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Jubiläums– und Gebietsausstellung 2019

Die Jubiläumsausstellung findet am Samstag, den 09. Februar 2019 am Exerzierweg
statt.

Folgendes Programm wurde festgelegt:
09:00 Uhr

Ende des Auftriebes

09:30 Uhr

Beginn des Preisrichtens

11:00 Uhr

Beginn der Ringvorführung und Tiersegnung durch

Prof. Franz Weber
ca. 14:00 Uhr

Finale mit Gesamtsiegerwahl

ca. 15:00 Uhr

Preisverteilung

Für Speis, Trank und Unterhaltung ist bestens gesorgt.

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„Eine Herde weißer Schafe ist mein Königreich“ – so heißt es in einem sehr bekannten
volkstümlichen Schlager – eine Herde strahlend weißer Schafe gestylt und makellos
„herausgeputzt“ wird auch bei unserer Gebiets- und Jubiläumsausstellung anlässlich unseres 60-Jährigen Bestehens zu sehen sein.

Unter diesem Titel hat sich der Vorstand unseres Vereines auch entschlossen, zum
60-Jährigen Bestehen eine Broschüre heraus zu geben.

Wir haben uns dabei bemüht, eine Broschüre zusammenzustellen, die mit einigen Beiträgen von Insidern der Schafzucht (auch außerhalb unserer Landesgrenzen), sowie von Insidern der Almwirtschaft und des Hochwasser- und Lawinenschutzes für Jedermann Interessantes und Wissenswertes beinhaltet.

Wir dürfen Ihnen beim Lesen unserer Broschüre gute Unterhaltung wünschen.

Wir möchten es aber auch an dieser Stelle nicht verabsäumen, uns bei allen, die unseren
Verein über Jahre hindurch unterstützt haben, zu bedanken.

Auch bei all jenen, die uns im Jubiläumsjahr durch eine Werbeeinschaltung in der Broschüre oder anderswertig unterstützt haben. Ein solches Vorhaben wäre ohne die Bereitschaft
Vieler wohl nicht durchführbar und gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es unseres Erachtens wichtig, an alten Traditionen festzuhalten.
Daher an alle ein herzliches Vergelt´s Gott!

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Ehrenschutz

Den Ehrenschutz
für diese Veranstaltung haben dankenswerterweise übernommen:

Tierzuchtdirektor

Dipl.-Ing. Hussl Rudolf

Verbandsobmann

Bacher Michael

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

Köstinger Elisabeth

Nationalrat

Gahr Hermann

Landeshauptmannstellvertreter

Ök.-Rat Geisler Josef

Landwirtschaftskammerpräsident

Ing. Hechenberger Josef

Vizebürgermeister

Gruber Franz Xaver

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Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ausstellungsbesucher/innen,
liebe Schaferkollegen/innen,
Es freut mich außerordentlich, dass ich anlässlich des 60-Jährigen Bestehens des Schafzuchtverein Arzl im Jubiläumsjahr diese Grußworte
an Sie richten darf.
Schon seit meiner Kindheit kann ich mich für die Landwirtschaft und im
Speziellen für die Schafzucht begeistern. Da meine Familie schon über
Generationen im Verein Arzl tätig ist, darf ich diese Tradition nun mit
Stolz weiterführen.
Das 60-Jährige Vereinsbestehen macht uns als Arzler Dorfverein sehr stolz. Es ist nicht
ganz einfach in einem Gebiet mit sehr hoher Bevölkerungsdichte und viel Tourismus, einen
landwirtschaftlichen Betrieb zu betreiben und weiterzuführen. Die Arzler Traditionsvereine
zeigen aber über Jahre auf, wie solche Herausforderungen, mit Fleiß, Zusammenhalt und
Heimatverbundenheit zu bewältigen sind. Die Schafzucht spielt in der Arzler Dorfgeschichte eine wesentliche Rolle. Schon über Generationen wird am Fortschritt und Entwicklung in
der Schafzucht gearbeitet. Dank der Schafhaltung wird auch unsere hochgelobte Landschaft, Weiden und Almen gepflegt, welches sich sehr positiv für den Tourismus auswirkt.
Der Schafzuchtverein Arzl hat sich im Jubiläumsjahr bemüht, eine interessante Broschüre
zu gestalten und eine Jubiläumsausstellung zu organisieren. Ich darf mich bei allen Mitgliedern und Mitwirkenden, ganz besonders bei den Ausschussmitgliedern, herzlich für die
Unterstützung bedanken – denn nur gemeinsam sind wir stark – und nur gemeinsam ist es
uns gelungen unser Vorhaben umzusetzen. Ein Dank gilt auch der Stadt Innsbruck und
dem Tiroler Schafzuchtverband für die Unterstützung.
Wir hoffen für alle Ausstellungsbesucher und allen Ausstellern auf eine interessante und
schöne Gebietsausstellung bei schönem Wetter. Den Preisrichtern möchte ich das „richtige
Handerl“ wünschen, aber es kann halt leider immer nur einen Sieger geben.
Zum Abschluss möchte ich es aber nicht versäumen, mich bei allen Sponsoren und allen
fleißigen Händen, welche uns tatkräftig unterstützen, zu bedanken.
Für den Schafzuchtverein Arzl
Maurer Franz jun.
Obmann

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Vorwort
Liebe Mitglieder des Schafzuchtvereines Arzl

Ich darf euch zum 60. Geburtstag eures Vereines ganz herzlich gratulieren. Weit blickende Funktionäre haben einst die Basis für die organisierte Schafzucht im Raum Innsbruck gelegt und über die Jahrzehnte positiv weiter entwickelt. In der Geschichte des Vereines kann auf zahlreiche Erfolge verwiesen werden.

Derzeit steht die Schafzucht an einem Wendepunkt. Die Anforderungen
des Marktes in Bezug auf die Qualität der Produkte, die hohen Ansprüche an Produktionsstandards und an die Haltungsbedingungen der Tiere sowie erhöhte
Hygieneauflagen bereiten so manchem Züchter Schwierigkeiten und sind nur mit großer
Anstrengung zu bewältigen.

Der Tiroler Schafzuchtverband und die Landwirtschaftskammer bemühen sich intensiv die
Mitglieder bestmöglich zu unterstützen. Mit dem LFI als Kooperationspartner wird ein Arbeitskreis für qualitätsbezogene Lämmerproduktion eingerichtet. Daneben gibt es ein umfangreiches Bildungsprogramm zur Unterstützung der Schafzüchter. Ich wünsche mir für
die nächsten Jahre, dass das Zuchtziele der Hauptrassen in Tirol überarbeitet und an die
Anforderungen des Marktes angepasst wird. Jedenfalls sind Merkmale wie Fruchtbarkeit,
Fitness und Bemuskelung im Selektionsentscheid höher zu gewichten als etwa die Länge
des Ohres oder die Stirnbewollung. Ich bin aber voll überzeugt, dass die Schafzüchter in
Tirol die Herausforderungen annehmen und auch meistern werden.

Ich wünsche den Züchtern des Schafzuchtvereines Arzl ein schönes Fest und weiterhin
viel Erfolg in Haus, Hof und Stall.

Dipl.-Ing. Rudolf Hussl

Tierzuchtdirektor

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Vorwort
60 Jahre Schafzuchtverein Arzl bei Innsbruck

Der Schafzuchtverein Arzl bei Innsbruck feiert im Rahmen der Gebietsausstellung sein 60-jähriges Bestandsjubiläum.
Der Grundstock und Gründung des Vereines wurde von einigen
Pionieren vor 60 Jahren gelegt und bis heute sehr verantwortungsvoll im Sinne der Mitglieder geleitet. Mit großer Freude können die
Mitglieder auf ihre langjährige Zuchtarbeit zurückblicken und bei
dieser Jubiläumsschau ihren züchterischen Fortschritt unter Beweis
stellen. Mitglieder des Jubelvereines konnten sich in den letzten
Jahren bei Gebiets- und Großveranstaltungen sehr erfolgreich beteiligen.

