
27,25
56,75
158,45
20,30
67,78
170,40
32,98
63,30
101,35
22,80
205,00

Ein Euro entspricht
Dänemark
Großbritannien
Polen
Russland
Schweden
Schweiz
Tschechien
Türkei
Ungarn
USA

4.077,86 (+ 0,28%)

(DKK)
(GBP)
(PLN)
(RUB)
(SEK)
(CHF)
(CZK)
(TRY)
(HUF)
(USD)

Ankauf
Verkauf
7,8589
7,1089
0,8275
0,7549
5,0539
3,7628
56,5630 42,2880
9,8842
8,7342
1,2481
1,1666
30,4550 24,0550
2,9955
2,6955
392,6500 262,6500
1,3847
1,2537

1,38
1,36
1,34
1,32
1,30
S

O

N

D

J

F

M

A

M

J

J

Fonds http://fondscontainer.vwd.com/

29.08. ± % Vortag
4,01
+0,15
13,76
–1,04

Gold London ($/31,1g)
Silber (€/1kg)
Rohöl, Brent ($/Barrel)

29.08. ± % Vortag
1285,75
–0,48
524,00
±0,00
102,82
+0,28

Erläuterung: NA = Namensaktie, St. = Stammaktie, Vz. = Vorzugsaktie, ° = auch im Euro Stoxx 50 enthalten; Div. = zuletzt ausgezahlte Dividende; KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis, * = Vortageskurs oder letzt verfügbar; Nikkei = © Nihon Keizai Shimbun, Inc.; Währungen = Quelle Deutsche Bank. Alle Angaben ohne Gewähr. Quelle

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1,40

PANORAMA

8
IN KÜRZE

ISLAND
Reykjavik
Ausbruch am
21. März 2010

Eyjafjallajökull

Reykjavik – Vor vier Jahren hatte
ein Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull den
Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahmgelegt. Auch der Vulkan
Bárdarbunga könnte eine riesige
Aschewolke in die Luft pusten. Ob
es soweit kommt, hängt vom Verlauf der Eruptionen ab. Denn
tritt die Lava unter dem Gletscher aus, könnte sie das Eis
zum Schmelzen bringen – mit
gefährlichen Folgen.

München – Schauspieler Elyas
M'Barek (Foto,
32) muss sich seit
dem Kinoerfolg
von „Fack Ju Göhte“ immer wieder
gegen aufdringliche Fans wehren. „Manche verfolgen mich im
Fitness-Studio bis unter die Dusche. Kein Witz“, sagte der Darsteller in „TV-Movie“. „Viele Menschen denken offenbar, man sei so
etwas wie ein alter Freund.“

Vater von Angelina Jolie
wusste nichts von Hochzeit
Los Angeles – Der Vater von Angelina Jolie, US-Schauspieler Jon
Voight (75), wusste nach eigenen
Angaben nichts von der Hochzeit
seiner Tochter. Er habe davon
auch erst aus den Medien erfahren, berichtete der Oscar-Preisträger („Coming Home“) dem Promiportal „TMZ.com“. Er freue sich
für seine Tochter und ihren Ehemann Brad Pitt.
Fotos: China out/AFP, Olafs/dpa

Frau überlebt ohne Vorräte
in der kanadischen Wildnis

Die schönsten Bikini-Models
Qingdao – Im chinesischen Qingdao haben sich 48
Schönheiten aus 46 Ländern zum Finale im „World
Bikini Model Contest“ getroffen. Die Zutaten: lange Beine, sexy Kurven und äußerst knappe Stoffe.
Die Kandidatinnen überzeugten nicht nur mit
Traummaßen, sondern auch mit ihrem Lächeln und
kreativen Outfits. Hier zeigen zwei Beautys ihre wilde Seite mit Blättern, Blüten und Tierfell-Prints. Zu-

vor hatten die Ladys eine Rundreise unternommen.
Sie besuchten die Chinesische Mauer, den
Himmelstempel und die Verbotene Stadt in Peking.
Überall wurde posiert – im Bikini natürlich. Zur
„Miss World Bikini“ gekürt wurde eine Blondine:
die Slowakin Stetiarova Martinani. Zweite wurde
Namshir Anu aus der Mongolei. Auf den dritten
Platz kam Karaj Hygertajfoe aus Albanien.
bma

Teure Torte von
Charles und Diana

Bei der russischen Sberbank gibt
es zum Hauskredit noch eine Katze dazu – zumindest leihweise. Die
Kunden des Kreditinstituts können
zwischen zehn verschiedenen Katzen wählen. Nach russischer Tradition bringt eine Katze Glück, wenn
sie als erste durch die Tür eines
neuen Hauses geht.

