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Frick Knöll I+II bk .pdf



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Ulf Hestermann | Ludwig Rongen
Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1

Ulf Hestermann | Ludwig Rongen

Frick/Knöll
Baukonstruktionslehre 1
Mit 843 Abbildungen und 143 Tabellen
36. vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage
Unter Mitarbeit von
Karl-Heinz Dahlem | Wolfgang Feist
Thomas Richter | Andreas Kieser
PRAXIS

123 Vieweg

Ulf Hestermann
Fachhochschule Erfurt
Ludwig Rongen
Fachhochschule Erfurt

ISBN 978-3-8348-2564-3
DOI 10.1007/978-3-8348-2565-0

ISBN 978-3-8348-2565-0 (eBook)

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte
bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Springer Vieweg
© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden 1909, 1992, 1997, 2001, 2002, 2005, 2010, 2015
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom
Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in
elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch
ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Lektorat: Karina Danulat | Annette Prenzer
Einbandentwurf: KünkelLopka GmbH, Heidelberg
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Springer Vieweg ist eine Marke von Springer DE.
Springer DE ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media
www.springer-vieweg.de

V

Vorwort zur 36. Auflage
Im Jahre 1909 erschien beim B. G. Teubner Verlag
in Leipzig und Berlin die erste Auflage der Baukonstruktionslehre von Frick & Knöll, als Leitfaden und „Hilfsmittel für den Vortragsunterricht
und die Wiederholungen“ im Baukonstruktionsunterricht der Königlichen Preußischen Baugewerkschulen.
Aus diesem Leitfaden wurde im Laufe der Jahrzehnte ein aus zwei Teilen bestehendes, umfassendes Standardwerk für Architekten und Ingenieure.
Bis heute ist der „Frick-Knöll“ die am weitesten
verbreitete Baukonstruktionslehre für Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens
geblieben und dient auch in der Baupraxis vielfach als umfassendes Nachschlagewerk.
Von einer zeitgemäßen Baukonstruktionslehre
wird erwartet, dass sie die wichtigsten und die
am weitesten verbreiteten Aufgabengebiete des
Bauens erfasst, die unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien in den Bereichen des Rohbaus,
des Innenausbaus und teilweise auch des Technischen Ausbaus berücksichtigt und dabei die sich
ständig weiterentwickelnden Herstellungsverfahren aufzeigt.
Dabei müssen die wesentlichen Zusammenhänge zwischen der Konstruktion und den vielen anderen Bereichen innerhalb des gesamten Baugefüges, wie z. B. Standsicherheit, Materialverhalten, Verarbeitung, Wirtschaftlichkeit und last, but
not least auch die Gestaltung eines Bauwerks
oder Bauteiles verständlich gemacht werden.
Ziel dieses Standardwerkes ist es außerdem,
Grundlagenwissen und -verständnis zu vermitteln und nicht etwa rezeptartig möglichst viele
Konstruktionsmöglichkeiten aufzuzeigen. Darüber hinaus soll darin auch ein umfassender Überblick auf aktuelle Entwicklungstendenzen wie
z. B. neue Materialien oder Fertigungsprinzipien
gegeben werden.
Der bisherige Erfolg der Frick/Knöll Baukonstruktionslehre dürfte unter anderem darin begründet sein, dass es kein anderes Werk gibt, in dem
nicht nur der allgemeine Bereich der Baukonstruktion, sondern auch der raumbildende Innenausbau umfassend und ganzheitlich behandelt wird. Dies betrifft sowohl die traditionellen
Techniken als auch den Trockenbau entspre-

chend seiner ständig zunehmenden Bedeutung
als Fertigungsprinzip.
In zunehmendem Maße dient die Frick/Knöll
Baukonstruktionslehre auch als bewährtes Nachschlagewerk in der Baupraxis. Es ist daher notwendig, das Werk nicht nur technisch auf dem
neuesten Stand zu halten, sondern auch ständig
die Entwicklung von Normen und technischen
Vorschriften zu beobachten.
Diese Entwicklungen wurden auch in der aktuellen 36. Auflage nach Möglichkeit berücksichtigt.
Sämtliche Abschnitte wurden kritisch geprüft,
aktualisiert und in wesentlichen Teilen neu bearbeitet. Hierbei wurden insbesondre aktuelle Auswirkungen der Energieeinsparverordnungen sowie mit Blick auf die EU-Richtlinie, die ab 2019
(öffentliche Gebäude) bzw. 2021 (alle Gebäude)
das „Nearly Zero Energy Building“ als europaweiten Mindestenergiestandard vorschreibt, hochenergieeffiziente Bauweisen wie das Bauen im
Passivhausstandard erneut berücksichtigt.
In allen Kapiteln wurden die Hinweise auf die
wichtigsten Normen und die Normenverzeichnisse sowie die Literaturverzeichnisse aktualisiert. Bei der dramatisch zunehmenden Informationsflut, nicht zuletzt bedingt durch die immer
mehr ausufernde europäische Normung, durch
Zertifikationen, Güte- und Bauproduktrichtlinien,
muss dem Benutzer jedoch dringend empfohlen
werden, die jeweils aktuelle Entwicklung aller
Bestimmungen zu beobachten. Der Versuch vollständiger Auflistungen würde den Rahmen dieses Werkes sprengen.
Abschnitt 2, „Normen, Maße und Maßtoleranzen“
wurde an die aktuellen DIN 18 202 (Maßtoleranzen) sowie DIN SPEC angeglichen.
Abschnitt 3, „Baugruben und Erdarbeiten“ wurde
überarbeitet und um das Aufgabenfeld von Baugrundverbesserungen, Bodenarten und Baugrubenverbau erweitert.
Ergänzungen erfolgten in Abschnitt 4, „Gründungen“ zum Thema „Geotechnische Kategorien“,
An die aktuelle Normung wurde Abschnitt 5, „Beton- und Stahlbetonbau“ angepasst und um die
Themen Textilbeton und Betoninstandsetzung
erweitert.

VI

Vorwort zur 36. Auflage
Der Abschnitt 7, „Skelettbau“ wurde aktualisiert.
Grundlegend überarbeitet wurden auch Abschnitt 8, „Außenwandbekleidungen“, der um
die Bereiche Brandsperren und Fugenausbildungen erweitert wurde, sowie Abschnitt 9, „Fassaden aus Glas“, in dem vertieft auf das Thema Behaglichkeitsempfinden eingegangen wird und
der um das neue Konstruktionsprinzip der Überdruckfassade (CCF) sowie „Solartubes“ ergänzt
wurde.
Neben den erforderlichen Aktualisierungen der
Abschnitte 10 bis 17 und dem neu hinzugekommenen Abschnitt 16 „Passivhausbauweisen“
wurde Abschnitt 17.4 „Abdichtungen“ grundlegend überarbeitet.
In Abschnitt 17.7, „Brandschutz“ finden die Bereiche Rauchableitung und Brandschutz bei haustechnischen Anlagen besondere Berücksichtigung.
Ein weiter Teil der Abbildungen wurde auch grafisch überarbeitet. Bei der Auswahl der Bildbeispiele bleiben die Bearbeiter bemüht, nur Konstruktionen zu erwähnen, die einen kritisch beobachteten Reifeprozess aufweisen können.

Auch verdienen unseren Dank für die zeichnerische und rechnergestützte Bearbeitung der zahlreichen neuen Abbildungen und für Recherchearbeiten:
Frau Sissy Panzer (Bachelor of Art),
Frau Lisa Quentin (Bachelor of Art),
Frau Sabine Geißer (Bauzeichnerin)
Frau Monika Wynands (Bauzeichnerin)
Alle Bearbeiter haben nach dem Ausscheiden der
ehemaligen Autoren Prof. Dipl.-Ing. Dietrich Neumann und Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Weinbrenner
wichtige Beiträge geliefert und eine wesentlich
inhaltliche Unterstützung geboten.
Auch bei der Bearbeitung der 36. Auflage schätzen wir als nachfolgende Autoren die Qualität
und inhaltliche Tiefe der Bearbeitung der ehemaligen Autoren Prof. Dipl.-Ing. Dietrich Neumann
und Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Weinbrenner als
Grundlage für unsere Bearbeitung überaus hoch
ein. Die Tradition und kontinuierliche Weiterentwicklung des Werkes durch unsere Vorgänger ist
uns Verpflichtung und Maßstab für unsere Arbeit
zugleich.

Darüber hinaus wurden aus den Rezensionen der
Leserschaft viele Anregungen und Hinweise berücksichtigt, soweit diese im Sinne des Gesamtwerkes zielführend waren und den Rahmen nicht
sprengen. Hierfür gebührt den aufmerksamen
und auch kritischen Lesern herzlichen Dank.

Der Verlag und die Autoren hoffen, dass die weiterentwickelte Neuauflage bei den Lesern Anklang findet und sich auch diese Auflage wieder
beim Studium und in der Baupraxis als brauchbare und zuverlässige Hilfe und Quelle erweist.

Allen, die durch Bereitstellung von Informationen oder ihre Mitarbeit wertvolle Hilfe geleistet
haben, danken wir.
Unser besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr.-Ing.
Wolfgang Feist für die Neubearbeitung des Abschnitts 17.5 „Wärmeschutz“, Herrn Dr. Karl Heinz
Dahlem für die Überarbeitung des Abschnitts
17.6 „Schallschutz“ und Herrn Dr. Thomas Richter für seine Aktualisierung des Abschnitts 5 „Beton- und Stahlbetonbau“ sowie Herr Dipl.-Ing.
Andreas Kieser für die Überarbeitung des Abschnitts 17.7 Brandschutz.
Besonderer Dank gilt auch unseren Büropartnern
Dipl.-Ing. Marco Schlothauer und Herrn Dipl.Ing. Architekt Reiner Wirtz sowie unseren Mitarbeiterinnen Frau Dipl.-Ing. Architektin Sibylle
Roßmann und Frau Fiona Dietsche (Bachelor of
Art) und Herrn Dipl.-Ing. Architekt Cornelius Selke für ihre allgemeine Beratung während der
Bearbeitung dieses Werkes.

Erfurt, im Frühjahr 2015
U. Hestermann, L. Rongen

VII

Verzeichnis der Autoren und Bearbeiter
Die Autoren:

Weitere mitwirkende Bearbeiter:

Prof. Dipl.-Ing. Ulf Hestermann hat nach seinen
Studien an der Fachhochschule Aachen und
der RWTH-Aachen 1980 ein bundesweit tätiges Architektur- und Ingenieurbüro gründet (www.hksarchitekten.de). Tätigkeitsbereiche waren und sind
Projekte der technischen Infrastruktur, Bauten für
die Verkehrsinfrastruktur, Gewerbe- und Wohnungsbauten, Bauten für das Gesundheitswesen
sowie Schul- und Hochschulbauten, Laborbauten
u. A. mit den Arbeitsschwerpunkten Prozess- und
Kostenoptimierung durch Teilvorfertigung und
Systembauweisen in Holz und Beton sowie energieoptimierte Entwurfskonzepte und Bauwerksplanungen. 1991 folgte die Berufung zum Professor für Baukonstruktion, Entwerfen und Gebäudeplanung an die Fachhochschule Erfurt. Weiterhin
ist Ulf Hestermann leitend im eigenen Architekturbüro für Projekte im In- und Ausland tätig.

Dr. Ing. Karl-Heinz Dahlem studierte Bauingenieurwesen an der Universität Kaiserslautern und
absolvierte 1992 das Diplom. Danach folgte eine
Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Fachgebiet Bauphysik / Technische Gebäudeausrüstung / Baulicher Brandschutz der Universität
Kaiserslautern. 2000 Promotion mit einem bauphysikalischen Thema. Seit 1994 freiberufliche
Tätigkeiten im eigenen Ingenieurbüro in den Bereichen Bauphysik (Wärme, Feuchte, Schall) und
Energieberatung. Bei den bearbeiteten Projekten
handelt es sich um unterschiedliche Gebäudekategorien (Wohnen, Bürogebäude, Schulen,
Sportstätten, …). Tätig auch als Referent in Weiterbildungen der Kammern und auf Fach-Kongressen. Seit 2001 Lehraufträge in den Fächern
„Bauphysik“, „Raumakustik“, „Angewandte Bauphysik“. Weitere Information unter www.bauphysik- dahlem.de

Prof. Dipl.-Ing. Ludwig Rongen studierte nach
seiner praktischen Ausbildung zum Technischen
Zeichner zuerst Städtebau an der Fachhochschule
Aachen und war danach mehrere Jahre als Projektleiter in der Stadt- und Regionalplanung tätig.
Sein zweites Studium der Architektur absolvierte
er an der RWTH Aachen und gründete danach sein
eigenes Architekturbüro, das heute unter dem Namen ROA RONGEN ARCHITEKTEN GmbH firmiert und das
er zusammen mit zwei Büropartnern leitet. Seit
1992 arbeitet Ludwig Rongen als Professor an der
FH Erfurt (Baukonstruktionslehre, Entwerfen). Er
hat sich als Architekt insbesondere im Bereich des
hochenergieeffizienten Bauens international einen Namen gemacht. Zu diesem Thema hält er als
zertifizierter Passivhausplaner und Passivhauszertifizierer regelmäßig Vorträge auch auf internationalen Kongressen inner- und außerhalb Europas.
Er ist darüber hinaus in verschiedenen nationalen
und internationalen Ausschüssen, die sich mit
dem Thema „Energieeffizienz“ beschäftigen (z. T.
leitend) tätig. Das Büro ROA RONGEN ARCHITEKTEN
GmbH hat zusammen mit dem Passivhaus Institut
im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
ein Forschungsprojekt Passivhäuser für fünf verschiedene Klimazonen bearbeitet. Seit 2004 hat
Ludwig Rongen eine Gastprofessur an der Sichuan
Universität inne, 2005 folgte eine zweite Gastprofessur an der South-West Jiaotong Universität,
beide in Chengdu (V. R. China).

Prof. Dr. Wolfgang Feist ist Gründer und Leiter
des Passivhaus Institutes. Er ist Dipl.-Physiker und
promovierter Bauphysiker und seit 2008 Professor an der Universität Innsbruck. Seit 30 Jahren
arbeitet er in Theorie und Praxis an den Determinanten des Energiehaushaltes von Gebäuden.
An Hunderten von gebauten Beispielprojekten
wurde unter seiner Leitung untersucht, welche
Maßnahmen für Verbesserung der Behaglichkeit
entscheidend sind, die Energieeffizienz erhöhen
und die Bauqualität verbessern. Er ist ein national
und international vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler.
Dr.-Ing. Thomas Richter studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule
Leipzig. Nach einer Bauleitungstätigkeit im Ausland beschäftigte er sich an der Technischen
Hochschule Leipzig und der Technischen Universität München mit Lehre und Forschung auf dem
Gebiet der Baustoffe. Ab 1991 war er für die Bauberatung Zement tätig, 2003 wechselte er zu BetonMarketing Ost, heute BetonMarketing Nordost, einer Gesellschaft für Bauberatung und
Marktförderung auf dem Gebiet des Betonbaus.
Dort ist er heute als Prokurist und Leiter Technik
tätig. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen seit
vielen Jahren auf dem Gebiet der Betontechnik

VIII

Verzeichnis der Autoren und Bearbeiter
– vom Baustoff über die Planung und Konstruktion von Betonbauwerken bis hin zur Bauausführung und Betoninstandsetzung. Lehraufträge auf
seinem Fachgebiet führten ihn an die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH).
Dipl. Ing. Andreas Kieser hat nach seinem Architekturstudium an der Fachhochschule Erfurt
2007 zunächst eine Weiterbildung zum Brand-

schutzbeauftragten gemäß vfdb-Richtlinie absolviert. Parallel zur Planungs- und Projektleitungstätigkeit in einem bundesweit tätigen Architektur- und Ingenieurbüro qualifizierte er sich 2010
zum Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz
und beschäftigt sich seitdem mit der Erstellung
von Brandschutznachweisen und der brandschutztechnischen Objektüberwachung.

IX

Inhalt
1
1.1
1.2
1.3
1.4
1.5
1.6
1.7
1.8

Einführung und Grundbegriffe .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Lasten und Beanspruchungen . .
Grundbegriffe der Tragwerkslehre
Tragelemente . . . . . . . . . . . . .
Tragwerksysteme . . . . . . . . . . .
Standsicherheit . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . .

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1
1
2
4
7
9
13
18
19

2
2.1
2.2
2.2.1
2.2.2
2.2.3
2.2.4
2.3
2.4
2.5
2.6
2.7

Normen, Maße, Maßtoleranzen .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Deutsche Normung. . . . . . . . . .
Europäische Normung . . . . . . . .
Internationale Normung. . . . . . .
Bauprodukte . . . . . . . . . . . . . .
Maßordnung nach DIN 4172 . . . .
Maßordnung nach DIN 18 202 . .
Toleranzen . . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . .

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21
21
21
21
22
23
24
25
27
28
32
32

3
3.1
3.2
3.3
3.3.1
3.3.2
3.3.3
3.4
3.5
3.6
3.7

Baugrund und Erdarbeiten . . . . .
Baugrund . . . . . . . . . . . . . . . . .
Erdaushub . . . . . . . . . . . . . . . .
Baugruben . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . .
Geböschte Baugruben und Gräben.
Verbaute Baugruben und Gräben. .
Arbeitsraum . . . . . . . . . . . . . . .
Wasserhaltung (DIN 18 305) . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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33
33
38
41
41
41
42
47
48
51
53

4
4.1
4.2
4.2.1
4.2.2
4.2.3
4.3
4.4
4.5
4.6
4.7
4.8

Gründungen (Fundamente) . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Flach- und Flächengründungen
(Fundamente) . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Streifen- und Einzelfundamente. . . . .
Fundamentplatten (Gründungsplatten)
Tiefgründungen . . . . . . . . . . . . . .
Ausschachtungen und Gründungen
im Bereich bestehender Gebäude . . .
Unterfangen von Fundamenten . . . .
Fundamenterder . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

55
55
55
55
59
61
62
65
66
70
71
73

5
5.1
5.1.1
5.1.2
5.1.3
5.1.4
5.1.5
5.1.6
5.1.7
5.2
5.2.1
5.2.2
5.2.3
5.2.4
5.2.5
5.2.6
5.3
5.3.1
5.3.2
5.3.3
5.3.4
5.4
5.4.1
5.4.2
5.4.3
5.4.4
5.4.5
5.5
5.6
5.7
5.8
5.9
5.10
5.11
5.12
5.13
5.14
5.15
6
6.1
6.2
6.2.1
6.2.2
6.2.3
6.2.4
6.2.5
6.2.6

Beton und Stahlbeton . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Grundlagen der Betonbauweise . . . .
Klassifizierung des Betons. . . . . . . . .
Überwachungsklassen . . . . . . . . . . .
Festigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Rohdichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Besondere Betoneigenschaften . . . . .
Leichtbeton. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gesteinskörnungen (Betonzuschlag) .
Zugabewasser . . . . . . . . . . . . . . . .
Betonstahl und andere Bewehrungen
Betonzusatzmittel. . . . . . . . . . . . . .
Betonzusatzstoffe . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeine Bedingungen
für die Herstellung von Beton . . . . . .
Befördern und Fördern von Beton . . .
Verarbeiten des Betons . . . . . . . . . .
Betonieren bei Frost . . . . . . . . . . . .
Betonieren bei heißer Witterung . . . .
Schalungen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schalung von Fundamenten
und Wänden . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schalung von Stützen . . . . . . . . . . .
Schalung von Balken und Decken. . . .
Ausrüsten und Ausschalen . . . . . . . .
Betondeckung . . . . . . . . . . . . . . . .
Wärmedämmung . . . . . . . . . . . . . .
Arbeits- und Dehnfugen . . . . . . . . .
Befestigungsvorrichtungen
an Betonbauteilen . . . . . . . . . . . . .
Oberflächengestaltung (Sichtbeton) .
Oberflächenschutz . . . . . . . . . . . . .
Betoninstandsetzung . . . . . . . . . . .
Änderungen an Stahlbetonbauteilen .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Informationen im Internet . . . . . . . .
Wände. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mauerwerk aus künstlichen Steinen . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ausführung von gemauerten Wänden
Maueröffnungen . . . . . . . . . . . . . .
Oberflächenbehandlung von
Mauerwerk aus künstlichen Steinen . .
Trockenmauerwerk . . . . . . . . . . . . .

