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Zuviele Abstriche der bund 09.07.2015 .pdf


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—  Donnerstag, 9. Juli 2015

Schweiz

 Jedes Jahr eine Million Krebsabstriche zu viel
Die Frauen in der Schweiz lassen den Pap-Abstrich zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge viel zu häufig vornehmen.
 Jährlich könnten geschätzte 70 Millionen Franken eingespart werden. Die Gynäkologen wollen nun darauf reagieren.

Felix Straumann

Regelmässig zum Frauenarzt
Gynäkologische Kontrollen

Die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung gilt als Erfolgsgeschichte. Der
Krebsabstrich – nach dem Urheber, dem
griechischen Arzt George Papanicolaou,
auch Pap-Abstrich genannt – wurde in
den 70er-Jahren in der Schweiz eingeführt. Seither ist die Zahl der Frauen, die
an dem Krebs sterben, um fast zwei Drittel gesunken. Für die Früherkennung
entnimmt der Frauenarzt der Patientin
mit einem Wattestäbchen oder einem
Spezialbürstchen einen Abstrich von
Muttermund und Gebärmutterhals und
lässt diesen in einem Speziallabor mikroskopisch auf verdächtige Veränderungen untersuchen.
Doch nun zeigen Zahlen, dass der
Pap-Abstrich in der Schweiz viel zu häufig durchgeführt wird. Das Bundesamt
für Gesundheit (BAG) veröffentlichte
­unlängst in seinem Bulletin eine nach
­eigenen Angaben repräsentative Befragung von 3588 Frauen im Alter von 18 bis
49 Jahren. Darin gab die überwiegende
Mehrheit an, den Abstrich mindestens
jedes Jahr durchführen zu lassen. Bei
den 18- bis 24-Jährigen traf dies auf drei
Viertel zu, bei den 25- bis 49-Jährigen auf
zwei Drittel.

Auch ohne jährlichen Krebsabstrich zur
Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
sollen Frauen regelmässig zur Kontrolle. Dies
rät Daniel Surbek, Chefarzt Geburtshilfe am
Inselspital Bern und Vorstandsmitglied der
Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe (SGGG). Die SGGG selber
hat bislang keine Empfehlungen dazu abge­
geben. «Die Häufigkeit der Kontrollen sollte
zwischen der Gynäkologin oder dem Gynäko­
logen und der betreffenden Frau geregelt
werden», sagt Daniel Surbek. Dies sei stark
abhängig von deren individuellen Situation,
ihrem Alter und ihren Bedürfnissen. Dabei
gehe es unter anderem um Themen wie
Verhütung, Schwangerschaftsvorbereitung,
Unterleibsbeschwerden, Harnblasenfunktion,
Partnersituation, Sexualität, Brustunter­
suchung, Impfungen, Blutdruck, Salzkonsum
oder Körpergewicht. Ebenfalls unabhängig
davon, ob ein Pap-Abstrich gemacht werde
oder nicht, sei häufig trotzdem eine gynäkolo­
gische Untersuchung angezeigt, sagt Chefarzt
Surbek. Dies sei vor allem nötig, wenn es
um Verhütung, Schwangerschaftsplanung,
Menstruationsbeschwerden oder Blasen­
beschwerden gehe. Zudem könne der Arzt
oder die Ärztin durch eine solche Unter­
suchung zum Beispiel bei älteren Frauen
beurteilen, ob eine pathologische Vergrösse­
rung der Eierstöcke vorliege. (fes)