VatnajökullGletscher

Höfn
Ausbruch am
21. Mai 2011

OZ-Grafik |
jochen.wenzel@wgrafik.de |
Quelle: dpa•21503

Bárdarbunga hat Lava gespuckt. Wie
gefährlich kann der Vulkan noch werden?

Fans verfolgen M'Barek
bis unter die Dusche

AUCH DAS NOCH

Bárdarbunga

Droht jetzt
eine neue
Aschewolke?

Athen – Zwei Seebeben
der Stärken 5,7 und 4,7
haben Tausende Menschen in Südgriechenland
aus dem Schlaf gerissen.
Beide Erdstöße ereigneten
sich gestern früh und wurden
als starke Erschütterungen empfunden. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Gespürt wurden die Seebeben in
der gesamten Ägäis.

US-Sängerin Britney Spears (32) ist wieder
solo – sie hat sich nach rund einem Jahr
von ihrem Freund David Lucado getrennt.

Grimsvötn

Ausbruch am
28./29. August

Keflavik

Zwei Beben
in Griechenland

D) D) Ach, das Single-Leben.“

Husavik

Akureyri

Upgant-Schott – Die auf einem
Spielplatz in Ostfriesland misshandelte Sechsjährige ist auf dem
Weg der Besserung. „Unserer
Tochter geht es ganz langsam besser“, teilten die Eltern mit. „Die ersten körperlichen Wunden heilen,
was aus den seelischen Verletzungen wird, muss die Zeit zeigen.“
Am Dienstag wurde ein 18-Jähriger festgenommen, der die Tat
zugab. Er sitzt wegen versuchten Totschlags und sexuellen Missbrauchs in U-Haft.

ZITAT DES TAGES

100 km

Isafjördur

Misshandeltem Mädchen
geht es langsam besser

Ottawa – Nach einem Kanu-Unfall,
bei dem ihr Mann ums Leben kam,
hat eine 62 Jahre alte Frau acht Tage ohne Vorräte in der kanadischen Wildnis überlebt. Die Frau
sei schließlich gesund von Rettungsfliegern in der Nähe eines
Wasserfalls entdeckt und gerettet
worden, berichteten kanadische
Medien. Sie hatte ein Feuer gemacht und mit Tüchern gewunken.

Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

Verschimmelter Hochzeitskuchen unterm Hammer.
Los Angeles – Mehr als 30 Jahre
nach der Trauung des britischen
Thronfolgers Charles mit Lady Diana ist ein verschimmeltes Stück
Hochzeitskuchen von der Feier in
den USA versteigert worden. Das
rechteckige Stück Torte habe bei einer Online-Auktion 1375 Dollar (etwa 1000 Euro) eingebracht, teilte
das Auktionshaus Nate D. Sanders
am Donnerstag (Ortszeit) in Los
Angeles mit.
Der Kuchen sei noch in der silber-weißen Originalverpackung
von der Hochzeit im Juli 1981 gewesen. Auch eine Grußkarte habe bei-

gelegen. Wer das Tortenstück ersteigerte, wurde nicht mitgeteilt.
Genießbar wird es nach all den
Jahren wohl nicht mehr sein.

Charles und Diana: Ob ihre Hochzeitstorte noch schmeckt?

viel Lava aus, dass eine Stadt wie
Berlin unter einer mehrere Meter
dicken Lavaschicht begraben worden wäre.