75
75
75
76
82
83
83
84
85
86
86
88
90
91
93
93
94
95
95
97
97
97
97
99
102
106
108
109
111
111
113
114
115
117
119
119
122
123
125
125
126
126
141
151
162
169
171

X

Inhalt
6.2.7

6.10.4
6.11

Vorfertigung und Systembau
im Mauerwerksbau . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wände aus natürlichen Steinen . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gewinnung und Bearbeitung
der natürlichen Bausteine. . . . . . . . .
Mauerwerksarten und Steinverbände .
Ausführung von Werksteinmauerwerk
(DIN 18 332) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Maueröffnungen . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wände aus Beton . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einschalige Wände aus Beton . . . . . .
Zweischalige Wände aus Beton . . . . .
Mantelbauweisen . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wände aus Lehm . . . . . . . . . . . . . .
Fachwerkwände . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bestandteile des Fachwerks . . . . . . .
Ausfachung. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wärmeschutz. . . . . . . . . . . . . . . . .
Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . .
Oberflächenbehandlung . . . . . . . . .
Wände im Montagebau . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorgefertigte tragende Wandelemente
Vorgefertigte nichttragende
Wandelemente . . . . . . . . . . . . . . .
Holzbausysteme . . . . . . . . . . . . . .
Bauen mit Holzmodulen. . . . . . . . . .
Systemoffene Bauteile . . . . . . . . . . .
Massivholzwände . . . . . . . . . . . . . .
Holztafelbau . . . . . . . . . . . . . . . . .
Holzständerbau . . . . . . . . . . . . . . .
Holzrahmenbau . . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Nichttragende innere Trennwände . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einschalige nichttragende Trennwände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mehrschalige nichttragende
Trennwände – Trockenbau . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

7
7.1
7.2
7.3
7.3.1
7.3.2
7.3.3

Skelettbau . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . .
Planung und Maßkoordination
Holzskelettbau . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . .
Baustoff Holz . . . . . . . . . . . .
Brandschutz . . . . . . . . . . . .

6.2.8
6.3
6.3.1
6.3.2
6.3.3
6.3.4
6.3.5
6.3.6
6.4
6.4.1
6.4.2
6.4.3
6.4.4
6.4.5
6.5
6.6
6.6.1
6.6.2
6.6.3
6.6.4
6.6.5
6.6.6
6.7
6.7.1
6.7.2
6.7.3
6.8
6.8.1
6.8.2
6.8.3
6.8.4
6.8.5
6.8.6
6.9
6.10
6.10.1
6.10.2
6.10.3

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172
172
174
174
174
175
178
180
182
182
182
182
183
183
184
185
185
185
186
191
193
195
195
195
195
198

7.3.4
7.3.5
7.3.6
7.3.7
7.4
7.4.1
7.4.2
7.4.3
7.4.4
7.4.5
7.4.6
7.4.7
7.5
7.5.1
7.5.2
7.5.3
7.5.4
7.5.5
7.5.6
7.5.7
7.6
7.7
8
8.1
8.2
8.3
8.3.1

203
210
210
211
212
214
214
217
218
220
220
221
227
241
242
243
243
250
254
254
255
255

8.3.2
8.4
8.4.1
8.4.2
8.4.3
8.4.4
8.4.5
8.4.6
8.4.7
8.5
8.6
9
9.1
9.2
9.3
9.4
9.4.1
9.4.2
9.4.3

Bauteilanschlüsse . . . . . . . . . . . . .
Konstruktionselemente . . . . . . . . .
Konstruktionsbeispiele . . . . . . . . .
Holzschutz . . . . . . . . . . . . . . . . .
Stahlskelettbau . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Korrosionsschutz . . . . . . . . . . . . .
Brandschutz . . . . . . . . . . . . . . . .
Verbindungstechnik . . . . . . . . . . .
Konstruktionselemente . . . . . . . . .
Ausführungsbeispiel . . . . . . . . . . .
Stahlbetonskelettbau . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Brandschutz . . . . . . . . . . . . . . . .
Baustoff Beton . . . . . . . . . . . . . . .
Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spezialverbindungen für Stahlbetonfertigteile . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Fugen, Maßtoleranzen . . . . . . . . . .
Ausführungsbeispiel . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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255
257
259
260
260
260
262
263
267
268
269
274
274
274
276
276
276

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278
279
279
281
285

Außenwandbekleidungen . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Angemörtelte und angemauerte
Außenwandbekleidungen . . . . . . . .
Angemörtelte Außenwandbekleidungen. . . . . . . . . . . . . . . .
Angemauerte Außenwandbekleidungen. . . . . . . . . . . . . . . .
Hinterlüftete Außenwandbekleidungen . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Naturwerksteinbekleidungen . . . . . .
Bekleidungen mit keramischen
Platten und Beton. . . . . . . . . . . . . .
Faserzementplatten – Bekleidungen . .
Metallbekleidungen . . . . . . . . . . . .
Glasbekleidungen . . . . . . . . . . . . .
Holzbekleidungen . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

287
287
291

Fassaden aus Glas . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterscheidungskriterien
für Glasfassaden . . . . . . . . . . . . .
Fassadenbekleidungen aus Glas . . .
Einschalige Fassaden aus Glas . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Pfosten-Riegel-Fassaden (PRF) . . . . .
Vorhangfassaden (Elementfassaden).

291
291
294
295
295
296
301
302
305
312
313
325
328

. 329
. 329
.
.
.
.
.
.

331
336
336
336
336
336

Inhalt
9.5
9.5.1
9.5.2
9.5.3
9.5.4
9.5.5
9.5.6
9.6
9.7
9.8
9.9
10
10.1
10.1.1
10.1.2
10.1.3
10.1.4
10.2
10.2.1
10.2.2
10.2.3
10.2.4
10.3
10.3.1
10.3.2
10.3.3
10.4
10.5
10.6
10.6.1
10.6.2
10.6.3
10.6.4
10.7
10.7.1
10.7.2
10.7.3
10.7.4
10.7.5
10.7.6
10.7.7
10.8
10.9

XI
Mehrschalige Fassaden aus Glas
(Doppelfassaden) . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geschlossene Systeme, Pufferfassaden
Abluftfassaden . . . . . . . . . . . . . . .
Zweite-Haut-Fassaden . . . . . . . . . .
Überdruckfassaden (CCF) . . . . . . . . .
Hybride, „polyvalente“ Fassaden . . . .
Sonnen- und Blendschutzsysteme . . .
Tageslichtnutzung . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geschossdecken und Balkone . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Standsicherheit . . . . . . . . . . . .
Wärmeschutz. . . . . . . . . . . . . .
Schallschutz . . . . . . . . . . . . . .
Brandschutz . . . . . . . . . . . . . .
Ebene Massivdecken . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Plattendecken . . . . . . . . . . . . .
Balkendecken . . . . . . . . . . . . .
Trapezstahldecken . . . . . . . . . .
Holzbalkendecken . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Holzbalkenlagen . . . . . . . . . . .
Konstruktive Einzelheiten . . . . . .
Decken aus Brettstapel- oder
Dübelholz-Elementen . . . . . . . .
Decken aus Holztafelelementen .
Gewölbe . . . . . . . . . . . . . . . .
Tonnengewölbe . . . . . . . . . . . .
Preußisches Kappengewölbe . . .
Klostergewölbe, Muldengewölbe,
Spiegelgewölbe . . . . . . . . . . . .
Kreuzgewölbe . . . . . . . . . . . . .
Balkone und Loggien . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Tragende Bauteile. . . . . . . . . . .
Abdichtung . . . . . . . . . . . . . . .
Bodenbeläge . . . . . . . . . . . . . .
Entwässerung . . . . . . . . . . . . .
Geländer. . . . . . . . . . . . . . . . .
Sonderlösungen. . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . .

342
342
344
344
345
348
350
352
356
359
363

.
.
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.
.

365
365
365
367
368
368
369
369
370
375
378
380
380
380
382

.
.
.
.
.

.
.
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.

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.
.
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389
390
391
392
393

.
.
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393
393
394
394
396
397
399
404
406
408
412
414

11

Fußbodenkonstruktionen und
Bodenbeläge . . . . . . . . . . . . . . . .
11.1
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
11.2
Einteilung und Benennung:
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
11.3
Fußbodenkonstruktionen . . . . . . . .
11.3.1 Tragschicht und Ebenheitstoleranzen

415
415
415
417
417

11.3.2 Feuchteschutz von Fußbodenkonstruktionen . . . . . . . . . . . . . . .
11.3.3 Schallschutz von Massivdecken
und Holzbalkendecken . . . . . . . . . .
11.3.4 Wärmeschutz und Energieeinsparung
11.3.5 Dämmstoffe für die Wärmedämmung
und Trittschalldämmung von
Fußbodenkonstruktionen. . . . . . . . .
11.3.6 Estricharten und Estrichkonstruktionen
11.3.7 Fertigteilestriche . . . . . . . . . . . . . .
11.4
Fußbodenbeläge . . . . . . . . . . . . . .
11.4.1 Einteilung und Benennung: Überblick
11.4.2 Allgemeine Anforderungen . . . . . . .
11.4.3 Bodenbeläge aus natürlichen Steinen
Naturwerkstein-Fußbodenbeläge. . . .
11.4.4 Bodenbeläge aus kunstharzgebundenen Bestandteilen:
Kunstharzwerkstein. . . . . . . . . . . . .
11.4.5 Bodenbeläge aus zementgebundenen
Bestandteilen: Betonwerksteinund Terrazzobeläge . . . . . . . . . . . .
11.4.6 Bodenbeläge aus bitumengebundenen
Bestandteilen: Asphaltplattenbeläge
11.4.7 Bodenbeläge aus tongebundenen
Bestandteilen: Keramische Fliesen
und Platten . . . . . . . . . . . . . . . . . .
11.4.8 Bodenbeläge aus Holz und Holzwerkstoffen: Holzfußbodenbeläge . . .
11.4.9 Bodenbeläge aus Träger- und
Schichtstoffplatten: Laminatböden . .
11.4.10 Bodenbeläge aus ein- oder mehrschichtiger Bahnen- oder Plattenware: Elastische Fußbodenbeläge . . .
11.4.11 Industrieböden aus Reaktionsharzen:
Oberflächenschutzsysteme auf
Kunststoffbasis . . . . . . . . . . . . . . .
11.4.12 Bodenbeläge aus natürlichen oder
synthetischen Fasern:
Textile Bodenbeläge . . . . . . . . . . . .
11.5
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
11.6
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Beheizbare Bodenkonstruktionen:
Fußbodenheizungen . . . . . . . . . .
12.1
Einteilung und Benennung:
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . .
12.2
Warmwasser-Fußbodenheizungen .
12.2.1 Aufbau und Herstellung beheizbarer
Fußbodenkonstruktionen. . . . . . . .
12.2.2 Bodenbeläge auf beheizbaren
Fußbodenkonstruktionen. . . . . . . .
12.3
Elektrische Fußbodenheizungen . . .
12.4
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
12.5
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

417
432
444

448
453
485
496
496
496
498

504

504
506

507
522
529

533

546

548
564
573

12

. 577
. 578
. 581
. 581
.
.
.
.

584
586
588
592

XII

Inhalt
13

13.1
13.2
13.3
13.3.1
13.3.2
13.3.3
13.4
13.4.1
13.4.2
13.4.3
13.4.4
13.5
13.5.1
13.5.2
13.5.3
13.5.4
13.5.5
13.5.6
13.6
13.7
14
14.1
14.2
14.2.1
14.2.2
14.2.3
14.2.4
14.2.5
14.2.6
14.3
14.3.1
14.3.2
14.3.3
14.3.4
14.4

Systemböden
Installationssysteme in der
Bodenebene. . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Einteilung und Benennung: Überblick
Unterflurkanalsysteme
(estrichgebundene Kanalböden) . . .
Estrichbündiger Kanalboden
(offenes System). . . . . . . . . . . . . .
Estrichüberdeckter Kanalboden
(geschlossenes System) . . . . . . . . .
Allgemeine Anforderungen und
technische Daten . . . . . . . . . . . . .
Hohlbodensysteme . . . . . . . . . . .
Monolithischer Hohlboden
(Foliensystem) . . . . . . . . . . . . . . .
Mehrschichtiger Hohlboden
(Stützfußsystem) . . . . . . . . . . . . .
Trockenestrich-Hohlboden
(Plattensystem) . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeine Anforderungen
und technische Daten . . . . . . . . . .
Doppelbodensysteme
(Element-Hohlboden) . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . .
Systemkomponenten . . . . . . . . . .
Doppelbodenplatten. . . . . . . . . . .
Unterkonstruktion . . . . . . . . . . . .
Systemergänzende Zubehörteile . . .
Allgemeine Anforderungen und
technische Daten . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . .

14.5
. 593
. 593
593

14.5.1

. 593

14.5.3
14.5.4
14.5.5
14.6
14.7

. 594
. 595

14.5.2

. 597
. 597

15

. 597

15.1
15.2
15.3
15.3.1

. 598
. 600

15.3.2
. 601
15.3.3
.
.
.
.
.
.

603
603
603
604
606
607

15.3.4
15.3.5
15.3.6
15.4

. 608
. 612
. 614

Leichte Deckenbekleidungen
und Unterdecken . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeine Anforderungen . . . . . . .
Raumgestaltung. . . . . . . . . . . . . . .
Schallschutz mit leichten Unterdecken
Brandschutz mit leichten Unterdecken
Wärmeschutz. . . . . . . . . . . . . . . . .
Geometrische und maßliche
Festlegung . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Integration von Klima-, Lüftungs-,
Heizungs- und Beleuchtungstechnik. .
Tragende Teile der leichten Deckenbekleidungen und Unterdecken . . . .
Verankerung an den tragenden
Bauteilen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Abhänger . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterkonstruktionen (UK). . . . . . . . .
Anschlüsse von Trennwänden
an abgehängten Unterdecken . . . . . .
Decklagen . . . . . . . . . . . . . . . . . .

617
617
618
619
619
623
628

15.5
15.5.1
15.5.2
15.5.3
15.6
15.7

639
639
641
643
644
646

Umsetzbare nicht tragende
Trennwände und vorgefertigte
Schrankwandsysteme . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einteilung und Benennung . . . . . . .
Allgemeine Anforderungen . . . . . . .
Geometrische und maßliche
Festlegungen . . . . . . . . . . . . . . . .
Mechanische Anforderungen
(Standsicherheit) . . . . . . . . . . . . . .
Schallschutz von umsetzbaren
Trennwänden . . . . . . . . . . . . . . . .
Brandschutz von umsetzbaren
Trennwänden . . . . . . . . . . . . . . . .
Montagetechnische Anforderungen . .
Elektro- und Sanitärinstallationen
in umsetzbaren Trennwänden . . . . . .
Konstruktionstechnische Merkmale
umsetzbarer Trennwände . . . . . . . .
Vorgefertigte Schrankwandsysteme . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einteilung und Benennung:
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Konstruktionstechnische Merkmale
vorgefertigter Schrankwände . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

646
646
647
651
663
665
666
672

673
673
673
676
676
677
677
686
689
690
691
692
692
692
695
699
702

16.5
16.6
16.7
16.8

Bauen im Passivhausstandard. .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . .
Kriterien und Funktionsweise
von Passivhäusern . . . . . . . . . .
Entwurfskriterien für Passivhäuser
Konstruktionen und Details im
Passivhausstandard . . . . . . . . .
Fenster im Passivhaus . . . . . . . .
Passive Kühlung . . . . . . . . . . .
Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . .

17
17.1
17.2

Bauliche Schutzmaßnahmen . . . . . 715
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . 715
Schutz gegen Niederschlagswasser . . 716

16
16.1
16.2

629
630

Leichte Deckenbekleidungen und
Unterdecken: Deckensysteme . . . . . .
Einteilung und Benennung:
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Fugenlose Deckenbekleidungen
und Unterdecken . . . . . . . . . . . . . .
Ebene Deckensysteme. . . . . . . . . . .
Wabendecken . . . . . . . . . . . . . . . .
Lichtkanaldecken . . . . . . . . . . . . . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

16.3
16.4

. . . 703
. . . 703
. . . 704
. . . 706
.
.
.
.
.

.
.
.
.
.

.
.
.
.
.

707
711
712
713
714

Inhalt
17.3
17.4

17.4.1
17.4.2
17.4.3
17.4.4

17.4.5
17.4.6

17.4.7
17.5
17.5.1
17.5.2
17.5.3

17.5.4
17.5.5
17.5.6
17.5.7
17.5.8
17.5.9
17.6
17.6.1
17.6.2
17.6.3
17.7
17.7.1
17.7.2
17.7.3
17.7.4
17.8
17.8.1
17.8.2
17.8.3
17.8.4
17.9
17.9.1
17.9.2
17.9.3

XIII
Dränung (Drainage) nach DIN 4095 . .
Abdichtungen gegen Bodenfeuchtigkeit, nicht drückendes
und drückendes Wasser (DIN 18 195) .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Abdichtungsstoffe . . . . . . . . . . . . .
Verarbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . .
Abdichtungen gegen Bodenfeuchte
und nicht stauendes Sickerwasser
(DIN 18 195-4) . . . . . . . . . . . . . . . .
Abdichtung gegen nicht drückendes
Wasser (DIN18 195-5) . . . . . . . . . . .
Abdichtung gegen von außen
drückendes Wasser und aufstauendes
Sickerwasser (DIN 18 195-6) . . . . . . .
Durchdringungen, Übergänge,
Anschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wärmeschutz . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Winterlicher Wärmeschutz . . . . . . . .
Wärmedurchgangskoeffizient,
Wärmedurchgangswiderstand,
wirksame Wärmekapazität . . . . . . . .
Sommerlicher Wärmeschutz . . . . . . .
Wärmedämmstoffe . . . . . . . . . . . . .
Wasserdampfdiffusion, Temperaturen
an Bauteilen, Tauwasserbildung. . . . .
Wärmebrücken . . . . . . . . . . . . . . .
Wärmeschutz ist berechenbar . . . . . .
Zur weiteren Entwicklung
der Energieeffizienz. . . . . . . . . . . . .
Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeines und physikalische
Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Luftschall, Trittschall, Schalldämmmaße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schallschutzanforderungen
und Normen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Baulicher Brandschutz . . . . . . . . . . .
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . .
Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bauliche Brandschutzmaßnahmen . . .
Brandschutzmaßnahmen
für Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schutz vor gesundheitlichen
Gefahren . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gefährliche Stoffe . . . . . . . . . . . . . .
Radioaktivität, Radon. . . . . . . . . . . .
Elektromagnetische Felder . . . . . . . .
Wasserdampfdurchlässigkeit
(„Atmungsfähigkeit“) von Bauteilen . .
Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Abdichtungen . . . . . . . . . . . . . . . .
Wärmeschutz. . . . . . . . . . . . . . . . .
Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . .

723

729
729
729
733

736
743

744
759
760
760
762

772
778
785
788
804
810
835
838
838
840
850
860
860
862
866
873
884
884
885
886
887
888
888
890
891

17.9.4 Baulicher Brandschutz . . . . . . . . . . . 892
17.9.5 Schutz vor gesundheitlichen Gefahren 897
17.10 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 897
18

Anhang: Gesetzliche Einheiten . . . . 903

Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 905

Ausführliches Inhaltsverzeichnis
aus Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2,
34. Auflage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 925

1

1

Einführung und Grundbegriffe

1.1 Allgemeines
Bei der planerischen Lösung von Bauaufgaben
besteht zwischen gestalterischen, funktionalen,
konstruktiven, bauphysikalischen und baustoffspezifischen Aspekten sowie ökonomischen Rahmenbedingungen und ökologischen Zusammenhängen eine enge gegenseitige Abhängigkeit.
Im Planungsprozess werden gleichzeitig komplexe Handlungsabläufe bei der Bauausführung
vorherbestimmt.
Die zunehmend erweiterten Anforderungen an
Energieeffizienz und Energieeinsparung von Gebäuden (KfW-Standards, Niedrig-, Niedrigst-, Passivhausstandard, Nullenergiehaus, PlusenergieHaus) sind für die Planung von Gebäuden sowie
deren konstruktive Durchbildung und Ausführung von maßgeblicher Bedeutung.
Die Inanspruchnahme von Rohstoffen, Wasser,
Luft und Energie für Baustoffe verändern die Umwelt und erzeugen Abfälle. Verbaute Materialien
haben in Anbetracht der großen Stoffumsätze im
Baubereich (Gebäude benötigen für Erstellung
und Betrieb ca. 50 % der weltweit verfügbaren
Ressourcen) für einen schonenden Umgang mit
Ressourcen eine besondere Bedeutung. Die Auswahl von Baustoffen unterliegt somit auch folgenden Kriterien:
Ɣ geringer Energieaufwand bei Herstellung,
Transport und Verarbeitung
Ɣ möglichst schadstofffreie Gewinnung, Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung
Ɣ Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch Emissionen von Baustoffen
und Immissionen in das Gebäude
Ɣ Dauerhaftigkeit
Ɣ Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit
Baustoffe sind somit auch nach ökologischen Kriterien1) wie z. B. Primärenergieinhalt (PEI), Treib1)

Baustoffbewertung nach Ökokennwerten:
GWP = Global Warming Potential [kg/FE], das mittels CO2 equ
[1/kg] ermittelt wird.