Strenge Regelung seit 2000
Die Empfehlungen lauten hingegen ganz
anders. Die Schweizerische Gesellschaft
für Gynäkologie und Geburtshilfe
(SGGG) rät seit drei Jahren, den Krebs­
abstrich bis 30 jedes zweite Jahr durchzuführen, danach bis 70 nur noch alle
drei Jahre – vorausgesetzt, es liegt kein
erhöhtes Risiko vor. «Davor gab es noch
gar keine offizielle Empfehlung der
SGGG, aber internationale Richtlinien
empfehlen schon seit vielen Jahren, dass
der Intervall nicht immer jährlich sein
muss», sagt Daniel Surbek, Chefarzt
G eburtshilfe am Inselspital Bern und
­
Präsident der Kommission für Qualitätssicherung der SGGG. So empfiehlt etwa
die Internationale Agentur für Krebs­
forschung (IARC), eine Einrichtung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO),
seit deutlich über einem Jahrzehnt, den
Krebsabstrich alle drei bis fünf Jahre
vorzunehmen.
Seit dem Jahr 2000 ist in der Schweiz
zumindest die Vergütung durch die
Grundversicherung streng geregelt. In
der entsprechenden Verordnung des
Bundes ist festgelegt, dass bei normalen
Befunden die Abstriche nur alle drei
Jahre übernommen werden dürfen. Der
einjährige Abstand gilt nur für die
­beiden ersten Krebsabstriche.

Griff nach dem Spekulum: Gynäkologen sollten den Abstrich am Gebärmutterhals nur alle drei Jahre vornehmen. Foto: Colourbox

Dass der Pap-Abstrich zu häufig vorgenommen wird, ist kein Geheimnis.
Doch das Ausmass überrascht: «Das ist
sehr viel, zu viel», sagt Surbek. Rechnet
man die Zahlen der BAG-Befragung auf
die über 2,5 Millionen Frauen im Alter
von 21 bis 69 Jahren hoch und nimmt dabei die Empfehlungen des SGGG zum
Massstab, kommt man auf eine beeindruckende Zahl: eine Million unnötige
Pap-Abstriche jährlich. Gemäss Aus-

kunft des Krankenkassenverbands
Santésuisse kostet allein die zytologische Untersuchung jedes Mal durchschnittlich rund 70 Franken. Das wären
70 Millionen Franken jährlich für zu viel
gemachte Früherkennungstests, die eingespart werden könnten.
Wer bezahlt diese Untersuchungen?
Gemäss Daniel Surbek kommt die
Grundversicherung nicht für die Kosten
auf. Auch Stefan Heini, Mediensprecher

Die meisten Frauen unterziehen sich jedes Jahr
einer Gebärmutterkrebsvorsorgeuntersuchung
Häufigkeit des Pap-Tests nach Altersgruppe, in %
Abstrich
jedes Jahr
alle 2 Jahre
alle 3 Jahre

Mangelhafte Aufklärung

weniger als alle 3 Jahre

18- bis 24-Jährige

2,5/ 2,4
77,7

17,4

25- bis 49-Jährige
65,0

25,9

5,1 4,0

TA-Grafik mrue / Quelle: Bundesamt für Gesundheit

Basel-Stadt will Baselbieter Löcher nicht stopfen
Die Baselbieter Regierung
will auch in Bereichen sparen,
die gemeinsam mit dem
Kanton Basel-Stadt finanziert
werden. Die Basler Regierung
ist «sehr befremdet».
Die Regierung des Kantons Baselland hat
angesichts tiefroter Zahlen erneut
einschneidende Sparmassnahmen vorgelegt. Das am Mittwoch in Liestal präsentierte Massnahmenpaket ist bereits das
dritte innert zehn Jahren. Doch seit 2009
schreibt der Kanton rote Zahlen in Folge.
Seither «lebt der Kanton Baselland über
seine Verhältnisse», sagte Regierungspräsident und Finanzdirektor Anton Lauber
vor den Medien. Er bezifferte das strukturelle Defizit in der Erfolgsrechnung auf
derzeit 113 Millionen Franken. Samt Investitionen bei voller Selbstfinanzierung
betrage die Lücke 188 Millionen Franken.
Die Hauptkostentreiber lägen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich,
etwa bei Hochschulen, Spitalfinanzie­
rung oder Ergänzungsleistungen.
Die nun von der Regierung in corpore
präsentierte «Finanzstrategie 2016–
2019» umfasst 132 Massnahmen, mit denen der Staatshaushalt bis 2019 um 188
Millionen Franken entlastet werden soll.
Eine generelle Steuererhöhung will die
Regierung dagegen vermeiden.

