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79 Tangodanza 61 W .pdf


Original filename: 79 Tangodanza 61-W.pdf
Title: Tangodanza
Author: Olaf Herzog

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zu ziehen ist schwer, zum einen weil Mann
und Frau sich in den georgischen Tänzen entweder gar nicht oder kaum berühren. Aber
Nika findet doch einen Berührungspunkt:
„Ich denke, alle Tänze haben etwas gemeinsam, etwas sehr wichtiges: Die Menschen
versuchen, sich damit auszudrücken. Wenn
das fehlt, wird Tanz zum Sport. Und es gibt
einige georgische Tänze, wo die Fußtechnik
sehr große Ähnlichkeit mit einigen Elementen
der Milonga hat. Ich könnte sogar sagen, dass
in der Milonga einige Elemente von diesen
georgischen Tänzen einsetzbar wären.“
So melancholisch wie der Tango sind die
georgischen Tänze nicht, vielleicht aber die
Georgier selbst. Die Traurigkeit, die dem
Tango innewohnt, ist wohl das Erbe der
Immigranten, die ihn als erstes tanzten.
Georgische Immigranten gibt es viele, und interessanterweise sind hauptsächlich sie es, die
der Tanz anzuziehen scheint – Zurückgekehrte, wie Nika, andere Tangotänzer wie
Amiran, Bakuri, Soso, oder von Zeit zu Zeit
sporadisch Heimkehrende. Einer von ihnen
ist auch Levan Uridia, der den Tango in
Holland kennenlernte und für den diese Begegnung im Salon de Plantage die wertvollste
Erinnerung an seinen Aufenthalt im Ausland
geblieben ist. Was ihn am meisten fasziniert
hat – neben der einfachen und doch nicht
oberflächlichen Art, interessante Menschen
kennenzulernen – ist das seltene Erlebnis des
vollkommenen Eins-Seins mit der Partnerin,
das die Tänzer Musik, Zeit und die Menschen
drumherum vergessen lässt. Seine Milonga at
Liberty theater, eine traditionelle Milonga im
Künstlerambiente eines alten Tifliser Theaters,
wird derzeit von Beka Gomelauri geleitet.
Der dritte im Bunde ist David Giorgadze mit
seiner Milonga Tango Pasión, eine klassische
Milonga mit Dresscode, in der er gelegentlich
auch Ausstellungen und Chacarera-Workshops anbietet. David ist Künstler, der, lange
bevor er zu tanzen begann, den Tanz immer
wieder gemalt hat, schließlich für einige
Monate nach Argentinien ging und ein argentinisches Lehrerpaar, 'El Pibe' Sarandi und
Claudia Lombardi nach Georgien brachte.
Auch er unterrichtet, mit Mariana Fernandez,
seiner argentinischen
Partnerin.
Eine vierte Tanzgelegenheit, die Milonga
am Lisi Lake, bietet
traditionelle Tandas und
Nuevo mit Blick auf
den nächtlichen LisiSee und wird jeden
Die Milonga im Linville.
Links im Bild:
Levan Gomelauri

zweiten Freitag von Eka Gobronidze und
Tamar Shvangiradze organisiert.

Gastfreundschaft

David Giorgadze und Mariana Fernandez betreiben die
klassische ‘Milonga Tango Pasión’

Afternoon Milonga im Café Linville,
traditionelle Milonga, jeden Sonntag
13 - 16 Uhr, Abesadze-Leselidze St 2,
Kontakt: Levan Gomelauri,
gomelauri.levan@gmail.com
Milonga at Liberty theater,
traditionelle Milonga, jeden Montag
20 - 24 Uhr , Rustaveli Avenue 2,
Kontakt: Beka Gomelauri,
bekagomelauri@bk.ru
Milonga Tango Pasión im Café Exclusive,
klassische Milonga, jeden Mittwoch
21 - 24 Uhr, Chitadze St 11,
Kontakt: Mariana Fernandez und
David Giorgadze,
tangomaridavid@hotmail.com
Milonga at Lisi Lake in der Lisi Lounge,
zwei Mal im Monat freitags
20 - 24 Uhr, Budapesht st 25,
Kontakt: Eka Gobronidze und
Tamar Shvangiradze,
eka.gobronidze@gmail.com
Die Milongas sind auch aufgelistet unter
www.tangodanza.de/610
und es gibt die Facebook-Gruppe
'Tbilisi Tango'.

Etwas haben Nika und alle seine 'Nachfolger'
gemeinsam: Als Organisatoren von Milongas
bleiben sie in der Tradition der georgischen
Gastfreundschaft. Sie meinen, dass man eine
gute Milonga daran messen kann, ob sich die
Tänzer wohl fühlen, ungeachtet ihres tänzerischen Niveaus, niemand soll sich alleine
fühlen und alle sollen am Ende des Abends
voller positiver Emotionen nach Hause zurückkehren.
Auch wenn bis jetzt von den männlichen
georgischen Tänzern die Rede war, sind es
jedoch die Frauen, die auf den Milongas bei
Weitem in der Mehrheit sind – an Männern
mangelt es. Die georgische Photographin Irma
Sharikadze, selbst eine Tanguera, wundert
sich darüber, denn Tanz, so erklärt sie, war
seit jeher ein fester Bestandteil georgischen
Alltagslebens.
Franziska, eine der Helferinnen der ersten
Stunde, stellt sich die Frage, ob die Überzahl
der Frauen vielleicht Ausdruck unerfüllter
Sehnsüchte der im Alltag so tapferen georgischen Frauen nach Nähe und sanftem, aber
bestimmtem Gehaltenwerden sei. Und ob die
Mehrheit der georgischen Männer, die so
ernst, stolz und unerschrocken wirken,
womöglich davor zurückschreckt, zu viel Gefühl zu zeigen? Nino, eine der Tangueras,
lächelt. Die Frauen und Männer seien in Tiflis
nicht anders als irgendwo sonst auf der
Welt, meint sie. Und vielleicht ist das ja auch
der Grund, warum Tango überall Tango ist,
egal, wo er getanzt wird.
Vor seinem Weggehen aus Georgien hat Nika
ein Tango-Theaterstück inszeniert, in dem es
um die Begegnung des Tango mit anderen
Tänzen und Kulturen geht. Das Stück endet
mit einer augenzwinkernden Anspielung darauf, ob Georgien wohl je irgendeinen Einfluss
auf den internationalen Tango haben wird.
Levan Uridia meint: „Ich denke wie Nika,
dass Georgien sich erst noch finden muss
im Tango. Erst wenn wir unsere Bedenken
verlieren, unsere Individualität und unsere
Eigenheiten auch im Tanz auszudrücken,
wird es eines Tages sicherlich Argentinischen
Tango mit einer georgischen Note geben.
Wenn man Miguel Angel Zotto mit seiner
Feststellung zitieren will, dass „Tango ein junger Tanz ist“, dann könnte man hinzufügen:
„Ganz besonders in Georgien.“ Z 1

Susanne Kihm
ist Literaturübersetzerin und
Lehrerin, tanzt seit sieben Jahren
Tango und assistiert im Team von
‘Libertango’ in Saarbrücken

Szene › Nr. 1 · 2015
{ Tangodanza

}

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