AP = Versäuerungspotential [kg/FE], das durch SO2 equ
ermittelt wird (Schwefeldioxid ist ein farbloses, schleimhautreizendes, stechend riechendes und sauer schmeckendes, giftiges Gas).
PEne = nicht erneuerbarer Primärenergiebedarf [MJ/FE],
der mittels MJ equ [1/kg] ermittelt wird.

hauspotenzial (GWP – Global Warming Potential), Versäuerungspotenzial (AP – Acidification
Potential) zu bewerten und auszuwählen [15].
Auf die Kriterien zur Baustoffwahl wird in diesem
Werk in den Abschnitten im Einzelnen gesondert
eingegangen (s. a. Abschn. 17.8).
Somit stellt jeder Planungsablauf eine Kette von
Entscheidungen zwischen möglichen Alternativen mit dem Ziel dar, eine optimierte Gesamtlösung zu erreichen.
Dabei ist der planende Architekt in der Regel auf
die Mitwirkung spezialisierter Fachingenieure
angewiesen.
Technische Ausstattungen wie Sanitär-, Heizungs-, Elektro-, Lüftungs- und Klimaanlagen,
Fördereinrichtungen wie Aufzüge, Rolltreppen
und insbesondere alle modernen Kommunikationseinrichtungen werden von Sonderfachleuten geplant und in das Gesamtkonzept des Architekten eingebracht. Zunehmende Bedeutung
kommen je nach Bauaufgabe Planungen der
thermischen Bauphysik, der Bau- und Raumakustik und der Fassadenplanung zu. Dem Architekten obliegt die Aufgabe, die Einzelaspekte der
beteiligten Fachplaner zu koordinieren und in das
Planungs- und Entwurfskonzept zu integrieren.
Alle Planungen werden zunehmend durch ständige Weiterentwicklungen von Baustoffen oder
durch ganz neue Baustoffe und Konstruktionsmöglichkeiten beeinflusst. Diese werden im Rahmen dieses Werkes nach Möglichkeit erwähnt,
doch kann ihre Beurteilung nicht Gegenstand einer Baukonstruktionslehre sein.
Den immer differenzierteren, auch in den bauaufsichtlichen Bestimmungen vorausgesetzten
Kenntnissen bauphysikalischer Grundregeln muss

PEI = Primärenergiegehalt [MJ/FE], der mittels MJ equ
[1/kg] ermittelt wird.
ODP = Ozonschichtabbaupotenzial [kg/FE], das durch R11
(Trichlorfluormethan ist ein FCKW und wird als Kältemittel
verwendet) equ ermittelt wird.
POCP = Ozonbildungspotenzial [kg/FE], das durch C2H4
(Ethen – auch Äthen, Ethylen oder Äthylen – ist eine gasförmige, farblose, brennbare, süßlich riechende organische
Verbindung;) equ ermittelt wird.
EP = Überdüngungspotenzial [kg/FE], das durch PO4
(Phosphate sind im engen Sinn die Salze und Ester der
Orthophosphorsäure) equ ermittelt wird.

U. Hestermann, L. Rongen, Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1,
DOI 10.1007/978-3-8348-2565-0_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

1

2

1

1 Einführung und Grundbegriffe
ebenso Rechnung getragen werden wie dem Verständnis der wichtigsten Begriffe der Tragwerkslehre. Nur so sind die Voraussetzungen für eine
qualifizierte Entwurfsentwicklung, die richtige
konstruktive Bearbeitung des gesamten Gebäudes und seiner einzelnen Bauteile gegeben.
Der Tragwerksentwurf eines Gebäudes und die
darauf beruhenden räumlich-geometrischen
Strukturen und Materialentscheidungen bildet
die grundlegende Voraussetzung für die meisten
weiterführenden Entscheidungen. Das Tragwerkskonzept stellt somit die entscheidende
Grundlage für sinnfällige und materialgerechte
Festlegungen z. B. für Fassaden, Innenraumkonzepte und viele bautechnische und bauphysikalische Anforderungen dar.
Alle auftretenden vertikalen und horizontalen
Lasten müssen über ein räumlich steifes und
tragfähiges System sicher bis in den Baugrund
abgeleitet werden. Die auftretenden Lasten und
Beanspruchungen sowie Tagwerkssysteme und
-elemente werden in der Folge behandelt.

Tabelle 1.1 Eigenlasten (Wichten) von Baustoffen (Auszug
aus DIN EN 1991-1-1);
Angaben aus Nationalem Anhang zu DIN
1991-1-1 sind kursiv gesetzt)

1.2 Lasten und Beanspruchungen

Holz (Festigkeitsklassen
s. DIN EN 338)
Brettschichtholz (Festigkeitsklassen s. DIN EN 1194)

In einem Bauwerk werden die Bauteile beansprucht durch:
Ɣ Eigengewicht als ständige Lasten aus den Eigengewichten der Baustoffe und Bauteile
(Tab. 1.1),
Ɣ Verkehrslasten oder auch Nutzlasten (Tab.
1.2), d. h. in der Regel ruhende Belastungen
durch die Nutzung des Bauwerkes z. B. durch
den Aufenthalt von Menschen, von Möblie-

Baustoff
Schwerbeton
Normalbeton
Stahlbeton
Leichtbeton (LC)
Porenbeton
Mauerwerk aus künstlichen
Steinen

Rohdichte
in g/cm3

Wichte
in kN/m3

1,0 bis 2,0
0,2 bis 1,0

> 28
> 24
25
9,0 bis 20,0
4,5 bis 9,5
s. DIN EN
771-1 bis 5
und DIN EN
1051
je nach
Material
6 bis 24

0,4
0,6
0,8
1,2
1,4
1,6
1,8
:
:
2,4

Putze mit Mörtel
Gipsmörtel
Zementmörtel
Gipsbauplatten (Gipsdielen)

12,0 bis 18,0
19,0 bis 23,0
8,5 bis 12,0
0,85 bis 1,2

3,5 bis 10,8
3,7 bis 4,2

Aluminium
Blei
Kupfer
Stahl
Zink

27
112 bis 114
87 bis 89
77 bis 78,5
71 bis 72

Dachsteine
Betondachsteine
Tondachstein

kN/m2
0,50 bis 0,65
0,60 bis 0,95

Tabelle 1.2 Nutz- oder Verkehrslasten1) (DIN EN 1991-1-1 und DIN EN 1991-1-1/NA; Angaben aus Nationalem Anhang zu
DIN 1991-1-1 sind kursiv gesetzt)
kN/m2

Kat.
A

Wohnflächen
Decken

1,5 bis 2,0

A1

Spitzböden

A2

Wohn- und Aufenthaltsräume – Decken mit ausreichender Querverteilung der Lasten

1,5

A3

Wohn- und Aufenthaltsräume – Decken ohne ausreichender Querverteilung der Lasten

2,0

Treppen

1,0

2,0 bis 4,0

T1

Treppen und Treppenpodeste in Wohngebäuden, Bürogebäuden und von Arztpraxen
ohne schweres Gerät

T2

Alle Treppen und Treppenpodeste, die nicht in T1 oder T3 eingeordnet werden können

5,0

T3

Zugänge und Treppen von Tribünen ohne feste Sitzplätze, die als Fluchtwege dienen

7,5

Balkone
Z

3,0

2,5 bis 4,0
Zugänge, Balkone und ähnliches; Dachterrassen, Laubengänge, Loggien usw., Balkone,
Ausstiegspodeste

4,0

1.2 Lasten und Beanspruchungen

3

Tabelle 1.2 (Fortsetzung)
kN/m2

Kat.
B

Büroflächen

2,0 bis 3,0

B1

Büroflächen u. Ä. ohne schweres Gerät

2,0

B2

3,0
Flure und Küchen in Krankenhäusern, Hotels, Altenheimen, Flure in Internaten usw.;
Behandlungsräume in Krankenhäusern, einschl. Operationsräume ohne schweres Gerät,
Kellerräume in Wohngebäuden

B3

Flächen der Kategorie B1 und B2, jedoch mit schwerem Gerät

5,0

Flächen mit Personenansammlungen
(außer Kategorie A, B und D)

2,0 bis 7,5

C
C1

Flächen mit Tischen usw.

3,0

C2

Flächen mit fester Bestuhlung

4,0

C3

Frei begehbare Flächen sowie die für Nutzungskategorie C1 bis C3 gehörigen Flure

5,0

C4

Sport und Spielflächen

5,0

C5

Flächen mit großen Menschenansammlungen; z. B. Konzertsäle, Tribünen mit fester
Bestuhlung

5,0

C6

Flächen mit regelmäßiger Nutzung durch erhebliche Menschenansammlungen; z. B.
Tribünen ohne feste Bestuhlung

7,5

Verkaufsflächen

4,0 bis 5,0

D1

Flächen von Verkaufsräumen bis 50 m² Grundfläche in Wohn-, Büro- und
vergleichbaren Gebäuden

2,0

D2

Flächen in Einzelhandelsgeschäften und Warenhäuser

5,0

D3

Flächen wie D2, jedoch mit erhöhtem Einzellasten infolge hoher Lagerregale

5,0

Lagerflächen und Flächen für industrielle Nutzung

7,5

E1.1

Flächen in Fabriken und Werkstätten mit leichten Betrieb und Flächen in Großviehställen 5,0

D

E
E1.2

Allgemeine Lagerflächen, einschließlich Bibliotheken

6,0

E2.1

Flächen in Fabriken und Werkstätten mit mittlerem oder schwerem Betrieb

7,5

Verkehrs- und Parkflächen für leichte Fahrzeuge (d 30 kN)

1,5 bis 2,5

F1und F2 Verkehrs-und Parkflächen für leichte Fahrzeuge (Gesamtlast d 30 kN)
F3 und F4 Zufahrsrampen

2,5 bis 3,5
3,5 bis 5,0

G

Verkehrs- und Parkflächen für mittlere Fahrzeuge (t 30 kN d 160 kN)

5,0

H

Nicht zugängliche Dächer außer für übliche Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen

0,0 bis 1,0

I

Zugängliche Dächer für die Nutzung nach den Nutzungskategorien A bis G 2)

K

Zugängliche Dächer mit besonderer Nutzung (z. B. Hubschrauberlandeplätze3)

F

20 bis 60
30 bis 120

Weitere Angaben zu Nutzungskategorien sowie Sondernutzungen, nicht vorwiegend ruhenden Lasten, horizontalen Nutzlasten siehe DIN EN ‚ 1991-1-1 sowie DIN EN 1991-1-1/NA.
1)

2)
3)

Leichte, unbelastete Trennwände bis zu einer Höchstlast von 5 kN/m dürfen ohne genauen Nachweis durch einen gleichmäßig verteilten Zuschlag zur Nutzlast (Trennwandzuschlag) berücksichtigt werden. Der Trennwandzuschlag beträgt bei
maximal 3 kN Last je Meter Wandlänge 0,8 kN/m2, bei Wänden mit mehr als 3 kN/m bis maximal 5 kN/m Last mindestens
1,2 kN/m2. Bei Nutzlasten von 5 kN/m² und mehr ist dieser Zuschlag nicht erforderlich.
Schwere Ausrüstungen (z. B. Großküchen, Röntgengeräte, Wasserspeicher, Gabelstapler) sind nicht in den angegebenen
Tabellenwerten enthalten. Diese sind als Nutz- oder Einzellasten gesondert zu berücksichtigen.
Die Nutzlasten auf Dächern der Kategorien H sollten Tab. 6.10 gem. DIN EN 1991-1-1entnommen werden. Die Nutzlasten
auf Dächern der Kategorie I sind in den Tabellen 6.2, 6.4 und 6.8 und entsprechend den Nutzungsmerkmalen angegeben.
Die Lastannahmen für Dächer der Kategorie K, die für Hubschrauberlandungen vorgesehen sind, sollten entsprechend
den Hubschrauberklassen HC nach Tab. 6.11 bzw. 6.11DE festgelegt werden.

1

4

1

1 Einführung und Grundbegriffe
Tabelle 1.3 Schneelasten1) (DIN EN 1991-1-3 und DIN EN
1991-1-3/NA; Angaben aus Nationalem Anhang zu DIN 1991-1-3 sind kursiv gesetzt)
Schneelastzone
auf dem Boden

Sockelwerte/Mindestwerte
sk-Werte in kN/m2

1
1a
2
2a
3

0,65 bis 400 m ü. d. M.
Zone 1 zuzgl. 25%
0,85 bis 285 m ü. d. M.
Zone 2 zuzgl. 25%
1,10 bis 255 m ü. d. M.

1)

Zur Ermittlung von Schneelasten auf Dächern werden die
Schneelasten auf dem Boden unter Beachtung der Form
des Daches (Formbeiwert für Schneelastverteilung), der
Wärmedämmeigenschaften, der Oberflächenrauhigkeit,
der benachbarten Gebäude sowie des umgebenden Geländes und des örtlichen Klimas (Windexposition, Temperaturänderungen, Niederschlagswahrscheinlichkeit)
unter Berücksichtigung der Lastanordnung unverwehter
und verwehter Schneelasten auf dem Dach bemessen.
Weiterhin werden örtliche Gegebenheiten wie Höhenversprünge, Aufkantungen, Dachaufbauten, Schneeüberhang an Dachtraufen, Kehlen von Scheddächern
usw. berücksichtigt.

rung, Maschinengewicht, Lagergut usw. Die
rechnerisch anzunehmenden Verkehrslasten
enthalten je nach Nutzungsart des Bauwerks
bestimmte Sicherheitszuschläge.
Zeitlich veränderliche Lasteinwirkungen können
sein:
Ɣ Schneelasten, Eislasten als überwiegend vertikal wirkende Lasten mit Berücksichtigung
der Dachneigung und -form und der Geländehöhe über Meeresspiegel (Tab. 1.3 und Bild
1.4),
Ɣ Windlasten aus Winddruck und Windsog als
vorwiegend horizontal wirkende Lasten,
und je nach Einzelfall:
Ɣ dynamische Belastungen (z. B. Erschütterungen durch Maschinenbetrieb, Verkehr,
stoßartige Belastungen aus Betriebsabläufen,
Beanspruchungen aus Anprall- und Bremskräften von Fahrzeugen, Kranbahnen, Schwingungsübertragungen o. Ä. sowie Erdbebenstößen),
Ɣ thermische Beanspruchung infolge von
Temperaturschwankungen oder von ungleichmäßiger Temperatureinwirkung (z B.
bei nur einseitiger Erwärmung und im Brandfall) und
Ɣ Setzungen. Durch falsch beurteilte Tragfähigkeit des Baugrundes, durch ungleichmäßige
Belastungen u. a. können Spannungen inner-

halb einzelner Bauteile oder des gesamten
Bauwerks entstehen (vgl. a. Abschn. 3, Bild 3.1).
Diese Beanspruchungen müssen anhand der Planungsvorhaben und entsprechend den zugrunde zu legenden Bestimmungen (z. B. DIN 1055-2,
DIN EN 1990 + DIN EN 1991-1) ermittelt werden
und bilden die Grundlage für den Standsicherheitsnachweis (statische Berechnung), s. Abschn.
1.6.

1.3 Grundbegriffe
der Tragwerkslehre
Bauteile können stehen unter der Krafteinwirkung von
Ɣ Druck. Gedrückte Bauteile sind Druckspannungen ausgesetzt, die eine Stauchung bewirken. Diese ist von der einwirkenden Kraft,
dem Querschnitt, der Bauteillänge und einem
materialspezifischen Elastizitätsmodul für
Druck abhängig (Bild 1.5a). Darüber hinaus
führen große Bauteillängen bei Druckbelastungen zu zusätzlichen Stabilitätsproblemen
(s. Knicken).
Ɣ Zug. Bauteile, die einer Zugbeanspruchung
ausgesetzt werden (z. B. Spannseile), erfahren
eine Zugspannung, die eine Längenänderung
bewirkt. Diese ist innerhalb gewisser Grenzen
abhängig von der einwirkenden Zugkraft,
dem Querschnitt und der Länge des Bauteils
sowie von dem materialspezifischen Elastizitätsmodul für Zug (Verhältnis von Spannung :
Dehnung; Bild 1.5b).
Ɣ Scheren. Scherspannungen entstehen innerhalb eines belasteten Bauteils, wenn Last und
Gegendruck in derselben Querschnittsfläche
(vgl. Schere!) anliegen und zwei Bauteilschichten senkrecht zum Bauteilquerschnitt verschoben werden (Bild 1.5c).
Ɣ Schub. Schubspannungen entstehen innerhalb eines Bauteils, wenn Last und Gegendruck
in derselben Querschnittsfläche wirken und
zwei Bauteilschichten im Bereich der Bauteilachse gegeneinander verschoben werden.
Im Gegensatz zum Abscheren entstehen
Spannungen im Längsschnitt des Bauteiles,
indem Bauteilschichten in Längsrichtung gegeneinander verschoben werden (Bild 1.5d).
Ɣ Torsion. (Drillung, Verdrehung) entsteht,
wenn ein Bauteilquerschnitt auf Drehung beansprucht und dabei das Kippen durch Festhalten der Bauteilendflächen verhindert wird.

1.3 Grundbegriffe der Tragwerkslehre

5

1

1.4 Schneelastzonenkarte gem. DIN 1991-1-3/NA

In den benachbarten Querschnitten werden
Schubspannungen erzeugt (Bild 1.5e).
Baustoffe weisen unter Einfluss äußerer Kräfte
spezifische Verhaltensformen auf:
Ɣ Elastisches Verhalten. Durch Belastungen
und Krafteinwirkungen treten – innerhalb be-

stimmter Grenzen – keine dauernden Verformungen auf. Nach Entlastung „federt” das
Bauteil in seine ursprüngliche Form zurück
(Bild 1.6a).
Ɣ Plastisches Verhalten. Werden die Grenzwerte für das elastische Verhalten überschritten,
jedoch Belastungen, die zur Zerstörung füh-

6

1 Einführung und Grundbegriffe

1

1.5a

1.5b

1.5c

1.5d

1.5e

1.5 Bauteil unter Krafteinwirkung0
a) Druck
b) Zug
c) Scheren (eingespannte Konsole)
d) Schub (eingespannte Konsole)
e) Torsion (eingespannter Balken mit Kragarm zwischen Stützen)

Ɣ Fließen (Kriechen). Unter Langzeitbeanspruchung können Bauteile – auch abhängig
von den einwirkenden Temperaturen – dauernde Formveränderungen erfahren, die aus
strukturellen Veränderungen der beteiligten
Baustoffe resultieren. Werden Bauteile aus
derartigen Baustoffen (z. B. aus gewissen
Kunststoffen, auch aus Stahl) schockartig belastet, können sie – insbesondere bei niedrigen Temperaturen – durch „Sprödbruch“ zerstört werden.

1.6a

1.6b
1.6 Materialverhalten
a) elastisch
b) plastisch

1 unbelastet
2 belastet
3 nach Belastung

1.7a

1.7b

1.7 Kippen
a) Standmoment
b) Kippmoment (vgl. Bild 1.26)

ren, noch nicht erreicht, treten bei allen Bauteilen dauernde Verformungen auf (z. B. „Verbiegen”, Bild 1.6b).