Mit 45 Millionen Franken der grösste
Einzelposten ist beim Personalaufwand
vorgesehen. Dieser soll bis Ende 2019
um zehn Prozent sinken, was den Wegfall von bis zu 400 der derzeit etwa
4000 Vollstellen bedeutet. Geschehen
soll dies über die natürliche Fluktuation
und Pensenreduktionen. Doch kann es
laut Lauber auch Entlassungen geben.
Parallel zum Stellenabbau soll zudem
ein Leistungsabbau erfolgen, denn noch
mehr Effizienz herauszuholen, wäre gemäss Lauber schwierig. Von den fünf
­Direktionen besonders betroffen ist die
­Sicherheitsdirektion, die von ihren rund
1000 Stellen 100 streichen soll. Für das
Staatspersonal sollen im Weiteren 2016
die Löhne um 1 Prozent gesenkt werden.

Weniger Geld für Uni und Kultur
Ab 2018 um 25 Millionen Franken senken möchte die Regierung sodann den
Beitrag an die von beiden Basel getragene Universität Basel. Derzeit zahlt Basel-Stadt 160,5 Millionen Franken, Baselland, das mehr Studenten stellt, aber
169 Millionen Franken. Die Regierung
will nun mit Basel-Stadt neu verhandeln.
Die gemeinsame Trägerschaft will sie, so
Bildungsdirektorin Monica Gschwind,
aber weiterführen. Halbieren will die
Regierung zudem die Kulturvertragspauschale, mit der Baselland zentralörtliche Basler Kulturleistungen abgilt.
Auch die Subvention an das U-Abo des

der Helsana-Gruppe, betont: «Selbstverständlich gilt bei den drei Jahren für
diese Vorsorgeuntersuchungen eine gewisse Toleranzmarge»; doch könne ein
Arzt keine Vorsorgeuntersuchungen
zum Beispiel nach zwei Jahren zulasten
der Grundversicherung verordnen. Insider gehen allerdings davon aus, dass
es viele Krankenkassen in der Praxis
nicht besonders streng nehmen und
sich kulant zeigen. In allen anderen Fällen müssen die Frauen entweder über
eine Zusatzversicherung abrechnen
oder selber bezahlen.

Tarifverbunds Nordwestschweiz soll gestrichen werden.
Betroffen ist weiter etwa auch die
Verbilligung der Krankenkassenprämien. Und erneut vorgelegt werden
auch Massnahmen, die noch im Rahmen
des letzten Sparpakets vom Volk verworfen wurden: z. B. eine Erschwerung des
Krankheitskostenabzugs bei den Steuern oder mehr Eigenbelastung von Rentnern mit Ergänzungsleistungen in Heimen und Spitälern.

Basler Regierung besorgt
Rund 110 Millionen der 188 Millionen
Franken an Einsparungen kann die Regierung in eigener Kompetenz umsetzen.
Zu anderen kündigte sie Vorlagen ans
Parlament an; teils ist auch das Ja des
Volks oder etwa von Basel-Stadt nötig.
Erste Reaktionen reichten von Zustimmung bis zu heftiger Ablehnung.
Die Basler Regierung zeigte sich «sehr
befremdet» von den Sparplänen bei Universität und Kultur: Betroffen seien Institutionen, die gemeinsam getragen
oder mehr von Basel-Stadt finanziert,
aber stärker von der Baselbieter Bevölkerung genutzt würden. Basel-Stadt will
die Löcher nicht stopfen. Im eigenen
Kanton findet die Baselbieter Regierung
für ihre Pläne Zustimmung im bürgerlichen Lager, bei CVP, FDP und SVP. Im
rot-grünen Lager wird das Massnahmenpaket dagegen scharf kritisiert. (sda)

«Unsere Empfehlungen sind noch nicht
durchgedrungen», räumt Surbek ein.
«In den Köpfen ist immer noch drin,
dass ein jährlicher Pap-Abstrich sinnvoll ist.» Eine Rolle spielt wohl, dass ein
Teil der Frauen auf der sicheren Seite
sein möchte und die Untersuchung lieber einmal zu viel als zu wenig machen
lässt – obwohl es kaum einen Nutzen
gibt und nur kostet. «Viele Frauen empfinden den Abstrich hingegen als unan-