Welche Gefahr geht
von Bárdarbunga aus?
Die Folgen eines starken Ausbruchs könnten enorm sein. Wissenschaftler haben die Sorge, dass
das Magma unter einem dicken Eisgletscher eine Eruption hervorrufen könnte, die eine gefährliche
Aschewolke wie damals beim AusWie ist die Lage am Vulkan?
bruch des isländischen GletscherNachdem Bárdarbunga tage- vulkans Eyjafjallajökull auslöst.
lang gebebt hatte, kam es in Vulkanasche kann bei Flugzeugen
der Nacht zu gestern zu einem Aus- zum Ausfall von Triebwerken fühbruch. Dabei strömte
ren. Die Behörden sind
Lava aus einem 100 Me- D) D) Bei einem
in Alarmbereitschaft.
ter langen Riss neun Kidrohen schwere
Vulkan kann man Zudem
lometer nördlich des
Überschwemmungen,
Gletschers Vatnajökull. nie vorhersehen, wenn die Lava unter
Das Meteorologische In- was passiert.“
dem Eis austritt und diestitut auf Island rief Eine Sprecherin
ses zum Schmelzen
Warnstufe Rot aus, stuf- des Zivilschutzes
bringt.
te die Gefahr später auf
Orange zurück. Dem Vulkanolo- Welche Aussagen lassen
gen Thomas Walter vom Deut- sich für Bárdarbunga treffen?
schen Geoforschungszentrum zu- Für die Forscher ist es nicht einfolge gibt es jetzt mehrere Szena- fach, die Gefahren rund um den
rien. Im besten Fall beruhigt sich Bárdarbunga abzuschätzen. Der
der Vulkan. Gefährlich wird es bei Grund: Der Vulkan liegt in einem
Ausbrüchen unter dem Gletscher. sehr schwer zugänglichen Gebiet.
Dann droht eine Aschewolke.
Selbst GPS- und seismographische
Geräte müssen in einiger EntferWas bedeuten die Warnstufen?
nung vom Vulkan aufgebaut werRot ist die höchste Warnstufe und den, erklärt der Experte Walter.
bedeutet, dass ein Ausbruch des Die Daten werden übertragen und
Vulkans ansteht oder schon begon- dann in Reykjavik analysiert.
nen hat. Dann könnte der Vulkan
eine große Menge Asche ausstoßen. Orange ist die zweithöchste
Warnstufe und besagt, dass der Vulkan erhöhte oder ansteigende Aktivität zeigt und größere Wahrscheinlichkeit für eine Eruption besteht.
Gelb zeigt an, dass der Vulkan unruhig ist, grün und grau symbolisieren keine nennenswerte Aktivität.
Ist der Bárdarbunga
schon mal ausgebrochen?
Vulkanologe Walter schätzt, dass
der Vulkan in den vergangenen
tausend Jahren schon mehr als 20
Mal ausgebrochen ist. Vor 8500
Jahren kam es zu einem der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Neuzeit. Dabei stieß Bárdarbunga so-

Ein Foto von 2010, als der Vulkan
Eyjafjallajökull ausbrach.

Streit um Rückenlehne
US-Flugzeug musste zwischenlanden. Passagier wurde an die Luft gesetzt.
Boston – Wegen eines Streits um
die Rückenlehne und mangelnde
Beinfreiheit hat in den USA zum
zweiten Mal binnen weniger Tage
ein Flugzeug eine ungewollte Zwischenlandung einlegen müssen.
Auf dem Flug von Miami nach Paris erregte sich ein 61-jähriger Franzose über die zurückgeklappte Rückenlehne seines Vordermanns,
wie die US-Justiz mitteilte. Als ein
Flugbegleiter den Mann beruhigen wollte, regte dieser sich nur
noch mehr auf – und packte schließlich den Flugbegleiter am Arm.
Ein Sicherheitsbeamter an Bord
der American-Airlines-Maschine
überwältigte den Franzosen und

legte ihm Handschellen an. Der Pilot drehte ab und landete in Boston.
Dort wurde der in Paris lebende
Passagier von Polizisten abgeführt
und auf eigenes Verlangen in ein
Krankenhaus gebracht. Gegen
den Mann wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Behinderung eines Crew-Mitglieds eingeleitet,
wie der Sprecher des Staatsanwalts von Boston sagte. Ihm drohen
sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 500 Dollar (380 Euro).
Erst am Sonntag hatte eine Maschine der United Airlines außerplanmäßig in Chicago landen müssen, nachdem ein Streit um eine Rückenlehne eskaliert war. Auf dem

Flug von Newark nach Denver hatte ein Passagier die Rückenlehne
vor ihm mit einem sogenannten
Knee Defender (Knieverteidiger)
blockiert. Er weigerte sich, die Vorrichtung abzunehmen, als die Stewardess ihn dazu aufforderte.
Schließlich schüttete ihm die vor
ihm sitzende Passagierin ein Glas
Wasser ins Gesicht.
Der Knee Defender verhindert,
dass der Vordermann seine Rückenlehne nach hinten verstellen
kann. Er besteht aus zwei Manschetten, die am eigenen Tisch befestigt werden, und kostet 17 Euro.
Die meisten US-Fluggesellschaften untersagen seine Verwendung.