Durch äußere Kräfte können Bauteile oder auch
ganze Bauwerke verformt und in ihrer Standsicherheit beeinflusst werden. Als Auswirkungen
kommen in Frage:
Ɣ Kippen. Ein Bauteil bzw. ein Bauwerk kippt
infolge einer Krafteinwirkung (z. B. Windoder Erddruck), wenn das resultierende Kippmoment größer ist als das Standmoment (das
Standmoment ist abhängig von Bauteil- bzw.
Bauwerksgewicht und Bauteilbreite) (Bild
1.7).
Ɣ Knicken und Beulen. Schlanke, stabförmige
Bauteile knicken aus, flächige Bauteile (z. B.
Wände) beulen aus, wenn sie in Längsrichtung gedrückt werden.
Die Knicksicherheit wird beeinflusst von der
Länge und kleinsten Breite des Bauteiles, von
der Art des konstruktiven Anschlusses (freistehend, einseitig oder beidseitig eingespannt, s.
Abschn. 1.6) und von der Art des Baustoffes.
Kennzeichnende Größe ist die sog. Schlankheit bzw. der Schlankheitsgrad (Bild 1.8).
Ɣ Biegen. Ein punktuell oder linear gestütztes
Bauteil biegt sich zwischen den Stützungspunkten (Auflagern) durch, wenn es quer zur
Längsachse durch Lasten beansprucht wird
(Bild 1.9).

1.4 Tragelemente

7
auflagern (Bild 1.11a). Die erforderlichen statischen Abmessungen hierfür sind vergleichsweise groß.

1.8a

1.8b

1.8c

1.8 Knicken
a) freistehend („Pendelstütze”)
b) einseitig eingespannt
c) beidseitig eingespannt

1.9 Biegen

1.10
Gleiten

Ɣ Gleiten. Ein Bauteil kann – insbesondere seitlich – verschoben werden, wenn die Verbindung zu anschließenden Bauteilen oder auch
zum Baugrund nicht durch Reibung oder besondere konstruktive Maßnahmen gesichert
ist (Bild 1.10).
Häufigste Schadensursache für Bauschäden ist
Materialversagen durch Überschreitung der zulässigen Baustofffestigkeiten.

1.4 Tragelemente
Tragelemente bilden in den verschiedensten
Kombinationen die geometrische Struktur und
das konstruktive Gefüge eines Bauwerkes.
Einen Überblick über die wichtigsten Grundtypen von Tragelementen zeigt Bild 1.11. Sie kommen innerhalb von Gesamtkonstruktionen in
vielfachen Kombinationen untereinander vor.
Einfeldträger als einfache Träger sind Tragelemente über jeweils eine Öffnung mit zwei End-

Durchlaufträger sind Tragelemente über mehrere Öffnungen, die zu wesentlich günstigeren
statischen Abmessungen führen, indem sie die
so genannte Durchlaufwirkung über mehrere Felder bzw. Auflager hinweg nutzen (Bild 1.11b). Bei
solchen Mehrfeldträgern wechseln positive Biegemomente (Durchbiegungen nach unten) in
den Feldern mit negativen Biegemomenten über
den Stützen (Biegungen nach oben). Je nach
„Lastfall”, d. h. Belastung mit durchlaufenden
Streckenlasten (auch aus dem Eigengewicht)
oder Teilbelastung in einzelnen Feldern, können
sich bei Durchlaufträgern erhebliche Entlastungen für die benachbarten Felder ergeben. Konstruktiv muss das Verformungsverhalten solcher
Träger berücksichtigt werden (vgl. hierzu auch
Bilder 1.14 und 1.15).
In ähnlicher Weise kann die Durchlaufwirkung
auch bei Deckenplatten genutzt werden. Durch
mehrseitige Auflagerung ergeben sich weitere
Möglichkeiten für günstigere statische Abmessungen (s. Abschn. 10.1.1).
Rahmen. In erweitertem Sinne werden auch
Rahmen als Tragelemente betrachtet. Sie bestehen aus stab- oder scheibenförmigen Bauteilen,
die mit oder ohne Gelenke zusammengefügt
sind. Im Baugrund bzw. in Fundamenten können
Rahmenstützen – ebenso wie in angrenzenden
Bauwerksteilen – eingespannt oder gelenkig angeschlossen sein (Bild 1.12).
In Rahmen werden Verformungen durch Beanspruchungen einzelner Teile über biegesteife
Ecken auf die benachbarten Rahmenteile übertragen (Bilder 1.13 bis 1.14). Daraus resultieren
neben dem hierfür erforderlichen erhöhten Materialeinsatz zu Herstellung biegesteifer Eckausbildungen selbst bei einfachen Systemen komplizierte Verformungen der Gesamtkonstruktion
(Bild 1.15). Dabei muss beachtet werden, dass in
den schematischen Abbildungen lediglich die
Verformungen in der Rahmenebene dargestellt
sind. In der Regel müssen die Beeinflussungen
aber auch im räumlichen Zusammenhang betrachtet werden.
Zur Berechnung von Rahmentragwerken sind
zwar komplizierte Berechnungsverfahren nötig,
doch können sich sehr wirtschaftliche bauliche
Lösungen durch die Verbundwirkung der beteiligten Konstruktionselemente ergeben.

1

8

1 Einführung und Grundbegriffe

1
1.11a

1.11b
1.11h

1.11c

1.11i

1.11d

1.11e

1.11j

1.11k

1.11f

1.11l

1.11g

1.11m

1.11 Tragelemente
a) Träger als Einfeldträger
b) Mehrfeldträger/Durchlaufträger
c) unterspannter Träger
d) Fachwerkträge
e) Spannseil
f) Fachwerk mit Diagonalverband
g) Scheibe

h) Stütze, Pfosten
i) Bogen
j) Platte
k) Platte mit Unterzug (Rand- bzw. Feldunterzug)
l) Platte mit Überzug
m) Tragrost/Trägerrost

1.5 Tragwerksysteme

9

1

1.12a

1.12b

1.12c

1.12d

1.12 Rahmen
a) mit eingespannten Stützen, Ecken nicht biegesteif (gelenkig)
b) mit biegesteifen Ecken, Stützen gelenkig gelagert

c) Dreigelenkrahmen mit biegesteifen Ecken
d) geschlossener Rahmen mit biegesteifen
Ecken (Vollrahmen)

1.13 Rahmen
Verformungen bei horizontaler Beanspruchung

1.5 Tragwerksysteme

Ɣ industrialisierte Bauweisen mit komplexen,
„geschlossenen” Bausystemen.

Hinsichtlich der Ausführungsart kann für Bauwerke kennzeichnend sein
Ɣ die überwiegende Verwendung bestimmter
Baumaterialien (z. B. Ziegel, Holz, Stahlbeton,
Stahl),
Ɣ die Herstellungsmethode (z. B. überwiegend
handwerkliche Massivbauweise, Skelett- oder
Fachwerkbauweise in örtlicher Herstellung
oder aus vorgefertigten Bauteilen),
Ɣ sog. Fertigbauweisen als Zusammenbau vorgefertigter Bauelemente,

Das Tragwerksystem kennzeichnet Bauwerke in
der Regel am besten.
Es würde den Rahmen einer Baukonstruktionslehre sprengen, eine vollständige Übersicht über
alle Tragwerksysteme zu versuchen.
Bei Betrachtung der geometrischen Grundformen und ihrer Einzelelemente sowie ihrer Verwendung zur Lastabtragung in einem Tragwerk
können folgende Systeme unterschieden werden.

10

1 Einführung und Grundbegriffe

1

1.14a

1.14b

1.14c

1.14d

1.14 Rahmen
Verformungen bei vertikaler Beanspruchung
a) Rahmen mit eingespannten Stützen
c) Dreigelenkrahmen mitgelenkig gelagerten Stützen
b) Zweigelenkrahmen mit gelenkig gelagerten Stützen d) Umlaufender Rahmen, gelenkig gelagert (Vollrahmen)

1.15a

1.15b

1.15 Bauwerk mit gitterartigem Rahmentragwerk (Stockwerksrahmen)
a) Planungszustand
b) Verformung durch Beanspruchung einzelner Bauteile (schematisch)

Ɣ Flächenaktive Tragwerksysteme, in denen die
flächige Geometrie von Bauteilen wie Decken
und Wände zur Lastabtragung herangezogen
werden (Scheiben Bild 1.11g, Platten Bild 1.11j,
Faltwerke Bild 1.18, Schalen Bild 1.21),
Ɣ Vektoraktive Tragwerksysteme, in denen
stabartige Bauteile wie Stäbe (Bild 1.10h),
Streben und Seile, (Bild 1.10c und e) die Lasten bündeln und ableiten (Fachwerke Bild
1.10d, Raumfachwerke Bild 1.20) und

Ɣ Formaktive Tragwerksysteme, bei denen die
Bauteilgeometrie selbst durch den Kräfteverlauf und die Lastabtragung bestimmt wird
(Seil- und Zeltsysteme, Bild 1.22, pneumatische Systeme, Bild 1.23 und Bogentragwerke,
Bild 1.10i).
Nachstehend wird ein genereller Überblick über
Grundformen gegeben, und es muss im Übrigen
auf weiterführende Literatur verwiesen werden.

1.5 Tragwerksysteme

11

1

1.16 Wandbau

1.17 Skelettbau

1.18 Formen von Faltwerken

1.19 Rosttragwerke

1.20a
1.20 Raumtragwerke (System MERO)
a) Untersicht einer Dachkonstruktion
b) typischer Knoten

1.20b

12

1 Einführung und Grundbegriffe

1

1.21 Schalentragwerke

1.22 Seilnetztragwerke

Wandbauten (Bild 1.16). Wandbausysteme bestehen aus einem Gefüge von vertikalen Wandund horizontalen Deckenscheiben (s. Abschn.
1.6), die in Verbindung miteinander statisch wirksam werden.

tionsfiguren oder einfach- bzw. mehrfach gekrümmten Flächen ausgehen.

Skelettbauten (Bild 1.17). Das Traggerüst von
Skelettbausystemen besteht überwiegend aus
Stäben (Stützen und Trägern), die durch Verbände oder Scheiben (Decken- und Wandscheiben)
gegen Beanspruchungen aus Horizontallasten
ausgesteift sind (vgl. Bild 1.36) oder aus Rahmen.
Faltwerke (Bild 1.18). Bauwerke oder Bauwerksteile (z. B. Überdachungen), bei denen ebene Flächen so zueinander angeordnet werden, dass
der entstehende Bauteil zugleich scheiben- und
plattenartig beansprucht wird, werden als Faltwerke bezeichnet.
Rosttragwerke (Bild 1.19). Werden ebene, vertikal stehende Träger rasterartig so zusammengefasst, dass sie überwiegend scheibenartig beansprucht werden, spricht man von Rosttragwerken oder auch Tragrosten (vgl. Abschn. 1.2.4 in
Teil 2 dieses Werkes).
Raumtragwerke (Bild 1.20). Als Raumtragwerke
bezeichnet man Konstruktionen aus räumlichen,
meistens prismatischen Gittern, die aus miteinander in den Knotenpunkten verbundenen Stäben bestehen (vgl. Abschn.1.2.4 in Teil 2 dieses
Werkes).
Schalentragwerke (Bild 1.21). Vergleichbar den
historischen Gewölbekonstruktionen (s. Abschn.
10.6) können Tragwerke in vielfältiger Form auch
aus dünnwandigen in sich gekrümmten Schalen
gebildet werden. Stahlbetonkonstruktionen erlauben dabei eine Fülle der verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten, die meistens von Rota-

Seilnetztragwerke sind gekennzeichnet durch
zugbeanspruchte Tragseile, die – vielfach mit
Vorspannung – an Widerlagern oder Stützen verankert sind. Aus der großen Zahl ausgeführter
Beispiele ist in schematischer Darstellung in Bild
1.22 die Überdachung der Eissporthalle im Olympiapark München (Arch. K. Ackermann u. Partner)
gezeigt.
Membran-Tragwerke. Membranartige Hüllen
aus hochreißfesten Folien oder Chemiefasergeweben, die über rahmenartige Unterkonstruktionen gespannt werden, ermöglichen die Gestaltung leichter, weit gespannter Überdachungen
für Ausstellungs-, Lager-, Sportbauten u. Ä. (s. a.
„Textiles Bauen“).
Pneumatische Tragwerke. Interessante Konstruktionsmöglichkeiten ergeben sich mit pneumatischen Systemen. Ständig zu erzeugender
Luftüberdruck in einem geschlossenen Raum
trägt die membranartige Raumhülle (so genannte „Traglufthallen”). Kissenartige Dachflächen
werden aus Doppelmembranen durch Luftüberoder -unterdruck gebildet und als Überspannung
von Räumen in ringartige Konstruktionen gehängt. Größere Spannweiten lassen sich im Zusammenhang mit tragenden Unterkonstruktionen aus zugbeanspruchten Spannseilen erzielen
(Bild 1.23).
Derartige Tragwerke kommen nur für hallenartige Bauwerke, Tribünen oder Überdachungen in
Frage, bei denen keine hohen Anforderungen
hinsichtlich Wärme- und Brandschutz gestellt
werden.

1.6 Standsicherheit

13

1
1.23a

1.23b

1.23 Pneumatische Tragwerke und textile Tragwerke
a) Traglufthalle
b) Dachmembran mit Überdruck
c) Dachmembran mit Unterdruck
d) Textile Überdachung einer Sportanlage
(hks – ARCHITEKTEN Hestermann –
Rommel, Erfurt)

1.6 Standsicherheit
Bauwerke müssen in statischer Hinsicht so errichtet und in ihren Einzelteilen dimensioniert werden, dass alle Eigengewichte, Lasten und Beanspruchungen (s. Abschn. 1.2) sicher über die Fundamente auf den Baugrund übertragen werden
(s. Abschn. 4). Es dürfen keine unzulässigen Bewegungen (Setzungen, seitliche Verschiebungen, Abgleiten auf geneigten Bodenschichten)
entstehen.
Dimensionierung. Unter allen vorauszusehenden Beanspruchungen dürfen die einzelnen Bauteile und das Bauwerk als Ganzes Verformungen
oder Bewegungen nur innerhalb sehr enger, genau definierter Grenzen aufweisen. Dazu müssen
alle auftretenden bzw. zu berücksichtigenden
Beanspruchungen der einzelnen Bauteile erfasst
oder gemäß Vorschriften bzw. Normen berücksichtigt werden.
Danach sind die erforderlichen Dimensionen für
die einzelnen Tragelemente (s. Abschn. 1.4) zu
ermitteln und der Standsicherheitsnachweis für
das gesamte Bauwerk zu führen.
Der weitaus größte Teil der Tragwerke aller Gebäude werden aus flächenartigen (Platten, Scheiben, Schalen, Faltwerken, Gewölben, Kuppeln,
Membranen) und linienförmigen (Stäben, Stützen, Säulen, Trägern, Balken, Seilen) Bauteilen
zusammengefügt.
Statische Wirksamkeit. Einen wesentlichen Einfluss auf die Standsicherheit eines Bauwerkes haben die in der Regel vorhandenen platten- oder
scheibenförmigen Bauteile der Wand-, Decken-

1.23c

1.23d

oder Dachflächen. Man unterscheidet hinsichtlich der statischen Wirksamkeit:
Ɣ Plattenwirkung (durchbiegend beansprucht)
(Bild 1.24) und
Ɣ Scheibenwirkung (aussteifend wirksam) (Bild
1.25).
Freistehende Wände können horizontale und
größere vertikale Lasten aufnehmen, wenn sie
nicht zu schmal und nicht zu hoch sind und in
diesem Fall als „Schwerkraftmauern” wirksam
werden können (Bild 1.26).
Einspannung. Wände und Stützen mit großem
Schlankheitsgrad können gegen Kippen durch
Einspannen in Fundamente oder andere
benachbarte Bauteile gesichert werden, wenn
sie z. B. als Stahlbetonkonstruktion in der Lage
sind, Biegezugbeanspruchungen standzuhalten
(Bild 1.27).
Gegen Kippen, Knicken oder Ausbeulen können
Wände auch durch zusätzliche in oder vor der
Wandebene liegende Pfeilervorlagen, Stahlbetonoder Stahlstützen gesichert werden (Bild 1.28).
Aussteifung. Für die Standsicherheit von
Wänden, insbesondere hinsichtlich von Knick-,
Beul- oder Kippbeanspruchung, ist in der Regel
neben der Dimensionierung die ausreichende
Aussteifung von Bedeutung. Dabei wird das
statische Zusammenwirken senkrecht gegeneinander gesetzter und fest miteinander verbundener Scheiben oder Platten ausgenützt
(Bild 1.29).
Voraussetzung für die Wirksamkeit der Aussteifung ist, dass auszusteifende und aussteifende
Wandscheiben miteinander ausreichend kons-

14

1 Einführung und Grundbegriffe

1

1.24 Plattenwirkung

1.25 Scheibenwirkung

1.26 Schwerkraftmauer
Kippsicherheit =
Standmoment x t 1,5
Kippmoment

1.27 Eingespannte
Stahlbetonwand

1.29a

1.29b

1.29 Aussteifung durch Wandscheiben
a) Ecken der ausgesteiften Wand können ausweichen
b) Ecken der aussteifenden Wände können ausweichen
c) Eine aussteifende Wandscheibe ist ebenfalls ausgesteift

1.28 Mauer zwischen
eingespannten Stahlstützen

1.29c

1.6 Standsicherheit

15

1

1.30a

1.30b

1.30 Verbund aussteifender Scheiben
a) nicht ausreichend verbundene aussteifende Wand wird verschoben (gleitet)
b) feste Verbindung zwischen aussteifenden Scheiben

1.31a

1.31b

1.31c

1.31 Zusammenwirken aussteifender Scheiben
a) Aussteifung durch Querwand ausreichend
b) Aussteifung nicht ausreichend (Querwand fehlt)
c) Aussteifungsverbund mit Deckenplatte (Scheibenwirkung der Decke)

tuktiv (z. B. durch Mauerverband, Stahlbewehrung o. Ä.) verbunden sind (Bild 1.30).
Die Wirkung der Aussteifung ist im Übrigen abhängig von:
Ɣ Höhe der auszusteifenden Wand,
Ɣ Dicke der auszusteifenden Wand,
Ɣ Abstand der aussteifenden Wände untereinander,
Ɣ Länge der aussteifenden Wände,
Ɣ Dicke bzw. Gewicht der aussteifenden Wände
(DIN 1996, s. a. Abschn. 6.2.1.1).

1.32 Wabenartiges Baugefüge („verschachtelte” Flächen
bilden ein widerstandsfähiges Raumgefüge)

Sind größere Abstände zwischen den aussteifenden Wänden nötig, werden horizontale Deckenscheiben zur Aussteifung herangezogen, wenn
sie konstruktiv dazu geeignet sind (z. B. Stahlbetonplatten) und ausreichend mit den auszusteifenden Bauteilen verankert werden können (Bild
1.31).
Vielfach werden Wände in Grundrissen in beiden
oder mehreren Grundrissrichtungen oder auch

16

1 Einführung und Grundbegriffe

1

7,00

1

2

1.33a

8

10

10

6

2

10
4

11,50

5 7

8

5,75

7

5,75

3

1

8

7,00

10

6
4
6

4
8

7,00
9
10

6

6

4
8

7,00

10

6

6

4
8

6

4

6

1.33b

1.33 Anordnung tragender Wände
(schematische Darstellungen und Grundrisse)
a) Längswandbau mit tragenden Längswänden, nicht tragenden Querwänden
b) Querwandbau mit tragenden Querwänden (Schotten), nicht tragenden Außenwänden
6 Treppenhauswand, aussteifend und ggf. tragend
1 Umfassungswände, tragende Außenwände
7 Wohnungstrennwand, aussteifend und ggf. tragend
2 Brandwand
8 leichte Trennwand (nicht tragend und nicht aussteifend)
3 tragende Längswand
9 nicht tragende Außenwand oder Fassade
4 tragende Querwand
10 Spannrichtung der Decken
5 aussteifende Querwand

allseitig angeordnet und mittels der Deckenplatten miteinander verbunden. In mehrgeschossigen Bauwerken kann auf diese Weise ein wabenartiges Gefüge aus sich gegenseitig aussteifenden Umfassungs- und Zwischenwänden sowie
Deckenscheiben entstehen (Bild 1.32).
Als Grundrisstypen von Bauten mit tragenden
Wänden („Wandbauten”) haben sich darüber hinaus entwickelt
Ɣ Längswandbauten (Bauwerke mit tragenden,
ausgesteiften Längswänden, Bild 1.33a)
Ɣ Querwand- oder Schottenbauten (Bauwerke
mit tragenden ausgesteiften Querwänden,
Bild 1.33b).
Die Wahl eines derartigen statischen Wandbausystems ist von entscheidender Bedeutung für
die Grundrissaufteilung, die Belichtung und die
Gestaltung eines Bauwerkes.