Die Schafzucht ist ein wichtiger wirtschaftlicher Nebenerwerbszweig der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Schafzüchter tragen wesentlich zur Bewirtschaftung der Steilflächen
und somit zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Berggebiet und Almen bei.
In diesem Zusammenhang möchte ich dem langjährigen Obmann Kitzmüller Wilfried für
seinen unermüdlichen Einsatz herzlich danken. Gleichzeitig freut es mich, dass die Verantwortung des Vereines jetzt in junge Hände gelegt wurde und somit der Verein auch in Zukunft weiter geführt wird. Ich wünsche dem Neuen Obmann Maurer Franz jun. und seinem
Vorstand viel Erfolg.
Bei der Organisation und Durchführung der Jubiläums- und Gebietsausstellung wünsche
ich dem veranstaltenden Verein gutes Gelingen. Allen Mitgliedern und Ausstellern möchte
ich herzlichst gratulieren und ihnen weiterhin viel Erfolg, Glück und Freude bei Ihrer Tätigkeit wünschen.
Bacher Michael
Obmann Tiroler Schafzuchtverband

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Vorwort

Die Schafhaltung hat in den letzten Jahren stetig zugenommen
und sie ist zu einem sehr wichtigen Betriebszweig für den ländlichen Raum geworden. Neben der Produktion von Lebensmittel
in höchster Qualität erfüllt dieser Betriebszweig auch weitere
wichtige Aufgaben, unter anderem die Erhaltung einer vielfältigen Kulturlandschaft.

Der Schafbestand in Österreich erhöhte sich 2017 gegenüber
dem Vorjahr um knapp 6 Prozent auf 400.480 Stück. Die Anzahl
der Schafhalterinnen und Schafhalter stieg ebenfalls um 7 Prozent auf 15.608. Neben der Zucht und der Produktion von
Lammfleisch stellt in Österreich auch die Erzeugung von Schafmilch einen wichtigen
Produktionszweig dar. Für die Einkommenssicherung in dieser Sparte sind laufende
Anpassungen in der Haltung und im Management wichtig, um die Leistungen der Tiere
wie auch die Produktionskosten zu optimieren. Denn die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung ist stark vom Verkaufserlös der Zucht- und Schlachttiere abhängig.

Der Schafzuchtverein Arzl ist seit 60 Jahren ein wichtiger Baustein für die regionale
Lebensmittelproduktion der Lämmer- und Schafbetriebe sowie für die wirtschaftlich
erfolgreiche Grünlandnutzung. Der Verein liefert auch Basis für den Informationsaustausch mit Berufskolleginnen und Berufskollegen. Anhand von Erfolgsbeispielen anderer Betriebe oder aufgrund der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen können wieder neue Impulse gesetzt werden, die die Attraktivität der Schafzucht steigern.

An dieser Stelle darf ich dem Schafzuchtverein Arzl zu seinem sechzigjährigen Bestehen herzlich gratulieren und für das Engagement rund um die Schafzucht danken!

Elisabeth Köstinger
Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

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Vorwort
Geschätzte Arzler Bergschafzüchter!
Mit Freude gratuliere ich dem Bergschafzuchtverein Arzl zum „60Jahr Jubiläum“. Danke an die Vereinsgründer und Funktionäre,

welche mit Fleiß, Kompetenz und Weitblick den Verein in Schwung
gehalten haben. Heute ist die Bergschafzucht in Arzl eine aktive
Gemeinschaft, welche Beruf und Hobby verbindet.
Möge die Bergschafzucht sich auch in Zukunft weiterentwickeln
und Erfolg bringen. Zuchtziel und -fortschritt sind Zuchterfolg, diese
werden bei Ausstellungen sichtbar und geben damit Impuls und
Anreiz für die Zukunft.
Die Schafzucht und Haltung sind unverzichtbar für unser schönes Land. Steilflächen, Almen und Bergwiese werden gepflegt und bewirtschaftet, damit bleibt die Landschaft offen
und ökologisch fit. Die Schafhaltung ist heute auch ein regionaler Faktor, heimische Lebensmittel sind kostbar, hochwertig und geschätzt.
Aktuell geht es darum, das Umfeld für die Schafzucht abzusichern. Die Rückkehr der Wölfe stellt uns derzeit vor große Herausforderungen und viele Bäuerinnen und Bauern haben
Zukunftsängste. Der Wolf ist und bleibt ein Raubtier und hat bei uns ganz einfach keinen
Platz. Daher lehne ich die Wiederansiedelung des Wolfes entschieden ab. Ich werde mich
politisch für den Schutz von Nutz- und Haustieren auch weiterhin einsetzen.
Für die Zukunft wünsche ich viel Glück und Freude mit der Schafzucht.
Es grüßt Euch mit Dank und Wertschätzung
Abg. z. NR Hermann Gahr

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Vorwort
Schafhaltung – unverzichtbar für Tirol
Jede Tirolerin und jeder Tiroler sieht es täglich mit eigenen Augen,
und Millionen von Gästen und Freunden beweisen es Jahr für Jahr mit
ihren Besuchen: Tirol gehört zu den schönsten Flecken auf der Erde.
Einen wesentlichen Anteil daran tragen unsere Bauern, die mit ihrer
nachhaltigen und behutsamen Bewirtschaftung unsere Kulturlandschaft veredeln. Die Tiroler Landwirtschaft ist ein buntes Mosaik verschiedener Betriebszweige. Von besonderer Bedeutung für das Gebirgsland Tirol ist die Schafhaltung. 90 Prozent der Tiroler Schafe verbringen den Sommer auf den Hochalmen unseres Landes und leisten
einen unschätzbaren Beitrag zur Landschaftspflege, zur Sicherung
der Lebensgrundlagen und zum Schutz vor Naturgefahren. Besonders
das weiße Bergschaf erweist sich mit seiner Steig- und Trittsicherheit als besonders alptüchtig.
Aber wir müssen auf der Hut sein. Neben den altbekannten bürokratischen Wirrungen drohen der alpinen Berglandwirtschaft und der Almwirtschaft neue Gefahren. Die Rückkehr
der Großraubtiere stellt die Almwirtschaft im Allgemeinen, die Schafhaltung im Besonderen
vor immense Herausforderungen. Die Gesellschaft darf die Schafbauern in dieser Situation
nicht alleine lassen. Bei allem Schutz, den die Wölfe durch internationale Vereinbarungen
genießen, darf es nicht so weit kommen, dass die Schafhalter Wolfsfutter produzieren, das
nach langwierigen Verfahren vielleicht von der öffentlichen Hand entschädigt wird. Dafür ist
die emotionale Beziehung unserer Schafzüchter zu ihrem Vieh zu stark, dafür bedeuten
ihnen die Tiere zu viel. Die Gesellschaft darf Tierschutz nicht nur dann toll finden, wenn er
die Bauern in die Pflicht nimmt – sondern muss sich auch dazu bekennen, wenn Nutztiere
vor Raubtieren zu schützen sind.
Wir müssen und wir werden kreative Lösungen finden, die weiterhin eine offene Alm- und
Weidewirtschaft mit all ihren positiven Auswirkungen auf Mensch, Vieh und Gesellschaft
sicherstellen.
Dem jubilierenden Schafzuchtverein Arzl gratuliere ich herzlich zum 60-jährigen Bestehen
und bedanke mich bei all jenen engagierten Männern und Frauen, die bisher im Verein
Verantwortung getragen haben. Als Agrarlandesrat und Obmann des Tiroler Bauernbundes wünsche ich allen Züchtern und Haltern weiterhin viel Leidenschaft und Freude mit
dem Weißen Bergschaf. Allen Ausstellern aus Hall, Gnadenwald, Absam, Thaur, Hötting
und Arzl wünsche ich, dass die Gebietsausstellung ihre Begeisterung und Motivation dauerhaft stärkt.

Landeshauptmannstellvertreter
Ök.-Rat Josef Geisler
Obmann des Tiroler Bauernbundes
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Vorwort

Liebe Züchterinnen und Züchter!

