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2017 . April . 1

ZeitplantRaum!

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e Die Schilleroper in ewiger Zirkus Vom permanenten Zirkuszelt zum Schillertheater zur Schilleroper, der ewig bedrohten und umkämpften Herberge für Zwischenlösungen. Der Rhythmus des Wartens der Stadt Prishtina komprimiert auf ein Bauwerk ist einzigartig, ein Wechsel aus Leere und Leben. Das Gebäude – mit dem Ziel, einem wandernden Geschäft einen dauerhaften Standort zu geben – verfehlt sein Ziel und bietet nur Dramen und Diskussionen eine ständige Unterkunft. Heute bemühen sich Anwohner um eine Aufwertung des einsturzgefährdeten Gebäudes, das im Laufe seiner Geschichte schon Eisbären, Dompteure, Schauspieler, Opernsänger, Boxer, Kriegsgefangene, Flüchtlinge, Gastarbeiter und Clubgänger beherbergt hat. Doch hat die früher einmal so enge Beziehung zwischen der Schilleroper und der Öffentlichkeit überhaupt noch eine Zukunft? Oder haben das Herunterwirtschaften, Brände und Spekulationen den Bogen schon so weit überspannt, dass es keine Hoffnung mehr gibt? #warten #permanentteMporarity Schon die Idee des Zirkusbetreibers Paul Busch um 1989, seinen Zirkus, eine temporäre Installation, in einem permanenten Standort unterzubringen, ist der paradoxe Beginn dieser permanenten Temporarität (permanent temporarity). Um die Zirkusaufführungen ranken sich die wildesten Geschichten, beispielsweise sollen einmal 120 Eisbären über eine Rutsche in die Manege gerutscht sein. Doch nach einigen Jahren erfolgreichen Zirkus-Betriebs wird die erste von vielen Phasen des Wartens in der Schilleroper eingeleitet. Obwohl Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Eröffnung eines Theaterbetriebs ein aktiver Prozess stattindet, reicht die Beschleunigung nicht aus, um den Theaterbetrieb zu halten. Der Betreiber geht bankrott und aus dem Schillertheater wird die Schilleroper. Dies ist nach dem Zirkusbetrieb die erfolgreichste Epoche der Schilleroper – bis sie mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs eine abrupte Entschleunigung erfährt. Während des Krieges verschlechtert sich der Zustand des Gebäudes zunehmend, bis eine Brandbombe Teile der Anlage zerstört. Danach werden gegen Ende des Krieges temporär Kriegsgefangene und nach Ende des Krieges Flüchtlinge in dem beschädigten Gebäude untergebracht. Das Lebensgefühl des Wartens auf Verbesserung in dieser Zeit spiegelt sich in der entschleunigten Entwicklung der Schilleroper wieder. Nach einem Besitzerwechsel scheint mit der Eröffnung eines Wohnheims für ausländische Arbeitskräfte um 1950 wieder eine stärkere Beschleunigung stattzuinden. Jedoch ist dies nur von kurzer Dauer und eine erneute lange Phase des 28 Wartens, begleitet von vielen erfolglosen Debatten um die Zukunft der Schilleroper, setzt ein. Aus Glück im Unglück zerstört in dieser längsten Phase des Leerstands ein Brand 1975 einen Großteil der Rotunde. Die daraus resultierende Einsturzgefahr der Rotunde und die andauernden Diskussionen um einen möglichen Abriss verlängern die lange Warteperiode zusätzlich. Mit der Unterbringung von Asylbewerbern und der gleichzeitigen Einrichtung eines Edelrestaurants wird das Warten zumindest temporär beendet. Trotz der bizarren Umstände bringt neues Leben, Wohnen und Arbeiten eine schleppende Beschleunigung in den Entwicklungsprozess der Schilleroper. Durch die Ankündigung des Denkmalschutzes gegen Ende des 20. Jahrhunderts indet zwar eine Entschleunigung statt, gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue Perspektiven und Ideen für die Zukunft der Schilleroper. Das Warten setzt wieder ein. Zwischen zwei Phasen dieses Wartens beherbergt die Schilleroper für kurze Zeit einen viel gelobten Club. Nach rund 60 Jahren spielt die Kultur wieder eine Rolle in der Schilleroper. Diese kurze Phase der Beschleunigung nimmt wieder einmal aus inanziellen Gründen ein abruptes Ende. Das Eintreten des Denkmalschutzes der Rotunde bringt starke Einschränkungen der zukünftigen Perspektiven der Schilleroper mit sich. Diese Entschleunigung führt zu einer neuen Phase des Wartens, welche von Spekulationen begleitet wird und bis heute nicht unterbrochen wurde. Den einzigen erkennbaren Rhythmus in der unbeständigen Geschichte der Schilleroper stellen ihre Besitzerwechsel und deren Folgen dar. Jedes Mal, wenn das Gebäude seinen Besitzer wechselt, indet eine Veränderung des Zustands statt, zumeist eine Verbesserung und eine Beschleunigung. So wie bei vergleichbaren Projekten, wie dem Kreativquartier in München, muss man sich hier fragen ob es durch das viele Warten und den dadurch kontinuierlichen Verfall nicht bald zu spät sein wird, um tatsächlich langfristige Pläne auch umzusetzen. Der Traum vom Zirkus Den einzigen erkennbaren Rhythmus in der unbeständigen Geschichte der Schilleroper stellen ihre Besitzerwechsel und deren Folgen dar. Die Schilleroper heute 29

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