Während nicht tragende Raumtrennwände oder
Fassadenteile bei späteren andersartigen Nutzungsanforderungen an das Gebäude nachträglich mit relativ geringem Aufwand verändert
oder beseitigt werden können, lassen sich tragende oder aussteifende Bauteile nicht oder nur
unter großen technischen Schwierigkeiten umdimensionieren oder entfernen.
Ein Beispiel für die Gestaltungsmöglichkeiten mit
einzelnen freistehenden Wandscheiben, Treppenhauskern und Stützen, die in Zusammenhang mit der Deckenplatte ausgesteift werden,
zeigt Bild 1.34.
Die Wahl und Anordnung der Bauteile zu Aussteifung gegen horizontale Beanspruchungen
hat immer mehrere Lastfälle (z. B. Winddruck und
Windsog) zu berücksichtigen und muss in mindestens zwei Richtungen erfolgen. Die Bauteile
zur Aussteifung dürfen sich nicht kreuzen.

1.6 Standsicherheit

17

1

1.34 Aussteifung bei freier Grundrissgestaltung durch
Wandscheiben

1.35 Ungünstige Anordnung von Aussteifungsscheiben

1.36a

1.36a

1.36 Aussteifung von Skelettkonstruktionen
a) Aussteifung durch Wandscheiben und durch Rahmen mit biegesteifen Ecken
b) Aussteifung durch Diagonalverbände und Rahmen mit biegesteifen Ecken

Ebenso ist bei der Anordnung der aussteifenden
Scheiben zu beachten, dass auch Momente
(„Verdrehungen”) um die Senkrechte aufgenommen werden können. Bei einer Anordnung der
aussteifenden Scheiben wie in Bild 1.35 ist die
Deckenplatte bei einer Beanspruchung in Drehrichtung um die Senkrechte verschieblich gelagert.

Die Arten der Lagerung jeweils an den Enden der
Stabachsen können als
Ɣ festes, gelenkiges Lager,
Ɣ bewegliches oder auch verschiebliches, gelenkiges Lager oder
Ɣ als Einspannung (festes, nicht bewegliches, unverschiebliches Lager) festgelegt werden.

In Skelettbauten kann die Aussteifung in einer
Richtung durch Rahmen oder Binder mit biegesteifen Eckverbindungen und ggf. Einspannung
(s. Bild 1.12) erreicht werden. Die Binder untereinander können in der anderen Richtung durch
Wand- und Deckenscheiben wie im Wandbau
ausgesteift werden (Bild 1.36a). Meistens ist aber
die Ausführung von Dreiecksverbänden durch
zugbeanspruchte Stahlprofile oder -seile wirtschaftlicher (Bild 1.36b und 1.11f).
Lagerarten. Für linienförmige, tragende Bauteile
wie Stäbe und Stützen ist die Art der Lagerung
festzulegen.

Feste Lager leiten die Kräfte ohne Übernahme
von Momenten weiter. Der Gelenkpunkt wird
ähnlich einem allseitig beweglichen Scharnier
ausgebildet.
Bei beweglicher/verschieblicher Lagerung werden die Kräfte nur in der Verschiebungsrichtung
weitergeleitet.
Die Lagerung in Form einer Einspannung kann
unterschiedlich gerichtete Kräfte und auch Momente in die anschließenden Bauteile oder den
Baugrund weiterleiten.

18

1

1 Einführung und Grundbegriffe

1.7 Normen
Norm

Ausgabedatum

Titel

DIN1055-2

11.2010

Einwirkungen auf Tragwerke; Bodenkenngrößen

DIN EN 1990

12.2010

Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung

DIN EN 1990/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung

DIN EN 1990/NA/A1

08.2012

Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung; Änderung A1

DIN EN 1991-1-1

12.2010

Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-1: Allgemeine Einwirkungen auf Tragwerke – Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau

DIN EN 1991-1-1/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-1: Allgemeine Einwirkungen auf Tragwerke –
Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau

DIN 1991-1-1/NA/A1

07.2014

–; –; –; Änderung A1

DIN EN 1991-1-2

12.2010

–; –; Teil 1-2: Allgemeine Einwirkungen – Brandeinwirkungen auf Tragwerke

DIN EN 1991-1-2/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-2: Allgemeine Einwirkungen – Brandeinwirkungen auf Tragwerke

DIN EN 1991-1-2 Ber.1

08.2013

–; –; –; Berichtigung zu DIN EN 1992-1-2:2010-12

DIN 1991-1-2/NA/A1

02/2015

–; –; –; Änderung A1

DIN EN 1991-1-3

12.2010

–; Teil 1–3: Allgemeine Einwirkungen – Schneelasten

DIN EN 1991-1-3/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-3: Allgemeine Einwirkungen – Schneelasten

E DIN EN 1991-1-3/A1

10.2013

–; –; Allgemeine Einwirkungen – Schneelasten; Aktualisierung

DIN EN 1991-1-4

12.2010

–; Teil 1–4: Allgemeine Einwirkungen – Windlasten

DIN EN 1991-1-4/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-4: Allgemeine Einwirkungen – Windlasten

DIN EN 1991-1-5

12.2010

–; –; Teil 1-5: Allgemeine Einwirkungen – Temperatureinwirkungen

DIN EN 1991-1-5/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-5: Allgemeine Einwirkungen – Temperatureinwirkungen

DIN EN 1991-1-7

12.2010

Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-7: Allgemeine Einwirkungen – Außergewöhnliche Einwirkungen

DIN EN 1991-1-7/NA

12.2010

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-7: Außergewöhnliche Einwirkungen

DIN EN 1991-1-7/A1

08.2014

–; –; Außergewöhnliche Einwirkungen

DIN EN 1998-1

12.2010

Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben – Teil 1: Grundlagen, Erdbebeneinwirkungen und Regeln für Hochbauten

DIN EN 1998-1/NA

01.2011

Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben

DIN EN 1998-1/A1

05.2013

–; –; Änderung 1

DIN 4150-1

06.2001

Erschütterungen im Bauwesen; Vorermittlung von Schwingungsgrößen

DIN 4150-2

06.1999

–; Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden

DIN 4150-3

02.1999

–; Einwirkungen auf bauliche Anlagen

DIN EN 15129

06/2010

Erdbebenvorrichtungen

1.8 Literatur

1.8 Literatur
[1] Ackermann, K.: Tragwerke in der konstruktiven Architektur. Stuttgart 1988
[2] DETAIL engineering 1 bis 3. 2011 bis 2013; www.detail.de
[3] DETAIL Hefte – Tragwerke. 7+8.2004, 7+8.2008 und 10.2012: www.detail.de
[4] Eisele, J.: Tragsysteme und deren Wirkungsweise. Berlin 2014
[5] Egger, H., Beck, H., Mandl, P.: Tragwerkselemente. Stuttgart 2003
[6] Engel, H. : Tragsysteme. Ostfildern 2009
[7] Führer, W., Ingendaaij, S., Stein, F.: Der Entwurf von Tragwerken. Köln 1995
[8] Krauss, F., Führer, W., Neukäter, H.J., Willems, C.C. : Grundlagen der Tragwerkslehre 1 und 2. Köln 2007 und 2004
[9] Kuff, P.; Schwalbenhofer, K.; Strohm, A.: Tragwerke als Elemente der Gebäude- und Innenraumgestaltung. Wiesbaden 2013
[10] Laske / Richter : Form-, vektor-, und flächenaktive Tragsysteme, FHD 1996; www.fh-darmstadt.de
[11] Leicher, G. : Tragwerkslehre in Beispielen und Zeichnungen. Neuwied 2010
[12] Mann, W. : Tragwerkslehre in Anschauungsmodellen. Kassel 2007
[13] Meistermann, A.: Tragsysteme. Basel 2007
[14] Meskouris, K., Hake E.: Statik der Stabtragwerke, Berlin/Heidelberg 2009
[15] BM für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit: Baustoffdatenbank für die Bestimmung globaler ökologischer
Wirkungen. www.ökobau.dat oder www.nachhaltigesbauen.de
[16] Pech, A., Kolbitsch, A., Zach, F.: Tragwerke. Wien 2007
[17] Reichel, A., Schultz, K. (Hrsg.): Scale – Tragen und Materialisieren – Wände, Decken, Fügungen. Basel 2013
[18] Rybicki, R., Priez, F.: Faustformeln und Faustwerte für Tragwerke im Hochbau. Düsseldorf 2011
[19] Schmidt, P. : Schalentragwerke aus Spannbeton. IRB 1998; www.irb.fhg.de
[20] Schneider, K.-J., Volz, H., Hess, R.: Entwurfshilfen für Architekten und Bauingenieure – Faustformeln für Tragkonstruktionen. Berlin 2004
[21] Zeumer, M.; El khouli, S.; John, S.: Nachhaltig Konstruieren – Vom Tragwerksentwurf bis zur Materialwahl – Gebäude
ökologisch bilanzieren und optimieren. DETAIL Green Books. 2014

19

1

21

2

Normen, Maße, Maßtoleranzen

2
2.1 Allgemeines
Die gesetzliche Grundlage für das Bauen in
Deutschland sind die Landesbauordnungen der
einzelnen Bundesländer (LBO), die auf der Basis
der Musterbauordnung (MBO) des Bundes erlassen wurden. Sie gelten für bauliche Anlagen insgesamt aber auch für Bauprodukte, Baustoffe
und Bauteile mit dem Ziel, auch die Bauprodukte
den Anforderungen der Bauordnungen zu unterwerfen.
Für die Ausführung moderner Bauwerke ist das
Zusammenwirken einer oft großen Anzahl verschiedener spezialisierter Unternehmen und Lieferanten erforderlich. Die unterschiedlichsten
Bauteile und Bauteilgruppen müssen kombinierbar sein.
Mit dem Zusammenwachsen der Wirtschaftssysteme ist über den nationalen Rahmen hinaus die
Festlegung von Qualitätsbegriffen und Ausführungskriterien unabdingbar. Maßsysteme und
die Koordinierung von Maßen sowie produktions- oder ausführungsbedingte unvermeidliche Maßabweichungen werden daher zunehmend nicht nur innerhalb der einzelnen Staaten,
sondern auch innerhalb Europas und international definiert. In Europa werden die national gültigen Normen zunehmend durch EU-Normungen
ersetzt.
Einen monatlich aktualisierten Stand der geltenden internationalen, europäischen und deutschen Normen, Normentwürfe und darüber hinausgehender anderer technischen Regeln,
Rechts- und Verwaltungsvorschriften einschl. der
EU-Richtlinien stellt das Deutsche Institut für
Normung e.V. (DIN) mit der Datenbank PERINORM zur Verfügung.

2.2 Normen
2.2.1 Deutsche Normung
Wie auch auf anderen Wirtschaftsgebieten hat
sich im Bauwesen in Übereinkunft der betroffenen Hersteller, des Handels, der Verarbeiter, der
Verbraucher usw. seit mehr als 80 Jahren in demokratischer Selbstverwaltung die technische
Normung entwickelt.

Der Träger der ständig entsprechend dem Stand
der Technik weiterentwickelten Normungsarbeit
in Deutschland ist als gemeinnütziger eingetragener Verein das DIN (Deutsches Institut für
Normung e.V.). Es erarbeitet mit Beteiligung aller
Betroffenen die deutschen DIN-Normen. Sie
dienen (z. B. als Baustoffnormen) als Verständigungsgrundlage und für den „Regelfall“ als
Empfehlung für eine einwandfreie technische
Ausführung von Bauleistungen (Ausführungsnormen). Wichtige Ausführungsnormen für das
Bauwesen sind zusammengefasst in der „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“
(VOB), Teil C.
Mit den DIN-Normen kann zum Zeitpunkt ihres
Erscheinens der gebräuchliche, jedoch juristisch
nicht definierte Begriff der „Anerkannten Regeln
der Baukunst oder auch Bautechnik“ beschrieben
werden.
Zustandekommen und Bezeichnungen
von Normen
E DIN
Grundsätzlich darf jedermann einen
Normungsantrag stellen. Nach Prüfung
durch spezielle Normungsausschüsse
kann daraus ein Normentwurf erarbeitet werden, der als Entwurf („Gelbdruck“) der Öffentlichkeit zur Stellungnahme vorgelegt wird (E DIN …).
DIN
Nach Klärung von Einsprüchen, der
Einarbeitung von Änderungsvorschlägen und schließlicher Übereinkunft
der Beteiligten kann eine neue Norm
als DIN … in das allgemeine Normenwerk aufgenommen werden.
DIN-Bbl. DIN-Normen können durch „Beiblätter“ ergänzt werden, in denen Erläuterungen, Beispiele, Anwendungshilfsmittel usw. enthalten sind (DIN …, Bbl.
…). Beiblätter mit eigenem Ausgabedatum gehören nicht zwingend zu einer Ausgabe einer Norm hinzu.
DIN V
Eine „Vornorm“ (DIN V…) ist in Ausnahmefällen das Ergebnis einer Normungsarbeit, die z. B. wegen bestimmter Vorbehalte zum Inhalt vorerst nicht als Norm herausgegeben
werden kann. Mit der Anwendung ei-

U. Hestermann, L. Rongen, Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1,
DOI 10.1007/978-3-8348-2565-0_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

22

2

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen
ner Vornorm sollen notwendige Erfahrungen als Grundlage zur Erstellung einer regulären Norm gesammelt
werden. Sie gilt nicht als eingeführter
Teil des Deutschen Normenwerkes.
DIN EN Europäische Norm, die in das Deutsche Normenwerk übernommen ist (s.
Abschn. 2.2.2).
DIN SPEC Eine DIN SPEC stellt keine eigentliche
Norm dar, sondern eine sog. Spezifikation. Im Gegensatz zu einer Norm, deren Erstellung häufig umfangreich
und langwierig ist, mit dem Ziel, einen
Konsens aller betroffenen Parteien zu
erzielen und alle Gegenargumente
auszuräumen, können nicht zwingend
konsensorientiert erstellte Spezifikationen wesentlich schneller herausegeben, erprobt und angewandt
werden. Die Anwendung von Normen
und Spezifikationen ist freiwillig. Ausgenommen hiervon sind lediglich Normen, die als bauaufsichtlich eingeführte Technische Baubestimmungen
zu beachten sind.
Zur Arbeitserleichterung gibt es ferner „Übersichtsnormen“, in denen unter einer eigenen
DIN-Nummer verschiedene einschlägige DINNormen (ohne Änderungen oder Zusätze) zusammengefasst sind.
Normen sind keine rechtsverbindlich bindenden
Bestimmungen, Gesetze oder Verordnungen,
und ihre Anwendung ist grundsätzlich freigestellt. Sie entstehen auch unter Mitwirkung von
Branchen, Unternehmungen und interessierten
Kreisen, die jeweils ihre Standpunkte vertreten
und eine gewisse Einflussnahme auf das Marktgeschehen anstreben. Bei Streitigkeiten werden
DIN-Normen jedoch weitgehend als Beurteilungsmaßstab herangezogen. Denjenigen, der
eine Abweichung von einer Norm zu vertreten
hat, trifft in solch einem Fall in besonderem Maße
die Beweislastpflicht.
Allgemein anerkannte Regeln der Bautechnik:
Bestimmte grundlegende Normen sowie Regeln
und bauaufsichtliche Richtlinien aus den Bereichen Baurecht und Anlagensicherheit werden
von den Behörden der Bundesländer als Technische Baubestimmungen „bauaufsichtlich eingeführt“. (s. Musterlisten der technischen Baubestimmungen, Teil I bis III des DIBt – Dt. Institut für
Bautechnik; www.dibt.de) In diesem Fall sind sie
verbindlich und gelten als „Allgemein anerkannte

Regel der Bautechnik“. Diese sind basierend auf
mehreren Gerichtsurteilen folgendermaßen definiert:
Ɣ Richtige Lösungen für die Planung und Ausführung einer bautechnischen Aufgabe, die
dem jeweiligen neuesten Entwicklungsstand
der Bautechnik entsprechen und allgemein
als richtig anerkannt sind.
Ɣ Die Lösungen müssen zudem theoretisch
richtig, d. h. von der Bauwissenschaft überprüft und anerkannt sein und sich darüber hinaus in den Baupraxis bewährt haben.
Das bedeutet, dass die bloße Anwendung von
bestimmten Ausführungsarten ohne gesicherte
wissenschaftliche Begründung ebenso wenig
ausreicht wie die theoretisch-wissenschaftliche
Anerkennung einer Lösung ohne Bewährung in
der Praxis.
Beachtet werden muss andererseits, dass für die
Ausführung einer Bauleistung oder eines Bauwerkes die genaue Erfüllung bestimmter, für den
„Regelfall“ entwickelter Normen nicht allein ein
einwandfreies Ergebnis garantieren kann. Sowohl Planer als auch Bauausführende haben in
eigener Verantwortung zu überprüfen, ob im
Einzelfall sogar Abweichungen von Festsetzungen der Normen geboten sein können.

2.2.2 Europäische Normung
Als gemeinsame europäische Normungsinstitution wurde das Europäische Komitee für Normung (CEN = Comité Européen de Normalisation) mit Sitz in Brüssel gegründet. Seine
Mitglieder sind die nationalen Normungsorganisationen der EU- und EFTA-Staaten. Die
Normungsorganisationen der diesen Verbänden
noch nicht angegliederten mittel- und osteuropäischen Staaten werden vom CEN anerkannt
und haben Beobachterstatus. Deutsches Mitglied im CEN ist das DIN (Deutsches Institut für
Normung e.V.).
Aufgabe des CEN ist es, die bestehenden nationalen Normungen zu harmonisieren und langfristig ein europäisches Normenwerk zu schaffen.
Die bereits geschaffenen Europäischen Normen
(EN) sind das Ergebnis recht komplizierter Beratungs- und Beschlussvorgänge, auf die hier nicht
besonders eingegangen werden kann.
Entsprechend den unterschiedlichen geographischen, klimatischen und lebensgewohnheitlichen Bedingungen sowie unterschiedlichen
Schutzniveaus in den einzelnen Mitgliederlän-

2.2 Normen
dern können europäische Normen verschiedene
Anforderungsstufen oder -klassen enthalten.
Bei der europäischen Normung wurden von der
Europäischen Kommission verschiedene Kategorien festgelegt:
A-Normen betreffen Entwurf, Bemessung und
Ausführung von Bauwerken oder Bauteilen (Lastannahmen, Bemessungen, Berechnungs- und
Planungsvorschriften). Hierzu zählen die sogenannten „Eurocodes“ (s. u.).
B-Normen legen Produkteigenschaften fest.
Bh-Normen („horizontale Normen“) sind zwischen A- und B-Normen eingestuft. Sie gelten für
ganze Produktfamilien und regeln z. B. Messverfahren oder bestimmte Produkteigenschaften.
EN-Normen. Ähnlich wie bei den deutschen
Normen wird bei der europäischen Normung
nach dem Bearbeitungsstand unterschieden:
prEN Europäischer Norm-Entwurf (pr = Projekt
EN)
EN
Europäische Norm
hEN Harmonisierte europäische Norm
prENV Europäischer Vornorm-Entwurf
ENV Europäische Vornorm, ersetzt durch
Technische Spezifikation
Europäische Normen (EN) müssen nach bestimmten Fristen von den CEN-Mitgliedern in die
nationale Normung übernommen werden. Sie
werden nicht als solche veröffentlicht, sondern
erscheinen im Deutschen Normenwerk unter
DIN EN mit derselben Zählnummer, die auch die
Europäische Norm hat (z. B. EN 196-4 = DIN EN
196-4). Sie erlangen mit ihrer Veröffentlichung
Verbindlichkeit auf nationaler Ebene.
Europäische Vornormen (ENV) können für maximal 3 Jahre probeweise angewendet werden,
und parallel zu entgegenstehenden nationalen
Normen beibehalten werden. Eine als technische
Baubestimmung eingeführte europäische Norm
gilt als „Allgemein anerkannte Regel der Technik“
auf nationaler Ebene.
Eurocodes (EC). Entsprechend der Kategorie der
A-Normen werden vom CEN zunächst neun Eurocodes mit jeweils mehreren Teilen erarbeitet:
Für die Definition allgemeiner Einwirkungen, den
Entwurf, die Berechnung und die Bemessung
von Bauwerken aus
Ɣ Beton, Stahl, Verbundbauweisen, Holz, Mauerwerk, Aluminium sowie für

23
Ɣ Geotechnik, Gründungen und für Bauten in
Erdbebengebieten.
Für den Bereich Stahlbau ist z. B. der Eurocode 3
– Teil 1-1 erschienen: „Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten; Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau“; dieser ist
als DIN EN 1993-1-1 in das Deutsche Normenwerk übernommen worden. Für diesen Eurocode
sind noch weitere Teile sowie nationale Anhänge
über Feuerwiderstand sowie für spezielle Bauten
zu berücksichtigen.