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Sonnabend/Sonntag,
30./31. August 2014

Ladendieb im
Hagebaumarkt
ausgerastet

IHRE REDAKTION

ier ist alles bissel anders.
Die Sächsin bringt’s auf
den Punkt: Auf Hiddensee
drehen sich die Uhren langsamer.
Ein Grund, warum wir das Söte
Länneken so lieben. „Wie kannst
du in der Hochsaison da Urlaub machen?“, fragte mich ein Kollege völlig entgeistert. Kann man, muss
man aber auch kompromissbereit
sein. Denn ohne Vorbestellung
läuft nichts. Fahrradanhänger reserviert? Nee? Keine Chance!
Dann möchte ich vorbestellen. „Da
nehmen wir nix mehr an!“ Bernsteinschleifen für die Lütten? Keine Anmeldung? Dann nächsten
Dienstag! Hart traf es einen Franzosen. Der hatte brav beim Bäcker eine Geburtstagstorte bestellt. Als er
sie abholen wollte, hieß es: „Haben sie nicht mit geschickt. Können wir auch nichts für.“ Wie gut,
dass es eines immer noch ohne Vorbestellung gibt: Echtes Hiddenseewetter. Und das auch noch gratis.

9

Hochzeit an Bord des Segelschulschiffes: Ein Paar aus Berlin hat gestern auf der Gorch Fock sogar eine waschechte Piratenhochzeit gefeiert.
Jessica und Jörg Schröder enterten das Schiff mit ihrer Gefolgschaft und verließen es als frisch vermähltes Ehepaar.
Foto: Alexander Müller

Teurer Spaß: Stadt soll eine
Million für Gorch Fock zahlen

Stralsund – Mit einem Ladendieb
der besonderen Art hatte es die Polizei am Donnerstagabend im Hagebaumarkt zu tun. Der Mann hatte
sich nicht nur über Werkzeug hergemacht, sondern randalierte auch
noch und trat die Scheibentür eines
Blockhauses ein.
Gegen 19.15 Uhr hatte der
28-Jährige den Baumarkt betreten,
einen Hammer unbezahlt eingesteckt und den Markt daraufhin
wieder verlassen. Er dachte wohl,
dass es clever sei, das Ding über einen Zaun auf eine Wiese zu werfen. Allerdings konnte er das gute
Stück dort nicht wiederfinden. Kurzerhand startete er einen zweiten
Versuch und stahl erneut einen
Hammer. Wert rund 16 Euro.
Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass er von Zeugen beobachtet und die Polizei alarmiert
wurde. Aus seiner Jackentasche
rückte der Hansestädter dann auch
das Diebesgut heraus. Als die Beamten den betrunkenen Mann, der
bei der Polizei bekannt ist, weiter
durchsuchten, beförderten sie ein
Tütchen mit Drogen zu Tage. Gegen den Ladendieb wurde Anzeige
wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen
das Betäubungsmittelgesetz erstattet. Da der Mann einen äußerst verwirrten Eindruck machte, wurde er
ins Helios Hanseklinikum – Krankenhaus West – eingeliefert. mw

Gutachter halten Kauf des Segelschiffes trotz hoher Kosten touristisch aber für sinnvoll.
Von Benjamin Fischer
Stralsund – Der geplante Kauf der
Gorch Fock durch die Stadt Stralsund droht zu einer kostspieligen
Angelegenheit zu werden. Dies
geht aus dem von OB Alexander Badrow (CDU) beauftragten Gutachten hervor, in dem geprüft worden
ist, ob eine Übernahme des Traditionsseglers sinnvoll sein könnte.
Demnach verlangt allein der Verein „Tall Ship Friends“, dem das Segelschulschiff seit 2003 gehört, laut
vorliegendem
Kaufvertragsentwurf einen Preis von knapp einer
Million Euro, obwohl der Materialwert der Gorch Fock dem Gutachten zufolge maximal 416 000 Euro
beträgt. Hinzu käme der ideelle
Wert, den sich die Gorch Fock in
den vergangenen Jahren im Stralsunder Hafen erarbeitet hat. Dieser
könne jedoch nicht ermittelt werden, heißt es in dem Gutachten.
Das rund 100 000 Euro teure und
123-seitige Dokument des Rostocker Ingenieurbüros Inros Lackner liegt der OZ vor. Das Papier ist
umstritten, weil der Auftrag dafür
von Badrow nicht ordnungsgemäß
ausgeschrieben worden sein soll.