Das Schaf spielt in der Tiroler Landwirtschaft eine wichtige, aber oft unterschätzte Rolle. Gerade in der Almwirtschaft kommt den rund 68.000 gealpten Schafen eine große Bedeutung zu, da sie auch schwer zugängliche Gebiete offen halten, die oftmals für die touristische Nutzung von Bedeutung sind. Wie alle Bereiche der Landwirtschaft steht auch die Schafzucht vor immer neuen Herausforderungen und der Wille nach Kontinuität
steht so manches Mal im Zwiespalt mit dem Wunsch nach Innovationen.
Der Schafzuchtverein Arzl arbeitet seit nunmehr 60 Jahren hervorragend und konnte in
der Zucht des weißen Tiroler Bergschafes schon zahlreiche Erfolge verzeichnen. Gerade
aufgrund der städtischen Nähe wird die Arbeit des Vereines auch für die interessierte Bevölkerung sichtbar, wenn sie beim Spazierengehen die Schafe auf der Weide beobachten
können. Dadurch bringen die Vereinsmitglieder einen Teil der Landwirtschaft in die Stadt,
was gerade in Zeiten des schwindenden Wissens über die Arbeit der Bäuerinnen und
Bauern von großer Bedeutung ist. Dass diese Nähe nicht immer nur positive Aspekte mit
sich bringt, ist wohl jedem praktizierenden Landwirt klar, dennoch sollte der Kontakt mit
der Bevölkerung als Chance gesehen werden – nicht nur aufgrund der Vermarktungsmöglichkeiten.
Als Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol bin ich stolz auf unsere ambitionierten und
erfolgreichen Züchterinnen und Züchter, die die Tradition der Schafzucht hochhalten und
beständig weiterentwickeln. Ich darf dem Schafzuchtverein Arzl und seinen Mitgliedern zu
ihrem 60-jährigen Bestehen herzlich gratulieren und wünsche allen Züchterinnen und
Züchtern weiterhin viel Freude und Tatendrang für die nächsten Jahrzehnte erfolgreicher
Zuchtarbeit!

Ing. Josef Hechenberger
Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol

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Unsere Mitarbeiter lieben Schafe und suchen Wohnungen,
Häuser und Grundstück zum Verkaufen bzw. Vermieten.
Mag. Vuketich + Bressan Ges.m.b.H

Liegenschaftsverwaltung
Telefon: 0512/58 28 00 oder 0664/357 86 03

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Vorwort

Herzliche Gratulation zum 60-jährigen Jubiläum

Der Schafzuchtverein Arzl zeigt eindrucksvoll, wie sich auch
in der Tiroler Landeshauptstadt Tradition mit Landwirtschaft
verbindet. Besonders die Schafzucht ist für die Tiroler Landwirtschaft typisch. Und die Tiroler Schafe gehören auch zu
den Wiesen und Hängen Innsbrucks. Es freut mich, dass die
Stadt Innsbruck mit dem Schafzuchtverein gut zusammenarbeitet, wenn ich etwa an die Schaftränke am Hafelekar denke.
Mit dem neu gestarteten Projekt „Schaf-Tracker“ kommt die
Innsbrucker Schafzucht im digitalen Zeitalter an.

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt bei so einem Jubiläum allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich oft über viele Jahre und Jahrzehnte um die
Schafzucht verdient gemacht haben. Nur dank dieser Arbeit ist es möglich dieses Erbe
fortzusetzen und diesen wichtigen Bestandteil der Tiroler Landwirtschaft auch in Innsbruck am Leben zu erhalten.

Generell tragen die Vereine und die ehrenamtliche Arbeit das Miteinander in unserer
Gesellschaft. Generationenübergreifend werden dabei Traditionen gepflegt und das
Fachwissen um die Schafzucht weitergegeben. Diese ehrenamtliche Arbeit kann nicht
hoch genug geschätzt werden – ein besonderes Danke im Namen der Stadt Innsbruck
für diese vielfältigen Leistungen.

Ich wünsche allen Mitgliedern und Freunden des Schafzuchtvereins Arzl alles Gute und
weiterhin viel Freude bei der Arbeit für die Schafzucht in Innsbruck.

Franz X. Gruber
Vizebürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck

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Nutzen der Schafe / Informationen

Die Schafzucht hat in Tirol eine sehr lange Tradition. Speziell im Gebirge und an steilen
Hängen werden seit Jahrhunderten Schafe gehalten, die in den Sommermonaten im hochalpinen Gelände auf Futtersuche gehen.

Die Landwirtschaft und insbesondere die Almwirtschaft sind ein Garant für diese wichtige
Landschaftspflege. Durch das Beweiden der Steilflächen und im unwegsamen Gelände
werden Bodenerosion und die Gefahr durch Lawinen nachweislich reduziert. Unsere Touristen erfreuen sich an den weidenden Tieren und genießen diese Idylle. Was wäre unser
schönes Tirol, würden die Almen nicht auch in Zukunft bestoßen werden. Dank der
Schafzüchter in unserem Land ist dies auch weiterhin gesichert. Nicht zu vergessen ist
dabei natürlich auch die Tiroler Bergschafjungzüchterorganisation, wo der Nachwuchs an
die Schafzucht herangeführt wird.

Gerade durch die Nähe zur Landeshauptstadt haben wir Schafhalter im städtischen Bereich mit Problemen zu tun, die im ländlichen Bereich nicht bzw. kaum bekannt sind. Oft
fühlen sich auch Hundebesitzer verpflichtet, wenn sich ein unvorsichtiger oder neugieriger
Hund seine Nase am Stromzaun anstößt, um ihren Liebling zu schützen und das Stromgerät auszuschalten oder die Stromzufuhr zu unterbrechen oder einfach den Zaun zu beschädigen. Es passiert nicht selten, dass Schafe, die mit einem Elektrozaun eingezäunt
werden, von sogenannten oder besser gesagt selbsternannten Tierschützern oder Tierliebhabern, durch das Ausschalten des Stromgerätes geschützt werden – was bei den eingezäunten Schafen immer wieder zu Verletzungen und zum Teil zum Tod durch erdrosseln
führt.

Auch kommt es immer wieder bei der Heuernte vermehrt durch Hundekot zur Verunreinigung des Futters, dies kann wiederum bei Wiederkäuern zu schweren Erkrankungen führen. Aus diesem Grund kann man oft Lesen „Hier beginnt die Salatschüssel meiner Tiere
und nicht das Klo ihres Hundes“

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Glocken oder Schellen, welche in den Feldern angezogen werden, werden hin und wieder
von Anrainern als störend und unnötig empfunden. Für uns Züchter ist dies aber ein sehr
wichtiges Instrument, um eine Herde beim Ausbruch zusammen zu halten. Das Leittier mit
der Glocke gibt normal die Richtung vor. Für den Fall, dass die Herde eine größere Wanderung vornimmt, ist es dem Züchter auch möglich diese auf eine größere Entfernung zu
hören und somit auch zu finden.

Sollte während der Weidezeit über Nacht ein bisschen Schnee fallen, dann fühlen sich jede
Menge Spaziergänger verpflichtet, den Amtstierarzt oder die Polizei wegen Tierquälerei zu
alarmieren. Wir möchten euch an dieser Stelle informieren, dass es wie überall schwarze
Schafe gibt aber die Mehrheit der Schafzüchter sind um das Wohl der Tiere sehr bemüht
und wissen sehr wohl was ein Tier aushält. Wir lieben unsere Tiere und sind stets bemüht
für das Wohl der Tiere zu sorgen.

Wir dürfen aber während der Weidezeit auch immer wieder schöne Dinge erleben. Oft trifft
man Kindergarten– oder auch Schulkinder, welche leider für uns alltägliche Dinge nicht
erleben dürfen. Sie sind fasziniert wenn ein Lamm auf die Welt kommt. Daraufhin kommen
oft die verschiedensten Fragen: Wie oft bekommen Schafkinder vom Bauern das Flaschl? Nein normal sollten sich die Lämmer bei der Mutter selbst ernähren. In welchem Bett schlafen die Schafe? - Schafe schlafen im Strohbett im Stall. Die sehen doch alle gleich aus,
welche Unterschiede gibt es? Nein gleich wie wir Menschen, hat jedes Tier einen eigenen
Ausdruck. Jedes Tier sieht anders aus. Wie viele Babys bekommt eine Schafmutter? Schafe bekommen keine Babys sondern Lämmer. Die Schafmutter bekommt zwischen
1 und 2 Lämmer.