2.2.3 Internationale Normung
ISO-Normen. Mit Sitz in Genf wurde 1947 die Internationale Organisation für Standardisierung
(ISO) gegründet mit dem Ziel, die Normung weltweit zu fördern und um dadurch weltweit die
wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu erleichtern. In dieser Organisation arbeiten ca. 150
nationale Normungsgremien bzw. Länder zusammen. Deutsches Mitglied in der ISO ist das
DIN (Deutsches Institut für Normung e.V.). Von
der ISO wurden seither auf vielen Gebieten zahlreiche Normen und Normentwürfe erarbeitet.
Diese internationalen Normen sind teilweise in
das Deutsche Normenwerk übernommen worden (DIN ISO…).
Qualitätssicherungssysteme. Mit dem Ziel einer weltweiten internationalen Qualitätssicherung wurde die Reihe der teilweise nicht mehr
gültigen ISO-Normen 9000–9004 geschaffen. In
den folgenden Normen werden als Voraussetzung für eine „Zertifizierung“ (d. h. für den Nachweis eines Qualitätssicherungssystems) die folgenden QS- Nachweisstufen festgelegt:
Ɣ DIN ISO 9001: 2008 Qualitätsmanagementsystem zur Sicherung von Qualitätsanforderungen in allen Phasen
Ɣ DIN ISO 9004: 2009 Leiten und Lenken für den
nachhaltigen Erfolg einer Organisation (TQM
– Total Quality Management)
Für die weltweite Vereinheitlichung auf dem Gebiet der
Elektrotechnik arbeitet die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) mit Sitz in Genf.

Die Zertifizierung wird durch anerkannte, akkreditierte Stellen zuerkannt. Mit dem Zertifikat wird
einem Unternehmen oder einem Teilbereich eines Unternehmens auf Grund einer vertraglichen
Regelung die „Qualitätsfähigkeit“ bestätigt.

2

24

2

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen
Mit der Zertifizierung wird allerdings nichts über
die tatsächliche Qualität eines Produktes ausgesagt, sondern lediglich bestätigt, dass eine Verpflichtung zur Einhaltung bestimmter betriebseigener Qualitätsansprüche besteht1).

2.2.4 Bauprodukte
Der nationalen Umsetzung der EU-Bauproduktenrichtlinie (1988) diente bis 1.7.2013 das Bauproduktengesetz (BauPG v. 10.8.1992/28.4.1998).
Die EU-Richtlinie 89/106/EWG wurde 2013 durch
die Verordnung (EU) Nr. 305/2011 (Bauproduktenverordnung – BauPVO) „zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von
Bauprodukten und zur Aufhebung der Richtlinie
89/106/EWG des Rates“ abgelöst. In der Folge
wurde das deutsche Bauproduktengesetz in
12/2012 an die neue EU-Bauproduktenverordnung angepasst.
Diese gesetzlichen Grundlagen sowie die auf Basis der Musterbauordnung (MBO 11/2002 bzw.
09/2012) seit 1994 novellierten Landesbauordnungen sichern die nationale Umsetzung des
EU-Rechtes. Sie regeln den freien Warenverkehr
mit Bauprodukten innerhalb der Europäischen
Union durch Abbau von Handelshemmnissen infolge unterschiedlicher technischer Vorschriften,
Normen, Zulassungen usw.
Produkte, die mit den „harmonisierten“ europäischen Normen bzw. Zulassungen übereinstimmen und damit einem geregelten Mindestsicherheitsstandard entsprechen, werden durch das
„Europäische Konformitätszeichen“ (CE) kenntlich gemacht. Das CE-Zeichen ist zwingend vorgeschrieben, wird auf längere Sicht teilweise
noch gültige Gütekennzeichen wie das VDEoder GS-Zeichen ersetzen.
Nach Artikel 4 der BauPVO ist es (vorbehaltlich
möglicher Ausnahmen und Befreiungen) nur
dann gestattet, ein Bauprodukt in den Verkehr zu
bringen, wenn es mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet ist.
Bauregellisten
Nach den Landesbauordnungen dürfen Bauprodukte und Bauarten (Zusammenfügung von Bauprodukten zu baulichen Anlagen) nur eingesetzt
werden, wenn sie den Anforderungen des Bau1)

Eine Zertifizierung ist bei Nachweis eines nach DIN EN ISO
9001 ff. vorhandenen Qualitätsmanagement-Systems
(QMS) auch für Architektur- und Ingenieurbüros möglich.

produktengesetzes entsprechen. Die Landesbauordnungen unterscheiden zwischen geregelten, nicht geregelten und sonstigen Bauprodukten, die in Bauregellisten Teil A, B und C aufgeführt sind. Bauregellisten enthalten:
Ɣ Bezeichnung des Bauproduktes bzw. der Bauart
Ɣ Technischen Regeln für das Bauprodukt bzw.
die Bauart
Ɣ Erforderlichen Übereinstimmungsnachweis
(Ü-Zeichen)
Ɣ Notwendigen Verwendbarkeits- bzw. Anwendbarkeitsnachweis (z. B. allg. bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder allg. bauaufsichtliche
Zulassung (AbZ))
Ɣ Bei nicht geregelten Bauprodukten bzw. Bauarten das anerkannte Prüfverfahren
Die Bauregelliste A Teil 1 enthält für geregelte Produkte in tabellarischen Aufstellungen die technischen Regeln, die erforderlichen Übereinstimmungs- und ggf. Verwendbarkeitsnachweise, die
zur Erfüllung der bauaufsichtlichen Anforderungen nötig sind (Technische Baubestimmungen).
Übereinstimmungs- und Verwendbarkeitsnachweise können sein: Übereinstimmungserklärungen des Herstellers (ggf. nach vorheriger Prüfung
des Bauproduktes durch eine anerkannte Prüfstelle), Übereinstimmungszertifikat einer anerkannten Prüfstelle, die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ) oder ein bauaufsichtliches
Prüfzeugnis.
Ɣ Geregelte Produkte sind Bauprodukte, für die
in einer Bauregelliste die technischen Regeln
bekannt gemacht sind (z. B. DIN-Normen,
VDE- bzw. VDI-Regelungen u. A.) und die davon nicht wesentlich abweichen. Die veröffentlichten Regeln gelten dabei als „Allgemein
anerkannte Regeln der Technik“. Für Bauprodukte, die diesen Regeln entsprechen, gilt die
Verwendbarkeit als nachgewiesen.
In Teil 2 der Bauregelliste A werden nicht geregelte Bauprodukte (für die Sicherheit baulicher Anlagen untergeordnete Bauprodukte) und in Teil 3
nicht geregelte Bauarten aufgeführt.
Ɣ Nicht geregelte Produkte sind Bauprodukte, für
die es keine allgemein anerkannten Regeln
gibt bzw. die von den bekanntgegebenen Regeln der Bauregelliste erheblich abweichen.
Für diese Produkte muss die Verwendbarkeit
entsprechend den Bauordnungen der Länder
nachgewiesen werden. Dies geschieht durch
Prüfung und allgemeine bauaufsichtliche Zu-

2.3 Maßordnung nach DIN 4172

25

Tabelle 2.1 Übersicht: Bauprodukte, Verwendbarkeitsnachweis, Übereinstimmungsnachweis
Bauprodukte

Verwendbarkeitsnachweis

Übereinstimmungsnachweis

Geregelte Bauprodukte
= Bauprodukte, die den technischen
Regeln der Bauregelliste A, Teil 1
entsprechen.

Ausführung nach DIN-Norm
Feststellung der Übereinstimmung
mit den technischen Regeln nach der
Bauregelliste A, Teil 1

Nachweis der Übereinstimmung
durch Kennzeichnung mit dem Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen)

Nichtgeregelte Bauprodukte

Verwendung von geprüften Bauprodukten

= Bauprodukte, die von den technischen Regeln der Bauregelliste A,
Teil 1 wesentlich abweichen oder für
die es allgemein anerkannte Regeln
der Technik nicht gibt.

Feststellung der Übereinstimmung
mit
Ɣ allgem. bauaufs. Zulassung
Ɣ allgem. bauaufs. Prüfzeugnis
Ɣ Zustimmung im Einzelfall

Sonstige Bauprodukte

Ausführung nach den allgemein
anerkannten Regeln der Technik

= Bauprodukte, für die es allgemein
anerkannte Regeln der Technik zwar
gibt, die jedoch in die Bauregelliste
A, nicht aufgenommen sind.

Kein Verwendbarkeitsnachweis
erforderlich

Kein Übereinstimmungsnachweis
erforderlich

Kein Verwendbarkeitsnachweis
erforderlich

Kein Übereinstimmungsnachweis
erforderlich

Nachweis der Übereinstimmung mit
Ɣ allgem. bauaufs. Zulassung
Ɣ allgem. bauaufs. Prüfzeugnis
Ɣ Zustimmung im Einzelfall durch
Kennzeichnung mit dem Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen)

Bauprodukte nach Liste C
= Bauprodukte, die für die Erfüllung
öffentlich-rechtlicher Anforderungen von untergeordneter Bedeutung sind.

lassung (Deutsches Institut für Bautechnik
(DIBt), Berlin) oder durch eine Zustimmung im
Einzelfall (Oberste Bauaufsichtsbehörde des
jeweiligen Bundeslandes).
In die Bauregelliste B sollen geregelte Produkte
aufgenommen werden, die weiteren Europäischen Richtlinien entsprechen und die eine CEKennzeichnung tragen.
Die Bauregelliste C enthält Produkte, für die es weder technische Baubestimmungen noch allgemein
anerkannte Regeln der Technik gibt und die bauaufsichtlich von untergeordneter Bedeutung sind.
Bei der Verwendung aller Bauprodukte trifft im
Übrigen den Hersteller und ggf. auch den Teilehersteller das Produkthaftungs-Gesetz. Kann der Hersteller nicht festgestellt werden, kann auch der Lieferant haftbar gemacht werden.
Darüber hinaus wurde seit Nov. 2003 herstellerseitig zur Vereinfachung und Beschleunigung der Normierungsverfahren zusätzlich ein mittlerweile nicht mehr gültiges weiteres Klassifikationssystem für Baustoffe (PAS 1026 = Publicly Available Specification) als Vorstufe zur DIN-Normung als Basis für den
elektronischen Austausch von Produktinformationen eingeführt. Es stellte eine freiwillige Übereinkunft unter den Verfassern dar, ohne den verbindlichen Status einer DIN zu haben.
Nachfolger der PAS sind die ab 2009 eingeführten DIN SPEC
(Spezifikationen = Entwicklungsbegleitende Normung).

Gültige PAS werden bis zur Zurückziehung beibehalten.

2.3 Maßordnung nach DIN 4172
Seit langer Zeit bildeten die Abmessungen von
Ziegeln als einem der ältesten Baumaterialien die
Grundlage für die Vereinheitlichung von Baumaßen.
Das Breitenmaß von Ziegeln betrug überall entsprechend dem Greifmaß der Hand regional unterschiedlich etwa 10 bis 15 cm. Somit ergaben
sich unter der Berücksichtigung der erforderlichen Mörtelfugen beim Vermauern ungeteilter
Steine bestimmte Maßsprünge für die Abmessungen von Wanddicken, Pfeilerbreiten, Maueröffnungen usw.
Nach Einführung des metrischen Systems fand
der Vorschlag, das „Achtelmeter“ (am) = 12,5 cm
zur Grundlage einheitlicher Steinmaße zu machen, rasche Verbreitung und führte zu einer der
frühesten Normen im Bauwesen, der „Maßordnung im Hochbau“, DIN 4172 von 1955. Sie wird
bis heute vor allem bei gemauerten Bauwerken
angewendet und bildet auch derzeit noch die
Grundlage für Abmessungen vieler Bauelemente
und Ausbauteile (s. a. Abschn. 14.2.5).
Die Maßverhältnisse von Ziegeln, Kalksandsteinen o. ä. künstlichen Bausteinen (s. Abschn. 6.2.2)

2

26

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen
Tabelle 2.4 Dickenmaße gemauerter Wände
l

f2

f1

h
s

f2

Steinlänge Mauerstein NF
(DIN 105, 106, 398, 771)

Achtelmeter
(am)

11,5
17,5
24
30
36,5

1/2 Stein dicke Wand

1 Stein dicke Wand

1 1/2 Stein dicke Wand

1er
1 1/2er
2er
2 1/2er
3er

Wand
Wand
Wand
Wand
Wand

b

2.3 Gegenseitige Abhängigkeit der Ziegel-Höhenmaße.
Auf 1 m Höhe gehen 16 Schichten DF oder 12
Schichten NF

unter Berücksichtigung der erforderlichen Mörtelfugen zeigt Bild 2.2.
Dementsprechend sind als Nennmaße (Bauteilmaße ohne Fugen) festgelegt:
Ɣ Länge bzw. Breite: 115, 175, 240, 300, 365, 490
mm
Ɣ Höhe: 52 mm (DF, „Dünnformat“), 71 mm (NF,
„Normalformat“), 113 mm (2 DF), 238 mm
Diese Maße sind wie folgt errechnet:
Beispiel

Baurichtmaß – Fuge

= Nennmaß

Steinlänge

25 cm

– 1 cm

= 24 cm

Steinbreite

25/2 cm

– 1 cm

= 11,5 cm

Steinhöhe (NF) 25/3 cm

– 1,23 cm = 7,1 cm

Steinhöhe (DF) 25/4 cm

– 1,05 cm = 5,2 cm

Tabelle 2.5 Wanddicken
Wanddicken mit Verwendung des Mauerziegels DF nach
DIN EN 771 mit den Abmessungen 240 × 115 × 52 mm

5,2

11,3

17,5

23,8

23,8

23,8

23,8

15,5

2.2 Maßverhältnisse beim Mauerziegel nach DIN 105
bzw. DIN EN 771-1 und KS nach DIN EN 771-2
f 1 = horizontale Lagerfuge
f 2 = vertikale Stoßfuge
l = Länge
b = Breite
h = Steinhöhe
s = Schichthöhe (Steinhöhe einschl. einer Lagerfuge)

7,1

2

cm

(12 Schichten je m)
(16 Schichten je m)

Die gegenseitige Abhängigkeit der Höhenmaße
zeigt Bild 2.3
Mauerdicken können ausgedrückt werden in
Steinlängen oder Achtelmeter (am) (Tab. 2.4 und
2.5).
Beim Vermaßen von Bauwerken nach DIN 4172
muss bei den Einzelmaßen (Baurichtmaße = the-

Wanddicken mit Verwendung des Mauerziegels NF nach
DIN EN 771 mit den Abmessungen 240 × 115 × 71 mm

Vollmauerwerk 30 cm und 36,5 cm dick aus Mauersteinen
NF nach DIN EN 771

2.4 Maßordnung nach DIN 18 202

27

Tabelle 2.6 Maße in cm nach DIN 4172

2.4 Maßordnung nach DIN 18 202

Baugesamtmaße,
Wanddicken,
Pfeiler (A)

Bauvorsprünge,
freie Mauerenden
(V)

Rauminnenmaße,
Öffnungen (Ö)

11,5
24
36,5
49
61,5
74
86,5
99
111,5
124


12,5
25
37,5
50
62,5
75
87,5
100
112,5
125


13,5
26
38,5
51
63,5
76
88,5
101
113,5
126


Modulordnung1). Vielfach erfolgen Festlegungen von Maßsystemen heute noch nach der im
Juni 2008 zurückgezogenen DIN 18 000, deren
wesentliche Grundlagen in die neue DIN 18 202
(s. Abschn. 2.5) übernommen wurden.
Im Skelettbausystemen und Bauweisen mit vorgefertigten Bausystemen erweist sich die Anwendung der Regelungen der nicht mehr gültigen DIN 18 000 zur Koordination unterschiedlicher Bauelemente nach wie vor als sinnvoll.

1)

2.7 Bauwerksabmessungen nach DIN 4172
Außenmaß A = n · 12,5 – 1, Rohbaumaß in cm
(Wanddicken, Pfeiler, Außenmaße)
Öffnungsmaße Ö = n · 12,5 + 1, Rohbaumaß in cm
(Öffnungen, Wandnischen, Rauminnenmaße)
Vorsprungmaß V = n · 12,5, Rohbaumaß in cm
(Pfeilervorlagen, freie Mauerenden)

oretische Maße von Bauteilen einschl. ihrer Fugen) jeweils das Fugenmaß von 1 cm für die
Stoßfugen bzw. 1,2 cm für die Lagerfugen zwischen den Steinen berücksichtigt werden.
Es ergeben sich dabei für Außen- bzw. Baugesamtmaße, Pfeiler und Wanddicken (A = Außenmaß), für Bauvorsprünge und freie Mauerenden
(V = Vorsprungsmaß) und für Rauminnenmaße
und Öffnungen (Ö = Öffnungsmaß) die in Tabelle
2.6 aufgeführten typischen Maßreihen.
Ein schematisiertes Beispiel für Bauwerksabmessungen im Mauerwerksbau zeigt Bild 2.7

Modulordnung. Für Bauwerke, bei denen die handwerkliche Bauausführung, z. B. von Maurerarbeiten, eine
untergeordnete Bedeutung hat, ist die international
üblichere Maßkoordination auf der Basis des Dezimalsystems sinnvoll. Insbesondere bei Verwendung vorgefertigter Bauteile sind eindeutig definierte Maßordnungen
und die Begrenzung von Maßabweichungen unerlässlich.
Seit langem wird daher auch auf internationalen Ebenen
eine entsprechende Normung angestrebt. Zahlreiche Ansätze zur Klärung von Grundbegriffen, Anwendungsgrundlagen, zeichnerischer Darstellung usw. wurden gemacht,
doch stehen verbindliche Festlegungen noch aus, obwohl
sie im Hinblick auf den europäischen Gemeinsamen Markt
sicher dringend erforderlich wären.
Vielfach erfolgen Festlegungen von Maßsystemen heute
noch nach der im Juni 2008 zurückgezogenen DIN 18 000,
deren wesentliche Grundlagen in die neue DIN 18 202
übernommen wurden. Mit der bis Juni 2008 gültigen DIN
18 000 „Modulordnung im Bauwesen“ werden als Hilfsmittel zur Abstimmung von Maßen rechtwinklig im Raum aufeinander stehende Bezugsebenen als Koordinationssysteme festgelegt.
Sie haben in der Regel untereinander Abstände („Koordinationsmaße“) von einem Vielfachen des Grundmoduls
M = 100 mm.
Neben dem Grundmodul M gibt es als ausgewählte Vielfache davon die Multimoduln 3 M = 300 mm, 6 M = 600 m,
12 M = 1200 mm.
Die Koordinationsmaße sollen aus den Modulen bzw. Multimodulen in begrenzten Folgen mit als Vorzugsmaßzahlen
gebildet werden: 1, 2, 3 bis 30 x M, 1, 2, 3 bis 30 x 3 M, 1,
2, 3 bis 30 x 6 M, 1, 2, 3 bis 30 x 12 M.
Vorzugsweise sollen hierbei die Möglichkeiten der Vorzugsmaße der Reihe 12 M (1,2 m, 2,4 m, 3,6 m, 4,8 m usw.) verwendet werden. Sind diese Maßsprünge zu groß, verwendet man die Maße der Reihe 6 M (0,6 m, 1,2 m, 1,8 m, 2,4 m
usw.) oder der Reihe 3 M (0,3 m, 0,6 m, 0,9 m, 1,2 m usw.).
Weiterhin können Dezimetermaße Anwendung finden.
Als Ergänzungsmaße für notwendige Maße, die kleiner sind
als M, sind ferner festgelegt: 25, 50 und 75 mm. Damit soll
jeweils auf volle M-Werte ergänzt werden.
Koordinationsräume. In Weiterführung der in Planungen
vielfach üblichen Grundriss-Koordinationsraster werden
durch die Regelungen der ehem. DIN 18 000 dreidimensionale Koordinationsräume gebildet.
Dabei können das ganze Bauwerk, Bauteile oder Räume
maßlich in verschiedener Weise auf die Koordinationssysteme bezogen sein.