Positive Bilanz
der Umweltverbände
bei Baubeschwerden
Die beschwerdeberechtigten Umwelt­
organisationen wehren sich oft zu Recht
gegen Bauvorhaben. Das zeigt die Bilanz
über die letzten fünf Jahre. Bei mehr als
der Hälfte der Beschwerden stellten die
Gerichte fest, dass das Projekt gegen geltendes Recht verstossen hätte.
Für das letzte Jahr haben die Umweltorganisationen insgesamt 85 erledigte
Beschwerdefälle gemeldet, zwei mehr
als im Vorjahr. Dabei ging es um 60 Vorhaben. In rund 37 Prozent der Fälle wurden die Beschwerden vollumfänglich
und in 18 Prozent teilweise gutgeheissen, wie das Bundesamt für Umwelt
(Bafu) am Mittwoch mitteilte. Abgewiesen wurden die Beschwerden in 22 Prozent der Fälle. 13 Prozent der Beschwerden wurden zurückgezogen, oder es
wurden Vereinbarungen abgeschlossen.
Ohne Vereinbarung zurückgezogen
wurde 1 Prozent der Beschwerden. In 9
Prozent der Fälle erwiesen sich die Beschwerden als gegenstandslos, weil das
Baugesuch zurückgezogen oder abgeändert worden war.
Die Erfolgsquote der letzten fünf
Jahre liegt etwas höher als jene des letzten Jahrs: 45 Prozent der Beschwerden
wurden vollumfänglich gutgeheissen, 11
Prozent teilweise. Durchschnittlich gab
es 76 Beschwerdefälle pro Jahr. (sda)

genehm und freuen sich, wenn sie ein
oder zwei Jahre aussetzen können», sagt
Surbek.
Offensichtlich sollte sich aber vor
allem in den Köpfen der Frauenärzte
­
­einiges ändern. Letztlich müssen sie ihre
Patientinnen korrekt darüber aufklären,
wie häufig die Krebsvorsorge sinnvoll ist.
«Das ist klar die Aufgabe der Gynäkologinnen und Gynäkologen», sagt Surbek.
Er vermutet, dass einige befürchten, ihre
Patientinnen könnten die Kontrolle ganz
vergessen, wenn der jährliche Rhythmus
wegfällt. «Manche Frauen denken dann
vielleicht, dass sie nicht mehr jedes Jahr
zum Arzt müssen», sagt Surbek. Dabei
sei die jährliche Grundvorsorge auch
ohne Pap-Abstrich sinnvoll.
Die SGGG überarbeitet zurzeit ihre
Empfehlungen zur Früherkennung von
Gebärmutterhalskrebs. Grund sind die
seit 2007 angebotene Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
sowie
neue
Früherkennungstests. Für Surbek ist
­
klar: «Wir werden auch die Häufigkeit
des Pap-Abstrichs genauer anschauen
müssen.»

Kurz
Staatsbesuch
Polen besorgt wegen
Zuwanderungsinitiative
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ist gestern in Warschau mit Polens
Präsident Bronislaw Komorowski und
Regierungschefin Ewa Kopacz zusammengetroffen. Bei den Gesprächen
zeigten sich die Gastgeber besorgt über
die Folgen der Umsetzung der Massen­
einwanderungsinitiative. Komorowski
wie auch Kopacz hätten bei den Gesprächen mit der Simonetta Sommaruga die
Ausgangslage als schwierig und anspruchsvoll bezeichnet. Dies gelte insbesondere, weil das Prinzip der Personenfreizügigkeit für den europäischen
Zusammenhalt von zentraler Bedeutung sei, informierte das Justizdepartement. (sda)

Todesfall
Sicherheitspolitiker
Hermann Suter gestorben
Hermann Suter, Präsident der armeefreundlichen Gruppe Giardino, ist tot.
Der Sicherheitspolitiker, Historiker und
Pädagoge starb am Freitag im Alter von
74 Jahren. Dies teilte seine Familie mit.
Suter sass von 1979 bis 1987 für die FDP
im Luzerner Kantonsparlament. National bekannt wurde Suter als Gründungspräsident der Gruppe Giardino zur Rettung der Milizarmee. Der Verein setzt
sich für eine bestandesstarke und vollständig ausgerüstete Armee ein. (sda)


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