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Tiroler Bergschaf
Das Tiroler Bergschaf ist eine Hausschafrasse, die in den Tiroler Alpen gehalten wird. Die
Rasse geht auf das Steinschaf und vor allem auf das norditalienische Bergamaskerschaf
zurück. Seit den 1930er Jahren ist es eine einheitliche Rasse. Das Tiroler Bergschaf war
seinerseits der Ausgang für die Züchtung des Braunen Bergschafs.
Das Tiroler Bergschaf ist die verbreitetste Rasse in Österreich und besonders in den alpinen Regionen von großer Bedeutung. Es ist ein mittelgroßes bis großes Schaf mit schmalem, geramsten, von der Stirn bis zum Nacken durchgehend bewolltem Kopf. Sein Rumpf
ist tief mit gewölbter Rippe, langem, geradem Rücken, kompakter Schulter und leicht fallendem Becken. Die Wolle ist weiß, schlicht bis gewellt und von mittlerer Feinheit. Die Rasse wird reinweiß gezüchtet und darf keine Pigmente oder Birkaugen aufweisen. Die Muttertiere haben ein gut ausgebildetes und aufgehängtes Euter und weisen einen ausgeprägten
Mutterinstinkt auf. Durch seine Steig- und Trittsicherheit ist es besonders alptüchtig. Bei
früher bis mittlerer Zuchtreife eignet es sich besonders als Mutter zur Kreuzungszucht mit
Fleischrassen.

Gewicht:
Schur:
Brunstzyklus:
Eignung für:

70-110kg(w), 80-130kg(m)
2 mal pro Jahr
asaisonal
intensive und extensive Haltung

(Wikipedia/Schafzuchtverband)

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****
Hotel Gasthof
Purner
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Weidebewirtschaftung
Die Ausübung der Weide ist in Servituten-Regulierungsurkunden genauestens festgelegt.
Heute existiert noch ein Ratsprotokoll aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, in dem der
Mühlauer und Arzler Gemeinderat die Bewirtschaftung der Almen beschlossen hat. Liest
man diese Seiten im Ratsprotokoll, so kann man erkennen, welch wichtige Bedeutung die
Weidewirtschaft zu früheren Zeiten hatte. Die Existenzgrundlage für einen Bauernhof bildete der Viehbestand. Durch die Bewirtschaftung der Alm und Waldweide konnte der damalige Landwirt mehr Vieh in seinem Stall halten und so seine Lebenssituation deutlich verbessern.
Gepflegte Almen bieten Schutz—Regelmäßig beweidete und gepflegte Almen sind neben
dem Schutzwald für eine Naturvielfalt wichtig und bieten gleichzeitig auch Schutz vor Katastrophen. Die Leistung der Viehbauern im Bereich der Landschaftspflege kann hier nicht
genug hervorgehoben werden. Sie sind für unseren Lebensraum unverzichtbar. Die Erhaltung des ehemaligen Gemeindegutes „Almen Innsbrucks“ erfolgt daher auch nicht ganz
uneigennützig.
Früher war die Bodensteinalm der Hochleger der Arzler Alm. Auf dem Gebiet der Bodensteinalm sind heute im Sommer 350 Schafe beheimatet. Ursprünglich war die Bodensteinalm nicht gastronomisch bewirtschaftet. Es fanden nur Kälber, Schafe und der Hirte eine
Unterkunft. Der Schafzuchtverein hat die Alm in den 60iger Jahren gepachtet. Ab 1968 war
die Alm auch gastronomisch bewirtschaftet. Die Almbetreiber waren Max und Waltraud
Pernlochner. Sie bewirtschafteten die Alm von 1968 – 1981. Anfang der 80-er Jahre gab
es Diskussionen, die Bodenstein Alm nicht mehr zu bewirtschaften. Die Alm wurde saniert
und weiter verpachtet. Von 1981 bis 2017 war Edith Felderer die Bewirtschafterin der
Schafalm am Bodenstein.
Tirol besitzt ca. 2600 Almen. Davon werden rund 2200 bewirtschaftet. Beinahe die halbe
Fläche des Bundeslandes Tirol, nämlich 220.000 ha, ist Weideland. Almen sind nicht nur
wichtig für die Landwirtschaft in Tirol, verbunden mit dem Tourismus bilden sie einen Anziehungspunkt für Urlauber und heimische Gäste.
Arzl besitzt mehrere Almen (Arzler Alm, Bodenstein Alm, Möslalm, Pfeis), die als früheres
Gemeindegut 1945 der Stadt Innsbruck offiziell einverleibt wurden. Unter anderem ist die
Bodenstein-Alm, auf 1670 m Seehöhe am Hang der Nordkette gelegen, eine Alm, auf der
seit Jahrhunderten Schafe ihre Weide im Sommer finden.
Keine Alm gleicht der anderen. Die Almen bilden einen Komplex aus oft unterschiedlichen
Bereichen. Almen sind wirtschaftlich, rechtlich, ökologische und kulturhistorisch von Bedeutung. In der Welt der Almen sind zahlreiche Geschichten und Legenden entstanden. In einer Studie der Universität Innsbruck, Alpenländische Land- und Forstwirtschaft, geht hervor, dass die Kultur des gesamten alpinen Raumes ohne Einrichtung der Alm nicht vorstellbar gewesen ist. Die Weiderechte der Arzler und Mühlauer auf der Nordkette reichen in
das 16. Jahrhundert zurück.
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Die High-Tech Faser Schafwolle—Villgrater Natur

Das Kleid der Schafe, die herrliche Wolle, entwickelt sich vor allem in den letzten Jahren zu
einem der begehrtesten Rohstoffe für verschiedenste Produkte. Dieses gute Image kommt
allerdings nicht von ungefähr! Wolle vereint die positivsten und wertvollsten Eigenschaften,
die eine Faser aufweisen kann:
Temperaturausgleichend
Feuchtigkeitsregulierend
Selbstreinigend
Antiallergen
Schadstoffneutralisierend
Schwer entflammbar
Absolut natürlich verwendbar
Durch diese Eigenschaften eignet sich Schafwolle nicht nur für den Winter, sondern auch
ideal für wärmere Temperaturen – Mit Schafwolle kam die Menschheit bereits über die Eiszeit und schützt sich heute gleichermaßen in heißeren Regionen, wie in den Wüsten, vor
Hitze.
Natürlich haben sich in den letzten Jahrtausenden die Verwendung und die Verarbeitung
von Schafwolle, durch den technologischen Fortschritt, wesentlich verändert. Was früher
durch mühsame Handarbeit, viel Fleiß und Einsatz ganz langsam von der Faser zum Endprodukt verarbeitet wurde, wird heute durch hochtechnologische Maschinen wesentlich
vereinfacht und so auch der Einsatzbereich für die Wollfaser entsprechend erweitert. Dabei
darf allerdings nicht übersehen werden, dass Wollkartatschen, wie man sie von früher
kennt, auch heute noch wesentlicher Bestandteil der modernen Fertigungsstraßen sind. Im
Werk von Villgrater Natur kann so eine Maschine beispielsweise besichtigt werden und
man kann sich in die Geheimnisse der Schafwollverarbeitung einweihen lassen.

Rebecca Schett BSc
Vertrieb Leitung

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60 Jahre Schafzuchtverein Innsbruck/Arzl
tiergesundheitliche Aspekte
Der Schafzuchtverein Innsbruck/Arzl feiert heuer sein 60 jähriges Bestehen. Die Tatsache, dass organisierte Schafzucht in Innsbruck/Arzl
bereits über mehrere Jahrzehnte betrieben wird, zeigt die Bedeutung
der Schafhaltung auch im städtischen bzw. stadtnahen Bereich deutlich auf.
Mit der Schafhaltung kann die bestehende Futtergrundlage im Grünland bestens verwertet werden und bildet zusätzlich einen unentbehrlichen Beitrag zur Pflege der Landschaft. Gerade im Nebenerwerb ist
die Schafhaltung bzw. Schafzucht eine ideale Betriebsform.