2

28

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen

2

2.8 Bezugsarten im Koordinierungssystem nach DIN 18202

Rohbau- und Ausbauraster. Vielfach ist es
sinnvoll, dass das Konstruktionsraster (Rohbauraster) und das Ausbauraster nicht zusammenfallen. Sie können möglichst um ein modulares
Maß gegeneinander versetzt angeordnet werden. Hierdurch kann erreicht werden, dass z. B.
großformatige Stützenquerschnitte nicht innerhalb von Außen- und Innenwänden angeordnet
sind.
Die in der Modulordnung enthaltenen Festlegungen zum Bezug (maßlicher Bezug von Bauteilen untereinander, Definition von Bezugspunkten) wurden als wesentliche Grundlage in die
neue DIN 18 202 übernommen, da hierauf das
Prinzip der nennmaß- bzw. messpunktabhängigen Abweichung beruht.

Unterschieden werden (Bild 2.8):
Ɣ Grenzbezug. Das Maß wird auf die äußere Begrenzung eines Bauwerks, Bauteils oder Raumes
bezogen.
Ɣ Achsbezug. Die Bauteilachse eines Bauwerks,
Bauteils oder Raumes bildet den Maßbezug.
Ɣ Randlage. Bauwerk, Bauteil oder Raum schließen
mit ihrer äußeren Begrenzung (z. B. an die Koordinationsachse) an.
Ɣ Mittellage. Bauwerk, Bauteil oder Raum werden
mittig (z. B. zwischen zwei Koordinationsachsen)
ausgerichtet.

Bezugsarten
Die Lage von Bauwerken, Bauteilen und Räumen
wird mit einer festgelegten Bezugsart dem Koordinierungssystem zugeordnet. Vor der Bauausführung sind die notwendigen Bezugsarten und
-punkte festzulegen. Zur Vermeidung bezugsbedingter Messfehler soll bei der Ausführung und
bei der Prüfung von Maßen vom gleichen Messbezug ausgegangen werden.

Geringfügige Abweichungen von den bei der
Planung festgelegten Längen-, Höhen- usw. sowie von Winkelmaßen müssen ebenso wie kleinere Unebenheiten nicht unbedingt Einschränkungen für die Funktion oder Gestaltung von
Bauteilen oder ganzen Bauwerken bedeuten.
Von Bauleistungen, die in handwerklicher Einzelleistung bei unterschiedlichsten Witterungsbedingungen als Prototyp hergestellt werden, kann

2.5 Toleranzen

2.5 Toleranzen
nicht dieselbe Exaktheit und Fehlerfreiheit erwartet werden, wie diese von industriell hergestellten Gebrauchsgütern erwartet wird.
In welchem Umfang derartige Abweichungen
von den Nennmaßen (Sollmaßen) durch unvermeidliche Ungenauigkeiten beim Messen, bei
der Fertigung und bei der Montage akzeptiert
werden können, bedarf für jede Baumaßnahme
der vorherigen Definition. Es sind hierfür in DIN
18 202 Grundsätze und Toleranzmaße für Bauwerke und Bauteile festgelegt. Diese Festlegungen lassen teilweise sehr großzügige Abweichungen zu, da das Ziel der DIN nicht die Sicherstellung optischer Akzeptanz, sondern die
Sicherstellung der Funktionalität und Passgenauigkeit (funktionsgerechtes Zusammenfügen von
Bauteilen des Rohbaus und des Ausbaus ohne
Anpass- und Nacharbeiten) von Bauwerken und
Bauteilen ist. Bestandsbauwerke fallen nicht in
den Anwendungsbereich der DIN 18202.
Die in der DIN 18202 angegebenen Toleranzen
stellen die im Rahmen üblicher Sorgfalt zu erreichende Genauigkeit für Standardleistungen bzw.
Bauteile und Bauwerke durchschnittlich üblicher
Ausführungsart und Abmessung dar. Sie sind anzuwenden, soweit nicht andere Genauigkeiten
vereinbart werden. Änderung sollten nach wirtschaftlichen Maßstäben vereinbart werden, sofern für Bauteile oder Bauwerke andere Genauigkeiten erforderlich sind.

29

2

2.9 Maßabweichung, Grenzabweichung

2.10 Stichmaß (Ebenheitsabweichung)

Bei den meisten heute üblichen Baumethoden
werden gewisse Maßabweichungen vielfach in
Kauf genommen, weil erhöhte Anforderungen
an die Maßgenauigkeit in der Regel mit erheblich
höherem technischem Aufwand und damit auch
höheren Herstellungskosten verbunden wären.
Es wird unterschieden zwischen Abweichungen
(Grenzabweichungen) absoluter Abmessungen
(z. B. von Raumhöhen, Raum- und Bauteilabmessungen) und Abweichungen von Bauteilen in
Winkel, Ebenheit oder Flucht.

2.11 Stichmaß (Winkelabweichung)

Eine Überprüfung von Maßen soll nur im Falle
von Streitigkeiten erfolgen, etwa um festzustellen, ob für einen Folgeunternehmer die Vorleistungen anderer am Bau Beteiligter ausreichend
genau sind.

2.12 Toleranzen bei Fluchtabweichungen

Weil in der Normung zeit- und lastabhängige
Verformungen von Bauteilen (z. B. Durchbiegungen) nicht erfasst sind, müssen Prüfungen so früh
wie möglich erfolgen. Wenn erforderlich, muss
festgelegt werden, in welchem Umfang etwa
vorhandene Ungenauigkeiten bei nachfolgenden Arbeiten auszugleichen sind. Die in der Nor-

mung verwendeten Begriffe für Maße zeigen die
Bilder 2.9 bis 2.12.
Nennmaß (Sollmaß) ist das in der Zeichnung eingetragene Maß zur Kennzeichnung von Größe,
Gestalt und Lage eines Bauteils oder Bauwerks.
Istmaß ist das durch Messung festgestellte Maß.
Maßabweichung ist die Differenz zwischen Istmaß und Nennmaß.
Höchstmaß ist das größte zulässige Maß.

30

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen
Tabelle 2.13

Grenzabweichungen für Maße gem. DIN 18202, Tab. 1

Spalte

1

2

Zeile

Bezug

Grenzabweichungen in mm bei Nennmaßen in m
bis 1
über 1 über 3 über 6 über 15 über 30a)
bis 3
bis 6
bis 15
bis 30

1

Maße im Grundriss, z. B. Längen, Breiten, Achsund Rastermaße

±10

±12

±16

±20

±24

±30

2

Maße im Aufriss, z. B. Geschosshöhen, Podesthöhen, Abstände von Aufstandsflächen und
Konsolen

±10

±16

±16

±20

±30

±30

3

Lichte Maße im Grundriss, z. B. Maße zwischen
Stützen, Pfeilern usw.

±12

±16

±20

±24

±30



4

Lichte Maße im Aufriss, z. B. unter Decken und
Unterzügen

±16

±20

±20

±30





5

Öffnungen, z. B. für Fenster, Außentürenb),
Einbauelemente

±10

±12

±16







6

Öffnungen wie vor, jedoch mit oberflächenfertigen Leibungen

±8

±10

±12







2

a)
b)

3

4

5

6

7

Diese Grenzabweichungen können bei Nennmaßen bis etwa 60 m angewendet werden. Bei größeren Abmessungen sind
besondere Überlegungen erforderlich.
Innentüren siehe DIN 18100.

Mindestmaß ist das kleinste zulässige Maß.
Grenzabweichungen für Maße werden gebildet
aus der Differenz zwischen Höchstmaß und
Nennmaß oder Mindestmaß und Nennmaß.
Maßtoleranz ist die Differenz zwischen Höchstmaß und Mindestmaß

Stichmaß ist der Abstand eines Punktes von einer Bezugslinie als Hilfsmittel zur Ermittlung der
Winkel-, Ebenheits- oder Fluchtabweichung (Bilder 2.10 bis 2.12).
Winkelabweichungen ist die Differenz zwischen
Ist- und Nennwinkel, angegeben als Stichmaß
bezogen auf ein Nennmaß (Tab. 2.17)

2.14 Prüfung einer Breite in einem rechtwinkligen Raum,
Lage der 4 Messpunkte und 2 Messstrecken

2.15 Prüfung einer Höhe, Lage der 4 Messpunkte und
2 Messstrecken

2.5 Toleranzen
Tabelle 2.16

31

Grenzwerte für Winkelabweichungen gem. DIN 18 202, Tab. 2

Spalte

1

2

Zeile

Bezug

Stichmaße als Grenzwerte in mm bei Nennmaßen in m
bis 0,5
über 0,5
über 1
über 3
über 6
über 15
bis 1
bis 3
bis 6
bis 15
bis 30

über
30a)

3

30

1
a)

Vertikale, horizontale und
geneigte Flächen

3

4

6

5

8

6

12

7

16

8

20

Diese Grenzabweichungen können bei Nennmaßen bis etwa 60 m angewendet werden. Bei größeren Abmessungen sind
besondere Überlegungen erforderlich.

Ebenheitsabweichungen stellt die Istabweichung einer Fläche von der Ebene dar, angegeben als Stichmaß bezogen auf einen Messpunktabstand (Bild 2.10).
Die in DIN 18 202 festgelegten Toleranzen
können den Tabellen (Tab. 2.13, 2.16, 2.17 und
2.18) entnommen werden. Sie gelten baustoffunabhängig für die Ausführung von Bauwerken.
Bei der Anwendung der Tabellen ist insbesondere zu beachten:
Ɣ Bauwerksmaße, d. h. Außen-, Raum- und
Achsmaße werden an markanten Stellen
Tabelle 2.17

genommen wie z. B. Gebäudeecken, Achsschnittpunkten, Deckenkanten, Unterzügen
o. Ä.
Ɣ Lichte Maße sind jeweils in 10 cm Abstand
von Ecken zu nehmen (Bild 2.14 und 2.15). Bei
der Prüfung von Winkeln ist von den gleichen
Messpunkten auszugehen.
Toleranzmaße von Treppen sind in DIN 18065
geregelt. Wegen der erhöhten Unfallgefahr darf
das Istmaß gegenüber dem Sollmaß von Steigung und Auftritt innerhalb fertiger Treppenläufe ebenso wie die Differenz von einer zur nächs-

Grenzwerte für Ebenheitsabweichungen gem. DIN 18 202, Tab. 3

Spalte

1

2

3

4

5

6

Zeile

Bezug

Stichmaße als Grenzwerte in mm bei
Messpunktabständen in m bis
0,1
1
4
10

15a)

10

15

20

25

30

1

Nichtflächenfertige Oberseiten von Decken, Unterbeton und Unterböden

2a

Nichtflächenfertige Oberseiten von Decken oder
Bodenplatten zur Aufnahme von Bodenaufbauten,
z. B. Estriche im Verbund oder auf Trennlage, schwimmende Estriche, Industrieböden, Fliesen- und Plattenbeläge eim Mörtelbett

5

8

12

15

20

2b

Flächenfertige Oberseiten von Decken oder Bodenplatten für untergeordnete Zwecke, z. B. in Lagerräumen, Kellern, monolithische Betonböden

5

8

12

15

20

3

Flächenfertige Böden, z. B. Estriche als Nutzestriche,
Estriche zur Aufnahme von Bodenbelägen, Bodenbeläge, Fliesenbeläge, gespachtelte und geklebte Beläge

2

4

10

12

15

4

Wie Zeile 3, jedoch mit erhöhten Anforderungen, z. B.
selbstverlaufende Massen

1

3

9

12

15

5

Nichtflächenfertige Wände und Unterseiten von
Rohdecken

5

10

15

25

30

6

Flächenfertige Wände und Unterseiten von Decken,
z. B. geputzte Wände, Wandbekleidungen, untergehängte Decken

3

5

10

20

25

7

Wie Zeile 6, jedoch mit erhöhten Anforderungen

2

3

8

15

20

a)

Die Grenzwerte für Ebenheitsabweichungen der Spalte 6 gelten auch für Messpunktabstände über 15 m.

2

32

2 Normen, Maße, Maßtoleranzen
Tabelle 2.18

Grenzwerte für Fluchtabweichungen bei Stützen gem. DIN 18 202, Tab. 4

Spalte

1

2

Zeile

Bezug

Stichmaße als Grenzwerte in mm
bei Nennmaßen in m als Messpunktabstand
bis 3 m
von 3 bis 6 m über 6 bis 15 m über 15 bis 30 m

über 30 m

1

zulässige Abweichungen
von der Flucht

8

30

2

3

4

12

ten Stufe um nicht mehr als 5 mm, bei Fertigteiltreppen in Ein- und Zweifamilienhäusern um
max. 1,5 cm abweichen (s. a. Abschn. 4 in Teil 2
dieses Werkes).

16

5

20

6

Toleranzen bei vorgefertigten Bauteilen aus Beton, Stahlbeton und Stahl sowie Bauteilen aus
Holz und Holzwerkstoffen sind in DIN 18 203-1
und 3 geregelt.

2.6 Normen
Norm

Ausgabedatum Titel

DIN 4172

07.1955

Maßordnung im Hochbau

EN ISO 4172

08.1992

Zeichnungen für das Bauwesen; Zeichnungen für den Zusammenbau
vorgefertigter Teile

DIN EN ISO 9000

12.2005

Qualitätsmanagementsysteme; Grundlagen und Begriffe

E DIN EN ISO 9000

08.2014

–; Grundlagen und Begriffe

DIN EN ISO 9001

12.2008

Qualitätsmanagementsysteme; Anforderungen

E DIN EN ISO 9001

08.2014

–; Anforderungen

DIN EN ISO 9004

12.2009

Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation –
Ein Qualitätsmanagementansatz

DIN 18 000

05.1984

Modulordnung im Bauwesen (zurückgezogen 06.2008)

DIN 18 065

06.2011

Gebäudetreppen; Definitionen, Messregeln, Hauptmaße

DIN 18 202

04.2013

Toleranzen im Hochbau; Bauwerke

DIN 18 203-3

08.2008

–; Bauteile aus Holz und Holzwerkstoffen

DIN EN ISO 55 350-11

05.2008

Begriffe zum Qualitätsmanagement; Ergänzung zu DIN EN 9000

2.7 Literatur
[1] Arlt, J. u. Kiehl, P. : Bauplanung mit DIN-Normen. Stuttgart/Leipzig 1995
[2] DIBt – Deutsches Institut für Bautechnik, Bauregellisten A, B und Liste C. www.dibt.de
DIN Deutsches Institut für Normung e.V.: Europäische Normung. Berlin; www.din.de
[3] –: DIN – Baunormen-Katalog. Berlin
[4] –: DIN – HIST – Dokumentennachweis zurückgezogener DIN-Normen und anderer technischer Regeln. Berlin
[5] –: Bauplanung : Normen; DIN Taschenbuch 38. Berlin 2012
[6] Derler, P.: Maßtoleranzen im Baualltag. Kissing 2013
[7] Mücke, E. (Hrsg.): Kennzeichnung von DIN-Normen und der korrespondierenden europäischen und internationalen
Normen. Berlin 2005
[8] Ertl, R.: Toleranzen im Hochbau – Bautabellen zur DIN 18 202. Köln 2013
[9] Klein, M.: Einführung in die DIN-Normen. Wiesbaden 2008
[10] Oswald, R., Abel, R. : Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten bei Gebäuden. Wiesbaden/Berlin 2005
[11] Schöwer, R.: Das Baustellenhandbuch der Maßtoleranzen. Mering 2013
[12] Schöwer, R.: Taschenbuch Maßtoleranzen. Sonderausgabe für Detail. München 2013

33

3

Baugrund und Erdarbeiten

3.1 Baugrund
Teil der vorbereitenden Planungsarbeiten für ein
Bauwerk ist die genaue Erkundung aller für die
Bauausführung wichtigen Verhältnisse auf dem
Baugelände. Ziel ist es, das sog. „Baugrundrisiko“
(Risiko des Bauherren bzw. des Grundstückseigentümers für die Boden- und Wasserverhältnisse1)) einschätzen und minimieren zu können. In
aller Regel erfolgen diese Erkundungen durch
ein Baugrund- und Gründungsgutachten eines
hierfür qualifizierten beratenden Ingenieurs für
Ingenieurgeologie und für Erd- und Grundbau
auf Grundlage u. A. der DIN EN 1997, DIN 1054
und DIN 4020.
Eine Begutachtung des Baugrundes (Geotechnischer Bericht) soll vor dem Planungsbeginn vorgenommen werden, um die hieraus gewonnenen Kenntnisse für die Fundamentierung (Gründungsvorschläge) des Bauwerkes (s. a. Abschn. 4)
frühzeitig in die Planung einfließen zu lassen
(DIN EN 1997-1, DIN 1054, Abs. 5, VOB Teil A §9).
Vielfach sind Erkenntnisse aus einem Baugrundund Gründungsgutachten grundlegend mitentscheidend für den gesamten Gebäudeentwurf.
Dem Entwurfsverfasser obliegt diesbezüglich
eine Hinweispflicht an den Auftraggeber.
Aufgaben und Ergebnisse einer Baugrunduntersuchung sind die Erkundung von Mächtigkeiten
von Baugrundschichten, Beschreibung deren
maßgebender Eigenschaften (Tragfähigkeit) und
Kenngrößen sowie Gewinnungsmöglichkeiten.
Weiterhin sind die Grundwasserverhältnisse (Hydrologie) wie Tiefenlage des Grundwasserspiegels, Wasserstände, Anzahl der Grundwasserstockwerke, Wasserdurchlässigkeit des Baugrundes sowie die chemische Zusammensetzung zu
prüfen.
1)

Der Begriff „Baugrundrisiko“ des Bauherrn oder/und
Grundstückseigentümers umfasst sowohl das Risiko, dass
beim baulichen Eingriff in das Gefüge der Erdoberfläche
die angetroffenen Boden- und Wasserverhältnisse nicht
mit den Erkundeten übereinstimmen und auch die Gefahr,
dass sich Mängel am Bauwerk einstellen, Kostenänderungen und Bauzeitverlängerungen eintreten oder das Bauvorhaben ggf. nicht aus- oder weitergeführt werden kann.
Von einer grundsätzlich möglichen Übertragung eines
Baugrundrisikos an Auftragnehmer ist in aller Regel abzuraten.

Je nach Komplexität einer Gründungsmaßnahme in Anbetracht der damit verbundenen Risiken sind die Mindestanforderungen an Umfang
und Qualität geotechnischer Untersuchungen
und Berechnungen sowie die Bauüberwachung
zu unterscheiden in:
Ɣ leichte und einfache Bauten und kleinere Erdarbeiten, bei denen gesichert ist, dass die Mindestanforderungen durch Erfahrung und qualitative geotechnische Untersuchungen mit
vernachlässigbarem Risiko erfüllt sind und
Ɣ andere Gründungbauwerke
Für Bauwerke und Erdarbeiten mit geringem
geotechnischen Schwierigkeitsgrad und geringem Risiko dürfen vereinfachte Nachweise angewendet werden.
Die Festlegung geotechnischer Untersuchungen
erfolgt in mehreren Schritten (Voruntersuchung,
Hauptuntersuchung baubegleitende Untersuchung usw.) und soll zunächst vor der eigentlichen Baugrunduntersuchung in drei geotechnische Kategorien (GK) gem. DIN 4020, Anh. A und
DIN 1054 erfolgen:
Kategorie GK12): Kleine und relativ einfache
Bauwerke mit geringem Schwierigkeitsgrad auf
waagerechtem oder schwach geneigtem Gelände, bei denen die grundsätzlichen Anforderungen aufgrund von Erfahrung und qualitativen
geotechnischen Untersuchungen erfüllbar sind
und für die ein vernachlässigbares Risiko besteht.
Eine Anwendung soll nur dort erfolgen, wo hinsichtlich Gefährdungen durch Geländebruch
oder Bewegungen im Baugrund keine Bedenken
bestehen und bei Baugrundverhältnissen, für die
vergleichbare örtliche Erfahrungen für ein vereinfachtes, routinemäßiges Nachweisverfahren
ausreichen. Diese Verfahren sollen i. d. R. nur dort
angewendet werden, wo der Baugrubenaushub
oberhalb des Grundwasserspiegels bleibt. Für
die geotechnische Kategorie 1 werden in DIN
1055-2 Erfahrungswerte für Bodenkenngrößen
für nichtbindige und bindige Böden gegeben.
2)

Z. B. setzungsunempfindliche, flach gegründete Bauwerke
mit Stützenlasten bis 250 kN und Streifenlasten bis 100
kN/m wie Einfamilienhäuser, eingeschossige Hallen, Garagen ohne Beeinträchtigung von Nachbargebäuden, Verkehrswegen, Leitungen usw.

