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Der Fall der Regel .pdf



Original filename: Der Fall der Regel.pdf
Author: Lisa

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Der Fall der Regel

Eine breite Masse an Personen glaubt, in dieser einen Welt lebten verschiedene
Menschen. Das mag wahr sein, allerdings bilde ich mir ein, zu denken, dass der eine
Mensch eher in verschiedenen Welten lebt.
Islam, Christentum, Hinduismus, Ōmu Shinrikyō – die Gläubigen nennen es die einzig
wahre Kultur. Wieder andere bezichtigen sie vielleicht als Kāfir, Gottesleugner oder
Verrückte.

Wir wettern, wir fluchen und wir klagen die an, die unsere Kultur missachten. Wir, die im
Westen geboren sind, meinen zu wissen, dass unsere Lebensweise es mehr wert sei
praktiziert zu werden. Aber woher nehmen wir jedes Mal aufs Neue diese Gewissheit?
Die Kultur aller Menschen baut auf den gleichen Gegebenheiten auf: Menschen werden
geboren, paaren sich, leben in tropischen Urwäldern, Wüsten, Steppen, Städten.
Sie alle wachsen hinein in ihre Zivilisation: geographisch, national, ethnisch.
Aber was genau bedeutet eigentlich Kultur? Warum stirbt der Mensch, wenn er kulturlos
lebt?
Und wieso waren die Mitglieder der Kulturen bisher meistens ethnozentrisch sowie
fremdenfeindlich eingestellt?
Wir Menschen sind eine Lebensform, die es geschafft hat alle anderen im Laufe der Zeit
auszustechen und doch unterscheidet uns in diesem Sinne nicht viel von den anderen
Säugetieren.
In der Entwicklung des Menschen sind uns die fest gefügten Verhaltensprogramme
verloren gegangen, die man noch heute im Tierreich finden kann.

Wir haben nicht das Bedürfnis uns einen Winterspeck anzufressen, um uns auf den
Winterschlaf vorzubereiten – zumindest nicht im Kontext des verankerten Verhaltensmusters.
Ebenso wenig töten wir die Rivalinnen unserer Königin, die wir selbst als Zöglinge
aufgezogen haben wie die Killerbienen. Oder?
Wir haben keine inneren Abläufe mehr, die uns vorgeben, was wir tun sollen.

Um das Fehlen dieser überlebenswichtigen Prozesse wieder ausgleichen zu können,
schafft sich der Mensch in Kollektiven eigene Ordnungsmuster.
Wir ordnen alles: Verhaltensregeln, Symbolgebrauch, das erforderliche kollektive Wissen.
Mit wem kann ich zusammenleben? Wie baue ich mir eine Unterkunft?
Nur so glauben wir Stabilität und Sicherheit in dieser Welt zu finden. Wir wollen uns
schützen und wenden daher meistens harte und qualvolle Bräuche an: Sklaverei, Blutopfer,
Verstümmelungen.
Wurden wir nicht selbst nicht vor nicht allzu langer Zeit von den Menschen aus den
Südländern als Barbaren beschimpft? Nordische Männer, Frauen und Kinder, die aus dem
Blickwinkel des Abendlandes wie Bluthunde die Wälder ihrer Heimat verteidigten?
Fakt ist: Krieg war niemals „heilig“ und wird es auch niemals sein.
Es war auch nie wichtiger darüber nachzudenken als jetzt. Jeder neue Tag ist genau jetzt.
Wir nehmen dieses Ordnungssystem hin, um zu leben und zu überleben und das ist zu
Teilen auch gut so. Doch wir begegnen anderen Ordnungssystemen mit Argwohn, Kleinmut
oder sogar Angst und ausgewachsener Wut.
Wie in einer Mitose unserer Kulturen wird auch uns die Zeit geschenkt diese Muster zu
vermischen, denn zu diesem Zeitpunkt begreifen wir die Bedeutung von Formen und
Modellen noch nicht in ihren Ausmaßen.

Wir sind vielleicht erst zwölf oder vierundzwanzig Monate alt.
Als Erzieherin in Ausbildung kann ich in den Gesichtern der Kinder keinen Argwohn
entdecken – keine Spur von Angst.
Ich sehe das Hindumädchen und den Jungen aus Deutschland lachend mit den Fingern
die Nudeln von ihren Tellern klauben. Und ich erwische mich dabei wie mir eine Ermahnung
über Essensregeln auf der Zunge liegt.
Es dauert einen Moment, bis ich sie runtergeschluckt habe, kurzerhand selbst mit den
Fingern eine Nudel herausfische und sie mir lächelnd zu Gemüte führe.

Es mag für die Wenigsten Bedeutung haben, aber wenn ich diese Gutmütigkeit in den
Augen dieser Kinder sehe, wünschte ich jeder könnte sie sich behalten.

„Kultur ist all das und noch viel mehr; sie „verfeinert“ die Menschen(…)ihre Grausamkeit, ihre
handwerklichen Fähigkeiten ihre Fremdenfeindlichkeit und ihre Tötungsmaschinen.“
Aber auch ihre Liebe, ihre Herzlichkeit und ihre Weisheit.

Im Regelfall lernen unsere Kinder von uns die Angst vor Unbekanntem.
Im Bestfall lehren sie uns die Hingabe für Fremdes.


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