Österreichweit gesehen spielt die Schafhaltung in Tirol aufgrund der durch die alpine Landwirtschaft vorhandenen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Von den in Tirol gehaltenen rund 90.000 Schafen werden ca. zwei Drittel in den Bezirken Imst, Innsbruck-Land,
Stadt Innsbruck und Lienz gehalten. Die Dichte der Schafe und Ziegen in den Bezirken
Österreichs ist in der abgebildeten Graphik dargestellt (Quelle: Österreichische Agentur für
Gesundheit und Ernährungssicherheit).
Grundvoraussetzung für eine wirtschaftliche Schafhaltung ist ein entsprechender Gesundheitsstatus der einzelnen Bestände sowie der gesamten Schafpopulation des Landes. Nur
so können gesunde Tiere produziert werden, die dann auch innerhalb und außerhalb des
Landes vermarktet werden können.
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In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, dass Österreich bereits seit dem Jahre 2001 als amtlich frei von Brucella melitensis (Maltafieber) anerkannt ist. Zur Aufrechterhaltung des Status muss jährlich durch eine repräsentative Stichprobe nachgewiesen werden, dass keine Infektionen stattgefunden haben. Dazu müssen in Tirol in ca. 280 Schafbetrieben und ca. 140 Ziegenbetrieben, die von den Biostatistikern risikobasiert ausgewählt
werden, Blutproben entnommen und untersucht werden. Die Krankheit äußert sich im Auftreten von gehäuften Aborten und der Geburt von lebensschwachen Lämmern. Sie ist auch
auf den Menschen übertragbar und bewirkt grippeähnliche Symptome mit wiederkehrendem Fieber. Bislang sind in Tirol im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen noch
keine Fälle festgestellt worden.
Nicht weniger wichtig ist die regelmäßige Untersuchung der Widder auf Brucella ovis, die
bei den befallenen Widdern zu Fruchtbarkeitsstörungen führen kann, auf den Menschen
aber nicht übertragbar ist. Die Laborkosten für die jährliche Untersuchung der Widder werden aus Landesmitteln finanziert.
Ebenso anzeigepflichtig ist die meist durch Psoroptesmilben hervorgerufene Räude der
Schafe und Ziegen. Obwohl die Frühjahrsbehandlungen (Räudebad oder Injektionsbehandlung) der Schafherden, die Schafe bzw. Ziegen auf Gemeinschaftsweiden auftreiben, schon seit Jahrzehnten amtlich vorgeschrieben und durch kostenloses Bereitstellen
des erforderlichen Bademittels gefördert werden, wird Räude immer wieder festgestellt.
Von der Ansteckung bis zum Auftreten von sichtbaren Krankheitserscheinungen vergehen
etwa drei bis vier Wochen. Aus den anfangs ca. bohnengroßen Primärherden bilden sich
die typischen Veränderungen mit schmierig-gelblichen Krusten. Die befallenen Tiere zeigen starken Juckreiz durch Kratzen oder Scheuern, verlieren die Wolle büschelweise oder
flächenhaft, magern ab und werden anämisch. Ein Verdacht auf Räude muss beim Amtstierarzt/der Amtstierärztin des Bezirkes angezeigt werden, die dann die Maßnahmen nach
dem Tierseuchengesetz anordnen (Bestandssperre, Anordnung der Behandlung).
Obwohl nach den veterinärbehördlichen Vorgaben nicht anzeigepflichtig, ist die Moderhinke eine bei Schafhaltern gefürchtete Erkrankung, die mit schmerzhaften Veränderungen an den Klauen einhergeht. Verursacht wird die Moderhinke durch ein Bakterium
(Dichelobacter nodosus). Der Keim dringt im Zwischenklauenbereich in die Haut ein, bahnt
sich einen Weg unter das Klauenhorn und kann dort die typischen Veränderungen wie eitrig-schmierige, grauweiße Entzündungen mit faulig-süßlichem Geruch hervorrufen. Häufig
findet man in den betroffenen Klauen zwar eine Mischinfektion mit weiteren Keimen, für
eine Erkrankung braucht es aber zwingend die sogenannt virulenten Stämme des Dichelobacter nodosus. Die betroffenen Schafe haben immer starke Schmerzen und lahmen
daher meistens. Die Futtersuche auf der Weide ist erschwert, denn die Tiere laufen wegen
der Schmerzen weniger weit, liegen häufiger und stützen sich zum Fressen auf die Vorderknie. Der Krankheitsverlauf wird durch viele zusätzliche Faktoren beeinflusst
(rasseabhängig unterschiedliche Empfänglichkeit, Klauenbeschaffenheit, Klauenpflege,
warme und feuchte Witterung begünstig die Entstehung usw.). Der Keim kann vor allem im
abgeschnittenen Klauenmaterial monatelang überleben. Das beim Klauenschneiden abgeschnittene Klauenhorn muss daher sorgfältig zusammengekehrt und entsorgt werden.

31

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Das Bakterium kann sogar über Schuhe in eine Herde eingeschleppt werden, Schuhwechsel bzw. Anziehen von Überschuhen vor Betreten des Stalles ist daher eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme. Ist die Moderhinke einmal in der Herde drin hilft nur noch eine aufwändige und disziplinierte Sanierung der gesamten Herde. Die Schweiz bereitet derzeit
eine landesweite Bekämpfung der Moderhinke vor, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Erreger mittelfristig in möglichst allen Schafherden zu tilgen.
Mit den vereinten Kräften der Schafhalter, Betreuungstierärzte und Veterinärbehörden sollte es gelingen, den Gesundheitsstatus der Schafherden in unserem Land zu erhalten und
weiter zu verbessern, damit auch in Zukunft eine der wesentlichen Grundlage für eine wirtschaftliche Schafzucht gegeben ist.

HR Dr. Josef Kössler
Landesveterinärdirektor

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Futterung der Schafe – Einst und Heute

Vor 60 Jahren als der Schafzuchtverein Arzl gegründet wurde, konnte
wahrscheinlich keines der Gründungsmitglieder erahnen, wie sich die Welt
in den nächsten 60 Jahren verändern wird. Um diese Entwicklung zu verdeutlichen: Im Jahr 1959 gab es noch keine Taschenrechner zu kaufen,
der erste für jedermann erschwingliche Taschenrechner kam erst 10 Jahre
später auf den Markt. Mittlerweile sind die meisten Handys leistungsfähiger als es Computer noch vor zehn Jahren waren. Diese rasante Entwicklung ist natürlich auch an der Landwirtschaft nicht spurlos vorüber gegangen…
Vor 60 Jahren erfolgte auf vielen Betrieben die Ernte noch per Hand oder nur wenig maschineller Unterstützung. Erste Traktoren und Mähmaschinen waren noch eine kleine Besonderheit.
Da auf der einen Seite das Wissen über die Bedeutung einer guten Grundfutterqualität
noch eher dürftig, sowie auf der anderen Seite die Futterernte sehr anstrengend war, wurden im Gegensatz zu heute meist nicht mehr als zwei Schnitte geerntet. Aus heutiger Sicht
wurde dabei meist sehr altes Futter geerntet. Der Großteil des Futters wurde als Heu geerntet, Silage stellte eine Randerscheinung dar, da meist keine Technik und Lagermöglichkeit für Silage vorhanden war. Der Anbau von Mais zur Tierfutterproduktion war vor
60 Jahren in Tirol so gut wie nicht vorhanden.
Durch die veränderte Futtergrundlage sowie das bessere Wissen rund um die Bedürfnisse
und Bedarfszahlen unserer Tiere hat sich auch die Fütterung stark verändert. Vor
60 Jahren bestand die Fütterung über die Wintermonate zum größten Teil aus Grundfutter,
manchmal ergänzt um ein wenig Getreide. Heutzutage ist die Fütterung, befeuert durch die
neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung, viel komplexer geworden. Der
Einsatz von Mineralfutter in Form von losem Futter, Leckmassen oder Boli ist mittlerweile
auf vielen Betrieben eine Standardmaßnahme, welche unbestritten eine Verbesserung der
Tiergesundheit gebracht hat.
Falls Sie mehr zu Ihrem Grundfutter oder zur Optimierung Ihrer Fütterung wissen wollen,
kontaktieren Sie mich!