Neben dem Kaufpreis müsste
das 81 Jahre alte Schiff nach Angaben der Gutachter für mindestens
3,4 Millionen Euro saniert werden,
womit sich die Gesamtkosten für Erwerb und Instandsetzung auf
knapp 4,4 Millionen Euro belaufen. Dafür seien aber lediglich Maßnahmen realisierbar, um die
Schwimmfähigkeit des Schiffes
während der nächsten Jahre zu erhalten. Soll es wieder seetüchtig gemacht werden, würde dies weitere
Ausgaben in Höhe von etwa
1,5 Millionen Euro bedeuten.
Pikant: Weil die Gorch Fock in
den vergangenen Jahren im In-

nern baulich zu sehr verändert worden ist, wurde ihr der Status als
Denkmal aberkannt. Auf zusätzliche Denkmalschutz-Fördermöglichkeiten kann Badrow also nicht
hoffen. Bei der Landesregierung
hat die Stadt zwar für Kauf und Reparatur des Segelschiffes Zuschüsse in Höhe von 90 Prozent der Kosten beantragt, sich aber bei der Gesamtsumme von 4,4 Millionen
Euro um 675 000 Euro verschätzt,
die Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) noch einmal drauflegen
müsste, sollte er dem Förderantrag
zustimmen. Aus der Stadtkasse
würden
in
diesem
Fall

Mehr Hochzeiten auf der Gorch Fock
Zu den vielen Ideen des Ingenieurbüros Inros Lackner, wie künftig mit der
Gorch Fock Geld verdient werden
kann, gehört auch, das Schiff zu einer
Außenstelle des Standesamtes zu machen. So soll sich die Zahl der Trauungen von 20 im Jahr 2016, nachdem die
Gorch Fock wieder instandgesetzt worden ist, bis zum Jahr 2030 auf 40 verdoppeln. Schon heute ist das Schiff hin
und wieder Kulisse für eine Hochzeit.

301 000

Euro soll das Schiff ab 2016 pro Jahr
einspielen. Dafür sollen Veranstaltungen aller Art, Führungen an Bord, der
Verkauf von Souvenirs und weitere
Aktionen sorgen.
e Kurzversion des Gutachtens unter:
www.ostsee-zeitung.de.

435 000 Euro fließen, um die Bark
zu kaufen und flottzumachen.
Allerdings bliebe das Schiff den
Experten von Inros Lackner zufolge als Attraktion im Stadthafen
auch danach ein dauerhaftes Zuschussgeschäft für die Stadt. Je
nach Auslastung müsste das Rathaus sich pro Jahr mit einer Summe
zwischen 51 000 und 89 000 Euro
an den Betriebskosten beteiligen.
Dabei gehen die Gutachter davon aus, dass rund zehn Prozent
der Besucher des Ozeaneums auf
der Hafeninsel auch der Gorch
Fock einen Besuch abstatten, und
das Schiff jedes Jahr zwischen
März und Oktober geöffnet ist. Ein
Sponsoringvertrag mit den Stralsunder
Stadtwerken,
der
17 000 Euro im Jahr einbringt, ist
in dem Konzept bereits berücksichtigt worden.
Trotz dieser Kosten schreiben
die Gutachter in ihrer abschließenden Empfehlung, dass „aus touristischer Sicht ein Weiterbetrieb des
Schiffes als Museums- und Veranstaltungsschiff sinnvoll“ erscheint.
Allersdings sei ein „erhebliches Engagement personeller und auch finanzieller Art“ notwendig.