U. Hestermann, L. Rongen, Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1,
DOI 10.1007/978-3-8348-2565-0_3, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

3

34

3

3 Baugrund und Erdarbeiten
Kategorie GK2: Konventionelle Gründungen1)
und Bauwerke mit mittlerem Schwierigkeitsgrad
ohne ungewöhnliches Risiko mit durchschnittlichen Baugrund- und Belastungsverhältnissen.
Rechnerische Nachweise zur Standsicherheit und
Gebrauchstauglichkeit erfolgen i. d. R. mittels
zahlenmäßig ausgewiesenen Kenngrößen und
Berechnungen auf Grundlage routinemäßig
durchgeführter Feld- und Laborversuche.
Kategorie GK32): Bauwerke und Bauwerksteile
die nicht den geotechnische Kategorien 1 und 2
zugehören und die im Allgemeinen nach anspruchsvolleren Vorgaben und Regeln als denen
in DIN 1997 genannten zu untersuchen sind.
Ggf. ist die vorläufige Einstufung vor der eigentlichen Baugrunduntersuchung in den weiteren
Planungsphasen oder auch der Bauausführung
zu überprüfen und zu ändern.
Zum planungsvorbereitenden Erkundungsumfang insgesamt gehören i. d. R. die folgenden
Fragestellungen:
Aufwuchs
In der Regel ist vorab zu klären, welcher Teil des
vorhandenen Aufwuchses, insbesondere Bäume,
auf Grund der bestehenden Gesetze bzw. Vorschriften zu erhalten und während der Baumaßnahmen zu schützen sind.
Hindernisse
Zur Ausführungsvorbereitung gehört die Erkundung von – oft verborgenen – Hindernissen aller
Art wie
Ɣ Grundwasserverhältnisse
Ɣ Grundleitungen, Kabel u. Ä.
Ɣ überschüttete Reste früherer Bauwerke
Ɣ eventuell zu erwartende archäologische Befunde usw.
1)

2)

Konventionelle Bauwerke oder Bauwerksteile der geotechnischen Kategorie 2 sind z. B. Flächenfundamente, Gründungsplatten, Pfahlgründungen von üblichen Hoch- und
Ingenieurbauten, Wände oder andere Konstruktionen zur
Abstützung von Boden oder Wasser, Baugruben, Brückenpfeiler und Widerlager, Aufschüttungen und Erdarbeiten,
Baugrundanker und andere Verankerungen im Baugrund.
Z. B. sehr große und ungewöhnliche Bauwerke, Bauwerke
mit außergewöhnlichen Risiken (hoher Sicherheitsanspruch oder hohe Verformungsempfindlichkeit) oder ungewöhnlichen oder ungewöhnlich schwierigen Baugrundoder Belastungsverhältnissen, Bauwerke in seismische
stark betroffenen Gebieten, Bauwerke in Gebieten, in denen mit instabilen Baugrundverhältnissen (gespanntes/
artesisches Grundwasser) oder mit andauernden Bewegungen im Untergrund zu rechnen ist.

In weiterem Sinne können Rechte Dritter (z. B.
Geh- oder Wegerechte auf dem Baugrundstück),
besondere Bedingungen für Zu- und Abfahrt (es
können z. B. Baustelleneinfahrten an stark befahrenen Verkehrsstraßen nicht erlaubt sein) u. a. m. zu
den Hindernissen für die Bauausführung zählen.
Benachbarte Bauwerke
Sind die Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe
bestehender Bauwerke auszuführen, ist deren
Gründungsart und -tiefe zu ermitteln. Zum Ausschluss möglicher späterer Streitigkeiten ist vor
dem Beginn der eigenen Baumaßnahmen der
vorhandene bauliche Zustand ggf. auch mittels
eines gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens
zu dokumentieren.
Altlasten
Besteht der Verdacht, dass der Baugrund durch
Altlasten kontaminiert ist, müssen Art und Umfang der Belastung festgestellt werden. Dabei
versteht man unter Altlasten ganz allgemein Gefährdungen, die infolge von Ablagerungen in der
Vergangenheit eine Beeinträchtigung des Gemeinwohls bedeuten können.
Grundlagen für die Definition von Altlasten, die
Sanierung sowie die Sanierungspflicht sind im
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG 1999) in
Verbindung mit Bodenschutzgesetzen der Länder festgelegt.
Für Art und Umfang der Entsorgungspflicht bestehen noch keine einheitlichen Rechtsvorschriften.
In jedem Fall muss mit den zuständigen Behörden geklärt werden, ob und wie eine Reinigung
von belastetem Baugrund an Ort und Stelle zugelassen wird (z. B. Bodenwaschverfahren, thermische Behandlung, mikrobielle Behandlung),
oder es ist die Zwischenlagerung und der Verbleib oder ggf. die erforderliche, nachweislich zu
dokumentierende Entsorgung von abzufahrendem Aushubmaterial festzulegen. Mit Schadstoffen verunreinigter Aushub kann dabei als Abfall,
besonders überwachungsbedürftiger Abfall oder
sogar als gefährlicher Abfall (z. B. Holzschutzmittel = Sonderabfall) gemäß Europäischem Abfallkatalog (EAK) sowie Abfallverzeichnisverordnung (AVV 12/2001) eingestuft werden.
Auch wenn Aushub mit Bauschutt vermengt ist,
kann u. U. auf der Grundlage von Landesvorschriften oder Kommunalsatzungen für den Umweltschutz eine besondere Entsorgung verlangt
werden, selbst wenn keine konkrete Gefahr im
Einzelfall nachzuweisen ist.

3.1 Baugrund
Zu den i. d. R. sehr spezifischen Erfordernissen
zur Untersuchung von Altlasten und deren planerischer Berücksichtigung muss auf weiterführende Literatur hingewiesen werden.
Baugrundverbesserung. Wenn der Baugrund
die notwendigen Anforderungen nicht erfüllt,
sind Maßnahmen zur Baugrundverbesserung
(Bodenverbesserung) möglich. Hiermit können
die Tragfähigkeit des Baugrunds und die Standsicherheit des Bauwerkes verbessert sowie die Risiken aus Setzungen vermindert werden.
Folgende Maßnahmen sind möglich:
Bodenaustausch. (Bodenersatz) durch teilweisen
oder vollständigen Ersatz nicht tragfähigen Bodens. Der ausgetauschte Boden ist ausreichend
zu verdichten. Bodenaustausch ist nur dann wirtschaftlich herstellbar, wenn nicht ausreichend
tragfähige Bodenschichten mit relativ geringer
Mächtigkeit vorliegen und Ersatzboden günstig
verfügbar ist.
Bodenverdichtung. Nachträgliche Verbesserung
der Tragfähigkeit durch Straßenwalzen, Rüttelplatten oder Vibrationsstampfer.
Bodenverfestigung erfolgt durch das Einbringen
von Bindemitteln (Zement oder Kalk) durch verschiedene Injektionsverfahren (Hochdruckinjektion) sowie in Ausnahmefällen eine temporäre
und sehr aufwändige Bodenvereisung.
Stellen die vorgenannten Maßnahmen keine
wirtschaftliche Möglichkeit zur Sicherstellung
der Tragfähigkeit des Baugrundes dar, kommen
Tiefgründungen als Alternative in Frage (s. Abschn. 4.3).
Baugrunduntersuchung
Nur in recht seltenen Fällen können bei bekanntem gleichmäßigem Schichtenaufbau des Bodens oder aus Erfahrungen auf unmittelbar benachbarten Baustellen Rückschlüsse auf die gegebenen Baugrundverhältnisse gezogen werden. Insbesondere in früheren Stromtälern und
vergleichbaren Gebieten wechseln Bodenarten
und Schichthöhen so sehr, dass auch für kleinere
Bauvorhaben, besonders aber für Bauwerke mit
großen Bodenbelastungen oder großen Gründungstiefen eine genaue Untersuchung der vorhandenen Baugrundverhältnisse durch Sachverständige geboten ist. Durch den Planer ist frühzeitig auf das Erfordernis der Untersuchung des
Baugrundes und der Gründungsverhältnisse hinzuweisen.
Da bei größeren Bauvorhaben die Eigenschaften
des Baugrundes die gesamte Gestaltung der

35
Baukörper und ihrer Grundrisse erheblich beeinflussen können, sollte eine Baugrunduntersuchung am Anfang aller Planungen stehen.
Das Gutachten des Sachverständigen enthält in
der Regel
Ɣ Beschreibungen der Bodenarten und des
Schichtenaufbaues im Baugrund, insbesondere auch in den Bereichen unterhalb der unmittelbaren Gründungsebenen,
Ɣ Hinweise zur Belastbarkeit des Baugrundes,
Ɣ Beurteilung evtl. Grundbruchgefahr,
Ɣ Einschätzung von Risiken für benachbarte
Bauwerke,
Ɣ Grundwasserverhältnisse und Grundwasserqualität.
Es dient als Entscheidungsgrundlage
Ɣ bei schwierigen Baugrundverhältnissen für
die Grundrissgestaltung, ggf. die Geschossanzahl und -anordnung,
Ɣ für die Wahl der geeigneten Gründungen und
ihrer Tiefe sowie Dimensionierung,
Ɣ für nötige Sicherungsmaßnahmen beim Aushub der Baugrube
Ɣ sowie als Ausschreibungs- und Abrechnungsgrundlage.
Die Durchführung von Bodenuntersuchungen
wird in DIN 4094-2, DIN EN ISO 22 475-1 und DIN
EN ISO 22 476 erläutert. Sie kann erfolgen durch:
Schürfung als Probenentnahme aus Schürfgruben, geeignet nur für Untersuchungen bis etwa
3 m Tiefe,
Sondierung durch Einrammen oder Einpressen
genormter Sondierstangen, am häufigsten jedoch durch
Bohrungen zur Entnahme von Bodenproben mit
Spiralbohrern oder durch Kernbohrungen und
ferner für sehr großflächige Bauvorhaben durch
geophysikalische Untersuchungen.
Die Abstände und die Lage der einzelnen Untersuchungspunkte (Aufschlüsse) hängen von den
gegebenen Baugrundverhältnissen und der
beabsichtigten Bauwerksplanung ab.
Die Untersuchungen richten sich auf die angetroffenen Bodenarten mit Korngrößen, Wassergehalt, Zusammenpressbarkeit, Scherfestigkeit
usw.
Arten des Baugrundes
Es wird grundsätzlich zwischen organischen und
anorganischen Böden unterschieden.

3

36

3

3 Baugrund und Erdarbeiten
Organische Böden z. B. als Humus, Torf oder
Braunkohle eignen sich nicht als Baugrund, da
hier mit starkem Setzungen zu rechnen ist.
Anorganische Böden sind zum Beispiel Sand, Kies
oder auch Fels und stellen i. d. R. einen brauchbaren Baugrund dar.
Böden können jedoch nicht nur nach ihrem Anteil organischen Materials unterschieden werden, sondern in Anlehnung an DIN 1054 auch
nach der Bodenart als:
Gewachsener Boden (Lockergestein, durch einen abgeklungenen erdgeschichtlichen Vorgang
entstanden),
Fels (Festgestein, nach Lagerungszustand sowie
Kornstruktur und -eigenschaften unterscheidbar) und
geschütteter Boden (durch Aufschütten – verdichtet oder unverdichtet – oder durch Aufspülen entstanden).
Weiterhin werden nach DIN 1054, DIN EN ISO 14
688 und DIN EN ISO 14 689 sowie Bodenarten
nach den Klassifizierungsmerkmalen Korngrößenverteilung DIN 18 196, Plastizität, organische
Bestandteile sowie Entstehung unterschieden:
Natürliche Böden. Natürlich abgelagerter Boden
Sehr grobkörniger Boden. (Blöcke, Steine) –
großer Block (LBo) Korngröße > 630 mm; Block
(Bo) > 200 bis 630 mm; Stein (Co) > 63 bis 200 mm
Grobkörniger Boden. (Kies, Sand) – Grob-, Mittel-, Feinkies (Gr) > 2,0 bis 63 mm; Grob-, Mittel-,
Feinsand (Sa) > 0,063 bis 2,0 mm
Feinkörniger Boden. (Schluff, Ton) – Grob-, Mittel-, Feinschluff (Si) > 0,002 bis 0,063 mm; Ton (Cl)
d 0,002 mm
Vulkanischer Boden. (Bims, Schlacke, Tuff)
Organischer Boden. (Torf, Mudde, Humus)
Auffüllmaterial. (als Auffüllung = kontrollierte
Ablagerung, als künstliches Gelände = unkontrollierte Ablagerung)
Fels. Felsgestein unterschieden nach in Verwitterungsstufen 0 (frisch)- bis 5 (zersetzt).
Vielfach bestehen Böden als zusammengesetzte
Bodenarten mit Haupt- und Nebenanteilen.
Hauptanteil ist der Massenanteil, der entweder
am stärksten vertreten ist oder der die bestimmenden Eigenschaften des Bodens prägt. Nebenanteile prägen die bestimmenden Eigenschaften des Bodens nicht, können diese jedoch
beeinflussen.

Ɣ Bei gewachsenem und geschüttetem Boden
werden 3 Hauptgruppen unterschieden (DIN
1054 und DIN 18 196):
Nichtbindige Böden. Dazu gehören Sand, Kies,
Steine und ihre Mischungen. Die einzelnen Körner
sind hier nicht miteinander verkittet. Die Belastbarkeit dieser Böden wächst mit der Korngröße,
der Lagerungsdichte und mit der Tiefe, in der die
Schicht liegt. Ein gemischtkörniger Boden mit weniger als 5 bis 15% Bestandteilen unter 0,063 mm
wird im Sinne der DIN 1054 als nichtbindiger Boden bezeichnet, wenn die Feinkorn-Masseanteile
das Verhalten des Boden nicht bestimmen. Frostschäden sind bei nichtbindigen Böden i. d. R. nicht
zu erwarten, da die Volumenänderung des Wassers durch die Luftporenräume im Korngefüge
aufgenommen werden kann.
Bindige Böden. Das sind Tone, Schluffe und Lehme. Ihr Korngerüst ist durch Ton mehr oder weniger verkittet. Die Tragfähigkeit bindiger Böden
sinkt mit zunehmender Feuchtigkeit. Bindige Böden sind, falls sie nicht tief genug liegen, besonders frostgefährdet. Sind in einem Bodengemisch mehr als 15% bis 40% Bestandteile unter
0,063 mm Korngröße enthalten, liegt ein bindiger Boden vor, weil ab etwa dieser Grenze angenommen werden muss, dass der Feinanteil nicht
mehr nur die Hohlräume der gröberen Körnung
ausfüllt, sondern sich bereits an der Lastübertragung beteiligt. Zu den bindigen Böden zählen im
Sinne dieser Norm auch die gemischtkörnigen
Böden, wenn die Feinkorn-Masseanteile das Verhalten des Bodens bestimmen. Bindige Böden
sind frostgefährdet, da das Wasser innerhalb der
Poren des Korngefüges gefriert und es somit zu
Hebungen des Bauwerkes kommt.
Organische Böden wie Torf, Humus und Mudden sowie ihre Abarten, z. B. tonige Mudde,
schwach feinsandiger Torf o. Ä. s. DIN EN ISO
14 688-1, Tab. 2.
Über die Einordnung und Kennzeichnung der
Korngrößen (Korngrößenfraktion) gibt DIN EN
ISO 14 688-1, Tab. 1 einen Überblick.
Grundbruch nach DIN 4017
Zu den wichtigen Aussagen eines Bodengutachtens gehört die Beurteilung des Baugrundes hinsichtlich der Gefahr von „Grundbruch“.
Die Belastung des Baugrundes durch den Druck
der Gründungskörper breitet sich im Allgemeinen unter einem Druckverteilungswinkel von
etwa 45° so im Baugrund aus, dass die Beanspru-

3.1 Baugrund

37

3.1 Grundbruch in einer Baugrube

Aufwölbung

Aufwölbung

Gle

itflä

che

che

itflä

Gle

3.2 Grundbruch unter mittig belasteten Fundamenten [1]

3.3 Geländebruch [1]

chung in den tieferen Schichten abnimmt. Dabei
entstehen jedoch auch seitliche Druckbeanspruchungen im Untergrund. Bei Messungen können
unter der Gründungsfläche etwa kreisförmig verlaufende Linien gleichen Druckes festgestellt
werden (s. a. Bild 4.4).
Infolge dieser auch seitlichen Druckbeanspruchung kann es – besonders bei plastischem, bindigem Baugrund – zu einem Verdrängen und
Ausweichen des der Gründungsfläche benachbarten Erdreiches führen.
Wenn durch Baugrubenaushub eine erhebliche
Entlastung plastischer Bodenbereiche bewirkt
wird, kann für benachbarte Bauwerke akute Einsturzgefahr entstehen (Bild 3.1).
Durch einzeln stehende, hoch belastete Bauwerksteile kann es auch innerhalb von Baugruben zu Grundbruch kommen (Bild 3.2).
Ähnliche Gefahren können durch „Geländebruch“
(DIN 4084) entstehen, wenn Bauwerke (z. B.
Stützmauern) zusammen mit Erdmassen ausweichen, die auf Gleitflächen rutschen (Bild 3.3).

In solchen Fällen müssen als Maßgabe des Bodengutachtens geeignete Sicherungsmaßnahmen getroffen werden. Am einfachsten kann
u. U. ein abschnittweises Ausführen der Erdbewegungen sein. Meistens werden die benachbarten Bauwerke jedoch durch Absteifungen,
durch Spund- oder Schlitzwände oder durch Unterfangungen zu sichern sein (s. Abschn. 3.4 und
4.5). Es kann auch eine Bodenverfestigung durch
Injektion von Bindemitteln, Vermörtelung oder
Chemikalien in Frage kommen.
Benachbarte Bauwerke sind in der Regel durch
Absteifungen zu sichern (s. Abschn. 10.2 in Teil 2
dieses Werkes).
Zur Sicherung benachbarter Bauwerke kann bei
großen Bauvorhaben mit mehreren Untergeschossen die sogenannte Deckelbauweise angewendet werden. Dabei werden die zunächst hergestellten Decken und Wände der oberen Untergeschosse als Aussteifungsscheiben ausgenutzt.
Die weiteren Tiefgeschosse werden erst anschließend unterhalb dieses „Deckels“ nach unten vorgetrieben.
Im Übrigen muss in diesem Rahmen für das umfangreiche Sondergebiet der Bodenuntersuchungen, Bodenmechanik, Bodenverfestigung usw. auf
weiterführende Literatur verwiesen werden [5].
Grundwasser
Bestandteil von Bodenuntersuchungen ist in der
Regel auch die Feststellung von Grundwasserstand und -qualität.
Man unterscheidet
Ɣ freies Grundwasser (nicht unter Druck stehend),
Ɣ schwebendes Grundwasser (in Ansammlungen
auf wasserundurchlässigen Bodenschichten),
Ɣ gespanntes (artesisches) Grundwasser (unter
Überdruck stehend, Bild 3.4 c).
Untersucht werden muss, ob Grundwasser, das
mit Bauwerksteilen in Berührung kommen kann,
betonschädigende Bestandteile hat, z. B. Kohlensäure („aggressives Wasser“). Es müssen in diesem Falle u. U. Spezialzemente verwendet und
die Betonüberdeckungen der Bewehrungsstähle
erhöht werden (s. Abschn. 5.5.2).
Reichen Bauwerke oder Bauwerksteile (z. B. Fundamente) in den Grundwasserbereich, sind besondere Vorkehrungen für die Gründung (s. Abschn. 4) und Abdichtungen gegen drückendes
Wasser nötig (s. Abschn. 17.4.6). Bis zur Fertigstellung und vollen Wirksamkeit der Abdichtun-

3


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