Sebastian Ortner, 05 92 92-1806, sebastian.ortner@lk-tirol.at

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Die Bedeutung der Almwirtschaft
Funde in hochalpinen Lagen weisen darauf hin, dass schon
vor mehr als 6500 Jahren die höher gelegenen Weiden genutzt wurden. Die Hauptfunktion von Almen liegt in der
Landwirtschaft. Verbringt das Vieh den Sommer auf der

Alm, braucht es während dieser Zeit kein Futter vom Heimhof, und das Heu vom Sommer kann im Winter verwendet
werden. Aus dieser Intention ist die Almwirtschaft entstanden. Almen sind landwirtschaftliche Grundflächen, die wegen ihrer räumlichen Entfernung vom Heimgut und der
durch die Höhenlage bedingten klimatischen Verhältnisse nur während der Sommermonate
zu einer vorwiegend weidewirtschaftlichen Nutzung geeignet sind. Ohne Almtiere gibt es
keine Almwirtschaft und längerfristig auch keine Almen, denn nicht mehr beweidete Grasflächen verbuschen und verwalden.
Almen üben auf Grund ihrer Lage und ihrer Flächenausdehnung einen großen Einfluss auf
die Vielfältigkeit des Landschaftsbildes aus. In der Bewirtschaftung der Almen ist, wie kaum
in einem anderen Bereich, ein multifunktioneller Ansatz enthalten. Multifunktionalität umschreibt die Tatsache, dass ein wirtschaftliches Handeln vielfältige Güter und Dienstleistungen hervorbringt und auf Grund dieser Eigenschaft zu verschiedenen gesellschaftlichen
Zielen gleichzeitig beitragen kann.
Auf der Alm werden hochwertige Milchprodukte hergestellt. Aus Untersuchungen weiß
man, dass Almmilch und Almfleisch einen sehr hohen Anteil an wertvollen ungesättigten
Fettsäuren aufweisen, das heißt, Almmilch und Almfleisch – und die daraus hergestellten
Produkte – sind besonders gesund.
Eine wichtige Funktion hat die Almwirtschaft als Erhalterin der Artenvielfalt. Viele Pflanzen,
wie zum Beispiel Arnika, brauchen genau diese Form der Weidewirtschaft. Weiters bietet

die Beweidung einen Schutz vor Hangrutschungen. Wird das Gras nicht abgeweidet, friert
der Schnee an den langen Halmen an, gleitet der Schnee dann ab, entstehen Hangrisse,
woraus sich Rutschungen entwickeln. Insbesondere Schafe können steile Almbereiche
bestens nutzen und damit zur Stabilität der Hänge beitragen. In Tirol werden jeden Sommer rd. 68.000 Schafe gealpt.

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Auch für den Tourismus sind Almen wichtig. Die Steige und Wege, die heute auf die Berge
führen, sind aus Almwegen entstanden, die das Vieh seit Jahrhunderten nutzt. Almen sind
als Wanderziele bei Einheimischen und Gästen überaus beliebt und sie erfreuen ihre Gäste mit typischer Kost. Almen sind durch ihre natürliche Lage Erholungsorte für Körper und

Geist.
Wanderer sind angehalten, Rücksicht auf die Weidetiere zu nehmen. Ruhig weidende
Schafe sollen nicht gestört werden, weshalb Hunde unbedingt an die Leine zu nehmen
sind. Dies gilt umso mehr bei stark frequentierten Wanderwegen, wie dies im Bereich der
Nordkette der Fall ist.
Neue Gefahren für die Almwirtschaft ergeben sich aus der Wiederbesiedelung des alpinen
Raumes mit Wölfen. Schafe sind für Wölfe eine sehr leicht zu reißende Beute, was der
Blick in jene Länder, in denen sich der Wolf wieder etabliert hat, beweist. Der gewünschte
Schutz der Schafe gegen Angriffe von Wölfen im alpinen Gelände ist nicht möglich. Großflächige Zäunungen in den in der Regel unwegsamen und steilen Almgebieten sind nicht
machbar und würden ohnehin – trotz ungeheurem Aufwand – nur marginalen Schutz bieten. Herdenschutzhunde verteidigen „ihre“ Schafe nicht nur gegen Wölfe sondern auch
gegen jeden anderen Eindringling – also auch gegen Wanderer. Man stelle sich vor, dass
im Bereich des Goetheweges die dort weidenden Schafe von 3 bis 4 Herdenschutzhunden
bewacht und verteidigt werden. Im intensiv genutzten „Wanderland Tirol“ sind daher Herdenschutzhunde von vornherein auszuschließen.
Bewirtschaftete Almen sind nicht nur für die bäuerlichen Betriebe von Bedeutung, sondern
stellen einen kulturellen Schatz dar, den es unbedingt zu erhalten gilt.

Dip.-Ing. Johann Jenewein
Redakteur der österreichischen Fachzeitschrift
„Der Alm- und Bergbauer“

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Schafhaltung in Österreich
Der kleine Wiederkäuer Schaf erfreut sich den letzten Jahrzehnten
zunehmender Beliebtheit. Im Jahr 1971 war der Schafbestand mit
rund 112.000 Schafen auf einem absoluten Tiefpunkt. Von 1972
bis 1997 stieg der Bestand wieder kontinuierlich bis auf rund
384.000 Schafe an. In den darauffolgenden fünf Jahren sank die
Anzahl wieder auf ca. 300.000 Schafe. Im Jahr 2017 wurde die
400.000 Marke erstmals übertroffen. Die meisten Schafhalter hat
es mit knapp 25.000 im Jahr 1991 gegeben. Ab diesem Zeitpunkt
ist die Zahl der Schafhalter kontinuierlich bis 2014 auf 13.800 gesunken. 2017 waren es
wieder 15.600 Betriebe, die sich mit der Schafhaltung beschäftigten.

Produkte der Schafhaltung
Das Schaf ist im wahrsten Sinn ein multifunktionales Nutztier. Es liefert wertvolle Nahrungsmittel wie Fleisch und Milch, es pflegt unsere schöne Kulturlandschaft vom Flachland
bis hin in die höchsten Gebirgsgegenden, es liefert uns das wertvolle Naturprodukt Wolle
und weiche Felle, auch der nährstoffreiche Dünger soll nicht vergessen werden und es erfreut mit einer Vielzahl von verschiedenen Rassen Groß und Klein. Wurden früher die
Schafe vorwiegend wegen der Wolle gehalten, so steht heute die Erzeugung von Lammfleisch an erster Stelle. Das Lamm sollte jung sein, einen möglichst hohen Fleischanteil bei
geringem Fettanteil aufweisen und auch noch möglichst naturnah und tiergerecht produziert worden sein. Die Konsumenten werden im Hinblick auf die Produktion immer sensibler. Die Schafhaltung in Österreich erfüllt all diese Anforderungen. Mit knapp 26 Schafen ist
die statistische österreichische Durchschnittsschafherde relativ klein, von Massentierhaltung keine Rede. Im Schnitt sind die Schafe auch 6 Monate auf der Weide und im alpinen
Raum davon rund 3 Monate auf der Alm.