Bahnhof am
Rügendamm
wieder freigegeben
Stralsund – Die Sperrung des Rügendamm-Bahnhofs und des zweiten Gleises nach dem Brand am
Mittwoch wurden gestern wieder
aufgehoben. Damit können nun alle Regionalzüge, die stündlich zwischen Rostock und der Insel Rügen
verkehren, wieder am Rügendamm halten. Den ersten Stopp
gab es gestern um 13.05 Uhr. Damit stellte die Bahn auch den Buspendelverkehr wieder ein.
„Die Sicherungs- und Aufräumarbeiten sind abgeschlossen. Im Ergebnis der statischen Prüfung wurde festgestellt, dass keine Gefahr
für die Reisenden besteht“, sagte
Burkhard Ahlert, Sprecher der
Deutschen Bahn. Das Feuer war
am Mittwoch kurz vor 9.30 Uhr im
Zusammenhang mit Dacharbeiten
ausgebrochen. Der Sachschaden
wird auf 250 000 Euro geschätzt.
Verletzt wurde niemand. Das Gebäude aus dem Jahr 1936 steht bis
auf eine Mietwohnung leer.
mw

Handballer tauschen Trikot mit Kellnerschürze
Die Saisoneröffnung mit den Sponsoren wurde auf MS „Hanseblick“ gefeiert. Zum Drittliga-Auftakt spielt der SHV heute in Beckdorf.

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31.08.
07.09.
28.09.

13.00 bis 18.00 Uhr

Infos unter:
www.hansestadt-stralsund.de

Stralsund – Saisoneröffnung auf
dem Wasser – da hatte SHV-Trainer
Norbert Henke wohl eine gute Idee,
denn über 70 Gäste folgten am Donnerstagabend der Einladung des
Stralsunder Handballvereins. Mit
dem Weiße-Flotte-Schiff „Hanseblick“ schipperten Sportler und
Sponsoren zwei Stunden über den
Sund.
Natürlich wollten die Handballer
samt Chefetage ihren Unterstützern
Dank sagen. Und deshalb übernahmen sie auch den Service, tauschten
das SHV-Trikot mit der Kellnerschürze und mussten nun nicht mit
dem Ball, sondern mit dem Tablett
jonglieren. Vanek, Dau, Basic und
Co. lösten diese Aufgabe mutig und
bahnten sich tapfer den Weg durch
die Tischreihen. Selbst Norbert Henke war sich nicht zu schade zu kellnern. Den Gästen gefiel’s.

Da die Handballer bereits heute
beim SV Beckdorf in die Drittliga-Saison starten, wurde es auch
höchsteZeit, dass der Coach undManager die Mannschaft präsentierte.
Da gibt es allerdings nicht viele Veränderungen. Neu im Team sind Steve Marschall und Kai Baresel. Verhandlungen laufen mit einem dritten Torhüter. „Wir haben nach wie
vor einen kleinen Kader, aber der ist
eingespielt. Das ist unser Vorteil. Natürlich suchen wir noch Verstärkung, am liebsten einen Linkshänder, über zwei Meter groß und 1,50
breit“, zeigte sich Henke locker.
Die Vorbereitung sei über sieben
Wochen gelaufen. „Wir hatten aber
doch mit vielen gesundheitlichen
Problemen in der Truppe zu tun, so
dass wir keine Turniere gespielt haben. Unsere vier Testspiele haben
wir aber gewonnen.“ Gradmesser

sei da der 34:31-Sieg gegen den
Drittligisten Elbflorenz gewesen.
Auch gegen Doberan hatte der Trainer
nicht
unbedingt
einen
38:21-Sieg erwartet.
„Was in dieser Liga auf uns zu
kommt, können wir derzeit noch
schlecht einschätzen. Auf jeden Fall
wartet am Samstag mit dem SV
Beckdorf der erste harte Gegner, der
auf einem hohen Niveau spielt. Als
wir uns das Video anschauten, war
Co-Trainer Danny Anclais schockiert – und ich war entsetzt. Aber
auch als Außenseiter hat man eine
Chance, und die wollen wir nutzen“,
sagt Norbert Henke.
Der 57-Jährige motivierte die
Sponsoren noch einmal, zum ersten
Heimspiel am 6. September die ganze Nachbarschaft mit in die Vogelsang-Halle zu schleppen.
Ines Sommer

Wenn’s mal mit dem Handball nicht mehr klappt, können sie auch kellnern: Jakub Vanek, Sylvio Ney, Aleksander Kokoszka und Marijan BaFoto: Ines Sommer
sic (v. l.) machten als Servicepersonal eine gute Figur.


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