Almhaltung von Schafen
In den alpinen Regionen Österreichs verbringen die meisten Schafe den Sommer über auf
der Alm. Die Tiere können sich dabei frei bewegen und haben die Möglichkeit, sich die
besten Pflanzen auszusuchen. Auch aus tiergesundheitlicher Sicht bringt die Alpung Vorteile, durch die relativ geringe Besatzdichte besteht praktisch keine Parasitenbelastung
und durch die Bewegung auf felsigem Grund werden auch die Klauen kurz gehalten. Die
Almhaltung bringt auch arbeitswirtschaftliche Vorteile, außer regelmäßige Kontrollgänge
und die Versorgung mit Salz und Mineralstoffen fällt keine Arbeit an. Die Almhaltung
kommt jedoch in Gefahr, wenn sich die großen Beutegreifer wie z.B. der Wolf weiter in Österreich ausbreiten. Der in diesem Zusammenhang geforderte Herdenschutz mit Zaun,
Herdenschutzhunden und Hirten ist im alpinen Raum nicht umzusetzen. Ein Zaun kann,
wenn überhaupt, nur mit erheblichem Aufwand errichtet werden, ausgebildete Herdenschutzhunde und Hirten stehen praktisch nicht zur Verfügung.
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Auch der Tourismus wäre durch solche Maßnahmen gefährdet. Beutegreifer und Schafe
nebeneinander das funktioniert nicht. Da helfen auch keine Entschädigungszahlungen. Die
Schafhalter sind viel zu tief mit ihren Tieren verbunden, das Tierwohl steht an oberster
Stelle. Wenn die Beutegreifer Überhand nehmen, dann werden die Schafe auf den Almen
verschwinden. Damit ist es auch mit der Landschaftspflege vorbei.

Zucht
Tierzucht ist in Österreich Landessache, dementsprechend gibt es in jedem Bundesland
einen Schafzuchtverband, der unter anderem auch für die Zucht verantwortlich ist. Für jede
Rasse gibt es ein eigenes Zuchtprogramm und seit kurzem wurde auch die Zuchtwertschätzung eingeführt. Für die Lammfleischerzeugung ist es wichtig, dass es fruchtbare
Mutterschafe mit guten Muttereigenschaften gibt, schließlich sollten pro Schaf und Jahr
doch mindestens 2 Lämmer verkauft werden. Zur Zucht gehört auch das Ausstellungswesen, welches in Tirol besonders ausgeprägt ist. Die vielen Vereine leisten hier sehr gute
Arbeit. Auf eines sollte jedoch nicht vergessen werden, nicht nur das äußere Erscheinungsbild eines Schafes ist wichtig, es kommt auch auf die Leistung an.

Dem Schafzuchtverein Arzl zur seinem Jubiläum herzlichen Glückwunsch und weiterhin
viel Erfolg.

Dr. Ferdinand Ringdorfer,
HBLFA Raumberg-Gumpenstein

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Kurzinformation zu den Themen
Räudebad und Klauenbad:
Das jährlich vor Almauftrieb durchgeführte Räudebad dient dem
Zweck, das Risiko eines Ausbruchs der Räudeerkrankung bei
Schafen und Ziegen zu verringern.
Räude ist eine hochansteckende Krankheit, welche durch verschiedene Arten von Milben verursacht wird. Je nach vorhandener Milbenart sind verschiedene Körperregionen bevorzugt betroffen,
überall führen die Milben jedoch zu massiven Entzündungen der
Haut, die mit Hautverdickung, Borken- und Krustenbildung sowie
Haarausfall einhergehen.
Zusätzlich entsteht hochgradiger Juckreiz, welcher zu starkem
Scheuern, Ruhelosigkeit und Abmagerung führt. Auch zu Blutarmut
kann es im Laufe einer Räudeerkrankung kommen.
Die Räude der Schafe und Ziegen (und auch der Einhufer) ist eine nach dem Tierseuchengesetz anzeigepflichtige Krankheit. Das heißt, bei Verdacht des Vorliegens von Räude
muss unverzüglich vom Tierarzt, dem Tierhalter, der Aufsichtsperson oder jeder anderen
Person, die den Verdacht der Räude erkennt, Anzeige beim zuständigen Amtstierarzt erstattet werden. Um dem Auftreten der Räude vorzubeugen, sind alle Schafen und Ziegen
vor dem Auftrieb auf Almen oder Weiden einer geeigneten Räudebehandlung zu unterziehen. Dies kann einerseits durch die Injektion eines geeigneten Antiparasitikums durch den
Tierarzt erfolgen, andererseits besteht die Möglichkeit, die Tiere mittels Räudebad zu behandeln.
Hierbei muss auf die korrekte Konzentration des Bademittels sowie auf die Einhaltung der
vorgeschriebenen Wartezeit gemäß Beipacktext geachtet werden. Das zur Zeit verwendete
Räudebad darf bei Schafen und Ziegen, die der Milchgewinnung dienen, nicht angewendet
werden. Diese Tiere müssen vor Auftrieb jedenfalls mittels Injektion durch den Tierarzt behandelt werden; hierbei sind die Wartezeiten laut Behandlungsbeleg des Tierarztes einzuhalten.
Alm- und Weidebesitzer sowie auch Hirten sind verpflichtet dafür zu sorgen, dass nur korrekt gekennzeichnete und gegen Räude behandelte Tiere aufgetrieben werden. Nichtsdestotrotz kann es zum Ausbruch von Räude bei vor Auftrieb gebadeten bzw. mittels Injektion behandelten Tieren kommen. Achtsamkeit von Tierhalter bzw. Hirte ist daher unerlässlich.
Klauenbäder stellen ebenfalls eine sinnvolle Methode sowohl zur Gesunderhaltung der
Klauen als auch zur Therapie verschiedener Erkrankungen wie zum Beispiel Moderhinke
dar. Vor einem Klauenbad ist jedoch unbedingt eine fachgerechte Klauenpflege, bei krankhaften Veränderungen erforderlichenfalls durch einen Tierarzt, durchzuführen. Fachgerechte Klauenpflege stellt sicher, dass die Tiere eine korrekte Klauenform und –stellung aufweisen, so dass eine physiologische Klauenfunktion erreicht wird und sich die Tiere ohne
Schmerzen fortbewegen können. Das Klauenbad kann die fachgerechte Klauenpflege
nicht ersetzen.

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Für Klauenbäder wurde die Verwendung verschiedenster Substanzen beschrieben, die
momentan gebräuchlichste und gleichzeitig einzige, für die in einem EU-Land eine arzneimittelrechtliche Zulassung besteht, ist Zinksulfat. Der Bezug des Präparats muss über den
Tierarzt erfolgen.
Wichtig für die Wirksamkeit eines Klauenbades ist - abgesehen von der korrekten Konzentration der Badesubstanz -, dass die Tiere das Klauenbad mit entsprechend sauberen Klauen betreten und dass eine ausreichend lange Einwirkzeit (abhängig vom verwendeten Präparat) gewährleistet ist. Nach Verlassen des Klauenbades ist darauf zu achten, dass die
Tiere für mind. 20 Minuten auf trockenem, sauberem Untergrund stehen bzw. gehen, um
die Wirkung des Klauenbades nicht zu mindern.
Auch was die Klauengesundheit betrifft ist zum Wohle der Tiere selbstverständlich eine
regelmäße Kontrolle durch den Halter und bei Bedarf Pflege bzw. Behandlung unerlässlich.
Mag. Sophie-Marie Gschaider
Amtstierärztin Stadtmagistrat Innsbruck

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Chlamydien-Abort bei Schafen
Es liegt in der Natur, dass nicht jede Trächtigkeit mit der Geburt gesunder Jungtiere enden kann. Mit einzelnen Aborten muss jeder Tierhalter immer rechnen. Aborte können unterschiedliche Ursachen haben und nicht immer können diese eruiert werden. Treten Aborte aber
gehäuft auf, so werden diese meist durch Infektionen verursacht, deren Erreger größtenteils erfolgreich bekämpft werden kann. Treten
vermehrt Aborte im Betrieb auf, sollte unbedingt der zuständige Betreuungstierarzt informiert werden. Dieser entscheidet dann, ob Nachgeburtsteile und eventuell auch abortierte Feten und Blut zur Untersuchung eingeschickt werden. Im Rahmen des Tiergesundheitsdienstes
werden solche Untersuchungen auch gefördert und in Anspruch genommen.
Es gibt bei Schafen eine Reihe von Infektionserregern, die sowohl für verschiedene Tierarten, als auch für den Menschen gefährlich sind. Die größte Gefahr besteht für Menschen,
die abortierende Tiere betreuen, da diese durch den direkten Kontakt einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Einer speziellen Gefährdung sind schwangere Frauen ausgesetzt. Diese können durch eine Ansteckung mit Aborterregern selber einen Abort erleiden und schwer erkranken. Deshalb gilt, dass schwangere Frauen Ställe mit Kleinwiederkäuern grundsätzlich fernbleiben sollten. Zumindest wenn in einem Stall Tiere abortierten,
sollte jeder Kontakt vermieden werden, bis geklärt ist, ob es sich um gefährliche Erreger
handelt oder nicht.
In Tirol wurden in den letzten Jahren bei zahlreichen Verlammungen Chlamydien als Abortusursache festgestellt. Chlamydien-Aborte treten als seuchenhaftes Verwerfen meist im
letzten Drittel der Trächtigkeit auf. Auch Totgeburten und lebensschwache Neugeborene
sind Hinweise auf Chlamydienaborte. Oft verwerfen die Muttertiere ohne weitere Krankheitsanzeichen.
Hauptinfektionsquelle sind Zukäufe von gesund erscheinenden, aber infizierten Tieren. Die
Ansteckung erfolgt durch den Kontakt mit Abortusmaterial (verschmutztes Stroh, Stalleinrichtungen und Arbeitsgeräte). Große Beachtung muss daher der Hygiene geschenkt werden. Tiere mit Anzeichen von Abort oder Tiere, die bereits verworfen haben, sollten von
den anderen Tieren separiert werden. Nach Bestätigung der Diagnose durch Laboranalysen müssen die hochträchtigen Tiere des Bestandes vom Tierarzt sofort mit Antibiotika
behandelt werden. Falls die Ablammung nach 2 bis 3 Wochen noch nicht erfolgt ist, muss
die Behandlung wiederholt werden. Die intensive Behandlung mit Antibiotika verhindert in
den meisten Fällen den Abort, nicht aber die Ausscheidung der Chlamydien bei der Geburt!
In befallenen Herden sollte versucht werden, durch einen umfassenden Impfschutz Aborte
in der nächsten Ablammperiode zu verhindern.

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Bei jedem Abort sollten die Feten und sämtliche Nachgeburtsteile separat in geschlossenen Konfiskatbehältern gelagert und anschließend über die TKV entsorgt werden. Durch
solche Maßnahmen kann man nicht nur die Ausbreitung von Chlamydienaborte reduzieren,
sondern auch Q-Fieber, welches ebenfalls bei Tieren und Menschen zu Erkrankungen
führt. Q-Fieber wurde ebenfalls bei den Untersuchungen als Auslöser von Aborten in Tirol
bei Schafen und Ziegen nachgewiesen.

Dr. Christian Mader
Tiroler Tiergesundheitsdienst

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Die Wirkung der Schafweide auf das Erosionsgeschehen auf steilen Hängen
Erosionsprozesse:
Schneeschurfblaiken
Sie entstehen durch die Schurfwirkung des gleitenden Schnees. Die Vegetation und die Bodenoberfläche bewirken Reibung auf die abgleitende
Schneedecke, dadurch werden Scherkräfte frei, die die Bodenoberfläche
erodieren und abhobeln. Langhalmiges Gras begünstigt das Schneegleiten, das an herausragenden Punkten wie alleinstehenden Latschen,

Steinen, Hangkanten oder Weidegangeln angreift. Dadurch werden diese herausgerissen
oder abgehobelt und nach unten transportiert.
Abb. 1: Verschiebung von Latschen hangabwärts, Nordkette bei Innsbruck 2003 – 2005 2009 (Kohl et al. 2013)

Blattanbrüche
Diese Form des Bodenabtrags wird durch Nivation hervorgerufen. Dabei entstehen im Moment einer Schneerutschung durch die Rissbildungen in der Schneedecke Umlagerungskräfte, die zur Setzung derselben führen. Dies verursacht erhöhten Druck auf den unterlagernden Boden, der bei Wassersättigung einen Anstieg des Porenwasserdrucks erfährt
und dadurch von der rutschenden Schneedecke mitgerissen wird. Derartige Phänomene
treten meist im Spätwinter während der Schneeschmelze auf und äußern sich eindrucksvoll als schmutzige Grundlawinen.
Standortsfaktoren die für die Wirkung der Schafweide auf die Erosions- und Abflussprozesse auf Steilhängen maßgeblich sind

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Der Einfluss der Schafweide auf Erosions- und Abflussprozesse auf Steilhängen wird von
mehreren Faktoren bestimmt. Einerseits von Standortsfaktoren wie Hangneigung, Seehöhe, Exposition, Geologie und Bodeneigenschaften andererseits vom Zustand der Vegetation und letztlich von der Nutzungsform und Intensität.
Je steiler Hanglagen ausgeformt sind, umso anfälliger für Schneegeleiten oder gar Lawinenabgängen sind sie. Schneegleiten beginnt bereits bei Hangneigungen von 25° bis 30°.
Auch nähert sich Lockermaterial mit steigender Hangneigung mehr und mehr seiner
Grenzneigung, ab der aufwärts es immer anfälliger für Abtrag wird. Es wird dadurch die
stabilisierende Wirkung der Vegetation immer bedeutsamer.
Die Exposition hat wiederum Auswirkung auf Schneeeintrag z.B. im Lee der Winde, die
Sonneneinstrahlung, welche auf Wassergehalte der Böden, den Wärmehaushalt und direkt
auf die Vegetation einwirkt.
Die Seehöhe bestimmt maßgeblich die Vegetationsdauer und damit das Regenerationspotential der Vegetation und die Bodenentwicklung.
Geologie und Bodeneigenschaften hängen unmittelbar zusammen und sind zentral für die
Vegetation. Als sensibel sind flachgründige Böden auf Kalkfels oder Schottermaterial sogenannte Rendzinen, Ranker und vernässte Standorte auf tonhaltigen Böden der Gleyfraktion, anmoorigen bis moorigen Böden zu bezeichnen. Letztere sind sehr empfindlich gegen
Vertritt.
Die Vegetation wird ihrer stabilisierenden Wirkung am besten gerecht, wenn ein möglichst
dichter, artenreicher und standortsangepasster Bestand vorhanden ist. Dies wird maßgeblich von der Bewirtschaftung beeinflusst: Dabei kommt es darauf an, ob die Beweidung
extensiv oder reguliert erfolgt, die Bestoßungszahlen standortsangepasst sind, die notwendige Almpflege gegeben ist.
Wirkung der Schafweide
Die Beweidung der Berghänge mit Schafen ist eine alte Nutzungsform, deren Auswirkung
auf den Abfluss- und Erosionsprozess von Weideführung, Zeitpunkt und Dauer der Beweidung und der Besatzdichte abhängt. Grundsätzlich ist die Schafalpung weder als negativ
noch als positiv zu bewerten. Die Frage stellt sich nach der Verträglichkeit, da jedenfalls
ein massiver Einfluss in beide Richtungen durch das Weideverhalten auch des Schafes
auf die Standorte ausgeübt wird.
Vegetation
Die extensive, weitflächige Weideform kommt dem Schaf in seiner Bewegungsaktivität entgegen. Dadurch und durch seine Gebirgstauglichkeit werden keine Flächen ausgelassen.
Sein Drang zu Gipfel und Gratlagen führt oft zu örtlicher Überweidung und Überdüngung
und damit zur Änderung der Artenzusammensetzung. Die ständige Bewegungsaktivität
führt zu höherer Verbissaktivität. Durch den schmal ausgeformten Äser beißt das Schaf die
Pflanzen sehr tief ab, was die Regenerationsphase der Pflanzen verlängert. Dazu gesellt
sich die Vorliebe für magere Pflanzenbestände mit tiefwurzelnden Rosettenpflanzen aber
auch für frische junge Gräser und Kräuter ,die einen selektiven Druck auf die Pflanzengesellschaften ausübt, daraus resultiert eine Verarmung der Artenzusammensetzung. Dies
hat insbesondere Auswirkung auf die Wiederbesiedlung von offenen Blaikenflächen. Auch
Latschenbestände werden durch den Verbiss der Jungtriebe beeinträchtigt.

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